Direkt zum Inhalt

50 Jahre Kreisarchiv Mettmann

Gedächtnis der Verwaltung und Wissensspeicher für alle

Eine virtuelle Ausstellung von

01
Geschichte des Kreisarchivs

Das "Archiv" vor dem Archiv

Erste Überlegungen für die Einrichtung eines Kreisarchivs stellten die Verantwortlichen im Kreis Düsseldorf-Mettmann schon in den 1950er-Jahren an, nachdem die alte Kreisregistratur bei Bombenangriffen auf das Kreishaus im Zweiten Weltkrieg weitgehend vernichtet worden war.

Nach Aufforderung durch das Staatsarchiv in Düsseldorf wurde in der Kreistagssitzung am 31. Mai 1951 beschlossen, dass der Kreisbüchereipfleger Dr. Willi Fentsch aus Velbert zusätzlich als Archivpfleger eingesetzt wird. Eine seiner wichtigen Aufgaben war die Ermittlung und Betreuung des vor Kriegszerstörung geretteten Schrifttums in den kreisangehörigen Städten und Ämtern.

Über zehn Jahre später mietete der Kreis Düsseldorf-Mettmann am 30. Juli 1963 von Clemens Graf von Spee mehrere Räume in Schloss Linnep in der damals noch selbstständigen Gemeinde Breitscheid (heute Ratingen), um ausreichend Platz für die Lagerung von Altakten zu haben. Daraus entstand einige Jahre später das Kreisarchiv.

Eng verwoben mit der Entstehung des Kreisarchivs ist die Erstellung einer "Bergischen Bibliographie". In der Sitzung des Schul- und Kulturausschusses vom 22. Juni 1964 wurde nicht nur beschlossen, ein Kreisarchiv einzurichten, sondern auch, sich an dem Aufbau der von der Kommunalen Arbeitsgemeinschaft Bergisch Land beschlossenen „Bergischen Bibliographie“ zu beteiligen. 
Für die Aufgaben der Bibliographie, die ebenfalls in Linnep untergebracht wurde, stellte der Kreis im Spätsommer 1965 Dr. Max J. Holthausen (Foto) ein.

Das junge Kreisarchiv

Im April 1970 teilte Oberkreisdirektor Günther Nothnick den Dezernaten der Kreisverwaltung mit, dass Dr. Holthausen berechtigt ist, archivwerte Gegenstände zu sammeln und aufzunehmen: Schriftgut (z.B. Akten, Urkunden) und Schrifttum (Bücher, Broschüren).

01. September 1972 - Das Kreisarchiv bekommt ersten hauptamtlichen Archivar
Der erste Kreisarchivar Werner Adrian hatte eine Fülle von Aufgaben. Zu der Zeit war es wichtig, dass das Archiv auch Informationsstelle für Kreistagsabgeordnete war und die Tätigkeit des Kreistages und der Ausschüsse dokumentierte.

Zwischen dem Kreis und der Stadt Langenberg wurde im Mai 1973 ein Depositalvertrag über das gesamte Schriftgut Langenbergs vor 1945 (mit einem großen Teil aus dem 19. Jahrhundert) und gebundene Exemplare der Langenberger Zeitungen vereinbart, der aber nie umgesetzt wurde.

Am 03. Oktober 1974 beschloss der Kreisausschuss, rund 4.000 vom Zeitungsverlag W. Girardet, Wuppertal,  herausgegebene Zeitungsbände anzukaufen.

Anfang 1976 übernahm Siegfried Stillings das Amt des Kreisarchivars. Zu seinen ersten Tätigkeiten gehörte die Veröffentlichung eines Findbuchs des Kreisarchivs mit ca. 3.500 verzeichneten Akten. Er begann die Dokumentation der Niederschriften des Kreistages und der Ausschüsse und ließ Kopien von Kirchenbüchern (Ratingen, Mettmann, Linnep) anfertigen.

Seit Beginn der 1980er-Jahre war die räumliche und bauliche Situation im Schloss Linnep (Foto) angespannt: Wegen der unsicheren Statik des oberen Geschosses durften zeitweise keine Akten aus der Kreisverwaltung mehr übernommen und eingelagert werden. Die Verwaltung überlegte, ob sich bauliche Maßnahmen im Schloss lohnten oder das Archiv in einem Gebäude der Kreisverwaltung in Mettmann untergebracht werden könnte.

In dieser Situation übernahm im September 1986 Ulrich Rauchenbichler die Archivleitung, der zuvor schon für die Bergische Bibliographie gearbeitet hatte. Im selben Jahr übernahm das Kreisarchiv die in der frühen Nachkriegszeit beim Ausgleichsamt entstandenen Akten über Entschädigungen von Kriegssachschäden.

Umzug von Linnep nach Mettmann

Durch den schlechten baulichen Zustand von Schloss Linnep und das Betretungsverbot des oberen Geschosses mit den Archivmagazinen kamen andere Pläne für das Kreisarchiv ins Spiel. Die Überlegung, die Gebäude bzw. Garagen des Kreisbauhofs nach einen entsprechenden Umbau zu nutzen, wurden sehr konkret ausgestaltet. Man sah darin einen großen Vorteil, da die Räume schon dem Kreis gehörten und das Archiv dadurch in Verwaltungsnähe rücken konnte.

Zeitungsartikel aus der Rheinischen Post über den Umzug des Kreisarchivs von Schloss Linnep nach Mettmann.

Schließlich beschloss der Kreis 1992, das ehemalige Fabrikgebäude der Firma Johann Peters Wolters an der Düsseldorfer Straße gegenüber dem Kreishaus zu kaufen. Dort wurden mehrere Räume für Archivzwecke hergerichtet und das Kreisarchiv zog 1996 dorthin um. Das Archiv vergrößerte sich in den folgenden Jahren durch die Übernahme zahlreicher Verwaltungsakten und die Einrichtung eines Zwischenarchivs für einzelne Ämter der Kreisverwaltung weiter.

Das Kreisarchiv seit dem Jahr 2000

Das Kreisarchiv hatte nach dem Umzug neue Projekte im Bereich der historischen Bildungsarbeit in Angriff genommen. Neben verschiedenen kleinen Ausstellungen (z. B. zur Frauengeschichte, zu den Kreishäusern) wurden auch diverse Publikationen von Kreisarchivar Ulrich Rauchenbichler herausgegeben, z. B. zum 25-jährigen Bestehen des neuen Kreises Mettmann oder Biographien aller Landräte bis 1945. Gemeinsam mit dem Arbeitskreis der Archive im Kreis Mettmann wurde 2003 die für Schulen konzipierte Dokumentation "Zwangsarbeit im Kreis Mettmann" erarbeitet.

Als 2012 Joachim Schulz-Hönerlage die Leitung des Archivs übernahm, erwarteten ihn zwei große Projekte. Zum einen musste die Planung für das Jubiläum zum 200-jährigen Bestehen des Kreises 2016 begonnen werden, zum anderen war die Vorbereitung des absehbaren Archivumzugs in Angriff zu nehmen, der dann 2017 stattfand. Es war der zweite Umzug des Kreisarchivs.

Im neuen Verwaltungsgebäude 2, in dem außer dem Kreisarchiv noch andere Ämter untergekommen sind, steht nun für die nächsten Jahre genügend Platz für die Aufbewahrung des Archiv- und Sammlungsgutes zur Verfügung.

In der Archivbibliothek sind Ende 2022 über 10.000 Medien vorhanden und katalogisiert, in den Archivbeständen sind in der Datenbank ebenfalls über 10.000 Archiveinheiten verzeichnet. Hinzu kommen im Bildarchiv rund 250.000 Fotoabzüge, Dias und Negative, die zum Teil schon digitalisiert wurden. Des Weiteren verfügt das Kreisarchiv über einen großen Bestand an Zeitungen sowie Sammlungen von Karten, Plänen und Plakaten, die leider noch weitgehend unverzeichnet sind.

Ein Überblick über die vorhandenen Archivalien folgt im nächsten Kapitel dieser Ausstellung.

02
Archivalien

03
Öffentlichkeits- und Historische Bildungsarbeit

Außenwahrnehmung

Das Archiv ist Gedächtnis der Verwaltung und Wissensspeicher für alle. Jede:r Interessierte:r darf Einblick in das Archivgut nehmen und es für eigene Zwecke nutzen. Berücksichtigt werden müssen allerdings Schutzfristen für personenbezogene Unterlagen.

Damit das Archiv in der Wahrnehmung der Gesellschaft überhaupt präsent ist, ist es wichtig, Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben. Dafür bieten sich unterschiedliche Möglichkeiten an: Führungen durch das Archiv oder die Teilnahme am Tag der Archive, der alle zwei Jahre vom "VdA – Verband deutscher Archivarinnen und Archivare e.V." deutschlandweit veranstaltet wird. Dazu gehört auch die Präsenz in Archivportalen und eigene Webauftritte.

Ein weiterer, nicht unerheblicher Teil der Öffentlichkeitsarbeit des Kreisarchivs ist die Erforschung und Vermittlung der Geschichte des eigenen Sprengels in Form von Führungen, Publikationen oder Ausstellungen. So gab es in der Vergangenheit Ausstellungen zur Frauengeschichte im Kreis, zu den Kreishäusern und zum Jüdischen Leben.

In diesem Abschnitt möchten wir Ihnen einige aktuelle und frühere Projekte des Kreisarchivs vorstellen.

Bergische Bibliographie

Bevor Ulrich Rauchenbichler 1986 Leiter des Kreisarchivs wurde, war er einige Jahre als Nachfolger von Dr. Max Holthausen Bearbeiter der Bergischen Bibliographie.

Die Bergische Bibliographie war ein Gemeinschaftsprojekt des Landschaftsverbands Rheinland, der Kommunalen Arbeitsgemeinschaft Bergisch Land e. V. und des Bergischen Geschichtsvereins e. V. Der Kreis Mettmann stellte die Arbeitsräume und Arbeitsmittel zur Verfügung. Ziel des Hilfsmittels war, allen am Bergischen Land Interessierten das rasche Auffinden wichtiger Veröffentlichungen über die Region zu ermöglichen.
Die Anfänge der Arbeit an der Bergischen Bibliographie gehen bis auf das Jahr 1966 zurück und sind mit dem Namen Dr. Max Holthausen verbunden. 1977 erschien ein erster Band der Bibliographie, 1986 eine Überarbeitung durch Ulrich Rauchenbichler.

Journal

Das "Journal. Jahrbuch des Kreises Mettmann" erschien erstmals 1981 und brachte jährlich Informationen über Wirtschaft, Kultur, Natur, Geschichte, Soziales und über interessante Persönlichkeiten aus Geschichte und Zeitgeschehen. Neben den historischen Themen bildeten Berichte über aktuelle Fragestellungen und moderne Kunst und Kultur einen weiteren inhaltlichen Schwerpunkt. Das Kreisarchiv arbeitete in der Redaktion des Journals mit und Kreisarchivar Ulrich Rauchenbichler war als Autor vielfach vertreten.

Zwischen 1981 und 2011 erschienen 31 Bände. Der Kreistag beschloss 2012, das Jahrbuch einzustellen.

Neuigkeiten aus alter Zeit

Im April 1991 wurde das Buch "Neuigkeiten aus alter Zeit" veröffentlicht, an dem Kreisarchivar Ulrich Rauchenbichler als Autor und Redakteur beteiligt war. Darin finden sich die Geschichte des Kreises Mettmann wie auch die Geschichte(n) der zehn kreisangehörigen Städte.

"Es zeigt Gemeinsamkeiten in der Entwicklung auf, schildert die interessante Fülle stadttypischer Besonderheiten und bringt uns Geschichte [...] eindrucksvoll nahe. Sorgfältig, kenntnisreich und mit heimatverbundenem Engagement führen renommierte Autoren, die seit langen Jahren 'ihre' Stadtgeschichte aufarbeiten, den Leser von der Frühgeschichte bis in unsere Tage." (zitiert aus dem Klappentext von "Neuigkeiten aus alter Zeit", 1991)

Die Landräte 1816 - 1945

Ebenfalls 1991 erschien die von Ulrich Rauchenbichler verfasste Publikation "Kreis Mettmann - Die Landräte 1816-1945. Biographische Notizen."

Die "Broschüre mit biographischen Daten und Notizen versucht, das Leben und Wirken der Menschen festzuhalten, die von 1816-1945 als Landräte und kommissarische Landräte für die Kreise Düsseldorf, Mettmann und Düsseldorf-Mettmann tätig waren." (zitiert aus dem Vorwort)

200 Jahre Kreis Mettmann

Der Kreis Mettmann feierte - wie die meisten Kreise in Nordrhein-Westfalen auch - im Jahr 2016 sein 200-jähriges Bestehen. Kreisarchivar Joachim Schulz-Hönerlage erarbeitete anlässlich dieses Ereignisses eine Wanderausstellung und einen Ausstellungskatalog.

Die Ausstellung wurde im Rahmen des Festaktes eröffnet und im Kreishaus gezeigt. Anschließend machte sie in jeder kreisangehörigen Stadt Station.

Aktuell ist die Ausstellung im Verwaltungsgebäude 2 des Kreises Mettmann in der Goethestr. 23 zu sehen. Die Publikation ist im Kreisarchiv erhältlich oder kann hier heruntergeladen werden.

Gedenkzeichen "Heller Schatten"

Das Neandertal wurde zur Zeit der nationalsozialistischen Willkürherrschaft Schauplatz von furchtbaren Verbrechen. Nachweislich 149 Menschen wurden verfolgt, ausgebeutet, gefoltert und getötet.
Im Rahmen einer Gedenkfeier wurde für die
Opfer am 21. August 2020 die Skulptur "Heller Schatten" der Künstlerin Franziska Peter in der Nähe des Neanderthal Museums der Öffentlichkeit übergeben und damit ein Gedenkort geschaffen.

Zudem gab Kreisarchivar Joachim Schulz-Hönerlage die Publikation "Verfolgt-Ausgebeutet-Ermordet - Das Neandertal als Schauplatz nationalsozialistischer Verbrechen" heraus.

Startseite des Kreislexikons Mettmann unter https://kreislexikon-mettmann.de.

Lexikon des Kreises Mettmann

Das „Historische Lexikon für den Kreis und die Städte“ ist ein vom Kreisarchiv Mettmann redaktionell betreutes historisch-kulturelles Informationssystem, das in kompakter und übersichtlicher Form einen Zugang zu historischen Informationen aller Art für alle Interessierten und besonders auch für Bildungseinrichtungen schaffen will. Der Aufbau des Projekts durch das Kreisarchiv erfolgte mit Hilfe der regionalen Kulturförderung des Landschaftsverbands Rheinland. Es wurde in den Jahren 2021 bis 2022 durch die Historikerin Dr. Andrea Niewerth gemeinsam mit dem Leiter des Kreisarchivs, Joachim Schulz-Hönerlage, realisiert und soll in den kommenden Jahren durch weitere Artikel ergänzt werden.

Das Lexikon soll zur Stärkung der Identität der Region, des Kreises und der kreisangehörigen Städte beitragen. Gleichzeitig soll auch die Zusammenarbeit und die Vernetzung aller Akteure auf dem Gebiet der Lokal- und Regionalgeschichte (Heimat- und Geschichtsvereine, Archive, Museen u. a.) gefördert und gestärkt werden.

04
Bestandserhaltung