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Von der Königlichen Versuchsanstalt zur BAW

120 Jahre wissenschaftlicher Verkehrswasserbau und Schiffbau

Eine virtuelle Ausstellung von

Vorwort

Die Geschichte der Bundesanstalt für Wasserbau verläuft nicht linear, sondern ist geprägt von politischen und strategischen Einflüssen.
Aufgrund der Teilung Deutschlands und der unterschiedlichen politischen Interessen der Besatzungsmächte wurden teilweise parallele Forschungsinstitutionen betrieben, die erst im Jahr 1990 wieder unter einem Dach zusammengeführt wurden.

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Gründung der königlichen Versuchsanstalt für Wasserbau und Schiffbau 1903

Alles begann mit der Gründung der königlichen Versuchsanstalt für Wasserbau und Schiffbau im Jahr 1903: Der Ausbau der nationalen Infrastruktur und das außenpolitische Weltmachtstreben waren der Ausgangspunkt für den Zusammenschluss von zwei Forschungsgebieten: Wasser- und Schiffbau.

Die industrielle Entwicklung führte zu einem rasanten Aufschwung des Wasserbaus. Flüsse wurden systematisch als Transportwege ausgebaut, Wasserkraftanlagen dienten zur Energieerzeugung. Bei umfangreichen Baumaßnahmen (Bau von Häfen, Talsperren, Stauanlagen, Küstenschutz, Wasserver- und -entsorgung usw.) wurde oftmals technisches Neuland betreten. Weil man damals Maßnahmen mit zumindest teilweise unbekannten Wirkungen mit neuen Methoden realisierte, wurden Einrichtungen benötigt, die diese Aktivitäten wissenschaftlich unterstützten und dabei schnell für die Praxis nutzbare Kenntnisse erzielten. Ende des 19. Jahrhunderts wurde somit die Notwendigkeit wasserbaulicher Modellversuchseinrichtungen für die Baupraxis offensichtlich. Die schiffbauliche Forschung war zur Gründung auf militärpolitische Ziele ausgerichtet. Die Entwicklung der Versuchsanstalt wurde wesentlich von Hans Detlef Krey geprägt, der sie von 1910 bis 1928 leitete.

Blick auf die Schleuseninsel in Berlin-Tiergarten

Erster Standort der Königlichen Versuchsanstalt für Wasserbau und Schiffbau (VWS) war ab 1903 die Schleuseninsel in Berlin Tiergarten.

Die Anlaufphase bis zum Jahre 1910 stand ganz im Zeichen des Aufbaus der Kriegsmarine. Die Modelle aller seit 1905 in Auftrag gegebenen Kriegsschiffe wurden in Berlin geschleppt.

Insbesondere die Wasserbauabteilung des „Berlin Laboratory“, wie die VWS international genannt wurde, prägte die Entwicklung des wasserbaulichen Versuchswesens nach dem ersten Weltkrieg. Die VWS verfügte bei ihrer Gründung nur über wenig Fläche für Versuchseinrichtungen auf der Schleuseninsel in Berlin-Tiergarten, die außerdem vorrangig für die schiffbaulichen Untersuchungen genutzt wurden. 1926 wurde in Potsdam Marquart und 1934 in Berlin-Karlshorst wasserbauliches Versuchsgelände dazu gewonnen.

Erste Versammlung der IAHR

Auf der Schleuseninsel in Berlin fand die erste Versammlung der IAHR 1937 statt. Die IAHR war als internationale Vereinigung der Betreiber von Wasserbauversuchsanstalten 1935 gegründet worden (Heute: International Association for Hydro-Environment Engineering and Research). Auf dem Bild sind neben Rudolf Seifert von der VWS so bekannte Karlsruher Wissenschaftler wie Theodor Rehbock und Heinrich Wittmann zu sehen.

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Getrennte Wege nach dem Krieg

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Modellbau

Verschiedene Detailmodelle zum Aufbau des Rheinmodells "Binger Loch" auf dem Freigelände der BAW

Modelle in den 70er Jahren

In der Außenstelle Küste in Hamburg wurden auch großflächige Modelle des Elbeästuars betrieben. In den 1970er Jahren wurde dazu Kunststoffgranulat (gelbes Polysterol) als Ersatz für den natürliche Sand genutzt. Mit solchen Tidemodellen mit beweglicher Sohle gab es weniger Erfahrungen als mit den Flussmodellen. Mitarbeiter der Außenstelle in Hamburg etablierten diese Methode aufbauend auf ihren Erfahrungen an der Binnenelbe in Berlin-Karlshorst und den Ästuarmodellen mit fester Sohle. Die Maßstäbe waren jedoch anders als im Binnenbereich.
Als mit dem Fortschritt der Rechentechnik die großen Ästuarmodelle numerisch bearbeitet werden konnten, wurden die großen gegenständlichen Modelle in den 1990er Jahren endgültig abgeschafft. Das Granulat wurde in Flussmodellen nachgenutzt und ist derzeit in Laboren auf der ganzen Welt im Einsatz.

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Die BAW wächst

Blick auf den Neubau der Halle für Versuche an hydraulischen Modellen. Die Dachträger sind vorgefertigt und werden mit Hilfe von Kränen montiert
Blick auf das Rechenzentrum der Bundesanstalt für Wasserbau und das Hauptgebäude dahinter 1974

Die Entwicklungen seit 1990

Die FAS wurde 1990 aufgelöst. Zu dem Zeitpunkt war die FAS in den Fachgebieten Binnenschifffahrt, Versuchswesen, Verkehrsbau / Spezialbau, Wasser- und Grundbau tätig. So wurden in der FAS z. B. Talsperren und Häfen untersucht, die Rekonstruktion bestehender Bauwerke (u. a. Schiffshebewerk Niederfinow) projektiert und rechentechnische Lösungen für unterschiedliche Aufgaben des Verkehrswesens erarbeitet.
Mit der Mehrzahl der Mitarbeiter und Anlagen entstand 1990 eine weitere Außenstelle der BAW in Berlin.

Entsprechend politischer Vorgaben erfolgte 1998 eine Neuorganisation der BAW, weil die Außenstelle in Berlin verlagert werden musste. Zeitweilig entstand eine weitere Außenstelle in Ilmenau. Alle Aufgaben des Wasserbaus im Binnenbereich werden seither am Standort Karlsruhe und für den Küstenbereich am Standort Hamburg wahrgenommen.

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Die Arbeit der Wissenschaftler damals und heute

BAW heute

Aktuell arbeitet die BAW an rund 100 Forschungsvorhaben zu Infrastruktur, Mobilität und Umwelt – häufig in enger Kooperation mit anderen Forschungseinrichtungen. Die Themen reichen von Fragen des Sedimentmanagements bis zur Instandsetzung von Bauwerken, von der Wiederherstellung der ökologischen Durchgängigkeit an Staustufen bis zur Schaffung naturnaher Lebensräume durch technisch-biologische Ufersicherungen.