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Eine virtuelle Ausstellung von

"Die Ausstellung ist natürlich mit 40 Fotografinnen und 180 Jahren auch nur ein Anriss dessen, was wir an Fotogeschichte finden. Aber genau das soll sie sein, eine Einladung, daran weiterzuarbeiten."

Dr. Dorothee Linnemann, Kuratorin

Einführung

Seit Erfindung der Fotografie zieht Frankfurt Fotografinnen an. Sie haben den städtischen Raum als Ort sozialer, politischer und kultureller Bedeutung festgehalten und dabei aktiv zur fotografischen Szene der Stadt beigetragen.

Die Ausstellung Stadt der Fotografinnen zeigt mehr als eineinhalb Jahrhunderte Frankfurter Fotogeschichte: Angefangen bei den Fotopionierinnen, die ab Mitte des 19. Jahrhunderts Stadtbürger*innen in ihren Ateliers porträtierten. In den 1920er Jahren erlebte Frankfurt einen kulturellen und gesellschaftlichen Wandel, der viele junge Fotografinnen beeinflusste. Dies nahm mit dem Nationalsozialismus ein jähes Ende, denn Verfolgung, Exil oder Leben in der Diktatur bedingten unterschiedliche fotografische Wege. In der Nachkriegszeit und mit der 1968er-Generation war die Stadt vom Bildjournalismus sowie Aufbrüchen in Architektur- und Theaterfotografie geprägt. Ab den 1980er Jahren schlugen Fotografinnen verstärkt vielfältige Wege in Angewandter Fotografie und Fotokunst ein und sind bis heute in der internationalen Ausstellungs- und Fotoszene vernetzt. Frankfurt hat sich zu einem Ort für Foto- und Medienkünstlerinnen entwickelt.

01
Sammeln

Fotografinnen sammeln

Die fotografische Sammlung des Historischen Museums umfasst rund 300.000 fotografische Werke von den frühen Anfängen der Fotogeschichte in Frankfurt bis heute. Wie viele davon Fotografinnen zuzuschreiben sind, ist unklar. Dabei verfolgt das Museum spätestens seit den 1980er Jahren eine feministische Sammlungspolitik und erwirbt schon früh gezielt Arbeiten von Fotografinnen. Die Ausstellung bringt ausgehend von dieser Haussammlung, ergänzt um zeitgenössische Perspektiven, nun rund 40 Fotografinnen aus Geschichte und Gegenwart in den Dialog.

Keine Sammlung ohne Leerstellen: Dorothee Linnemann über die fotografische Sammlung im Historischen Museum Frankfurt

180 Jahre, 40 Fotografinnen, 450 Exponate

Größte Gemeinsamkeit der Fotografinnen ist die Stadt Frankfurt als künstlerisches, berufliches und lebensweltliches Schaffenszentrum. Hier entstehen bis heute vielfältige Ausbildungs-, Arbeits- und Wirkungsmöglichkeiten für sie; aber auch die Stadt als fotografisches Objekt verbindet ihre Werke. Die Wirkungsfelder der Fotografinnen und Fotokünstlerinnen decken alle Genres des fotografischen Mediums ab, vom Bildjournalismus über die Architektur-, Mode-, Porträt- und Theaterfotografie bis hin zu künstlerischen Fotokonzeptionen. In der Zusammenschau werden generationenspezifische sowie wiederkehrende Auseinandersetzungen mit gesellschaftlichen Themen und Fotogenres sichtbar.

Schlaglicht: Ein Album reist um die Welt...

Objekte landen oft auf verworrenen Wegen in Sammlungen. Einige der frühesten Fotografien in der Ausstellung entstammen dem Album von Julie Vogel, die als eine der frühen Fotopionierinnen in den 1840er Jahren ein Fotoatelier in Frankfurt unterhielt. Restauratorin Verena Grande erzählt, wie es ins Historische Museum kam.

02
Planen

Stadt im Bild

„Die Stadt, das Urbane wird in den Blick genommen: Wie wird der Stadtraum von wem genutzt? Wer wird dargestellt? Sind das Menschen in prekären Lagen? Diese Fragen haben die Fotografinnen stark beschäftigt.“

- Dorothee Linnemann

Die Fotografinnen haben sich nicht nur auf Architekturen als physische Strukturen fokussiert, sondern auch auf ihre symbolische Bedeutung und wie sie den städtischen Raum prägen. In ihren Fotos kommen Themen wie prekäre Lebensverhältnisse, Vielfalt und der Kampf um Stadt zum Ausdruck. Sie untersuchen damit auch, wer in der Stadt repräsentiert wird und wer nicht. Von den 1920er Jahren bis heute fasziniert der Wandel: von den Siedlungen und Gebäuden des "Neuen Frankfurt" hin zum Europaviertel, das von Verdrängung und spekulativer Stadtentwicklung zeugt. Sie stellen nicht nur diese Orte dar, sondern hinterfragen sie kritisch. Die Fotografinnen dokumentieren generationenübergreifend die Facetten einer sich stetig verändernden Stadt und regen dazu an, Frankfurt aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten. Dabei haben sie ihren fotografischen Stil immer weiterentwickelt, von konkreten Darstellungen hin zu abstrakten Formen der Postmoderne.

Dorothee Linnemann über die Darstellung des Urbanen

Begegnungen

Die Entstehung dieser Ausstellung war besonders, da sie durch das Zusammenspiel von Begegnungen mit Fotografinnen und Angehörigen sowie Archivrecherchen geprägt wurde. Der Einblick in die privaten Archive ermöglichte nicht nur die Erkundung weiterer Themen, sondern auch das Verstehen persönlicher Geschichten und Gedanken der Fotografinnen zu ihren Werken. Diese direkten und persönlichen Gespräche bereicherten die gesamte Ausstellungsarbeit. Sowohl die noch aktiven Künstlerinnen als auch die im Ruhestand öffneten ihre Archive und teilten Geschichten und Gedanken. Die Auswahl der Fotografien und Serien entstanden im Dialog, oft direkt im Atelier.

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Ausstellen

Fotografie vermitteln: Ein Blick in die Technik

„Ich interessiere mich sehr für Fotografie – ich habe aber selbst, um ehrlich zu sein, gar nicht so viel Ahnung davon. Und das ist das Schöne am Museum: Dass man sich so intensiv in Themen einarbeiten kann und selbst viel lernt, und das dann wiederum anderen vermittelt.“ - Angelina Schaefer

Neben der Kuration, die sich mit der Konzeption, der Recherche und der Objektpräsentation beschäftigt, spielt in einer Ausstellung die Vermittlung eine tragende Rolle. Während die Kurator*innen sich intensiv mit ihrem Material beschäftigen und zu Expert*innen werden, geht es den Vermittler*innen darum, komplexe Inhalte zu vereinfachen und zugänglich zu machen, damit sie für alle verständlich werden. Für die Ausstellung hat Kuratorin Angelina Schaefer eine Vermittlungsspur erarbeitet: Darin nimmt sie die Technik hinter der Fotokunst in den Fokus.

Eine Dunkelkammer im Ausstellungsraum

Unter dem Begriff Dunkelkammer kann sich fast jede*r etwas vorstellen: Man kennt die Dunkelkammer aus Büchern, aus Erzählungen älterer Verwandter oder aus den romantisierten Darstellungen in Filmen. Was in diesem Raum allerdings genau passiert, wenn ein Film entwickelt wird, wissen oft nur diejenigen, die selbst (analog) fotografieren. Die Ausstellung gibt daher auch einen Einblick in diesen Aspekt der Fototechnik und macht die Dunkelkammer durch einen Nachbau erleb- und erkundbar.

04
...und jetzt?

Lernen Sie die 40 Fotografinnen selbst kennen!

Zur Ausstellung Stadt der Fotografinnen