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„Es blüht eine Rose zur Weihnachtszeit ...“

Die sagenumwobene Christrose in historischen Darstellungen

Universitätsbibliothek Regensburg


Helleborus Niger

Digitalisat einer Abbildung, Laufzeit von 1787-1800, erschienen 1787

Aus der Sammlung von

Universitätsbibliothek Regensburg

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Quelle

Christrosenabbildung aus Curtis, William: Botanical magazine or flower garden displayed. Bd. 1 (1787). Helleborus Niger. Black Hellebore or Christmas Rose

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Kurzbeschreibung
Schwarze Christrose. - Aus: Curtis, William: Botanical magazine or flower garden displayed, Band 1 (1787). Helleborus Niger. Black Hellebore or Christmas Rose
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Helleborus niger

Die Winterausstellung an der UB Regensburg

Nachdem die vorjährige Winterausstellung "Observationes meterologicae: Placidus Heinrich und seine Wetteraufzeichnungen" und die damit begleitende Weihnachtskarte so großen Zuspruch fand, war auch der Jahreswechsel 2011 Anlass, Teile der wertvollen Bestände der Universitätsbibliothek Regensburg vorzustellen.
Auf die Emmeramer Wetterfrösche folgte ein Portrait einer Pflanze: die schwarze Christrose (Helleborus niger).


01

Weihnachtsorakel



Helleborus Lividus

Digitalisat, 1787, London

Aus der Sammlung von

Universitätsbibliothek Regensburg

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Universitätsbibliothek Regensburg

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Kurzbeschreibung
Lila Christrose. - Aus: Curtis, William: Botanical magazine or flower garden displayed, Band 1 (1787) T. 72. Helleborus Lividus. Livid or purple Hellebore
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Helleborus lividus, Christrose


Das Weihnachtsorakel an der UB Regensburg

Als Motiv für die Weihnachtskarte 2011 hatte die Universitätsbibliothek Regensburg die Christrose (Helleborus niger) des Nürnberger Kupferstechers Georg Wolfgang Knorr gewählt.

Erfahren Sie Botanisches, Pharmazeutisches, Historisches, Kurioses, Sagenhaftes, Literarisches, Musikalisches und Religiöses rund um die Christrose, ohne freilich den Anspruch auf wissenschaftliche Vollständigkeit erheben zu wollen.

Nach einem alten volkstümlichen Brauch wird die Christrose als Orakelblume in der Weihnacht vom 24. auf den 25. Dezember verwendet. Zwölf Knospen werden abgeschnitten und ins Wasser gestellt. Jede Knospe steht für einen Monat des kommenden Jahres. Öffnen sich die Knospen über Nacht, so werden die entsprechenden Monate gutes Wetter für die Landwirtschaft bieten. Bleiben sie geschlossen, muss man mit schlechtem Wetter rechnen.

02

Botanisches und Pharmazeutisches



Weiß Nießwurz

Digitalisat, 1739, Regensburg

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Universitätsbibliothek Regensburg

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Dauerleihgabe Regensburgische Botanische Gesellschaft. Universitätsbibliothek Regensburg

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Kurzbeschreibung
Weiße Nieswurtz. Aus: Weinmann, Johann Wilhelm: Phytanthoza iconographia (1739). Helleborus niger. Weiß Nießwurtz

Botanisches und Pharmazeutisches

Bei der Vorbereitung des botanischen und pharmazeutischen Aspekts der schwarzen Christrose wurde alsbald deutlich, dass dieses Thema, Anlass für umfängliche wissenschaftliche Arbeiten bietet. Dennoch wurde hier der Versuch unternommen, Wissenswertes in Kürze zusammenzutragen, was über Allgemeinwissen oder eine Kulturanleitung hinausgeht. Die zahlreichen Literaturhinweise mögen nicht nur als Beleg, sondern auch als Anreiz dienen, sich mit dieser faszinierenden Pflanze zu beschäftigen ...



Christrosen am Pendling

Dr. Ernst Schneider , Foto, Pendling

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Universitätsbibliothek Regensburg

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Dr. Ernst Schneider

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Kurzbeschreibung
Fotos mehrerer weißer Christrosen, aufgenommen auf dem Pendling
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Christrose am Pendling

Der Helleborus niger ...

Der Helleborus niger ist unter vielen Namen bekannt. Die Bezeichnungen „Christrose“ oder „Weihnachtsrose“ beziehen sich auf die frühe Blüte, die schon zur Weihnachtszeit erfolgen kann. Die „schwarze Nieswurz“ leitet sich zum einem von dem dunklen Rhizom ab, zum anderen von dem beißenden und reizenden Geruch der zerriebenen Wurzeln. Die „Schneerose“ oder „Lenzrose“ wird in Österreich auch als „Schneebleamal“ oder „Märzenkaibl“ bezeichnet. Weitere Namen wie „Krätzenblum“, „Schelmenwurz“, „Brandwurzel“ und „Feuerwurzel“ verweisen auf ihre Verwendung in der Volksmedizin. [1]

Das natürliche Vorkommen der streng geschützten Pflanze ist in Deutschland auf das Berchtesgadener Land beschränkt. In Österreich ist die kalkliebende Christrose lediglich in Tirol an einigen Stellen im Raum Kufstein/Kaisergebirge verbreitet. Der Kufsteiner Hausberg Pendling wird wegen des seltenen Frühblühers touristisch beworben. Die absonnige Nord-West-Hanglage und der lichte Buchen-Tannenwald bieten optimale ökologische Voraussetzungen für die Bildung größerer Gruppen, die bis zu 25 Jahre alt werden können. Weitere Habitate finden sich im Apennin und nördlichen Balkan in einer Höhe von ca. 1.000 Meter über dem Meeresspiegel. [2]





Blätter der Christrose

Harald Kloth, Foto, 19.09.2021, Postalm, Gemeinde Strobl, Bundesland Salzburg, Österreich

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Universitätsbibliothek Regensburg

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Blätter der Christrose


Die immergrüne Pflanze ...

Die immergrüne Pflanze erreicht eine Wuchshöhe von ca. 15-30 cm. Die Blütezeit kann nach Witterung und Standort vom Spätherbst bis zum Frühjahr reichen. Die sternförmige Blütenhülle (Perigon) der Christrose vermag durch ein leuchtendes Weiß, ein zartes Rosa oder eine rötliche Färbung die ersten Insekten anzulocken. Nach dem Abblühen bleiben die grünen oder rötlichen Blütenhüllblätter dekorativ erhalten. Die frühe Blütezeit, die Farbvarianzen und das frische Grün des Blattwerks ließen die Christrose bereits im 16. Jahrhundert zur beliebten Gartenpflanze werden. Seit dem 19. Jahrhundert werden durch gezielte Kultivierung zahlreiche Züchtungen angeboten.

Literatur:

  1. Ludwig Kroeber: Alpenpflanzen in der Volksheilkunde. In: Jahrbuch. Verein zum Schutz der Bergwelt 44,2 (1980). S. 52 ff.; Rudolf Schubert und Günther Wagner: Botanisches Wörterbuch. 9. Aufl. Stuttgart 1988. S. 211; Marzell, Heinrich: Bayerische Volksbotanik. Volkstümliche Anschauungen über Pflanzen im rechtsrheinischen Bayern. München 1968. S. 189 f.; Max Höfler: Volksmedizinische Botanik der Germanen. (= Quellen und Forschungen zur deutschen Volkskunde. Band 5.) Wien 1908. S. 82 ff. Pieper überliefert auch den Namen „Hammerwurz“, der durch die eigentümliche Wuchsform bedingt ist. Vgl. auch Richard Pieper: Volksbotanik. Unsere Pflanzen im Volksgebrauche, in Geschichte und Sage, nebst einer Erklärung ihrer Namen. Gumbinnen 1897. S. 22.
  2. Vgl. auch www.floraweb.de; Manfred A. Fischer und Wolfgang Adler: Exkursionsflora von Österreich. Stuttgart 1994; Klaus Werner und Friederich Ebel: Lebensgeschichte der Gattung Helleborus (Ranunculaceae). In: Flora 189 (1994). S. 97-130.


De Medicinali Materia

Dioscorides, Pedanius [40-90] Fragezeichen
Ruel, Jean [1479-1537]; Ryff, Walther Hermann [1500-1548] ; Lonicer, Johannes [1499-1569] , Digitalisat, 1543, Franc.

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Universitätsbibliothek Regensburg

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Kurzbeschreibung
Varatrum album. - Aus: Dioscorides, Pedanius: De midicinali materia (1543)
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Varatrum Album

Geschichte der offizinellen Verwendung: Antike und Mittelalter

Unter der mit dem griechischen Namen bezeichneten Pflanze λλβορος (Helleboros) werden in der Antike und frühen Neuzeit nach unserer heutigen Definition verschiedene, z. T. nicht miteinander verwandte Pflanzen beschrieben. Neben der Christrose (Helleborus niger) und weiteren Helleborusarten wie Helleborus orientalis, viridis (grüne Nieswurz) oder foetidus (Stinkende Nieswurz) werden andere Gewächse aus der Familie der Ranunculaceen wie Adonis und die Liliacee Veratrum album (Weißer Germer, auch Helleborus candidus oder albus genannt) angeführt. Gelegentlich kommt es sogar zu Verwechslungen mit der Orchideenart Helleborine. [1]

Die Etymologie des griechischen Wortes Helleboros ist nicht geklärt. Meist werden die Giftigkeit (λεν = umbringen) der Pflanze oder das Flüsschen Helleboros in dem antiken Habitat nahe der Stadt Antikyra (Phokis) als Namensgeber bemüht. [2] Die pharmazeutische Anwendung der schwarzen Christrose wurde aus antiken Pflanzenbüchern, allen voran dem Herbar des Dioscurides, im Wesentlichen in die Neuzeit übernommen: Die abführende Wirkung sollte Nierenschmerzen, Harnstau, Wassereinlagerungen, Bauchschmerzen und Lähmungserscheinungen lindern sowie Erbrechen herbeiführen. Ferner sollte die Wurzel, in die Ohren gesteckt, Schwerhörigkeit heilen. Die desinfizierende Wirkung sei nach antiken Autoren bei Hautkrankheiten, Zahnschmerzen und Hausputz angezeigt. Vor der Giftigkeit des Helleborus müsse man sich vor allem beim Ausgraben hüten. Der Sammler sollte vorher zu seinem Schutz Wein und Knoblauch zu sich nehmen und zu Apoll und Asklepios beten. Außerdem müsse der Flug des Adlers beobachtet werden, da sich dieser als Todesbote dazugeselle, wenn er das Sammeln der Rhizome beobachte. Die Wurzel müsse rasch ausgegraben werden, weil der beißende Geruch Kopfschmerzen verursache. [3]

Da der Helleborus, wie der deutsche Begriff „Nieswurz“ verrät, zum Niesen anregt, maß man ihm eine den Geist anregende wie reinigende Wirkung zu. Durch heftiges Reiben der Wurzel in der Nase sollte so durch Niesen überschüssiger und schädlicher Schleim den Körper verlassen. Nach antiker Säftelehre wurden nervöse Störungen und psychische Leiden durch ein Übermaß an schwarzem, bitterem Schleim verursacht, das man durch Niesen am besten reduzieren könne. Die Christrose wurde daher ferner als Medizin gegen Kopfschmerzen, Epilepsie und Wahnsinn eingesetzt. In der Antike wurde diese letzere Verwendungsart sprichwörtlich: Die Empfehlung, Helleborus einzunehmen oder nach Antikyra zu reisen, war, wie Textstellen bei Plautus und Lucian [4] belegen, nicht besonders freundlich gemeint. Horaz rät in seinen Satiren, gegen die größte Verrücktheit im römischen Reich, dem weit verbreiteten Geiz, die gesamte Dosis an Nieswurz zu verabreichen, die sich um Antikyra finden lässt. [5] Der literarische Topos der „Kur des Melampus“ [6], die aus einem Purgationsmittel von Milch und einem Nieswurzelextrakt bestand, wurde gegen Rinderwahn, der auch Menschen befallen kann (vgl. Proitidenmythos [7]), seit dem 4. Jahrhundert v. Chr. mehrfach beschrieben. [8] Ebenso soll Herakles vom Wahnsinn mittels Helleborus geheilt worden sein. [9]

Literatur:
  1. Vgl. Adelbert von Chamisso und Ruth Schneebeli-Graf: Illustriertes Heil- Gift- und Nutzpflanzenbuch. Berlin: Reimer: 1987. S. 23 f. Im Folgenden sonstige Quellen: RAC, Kleiner Pauly.
  2. Dioscurides nennt daneben den Parnass und Oeta als natürliches Verbreitungsgebiet. Am besten sei jedoch der schwarze Helleborus am Helikon. f. 115 r.
  3. Das Rhizom wurde in der Antike in Brot zu kultischen und medizinischen Zwecken eingebacken. Vgl. Max Höfler: Volksmedizinische Botanik der Germanen. (= Quellen und Forschungen zur deutschen Volkskunde. Band 5.) Wien 1908. S. 83 und vgl. Dioscurides, ebd.
  4. Z. B. Plaut. Men. 950, Plaut. Pseud. 1185; Luc. Dial. Mort. 17,2.
  5. Hor. sat. 2,3,82 ff.
  6. Dioscurides nennt den Helleborus auch als Melampodion, da der Hirte Melampos die purgierende Wirkung der Pflanze an seinen Ziegen beobachtete, nachdem sie diese gefressen hatten. F. 115r.
  7. Ebd.
  8. Z. B. Ov. Met. XV, 322 ff. Vgl. auch Kurt Sprengel: Versuch einer pragmatischen Geschichte der Arzneykunde, Band 1. 3. Aufl. Halle 1821. S.149 ff.; Fortunat Hoessly: Katharsis: Reinigung als Heilverfahren. Studien zu Ritual der archaischen und klassischen Zeit sowie zum Corpus Hippocraticum. Göttingen 2001. S. 155 ff.
  9. Paus. 10,36,5 und Hoessley.




Elleborum album

Pietro Andrea Mattioli, Digitalisat, 1583, Venetiis

Aus der Sammlung von

Univeristät Regensburg

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Kurzbeschreibung
Elleborum album. - Aus: Mattioli, Pietro Andrea: Commentarii sex libros pedacii Dioscoridis anazarbei de medicia materia (1583)
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Elleborum Album


Die reinigende Wirkung der Nieswurz ...

Die reinigende Wirkung der Nieswurz findet sich schon bei den Hippokratischen Heilmethoden, wobei namentlich sowohl die weiße wie auch schwarze Nieswurz Verwendung findet. Die Beherrschung des giftigen Helleborus war nur ausgewiesenen Reinigungspriestern vorbehalten. Die Nieswurz vermochte nach geheimen Riten die innere „Befleckung“ an sich zu ziehen und nach außen zu befördern. Zauberpapyri gingen von einer ähnlich magischen Wirkungsweise aus: Neben Krankheiten sollten auch böse Geister und Dämonen ausgeniest werden. Schwermütige sollten die Wurzel zusätzlich um den Hals tragen. Eine im positiven Sinne reinigende Wirkung des Geistes kann aber nach Plinius ebenfalls durch die Verabreichung von Nieswurz zur Schärfung der Sinne und des Verstandes erreicht werden. [1]

Die hochtoxische Wirkung des Helleborus wurde nach Pausanias in dem Krieg gegen die Stadt Kirrha von Solon genutzt, als jener mit den Wurzeln das Flüsschen Pleisthenes vergiftete und so die Stadtbewohner, die auf diese einzige Wasserversorgung angewiesen waren, wenig ruhmreich durch anhaltenden Durchfall zur Kapitulation zwang. [2] Kleistenes von Sikyon soll sich bei der Belagerung von Krissa der gleichen Kriegslist bedient haben. [3] Im 17. und 18. Jahrhundert wurden Giftgeschosse mit Ranunculusarten wie z. B. Helleborus oder Krötenschleim gefüllt und über die feindliche Festung katapultiert. Diese Art der biochemischen Kriegsführung wurde wegen ihrer Erfolglosigkeit eingestellt, da sich der giftige Qualm allzu schnell verflüchtigte. [4]

Im Mittelalter soll Karl der Große erfolglos die Christrose als Arzneipflanze zur Fiebersenkung auf Meierhöfen kultiviert haben. [5] Das Lorscher Arzneibuch (Ende des 8. Jahrhunderts) weist mehrere Nieswurz-Rezepturen mit purgierender Wirkung aus. [6] Wie andere Arzneipflanzen wurde auch die Christrose in einen mystischen und kosmologischen Zusammenhang eingebunden und überhöht, ohne allerdings eine besondere Bedeutung einzunehmen.

Literatur:
  1. Plin. hist. nat. 25,21 ff.
  2. Ebd.
  3. Front. Strat. III,7.
  4. Louis Levin: Die Gifte in der Weltgeschichte. 2. Aufl. Hildesheim 1983. S. 573 f. Außerhalb der griechisch-römischen Welt ist der Einsatz von Helleborus für Gallien als Herz- und Pfeilgift belegt. Das Fleisch der erlegten Tiere sei dadurch zarter. Vgl. auch Richard Pieper: Volksbotanik. Unsere Pflanzen im Volksgebrauche, in Geschichte und Sage, nebst einer Erklärung ihrer Namen. Gumbinnen 1897. 21 f. und Plin. hist. nat. XXV, 25.
  5. Max Höfler: Volksmedizinische Botanik der Germanen. Wien 1908. S. 85.
  6. Gundolf Keil; Ulrich Stoll: Das Lorscher Arzneibuch. Stuttgart 1989. Schwarze Nieswurz Buch II Rep. 215, Buch III Rep. 49, Buch IV Rep. 54/32; grüne Nieswurz Buch I Rep. 46, Buch IV Rep. 75; Nieswurz (nicht näher bezeichnet) Buch I Rep. 42.


Helleborum nigrum Melampus

Digitalisat, 1580, München

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Kurzbeschreibung
Helleborum nigrum
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Helleborum nigrum melampus

Geschichte der offizinellen Verwendung: Neuzeit

In den Kräuterbüchern des 16. Jahrhunderts wurde zwar zum einen die Toxizität der Pflanze als auch die Vielseitigkeit der pharmazeutischen Verwendungsmöglichkeiten betont. So wurden Hautreizungen, die durch das Berühren der frischen Wurzel mit der bloßen Hand hervorgerufen werden, als Beweis für den hohen Wirksamkeitsgrad der Inhaltsstoffe angeführt. Als Vergiftungserscheinungen werden im Allgemeinen je nach zugeführter Dosis Schwindel, Schluckbeschwerden, erhöhter Speichelfluss, Erbrechen, Durchfall, Koliken, Kreislaufzusammenbruch und Lähmungen, die schließlich zum Tode führen, genannt. Dennoch war die zerstoßene Wurzel als Allround-Purgiermittel in Westeuropa beliebt: Überschüssige Feuchtigkeit oder Schleim sollten unter Berufung auf die antike Säftelehre abgeführt werden, was einen Einsatz bei Epilepsie, Hysterie, Melancholie, Gicht, Wassersucht, Menstruationsbeschwerden und Fieberkrämpfen nahelegte. Ferner eigne sich die reinigende Wirkung der schwarzen Christrose bei Verstopfungen, Ablagerungen und Steinbildung in Adern und Organen sowie Entwurmung. Eine äußerlich aufgebrachte Tinktur heile Hautkrankheiten wie Flechten, desinfiziere Wunden und töte Ungeziefer, vor allem Läuse. Meist findet sich auch ein Hinweis, dass der offizinelle Einsatz des Rhizoms bei Schwangeren zum Schutz des Ungeborenen unbedingt unterbleiben müsse, sofern man nicht eine Abtreibung einleiten wolle. [1]

Literatur:
  1. Vgl. die Beschreibungen bei Brunfels, Bock und Fuchs.




Schwartz Nießwurtz

Bock, Hieronymus [1498-1554] ; Sebisch, Melchior [Sonstige] ; Sapidus, Johannes [1490-1561] [Sonstige], Digitalisat, 1580, Straßburg

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Kurzbeschreibung
Schwarz Nießwurz. - Aus: Bock, Hieronymus: Kreütterbuch : darin underscheidt Namen u. Würckung d. Kreütter, Stauden, Hecken u. Beumen, sampt ihren Früchten, so inn Teutschen Landen wachsen (1580).
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Schwartze Nieswurz


Ähnlich der antiken Literatur ...

Ähnlich der antiken Literatur setzt sich die Unsicherheit über Aussehen und Nomenklatur der jeweiligen Helleborusart fort: „Die Pflanzenkunde entfaltete sich abgesehen von wenigen Ausnahmen als kompilierende, exzerpierende und kommentierende Buchwissenschaft mit schwacher empirischer Referenz der Pflanzennamen. [1] Ausgehend vom 15. Jahrhundert wurde eine Diskussion über die Glaubwürdigkeit und Verifizierbarkeit der antiken Pflanzenbeschreibungen angestoßen, die im 16. Jahrhundert noch lebhaft fortgeführt wurde. Hieronymus Bock (1498-1554) erklärte in seinem Kreütterbuch aus dem Jahre 1580, dass seiner Meinung nach „Plinius und viel vor ihm und nach ihm der Kräuter nit viel gekant noch gesehen haben / sondern allein vom Hörensagen / und aus Büchern / ir schreiben genommen. Daraus nit allein Irrtum sondern großer Abbruch und Verdunkelung vieler Stücke entstanden. [2]

Dem Aufschwung des pharmakognostischen Interesses der frühen Neuzeit ist es zu verdanken, dass nicht nur die tradierten Wirkungsweisen und Verwendungsmethoden, sondern auch das Aussehen der vermeintlichen Heilpflanzen grundlegend überprüft wurden. Die naturgetreuen Aquarelle des Hans Weiditz (1500-1536) beeindrucken aus jener Zeit somit nicht nur als kunsthistorisches Novum in der Pflanzendarstellung, sondern liefern die naturwissenschaftliche Voraussetzung für eine ernstzunehmende empirische Pharmazie. Der bis dahin ungewohnte Realismus präsentiert die Heilpflanzen in ihrem natürlichen Habitus und ihrer Vollständigkeit: Individuelle Blatt- und Blütenformen, deren typische Stellung und Anordnung sowie charakteristische Wurzel- und Knollenformationen. Sogar welke Blätter oder Schädlingsfraß vermitteln den Eindruck, dass eine aus der Natur entnommene Pflanze ohne Schönung übernommen wird. Die Malereien von Weiditz wurden in Holz geschnitten und von Otto Brunfels (1488-1534) in seinem Herbarium verwendet.

Literatur:
  1. Ebd. S. 84 und Tobias Bulang: Epistemische Kontingenzen und ihre literarische Aktivierung. In: Cornelia Herberichs (Hrsg.): Kein Zufall. Konzeptionen von Kontingenz in der mittelalterlichen Literatur. Göttingen 2010. S. 365 f.
  2. Zit. nach Bulang: S. 367, Anm. 9.


Elleborus albus

Fuchs, Leonhart, Digitalisat einer Abbildung, 1546, Parisiis

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Kurzbeschreibung
Weiß nießwurtz. - Aus: Fuchs, Leonhart: De historia stirpium commentarii insignes (1542). Elleborus albus
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Elleborus Albus

Die Nieswurzarten forderten ...

Die Nieswurzarten forderten die „Väter“ der westlichen Pharmakognosie in der frühen Neuzeit heraus, da die überlieferten Darstellungen und die vielfachen Namensbezeichnungen weder eindeutig noch nachvollziehbar waren. Bock zählt für die schwarze Nieswurz allein zwanzig Namen auf, die er in alten Büchern fand. Brunfels legt bei seiner Abhandlung über die „Christwurtz“, wie er den Helleborus niger volkssprachlich nennt, besonderen Wert darauf, dass er die Pflanze selbst kennt und sich von der namensgebenden Blütezeit überzeugt hat: „Würt genennt Christwurtz / darumb das sein blům / die gantz gryen ist / vff die Christnacht sich vffthůt / und bluet. welches ich auch selb wargenommen vnd gesehen / mag für ein gespötte haben wer do will.“ [1]

Literatur:
  1. Zit. nach Bulang: S. 370. (Otto Brunfels: Contrafayt Kreüterbuch. Straßburg 1532-1537. Nachdruck 1964. S. 62.)




Elleborus niger adulternus sylvestris

Autor: Fuchs, Leonhart
Verlag: Roigny, Digitalisat, 1546, Parisiis

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Kurzbeschreibung
Leüßkraut. - Aus: Fuchs, Leonhart: De historia stirpium commentarii insignes (1542). Elleborus niger adulterenus sylvestris
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Elleborus niger adulterinus sylvestris, Leußkraut


Bock und Leonhart Fuchs ...

Bock und Leonhart Fuchs (1501-1566) halten nach dem Studium der überlieferten Beschreibungen die „Christwurz“ für den Helleborus viridis, die grüne Nieswurz, nicht für die schwarze. Allerdings begründen sie ihre Entscheidung gegensätzlich: Während Fuchs die bei Dioscurides beschriebene Wirkungsweise als zutreffend beurteilt, aber die Beschreibung als unähnlich ablehnt, findet Bock, dass bei dem antiken Autor die Darstellung der Pflanze entspreche, aber die Toxizität nicht nachvollzogen werden könne: „Inn summa mich will duncken / die Christwurtz sei kein Elleborus / ursach / die beschreibung Ellebori nigri reimet sich nicht gar dahien / zům andern so mag Christwurtzel ohn allen schaden inn Leib genützt werden / ohn alles auffstossen und kotzen / welches für allen dingen dem schwartzen Nießwurtz fähelt / innhalt aller alter unnd newer Scribenten.“ [1] Beide Autoren differenzieren, dass in den sich widersprechenden Traditionen mit der „Christwurz“ nicht nur der Helleborus virdis Lin. gemeint sei, sondern auch Unterarten wie ein stinkendes „Leüßkraut“ (Helleborus foetidus Lin.), Veratrum album Lin. (weiße Germer oder weiße Nieswurz) oder bei Bock sogar das Frühlings-Adonisröschen (Adonis vernalis Lin.) einbezogen werden müssen. Die Vielfalt und Varianz der Pflanzen und die damit verbundene Schwierigkeit ihrer eindeutigen Zuordnung ist für Hieronymus Bock der Beweis für die Unendlichkeit der Schöpfung. [2]

Aus bewunderungswürdigem wie wagemutigem Drang zur Empirie entschloss sich der Schweizer Arzt, Naturforscher und Altphilologe Conrad Gesner (1516-1565), die Wirkungsweise des weißen Germers am eigenen Körper zu testen. Nach Einstellen der drastischen Symptome überlebte Gesner, indem er sich selbst zum Erbrechen brachte und medizinisch behandelte. [3]

Die antike Vorstellung, Ähnliches mit Ähnlichem zu kurieren, greift Paracelsus (1493-1541) auf und treibt die volkssprachliche Analogie von Heilpflanzennamen und Wirkungsweise oder -gebiet rigoros voran. Die Findung des „rechten“ Namens geht somit weit über ein naturwissenschaftliches Identifizierungsmerkmal hinaus. Vielmehr erschließen die deutschen Bezeichnungen im Rahmen der universalen Signaturenlehre die zunächst verborgene Zusammengehörigkeit von äußerlicher Gestalt und offizineller Verwendungsmöglichkeit. So befriedigt Paracelsus die deutsche Nomenklatur für den Helleborus nicht. Die Bezeichnungen „weiße“ oder „schwarze“ Nieswurz beschrieben ja nur die Farbe des Rhizoms, verrieten aber nichts über deren Heilwirkung. Er schlägt vor, die weiße Nieswurz als die junge zu deklarieren und nur für Patienten unter 50 Jahren einzusetzen, die schwarze könne als die „alte“ Nieswurz für Patienten über 50 Jahre verwendet werden. Der bis dahin in den botanischen Lehrwerken geführte Diskurs wird dadurch auf die paracelsische Onomastik reduziert. [4]

Literatur:
  1. Hieronymus Bock: Kreütterbuch. Straßburg 1580. „Christwurtz“. f. 145r ff. Cap. CXXXV; hier: f. 147r und vgl. Bulang: S. 374 ff.
  2. Bock: Widmung, „Vorred“.
  3. Bulang: S. 377 f.
  4. Vgl. Bulang: S. 379 f.


Weiß Nießwurtz

Autoren: Lonitzer, Adam ; Uffenbach, Peter ; Ehrhart, Balthasar
Verlag: Bartholomäi, Digitalisat, 1737, Ulm

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Kurzbeschreibung
Weiß Nießwurz. - Aus: Adam Lonitzer: Kräuter-Buch und Künstliche Conterfeyungen der Bäumen, Stauden, Hecken, Kräutern, Geträyde, Gewürtzen etc. mit Eigentlicher Beschreibung deroselben Nahmen in sechserley Sprachen, ... (1703). Elleborus albus
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Weiß Nießwurtz


Die sprachliche Experimentierfreudigkeit ...

Die sprachliche Experimentierfreudigkeit des Johann Fischarts (1546-1591) entfernt sich in seiner Affentheurlich Naupengeheurliche Geschichtklitterung von dem teleologisch geprägten Weltbild der Signaturisten. Der allumfassende Sinnzusammenhang wird zu Gunsten amüsanter und willkürlicher philologischer Spielereien bisweilen weitestgehend aufgegeben, um durch waghalsige Herleitung wieder eine pharmazeutische Brücke schlagen zu können. Auch die Christrose wurde von Fischart in unnachahmlicher Kreativität etymologisch untersucht: Die „Christwurtz“ werde wegen ihrer Blütezeit zur Weihnacht nur von Narren so genannt. Über Lautspielereien formt er aus der Christwurz die „Christierwurz“ und schließlich die „Clistierwurtz“ [1], die onomastisch ihre purgierende Eigenschaft verrät. Ferner könne sie nach antikem Gebrauch der Gehirnreinigung auch als „Hirnhöhlenborn“ bezeichnet werden. [2]

Im Wesentlichen überdauern die von Brunfels, Fuchs und Bock attestierten Anwendungsmöglichkeiten der Christrose in der Volksmedizin bis in die spätere Neuzeit. Ihrer Giftigkeit sucht man mit der angemessenen Konzentration beizukommen. Die im Volksmund vielzitierte Dosierungsanleitung des Helleborus niger „Zwei Tröpflein machen rot, zehn Tropfen machen tot.“ greift sogar Ludwig Ganghofer 1892 in seinem Roman Der Klosterjäger auf. [3]

In der heutigen Medizin wird die Schneerose nicht mehr durch die ihr eigene Kombination der Gifte Hellebrin mit Protoanemonin und Saponinen genutzt. Lediglich das isolierte Hellebrin wird eingesetzt. In der Homöopathie findet der Helleborus niger u. a. bei Nierenleiden, Wassereinlagerungen, psychischen Leiden so wie bei Menstruationsstörungen, Meningitis und Herzschwäche Anwendung. [4]

Literatur:
  1. Diese Wirkung ist auch bei Bock belegt. Vgl. f. 145r.
  2. Bulang S. 382 ff.
  3. Ludwig Ganghofer: Der Klosterjäger. Roman aus dem 14. Jahrhundert. Berlin 1917. S. 19.
  4. Dietrich Frohne: Giftpflanzen. 5. Aufl. Stuttgart 2004. S. 316 f. und Homöopathisches Repetitorium. Hrsg.: Deutsche Homöopathie-Union. Karlsruhe 1983. S. 158 f.

03

Kurioses und Sagenhaftes



Helleborus viridis

Blackwell, Elizabeth ; Trew, Christoph Jacob [Verfasser eines Geleitworts] ; Eisenberger, Nicolaus Friedrich [Illustrator] ; Ludwig, Christian Gottlieb ; Eisenberger, Nicolaus Friedrich ; Launoy, Christian de, Digitalisat, 1754, Norimbergae
Verlag: Typis Christiani De Lavnoy

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Dauerleihgabe Regensburgische Botanische Gesellschaft. Universitätsbibliothek Regensburg

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Kurzbeschreibung
Steyrische Schwarze Nießwurtz. - Blackwell, Elizabeth: Vermehrtes und verbessertes Blackwellisches Kräuterbuch, Band 6 (1754). Helleborus viridis, Helleborus niger Styriacus flore viridi minor varietas
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Helleborus niger Styriacus flore viridi minor varietas


Kurioses und Sagenhaftes

Die Christrose erfuhr neben ihren nachvollziehbaren offiziellen Eigenschaften allerlei merkwürdige Verwendungsmöglichkeiten, die eher in den Bereichen des Aberglaubens und der Zauberei zu suchen sind. Kuriose Theorien sowie hartnäckige Irrtümer seien im Folgenden vorgestellt.


Adam Lonitzer: Kräuter-Buch und Künstliche Conterfeyungen der Bäumen, Stauden, Hecken, Kräutern, Geträyde, Gewürtzen etc. mit Eigentlicher Beschreibung deroselben Nahmen in sechserley Sprachen (ca. 1703)

Lonitzer, Adam ; Uffenbach, Peter, Digitalisat, ca. 1703, Ulm
Verlag: Bartholomae

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Universitätsbibliotehk Regensburg

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Kurzbeschreibung
Schwein und Wildschwein. Aus: Lonitzer, Adam: Kräuter-Buch und Künstliche Conterfeyungen der Bäumen, Stauden, Hecken, Kräutern, Geträyde, Gewürtzen etc. mit Eigentlicher Beschreibung deroselben Nahmen in sechserley Sprachen (ca. 1703).
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Sau, Schwein, Porcus

Eine besonders kuriose Verwendung ...

Eine besonders kuriose Verwendung von der Helleborus-Wurzel findet sich in der volkstümlichen Veterinärmedizin zur Heilung von Milzbrand und Rotlauf bei Schweinen und anderem Weidevieh. [1] Antike Autoren wie Plinius [2] und Columella [3] werden noch Anfang des 20. Jahrhunderts für diese Methode als Gewährsmänner zitiert. In seiner Dissertation beschreibt Ludwig Krieger 1921 ausführlich die korrekte Anwendung des sog. „Schelmenstechens“ oder „Schelmerstechens“, hier in der Zusammenfassung von Marzells Bayerischer Volksbotanik zitiert: [4]

„Nieswurz (Helleborus niger, H. viridis). Mit der „Schelmerwurzel“ wird dem Schwein der „Schelmer gestochen“. Man nimmt die Wurzel, fährt damit an einem Ohr des kranken Tieres in der Mitte desselben ringsherum, macht das Kreuzzeichen hin und spricht: „Im Namen der allerheiligsten Dreifaltigkeit“. Dies tut man dreimal. Hierauf nimmt man eine Schuhsohle, sticht dann in der Mitte des mit der Wurzel gezeichneten Ringes ein Loch und steckt die Wurzel hindurch. Das Ohr schwillt bald darauf an und der Randteil, den man mit der Wurzel gezeichnet hat, fällt mit der Zeit ab, so daß im Ohr ein Loch entsteht (Frontenhausen, Bez.-A. Vilsbiburg). Die Krankheit ist der „Viehschelm“ (Milzbrand, Rauschbrand).“

Literatur:
  1. Henning Wiesner: Studie zur Anwendung der Umbelliferen in der Roßarznei des 16. Jahrhunderts. Diss. München 1971. S. 115.
  2. Plin. hist. nat. XXVI, 21.
  3. Plinius und Columella sprechen in diesem Zusammenhang von der Wurzel consiligo, wahrscheinlich eine andere Bezeichnung für Helleborus foetidus oder viridis. Col. VI,5. Ebenso Prof. Dierbach: Verdienste des Ruellius um die Entdeckung vaterländischer Pflanzen. In: Flora 1826 (9). S. 123 ff. Vgl. auch zur weiten Verbreitung des Schelmerstechens in Europa: Clive A. Spinage: Cattle Plague: A history. New York 2003. S. 97 ff.
  4. Marzell, Heinrich: Bayerische Volksbotanik. Volkstümliche Anschauungen über Pflanzen im rechtsrheinischen Bayern. München 1968. S. 189 f.; Joseph Mayr: Auszug aus der Dissertation von Ludwig Krieger (vor Publikation verstorben): Über das sog. Schelmenstechen. Diss. München 1921. In: Tierärztlichen Wochenschrift 38 (1925). S. 840-842; Ludwig Kroeber: Alpenpflanzen in der Volksheilkunde. In: Jahrbuch Verein zum Schutz der Bergwelt 2, 44 (1980), S. 54 und Paula Kohlhaupt: Alpenblumen – farbige Wunder. Bd. 1. Stuttgart 1963. S. 27 f.




Adam Lonitzer: Kräuter-Buch und Künstliche Conterfeyungen der Bäumen, Stauden, Hecken, Kräutern, Geträyde, Gewürtzen etc. mit Eigentlicher Beschreibung deroselben Nahmen in sechserley Sprachen (ca. 1703)

Lonitzer, Adam ; Uffenbach, Peter, Digitalisat, ca. 1703, Ulm
Verlag: Bartholomae

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Kurzbeschreibung
Schwein und Wildschwein. Aus: Lonitzer, Adam: Kräuter-Buch und Künstliche Conterfeyungen der Bäumen, Stauden, Hecken, Kräutern, Geträyde, Gewürtzen etc. mit Eigentlicher Beschreibung deroselben Nahmen in sechserley Sprachen (ca. 1703).
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Vier Jahre später ...

Vier Jahre später wird die durch den Tod des Autors nicht verlegte Doktorarbeit von dem Geheimen Regierungsrat Prof. Dr. Joseph Mayr der tierärztlichen Fakultät an der Universität München in der Münchener „Tierärztlichen Wochenschrift“ kritisch besprochen. Hatte Krieger zwar durch Eigenversuche die „auffallende[n] Heilerfolge“ des Schelmenstechens und auch die Lebendigkeit dieser volkstümlichen Heilmethode „in allen Regierungsbezirken Bayerns“ nachgewiesen, so resümiert Mayr jedoch, dass aufgrund der Giftigkeit der Helleboruswurzel die Nachteile bei weitem die Vorteile überwiegen. Er wolle vielmehr mit seiner Rezension dafür sorgen, dass „das Wesen des Brauches mit allen seinen vielen Nachteilen und wenig Vorzügen genügend bekannt wird“.

Die purgierende Wirkung der Nieswurz, die ebenfalls zum Ausräuchern von Ställen und zur Reinigung von Häusern genutzt wurde, wurde zur äußerlichen Behandlung gegen Krätze, sonstigen Hauterkrankungen und Ungeziefer eingesetzt. [1] Gleichen Zweck erfüllte ein Destillat der Wurzel oder ein Extrakt der Blätter zum Einreiben. Deshalb wurde auch die Christrose als „Krätznbleamerl“, „Saubleamerl“ oder „Schelmrosn“ umgangssprachlich bezeichnet. Bereits im Mittelalter wurde bei der Behandlung von Pestbeulen die Christrosenwurzel als Ableitungsmittel durch provozierte Eiterung vergleichbar dem Schelmenstechen offizinell eingesetzt. [2]

Aus diesem alten Brauch mag auch der Aberglaube entstanden sein, dass eine Christrosenblüte, die am Heiligen Abend den Schweinen ins Ohr gesteckt werde, vor Schweinepest bewahre.
Paracelsus empfiehlt zudem während der Behandlung von Schafen einen Zauberspruch zu singen. Die „Hühnerwurz“ bewirke ferner, dass Hühner keine Eier mehr legen, wenn diese in ihre Nähe gebracht werde. [3]

Die Bezeichnung „Schelmer“ weist darauf hin, dass die Milzbranderkrankungen im Volksmund dem Bereich des Dämonischen zugerechnet wurden. Der Aberglauben ging soweit, dass Verlobte durch das Tragen von Nieswurz vor schädlichen Einflüssen bewahrt werden sollten. [4]  Das Rhizom der Christrose sollte auch durch bloßes Aufhängen apotropäisch wirken. [5] Im Mittelalter galt die Christrose als Sitz einer Mar (Totengeist) oder einer Elbe. [6] Die zerstoßenen Wurzeln waren eine wesentliche Zutat bei Hexensalben und –pulvern, die, auf den Boden gestreut, unsichtbar machen konnte. [7]

Literatur:
  1. Kohlhaupt: S. 31. Die symbolische Reinigung mit Helleborus ist für die Antike belegt. Max Höfler: Volksmedizinische Botanik der Germanen. (= Quellen und Forschungen zur deutschen Volkskunde. Band 5.) Wien 1908. S. 82.
  2. Kroeber: S. 54.
  3. Höfler: S. 86.
  4. Vgl. auch Richard Pieper: Volksbotanik. Unsere Pflanzen im Volksgebrauche, in Geschichte und Sage, nebst einer Erklärung ihrer Namen. Gumbinnen 1897. S. 22.
  5. Höfler: S. 86.
  6. Höfler: S. 85 f.
  7. Vgl. Roland Girtler: Streifzüge eines vagabundierenden Kulturwissenschafters. Wien 2007. S. 18.


Kröten

Rösel von Rosenhof, August Johann
Verlag: Fleischmann, Digitalisat, 1758, Nürnberg

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Kurzbeschreibung
Kröten. - Aus: August Johann Rösel von Rosenhof: Historia naturalis ranarum nostratium. Tab. III und Tab. XXIV (1758)
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Kröten

Die Kröte und die Christrose

Nach mittelalterlichem Aberglauben bezog die Kröte (lat. bufo) ihr Kontaktgift von der Christrose, unter der sie sich zu ihrem Schutz versteckt hält. Man versuchte später diesen angenommenen Zusammenhang dadurch zu erklären, dass sich sowohl Hahnenfußgewächse als auch Amphibien gerne in Feuchtgebieten aufhalten. Ferner lade auch die Gattung der Ranunculaceae zu einer Namensanalogie zu lat. rana (Frosch) ein.




Kröten

Rösel von Rosenhof, August Johann
Verlag: Fleischmann, Digitalisat, 1758, Nürnberg

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Kurzbeschreibung
Kröten. - Aus: August Johann Rösel von Rosenhof: Historia naturalis ranarum nostratium. Tab. III und Tab. XXIV (1758)
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Kröten


Ein verblüffendes Ergebnis

Moderne Analysemethoden führten zu einem verblüffendem Ergebnis: Die reizenden Stoffe der Christrose Hellebrigenin und der Kröte Bufotailidin weisen eine vergleichbare chemische Struktur auf. So scheint das kuriose Volkswissen doch über Jahrhunderte hinweg ein Körnchen chemischer Wahrheit beherbergt zu haben.

Literatur:
  • Rolf Giebelmann, Ludwig von Meyer: Kulturgeschichtliches zu Hahnenfußgewächsen. In: Toxichem+Krimtech 2003 (70,1). S. 58 f.


Das nüv buch der rechten kunst zu distillieren

Brunschwig, Hieronymus ; Ficinus, Marsilius ; Ficinus, Marsilius
Verlag: Grüninger, Digitalisat, 1505, Straßburg

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Kurzbeschreibung
Brunschwig, Hieronymus: Liber de arte distulandi Simplicia et Composita. Das nüv buch der rechten kunst zu distillieren. (1509)
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Das nüv buch der rechten kunst zu distillieren


Das Elixier für langes Leben und ewige Jugend

Unter Berufung auf den Herbarius des Paracelsus (1493-1541) wurden die getrockneten Blätter der Christrose als Elixier für langes Leben und ewige Jugend verwendet. Paracelsus weist darauf hin, dass die Blätter verträglicher als das Rhizom seien. [1] Neuere Untersuchungen haben ergeben, dass dieser über viele Jahrhunderte ab dem 60. Lebensjahr konsumierte „Zaubertrank“ nichts anderes enthielt als ein niedrig dosiertes Herzglykosid, dessen Wirkstoff in den Blättern enthalten ist. Heute wird in der Volksmedizin als Geriatrikum oftmals das wirkungs- und strukturverwandte Glykosid des Fingerhuts empfohlen. [2]

Brunschwygk mag in seinem Destillierbuch auf Paracelsus zurückgreifen , wenn er die Nieswurz zum Erhalt der Gesundheit anpreist:

„wurtzelkrutwasser […] ist zů vil kranckheit gůt den leib in gesundtheit zů behalten des alle tag des morgens ein lot nüchtern trinckt vff ein halb oder gantz lot / wan ich hab gesehen ein mann genant clauß holandt zů straßburg von hundert und xxx jaren der was das krut pulvern on alle zůsatz und von dem pulver in größe einer haselnuß vßwendig vff die hand legen leckende darvon / alle zeit in gesuntheit bleib byß vff die zeit seines natürlichen tods. [3]

Literatur:
  1. Paracelsus führt daneben auch die üblichen offizinellen Verwendungsmöglichkeiten des Helleborus an, wie sie uns aus den anderen Pflanzenbüchern bekannt sind. Vgl. auch Richard Pieper: Volksbotanik. Unsere Pflanzen im Volksgebrauche, in Geschichte und Sage, nebst einer Erklärung ihrer Namen. Gumbinnen 1897. S. 22.
  2. Edgarda Künßberg: Die Anwendung von Heilpflanzen zur Zeit des Paracelsus und heute. In: Manuskripte – Thesen- Informationen. Bombastus-Gesellschaft. Heft 7. (1994) S. 4 f.
  3. Brunschwig, Hieronymus: Liber de arte distulandi Simplicia et Composita. Das nüv buch der rechten kunst zu distillieren. Ouch von Marsilio Ficino und anderen hochberömpten Ertzte natürliche und gute künst, zu behalten den gesunden leib und zu vertreiben die kranckheiten mit erlengerung des lebens. Straßburg, 1509.128v f.


Elleborum seu Veratrum album

Blackwell, Elizabeth ; Trew, Christoph Jacob ; Eisenberger, Nicolaus Friedrich ; Ludwig, Christian Gottlieb ; Eisenberger, Nicolaus Friedrich ; Launoy, Christian de
Verlag: Typis Christiani De Lavnoy , Digitalisat, 1757, Norimbergae

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Dauerleihgabe Regensburgische Botanische Gesellschaft. Universitätsbibliothek Regensburg.

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Kurzbeschreibung
Weise Nies Wurtz. - Aus: Blackwell, Elizabeth: Vermehrtes und verbessertes Blackwellisches Kräuterbuch/1. (1757). Elleborum seu Veratrum album
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Elleborum seu Veratrum album. Weise Nies Wurtz


Schnupftabak

Da die Nieswurz durch Einführen in die Nase ihre reizende Wirkung prompt offenbarte und so ihrem Namen alle Ehre machte, wurde sie als Bestandteil des Schnupftabaks beigemischt, zum Teil auch aus bereits erwähnten medizinischen Zwecken. Da Goethe durch seine naturwissenschaftliche Beschäftigung mit Helleborus sich der Toxizität der Pflanze wohl bewusst war, verfolgte er den sorglosen Genuss ohne ärztlichen Rat mit großer Skepsis:

„Welch ein Gedränge nach diesem Laden! Wie emsig wägt man, empfängt man das Geld, reicht man die Waare dann! Schnupftabak wird hier verkauft. Das heißt, sich selber erkennen! Nieswurz holt sich das Volk, ohne Verordnung und Arzt." [1]

Dennoch ist die Behauptung unwahr, dass der Schneeberger Schnupftabak aus dem Erzgebirge Helleborus niger als Bestandteil enthielt oder noch enthalte. [2] Die über Jahrhunderte hinweg anhaltende verwirrende Nomenklatur der Nieswurzarten hatte zu diesem Irrtum beigetragen. [3] Als Ingredienz des Schneeberger Schnupftabaks wurde nach der Aschner Fibel [4] die sogenannte Weiße Nieswurz deklariert, die allerdings nach heutigem Verständnis nichts anderes als der weiße Germer (Veratrum album) ist. Zudem kommt hinzu, dass die schwarze Nieswurz gar nicht im Erzgebirge verbreitet ist. [5] Dennoch durften ob des Irrtums die Freunde des Schneeberger Schnupftabaks nicht ganz befreit aufatmen: Auch der damals enthaltene weiße Germer ist toxisch.

Literatur:
  1. Rolf Giebelmann, Ludwig von Meyer: Kulturgeschichtliches zu Hahnenfußgewächsen. In: Toxichem+Krimtech 2003 (70,1). S. 59.
  2. Max Höfler: Volksmedizinische Botanik der Germanen. (= Quellen und Forschungen zur deutschen Volkskunde. Band 5.) Wien 1908. S. 85 und Deutscher Alpenverein: Pflanzengeschichten. Brauchtum, Sagen und Volksmedizin. München 2001. S. 34.
  3. Rudolf Schmidt-Wetter: Taschenbuch der Pharmakognosie. 3. Aufl. Krefeld 1972. S. 93 ff.
  4. Ulrich Abele, Erich W. Stiefvater: Aschner-Fibel: Die wirkungsvollsten konstitutionstherapeutischen Methoden nach Aschner. 13. Aufl. Heidelberg 1996. S. 23.
  5. Vgl. www.floraweb.de

04

Literarisches



Helleborus niger veres flore albo

Johann Wilhelm Weinmann, Digitalisat, 1717

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Kurzbeschreibung
Weinmann, Johann Wilhelm: Herbae tam Europeae quam Orientis et ex omnibus mundi partibus.
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Helleborus niger veres flore albo

Literarisches

Das immergrüne Hahnenfußgewächs inspirierte die Lyrik und Sagenliteratur durch ihre Fähigkeit, im tiefen Winter zu blühen und einen zarten Duft zu verströmen. Diese Lebendigkeit in der vermeintlichen Vegetationspause wurde oftmals mit dem Weihnachtsfest vielschichtig in Zusammenhang gebracht und religiös überhöht. Die Christrose wurde so zum Symbol für die Menschwerdung Christi, dem Licht in der Dunkelheit. In weltlicher Deutung gilt die Schneerose meist als zeitiger Vorbote des neuen Jahres. Als zeitgenössische Lyriker sind z. B. Thomas Kondel, Eva-Maria Leiber und Christa Spilling-Nöker zu nennen, die vor allem weiß- und rotblühende Helleborusarten in ihren Gedichten zum Gegenstand haben.

Die bekanntesten Gedichte stammen von Eduard Mörike, Johannes Trojan und Hermann Lingg, die hier als lyrische Vertreter herausgegriffen werden. Für seine botanischen Studien beschäftigte sich Goethe intensiv mit den Helleborusarten foetidus, niger und viridis. Bei den Nieswurzarten sah er sich in seiner Theorie bestätigt, dass sich die Blütenorgane in ihrer Entwicklung aus Blättern ableiten lassen. Da die Christrose nur ein Forschungsobjekt neben vielen anderen Pflanzen war, fand sie keinen namentlichen Eingang in die allgemein gehaltene lyrische Mutationstheorie des Gedichts Die Metamorphose der Pflanze. [1]

Literatur:
  1. Vgl. Julius Roßmann: Über das gleiche oder verschiedene Verhalten von Blattstiel und Spreite im Gange der Phyllomorphose. In: Beiträge zur Kenntnis der Phyllomorphose 1 (1857). S. 2 und Peter Goedings: Erscheinungsformen der pflanzlichen Geschlechtlichkeit, insbesondere bei Viscum album L., Helleborus niger L. und Helleborus foetidus L. In: Elemente der Naturwissenschaft 57, (1992). S. 98-111.




Tabulae Phytographicae

Geßner, Johannes, 1804, Zürich

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Dauerleihgabe Regensburgische Botanische Gesellschaft. Universitätsbibliothek Regensburg

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Kurzbeschreibung
Geßner, Johannes: Tabulae Phytographicae, Analysin Generum Plantarum Exhibentes. Zürich 1804. Bd. 2. T. 38.
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Tabulae Phytographicae


Zwerg Nase kann sich in dem gleichnamigen Märchen von Wilhelm Hauff aus dem Jahre 1826 von seinem verhexten Äußeren nur durch das Zauberkraut „Niesmitlust“ befreien.

Ludwig Ganghofer wählt in seinem Heimatroman Der Klosterjäger aus dem Jahre 1892 die Christrose als zentrales Motiv.

Im germanischen Sagenkreis wohnt in der Pflanze die Seele eines Kindes, das von seiner bösen Tante in der Winternacht verstoßen wurde. Die Göttin Freya erbarmte sich des Kindes und verwandelte es in die Christrose. [1] Paolo Mantegazza verlagert in seinem Blumenmärchen die Entstehung der Christrose in die Zeit des Neolithikums.

In der anonym überlieferten Sagenliteratur Europas wird die Christrose meist als Geburtstagsgeschenk für das Christuskind oder als Blume mit Wunder- und Heilwirkung, die zur Heiligen Nacht gesucht und gefunden werden muss, in den Mittelpunkt gerückt. Zwei Erzählungen, deren Autoren uns namentlich bekannt, sollen hier als typische Beispiele erwähnt werden: „Die Legende von der Christrose“ von Selma Lagerlöf und „Die Christrose – ein Weihnachtsmärchen“ von Sepp Bauer.

Literatur:
  1. Vgl. Dido Nitz: Kräuterzauber. Ein ABC der Heil- und Zauberpflanzen. München 2010. S. 15.

Eduard Mörike

Eduard Mörike (1804-1875) setzte in seinem Gedicht Auf eine Christblume 1841 dem frühblühenden Hahnenfußgewächs wohl das bekannteste literarische Denkmal:

Auf eine Christblume

I

Tochter des Walds, du Lilienverwandte,
So lang von mir gesuchte, unbekannte,
Im fremden Kirchhof, öd und winterlich,
Zum erstenmal, o schöne, find ich dich!

Von welcher Hand gepflegt du hier erblühtest,
Ich weiß es nicht, noch wessen Grab du hütest;
Ist es ein Jüngling, so geschah ihm Heil,
Ists eine Jungfrau, lieblich fiel ihr Teil.

Im nächtgen Hain, von Schneelicht überbreitet,
Wo fromm das Reh an dir vorüberweidet,
Bei der Kapelle, am kristallnen Teich,
Dort sucht ich deiner Heimat Zauberreich.

Schön bist du, Kind des Mondes, nicht der Sonne;
Dir wäre tödlich andrer Blumen Wonne,
Dich nährt, den keuschen Leib voll Reif und Duft,
Himmlischer Kälte balsamsüsse Luft.

In deines Busens goldner Fülle gründet
Ein Wohlgeruch, der sich nur kaum verkündet;
So duftete, berührt von Engelshand,
Der benedeiten Mutter Brautgewand.
Dich würden, mahnend an das heilge Leiden,
Fünf Purpurtropfen schön und einzig kleiden:
Doch kindlich zierst du, um die Weihnachtszeit,
Lichtgrün mit einem Hauch dein weißes Kleid.

Der Elfe, der in mitternächtger Stunde
Zum Tanze geht im lichterhellen Grunde,
Vor deiner mystischen Glorie steht er scheu
Neugierig still von fern und huscht vorbei.

II

Im Winterboden schläft, ein Blumenkeim,
Der Schmetterling, der einst um Busch und Hügel
In Frühlingsnächten wiegt den samtnen Flügel;
Nie soll er kosten deinen Honigseim.

Wer aber weiß, ob nicht sein zarter Geist,
Wenn jede Zier des Sommers hingesunken,
Dereinst, von deinem leisen Dufte trunken,
Mir unsichtbar, dich blühende umkreist?

Die Entstehung des Dinggedichts lässt sich durch den Briefwechsel Mörikes mit seinem ältesten Freund und theologischen Kollegen Wilhelm Hartlaub aus Wermutshausen nachvollziehen. Bei einem nächtlichen Spaziergang durch den Neuenstädter Friedhof entdeckte Mörike in Begleitung seiner jüngsten Schwester Klara am 29. Oktober 1841 eine blühende Schneerose auf einem Grab. Diese „reizend fremde“ Pflanze faszinierte den Dichter durch ihre Lebendigkeit inmitten der Gräber und des düsteren Winters. In dem Brief an Hartlaub, den er noch in der gleichen Nacht verfasste, beschrieb er die Christrose als „sehnsuchterregend“ und „mystisch[…]“, die selbst durch ihre frühe Blüte vegetative und kalendarische Grenzen zu überschreiten und so einen Lichtblick auf das nächste Jahr zu gewähren vermag. Die lyrische Überhöhung der Winterblüte ist freilich vor dem biographischen Erlebnis zu verstehen, dass Mörike im April des gleichen Jahres seine geliebte Mutter verloren hat. Der Versuch, des Lebendigen habhaft zu werden, indem der Dichter die gepflückte Blüte zu Hause in einer Vase aufstellt, empfindet er in dem Brief als „unrecht“, zumal ein Windstoß die Blume durch das Fenster auf die Straße weht und nicht mehr auffindbar ist.

In dem späteren Gedicht, das durch dieses biographische Erlebnis inspiriert wurde, wird jedoch neben der Vergänglichkeitsthematik der Akzent auf die todesüberschreitende und transzendentale Symbolkraft der Schneerose und des Schmetterlings gelegt. Aus der Korrespondenz mit Hartlaub lässt sich die Unsicherheit Mörikes über die Endfassung nachvollziehen. Die zweite Strophe entstand einen Monat später als die erste im Dezember 1841. Im Januar 1842, wurden beide Teile im Morgenblatt für gebildete Leser abgedruckt, der erste unter dem Titel Die Christblume, der zweite unter Auf eine Christblume, was der spätere gemeinsame Titel werden sollte.

Das gesamte Gedicht Auf eine Christblume wurde 1888 von Hugo Wolf (1860-1903) neben anderen Mörikegedichten (Nr. 20 und 21) vertont.

Cleversulzbach, den 29. Oktober 1841,
3 Uhr
Nach eben vollbrachter großer Tour
Mein Liebster!
Gestern ging ich mit Klärchen nach Neuenstadt, um den Notar zu sprechen. […] Nachher, weil so gelinde Sonne war, benutzten wir die Zeit, den dortigen Kirchhof zu besuchen, wo eben Wäsche zum trocknen aufgehangen, jedoch anfangs niemand zugegegen war. […] Auf einem anderen, mir gleichfalls bekannten Grabe aber fand ich mit großer Überraschung etwas Lebendiges, frisch Blühendes, wonach ich viele Jahre vergeblich getrachtet hatte. Eine mir völlig neue Blume mit fünf ganz aufgeschlagenen, ziemlich breiten Blättern, an Weiße und Derbheit wie die Lilie; an den Enden herum lichtgrün angehaucht und fast ebenso, nur etwas satter grün, im Kelche unten. In dessen Mitte bildeten die blaßgelben Befruchtungsteile einen ziemlich dicken Kegel, oben mit 4-5 kurzen Purpurfäden büschenartig geziert. Der runde, schmutzig-grüne, rotgesprenkelte Stengel nicht gar kurz, jedoch gekrümmt, so daß die Blume niedrig saß. Die Blätter gleichfalls schmutzig-grün. Die Pflanze hat einige Ähnlichkeit mit der Wasserrose. Ihr Duft ist äußerst fein, kaum bemerklich, aber angenehm. So reizend fremd sah sie mich an, sehnsuchterregend! Klärchen hatte sich kaum hinabgebückt, sie genau zu betrachten, so sagte sie auch schon: Die Christblume ist es. Ich war entzückt und glaubte es ihr auf der Stelle, wiewohl es eigentlich geraten war. Ohne sie näher anzusehen – als wenn ich sie fürchtete, sie nicht zu eigen zu bekommen, - verriet ich mein unruhiges Verlangen dem Klärchen dennoch unwillkürlich, welche den holden Raub auch ungesäumt glücklich für mich vollbrachte, es ging sogar noch eine geschlossene Knospe mit. Zu Haus, um mich vollkommen zu überzeugen, las ich in meinem alten, lieben und schmackhaften Gartenbüchlein von Pastor Müllern S. 116: „Elleborus, Nießwurz, ist weiß und grün, wird unter die Blumen gesetzt, wegen ihres sehr frühen Flors (schön, daß es frühen heißt, nicht späten, so duftet sie schon wie von dem anderen Jahr herüber, was einer so mystischen Blume zuzutrauen ist), welche sich zeiget, gleich im November, Dezember und Jenner, dahero sie auch Christblume genennet wird, wie man dann viel darauf hält, so sie schön um Weihnachten florieren, soll ein gutes Jahr bedeuten, wird von der Wurzelteilung propagiert, mag im Lande gelassen oder aus Fürwitz wegen der frühen Flor in Keller gesetzt werden, sonsten kann sie die größte Kälte erdulden (dies ist der besonders schöne Zug an ihr!). Hat gern sandigen Grund und liebet sehr den Schatten und wintrichte Stelle, kommt deswegen an warm- und sonnichten Orten gar nicht fort, sondern verdirbt gemeiniglich. Die weiße ist die schönste und die rarste, so eine ansehnliche Blume präsentiert, und wenn sie abgebrochen ins Wasser gestellt wird, in der Stube gleich verdirbt, in der Kälte aber etliche Tage sich halten läßt.“ Auf Müllers letztere Anmerkung stellte ich sie im Glase, worein sie schon gebracht, alsobald vors Fenster, und zwar in den schönsten Mondenschein, in dem es ihr besonders wohl und leicht zu atmen schien. Sie freute mich unbeschreiblich, und schon dachte ich daran, meine Empfindungen bei guter Zeit in einigen Strophen auszudrücken – kann wohl auch noch geschehen -, doch unrecht Gut soll nicht gedeihen. Heute vormittag, nachdem ich sie den Morgen noch begrüßt, warf sie der Wind unvermerkterweise aus dem Glas auf die Straße und war nicht mehr zu finden. (Wenn sie jetzt wieder auf dem Grabe stünde! In der Tat gedenke ich ihrer jetzt nur wie eines lieblichen Geistes.)
Jetzt lebt wohl! […]
Ganz Dein Eduard

Literatur:

  • Aus: Freundeslieb‘ und Treu‘. 250 Briefe Eduard Mörikes an Wilhelm Hartlaub. Hrsg. v. Gotthilf Renz, Leipzig 1938, S. 153-155.




Portrait von Hermann Lingg nach Gemälde von Franz von Lenbach

Sonntag, Arnulf
Verlag: Lindauer, Digitalisat, 1908, München

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Kurzbeschreibung
Portrait von Hermann Lingg nach Gemälde von Franz von Lenbach. - Aus: Sonntag, Arnulf: Hermann Lingg als Lyriker, (1908)
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Portrait von Hermann Lingg nach Gemälde von Franz von Lenbach

Hermann Lingg

Hermann Lingg (1820-1905) wendete sich erst in seinem zweiten Lebensabschnitt der Schriftstellerei zu. Nach seinem Studium der Medizin nahm er eine Stelle als Unterarzt in Bayerischen Militärdienst an. Der psychischen Belastung eines Militärarztes war er im Ernsteinsatz nicht gewachsen: er verfiel in Depressionen. Nach der Einweisung in eine Nervenanstalt wurde er aus dem Militärdienst entlassen und von König Max II. persönlich unterstützt, so dass er ausschließlich sich seinen schöngeistigen Studien widmen konnte. Nachdem sich seine Verfassung stabilisiert hatte, machte er durch seine Lyrik auf sich aufmerksam. Er wurde Mitglied in dem Münchner Dichterkreis Die Krokodile.




Christrosen von Emil Ernst Heinsdorff

Wiechmann, Hermann Adolf
Verlag: Wiechmann, Digitalisat, 1931, München

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Kurzbeschreibung
Emil Ernst Heinsdorff: Christrosen. - Aus: Es ist ein Ros entsprungen aus einer Wurzel zart (1931), Seite 9
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Christrosen von Emil Ernst Heinsdorff mit einem Gedicht von Hermann Lingg


Die weiße Weihnachtsrose

Wenn über Wege tief beschneit,
Der Schlitten lustig rennt,
Im Spätjahr in der Dämmerzeit
Die Wochen im Advent,
Wenn aus dem Schnee das junge Reh
Sich Kräuter sucht und Moose:
Blüht unverdorrt im Frost noch fort
Die weiße Weihnachtsrose.

Kein Blümchen sonst auf weiter Flur;
In ihrem Dornenkleid
Nur sie, die niedre Distel nur
Trotzt allem Winterleid;
Das macht, sie will erwarten still,
Bis sich die Sonne wendet,
Damit sie weiß, daß Schnee und Eis
Auch diesmal wieder endet.

Doch ist’s geschehn, nimmt fühlbar kaum
Der Nächte Dunkel ab,
Dann sinkt mit einem Hoffnungstraum
Auch sie zurück in‘s Grab.
Nun schläft sie gern; sie hat von fern
Des Frühlings Gruß vernommen,
Und o wie bald wird glanzumwallt
Er sie zu wecken kommen!

Literatur:
  • Aus: Hermann Lingg: Gedichte von Hermann Lingg. 3. Aufl. Stuttgart 1857. S. 53 f.


Christrose

Wilhelm, Gottlieb Tobias ; Neuhofer, Gerhard Adam
Verlag: Engelbrecht, 1820, Augsburg

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Kurzbeschreibung
Wilhelm, Gottlieb Tobias: Unterhaltungen aus der Naturgeschichte : Beschreibung, Anwendung und Abbildung der vorzüglichen, gegenwärtig gebräuchlichen Arnzeypflanzen, Band 1 (1820)
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Abbildung einer Christrose

Paolo Mantegazza

Der italienische Anthropologe, Naturwissenschaftler und Arzt Paolo Mantegazza (1831-1910) ist vor allem durch die Erforschung psychotroper Pflanzen und seine Sexualstudien bekannt. Seine Romane, in denen sich sein ganzheitlicher Erklärungsversuch des Menschseins und der Evolution spiegelt, waren zwar zu seiner Zeit Besteller, sind jedoch in unserer Zeit nahezu in Vergessenheit geraten.

In seinem Blumenmärchen bietet er eine ungewöhnliche Sage zur Entstehung der Christrose:


"Im neolithischen Zeitalter lebte ein starker, tapferer Mann, Tristan mit Namen; sein Weib hieß Eva, sein Freund, dem er das größte Vertrauen schenkte, Tor. Von beiden wurde er verraten. Im ersten Zorn wollte er die Schuldigen töten, dann aber überlegte er, ein plötzlicher Tod sei keine Strafe – mögen sie leben, ihr Gewissen werde sie genug strafen. Die Nachbarn freilich nannten[n] Tristan einen wahnsinnigen Narren, aber er kümmerte sich nicht darum, sonder[n] ging ruhig seines Weges. Sein Herz freilich war von dem schrecklichen Augenblicke an, wo er den doppelten Betrug merkte, tot und kalt wie Eis. Nicht[s] machte dem Aermsten mehr Freude; kein Kampf, keine Jagd, die er früher so sehr liebte, konnten irgend einen Reiz auf ihn ausüben. Am wohlsten befand er sich mitten in den Bergen, dort konnte er stundenlang sitzen und dem Spiele zwischen Wind und Schnee zusehen. Eines Tages, als er wieder ins Gebirge gegangen war, kehrte er nicht mehr heim. Die Nachbarn suchten ihn, fanden ihn aber nicht. Erst als im Frühjahr Schnee und Eis schmolzen, entdeckte man den Körper des Unglücklichen; er war umwachsen von einer bis dahin unbekannten Pflanze – der Schneerose." [1]
Literatur:
  1. Vgl. Paolo Mantegazza: Blumenmärchen. Jena 1890. Zitiert nach: Richard Pieper: Volksbotanik. Unsere Pflanzen im Volksgebrauche, in Geschichte und Sage, nebst einer Erklärung ihrer Namen. Gumbinnen 1897. S. 22.




Johannes Trojan

Trojan, Johannes ; Kloss, Erich, Digitalisat, ca. 1900

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Kurzbeschreibung
Portrait Johannes Trojan. - Aus: Trojan, Johannes: Auswahl aus seinen Schriften (ca. 1900)

Johannes Trojan

Johannes Trojan (1837-1915) ist vor allem durch seine Tätigkeit als Chefredakteur des politsatirischen „Kladderadatsch“ in der Bismarckzeit bekannt. Neben seinem Studium der Germanistik hatte Trojan auch einige Semester Medizin studiert. Sein Interesse und Wissen um die Vielfältigkeit der Natur fand in vielen Erzählungen, Reiseberichten und Abhandlungen über die deutsche Pflanzenwelt Eingang.

Die Christrose hebt ihr weißes Haupt

In der schweigenden Welt,
Die der Winter umfangen hält,
Hebt sie einsam ihr weißes Haupt;
Selber geht sie dahin und schwindet
Eh’ der Lenz kommt und sie findet,
Aber sie hat ihn doch verkündet,
Als noch keiner an ihn geglaubt.
Literatur:
  • Johannes Trojan, Erich Kloss: Johannes Trojan. Auswahl aus seinen Schriften. O.O. 1900.


Helleborus niger hortensis flore viridi

Johann Wilhelm Weinmann, Digitalisat, 1717

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Kurzbeschreibung
Aus: Weinmann, Johann Wilhelm: Herbae tam Europeae quam Orientis et ex omnibus mundi partibus. Quae usque in hoc temporis punctum a viris eruditis summo studio in lucem sunt prolata, nec non et hae, quae hoc in libro perspiciuntur. Regensburg 1717. Bd. 2. [Manuskript, keine Seitenzählung]
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Helleborus niger hortensis flora viridi


Ludwig Ganghofer

Die Christrose begegnet dem Leser in Ludwig Ganghofers (1855-1920) Heimatroman Der Klosterjäger aus dem Jahre 1892 als zentrales Motiv. Die zeitliche Handlung spielt im 14. Jahrhundert unter der Regentschaft Ludwigs des Bayern im Berchtesgadener Land. Das damalige Leben der Bevölkerung wird neben der Schilderung der gesellschaftlichen Verhältnisse in seinem Bezug zur Volksheilkunde und dem damit oftmals eingehenden Aberglauben dargestellt.


Helleborus Ranunculoides

Johann Wilhelm Weinmann, Digitalisat, 1717

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Kurzbeschreibung
Aus: Weinmann, Johann Wilhelm: Herbae tam Europeae quam Orientis et ex omnibus mundi partibus. Quae usque in hoc temporis punctum a viris eruditis summo studio in lucem sunt prolata, nec non et hae, quae hoc in libro perspiciuntur. Regensburg 1717. Bd. 2. [Manuskript, keine Seitenzählung]
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Helleborus Ranunculoides

Darüber hinaus gewinnt die Christrose zusätzlich religiöse Symbolkraft als „Sinnbild des ewigen Lebens“:

 „Dann atmete er [der Jäger und Titelheld Haymo] tief, und sein Blick fiel auf die weißschimmernden Blüten am Kreuz. Schneerose! Du echte Blume der Berge! Nicht minder schön und lieblich als die rotglühende Almenrose des Sommers, und noch geheimnisvoller als der Samtstern des Edelweiß. Schneerose! Wenn der Winter seinen weißen Mantel über alle Berge wirft, wenn alles Blühen erstirbt und alles Wachstum entschlummert, dann regt sich die keimende Kraft in den tief gesenkten Wurzeln dieser einzigen Pflanze, als wäre sie bestellt zur Hüterin des Lebens, damit es nicht ganz erlösche in der toten Zeit zwischen Herbst und Frühling. In frostiger Öde sprossen ihre Blätter, und zwischen Schnee und Eis entfalten sich ihre weißen Blüten. Und wandert zur Winterszeit der Tod durch die verschneiten Hochlandstäler und berührt er ein unschuldig Kind mit seiner kalten Hand, dann klimmt die weinende Mutter empor zu den schimmernden Schneehalden und windet ihrem entschlafenen Liebling die weißen Rosen zum Kranz, als Sinnbild des ewigen Lebens. Schneerose! Das ist Leben und Tod zugleich! Denn die Wurzeln dieser Pflanze bergen einen geheimnisvollen Saft, der kranke Herzen gesunden läßt und bleiche Wangen wieder färbt. Für jeden aber, der diese Arznei zu gierig genießt, wird sie zum tödlich wirkenden Gifte. „Zwei Tröpflein machen rot, Zehn Tropfen tot!“ So sagt der Volksmund – […].“

Ludwig Ganghofer widmete seinen Roman in einem vorangestellten Gedicht seiner verstorbenen Tochter. Er vergleicht sie mit einer „Blume gleich im Frühlingshage“, die an die oben zitierte Stelle der Christrose als Symbol des Vergehens und Lebens zugleich erinnert.

Dem Angedenken meines heimgegangenen Kindes

Sie stieg hernieder auf die Erde,
Wie von der Sonne fällt ein Strahl.
Und schwand hinweg von dieser Erde,
Wie er verglüht im dunklen Tal.

Der Blume gleich im Frühlingshage,
An Leib und Seele sonder Fehl,
War sie die Freude meiner Tage,
Mein Sorgentrost und mein Juwel.

Kein Wölklein, das sich nicht zerteilte
Vor ihrem sonnigen Gesicht,
Und wo sie ging und wo sie weilte,
Da war die Wärme, war das Licht.

Sie lächelte: man mußte lieben.
Ein Blick: und sie gewann ein Herz …
Und ach, was ist von ihr geblieben?
Ein kleines Grab, ein großer Schmerz.

L.G.


05

Musikalisches



Helleborus Niger

Besler, Basilius, Digitalisat, 1713

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Kurzbeschreibung
Helleborus niger. - Aus: Besler, Basilius: Hortus Eystettensis (1713)
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Helleborus niger legitimus


Musikalisches

Die Christrose inspirierte neben der Vertonung des Gedichts Auf eine Christblume von Eduard Mörike auch zu weiteren Kompositionen. Im Folgenden werden zwei Weihnachtslieder vorgestellt: Es ist ein Ros entsprungen und Es blüht eine Rose zur Weihnachtszeit.


Helleborus niger flore viride

Besler, Basilius, Digitalisat, 1713

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Kurzbeschreibung
Helleborus niger flore viride
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Helleborus niger flore viride
In ersterem Fall lässt sich der schöpferische Bezug zu unserer Christrose nur durch eine Legende als Anreiz für das beliebte Kirchenlied halten ...




Es ist ein Ros entsprungen

Wiechmann, Hermann Adolf, Digitalisat, 1931
Verlag: Wiechmann, München

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Kurzbeschreibung
Emil Ernst Heinsdorff: Es ist ein Ros entsprungen. - Aus: Es ist ein Ros entsprungen aus einer Wurzel zart (1931), Seite 29.
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Es ist ein Ros enstrpungen

Es ist ein Ros entsprungen

Im Zusammenhang mit dem beliebten Weihnachtslied Es ist ein Ros entsprungen wird immer wieder die Legende um den Mönch Laurentius und die Christrose erwähnt. Auch wenn sich diese schöne Geschichte ohne jeglichen Nachweis und bei genauerer theologischer Interpretation des Textes nicht halten lässt, sei sie wegen ihrer Bekanntheit dennoch hier vorgestellt.

In der Weihnacht entdeckte der Trierer Mönch Laurentius bei einer Waldwanderung eine Pflanze im Schnee, die vor ihm weiß erblühte. Diese soll ihn zu dem Weihnachtslied Es ist ein Ros entsprungen inspiriert haben. In einer ähnlichen Version hörte Laurentius aus der Kirche die Prophezeihung des Jesaja 11,1 „Doch aus dem Baumstumpf Isais wächst ein Reis hervor, ein junger Trieb aus seinen Wurzeln bringt Frucht.“, als er die blühende Christrose erblickte. Er grub sie aus, stellte sie auf den Marienalter und dichtete in Anlehnung an den gehörten Gesang den Text des beliebten Weihnachtslieds. [1] Der älteste Nachweis für die Melodie zum Text findet sich im Speyerer Gesangbuch 1599:

1. Es ist ein Ros entsprungen
aus einer Wurzel zart,
wie uns die Alten sungen,
von Jesse kam die Art
und hat ein Blümlein bracht
mitten im kalten Winter,
wohl zu der halben Nacht.

2. Das Röslein, das ich meine,
davon Jesaias sagt,
Maria ists, die Reine,
die uns das Blümlein bracht.
Aus Gottes ewgem Rat
hat sie ein Kind geboren
und blieb doch reine Magd.

3. Das Blümelein, so kleine,
das duftet uns so süß,
mit seinem hellen Scheine
vertreibts die Finsternis:
Wahr Mensch und wahrer Gott,
hilft uns aus allem Leide,
rettet von Sünd und Tod. [2]
Literatur:
  1. Vgl. Werner Milstein: Es ist ein Ros entsprungen. Göttingen 2005. S. 116 ff., Roland Girtler: Streifzüge eines vagabundierenden Kulturwissenschafters. Wien 2007. S. 17 f.
  2. Nach Gotteslob Nr. 812.




Christrosen von Emil Ernst Heinsdorff

Wiechmann, Hermann Adolf
Verlag: Wiechmann, Digitalisat, 1931, München

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Kurzbeschreibung
Emil Ernst Heinsdorff: Christrosen. - Aus: Es ist ein Ros entsprungen aus einer Wurzel zart (1931), Seite 9
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Es blüht eine Rose zur Weihnachtszeit


Es blüht eine Rose zur Weihnachtszeit

Einen echten Bezug zur Christrose hat die Vertonung des operettenhaften Weihnachtslieds Es blüht eine Rose zur Weihnachtszeit, oder auch Christrose genannt. Robert Stolz vertonte das Gedicht von Kurt Hertha. Besonders bekannt wurde das rührselige Stück durch die Interpretation des Tenors René Kollo und in jüngerer Zeit des Baritons Thomas Hampson.

Es blüht eine Rose zur Weihnachtszeit (Christrose)

Es blüht eine Rose zur Weihnachtszeit
Draußen in Eis und Schnee.
Und wenns in der Winternacht friert und schneit,
Das tut der Rose nicht weh.

Es grünt eine Hoffnung zur Weihnachtszeit,
Drinnen im Herzen still:
Daß immer und ewig so schön wie heut'
Frieden werden will.

Christrose, Christrose,
Christrose, Christrose,
Blume der Heiligen Nacht!
Christrose, Christrose,
Christrose, Christrose,
Hast mir die Hoffnung gebracht!

Die Liebe vertreibt meine Einsamkeit,
Mir tut das Herz nicht mehr weh,
Es blüht eine Rose zur Weihnachtszeit
Draußen in Eis und Schnee.

06

Religiöses



Helleborus foetidus, Helleboraster

Blackwell, Elizabeth ; Trew, Christoph Jacob ; Eisenberger, Nicolaus Friedrich ; Ludwig, Christian Gottlieb ; Eisenberger, Nicolaus Friedrich ; Launoy, Christian de
Verlag: Typis Christiani De Lavnoy, Digitalisat, 1757, Norimbergae

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Kurzbeschreibung
Elizabeth Blackwell: Vermehrtes und verbessertes Blackwellisches Kräuterbuch. Herbarium Blackwellianum emendatum et auctum. Nürnberg 1754-1773.
Bd. 1. T. 57 Helleborus foetidus, Helleboraster. Läuß Kraut.
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Helleborus foetidus, Helleboraster. Läuß Kraut


Religiöses

Die Christrose in der Martinslegende

Auf die vielfältigen Deutungsmöglichkeiten der Christrose hinsichtlich der Weihnachtszeit ist in den vorangegangenen Artikeln mehrfach hingewiesen worden. Daher sei an dieser Stelle die etwas in Vergessenheit geratene Begebenheit aus der Legendenvita des Hl. Martins erwähnt:

Als sich der Heilige Martin während seines Exils auf die Insel Gallinaria bei Genua zurückzog, lebte er asketisch nur von Wurzeln, die ihm die Natur bot. Versehentlich verzehrte er die giftigen Helleboruswurzeln. Durch die Kraft des Gebetes konnte er die Vergiftungserscheinungen und den nahenden Tod bannen. Diese Legende ist mehrfach im frühen Christentum überliefert. [1]

Literatur:
  1. Sulp. Sev. Mart. 6,5 f.; Ven. Fort. Mart. PL 88, 149,54; vgl. auch RAC “Elleborus”.

07

Unsere schönsten Darstellungen



Helleborus niger flore roseo orientalis

Blackwell, Elizabeth ; Trew, Christoph Jacob ; Eisenberger, Nicolaus Friedrich ; Ludwig, Christian Gottlieb ; Eisenberger, Nicolaus Friedrich ; Launoy, Christian de
Verlag: Typis Christiani De Lavnoy, Digitalisat, 1757, Norimbergae

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Kurzbeschreibung
Aus: Blackwell,, Elizabeth: Vermehrtes und verbessertes Blackwellisches Kräuterbuch, Band 1 (1757). Helleborus niger flore roseo orientalis
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Helleborus niger flore roseo orientalis. Orientalische schwartze Nießwurtz

Unsere schönsten Darstellungen

Die Universitätsbibliothek Regensburg verfügt dank der Dauerleihgabe der Regensburgischen Botanischen Gesellschaft über eine Reihe alter und wertvoller Pflanzenbücher. Da wir aus Sicherheitsgründen diese Rara nicht ausstellen können, möchten wir Sie Ihnen virtuell präsentieren.





Helleborus niger Styriacus flore viridi major

Blackwell, Elizabeth ; Trew, Christoph Jacob ; Eisenberger, Nicolaus Friedrich ; Ludwig, Christian Gottlieb ; Launoy, Christian de
Verlag: Typis Christiani De Lavnoy, Digitalisat, 1757, Norimbergae

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Kurzbeschreibung
Aus: Blackwell,, Elizabeth: Vermehrtes und verbessertes Blackwellisches Kräuterbuch. Herbarium Blackwellianum emendatum et auctum. Nürnberg 1754-1773. Band 6, T. 509 (1757).
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Helleborus viridis, Helleborus niger Styriacus flore viridi major. Große Steurische schwartze Nießwurtz mit grüner Blüthe. Eine Abweichung der gemein
Den einzelnen Werken ist eine Kurzbeschreibung des Autors und des vorgestellten Kräuterbuchs beigefügt, die freilich neben einer Einführung den Interessierten zu einer intensiveren Beschäftigung verleiten mag ...




Christwurz

Dioscorides, Pedanius ; Ruel, Jean ; Ryff, Walther Hermann ; Lonicer, Johannes
Verlag: Egenolphus, Digitalisat, 1543, Franc.

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Kurzbeschreibung
Aus: Dioscurides, Pedanios: Pedanii Dioscoridis Anazarbei De Medicinali Materia [De materia medica]. - Frankfurt (1543). (Von Ryff und Lonitzer überarbeitet)
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Schwarze Christwurz


Pedanios Dioscurides

Der sog. „Dioscurides“ ist ein antikes Pflanzenbuch, das über 1600 Jahre bis zur späten Neuzeit für botanische und pharmakologische Studien am meisten rezipiert wurde. Es geht auf den römischen Militärarzt Pedanios Dioscurides aus Anazarba (Kleinasien) zurück, der unter den Caesaren Claudius und Nero Dienst leistete. Auf seinen weiten Reisen von Nordafrika bis nach Gallien konnte er sich umfangreiches botanisches und medizinisches Wissen aneignen. So waren ihm auch indische und persische Arzneien bekannt.

Sein umfangreiches Hauptwerk Περὶ ὕλης ἰατρικῆς (De materia medica, „Über die Heilmittel“) behandelt in 5 Büchern pflanzliche und tierische Nahrungs- und Arzneimittel, Genussmittel wie Wein und Mineralien, wobei auch die Magie ihren Platz findet. Insgesamt werden ca. 1.000 Arzneistoffe und fast das Fünffache an ihren offizinellen Möglichkeiten besprochen. Dioscurides versuchte sich an einer neuartigen Systematik, indem er die medizinische Wirkkraft als Ordnungsprinzip einführte. Damit bezeichnete er allerdings zunächst eine allgemeine Eigenschaft der Arznei, wie kühlend, erwärmend, etc. Die Gruppierung nach Wirkstoffgruppen hatte den Vorteil, dass der Arzt neben einer praktikablen Mnemotechnik auf mehrere Arzneipflanzen nach Verfügbarkeit zurückgreifen konnte. Leider wurde diese fortschrittliche Kategorisierung noch in der Spätantike zu Gunsten der althergebrachten Methode der Alphabetisierung aufgegeben.

Die vorgestellten Heilpflanzen werden nach einem festen Schema beschrieben: Name, Synonyme, Herkunft, botanische Beschreibung, offizinelle Verwendung, Nebenwirkungen, Sammeln, Zubereitung, Anwendung, Lagerung sowie mögliche Verwechslungsgefahr. Erst die Neuregelung der botanischen Nomenklatur durch Linné verdrängte die klassischen Pflanzenbezeichnungen des Dioscurides.



Christwurz

Dioscorides, Pedanius ; Ruel, Jean ; Ryff, Walther Hermann ; Lonicer, Johannes
Verlag: Egenolphus, Digitalisat, 1549, Franc.

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Kurzbeschreibung
Aus: Dioscurides, Pedanios: Pedanii Dioscoridis Anazarbei De Medicinali Materia. Libri Sex. - Frankfurt (1549). (Von Ryff und Ruel überarbeitet)
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Der weiße Christwurz


Das Pflanzenbuch hat sich in verschiedenen Handschriften erhalten. Am bekanntesten und prächtigsten ist der sog. „Wiener Dioscurides“ oder „Juliana Anicia-Kodex“ gestaltet. Die byzantinische Handschrift aus dem Jahr 512, die die Bewohnern eines Vorortes von Byzanz für den Bau einer Kirche zu Ehren der Juliana Anicia anfertigen ließen, zeigt sich in seiner Entstehungsgeschichte als Sammelhandschrift. Die Heterogenität der ganzseitigen Miniaturen, die dem Werk in motivischer Doppelung vorangestellt werden, liefern wichtige kunsthistorische Indizien: Die zwei Gruppenbildnisse mit je sieben Ärzten wurden wohl von einer Dioskurides- und Galenausgabe aus dem 1. und 3. Jahrhundert kopiert. Von den zwei Mandragoradarstellungen (Alraune) dürfte das erste in seiner Gestaltungsweise wesentlich älter sein und vermutlich auf das Titelblatt des Herbariums des Krateuas (um 100 n. Chr.) zurückgehen, während das zweite wohl auf einen Dioscurides aus dem 3. oder 4. Jahrhundert hindeutet. Erst das Dedikationsbild an Juliana Anicia und der Ziertitel beziehen sich eindeutig und in ihrer einmaligen Ausführung auf die Entstehungszeit der Handschrift. Die fast 400 ganzseitigen Pflanzenmalereien im Inneren der Handschrift verraten ebenfalls unterschiedliche Entwicklungsstufen. Es ist anzunehmen, dass frühe Dioscuridesausgaben unbebildert waren und etliche Abbildungen aus den Herbarien des Krateuas und Galen (2. Jahrhundert) sowie deren Abschriften entlehnt sind. Wahrscheinlich geht die uns bekannte Anlage des Kräuterbuchs De materia medica auf eine Vorlage des Wiener Dioscurides aus dem 3. oder 4. Jahrhundert zurück.

Zudem werden in der Wiener Sammelhandschrift Prosabearbeitungen wie die Theriaka und Alexipharmaka des Nikander, die Halieutika des Oppian und die Ornithiaka, die Dionysios von Philadelphia zugeschrieben werden, überliefert.

Literatur:
  • Pedanios Dioscurides: Pedanii Dioscoridis Anazarbei De Medicinali Materia [De materia medica]. Frankfurt 1543. (Von Ryff und Lonitzer überarbeitet). S. 356 ff.
  • Pedanios Dioscurides: Pedanii Dioscoridis Anazarbei De Medicinali Materia. Libri Sex. Frankfurt 1549. (Von Ryff und Ruel überarbeitet). S. 364 ff.
  • Claus Nissen: Die botanische Buchillustration. Ihre Geschichte und Bibliographie. 2. Aufl. Stuttgart 1966. S.16-20.
  • Der Kleine Pauly.
  • Peter Schanz: Weissdorn und Herzgespann. Medizinhistorische Untersuchungen zur europäischen Tradition dieser Arzneipflanzen. Kassel 2009. S. 21-24.


Liber de arte distulandi Simplicia et Composita

Brunschwig, Hieronymus ; Ficinus, Marsilius ; Ficinus, Marsilius, Digitalisat, 1509, Straßburg

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Kurzbeschreibung
Aus: Brunschwig, Hieronymus: Liber de arte distulandi Simplicia et Composita. Das nüv buch der rechten kunst zu distillieren (1509)
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Christi wurtzlen wasser


Hieronymus Brunschwig

(Brunschwyg)

Der Straßburger Hieronymus Brunschwig (1450-1512) war nach seinem Medizinstudium als Wundarzt tätig. Neben einem Buch zur Wundchirurgie und zur Behandlung alltäglicher Leiden für arme Leute hat sich vor allem sein Buch über die Destillierkunst großer Beliebtheit erfreut. Der Liber de arte destillandi muss in der Erstausgabe noch den Inkunabeln zugerechnet werden. Zahlreiche Nachdrucke folgten. Obwohl dieses Werk kein Herbar im engeren Sinn ist, werden die besprochenen Pflanzen in Holzschnitt abgebildet. Leider ist die Qualität der Darstellung so mangelhaft, dass man kaum eine realistische Identifizierung der Heilpflanzen vornehmen kann.



Liber de arte distulandi Simplicia et Composita

Brunschwig, Hieronymus ; Ficinus, Marsilius ; Ficinus, Marsilius, Digitlaisat, 1509, Straßburg

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Kurzbeschreibung
Aus: Brunschwig, Hieronymus: Liber de arte distulandi Simplicia et Composita. Das nüv buch der rechten kunst zu distillieren (1509)
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Christian wurtz wasser

Das Destillierbuch traf den Nerv der Zeit: Die Alchimisten versuchten damals durch verschiedene Destillationsmethoden ein Heilmittel in reiner Form gewinnen zu können. Die Herstellung des beliebten Universalheilmittels Aqua vitae fand so große Verbreitung, dass die Behörden gegen die zahlreichen Schnapsbrennereien vorgingen.

Brunswig empfiehlt ein Destillat aus der Wurzel der Christrose zur Lungenstärkung bei Husten, gegen Heiserkeit und als Elixier für langes Leben und ewige Jugend.

Literatur:
  • Brunschwig, Hieronymus: Liber de arte distulandi Simplicia et Composita. Das nüv buch der rechten kunst zu distillieren. Ouch von Marsilio Ficino und anderen hochberömpten Ertzte natürliche und gute künst, zu behalten den gesunden leib und zu vertreiben die kranckheiten mit erlengerung des lebens. Straßburg, 1509.
  • Karl Eugen Heilmann: Kräuterbücher in Bild und Geschichte. Grünwald/München 1964. S. 25.




Herbarum vivae eicones ad nature imitationem

Brunfels, Otto, Digitalisat, 1530, Argentorati

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Kurzbeschreibung
Titelblatt. - Aus: Brunfels, Otto: Herbarum vivae eicones ad naturę imitationem, suma cum diligentia et artificio effigiatę (1530)
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Herbarum vivae eicones ad nature imitationem


Otto Brunfels

Der gebürtige Mainzer Otto Brunfels (1488 -1534) kam auf Umwegen zur Botanik. Er studierte zuerst Theologie und Philosophie und trat in den Kartäuserorden ein. Nach intensiven theologischen Diskursen wechselte er zum Protestantismus über. Als er weiterhin die Ansichten Ulrichs von Hutten und Gleichgesinnter vehement verteidigte, wurde 1550 auf Veranlassung des Kaisers sein Name auf die Hauptketzerliste der Universität Löwen gesetzt. Brunfels wendete sich nach Kontroversen mit Luther und Zwingli einem Medizinstudium in Basel zu, das er mit einer Promotion absolvierte. Ab 1532 war er als Stadtarzt in Bern tätig.


Christwurtz

Brunfels, Otto
Verlag: Schott, Digitalisat, 1530, Argentorati

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Kurzbeschreibung
Helleborus niger. - Aus: Brunfels, Otto: Herbarum vivae eicones ad naturę imitationem, suma cum diligentia et artificio effigiatę (1530)

Im Kloster hatte Brunfels bereits die Bedeutung von Kräutern und deren medizinische Verwendung kennengelernt. Sein 1530 erstmals herausgegebenes Kräuterbuch Herbarum vivae eicones ad naturae imitationem, summa cum diligentia et artificio effigiatae zeigt die Handschrift eines humanistischen Gelehrten, indem er zuerst in einer lateinischen Ausgabe, dann zwei Jahre später in einer deutschen die Beschreibungen anfertigte. Neben der Auswertung alter Schriften fügte Brunfels eigene Beobachtungen hinzu und stellt sich somit in die Reihe botanischer Experten. Aber nicht nur der Text, sondern auch die Pflanzendarstellungen verraten den aufkeimenden Drang der Renaissance zur Naturforschung. Der Dürer-Schüler Hans Weiditz lieferte die realistischen Aquarellvorlagen, die in Holz geschnitten Eingang in das Brunfelsche Pflanzenbuch finden sollten. Auf dem Speicher des Berner Botanischen Instituts wurden erst im 20. Jahrhundert diese einmaligen Originalzeichnungen wiederentdeckt. Die naturgetreue Abbildung der Heilpflanzen mit all ihren Makeln (vom Raupenfraß bis hin zu welken Blättern) sollte eine bewusste Abkehr der starren und typisierenden Darstellungsweise der Spätgotik markieren.

Literatur:
  • Otto Brunfels: Herbarum vivae eicones ad naturae imitationem, summa cum diligentia et artificio effigiatae. Una cum effectibus earundem, in gratiam ueteris illius, et iamiam renascentis herbariae medicinae. Quibus adjecta ad calcem, appendix isagogica de usu et administratione simplicium. Item index contentorum singulorum. Straßburg 1530. S. 30 ff.
  • Karl Eugen Heilmann: Kräuterbücher in Bild und Geschichte. Grünwald/München 1964. S. 29, 152-155.
  • Claus Nissen: Die botanische Buchillustration. Ihre Geschichte und Bibliographie. 2. Aufl. Stuttgart 1966. S.39-44.


De historia stirpium commentarii insignes

Fuchs, Leonhart ; Füllmaurer, Heinrich ; Meyer, Albrecht ; Speckle, Veyt Rudolff
Verlag: Isengrin, Digitalisat, 1542, Basileae

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Leonhart Fuchs


Leonhart Fuchs

Der Wemdinger (Landkreis Donau-Ries) Leonhart Fuchs (1501 -1566) studierte an der Universität Erfurt für ein Jahr Philosophie und Naturlehre, später in Ingolstadt Klassische Philologie, Philosophie und Hebraistik. Daraufhin schloss er ein Medizinstudium an, das er 1524 mit der Doktorwürde beendete. Mehr als zehn Jahre übte er den Arztberuf aus, bis er 1535 einen Ruf an der Universität Tübingen für einen Lehrstuhl der Medizin annahm. Er legte dort den ersten botanischen Garten einer Universität an und unternahm Exkursionen.

Bei der Auswertung der überlieferten Pflanzenbeschreibungen entfernt sich Fuchs von der arabischen Tradition und wendet sich ganz antiken, insbesondere griechischen Originalquellen zu. Besondere Beachtung verdienen vor allem die bildlichen Darstellungen der Heilpflanzen: Eine exakte naturgetreue Abbildung eines Exemplars, wie sie Weiditz und Brunfels verfolgten, lehnt Fuchs ab. Er favorisiert das Idealtypische als Identifikationsmerkmal, das „Gesetz des goldenen Schnitts“. So sollten nur vollkommene Pflanzen in all ihren Entwicklungsstadien gezeigt werden: Von der Knospe bis hin zur Frucht, von der Wurzel bis zur ausgewachsenen Pflanze, wenn nötig, in verschiedenen Wachstumsphasen. Neben anderen Künstlern (vielleicht sogar Holbein) haben Albrecht Mayer unter Anleitung von Fuchs die Vorlagen für die Druckstöcke geschaffen und Heinrich Füllmaurer die Pflanzendarstellungen in Holz geschnitten, wobei auf Schraffierungen bewusst verzichtet wurde. Wahrscheinlich ließ sich Fuchs von den Darstellungen aus dem Herbar seines Freundes Rauwolf inspirieren.



De historia stirpium commentarii insignes

Fuchs, Leonhart ; Füllmaurer, Heinrich ; Meyer, Albrecht ; Speckle, Veyt Rudolff
Verlag: Isengrin, Digitalisat, 1542, Basileae

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Christwurtz


1542 erschien die lateinische Version des Kräuterbuchs De historia stirpium commentarii insignes, ein Jahr später die deutsche: New Kreüterbuch. 511 bzw. 517 Abbildungen in Großfolio verteuerten das Werk immens. Spätere Ausgaben sollten nur mehr verkleinerte Darstellungen enthalten, sogar für einen Taschenatlas ohne Text. Den kostengünstigeren Auflagen ist wohl die weite Verbreitung und Beliebtheit des Pflanzenbuchs zu verdanken. Gelegentlich wurde ein Krankheitsregister angefügt, das bei rascher Durchsicht die entsprechende Heilpflanze verriet. Ursprünglich hatte Fuchs vor, seine Historia um 1000 weitere Kräuter zu ergänzen. Wegen der zu erwartenden Kosten fand er jedoch keinen Verleger und Geldgeber. Vorzeichnungen und Druckstöcke waren zu einem Teil bereits angefertigt. Im Botanischen Institut Tübingen haben sich noch wenige Druckstöcke bewahrt, das Manuskript ist fast vollständig in der Österreichischen Nationalbibliothek erhalten.

Literatur:
  • Leonhart Fuchs: De historia stirpium commentarii insignes. Basel 1542. S. 270 ff.
  • Karl Eugen Heilmann: Kräuterbücher in Bild und Geschichte. Grünwald/München 1964. S. 29 f., 162-173.
  • Claus Nissen: Die botanische Buchillustration. Ihre Geschichte und Bibliographie. 2. Aufl. Stuttgart 1966. S. 44-48.


Hieronymus Bock: Kreütterbuch. Darin underscheidt Namen u. Würckung d. Kreütter, Stauden, Hecken u. Beumen, sampt ihren Früchten, so inn Teutschen Landen wachsen

Bock, Hieronymus ; Sebisch, Melchior ; Sapidus, Johannes
Verlag: Josiam Rihel, Digitalisat, 1580, Straßburg

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Kurzbeschreibung
Aus: Bock, Hieronymus: Kreütterbuch : darin underscheidt Namen u. Würckung d. Kreütter, Stauden, Hecken u. Beumen, sampt ihren Früchten, so inn Teutschen Landen wachsen (1580)

Hieronymus Bock

Das Leben des Theologen und Botanikers Hieronymus Bock (1498-1554) ist wie sein Kreütterbuch so vielfältig und bunt, dass sich der biographische Abriss mit den botanisch relevanten Stationen begnügen mag. Bereits 1522 war Bock als Lehrer und Botaniker in Zweibrücken beschäftigt. Er erarbeitete sich im Laufe der Zeit eine so große Reputation als Botaniker, dass er selbst in Zeiten der Reformationswirren und unterschiedlicher Beschäftigungs- und Abhängigkeitsverhältnisse seinen naturkundlichen Studien und Exkursionen ohne wesentliche Beeinträchtigung nachgehen konnte. Vier Jahre vor seinem Tod hatte Bock am Saarbrücker Hof mit der Anlage eines Kräutergartens begonnen.


Hieronymus Bock: Kreütterbuch. Darin underscheidt Namen u. Würckung d. Kreütter, Stauden, Hecken u. Beumen, sampt ihren Früchten, so inn Teutschen Landen wachsen

Bock, Hieronymus ; Sebisch, Melchior ; Sapidus, Johannes
Verlag: Josiam Rihel, Digitalisat, 1580, Straßburg

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Aus: Bock, Hieronymus: Kreütterbuch : darin underscheidt Namen u. Würckung d. Kreütter, Stauden, Hecken u. Beumen, sampt ihren Früchten, so inn Teutschen Landen wachsen (1580)
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Neben Brunfels und Fuchs gesellt sich Bock als Dritter in die Reihe der „botanischen Väter“. Was die Verbreitung und Beliebtheit seines Pflanzenbuchs angeht, so konnte er seine Vorgänger bei weitem übertreffen.


Hieronymus Bock: Kreütterbuch. Darin underscheidt Namen u. Würckung d. Kreütter, Stauden, Hecken u. Beumen, sampt ihren Früchten, so inn Teutschen Landen wachsen

Bock, Hieronymus ; Sebisch, Melchior ; Sapidus, Johannes
Verlag: Josiam Rihel, Digitalisat, 1580, Straßburg

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Aus: Bock, Hieronymus: Kreütterbuch : darin underscheidt Namen u. Würckung d. Kreütter, Stauden, Hecken u. Beumen, sampt ihren Früchten, so inn Teutschen Landen wachsen (1580)
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Durch zahlreiche Wanderungen und Reisen hatte sich Bock neben dem Studium der einschlägigen Literatur selbst Wissen über die Beobachtung einheimischer Pflanzen angeeignet. Zutreffende Beschreibungen und Fundortangaben ergänzten erheblich das bisher vorhandene Wissen. Seine humoristischen und bisweilen auch derben Kommentierungen verhalfen seinem in Volkssprache veröffentlichten Kräuterbuch zu einer breiten Popularität.


Hieronymus Bock: Kreütterbuch. Darin underscheidt Namen u. Würckung d. Kreütter, Stauden, Hecken u. Beumen, sampt ihren Früchten, so inn Teutschen Landen wachsen

Bock, Hieronymus ; Sebisch, Melchior ; Sapidus, Johannes
Verlag: Josiam Rihel, Digitalisat, 1580, Straßburg

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Aus: Bock, Hieronymus: Kreütterbuch : darin underscheidt Namen u. Würckung d. Kreütter, Stauden, Hecken u. Beumen, sampt ihren Früchten, so inn Teutschen Landen wachsen (1580)
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Dennoch war der Erfolg wesentlich den Zeichnungen des jungen Straßburger Künstlers David Kandel geschuldet, da die erste Ausgabe von Bocks Kräuterbuch aus dem Jahr 1539 unbebildert war und sich nur zögerlich verkaufte. Die zweite Auflage 1546 kam mit 477 Holzschnitten dem Käuferinteresse entgegen: Ein Teil der zahlreichen Abbildungen sind offenbar aus den Herbarien Brunfels‘ oder Fuchs‘ entlehnt, die meisten Darstellungen scheinen aber einem lebenden oder getrockneten Vorbild nachempfunden. Besonderes Amüsement rufen die den Text erläuternden Genreszenen hervor, die gelegentlich auch ins Burleske abgleiten. 1552 wurde das Kräuterbuch ins Lateinische übersetzt. Zahlreiche Nachdrucke folgten.

Literatur:
  • Hieronymus Bock: Kreütterbuch. Darin underscheidt Namen u. Würckung d. Kreütter, Stauden, Hecken u. Beumen, sampt ihren Früchten, so inn Teutschen Landen wachsen. Straßburg 1580. F. 145 ff.
  • Karl Eugen Heilmann: Kräuterbücher in Bild und Geschichte. Grünwald/München 1964. S. 31, 156-161.
  • Claus Nissen: Die botanische Buchillustration. Ihre Geschichte und Bibliographie. 2. Aufl. Stuttgart 1966. S. 51-53.


Elleborum nigrum alterum

Mattioli, Pietro Andrea
Verlag: Apud F.Valgrisium, Digitalisat, 1583, Venetiis

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Elleborum nigrum alterum. - Aus: Pietro Andrea Matthioli: Commentarii in sex libros Pedacii Dioscoridis Anazarbei de medica materia (1583)
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Elleborum nigrum alterum


Pietro Andrea Matthioli / Theodor Zwinger

Nach einem Abschluss in Rechtswissenschaften entschied sich Pietro Andrea Matthioli (1501-1577) für ein Medizinstudium in Padua. Nachdem er mehrere Jahre als praktizierender Arzt in Rom verbracht hatte, war er in Trient ab 1527 in kirchlichen Diensten tätig. Als er 1539 in die habsburgische Grafschaft Görz überwechselte, widmete er sich intensiv der alpenländischen Flora. Wenige Jahre später ernannte ihn Kaiser Ferdinand I. zum Leibarzt seines Sohnes Ferdinand II. in Prag. 1568 ließ sich Matthioli vom Dienst am Hof befreien. Er kehrte nach Italien zurück und fiel 1577 der Pest zum Opfer.


Elleboru iternem ginat

Mattioli, Pietro Andrea
Verlag: Kočí, Digitalisat, Nachruck von 1924-1928 der Ausgabe von 1596, Praha

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Aus: Matthioli,Pietro Andrea : Herbář aneb Bylinář Wysocevčeného. Nachdr. der Ausg. Prag (1596). Prag 1924-1928
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Elleboru termen giant
Der italienische Arzt und Humanist ließ sich bei seinen botanischen Studien ganz von der Gedankenwelt der Renaissance leiten und widmete sich den klassischen Autoren. Der hohe wissenschaftliche Anspruch und die sorgfältige Übersetzung des Dioscurides setzten neue Maßstäbe, die vorherige Bearbeitungen anderer Botaniker als überholt gelten ließen. Zuerst publizierte Matthioli seine neue Dioscurides-Ausgabe Commentarii in sex libros Pedacii Dioscoridis Anazarbei de medica materia auf Italienisch, weitere Auflagen auf Lateinisch, Deutsch und Tschechisch folgten. Seinen Bestrebungen, die antiken Klassiker in Volkssprache zu übersetzen, ist es zu verdanken, dass sich das einschlägige Vokabular für einen wissenschaftlichen Diskurs enorm erweiterte, bisweilen neu geschaffen wurde. Matthioli kommt auch das Verdienst zu, erstmals neu entdeckte Pflanzen aus Amerika beschrieben zu haben.




Theatrum botanicum

Zwinger, Theodor ; Verzasca, Bernhard
Verlag: Bertsche u.a., Digitalisat, 1696, Basel

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Aus: Zwinger, Theodor und Verzascha, Bernhard: Theatrum botanicum (1696)
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Titelseite Zwinger, Theodor und Verzascha, Bernhard: Theatrum botanicum. - 1969


In den Jahren 1544 bis 1562 wurden von der Dioscurides-Ausgabe mehr als 32.000 Exemplare in 60 Auflagen verkauft. Mit finanzieller Unterstützung der Habsburger erschien die Prager Prachtausgabe 1562, die ein Jahr später von Georg Handsch ins Deutsche übersetzt wurde. Das Kräuterbuch umfasste 1149 Seiten mit über 800 teilweise ganzseitigen Abbildungen. Matthioli legte leider bei seinem Kräuterbuch keinen besonders großen Wert auf die künstlerische Ausstattung. Mangelnde Naturtreue und Verwechslungen wurden unkorrigiert sogar in spätere Auflagen übernommen.


Theatrum botanicum

Zwinger, Theodor ; Verzasca, Bernhard
Verlag: Bertsche u.a., Digitalisat, 1696, Basel

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Aus: Zwinger, Theodor und Verzascha, Bernhard: Theatrum botanicum (1696)
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Zwinger, Theodor und Verzascha, Bernhard: Theatrum botanicum. 1696. S. 960 ff. Weisse Nießwurz

Der Baseler Stadtarzt Bernhard Verzascha bearbeitete 1678 die letzte deutsche Ausgabe des Kräuterbuchs von Matthioli und fügte Beschreibungen über Pflanzen der neuen Welt wie Kaffee, Tee und Tabak bei. Der Baseler Professor für Botanik Theodor Zwinger (1658 – 1724) gab im Jahr 1696 das Theatrum Botanicum heraus, das eine überarbeitete und „um mehr als die Hälfte vermehret[e]“ Auflage seines Schweizer Kollegen Verzascha war.

Literatur:
  • Pietro Andrea Matthioli: New Kreüterbuch mit den allerschönsten und artlichsten Figuren aller Gewechß, dergleichen vormals in keiner Sprach nie an Tag kommen. Prag 1563.
  • Pietro Andrea Matthioli: Commentarii in sex libros Pedacii Dioscoridis Anazarbei de medica materia. Venedig 1583. S. 559 ff.
  • Pietro Andrea Matthioli: Herbář aneb Bylinář Wysocevčeného. Nachdr. der Ausg. Prag, 1596. Prag 1924-1928. F. 431v ff.
  • Theodor Zwinger und Verzascha, Bernhard: Theatrum botanicum. D. ist: neu vollkommenes Kräuter-Buch, worinnen allerhand Erdgewächse d. Bäumen, Stauden u. Kräutern, welche in allen 4 Theilen d. Welt, sonderl. aber in Europa herfür kommen [...] beschrieben [...] sind. Basel 1696. S. 960 ff.
  • Claus Nissen: Die botanische Buchillustration. Ihre Geschichte und Bibliographie. 2. Aufl. Stuttgart 1966. S. 53 f.
  • Karl Eugen Heilmann: Kräuterbücher in Bild und Geschichte. Grünwald/München 1964. S. 203, 252 f.




Adam Lonitzer: Herrn Adami Loniceri, Der Artzney D. und weyland Ordinarii Primarii Physici zu Franckfurt Kräuter-Buch und Künstliche Conterfeyungen der Bäumen, Stauden, Hecken, Kräutern, Geträyde, Gewürtzen etc. 1703

Lonitzer, Adam ; Uffenbach, Peter
Verlag: Bartholomae, Digitalisat, ca. 1703, Ulm

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Aus: Lonitzer, Adam: Herrn Adami Loniceri, Der Artzney D. und weyland Ordinarii Primarii Physici zu Franckfurt Kräuter-Buch und Künstliche Conterfeyungen der Bäumen, Stauden, Hecken, Kräutern, Geträyde, Gewürtzen etc. (1703)
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Destillerien


Adam Lonitzer

Der Marburger Adam Lonitzer (1528-1586) lehrte als Professor zuerst Mathematik, bevor er nach einem Promotionsstudium der Medizin 1554 eine Stelle als Stadtphysikus in Frankfurt am Main annahm. Seine wissenschaftlichen Leistungen auf dem Gebiet der Naturkunde müssen vor dem Hintergrund der Frankfurter Verlagspraxis beurteilt werden. Lonitzer war der Schwiegersohn des Verlegers Egenolph, der zu jener Zeit in Ermangelung eines Urheberrechts ungeniert Abbildungen und Texte erfolgreicher Bücher gänzlich ohne oder nur mit geringfügiger Veränderung neu kombinierte und herausgab. Trotz eines verlorenen Verfahrens vor dem Reichskammergericht gegen seinen Konkurrenten Schott ließ sich der Frankfurter Verleger nicht wesentlich für die Zukunft beeindrucken. Der Verkaufserfolg „seiner“ Bücher im Vergleich zu den Produktionskosten war immens.


Adam Lonitzer: Herrn Adami Loniceri, Der Artzney D. und weyland Ordinarii Primarii Physici zu Franckfurt Kräuter-Buch und Künstliche Conterfeyungen der Bäumen, Stauden, Hecken, Kräutern, Geträyde, Gewürtzen etc. 1703

Lonitzer, Adam ; Uffenbach, Peter
Verlag: Bartholomae, Digitalisat, ca. 1703, Ulm

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Aus: Lonitzer, Adam: Herrn Adami Loniceri, Der Artzney D. und weyland Ordinarii Primarii Physici zu Franckfurt Kräuter-Buch und Künstliche Conterfeyungen der Bäumen, Stauden, Hecken, Kräutern, Geträyde, Gewürtzen etc. (1703)
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Schwartze Nießwurz

Dennoch wäre es zu einfach, Egenolph und seinen Nachfolger Lonitzer als gerissene Plagiatskünstler abzutun. Mit der neuartigen Kombination von Abbildungen und Texten kam man dem Durst des Lesers nach Aktualität entgegen und redigierte auf diese Weise erfolgreich Klassiker. Gelegentlich wurden sogar mehrere unterschiedliche Abbildungen pro Pflanze abgebildet. Letztendlich folgte Egenolph dem Erfolgsprinzip, dass die typisierenden Darstellungen vielseitiger als die individuell angefertigten wiederzuverwenden waren. Dass dabei so manche wissenschaftliche Genauigkeit im Einzelfall auf der Strecke blieb, versteht sich allerdings auch von selbst.

Lonitzer schuf nach dem Tod Egenolphs 1557 mit seinem Kräuterbuch einen wahren Volksklassiker in der bekannten Frankfurter Verlagsmanier: Teile des Rößlinschen Pflanzenbuch, kombiniert mit Brunschwigs Destillierbuch und Johannes de Cubas „Garten der Gesundheit“ (ca. 1484), wurden durch eigene aktuelle botanische Studien und neuartige Erkenntnisse ergänzt. Der Erfolg gab Lonitzer Recht: Sein Kräuterbuch verdrängte ältere Ausgaben vom Markt und wurde noch 300 Jahre lang nach seinem Tod in zwanzig Auflagen vertrieben.

Literatur:
  • Adam Lonitzer: Herrn Adami Loniceri, Der Artzney D. und weyland Ordinarii Primarii Physici zu Franckfurt Kräuter-Buch und Künstliche Conterfeyungen der Bäumen, Stauden, Hecken, Kräutern, Geträyde, Gewürtzen etc. Ulm 1703. S. 383 ff.
  • Karl Eugen Heilmann: Kräuterbücher in Bild und Geschichte. Grünwald/München 1964. S. 31-33; 176-186.
  • Claus Nissen: Die botanische Buchillustration. Ihre Geschichte und Bibliographie. 2. Aufl. Stuttgart 1966. S.42 f.; 48-51.




Hortus Eystettensis

Besler, Basilius, Digitalisat, 1713

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Dauerleihgabe Regensburgische Botanische Gesellschaft. Universitätsbibliothek Regensburg

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Aus: Besler, Basilius: Hortus Eystettensis sive diligens et accurata omnium plantarum, florum, stirpium ex variis orbis terrae partibus singulari studio collectarum, quae in celeberrimis viridariis arcem episcopalem ibidem cingentibus olim conspiciebantur, delineatio et ad vivum repraesentatio (1713)

Basilius Besler: Hortus Eystettensis

Der Hortus Eystettensis gehört zu den prächtigsten botanischen Monumentalatlanten. Mit der beeindruckenden Originalgröße von 55 auf 47 cm wurden fast 1100 Pflanzen auf 367 Tafeln präzise in Kupfer gestochen, handkoloriert und mit einem wissenschaftlichen Text versehen. Der Augsburger Wolfgang Kilian verfeinerte die noch recht junge Abbildungsmethode, um durch exakte Linienführung und Schraffierung einen plastischen Eindruck der Pflanzen zu vermitteln. Die botanischen Beschreibungen wurden von bekannten Naturwissenschaftlern jener Zeit wie Joachim Camerarius, Ludwig Jungermann und Karl Clusius angefertigt.

Die Entstehungsgeschichte des Hortus Eystettensis gibt über die Konzeption und Zuordnung Aufschluss. Der Eichstätter Bischof Johann Konrad von Gemmingen beauftragte 1597 den Nürnberger Apotheker, Kupferstecher und Verleger Basilius Besler (1561-1629), der selbst einen Kräutergarten besaß, auf der Willibaldsburg einen botanischen Garten in acht Terrassen neu anzulegen. Man darf davon ausgehen, dass den Entschluss des Bischofs weniger naturkundliche Liebhaberei als vielmehr der Zeitgeist reifen ließ. Ähnliche Renaissancegärten wurden auf Schloss Ambras in Tirol, in Wien durch Carolus Clusius und in Kassel durch Joachim Camerarius geschaffen. Letzterer beriet den Eichstätter Bischof bereits vor Ausführung bei seinem Vorhaben.



Hortus Eystettensis

Besler, Basilius, Digitalisat, 1713

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Dauerleihgabe Regensburgische Botanische Gesellschaft. Universitätsbibliothek Regensburg

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Kurzbeschreibung
Aus: Besler, Basilius: Hortus Eystettensis sive diligens et accurata omnium plantarum, florum, stirpium ex variis orbis terrae partibus singulari studio collectarum, quae in celeberrimis viridariis arcem episcopalem ibidem cingentibus olim conspiciebantur, delineatio et ad vivum repraesentatio (1713)

Die in dem 14 Kilogramm schweren Tafelwerk dargestellten Pflanzen entsprechen nur teilweise einem Kräutergarten für pharmazeutische Zwecke. Der Eichstätter Garten sollte wie seine Vorbilder als Repräsentationsgarten dienen und das nach ihm geschaffene Buch die Bedeutung und den Einfluss des Auftraggebers hervorheben. So finden sich fast ein Drittel außereuropäische Arten von äußerst dekorativem und weniger offizinellem Wert. Die Pflanzen sind nach ihrer Blütezeit den vier Jahreszeiten zugeordnet. Vor allem Zwiebelpflanzen werden bevorzugt zur Schau gestellt, die im Zeitalter der Tulpomanie noch jenseits der Massenzucht als Statussymbol gehandelt wurden. Ob wirklich alle behandelten Gewächse im Eichstätter Klima zumindest dauerhaft gediehen, sei dahingestellt.

Die Finanzierung des Monumentalwerkes lag beim Bistum Eichstätt, was trotz der immensen Kosten kein wirkliches Problem darstellte. Der Hortus erschien erstmals 1613 in zweierlei Ausstattungen: eine einseitig bedruckte, handkolorierte Prachtausgabe als exklusives Geschenk in ca. 30 Exemplaren und eine zweite günstiger gestaltete Ausgabe für den Buchhandel in 300 Exemplaren. Im gleichen Jahr wurde ebenfalls ein reines Tafelwerk ohne Begleittexte, deren Inhalt nicht immer wissenschaftliche Zustimmung fand, erstellt. Weitere Auflagen folgten in den nächsten Jahren.

100 Jahre nach dem Ersterscheinen wurde eine unkolorierte Jubiläumausgabe 1812/3 herausgegeben, die als Dauerleihgabe der Regensburgischen Botanischen Gesellschaft an der Universitätsbibliothek Regensburg verwahrt wird. Das umfangreiche und teure Tafelwerk fand in den folgenden Jahren immer weniger Absatz, da es nicht mehr dem Stand der Forschung entsprach und zu sehr auf Repräsentationscharakter ausgelegt war. Auch eine Aktualisierung durch ein beigefügtes Register nach Linnéscher Nomenklatur konnte nichts daran ändern. 1820 wurden die restlichen Exemplare vom Verleger zum Altpapierpreis (!) verramscht.

Einen ähnlichen Wandel in der Wertschätzung erfuhr der Botanische Garten auf der Willibaldsburg. Trotz einiger Wiederherstellungsbestrebungen hinterließen Kriegsfolgen und der Umzug der Bischöfe in die städtische Residenz in dem einstigen Prachtgarten Verwüstungen und Umgestaltungen. Teils wurde er als Apotheker-, teils als Nutzgarten für die Versorgung des Militärs, das mittlerweile die Festung bewohnte, verwendet. Ende des 18. Jahrhunderts wurde sogar die Gärtnerstelle eingespart.

Von der bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung wurde der sog. Bastionsgarten auf der Willibaldsburg seit 1995 neu gestaltet. Die verwendeten Pflanzen richten sich zwar nach dem botanischen Repertoire des Tafelwerks, aber weder die Anlage des Gartens selbst noch die konkrete Bestückung sind historisch verbürgt.

Die Vorzeichnungen zu den Stichen haben sich in dem Nachlass des Nürnberger Verlegers und Naturforschers Christoph Jacob Trew erhalten. Heute befinden sie sich in der Universitätsbibliothek Nürnberg-Erlangen, während ein Großteil der Originalkupferplatten nach Wien gelangte.

Literatur:

Basilius Besler: Hortus Eystettensis sive diligens et accurata omnium plantarum, florum, stirpium ex variis orbis terrae partibus singulari studio collectarum, quae in celeberrimis viridariis arcem episcopalem ibidem cingentibus olim conspiciebantur, delineatio et ad vivum repraesentatio. 1713. Primus ordo collectarum plantarum Hyemalium. F. 1 ff.

Claus Nissen: Die botanische Buchillustration. Ihre Geschichte und Bibliographie. 2. Aufl. Stuttgart 1966. S. 70-71. Karl Eugen Heilmann: Kräuterbücher in Bild und Geschichte. Grünwald/München 1964. S. 246-251.

Wolfgang Ilg: Geschichte der Botanik in Regensburg. 200 Jahre Regensburgische Botanische Gesellschaft 1790-1990. Regensburg 1990. S. 90-92.



Mohren-Apotheke Regensburg

Digitalisat

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Kurzbeschreibung
Mohren-Apotheke Regensburg

Johann Wilhelm Weinmann

Der Botaniker und Apotheker Johann Wilhelm Weinmann (1683-1741) stammt ursprünglich aus Gardelegen, Sachsen-Anhalt. Nach dem Abschluss seiner Ausbildung arbeitete er wahrscheinlich ab 1710 als Apothekersgehilfe in der Regensburger Elefanten-Apotheke. Bereits zwei Jahre später erwarb er die Apotheke „Zum schwarzen Mohren“. Erste Zeugnisse für eine „Apotheke am Markt“ finden sich bereits 1513. Die Geschichte der Offizin lässt sich jedoch erst ab 1517 nahezu lückenlos aus Archivalien rekonstruieren. Der Symbolname „Zum schwarzen Mohren“ wird erstmals in einem Bürgerbuch 1649 aufgeführt. Durch häufigen Besitzerwechsel und zahlreiche Beanstandungen hatte zu Anfang des 18. Jahrhunderts die Apotheke ihren guten Ruf eingebüßt. Erst nachdem Johann Wilhelm Weinmann am 13. Mai 1712 die „ehemalig totaliter ruinierte … offizin“ erworben hatte, erlangte die Apotheke überregionales Ansehen.

Die Mohren-Apotheke zählte neben der Engel-, Löwen-, Adler- und Elefanten-Apotheke zu den fünf reichstädtischen Apotheken Regensburgs.

Die Mohren-Apotheke wurde als einzige der reichstädtischen Apotheken verlegt. 1864 zog die Offizin vom Kohlenmarkt auf den Kornmarkt. Leider hat sich das ursprüngliche Gebäude nicht erhalten, so dass allein die umseitige Abbildung aus dem Manuskript Weinmanns uns einen Eindruck von der alten Mohren-Apotheke vermitteln kann. Als Namensgeber ziert ein Mohr eine Waage sowie eine Deckennische. Sinnsprüche und Gemälde sowie ein Alligator schmücken das Deckengewölbe. Die zahlreichen Gefäße in den Regalen tragen zum Teil Buchstaben, die sich zu Wörtern wie „Syrupus“ zusammensetzen lassen. Weinmann selbst sitzt unter dem Springbrunnen und hält sein Werk in Händen. Seinen Hund ließ er neben der Hintertür verewigen.



Johann Wilhelm Weinmann

Weinmann, Johann Wilhelm ; Dieterichs, Johann Georg Nikolaus ; Bieler, Ambrosius Carl ; Seutter, Bartholomäus ; Ridinger, Johann Elias ; Haid, Johann Jakob ; Lentz, Hieronymus ; Neubauer, Heinrich Georg
Verlag: Lenz, Digitalisat, 1739, Ratisbonae

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Portrait. - Aus: Weinmann, Johann Wilhelm: Phytanthoza-Iconographia, Sive Conspectus Aliquot millium, tam Indigenarum quam Exoticarum, ex quatuor mundi partibus, longa annorum serie indefessoque studio, a Joanne Guilielmo Weinmanno, Dicasterii Ratisbonensis Assessore et Pharmacopola Seniore collectarum Plantarum, Arborum, Fructicum, Florum, Fructuum, Funforum etc. (1735-1745)
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Johann Wilhelm Weinmann. Portrait

Weinmann hatte in den ersten Jahren wirtschaftliche Engpässe zu überstehen, vor allem als ihm zu Pestzeiten das Privileg als Lazarettlieferant von seinen Konkurrenten streitig gemacht wurde. Sein hitziges Temperament und seine Feindschaft zu dem Stadtphysikus Georg Andreas Agricola brachten ihm eine Beschwerde und Geldbuße ein. Weinmann stellte aber alsbald seine Tüchtigkeit als Unternehmer unter Beweis, die nicht zuletzt auf seinen hervorragenden botanischen Kenntnissen beruhte. Neben seinem Geschäft unterhielt er einen eigenen botanischen Garten, der ihm viele Vorlagen für sein Kräuterbuch lieferte. Es ist allerdings auch belegt, dass Weinmann regen Bildertausch mit anderen Botanikern pflegte, um diese Abbildungen für sein Werk kopieren zu lassen. Sogar der Catalogus der Londoner Gärtner aus dem Jahr 1730 scheint über den Kontakt zu Trew Eingang gefunden zu haben. Um Arzneipflanzen genau identifizieren und Verwechslungen ausschließen zu können, ließ er 1717 von seinem ehemaligen Gesellen Georg Ernst Seuffert ein vierbändiges Herbar mit über 9.000 Objekten („Herbae tam Europeae quam Orientis et ex omnibus mundi partibus“) malen, das er selbst mit Anmerkungen versah.





Helleborus niger

Seufert, Georg E. ; Weinmann, Johann Wilhelm, Digitalisat, 1717

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Helleborus niger. - Aus: Weinmann, Johann Wilhelm: Herbae tam Europeae quam Orientis et ex omnibus mundi partibus. Quae usque in hoc temporis punctum a viris eruditis summo studio in lucem sunt prolata, nec non et hae, quae hoc in libro perspiciuntur, Regensburg (1717)
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Helleborus niger


Dieses Manuskript diente als u. a. Vorlage für die achtbändige Druckausgabe der „Phytanthoza Iconographia“ (1735-1745), die auf 1025 Tafeln mehrere Tausend Pflanzen in kolorierten Kupferstichen und mit ausführlichen Kommentaren vorstellte. Seit etwa 1729/1730 hatte Weinmann auf eigene Kosten von mindestens vier Malern (darunter Ehret und N. Asamin) Heilpflanzen aquarellieren lassen, um genauere Vorlagen für sein gedrucktes Herbar liefern zu können.

Die Kupferstiche wurden von dem Augsburger Bartholomäus Seuter und seinen Mitarbeitern Johann Jakob Haid und Johann Elias Ridinger angefertigt. Seuter hatte zuvor einschlägige Erfahrungen in der Porzellanmalerei gesammelt. Das sog. Englische oder Teylersche Druckverfahren wurde bis auf wenige Werke in Deutschland wegen seines Aufwands kaum eingesetzt. Neben dem Sticheln wurden auch Schabtechniken und Ätzverfahren verwendet, um ähnlich einer Radierung eine Feinkörnigkeit neben Linienführung und Schraffierung zu erreichen. Obwohl die Farben partienweise direkt auf die Platte aufgetragen wurden, mussten viele Abbildungen von Hand nachkoloriert und retuschiert werden.
Weinmann gibt an, von rund 150 Autoren Namen und Beschreibungen der Heilpflanzen zusammengetragen zu haben, die als Textband dem Bildband beigestellt wurden.

Die Regensburger Ärzte Johann Georg Nicolaus Dieterichs, sein Sohn Ludwig Michael Dieterichs und Ambrosius Carl Bieler verfassten die wissenschaftlichen Texte. Halbjährlich wurden 50 Tafeln über 10 Jahre hinweg als Lieferungen versandt, so dass das Werk erst vier Jahre nach dem Tod Weinmanns vollendet wurde.



Weisse Nießwurtz

Weinmann, Johann Wilhelm ; Dieterichs, Johann Georg Nikolaus ; Bieler, Ambrosius Carl ; Seutter, Bartholomäus ; Ridinger, Johann Elias ; Haid, Johann Jakob ; Lentz, Hieronymus ; Neubauer, Heinrich Georg
Verlag: Lenz, Digitalisat, 1739, Ratisbonae

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Dauerleihgabe Regensburgische Botanische Gesellschaft. Universitätsbibliothek Regensburg

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Kurzbeschreibung
Weisse Nießwurz. - Aus: Weinmann, Johann Wilhelm: Phytanthoza Iconographia, Sive Conspectus Aliquot millium, tam Indigenarum quam Exoticarum, ex quatuor mundi partibus, longa annorum serie indefessoque studio, a Joanne Guilielmo Weinmanno, Dicasterii Ratisbonensis Assessore et Pharmacopola Seniore collectarum Plantarum, Arborum, Fructicum, Florum, Fructuum, Funforum etc. Regensburg (1735-1745), Band 2,2 Nr. 568
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Weiße Nießwurtz

Christoph Jacob Trew bedauerte zwar, dass Weinmann bei der Pflanzenbeschreibung und –identifizierung nicht immer gut beraten worden sei, lobte jedoch überschwenglich die Darstellungskunst und Nützlichkeit eines solch umfangreichen Werkes. Er selbst gab seine von Ehret bebilderten Plantae selectae als Appendix zum Weinmannschen Pflanzenbuch heraus, um Fehler richtig zu stellen. Aus Achtung vor der unbestrittenen Gesamtleistung gab Johannes Gessner 1787 ein ergänzendes Pflanzenverzeichnis nach Linnèscher Nomenklatur heraus. Der Sohn Haids plante zwar eine Neuauflage des Weinmannschen Herbars unter Einarbeitung aller neuen Erkenntnisse und der Pflanzennamen nach Linnè, konnte jedoch sein Vorhaben nicht verwirklichen. Linnè und Brown ehrten Weinmann für sein Unterfangen mit der Gattungsbenennung „Weinmannia“. Die Druckausgabe wurde europaweit vertreiben und ins Holländische übersetzt. Trotz der Mängel setzte das Weinmannsche Herbar solche Maßstäbe, dass das Pflanzenbuch bis in das 20. Jahrhundert immer wieder wissenschaftlich herangezogen wurde.

Die Pflanzendarstellungen der Druckausgabe wurden zudem in der Meißner Porzellanmanufaktur als Vorlage für Blumenmuster verwendet.

1723 veröffentlichte Weinmann außerdem einen alphabetischen Katalog über 2.700 Arzneien, die in dem „Pharmacopolio Ratisponensi ad nigrum Aethiopem“ erhältlich waren.

Literatur:
  • Weinmann, Johann Wilhelm: Herbae tam Europeae quam Orientis et ex omnibus mundi partibus. Quae usque in hoc temporis punctum a viris eruditis summo studio in lucem sunt prolata, nec non et hae, quae hoc in libro perspiciuntur. Regensburg 1717.
  • Weinmann, Johann Wilhelm: Phytanthoza-Iconographia, Sive Conspectus Aliquot millium, tam Indigenarum quam Exoticarum, ex quatuor mundi partibus, longa annorum serie indefessoque studio, a Joanne Guilielmo Weinmanno, Dicasterii Ratisbonensis Assessore et Pharmacopola Seniore collectarum Plantarum, Arborum, Fructicum, Florum, Fructuum, Funforum etc. Regensburg 1735-1745. Bd. 2,2 Nr. 568,569; Beschreibung Bd. 3,1. S. 106 ff.
  • Christa Habrich: Apothekengeschichte Regensburgs während in reichsstädtischen Zeit. München 1970.
  • Wolfgang Ilg: Geschichte der Botanik in Regensburg. 200 Jahre Regensburgische Botanische Gesellschaft 1790-1990. Regensburg 1990. S. 15 f., 25.
  • Claus Nissen: Die botanische Buchillustration. Ihre Geschichte und Bibliographie. 2. Aufl. Stuttgart 1966. S. 164 ff.
  • Rudolf Schincke: Über das Kräuterbuch des Johann Wilhelm Weinmann. Ein Werk Regensburger Naturforschung. 1962.




Helleborus niger vulgaris varietas

Blackwell, Elizabeth ; Trew, Christoph Jacob ; Eisenberger, Nicolaus Friedrich ; Ludwig, Christian Gottlieb ; Launoy, Christian de, Digitalisat, 1754, Norimbergae

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Helleborus niger vulgaris varietas. Eine Abweichung der gemeinen schwartzen Nieswurtz. Aus: Blackwell, Elizabeth: Vermehrtes und verbessertes Blackwellisches Kräuterbuch. Herbarium Blackwellianum emendatum et auctum, Nürnberg (1754-1773)
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Elizabeth Blackwell

Die Schottin Elizabeth Blackwell (ca. 1700-1758) schuf mit ihren Kupferstichen und Illustrationen eine unverkennbare, britische Eleganz botanischer Darstellung, die bis heute ihren Charme nicht verloren hat. Sie veröffentlichte 1737 in London ein Kräuterbuch unter dem Titel A curious Herbal Containing 500 Cuts, of the most useful Plants which are now used in the Practice of Physick in zwei Bänden. Die Abbildungen waren alle von der Herausgeberin selbst gestochen und koloriert.

Blackwells Tafelwerk verdankt seine Entstehung ihrer ungewöhnlichen Biographie, die aus der Retrospektive gewisse tragisch-ironische Motive enthält. Die gut situierte Kaufmannstochter Elizabeth Blachrie heiratete ihren Vetter Alexander Blackwell, der sich als überzeugungskräftiger Hochstapler und Tunichtgut herausstellen sollte. Zuerst unterhielt er eine Arztpraxis in Aberdeen. Als jedoch Zweifel an seiner Lizenz aufkamen, eröffnete er ohne Ausbildung und Mitgliedschaft der Druckergilde eine Druckerei in London. Blackwell wurde zu einer hohen Geldstrafe verurteilt, die er allerdings nicht bezahlen konnte. So kam er ins Gefängnis und hinterließ seine Frau mit Kind unversorgt.



Herbarium Blackwellianum emendatum

Blackwell, Elizabeth ; Trew, Christoph Jacob ; Eisenberger, Nicolaus Friedrich ; Ludwig, Christian Gottlieb ; Launoy, Christian de, Digitalisat, 1754, Norimbergae

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Abweichung der gemeinen Schwartzen Nießwurz (Hellebori nigri vulgaris varietas) und Steyrische Schwartze Nieswurz mit grüner Blüthe kleine Art (Helleborus niger Styriacus flore viridi minor). - . - Aus: Blackwell, Elizabeth: Vermehrtes und verbessertes Blackwellisches Kräuterbuch. Herbarium Blackwellianum emendatum et auctum, Nürnberg (1754-1773)
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Steyrische Schwartze Nieswurz mit grüner Blüthe kleine Art (Helleborus niger Styriacus flore viridi minor)

Elizabeth Blackwell, die in ihrer Jugend Zeichenunterricht bekommen hatte, legte ihre Manuskripte Sir Hans Sloane von der Royal Society vor, der zusammen mit der Londoner Apothekergilde dem Chelsea Physic Garden vorstand. Ihre naturnahen Darstellungen überzeugten so sehr, dass Sloane beschloss, ein Tafelwerk für Mediziner und Apotheker zu fördern. Es darf wohl als Legende gelten, dass Elizabeth Blackwells Mann aus dem Gefängnis die wissenschaftlichen Texte beisteuerte. Bei Herausgabe der beiden Bände stellte Elizabeth Blackwell eine Beglaubigung mehrerer angesehener Forscher voran, um den wissenschaftlichen Anspruch zu dokumentieren. Die Künstlerin war auf die enge Zusammenarbeit mit den Botanikern im Chelsea Physic Garden angewiesen, da sie selbst keine einschlägige Qualifikation hatte und auch bislang unbekannte Pflanzen aus der Neuen Welt exakt abbilden sollte.

Das Herbarium war ein so großer Erfolg, dass Elizabeth Blackwell ihren Mann aus der Haft auslösen konnte. Nach weiteren Betrügereien setzte er sich 1742 nach Schweden ab und schaffte es, innerhalb kurzer Zeit am Königshof eine Arztstelle anzunehmen. Obgleich er anfangs manche Höflinge für sich gewinnen konnte, wurde ihm das Ränkespiel der hohen Politik zum Verhängnis. Er wurde des Verrats für schuldig befunden und hingerichtet.

Über das weitere Leben von Elizabeth Blackwell ist wenig bekannt. Sie starb 1758 in Chelsea.

Der Nürnberger Arzt und Apotheker Christoph Jacob Trew brachte ab 1750 eine stark erweiterte Fassung des Blackwellschen Kräuterbuchs unter dem Titel Herbarium Blackwellianum emendatum et auctum heraus. Die Nomenklatur wurde nach Linné angepasst und der wissenschaftliche Text von Trew und Christian Gottlieb Ludwig so grundlegend überarbeitet, dass das Tafelwerk in der deutschen Ausgabe schließlich erst mit sechs Bänden 1773 ihren Abschluss fand. Die Kupferstiche wurden auf Veranlassung Trews von Nikolaus Friedrich Eisenberger nicht nur nachgestochen: Vor allem Blüten und Früchte wurden nach Linnéschen Kriterien völlig neu gestaltet.

Literatur:
  • Elizabeth Blackwell: Vermehrtes und verbessertes Blackwellisches Kräuterbuch. Herbarium Blackwellianum emendatum et auctum. Nürnberg 1754-1773. Bd.1 Tab. 57 und 74; Bd. 6 Beschreibung, nicht gez., Tab. 505-511.
  • Claus Nissen: Die botanische Buchillustration. Ihre Geschichte und Bibliographie. 2. Aufl. Stuttgart 1966. S. S. 106 f., 173.
  • Karl Eugen Heilmann: Kräuterbücher in Bild und Geschichte. Grünwald/München 1964. S. 264 f.




Das Reich der Blumen

Knorr, Georg Wolfgang, Digitalisat, 1750, Nürnberg

Aus der Sammlung von

Universitätsbibliothek Regensburg

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Universitätsbibliothek Regensburg

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Titelseite und Schwarze Niesewurz Bärenfuß mit grüner blume (Helleborus niger hortensis flore viridi). - Aus: Knorr, Georg Wolfgang: Regunum florae : das Reich der Blumen mit allen seinen Schönheiten, nach der Natur und ihren Farben vorgestllt, Nürnberg (1750)
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Titelbaltt


Georg Wolfgang Knorr

Über 300 kolorierte Kupferstiche werden in dem Allgemeinen Blumen-, Kräuter-, Frucht- und Gartenbuch, wie der deutsche Titel lautet, ganzseitig präsentiert. Nissen hält Knorrs botanisches Tafelwerk für „ohne Zweifel das lieblichste der deutschen Blumenbücher.“ Der künstlerische Mehrwert überwiege jedoch den botanischen, da die Auswahl der Motive hauptsächlich nach ästhetischen Kriterien aus anderen Pflanzenbüchern und selbständige Ergänzungen ohne stimmige Gesamtkonzeption getroffen worden seien. Es ist anzunehmen, dass die späten Stiche nicht mehr aus der Nadel Knorrs stammen. Wahrscheinlich wurde die Umsetzung der Vorlagen von Nürnberger Stechern vollendet, mit denen Knorr auch zu Lebzeiten zusammengearbeitet hatte. Es wären in diesem Zusammenhang Valentin Bischoff, Johann Christoph Claußner, Jakob Andreas Eisenmann, Andreas Hoffer, Johann Christoph Pemsel, Paul Küffner, Gustav Philipp Trautner und Jakob Tyroff zu nennen.



Helleborus niger hortensis flore viridi C. B. P. 185

Knorr, Georg Wolfgang, Digitalisat, 1750, Nürnberg

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Dauerleihgabe Regensburgische Botanische Gesellschaft. Universitätsbibliothek Regensburg

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Schwarze Niesewurz Bärenfuß mit grüner blume (Helleborus niger hortensis flore viridi). - Aus: Knorr, Georg Wolfgang: Regunum florae : das Reich der Blumen mit allen seinen Schönheiten, nach der Natur und ihren Farben vorgestllt, Nürnberg (1750)
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Neben dem Regnum Florae hatte Knorr weitere botanische Werke wie Schmidels Icones plantarum et analyses partium und das Blumenzeichenbuch für Frauenzimmer nach Zeichnungen von Gabler und Dietzsch in Kupfer gestochen und verlegt. Sein künstlerischer Werdegang war anfänglich nicht der Flora gewidmet. Nach intensivem Studium naturwissenschaftlicher Literatur arbeitete er an Scheuchzers Physica sacra (1731-1735) mit. Die Illustrationen von weiteren naturkundlichen Tafelwerken, für die er auch einen großen Teil der Vorlagen geschaffen haben dürfte, folgten einer freieren künstlerischen Phase, in der Knorr sein vielfältiges Talent auf Portraits und Landschaftsdarstellungen verlegt hatte. Seine Leidenschaft galt ebenfalls der Abbildung von Fossilien, die er selbst sammelte.

Knorr trieb neben seinem Kollegen Christoph Jacob Trew die naturkundliche Buchproduktion in Nürnberg Mitte des 18. Jahrhunderts mit so großem Erfolg voran, dass die Qualität ihrer Druckerzeugnisse noch mehr als 50 Jahre nach dem Tod beider unangefochten war.

Literatur:
  • Georg Wolfgang Knorr: Thesaurus rei herbariae hortensisque universalis. Exhibens figuras florum, herbarum, arborum, fruticum, aliarumque plantarum prorsus novas, et ad ipsos delineatas depictasque archetypos nativis coloribus. Atque idiomate tam latino quam germanico describens eorundem partes, formam et habitum, nec non usum in officinis pharmaceuticis, vita communi, et medicina, prout singula haec nova docvit applicata observatio et archetyporum exacta contemplation. Nebentitel: Regnum Florae oder das Reich der Blumen mit allen seinen Schönheiten. Nürnberg 1750. Tab. N5 und N6.
  • Georg A. Pritzel: Thesaurus literaturae botanicae omnium gentium. Milano 1950. S. 166.
  • Claus Nissen: Die botanische Buchillustration. Ihre Geschichte und Bibliographie. 2. Aufl. Stuttgart 1966. S. 180 f.




Helleborus purpurascens

Curtis, William, Digitalisat, 1832, London

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William Curtis: The Botanical Magazine or Flower Garden displayed: in which the most ornamental foreign plants, cultivated in the open ground, the green-house and the stove, will be accurately represented in their natural colours. Bd. 59 (1832) T. 3170
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Helleborus purpurascens


William Curtis: The Botanical Magazine or Flower Garden displayed

Nach dem Abschluss eines Apothekerstudiums machte sich der Engländer William Curtis (1746-1799) einen Namen als Botaniker und Entomologe. Es war Vorsteher des Apothekergartens in Chelsea und gründete später die botanischen Gärten Bermondsey, Brompton und Lambeth. Im Jahr 1787 rief er die Zeitschrift The Botanical magazine or Flower Garden displayed ins Leben, die sich durch detaillierte botanische Beschreibungen sowie exakte Abbildungen auch exotischer Pflanzen außerordentlicher Beliebtheit erfreute.


Helleborus altro-rubens

Curtis, William, Digitalisat, 1851, London

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Curtis, William: The Botanical Magazine or Flower Garden displayed, Band 77 (1851), Tab. 4581
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Helleborus altro-rubens

Zeichnungen und Stiche wurden von namhaften Künstlern wie John Curtis, Sydeham T. Edwards, William Graves, William Jackson Hooker, William Kilburn, Francis Sanrom, James Sowerby und anderen angefertigt. Bis 1845 wurden die Pflanzenabbildungen in Kupfer gestochen, später lithographiert. Das botanische Journal wird noch heute fortgeführt.

Literatur:
  • William Curtis: The Botanical Magazine or Flower Garden displayed: in which the most ornamental foreign plants, cultivated in the open ground, the green-house and the stove, will be accurately represented in their natural colours. Bd. 1 (1787) Tab. 8 und 72; Bd. 59 (1832) Tab. 3170; Bd. 77 (1851) Tab. 4581.
  • Claus Nissen: Die botanische Buchillustration. Ihre Geschichte und Bibliographie. 2. Aufl. Stuttgart 1966. S. 120 f.; II S. 227 f. Nr. 2350.




Helleborus niger

Hoppe, David Heinrich
Verlag: Mayr, Digitalisat, 1790, Regensburg

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Dauerleihgabe Regensburgische botanische Gesellschaft. Universitätsbibliothek Regensburg

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Helleborus niger
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Helleborus niger


Naturselbstdrucke (Mayr, Hoppe)

Die Mitglieder der Regensburgischen Botanischen Gesellschaft David Heinrich Hoppe, Johann Mayr und Ernst Wilhelm Martius beschäftigten sich intensiv mit einer Druckmethode, die es ermöglichte, Pflanzen möglichst naturnah abbilden zu können: dem Naturselbstdruck. Bei diesem Verfahren wird ein zuvor präpariertes Naturobjekt ohne Einsatz einer zusätzlichen Technik abgedruckt. Seit dem ersten Viertel des 15. Jahrhunderts sind bereits aus Italien derartige Versuche belegt. Auch Leonardo da Vinci experimentierte, wie man einen möglichst realistischen Abdruck in Höhen und Tiefen herstellen könne.

Die einfachste Methode, einen Naturselbstdruck zu erzeugen, war das Objekt selbst nach Trocknung und Pressung einzufärben und auf Papier aufzutragen. Damit konnte eine kleine Anzahl identischer Herbarien angefertigt werden, solange der natürliche „Druckstock“ standhielt. In Folge tränkte man Papierbögen mit Farbe und drückte die Pflanze vorsichtig an. Die so eingefärbte Oberfläche der Pflanze wurde in einem zweiten Schritt auf den Druckbogen übertragen. Später regte die professionelle Drucktechnik die Weiterentwicklung verschiedener Verfahren an: Holz-, Kupfer-, Stein- oder Lederflächen wurden als Färbeplatten eingesetzt. Bisweilen wurden auch Farb- und Mehrfarbdrucke angefertigt, um einen natürlicheren Eindruck der Abbildung zu erzielen. Um die Äderung oder besonders plastische Objekte besser in ihrer Struktur erfassen zu können, wurden die entsprechenden Pflanzenteile skelettiert.



Helleborus niger

Mayr, Johann
Verlag: Mayr, Digitalisat, 1797, Regensburg

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Kurzbeschreibung
Helleborus niger
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Helleborus niger

Besondere Bedeutung haben die Regensburger Naturselbstdrucke durch Hoppes sorgfältige Präparation und Mayrs präzise Ausführung erlangt. Martius hatte zuvor auf die wesentliche Verbesserung aufmerksam gemacht, die Druckfarbe nicht mehr auf ein Brett, sondern auf eine Kupferplatte aufzutragen, wodurch ein gleichmäßiges Einfärben vollzogen werden konnte. Allein Mayrs Deutschlands Flora in schwarzen Abdrücken von den Pflanzen selbst enthält über 900 Naturselbstdrucke.

Hoppe fügt dem Helleborus niger folgende Beschreibung bei: Wahre schwarze Nieswurz. Der Schaft ist gewöhnlich nackt, zweiblütig. Die Blätter sind fußförmig. Noch habe ich diese Pflanze nicht wild gefunden, aber sie wird in Gärten gezogen, und ist in Bayern einheimisch, blühet in den Wintermonaten. Die Wurzel (Rad. Hellebori nigri) ist offizinell.

Literatur:
  • David Heinrich Hoppe: Ectypa plantarum Ratisbonensium. Oder Abdrücke derjenigen Pflanzen, welche um Regensburg wild wachsen. Regensburg 1787-1793. 6. Hundert. 1790. Cl. 13. Ord. 7. Tab. 538 und S. 5.
  • Johann Mayr : Deutschlands Flora in schwarzen Abdrücken von den Pflanzen selbst. Regensburg 1797. 6. Heft. Class. XIII, Ord.VII. Bl. 479.
  • Ernst Wilhelm Martius: Neueste Anweisung, Pflanzen nach dem Leben abzudrucken. Nachdr. d. Ausg. Wetzlar 1784. Marburg a. d. Lahn 1977.
  • Claus Nissen: Die botanische Buchillustration. Ihre Geschichte und Bibliographie. 2. Aufl. Stuttgart 1966. S. 245 f.
  • Karl Eugen Heilmann: Kräuterbücher in Bild und Geschichte. Grünwald/München 1964. S. 292-305.
  • Wolfgang Ilg: Geschichte der Botanik in Regensburg. 200 Jahre Regensburgische Botanische Gesellschaft 1790-1990. Regensburg 1990. S. 61 ff.


08

Weihnachtskarte



Helleborus niger flore albo vel roseo. I. B.

Knorr, Georg Wolfgang, Digitalisat, 1750, Nürnberg

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Dauerleihgabe Regensburgische Botanische Gesellschaft. Universitätsbibliothek Regensburg

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Weihnachstkartenmotiv 2011: Helleborus niger. - Aus: Georg Wolfgang Knorr: Thesaurus rei herbariae hortensisque universalis, Nürnberg (1750)
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Motiv der Weihnachtskarte 2011: Helleborus niger flore albo vel roseo. I. B., Schwartze Nießwurtz, Christwurtz


Motiv der Weihnachtskarte

Als Motiv für die Weihnachtskarte 2011 wurde ein kolorierter Kupferstich des Helleborus niger aus dem 18. Jahrhundert gewählt. Diese naturgetreue Abbildung stammt von dem Nürnberger Künstler Georg Wolfgang Knorr (1705-1761) aus dem botanischen Tafelwerk Thesaurus rei herbariae hortensisque universalis [1], das ab dem Jahr 1750 in mehreren Lieferungen erschienen ist. Der Text zu den Pflanzendarstellungen wurde von Philipp Friedrich Gmelin und nach dessen Tod von Bose und Georg Rudolph Boehmer verfasst.

Die limitierte Weihnachtskarte der Universitätsbibliothek Regensburg bestand aus einer Doppelkarte mit sehr hochwertiger Innenkarte und einer zusätzlichen Umschlagskarte (transparentes Pergamentpapier), auf der eine historische Abbildung der Christrose zu sehen war. Ein der Karte beiliegendes Faltblatt informierte über die Geschichte der Christrose. Der Weihnachtskarte lag zusätzlich ein Kuvert im Format B6 bei. Durch das hochwertige Material und die Farbgebung vermittelte die Karte einen festlichen Eindruck, durch das beiliegende Faltblatt wurde die Karte zu einer kleinen Jahresgabe.

Eine virtuelle Ausstellung von

Team

Dr. Renate Achenbach
UB Web-Redaktion

Erstellt mit :
DDB Studio
Ein Service von:
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Diese Ausstellung wurde am 21.12.2021 veröffentlicht.



Impressum

Die virtuelle Ausstellung „Es blüht eine Rose zur Weihnachtszeit ...“ wird veröffentlicht von:

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93053 Regensburg
Deutschland
gesetzlich vertreten durch Dr. André Schüller-Zwierlein.
Die Universitätsbibliothek Regensburg ist eine zentrale Einrichtung der Universität Regensburg. Sie wird vertreten durch den Bibliotheksdirektor Dr. André Schüller-Zwierlein.
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