Direkt zum Inhalt

Graue Zeiten - Bunte Seiten

Deutschsprachige Kinder- und Jugendbücher im sozialistischen Rumänien

Hinweise zur virtuellen Ausstellung

In dieser Ausstellung können Sie sich von oben nach unten bewegen, indem Sie mit der Maus scrollen oder auf den Balken am rechten Bildschirmrand klicken.

Von links nach rechts blättern Sie durch die Seiten zu den vorgestellten Büchern und Themen: klicken Sie dafür auf die Pfeile am unteren Rand der jeweiligen Seite. Wenn Sie die Ausstellung auf einem Smartphone oder einem Tablet ansehen, können Sie auf das Symbol unterhalb der Seite klicken, um alle weiteren Seiten aufzuklappen.

Um von einem Kapitel zum anderen zu springen, klicken Sie oben rechts auf "Übersicht": Es erscheint die Kapitelübersicht. Ein weiterer Klick bringt Sie zur gewünschten Stelle.

Ausführliche Informationen zu den Abbildungen finden Sie, wenn Sie auf das Symbol [i] am oberen rechten Bildrand klicken. Möchten Sie das Foto in einem größeren Format ansehen, so klicken Sie auf das Symbol mit der Lupe.

Die Namen der Ortschaften werden bei der Erstnennung in der deutschen, rumänischen und ggf. in der ungarischen Bezeichnung aufgeführt. Eine Konkordanz der Ortsnamen finde Sie am Ende der Ausstellung.

01
Märchen und Sagen

02
Kinderbücher der 1950/60er Jahre

03
Kinderbücher der 1970/80er Jahre

Kinderbücher der 1970er- und 1980er-Jahre

Die Liberalisierung 1965 machte sich auch in der Kinder- und Jugendliteratur bemerkbar. Die Kulturseiten der deutschsprachigen Presse rezensieren regelmäßig interessante Neuerscheinungen. Zu den bereits bekannten Autor:innen kommen in den 1970ern einige neue Namen hinzu: Erika Hübner-Barth, Ricarda Terschak und Nikolaus Haupt. Über den Hermannstädter Buchhandel wurden zahlreiche Bücher aus der DDR importiert, darunter Werke von Erwin Strittmatter, Franz Fühmann, Peter Hacks, Rainer Kirsch und Sarah Kirsch. Sie schreiben auch für Kinder und übertragen den ästhetischen Anspruch der Erwachsenenliteratur auf das Kinderbuch.

Werner Söllner, seit 1976 Lektor des Ion Creangă Verlags, bittet seine rumäniendeutschen Schriftstellerkollegen, auch Kinderbücher zu schreiben. Richard Wagner, Rolf Bossert und Franz Hodjak folgen der Aufforderung. Auch Karin Gündisch wird als Kinderbuchautorin entdeckt. Die Lebenswirklichkeit der 1980er-Jahre – Mangelwirtschaft, Personenkult und Größenwahn des Diktators Ceaușescu – wird nicht beschönigt, muss aber verschlüsselt und in Andeutungen beschrieben werden. Die Inhalte verlagern sich ins Private oder ins Märchenhafte.

In der zweiten Hälfte der 1980er-Jahre wandern zahlreiche Autor:innen, Illustrator:innen und Lektor:innen in den Westen aus und dürfen in Neuauflagen nicht mehr genannt werden. Die Sparmaßnahmen werden immer drastischer, es erscheinen kaum noch gebundene Bücher, das Papier wird immer schlechter und der Farbdruck nahezu unerschwinglich.

Brigitte Mrass spricht über Bücher, die Kindern und Lehrern zur Verfügung standen

Nikolaus Haupt: Die Geschichte vom Teufel, der keiner war. Märchen und Geschichten. Illustrationen von Liana Petruțiu. Bukarest: Kriterion Verlag, 1980. 187 Seiten, Illustrationen

Nikolaus Haupt: Die Geschichte vom Teufel, der keiner war, 1980

04
Jugendbücher

Nikolaus Haupt: Jugendstreiche. Banater Geschichten von Anno dazumal. Einbandgestaltung von Lajos Nagy. Bukarest: Kriterion Verlag, 1984. 181 Seiten. (Ferienbuch)

Nikolaus Haupt erzählt in diesen Jugenderinnerungen von Schulstreichen, strengen Eltern, einer ersten Liebe voller Hindernisse und von einem endlos scheinenden Krieg zwischen zwei verfeindeten Gruppen von Dorfjungen. Viele Dialoge sind in der banatschwäbischen Mundart gehalten, Worterklärungen dazu sind im Anhang abgedruckt.

Nikolaus Haupt: Jugendstreiche, 1984

05
Tiergeschichten

Tier- und Jagdgeschichten

Tiere bevölkern in großer Anzahl Fabeln, Märchen und Bilderbücher, gerne mit menschlichen Eigenschaften versehen. Als beliebte Identifikationsfiguren übermitteln sie häufig auch pädagogische Botschaften.

Geschichten über wilde Tiere, von denen manche auch mit Menschen in engeren Kontakt treten, sind ein eigener Zweig dieses Genres, das sich bei rumäniendeutschen Autoren einer gewissen Tradition erfreut. Otto Alscher, Richard Jacobi, Oskar Paulini und Josef Puvak teilten die Begeisterung für die Natur, insbesondere die Liebe zu den Urwäldern der rumänischen Karpaten, die sie seit ihrer Kindheit durchstreiften.

06
Übersetzungen

Übersetzungen

Die deutschsprachigen Abteilungen der Verlage publizierten im Laufe der Jahrzehnte zahlreiche Übersetzungen von Kinder- und Jugendliteratur, insbesondere Bücher aus dem Rumänischen und dem Ungarischen, in den Anfangsjahren auch aus dem Russischen. Umgekehrt wurden deutschsprachige Ausgaben ins Rumänische und Ungarische übersetzt. Oftmals erschienen diese Übersetzungen in der gleichen Aufmachung des Buchumschlages und der Illustrationen.

Auch Übersetzungen aus westeuropäischen Sprachen, vor allem aus dem Englischen und Französischen, wurden nach und nach in die Verlagsprogramme aufgenommen und fanden reißenden Absatz, etwa A. A. Milnes „Winnie-the Puh“ (unter dem Titel „Petzi Puh“ in einer neuen Übersetzung von Gisela Richter), Jack Londons „Wolfsblut“, Rudyard Kiplings „Das Dschungelbuch“ und sogar Walt Disneys „Micky Maus und die Raumrakete“.

07
Klassiker

Klassiker der Kinder- und Jugendliteratur

Den deutschsprachigen Kindern in Rumänien stand eine Vielzahl an Klassikern der Kinder- und Jugendliteratur in Neuausgaben zur Verfügung, die Märchenbücher der Brüder Grimm, die Geschichten aus 1001 Nacht, die Kunstmärchen von Hans Christian Andersen und Wilhelm Hauff oder jene der deutschen Romantiker (Adelbert von Chamisso, Clemens Brentano, Joseph von Eichendorff). Auch rumänische und ungarische Märchen und Kunstmärchen erschienen in zahlreichen Übersetzungen, zum Beispiel von Ion Creangă „Das Säckel mit den zwei Groschen“ (rum. Punguța cu doi bani) und Benedek Elek „Das Silberpferd“.

Sehr beliebt waren auch die Bücher von Erich Kästner, James Krüss oder Johanna Spyris Heidi-Geschichten sowie J. M. Barries Erzählung mit Peter Pan als Hauptfigur.

08
Sachbücher

Sachbücher für Kinder und Jugendliche

Nur ein geringer Teil der Bücher für deutschsprachige Kinder und Jugendliche waren Sachbücher. Der linientreuen politischen Erziehung dienen sollten Übersetzungen sowjetischer propagandistischer Werke, etwa von Lenin und Stalin. In den 1970er-Jahren erschienen drei Bände „Grundbegriffe der Ethik für Pioniere“, zu Beginn der 1980er-Jahre Betrachtungen des Staatspräsidenten Nicolae Ceaușescu über und Reden an die Jugend des Landes. Berechtigte Zweifel bestehen, ob diese Bücher auch gelesen wurden.

Sachbücher zu Natur und Kultur, Wissenschaft und Technik dienten dem klassischen Bildungsauftrag. Naturführer, Geschichtsbücher und Biografien sollten Alltagswissen vermitteln sowie den Schulunterricht begleiten und ergänzen.

09
Verlage

Verlage

Im staatlich gelenkten Verlagswesen Rumäniens gab es zunächst nur zwei Verlage, die sich mit der Literatur der Minderheiten befassten: Für Belletristik war der Staatsverlag für Literatur und Kunst (Editura pentru literatură și artă – E.S.P.L.A.), ab 1960 der Literaturverlag (Editura pentru literatură) zuständig, um die Kinder- und Jugendliteratur kümmerte sich der Jugendverlag (Editura tineretului) als Publikationsorgan des Verbandes der Werktätigen Jugend (VdWJ). Im Jugendverlag erschienen in deutscher Sprache anfangs viele Übersetzungen aus dem Rumänischen oder Russischen, die deutsche Abteilung entwickelte erst nach und nach ein eigenständiges Profil. Neben Kinder- und Jugendbüchern erschienen auch Texte junger Autor:innen und etliche Sachbücher. Rund 660 Titel – gut die Hälfte der deutschsprachigen Kinder- und Jugendliteratur im sozialistischen Rumänien – sind in den beiden Jahrzehnten seines Bestehens erschienen.

Mit Einsetzen der Liberalisierung 1968 wurde das Verlagswesen neu geordnet: Der Jugendverlag wurde aufgelöst, sein Verlagsprogramm übernahmen mehrere Ende 1969 neu gegründete Verlage: der Kriterion Verlag, der Albatros Verlag sowie der Ion Creangă Verlag. In Klausenburg wurde  der Dacia Verlag gegründet und 1972 kam der Facla Verlag in Temeswar hinzu. Beide nahmen ebenfalls deutschsprachige Kinder- und Jugendbücher in ihr Programm auf.

Ion Creangă Verlag

Als einer der Erben des Jugendverlages übernahm der Ion Creangă Verlag den Bereich der Kinderbücher. Bis zum Ende des kommunistischen Regimes erschienen rund 275 Titel in deutscher Sprache. Bekannte Reihen waren Meine erste Bibliothek für Grundschulkinder, Märchensäckel für Leseanfänger und die Bücherei für alle Kinder mit Kinderliteratur aus aller Welt, die sich an den Lehrplänen des Deutschunterrichts der 5. bis 8. Klasse orientierte. Wissenschaftliche Sachbücher für die Kleinsten erschienen in den Reihen ALFA und ABC; später kamen Texte zu Politik und Gesellschaft für 7- bis 16-Jährige hinzu. Die Lektor:innen dieses Verlages waren Ruth Lissai und Werner Söllner. Der Verlag konnte noch einige Jahre nach der Wende mit staatlichen Zuschüssen Bücher herausgeben, bevor er 2003 seine Verlagstätigkeit beendete und 2009 aufgelöst wurde.

Dacia Verlag

Der 1969 in Klausenburg gegründete Dacia Verlag veröffentlichte Bücher in rumänischer, ungarischer und deutscher Sprache. Von 1970 bis 1992 war der Dichter und Schriftsteller Franz Hodjak als Lektor zuständig für das deutschsprachige Verlagsprogramm. Es umfasste neben Belletristik und Sachbüchern auch Titel aus dem Bereich der Kinder- und Jugendliteratur.

Facla Verlag

Der 1972 in Temeswar gegründete Facla Verlag setzte sich das Ziel, die Kultur und Literatur der Bevölkerung des Banats zu fördern. Er veröffentlichte Bücher in rumänischer, deutscher, ungarischer und serbischer Sprache. Lektorin des deutschsprachigen Programms war die Germanistin und vormalige Redakteurin der Neuen Banater Zeitung Wilma Michels (1942–2021). Bis zu ihrer Ausreise in die Bundesrepublik im Jahr 1984 betreute sie nach eigener Aussage 53 Titel in banatschwäbischer Mundart und auf Deutsch, rund doppelt so viele auf Rumänisch. Das Programm umfasste Reportagen, Mundartliteratur, zeitgenössische Lyrik und Prosa, Kinderbücher, das Banater Literaturerbe und mehrsprachige Bücher sowie Übersetzungen. Der Verlag wurde 1990 in Editura de Vest umbenannt.

Buchhandel im Sozialismus

Eine bedeutende Rolle im Buchhandel und Verlagswesen spielte Reimar Alfred Ungar (1936–2006), Dipl.-Ökonom und Buchhändler in Hermannstadt. Er war von 1970 bis 1996 Leiter des staatlichen Buchhandels im Kreis Hermannstadt und hat wesentlich dazu beigetragen, dass deutschsprachige Bücher aus dem Inland und aus der DDR auch in die entlegensten Ortschaften Siebenbürgens und des Banats geliefert wurden. Er nutzte dafür den Versandbuchhandel „Cartea prin poștă“. Neuerscheinungen annoncierte er regelmäßig in der deutschsprachigen Presse, die Titel konnten in Hermannstadt bestellt werden und wurden per Post verschickt. Neuerscheinungen aus der DDR orderte Ungar anhand des einschlägigen Export-Katalogs NOVA. Viele Kinderbücher aus der DDR gelangten auf diesem Weg in die Buchhandlungen und von dort zu den Kindern und in Schulbibliotheken.

Die deutschsprachige Buchproduktion der rumänischen Verlage konnte Ungar nicht nur erfolgreich verkaufen, er garantierte den Verlagen mitunter auch die Abnahme von Titeln, deren Mindestauflage durch die Vorbestellungen des Buchhandels nicht erreicht und deren Erscheinen dadurch gefährdet war. Dank seines Engagements nahm Ungar eine in der Zeit einzigartige Mittlerrolle in der Buchbranche ein. Rückblickend gelang ihm der Versuch, etwas Marktwirtschaft in die sozialistische Planwirtschaft einzubringen.

Nebenher übersetzte er literarische Texte aus dem Rumänischen und arbeitete für die deutschsprachige Sendung des rumänischen Fernsehens an der Produktion kulturhistorischer Dokumentarfilme mit.

10
Kindergarten und Schule

Hans Fink: Mein Kind, ein Zauberlehrling. Acht Aufsätze zu pädagogischen Fragen mit Beispielen aus der schönsten Literatur. Bukarest: Kriterion Verlag, 1983. 201 Seiten

1983 veröffentlichte Hans Fink pädagogische Überlegungen zur Kindererziehung anhand von Kinder- und Jugendliteratur. Seine Themen sind brave und schlimme Kinder, Märchenwelt, Spiel und Arbeit, fantastische Literatur, Liebe und Eltern, die Erziehung im Kollektiv. Im Anhang findet sich eine Bibliografie der vorgestellten Bücher.

Hans Fink: Mein Kind, ein Zauberlehrling, 1983

11
Zensur

12
Ausblick