Energielandschaften: Kolumbien und die Kohleförderung
Lateinamerikanische Perspektiven auf extraktivistische Wirtschaftsformen, Umweltfolgen und soziale Ungleichheit
Eine virtuelle Ausstellung von
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Einleitung und Grundlegendes
Einleitung
Der weltweite Energiebedarf nimmt stetig zu. Gerade in den westlichen Industriestaaten ist der Pro-Kopf-Verbrauch weiterhin auf hohem Niveau, in einigen Schwellenländern wie China wird er voraussichtlich auf Jahre hinaus noch weiter zunehmen. Gleichzeitig wird der Ursprung der Energie wenig hinterfragt. Vielen Verbrauchern ist nicht klar, woher der Strom, der Kraftstoff und die Wärme kommen, die sie tagtäglich beziehen. Eine der wichtigsten Stromquellen ist für Deutschland bis heute der fossile Energieträger Kohle, der aufgrund reichhaltiger Vorräte intensiv auf dem Staatsgebiet gefördert wird. Deutschland bezieht jedoch, ähnlich wie andere Industrie- und Schwellenländer, Energiequellen aus ganz verschiedenen Erdteilen. Gerade im Globalen Süden werden diese Ressourcen für den massenhaften Export abgebaut, oft mit gravierenden Folgen für Menschen und Umwelt in der Umgebung. So entstehen ganze „Energielandschaften“, deren ökologisches, territoriales und soziales Profil massiv durch die Rohstoffförderung geprägt wird. Ein Beispiel dafür sind die Regionen der Steinkohleförderung im Norden Kolumbiens. Auch Deutschland bezieht heute Steinkohle aus dieser „Energielandschaft“.
Die Kohleminen El Cerrejón und La Loma gehören zu den größten Megatagebau-Projekten Lateinamerikas. Sie befinden sich im äußersten Nordosten Kolumbiens, in den Provinzen La Guajira und Cesar. Durch eigene Infrastruktur sind sie mit Häfen an der Karibikküste verbunden. Die größte von ihnen, El Cerrejón, erstreckt sich über 69.000 Hektar durch das karge Halbwüstengebiet La Guajiras. Das entspricht in etwa der Fläche von Berlin. Für die Jahresproduktion von 30 Millionen Tonnen benötigt es Tag für Tag 30 Millionen Liter Wasser. Aufgrund ihrer gigantischen Ausmaße, aber vor allem wegen der unzureichenden Umwelt- und Menschenrechtsstandards nennen die Dorfbewohner in der Nähe die Mine nur bei ihrem Spitznamen: „Monster".
Die hier geförderte Steinkohle wird größtenteils an Industrienationen in Europa, die Türkei, Israel und nach Nord- und Mittelamerika exportiert. Diese Ausrichtung der Wirtschaft auf den Export von natürlichen Ressourcen wie der Kohle wird als "Extraktivismus" bezeichnet. Der Begriff meint die Aneignung und Ausbeutung natürlicher Ressourcen im großen Maßstab, um sie ohne (oder mit nur geringer) Verarbeitung bzw. Wertschöpfung an Industrie- und Schwellenländer zu exportieren. In geopolitischer Hinsicht ist er Ausdruck der weltweiten Arbeitsteilung zwischen den Ländern des globalen Nordens und des globalen Südens. Zu den klassischen Sektoren zählen u. a. die Förderung fossiler Energieträger (z. B. Erdöl und Kohle) und auch der monokulturelle Anbau von Sojabohnen oder Kaffee.
Das extraktivistische Wirtschaftsmodell ist vor allem im Zusammenhang mit Lateinamerika bekannt geworden. Bereits in der Kolonialzeit wurden z. B. Silber und Zucker extraktivistisch und unter Ausnutzung von afrikanischen Sklavenarbeitern für die Kolonialmächte gewonnen. Auch heute noch sind die Wirtschaften vieler lateinamerikanischen Länder vom Extraktivismus geprägt. Die extraktivistischen Aktivitäten sind in globale Handelsnetzwerke eingebettet. In den meisten Fällen sind sie Teil einer Exportstrategie, die von privaten transnationalen Unternehmen dominiert wird. Obwohl diese Konzerne den größten Teil der wirtschaftlichen Gewinne für sich vereinnahmen, sind Extraktivismen für die lateinamerikanischen Exportländer von großer wirtschaftlicher Bedeutung. Über die Lizenzgebühren und Exportzölle sind sie wichtige Einnahmequellen und werden sowohl von konservativen als auch von progressiven Regierungen gefördert.
Gleichzeitig ist diese Art des Wirtschaftens verantwortlich für eine Vielzahl negativer sozialer und ökologischer Auswirkungen. Oft wird die Aneignung der Naturressourcen, besonders im Falle des Bergbaus, mit Gewalt, Umweltzerstörung und Vertreibung der Anwohner durchgesetzt. Es sind Konflikte zwischen wirtschaftlichem Aufschwung in meist ländlich geprägten, von Armut und Arbeitslosigkeit gefährdeten Regionen und dem Bedürfnis, Landrechte zu verteidigen und die Umwelt und lokale Kultur zu erhalten. Diese Konflikte ziehen sich weltweit durch die Regionen, in denen ein extraktivistisches Wirtschaftsmodell praktiziert wird.
02
Extraktivismus
Verwendung des Begriffs „Extraktivismus“
Der Begriff "Extraktivismus" wird zunehmend seit den 1970er Jahren verwendet; zunächst um die Bergbau- und Ölexportsektoren zu beschreiben. Er wurde anfangs von transnationalen Unternehmen, multilateralen Banken und Regierungen benutzt und später von Akteuren und zivilgesellschaftlichen Gruppen aufgegriffen, die sich gegen die Ausbeutung natürlicher Ressourcen aussprachen. In den 1980er und 1990er Jahren wurden die traditionellen Extraktivismen im Bereich fossiler Brennstoffe weiter ausgebaut und um neue Formen, u. a. im Erz- und Agrarsektor, ergänzt. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts kam es aufgrund hoher Rohstoffpreise auf dem Weltmarkt zu einer raschen Ausbreitung extraktivistischer Tätigkeiten. Insbesondere stieg der Export von fossilen Energieträgern (z. B. durch neue Erdöl-Offshore-Projekte) und speziellen Metallerzen (z. B. Lithium oder Cobalt). Es wurden immer mehr Räume bis in die entlegensten Orte für die Ressourcenausbeutung erschlossen. Mit der räumlichen Ausdehnung nahmen auch gesellschaftliche Kontroversen und der Widerstand der Bevölkerung zu.
Mit der Zunahme extraktivistischer Aktivitäten stieg die Unschärfe des Begriffs. Für viele bedeutete er fast jede Art der Nutzung natürlicher Ressourcen, und fand dabei auf den bäuerlichen Kleinbetrieb genauso Anwendung, wie auf die multinationale Ölgesellschaft. Der Begriff des Extraktivismus wurde außerdem unklarer, weil Anfang der 2000er Jahre viele der Mitte-links Regierungen in Südamerika damit begannen, das Konzept des Extraktivismus als Teil ihrer Politik zu vereinnahmen (siehe Kapitel "Neo-Extraktivismus").
Um den Begriff Extraktivismus näher zu bestimmen, ist es ratsam zunächst die verschiedenen Arten der Aneignung von natürlichen Ressourcen in den Blick zu nehmen. Hierbei sind zwei Kategorien entscheidend: zum einem der Zielort der Ressource (ob sie entweder für den Binnen- oder den Exportmarkt bestimmt ist), und zum anderen die Menge bzw. die Intensität der Extraktion. Um die Menge der aus der Natur extrahierten Ressourcen abschätzen zu können, ist es wichtig, die physikalischen Mengenindikatoren wie Tonnen (an Erzen oder Getreide) anzuwenden. Dabei ist es wichtig, das gesamte extrahierte Material zu berücksichtigen, d. h. auch den sogenannten „ökologischen Rucksack“, also die Menge an Ressourcen miteinzubeziehen, die bei der Herstellung und dem Transport eines Produkts verbraucht werden.
Darüber hinaus muss auch die Intensität negativer Umweltauswirkungen durch die Extraktion berücksichtigt werden. Hierbei spielen unter anderem Ökotoxizität, Schadstoffbildung und die Verwendung von Sprengstoffen und anderer Technologien eine wichtige Rolle. Zum Beispiel, bei der Goldgewinnung in Schwemmlandgebieten führt der Einsatz von Quecksilber zu einer starken Verschmutzung der Flüsse.
Die folgende Tabelle zeigt verschiedene Aneignungsformen natürlicher Ressourcen, basierend auf Gudynas (2015). Extraktivismus ist ein Sonderfall.
Definition des Begriffs Extraktivismus
Nach Eduardo Gudynas wird der Begriff "Extraktivismus" als eine Art der Aneignung natürlicher Ressourcen in großen Mengen und/oder mit hoher Intensität definiert, bei denen mindestens die Hälfte als Rohstoffe ohne industrielle (oder nur mit geringer) Verarbeitung exportiert werden und als "Commodity" (gemäß dem Internationalen Warenverzeichnis für den Außenhandel, SITC – Standard International Trade Classification) bezeichnet werden können. Aus dieser Präzisierung können weitere Definitionen abgeleitet werden. So sind Extraktivismen „multidimensional“, da sie klassische Sektoren wie Erdölförderung, Bergbau und Landwirtschaft umfassen. Wie die folgende Grafik veranschaulicht, können anhand dieser Definitionen weitere Tätigkeiten und Sektoren in den Blick genommen werden, wie z. B. der Abbau von Lithium, Coltan oder Gold; die Forstwirtschaft, landwirtschaftliche Tätigkeiten in Form großer Bananen- und Kaffeeplantagen und der monokulturelle Anbau von Palmöl; Garnelen- und Lachszucht oder die intensive Fischerei zur Herstellung von Fischmehl.
Wie die Beispiele auf der Weltkarte zeigen, finden sich auch in den Ländern des globalen Nordens Formen von Extraktivismen. Der Begriff findet jedoch zumeist nur Anwendung auf die Ökonomien des globalen Südens, da sie im Gegensatz zu den Industrienationen im großen Maße vom Rohstoffexport abhängig sind und keine hinreichende Diversifizierung ihrer Gesamtwirtschaft entwickelt haben.
Zu den weiteren Erkenntnissen gehört, dass Extraktivismen eine hohe Beständigkeit aufweisen. Der Abbau der Ressourcen ist an bestimmte Standorte gebunden. Somit sind Extraktivismen immer lokal. Zugleich weisen sie kaum wirtschaftliche Verflechtungen mit ihrer Umgebung auf, sondern sind aufgrund ihrer Exportorientierung direkt an den globalen Markt gebunden. Sie können daher als „glo-kal“ bezeichnet werden. Im internationalen Wettbewerb müssen sie sich an Regeln und Strukturen der internationalen Politik halten. Dabei sind sie Faktoren wie Rohstoffpreisen und Investitionsflüssen ausgesetzt, die über ihre Ausweitung bzw. ihren Rückgang entscheiden.
Entwicklung des Extraktivismus in Südamerika
In Südamerika haben sich Extraktivismen in den vergangenen Jahrzehnten stetig ausgebreitet. Während des Rohstoffbooms der Jahre 2003 bis 2014 profitierten sie von hohen Rohstoffpreisen und hoher Nachfrage auf dem Weltmarkt. Im Zuge steigenden Wirtschaftswachstums bauten die Länder ihre extraktivistischen Sektoren weiter aus. Manche von ihnen experimentierten mit dem Einstieg in für sie neue Ressourcenbereiche und unterstützten dabei Aktivitäten, die in immer abgelegenere Gebiete vordrangen (z. B. Rodungen von Regenwald für neue Agrarflächen oder neue Erdöl-Offshore-Projekte in Tiefseegewässern vor der Küste Brasiliens). Auch stieg die Verwendung von Erzen und Metallen in Südamerika, sowohl für das Inland als auch für den Export, zwischen 1970 und 2017 um das fünffache auf insgesamt 4 Milliarden Tonnen. Brasilien stieg zum größten Extraktivisten des Kontinents auf. Es dominiert im Hinblick auf das Exportvolumen an Erzen und Metallen aber auch im Agrarsektor mit Sojaanbau und Rinderzucht. Bedenkt man die Folgen der territorialen Ausbreitung und die Folgen für die Natur, wird deutlich, dass Extraktivismen zu den größten Umweltproblemen des Kontinents geworden sind. Da diese Dynamik von den globalen Märkten ausgeht, sind die Möglichkeiten ihr zu begegnen, begrenzt. Ein Ansatzpunkt könnte die Einhaltung und Umsetzung vereinbarter Klimaschutzziele auf multilateraler Ebene sein. So hat z. B. der kolumbianische Staat im Zuge der Pariser Klimakonferenz bereits Ausstiegsdaten für seine Kohlekraftwerke festgelegt. Außerdem dürften die Lizenzen für den Kohle-Tagebau 2034 enden. Ob diese Ziele eingehalten werden, entscheidet sich u. a. am Aufzeigen wirtschaftlicher Alternativen.
Neo-Extraktivismus
Mit Beginn des Rohstoffbooms Anfang der 2000er Jahre entwickelte sich in einigen südamerikanischen Staaten mit progressiver linker Regierung ein sogenannter Neo-Extraktivimus, in dem der Rohstoffexport nicht nur als Wirtschafts-, sondern als Entwicklungs- und Gesellschaftsmodell verstanden wird. Mit einer weniger privatwirtschaftlichen Ausrichtung und einer stärkeren Rolle des Staates sollen Staatseinnahmen aus den Rohstoffexporten vermehrt dem sozialen Fortschritt und der Bekämpfung der Armut zugutekommen. Die hohen Weltmarktpreise für Rohstoffe zu Beginn der 2000er Jahre ermöglichten ein starkes Wirtschaftswachstum in vielen lateinamerikanischen Staaten, die diese zur Entschuldung und zum Ausbau von Sozialprogrammen nutzten. Mit Ende der Boomperiode ab Mitte der 2010er Jahre sanken jedoch Einkünfte und Wachstum deutlich ab, was die weitere Finanzierung der Sozialprogramme erschwerte, und die Anfälligkeit des Modells offenbarte.
Lokale Auswirkungen von Extraktivismen
Wenn es darum geht, die weitreichenden Folgen von Extraktivismen zu erfassen, ist es hilfreich, zwischen den lokalen Auswirkungen und den Nebenwirkungen, den sogenannten "Spill-over-Effekten", zu unterscheiden. Die lokalen Auswirkungen treten in den Enklaven auf, in denen der Abbau der Rohstoffe erfolgt, sowie entlang der eigens dafür geschaffenen Infrastruktur. Unterstützer von Extraktivismen heben die positiven Aspekte, wie die Schaffung neuer Arbeitsplätze hervor. Jedoch weisen Extraktivismen in der Summe eine Vielzahl an negativen Auswirkungen auf. Dazu gehören ökologische Auswirkungen (wie die Abnahme der Biodiversität, Boden-, Wasser-, und Luftverschmutzung, Verschlechterung des Bodens, Unmöglichkeit der Umweltsanierung), territoriale Auswirkungen (Umsiedlungen von Gemeinden, meist ohne angemessene Kompensation der Bewohner, „gefleckte Geografie“, Widerstand), soziale Auswirkungen (Vereinzelung von Gemeinden, Verschwinden indigener Weltanschauungen, Flexibilisierung von Arbeitsverhältnissen, Duldung schlechter Arbeitsbedingungen, Anstieg von Gewalt mit höherer Kriminalität) sowie Folgen für die menschliche Gesundheit.
Im weiteren Verlauf der Ausstellung werden die lokalen Auswirkungen am Beispiel des kolumbianischen Kohletagebaus in den Provinzen La Guajira und El Cesar ausführlich dargelegt:
- Kapitel 4: Akteure, Interessen, Konflikte: Die kolumbianische Kohleförderung in La Guajira und El Cesar
- Kapitel 5: Auswirkungen des Kohletagebaus auf Gesundheit und Umwelt
03
Kohle und Energie in Kolumbien, Deutschland und der Welt
Kohleproduktion und -verbrauch
Unter den fossilen Energieträgern – Kohle, Öl, Gas – ist Kohle nach Öl der am häufigsten vorkommende fossile Brennstoff. 65 % der Kohle werden weltweit für Stromerzeugung und 30 % in der verarbeitenden Industrie (Herstellung von Eisen, Stahl, Zement) verwendet. Weltweit wurden die Kohlereserven auf 698 Milliarden t geschätzt (2014), die Kohleressourcen auf 15,65 Billionen t (das 20-fache). Kohlereserven sind nachgewiesene Mengen, die mit derzeitiger Technologie zuküntig abbaubar sind, Kohleressourcen sind nachgewiesene Mengen, die gegenwärtig nicht wirtsschaftlich gefördert werden können.
Die Folgen des extraktivistischen Kohleabbaus sind vielfältig: Sie haben großen Einfluß auf die in den Kohleabbauregionen lebenden Menschen, die Landschaft, die Wirtschaft des Landes und auf den internationalen Handel. Andererseits betreffen die CO2-Emissionen durch Nutzung fossiler Energien und der dadurch bedingte Klimawandel weltweit das Leben aller Menschen. Die folgende Analyse der Kohleströme und der Kohleverbräuche - weltweit und von Kolumbien und Deutschland - kann für die Einordnung der Probleme hilfreich sein.
Weltweit beläuft sich der Export auf 1,33 Milliarden t Kohle (2021). China (4,23 Gt), Indien (0,89 Gt) und Indonesien (unter "Restliche Länder", nicht extra aufgeführt) sind die größten Kohleproduzenten (s. Tab.). Länder mit den größten Kohleverbräuchen (2018 bis 2025) sind China (4,24 Gt), Indien (1,14 Gt), die USA (0,44 Gt) und die EU (0,47 Gt). Die restlichen Länder liegen in ihren Verbräuchen an dritter Stelle nach China und Indien. Einzig für Europa und die USA wird eine Reduktion des Kohleverbrauchs prognostiziert (Schätzwerte für 2025). Für China, Indien und die restlichen Länder der Welt wird bis zum Jahr 2025 eine moderate Steigerung des Kohleverbrauchs erwartet.
Entsprechend der Rangordnung nach Gt (s. Tab.) verbrauchte China auf Basis der Energieeinheit Joule im Jahr 2022 rund 88,41 Exajoule (88,41 x 10E18 Joule, dies entspricht einer Leistung von 2,46 x 10E13 Kilowattstunden (kWh)) und belegt damit auch den ersten Platz. Auf die Volksrepublik China entfiel damit mehr als die Hälfte des weltweiten Kohleverbrauchs in diesem Jahr. Die USA konsumierten 9,87 Exajoule und belegen damit den dritten Rang nach Indien. Von dem Verbrauch der EU, der 6,98 Exajoule betrug, entfiel knapp ein Drittel auf Deutschland. Berücksichtigt sind hierbei ausschließlich handelsübliche feste Brennstoffe. Darunter zählen etwa bitumenhaltige Steinkohle, Anthrazit (Hartkohle), Hart- und Weichbraunkohle“. Die Industriestaaten des globalen Nordens weisen danach noch einen beträchtlichen Anteil an Kohle (sowohl Stein- als auch Braunkohle) als Energiequelle (2021) in ihrer Energiebilanz auf.
Die Prozentanteile der Kohleverbräuche weiterer Staaten des globalen Nordens und Südens sind in der Grafik abgebildet.
Deutschlands Anteil am weltweiten Kohleverbrauch liegt bei 1,4 %, Schwellenländer wie z.B. Indonesien und Vietnam verbrauchen 2,7 bzw. 1,3 %. China und Indien mit 54,8 und 12,4 % führen die Verbrauchsliste an. Interessant ist, dass Japan bei etwa gleicher Industriestruktur mit 3 % doppelt soviel Kohleanteile verbraucht wie Deutschland.
Kohle: Rohstoffsituation in Deutschland und Kolumbien
Steinkohle und Braunkohle werden in Deutschland hauptsächlich und seit langer Zeit für die Energiegewinnung eingesetzt. Im September 2023 lag der Anteil von Kohle am Strommix in Deutschland bei rund 27 %. Der Kohleverbrauch von Deutschland belief sich im Jahr 2022 auf etwa 2,33 Exajoule. Dabei handelt es sich bezüglich der Steinkohle um importierte Kohle, da der Steinkohleabbau in Deutschland seit 2018 eingestellt wurde.
- Erdöl- und Erdölerzeugnisse mit 33,9 % der Gesamtexporte
- Koks und Kohle mit 21,9 %
Der kolumbianische Bergbau inkl. Öl- und Gasförderung hat einen Anteil von 7,5 % am Bruttoinlandsprodukt (BIP). Der Anteil der Kohle am BIP wird mit Anteilen von 0,66 % bis 1,36 % beschrieben. Anteilige Prozentangaben der Kohle am BIP des Bergbaus liegen zwischen 53 % und 67 %. Lizenzgebühren, die aus der Kohleförderung resultierten, sind in der Größenordnung von 90 %.
93 % der geförderten Kohle Kolumbiens wurden exportiert. In 2021 betrug die Ausfuhr von thermischer Kohle (Kraftwerkskohle) anteilig 91 %, die von metallurgische Kohle (Hüttenkohle) 9 %.
Kolumbien besitzt reichhaltige Steinkohlevorräte und steht hier an neunter Stelle weltweit (2020). Die Kohlereserven Kolumbiens werden mit 6,5 Milliarden t und die Ressourcen mit 15 Milliarden t angegeben. Im Land selbst werden nur 5 - 15 % (je nach Quelle) der geförderten Kohle für die Energieproduktion verwendet. Davon werden 30 % zur Energieerzeugung eingesetzt, 23 % für die Zement- und 47 % für die Stein- und Keramikindustrie. Kolumbiens Kohleexport hingegen betrug im Jahr 2020 52,1 Mio. t, 2021 waren es 56 Mio. t. Zwischen 2016 und 2020 hatte die Kohlewirtschaft einen Anteil von 1 % am Bruttosozialprodukt Kolumbiens. Der Exportanteil betrug 16 % aller Exporte.
Der Primärenergieverbrauch Kolumbiens auf Basis der Energiequellen ist in der Abb. dargestellt: Die fossilen Energieträger (Kohle, Öl, Gas) machen insgesamt 74 % aus (15 % Kohle 28 % Gas, 31 % Öl), 22 % werden durch Wasserkraft und 3 % durch andere erneuerbare Energien erzeugt. Fossile Energieträger hatten in Deutschland (2022) einen Anteil von ca. 78% am Primärenergieverbrauch, erneuerbare einen Anteill von 17 %.
Primärenergie und Energieträger:
Primärenergie ist die von unverarbeiteten Energieträgern stammende Energie. Primärenergieträger sind Kohle, Öl, Gas, Wasser, Wind, Solar und Kernbrennstoffe. Primärenergie wird durch technische Prozesse in Sekundärenergie umgewandelt. Als solche gilt z.B. Koks, Strom, Wärme, Heizöl, Benzin und Flüssiggas. Mittels Solarthermie- oder Photovoltaikanlagen werden beispielsweise Strom oder Wärme als Sekundärenergie bereitgestellt.
2022 war Kolumbien lt. IEA fünftgrößter Exporteur von Steinkohle weltweit. Der größte Teil der Exporte stammt aus der Tagebaugrube El Cerrejón in der Provinz Guajira im Nordosten des Landes. Sie gehört einem der größten Rohstoffkonzerne der Welt, Glencore mit Sitz in der Schweiz. Über die firmeneigene Eisenbahnlinie wird die Kohle an die Karibikküste in den größten kolumbianischen Hafen (privat finanziert), Puerto Bolívar, gebracht und von dort aus verschifft.
Hauptabnahmeländer für die thermische Kohle (Kraftwerkskohle) im Jahr 2018 waren die Türkei (ca. 27 %), Chile (ca. 12 %), die Niederlande (ca. 7 %) und China (5 %). Die metallurgische Kohle (Hüttenkohle) wurde hauptsächlich nach China (41 %) in die Türkei (15 %), nach Brasilien (17 %) und Japan (22 %) exportiert.
Hinsichtlich der Kohleexporte auf Basis der Energiegehalte hat Kolumbien in 2022 ca. 1,6 Peta Joule exportiert (s. Tab.); das entspricht 1,6 x 10E15 Joule oder 4,4 x 10E8 KWh.
Kohleimport nach Deutschland
Deutschland importiert seit langer Zeit Steinkohle aus Kolumbien. Mit dem Boykott russischer Kohle aufgrund des Ukraine-Kriegs war es im Interesse der Bundesregierung und der kohleverarbeitenden Industrie möglichst schnell die Unterbrechung der russischen Lieferkette durch verstärkte Kohleimporte u. a. aus Kolumbien wettzumachen. Der Stopp der Kohle- und insbesondere der Gaslieferungen aus Russland machte zugleich die Anfälligkeit der Energieversorgung Deutschlands deutlich. Die Versorgungsengpässe, die Rohstoffabhängigkeiten, die Abschaltung der Kernkraftwerke, der Klimawandel und eine Transformation der Energieerzeugung zu erneuerbaren Energien befeuerten und befeuern die Diskussionen und Entscheidungen über die zukünftigen Wege im Umgang mit diesen Herausforderungen. Auch der mittelfristige Ausstieg aus fossilen Energien ist nicht nur lokal (Deutschland), sondern global (alle Staaten) dringend erforderlich, um die Auswirkungen des Klimawandels zu reduzieren.
Die Importabhängigkeit der Energieversorgung in Deutschland (2022) betrug für:
- Steinkohle 100 %,
- Mineralöl 98 %
- Erdgas 95 %
In 2021 machte Kohle 10,3 % aller Rohstoffimporte, Erdgas 28,3 % und Erdöl 19,8 %, aus. In Deutschland wird nur noch Braunkohle abgebaut; sie trägt knapp 40 % zur Primärenergie bei und ist damit nach wie vor ein wichtiger heimischer Energieträger. Der Import von Steinkohle nach Deutschland von 2018 bis 2022/2023 ist in der rechten Tabelle dargestellt, demzufolge sank 2023 der Kohleimport aus der russischen Föderation auf 0,42 Mio. t, bereits nur noch ca. 4 % im Vergleich zu 2022.
Der Import von Kohle nach Deutschland bleibt zwischen den Jahren 2018 bis 2022 - mit Ausnahme von 2020 - ziemlich konstant bei ca. 35 Mio. t. Kolumbiens Export von Kohle nach Deutschland hat sich im Vergleich zum Durchschnitt der Jahre 2018 bis 2020 in 2022 mehr als verdoppelt (auf 5,8 Mio. t). Die Jahre 2022 und 2023 stellen hauptsächlich wegen des Boykotts Russlands einen Wendepunkt in den globalen Kohleflüssen dar.
Anteilig wurden in 2021 52,4 % der Kohle aus Russland, 21,3 % aus den USA / Kanada, 14,1 % aus Australien, 5,85 aus Kolumbien, 3,4 % aus den EU-Ländern und 2,66 % aus Südfrika nach Deutschland importiert.
Die Qualität kolumbianischer Kohle ist sehr gut: Sie weist einen hohen Brennwert von ca. 27 Megajoule/kg auf und enthält durchschnittlich 0,7 % Schwefel. Braunkohle dagegen hat nur einen Brennwert von ca. 15 Megajoule/kg und deren Schwefelgehalt kann bis zu 2,5 % betragen. Schwefel bedingt hohe Schwefeldioxid-Emissionen.
Fossile Energien: Herausforderungen
Kohle trägt zu ca. 40 % (15 Gt. CO2) zu den globalen, energiebezogenen CO2-Emissionen (2021) bei. China, USA und Indien sind Hauptverursacher dieser Emissionen mit einem Anteil Chinas von 30,9 %, Anteil USA von 13,5 % und Anteil Indiens mit 7,3 %. Auf die Länder des Globalen Südens entfallen 80 % des weltweiten Kohleverbrauchs. Dies ist vor allem auf die beiden bevölkerungsreichsten Länder der Welt, China und Indien, zurückzuführen. Hier leben fast drei Milliarden Menschen. Der Primärenergieverbrauch pro Kopf beträgt in China 2,14 t (Öläquivalente, 2014), in Indien 0,5.
Auffällig ist der ca. 3 x höhere Primärenergieverbrauch Katars im Vergleich zu den USA (22,25 t, Katar, zu 7,04 t, USA). Dies spiegelt sich auch in den CO2-Emissionen pro Einwohner: Katar liegt in den Emissionen pro Kopf 2,5 x höher als die USA (35,6 t zu 14,2 t CO2). Die hohen pro Kopf CO2-Emissionen für Katar resultieren aus der Gasindustrie des Landes: Katar ist der weltweit größte Produzent von verflüssigtem Erdgas, eine Technologie mit hohem CO2-Ausstoß. Auch trägt der Lebensstil zu diesen hohen CO2 Werten bei. Das Land hat nur 1,7 Mio. Einwohner. Die jährlichen CO2-Emissionen liegen bei ca. 0,101 Milliarden t.
Kolumbien hat einen etwa 5-fach geringeren CO2 pro Kopf Ausstoß im Vergleich zu Deutschland (1,5 zu 8 t). Dies ist u.a. darin begründet, dass der Anteil des Stroms, der durch fossile Brennstoffe erzeugt wurde (Jahr 2022), in Kolumbien bei ca. 24 %, in Deutschland bei etwa 50 % lag. Längerfristiges Ziel Kolumbiens ist es, bis 2030 75 % der Stromerzegung aus erneuerbaren Energien zu gewinnen (58 % aus Wasserkraft, 17 % aus anderen nicht konventionellen erneuerbaren Energiequellen). Deutschland strebt an, bis zum Jahr 2030 insgesamt 80 % des Stroms aus erneuerbaren Energien herzustellen (z. Zt. ca. 50 %). Erneuerbare Energien stellen z. Zt. in Deutschland ca. 12 % der Energiequellen dar, in Kolumbien etwa 1,4 %.
Kolumbiens Wirtschaft hängt stark vom Kohle und Ölexport ab und trägt damit, wie alle Förderländer, indirekt zur CO2-Problematik bei. Für eine Energiewende ist es wichtig, Ausbeutung, Erforschung, Kommerzialisierung und Einsatz der fossilen Brennstoffe mittelfristig zugunsten einer Dekarbonisierung / Reduktion der Treibhausgasemissionen zu stoppen. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Absichtserklärung der Staaten - festgehalten in den Abschlußpapieren der COP28 - mittel- bis langfristig auf den Ausstieg der Kohle-exportierenden Länder / Unternehmen bzw. auf eine Transformation von Kohlewirtschaft zu alternativen Energieformen auswirkt.
In einigen Ländern ist es wegen der wirtschaftlichen Abhängigkeit von den fossilen Energieträgern problematisch, schnell aus der Kohleförderung auszusteigen, da sie mit 2 – 8% zur Beschäftigung beiträgt. Speziell für die Region La Guajira trug der Kohlesektor im Zeitraum 2016 - 2022 etwa 1,3 - 1,4 % zur Beschäftigung bei: Generell handelt es sich beim Kohleabbau um eine kapitalintensive, nicht aber arbeitsintensive Industrie (in etwa gleiche Prozentangaben gelten auch für die anderen Bergbauregionen Kolumbiens). Arbeitsintensivere Jobs in der Region La Guajira finden sich in der verarbeitenden Industrie, der Land- und Viehwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei. Diese Wirtschaftszweige tragen im Vergleich zur Kohlewirtschaft wesentlich mehr zum lokalen Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei.
Der Beitrag von Glencore zur Entwicklung von La Guajira wird unterschiedlich bewertet. Lt. Firmenagabe - Glencore, Cerrejón - trägt der Kohleabbau zu etwa 46 % des regionalen Brutto-Inlandprodukts bei. Die Firma betont, dass sie einen wichtigen Beitrag zur lokalen Beschäftigung der Region leiste, da mehr als 61 % der Beschäftigten aus der Region stammen. Es ist unklar, wieviele der Jobs informell sind. Durch den 2,5 Milliarden US-Dollar umfassenden Kohleexport werden etwa 0,4 % des Bruttoinlandsprodukts Kolumbiens erwirtschaftet. Im Tagebau in der Mine Cerrejón waren im Jahr 2008 insgesamt 5.116 Personen beschäftigt; mit Zulieferern und Subunternehmen bietet sie ca. 10.000 Menschen Arbeit.
Der Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen ist sehr stark von politischen, wirtschaftlichen, sozialen und klimapolitischen Interessen bestimmt. Die Bereitschaft zu Änderungen hin zu alternativen Energieträgern ist – je nach Interessengruppe – unterschiedlich. Im Wesentlichen bestimmen folgende Interessengruppen und Länder die Debatte um fossile Energie:
- die Förderländer mit starkem Interesse an einem möglichst späten Ausstieg (jeweilige Staaten mit ihren Firmen und deren Stakeholder). Kolumbien hat erklärt, dass bis 2035 alle Kohlekraftwerke im Land abgeschaltet werden sollen. Es gibt aber keine Erklärung zum Kohleexport.
- China und Indien (sowie viele der restlichen Länder des globalen Südens), die fossile Energieträger, insbesondere Kohle, für ihre weitere wirtschaftliche Entwicklung nutzen und darauf nicht verzichten wollen.
- Einige Länder des globalen Nordens, Klima- / Umweltpolitiker, NGO‘s und Firmen alternativer Energien, mit Interesse, kurzfristig und mit ehrgeizigen Zielen aus den fossilen Energien auszusteigen (u.a. Länder oder Inseln mit einem starken Interesse an einem Ausstieg, insbesondere die durch die steigenden Wasserstände bedrohten Inseln im Ostpazifik).
Die Notwendigkeit eines globalen Kohleausstiegs bzw. eines Ausstiegs aus fossilen Energieträgern und die Einhaltung der gesteckten Klimaziele sind essentiell. Es bleibt zu hoffen, dass diese Ziele noch rechtzeitig erreicht werden. Die sich abzeichnenden Klimaänderungen mit ihren Folgen für alle Gesellschaften sollten die Bereitschaft aller Akteure und Beteiligten befördern.
Arbeit und Soziales
Arbeitsbedingungen im Kohlebergbau
Weltweit arbeiten etwa sieben Mio. Menschen in der Kohleindustrie (Förderung). Zumeist findet der Abbau in Gebieten statt, in denen es wenig andere Wirtschaftszweige gibt (einseitig auf Kohleförderung ausgerichtete Infrastruktur; unterentwickeltes Niveau hinsichtlich Industrialisierung, Urbanisierung und Schaffung von alternativen Arbeitsplätzen).
Bedingungen in Kolumbien
Kohle ist nach Erdöl das zweitwichtigste Exportgut Kolumbiens mit einem Volumen von 10,9 Milliarden Euro. Der Kohlebergbau steht für 1 % des Bruttoinnlandproduktes und sichert 130.000 Arbeitsplätze. In La Guajira waren 2021 ca. 5.000 Menschen im Kohlebergbau beschäftigt. Etwa 80 % der Beschäftigten verfügten über langfristige Arbeitsverträge; die restliche 20 % hatten zeitlich befristeten Jobs. Für die Region Córdoba hingegen sind die Verhältnisse umgekehrt: 20 % permanent, 80 % temporäre Beschäftigungen.
Abgesehen von dieser Verteilung sind in La Guajira - im Gegensatz zu anderen Regionen - ca. 50 % der Beschäftigten (Bergbau-) Arbeiter und 50 % Angestellte (Verwaltung). Andere Regionen weisen durchschnittlich 10 bis maximal 30 % Verwaltungsangestellte auf und 70 - 90 % Arbeiter. Der Anteil an weiblichen Beschäftigten in La Guajira betrug 2021 etwa 10 % und 80 % der Belegschaft sind gewerkschaftlich organisiert. Beschäftigte im Kohlenbergbau verdienen im Vergleich zu anderen vergleichbaren Beschäftigungsverhältnissen gut. Dem gegenüber stehen ungünstige Arbeitsbedingungen, lange Arbeitszeiten, negative Auswirkungen auf Gesundheit, Massenentlassungen und die Ungleichheit der Geschlechter in Berufen.
Kohleimporte nach Deutschland; deutsche Kraftwerksfirmen
Das EU-Embargo für russische Kohle als Folge des russischen Angriffs auf die Ukraine führte auch zu einem starken Rückgang der Kohleimporte nach Deutschland. Im Jahr 2022 wurden insgesamt 35,3 Mio. t Steinkohle nach Deutschland importiert, davon waren ca. 7,3 Mio. t Kohle (etwa 18 % der deutschen Importkohle) aus Kolumbien. Diese erhöhte Einfuhr kolumbianischer Kohle war das Ergebnis eines Treffens zwischen Bundeskanzler Olaf Scholz und dem kolumbianischen Präsidenten Iván Duque. Zum Vergleich, für das Jahr 2021 waren ca. 1,8 Mio. t Kohle aus Kolumbien.
Firmen, die die kolumbianische Steinkohle aktuell zur Energieerzeugung einsetzen sind STEAG, ENBW und Uniper. Die fünf größten Betreiber von Steinkohlekraftwerken vereinen fast 70 % der installierten Leistung auf sich. Die restlichen 30 % verteilen sich auf Kraftwerke von Industrieunternehmen und Stadtwerke. Andere Firmen, die in der Vergangenheit Kohle aus Kolumbien bezogen haben, wie z.B. Vattenfall und RWE beziehen lt. eigenen Angaben keine Kohle mehr aus Kolumbien. Die Auskunft der importierenden Firmen zu den Mengen an importierter Kohle sind dürftig. ENBW gibt an, dass die Firma in 2021 ca. 0,21 Mio. t Kohle importiert hat, im ersten Halbjahr 2022 aber schon 0,47 Mio. t. Uniper gibt an, dass im Jahr 2021 38 % der eingesetzten Kohle aus Kolumbien kamen, in 2022 noch 23 %.
Zur Zeit arbeiten lt. eigener Webseite von Cerrejón etwa 13.000 Beschäftigte (Angestellte/Auftragnehmer/Zeitarbeiter) in und um die Mine. 60 % davon kommen aus der Provinz La Guajira. Zum Vergleich: In der deutschen Braunkohleindustrie waren im Jahr 2019 etwa 20.000 Menschen beschäftigt. Im Steinkohlebergbau waren es bis 2017 etwa 6.000 Beschäftigte, seit dem Ausstieg aus der Kohle im Jahr 2018 ist die Zahl der Beschäftigten auf Null gesunken.
Die Gewinne aus der Kohleförderung und dem Export kolumbianischer Kohle kommen kaum der Bevölkerung vor Ort zugute. Die multinationalen Unternehmen transferieren sie ins Ausland – hier insbesondere die Firmen Glencore, Schweiz, mit der Mine Cerrejón u.a. und die Firma Drummond, USA, mit drei Abbaugebieten (die Minen La Loma, El Descanso, El Corozo, der Hafen, Puerto Drummond).
Alle Firmen haben ausführliche Erklärungen zum Umgang mit ihren Beschäftigten, mit der Umwelt, mit Anwohnern (Compliance) in ihren Firmenbroschüren und Geschäftsberichten. Auch die Bundesregierung hat für 2023 / 2024 das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz auf den Weg gebracht. Ein kurzer Auszug aus dem Nachhaltigkeitsbericht von Glencore (2022) mag hier beispielhaft angeführt sein: “We are committed to the progress and development of La Guajira and Colombia and, therefore, we align our operational, environmental and social management with the United Nations Sustainable Development Goals (SDG). These global goals aim to eradicate poverty, protect the environment and ensure prosperity for all.”
Inwieweit die festgeschriebenen Ziele tagtäglich praktiziert werden, ist fragwürdig, wenn man die Berichte der basisdemokratischen (grassroots), der zivilgesellschaftlichen und internationalen Organisationen (NGOs) zum Vorgehen der Firmen hinsichtlich SDG zur Kenntnis nimmt. Besonderes Augenmerk muss zuküntig darauf gelegt werden, inwieweit sich die extrahierenden Firmen bei der Transformation zu einer kohlefreien Wirtschaft in den Exportländern engagieren.
04
Akteure, Interessen, Konflikte: Die kolumbianische Kohleförderung in La Guajira und El Cesar
Multinationale Firmen
Die Grube El Cerrejón ist der größte Steinkohletagebau Lateinamerikas und einer der größten weltweit. Das Bergbauvorhaben begann 1976 als Joint Venture zwischen dem kolumbianischen Staatsunternehmen Carbocol und Intercor, einer Tochterfirma des US-amerikanischen Mineralölkonzerns ExxonMobil. Gestaffelt in drei Phasen begann 1977 die Erschließung, 1980 das Bauvorhaben und ab 1986 die Kohleförderung in der Grube.
Der Beginn der Steinkohleförderung in Kolumbien wurde durch verschiedene internationale Kreditinstitute gefördert. Die US-amerikanische Export-Import Bank gewährte der kolumbianischen Regierung einen Kredit für ihren Anteil am Tagebau, die kanadische Export Development Bank finanzierte die Anschaffung von Bergbaugeräten, die technisch auf dem neuesten Stand waren. In der Hoffnung, das allgemeine Klima für Investitionen in Kolumbien zu verbessern, wurde auch der Internationale Währungsfonds (IWF) als Geldgeber tätig. Heute beteiligen sich auch deutsche Banken und Versicherungsunternehmen am Projekt El Cerrejón.
Obwohl es große Steinkohlevorkommen in den USA gibt, bevorzugten die US-Konzerne die Förderung in Kolumbien, weil hier geringere Löhne und Steuern gezahlt werden müssen und weil es vor Ort etwa im Hinblick auf Arbeitssicherheit und die Umwelt weniger Auflagen gibt. Mit dem Clean Air Act von 1990 kam ein weiterer Anreiz hinzu: die schadstoffarme Verbrennung hochqualitativer Steinkohle aus Kolumbien machte es Kohlekraftwerken in den Vereinigten Staaten leichter, die zunehmend strengeren Umweltvorschriften einzuhalten.
Im Jahr 2001 übernahm ein Zusammenschluss aus den multinationalen Bergbauunternehmen Glencore mit Hauptsitz in der Schweiz, Broken Hill Proprietary (BHP) aus Austrialien und die Anglo American mit Hauptsitz in London, den Anteil der kolumbianischen Regierung am Tagebau El Cerrejón. Diese Privatisierung stellte der IWF als Bedingung für die Vergabe weiterer Kredite an Kolumbien. 2002 übernahm der Zusammenschluss auch den Anteil von ExxonMobil. 2022 erwarb der Konzern Glencore die Anteile seiner beiden Partner und ist seitdem alleiniger Besitzer der Grube.
Die Kohleförderung multinationaler Firmen vollzieht sich in Kolumbien hauptsächlich in abgelegenen Gebieten mit wenig staatlicher Kontrolle. Die Konzerne können hier als „Staat im Staate“ ihre Operationen recht unbehelligt durchführen. Sie sind gleichzeitig der erste Ansprechpartner für die lokale Bevölkerung. Einige Firmen übernehmen den Bau von Infrastruktur und Schulen und sehen sich in einer staatsähnlichen Funktion. Meist stecken hinter angeblichen Entwicklungsstrategien für die Regionen jedoch nicht mehr als spontane Gesten, von denen einige Gemeinschaften mehr profitieren als andere und die gemäß dem „teile und herrsche“-Prinzip sozialen Neid fördern und einen regelrechten Kampf um die Gunst der Firmen entfachen. Währenddessen nutzen die Konzerne Strategien wie Lobbyismus, Erpressung und Greenwashing, um das eigene Image zu wahren und die Legitimität ihrer Vorhaben in den Regionen zu sichern.
Die Unternehmen hinter dem Tagebau El Cerrejón versuchen dabei auf perfide Weise, die Verantwortung für den Umweltschutz auf die Bewohner der Region abzuwälzen. In großangelegten Werbekampagnen rufen die Konzerne dazu auf, Müll aufzusammeln, zu recyceln und beim Zähneputzen Wasser zu sparen. Die Reinigung der Arbeitswege in der Grube benötigt täglich 17.000 Liter Wasser - die Anwohner selbst nutzen im Durchschnitt weniger als einen Liter am Tag. Besonders fragwürdig erscheinen Workshops auf dem Firmengelände, in denen Indigenen und Kleinbauern einen verantwortungsbewussten Umgang mit der Natur lernen sollen. Währenddessen leben die hochrangingen Mitarbeiter unweit der Grube in einer Wohnsiedlung mit Swimming Pools, Fitnessstudio und einem Golfplatz.
Wayuu und andere Bewohner der Region
Der Tagebau El Cerrejón befindet sich im Departamento La Guajira. Das Gebiet ist infrastrukturell und administrativ wenig durchdrungen und der kolumbianische Staat zeigt hier wenig Präsenz. Aufgrund der peripheren Lage der Region konnten die halbnomadisch lebenden Wayuu dort seit der Kolonialzeit ihre Autonomie weitgehend bewahren, leben aber nicht gänzlich isoliert: seit Jahrhunderten sind sie in den Schmuggelhandel im Grenzgebiet zu Venezuela involviert. Heute bewohnen die Wayuu hauptsächlich die nördliche Halbinsel des Departamentos und leben von kleinbäuerlicher Landwirtschaft sowie Fischfang an der Karibikküste. Sie sind die größte indigene Gemeinschaft Kolumbiens.
Mit dem Beginn der Kohleförderung in der Region veränderte sich die Lebensweise der Wayuu stark. Zwar liegt der Tagebau nicht unmittelbar im Territorium der Wayuu, Straßen und Eisenbahnlinien, die die Grube mit dem Karibikhafen Puerto Bolívar verbinden, führen jedoch geradewegs durch das Weideland und über kulturelle Stätten der indigenen Gemeinschaft. Da die Wayuu keine juristischen Eigentumstitel für ihre Gebiete besitzen und vielerorts eine gemeinschaftliche Landnutzung üblich ist, fällt es ihnen besonders schwer, sich gegen die Bergbauunternehmen zu behaupten, zumal die kolumbianische Regierung das Land für herrenlos erklärt hat. Seit dem Ende des 20. Jahrhunderts werden die Wayuu zunehmend aus ihrem traditionellen Lebensraum vertrieben und müssen in den trockenen Norden der Halbinsel ausweichen. Dort erschwert der Betrieb des Seehafens Puerto Bolívar zusätzlich die Küstenfischerei.
Die Konsequenzen der Kohleförderung für die menschliche Gesundheit und die Umwelt in der Region verschlechtern die Lebenssituation noch weiter. Neben den Wayuu sind auch andere Gruppen von den Auswirkungen des Tagebaus betroffen, vor allem afrokolumbianische und mestizische Kleinbauern im Süden des Departamentos. Insgesamt nimmt die Armut in der Region zu und zieht weitere soziale Folgen nach sich; Studien belegen den Anstieg von Alkoholismus und sexueller Ausbeutung. Den Wayuu droht darüber hinaus der Verlust ihrer kulturellen Identität, da neben dem Weideland auch heilige Stätten und traditionelle Versammlungsplätze durch die Firmen zerstört werden.
Die Wayuu haben sich der Bedrohung ihrer Heimat und Lebensweise nicht kampflos ergeben: 1982 schloss sich die Widerstandsbewegung Yanama zusammen, begann mit Aktionen gegen die Bergbauunternehmen und wandte sich an die kolumbianische Regierung. Es folgten Bündnisse mit anderen Kleinbauern in der Region und erste kleinere Erfolge. Eine übliche Form des Widerstands der Wayuu ist dabei das Blockieren von wichtigen Transportwegen und Zugängen zum Tagebau. Die Bevölkerung sieht sich mit den multinationalen Konzernen einem übermächtigen Gegner gegenüber, steht jedoch nicht allein; inzwischen werden die Menschen in La Guajira von NGOs und Aktivisten unterstützt, und auch internationale Solidaritätsbekundungen haben zugenommen. In Kolumbien gab es bereits zwölf Gerichtsurteile zu Gunsten der indigenen Gemeinschaft in La Guajira.
Arbeiter und Gewerkschaften
Mit dem Beginn des Bergbauprojektes El Cerrejón in den 1980ern Jahren kam die Hoffnung auf, dass die Steinkohleförderung schon bald Arbeitsplätze für das gesamte Departamento La Guajira schaffen würde. Die Realität sah jedoch anders aus. Wegen des geringen Bildungs- und Ausbildungsniveaus in der Region stellten die transnationalen Firmen vor allem Arbeiter aus anderen Departamentos ein. Jeder potenzielle Beschäftige aus La Guajira muss zunächst aufwendig geschult werden. Ein geplanter Wissenstransfer, von dem die Arbeiterschaft in der Region profitieren sollte, ist nie erfolgt. Heute stammen zwar 60% der Arbeiter aus der Region, die sind jedoch nur etwa 7.000 von den rund 880.000 Einwohnern des Departamentos. Während die Bevölkerung weiter anwächst, baut der Konzern Glencore mit Ausblick auf das geplante Ende der Kohleförderung 2034 bereits massiv Stellen ab. Die Steinkohleförderung macht zwar knapp 45 % des BIP in La Guajira aus, kann den Menschen in der Region jedoch keine langfristige Perspektive bieten. Aus der hohen Arbeitslosigkeit folgen Kriminalität und Unsicherheit.
Um ihre Rechte gegenüber den multinationalen Konzernen zu vertreten, schlossen sich die Arbeiter 1983 in der Gewerkschaft der Bergbaubeschäftigten in La Guajira zusammen, die seit 1997 unter dem Namen Sintracarbón aktiv ist und gegen harte Arbeitsbedingungen, geringe Löhne und kaum vorhandene Sicherheitsstandards kämpft. Die ungleichen Machtverhältnisse zwischen Gewerkschaft, Konzernen und Regierung führen dazu, dass die Arbeiterschaft häufig unterlegen ist. In den 1980er Jahren wurden mehrere Streiks durch Interventionen des kolumbianischen Militärs niedergeschlagen und Tarifverträge im Interesse der Firmen erzwungen. Dennoch konnte die Gewerkschaft in den letzten Jahren eine Reihe von Erfolgen erringen. Neben den Rechten der Arbeiter setzt Sintracarbón sich inzwischen auch für die kollektiven Rechte der Bevölkerung und den verantwortlichen Umgang mit natürlichen Ressourcen in La Guajira ein.
Seit der Übernahme des Bergbauprojekts El Cerrejón durch den Konzern Glencore im Jahre 2020 ist die Gewerkschaftsarbeit wichtiger denn je. Die Firma Glencore ist weltweit für ihr rücksichtsloses Verhalten gegenüber den eigenen Arbeitern und eine kritische Haltung gegenüber Gewerkschaften berüchtigt. Als der Konzern 2020 inmitten der COVID-19-Pandemie beschloss, die von Sintracarbón über Jahre hinweg erkämpften Vorteile aus Kostengründen zu streichen, begann ein insgesamt 91-tägiger Streik, an dessen Ende sich die Arbeiterschaft gegen Glencore behaupten konnte.
Die Zusammenarbeit mit anderen Bergbaugewerkschaften weltweit ist ein wichtiges Zeichen der Solidarität und konnte im Fall von Sintracarbón auch tatsächlich Fortschritte bringen. Die US-amerikanische Bergbaugewerkschaft UMWA (United Mine Workers of America) und die Stahlarbeitergewerkschaft USW (United Steel Workers) unterstützen seit Ende der 1980er Jahre kolumbianische Gewerkschaften in ihrem Kampf für die Rechte der Arbeiter. Ein wesentlicher Grund für diese Solidarisierung liegt in dem Zusammenhang von wirtschaftlichen Tätigkeiten über nationale Grenzen hinweg: als die US-Firma ExxonMobil die Kohleförderung in Kolumbien begann, wurden gleichzeitig hunderte Arbeiter in der US-amerikanischen Kohleförderung entlassen. Deshalb unterstützten die US-amerikanischen Gewerkschaften Sintracarbón auf rechtlichem und institutionellem Wege. Die teilweisen Erfolge im kolumbianischen Kampf für soziale Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit motivieren die US-amerikanische Arbeiterschaft in ihren eigenen Vorhaben.
Heute pflegt Sintracarbón vor allem Kontakte nach Deutschland und ist mit dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB), der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE) und der Industriegewerkschaft Metall vernetzt. Im Austausch mit den deutschen Gewerkschaften diskutiert Sintracarbón Möglichkeiten für einen kolumbianischen Kohleausstieg und einen Strukturwandel, der sich an Vorbildern wie dem deutschen Ruhrgebiet orientieren könnte.
Paramilitärs und Guerilla
Der Konflikt um die Landnutzung in La Guajira hat sich seit den frühen 2000er Jahren mit der Ankunft bewaffneter Gruppen in der Region weiter verschärft. Inmitten der Auseinandersetzung zwischen Anwohnern und multinationalen Firmen versuchen gewalttätige paramilitärische Gruppen sowie die Guerillabewegung der FARC (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia), von den etablierten Schmuggelrouten in dem Gebiet zu profitieren. Die Wayuu-Gemeinschaft Media Luna im Küstenort Bahía Portete, die bereits in den 1980ern Jahren durch den Bau des Seehafens Puerto Bolívar von ihrem ursprünglichen Siedlungsort vertrieben wurde, wird seit 2003 von Paramilitärs bedrängt, die versuchen, das Territorium für sich zu gewinnen. Als sich die Indigenen weigerten, ihre Heimat erneut aufzugeben, richteten die Kämpfer im April 2004 ein Massaker an, bei dem ein Dutzend Menschen starben und 30 weitere spurlos verschwanden. Die Überlebenden Wayuu waren gezwungen, nach Venezuela zu fliehen. Die bewaffneten Gruppen sind bis heute aktiv und bedrängen weiterhin die lokale Bevölkerung, wobei es immer wieder Tote gibt. Einige Indizien deuten darauf hin, dass die Paramilitärs mit den örtlichen Polizeibeamten kooperieren.
Auch das Nachbar-Departamento El Cesar leidet unter dem anhaltenden bewaffneten Konflikt in Kolumbien. In der Region, in der das US-amerikanische Bergbauunternehmen Drummond seit 1985 mit La Loma den zweitgrößten Steinkohletagebau des Landes betreibt, begann die Gewalt bereits in den 1990er Jahren. Seitdem tobt ein Kampf zwischen linker Guerilla und rechten Paramilitärs. Die Guerillabewegung der FARC griff über lange Zeit hinweg auch die Operationen der Firma Drummond an und bombardierte wiederholt die konzerneigene Eisenbahnstrecke. Als Reaktion darauf wurden schon bald paramilitärische Gruppen in der Region aktiv. Die Angriffe der FARC haben bei den Verantwortlichen des Bergbauunternehmens eine gewisse Paranoia verursacht, die sich vor allem in einem großen Misstrauen gegenüber den Gewerkschaften in der Region niederschlägt. Jeglicher Kampf für die Rechte der Arbeiter wird von Drummond als Sympathie zur Guerillabewegung diffamiert. Währenddessen agieren die Paramilitärs in El Cesar recht frei, machen unter Arbeitern und Zivilbevölkerung angebliche FARC-Sympathisanten ausfindig und ermorden diese. Das Misstrauen des Konzerns und die Aktivitäten der Paramilitärs erschweren die Gewerkschaftsarbeit erheblich; allein 2001 wurden fünf Gewerkschaftsführer ermordet. Es gibt Hinweise darauf, dass die paramilitärischen Gruppen bei diesen Morden im Auftrag der Firma Drummond handelten. Auch in La Guajira sehen sich Gewerkschaftsführer regelmäßig Bedrohungen ausgesetzt. Die Konzerne interessieren sich dafür nicht.
05
Auswirkungen des Kohletagebaus auf Gesundheit und Umwelt
Auswirkungen auf die Gesundheit
Die Förderung von Braun- und Steinkohle in offenen Gruben (Tagebau) kann massive Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen nicht nur in unmittelbarer Nähe, sondern auch im weiteren Umkreis der Förderungsstätte haben. Das größte Gesundheitsrisiko stellt der dabei entstehende Feinstaub dar. Er entsteht als Abfallstoff im Rahmen von verschiedenen Arbeitsschritten bei der Kohleförderung wie Bohrungen, Sprengungen und anderen mechanischen Prozessen. Gefährliche Selbstentzündungen von kohlenstoffhaltigem Material können neben Feinstaub auch giftige Gase freisetzen. Beim Transport und durch das Aufwirbeln bei Be- und Entladevorgängen kann Feinstaub besonders bei Wind auch über große Distanzen hinweg verteilt werden. Den Menschen erreicht er direkt durch die Luft oder durch Ablagerungen in Gewässern und auf dem Boden.
Feinstaub besteht aus Silikaten, die Kohlenstoff, Wasser und anorganische Stoffe wie Sulfate, Nitrate und Ammoniak sowie metallische Partikel enthalten können. Je kleiner die Teilchen sind, desto größer ist das Gesundheitsrisiko für den Menschen. Größere Partikel werden beim Einatmen aufgenommen und können Atemwegserkrankungen wie Asthma auslösen. Kleinere Partikel können durch die Lungenbläschen (Alveolen) sogar in den menschlichen Blutkreislauf gelangen. Auf diesem Wege erreichen die Partikel verschiedene Teile des Körpers, wo sie unterschiedliche, aber ähnlich gravierende Schäden zur Folge haben. So kann Feinstaub bis ins menschliche Gehirn gelangen und dort neurodegenerativ wirken, also die Gehirnleistung einschränken und sogar Demenz fördern. In den Körperzellen wirken die Partikel genotoxisch, das heißt sie beschädigen die menschliche DNA, regen die Wucherung von Tumoren an und können Krebserkrankungen auslösen. Eine weitere Folge der Feinstaubbelastung sind Herz-Kreislaufprobleme. In der Lunge werden chronische Entzündungsreaktionen in Gang gesetzt, die nach weiteren pathologischen Umbauprozessen über eine Silikose schließlich zu Lungenkrebs führen kann. Silikose war auch im deutschen Steinkohlbergbau eine gefürchtete Berufskrankheit.
Ein Zusammenhang zwischen der erhöhten Exposition gegenüber Feinstaub und einem Anstieg der genannten Krankheitsbilder und Schäden bei Grubenarbeitern und Anwohnern konnte seit Beginn des 21. Jahrhunderts durch zahlreiche Studien weltweit nachgewiesen werden. Derartige Studien gibt es auch für die Kohleförderung in Kolumbien: 2009 konnten genetische Schäden bei Arbeitern des Tagebaus El Cerrejón im Departamento La Guajira festgestellt werden, 2018 wurden solche Schäden auch bei indigenen und afrokolumbianischen Anwohnern im näheren Umkreis nachgewiesen. 2013 wurden Atemwegserkrankungen bei einer Vielzahl von Kindern aus dem Umkreis von Kohlegruben im Departamento Cesar beobachtet. Bei Arbeitern und Anwohnern in den Departamentos Boyacá und Cundinamarca ließen sich zwischen 2014 und 2016 zudem vermehrt Muskel- und Nervenkrankheiten feststellen.
Auch das Führen schwerer Maschinen in der Grube stellt für die Arbeiter ein Gesundheitsrisiko dar. Die Kohle wird oft mit Baggern gefördert. Trifft die massive Baggerschaufel beim Verladevorgang auf eine andere metallische Oberfläche, etwa die Laderampe eines Kipplasters, drohen durch die Vibration Muskel- und Skelettschäden beim Fahrzeugführenden. Auch überlange Schichten können auf Dauer die physische und mentale Gesundheit der Arbeiter bedrohen. Als der Konzern Glencore 2020 die wöchentlichen Arbeitsstunden im Tagebau El Cerrejón von 48 auf 60 erhöhte, wurden einigen Grubenarbeitern Schichten von sieben Tagen abverlangt, die von den Arbeitern und der Gewerkschaft bald als "turnos de la muerte" (Todesschichten) bezeichnet wurden. Im Zusammenhang mit Arbeitsstress hat es bereits mehrere Suizide gegeben.
Im kolumbianischen Steinkohletagebau El Cerrejón ereignen sich regelmäßig Arbeitsunfälle, bei denen bereits Menschen zu Tode gekommen sind. Der Konzern Glencore nutzt dabei ein strukturelles Problem des kolumbianischen Sozialversicherungssystems aus: Die Administración de Riesgos Laborales (ARL), die über die Umstände und Schwere einer Arbeitsverletzung und die zu zahlenden Leistungen entscheidet, wird vom Arbeitgeber beauftragt und entscheidet meist in dessen Interesse. Wenn sich ein Arbeiter im Tagebau verletzt, muss er mit seinen Versicherungsansprüchen nicht selten vor Gericht gehen.
Die fortwährende Lärmbelästigung durch die Kohleförderung kann negative Folgen für die körperliche und mentale Gesundheit von Grubenarbeitern und Anwohnern gleichermaßen haben. Auch die gravierende Umgestaltung einer ehemals vertrauten Landschaft und der eigenen Heimat kann sich drastisch auf die Psyche von Bewohnern einer Bergbauregion auswirken.
Auswirkungen auf die Umwelt
Die Kohleförderung im Tagebau bedeutet zunächst das Ausheben einer entsprechenden Grube und damit einen erheblichen Einschnitt in die natürliche Umwelt, bei dem Boden und Vegetation auf einer bestimmten Fläche zerstört werden. Über diese räumlich begrenzte Zerstörung hinaus haben die Abfallstoffe gravierende Folgen für die Atmosphäre, die Gewässer und die Tier- und Pflanzenwelt in der näheren Umgebung der Grube.
Die Atmosphäre wird vor allem durch den bei der Förderung entstehenden Feinstaub belastet (direkte Emission), der bei starkem Wind über viele Kilometer hinweg getragen werden kann und die Luft weiträumig kontaminiert. Einige Arbeitsschritte, wie etwa Sprengungen in den Kohlegruben, können zudem schädliche Abgase (Schwefel, Stickoxide, Ammoniak oder Kohlenwasserstoffe) freisetzen, die sich durch chemische Reaktionen in der Atmosphäre zu giftigen oder schädlichen sekundären Schwebstaubpartikeln umbilden und das Ökosystem belasten.
Auch Gewässer leiden unter Feinstaub, der durch Wind und Niederschlag herangetragen wird. Die Kontamination mit metallischen Partikeln kann den pH-Wert im Wasser stark reduzieren, Giftstoffe freisetzen und durch Oxidationsprozesse zur Entstehung gefährlicher Säuren führen. Ein weiteres, in seinen Ausmaßen nur schwer einschätzbares Problem stellt die organische Kontaminierung durch unsachgemäße Entsorgung von Abfällen in Gewässern dar.
Der verringerte pH-Wert und die Verschmutzung von Gewässern mit Giftstoffen haben für aquatisches Leben fatale Folgen. In erster Linie leiden darunter Mikroorganismen und Kleinsttiere. Über die Nahrungskette sind größere Lebenwesen ebenfalls betroffen. Insgesamt wird die Biodiversität aquatischer Ökosysteme stark reduziert. Da es über das aquatische Leben in vielen Regionen der kolumbianischen Kohleförderung kaum wissenschaftliche Studien gibt, kann der tatsächliche Schaden im Nachhinein oft nur schwer beziffert werden.
Weitere gravierende Auswirkungen auf Gewässer können entstehen, wenn für die Kohleförderung ganze Flüsse umgeleitet werden. Komplette Ökosysteme werden dadurch zerstört, so etwa der Arroyo Bruno nahe des Tagebaus El Cerrejón im Departamento La Guajira. Die Region besteht zum Großteil aus Wüste und verfügt nur über wenige Gewässer, deren Verlust auf lange Sicht das Ende sämtlichen Lebens in La Guajira bedeuten würde. Durch den Tagebau wurden bereits mehr als 20 Gewässer zerstört.
Die Vegetation zu Land wird ebenfalls in erster Linie durch die Staubbelastung bedroht. Sich absetzende Partikel können die Funktionsfähigkeit der Spaltöffnungen (Stomata) von Pflanzen mindern, wodurch deren Gas- und Temperaturhaushalt gestört wird und die Fotosyntheseleistung abnimmt. Das Resultat können ein vermindertes Wachstum und stark verkümmerte Pflanzen sein. Das Leben von Landtieren ist durch die Kontamination von Luft und Gewässern, durch die unterentwickelte Vegetation sowie durch Lärmbelästigung im Rahmen der Kohleförderung in mehrfacher Hinsicht beeinträchtigt.
Indem die Kohleförderung große Teile der natürlichen Umwelt kontaminiert, nimmt sie gleichzeitig denjenigen Menschen die Lebensgrundlage, die in ihrem Alltag auf eine intakte Umwelt angewiesen sind. Die Bevölkerung der kolumbianischen Departamentos La Guajira und El Cesar lebte vor dem Beginn der Kohleförderung in der Region vor allem von der Landwirtschaft. Häufig reichte die Produktion der einzelnen Bauern für wenig mehr als die Subsistenz. Der Verlust von Böden, die Verschmutzung der Gewässer und das Sterben der Vegetation erschweren das Überleben der Bevölkerung vor Ort. Wirtschaftliche Alternativen gibt es in der Region kaum.
06
Ausblick
Der Verbrauch fossiler Brennstoffe und die damit einhergehenden negativen ökologischen Folgen müssen angesichts der immer noch steigenden CO2-Emissionen dringend reduziert werden. Dies kann z.B. durch eine Veränderung des Konsumverhaltens, eine Steigerung der Energieeffizienz sowie durch Ersatz fossiler Energie durch erneuerbare Energieträger erreicht werden (Dekarbonisierung als Ziel).
Das von mehr als 170 Ländern der Welt gesteckte und verabredete Ziel, den globalen Temperaturanstieg auf 1,5 Grad oder weniger zu begrenzen, scheint kaum noch erreichbar zu sein. Dies gilt umso mehr, als auf der Weltklimakonferenz in Dubai (COP28) nur ein "Übergang weg von fossilen Energieträgern" - Kohle, Öl, Gas - erreicht wurde. Der von mehr als 130 Staaten geforderte klare Ausstieg aus fossilen Energieträgern ("phase out") fand keine Zustimmung. Der Beschluss zum Ausstieg wurde hauptsächlich von den Ölförderländern blockiert. Die u.a. von diesen Ländern favorisierte technologische Lösung zur CO2-Reduktion mittels CCS (carbon capture and storage, Abscheidungstechnologie) ist nach Ansicht von Experten sehr teuer und würde den Klimawandel nicht entscheidend abbremsen.
Der UN-Generalsekretär Antonio Guterres kommentierte den Beschluss: "Die Wissenschaft sagt uns, das eine Begrenzung der globalen Erwärmung auf 1,5 Grad ohne den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen unmöglich ist. Dies wurde auch von einer wachsenden und breiten Koalition von Ländern auf der COP28 anerkannt. Ob man will oder nicht, der Ausstieg aus der Nutzung fossiler Brennstoffe ist unausweichlich. Hoffen wir, dass er nicht zu spät kommt."
Im Gegensatz zum Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen, herrschte zum Thema "Ausbau der Erneuerbaren" ein größerer Konsens. 130 der 190 Länder wollen bis 2030 ihre Kapazitäten für Erneuerbare Energie verdreifachen, die Energieeffizienz soll im selben Zeitraum verdoppelt werden. Kolumbien verfügte in 2022 über 3 % an erneuerbarer Energie. Ziel ist es, den Anteil an Erneuerbaren bis 2030 auf 75 % (17 % aus anderen nicht konventionellen erneuerbaren Energien, 58 % aus Wasserkraft) zu erhöhen. Dies ist u.a. auch Teil der Klimaziele Kolumbiens hin zu einer dekarbonisierten Wirtschaft wie es auf der COP28 vorgestellt wurde.
Bei seiner Rede vor der UN-Generalversammlung im September 2022 hat der Präsident darauf hingewiesen, dass die Staaten des Globalen Nordens eine ökologische Verantwortung für das Gelingen des Klimaschutzes und der sozial-ökologischen Transformation der Wirtschaften des Globalen Südens tragen. Kolumbiens Handelsminister Germán Umaña und Außenminister Álvaro Leyva haben klargestellt, auf Unterstützung und Investitionen aus Deutschland sowie eine Stärkung des globalen Ausbaus erneuerbarer Energien angewiesen zu sein, um sich aus der Abhängigkeit von Kohleexporten zu lösen.
In 2022 legte die Nationale Planungsbehörde Kolumbiens ein Dokument zum Energieumstieg vor. Folgende Herausforderungen werden genannt: die Exportabhängigkeit, die wirtschaftliche Diversifizierung, Umschulung der Minenarbeiter, regulatorische Lücken zum Prozess der Minenschließungen, Umweltverbindlichkeiten und Nutzung der Infrastruktur nach Schließung der Minen und die Ewigkeitskosten. Diese resultieren aus den erheblichen Landschaftsänderungen durch den Tagebau. Es ist mit immensen Kosten zu rechnen. Die Größe der Aufgaben und der Aufwand für einen längst nicht vollendeten Strukturwandel kann am Beispiel des Ruhrgebiets (Untertagebergbau) oder zukünftig für die alternative Nutzung der Flächen des Braunkohletagebaus nachvollzogen werden.
Der Energieumstieg in Kolumbien beinhaltet keinen "phase out" oder "phase down" Plan. Die Politik zielt auf eine Diversifizierung der Elektrizitätsmatrix durch Energieerzeugung mittels Geothermie und Wasserstoff (blauer und grüner Wassrstoff). Im Juli 2022 gab es 245 laufende Projekte zu erneuerbaren Energien in Kolumbien, 217 Solar-, 19 Windanlagen. Für beide Typen gilt, dass noch keines der Projekte für einen Baubeginn reif ist. La Guajira weist die meisten Windprojekte auf (95 % aller Projekte landesweit). Bis 2031 sollen dort auch 60 Windfarmen installiert werden, was offensichtlich wiederum über die Köpfe der Anwohner und indigenen Gemeinschaften und Afrokolumbianer entschieden wurde.
Für die Nachbergbauzeit werden als Alternativen Tourismus und Landwirtschaft für die Kohleabbaugebiete diskutiert. Dabei ist noch unklar, wie die ehemaligen Minenarbeiter darin untergebracht werden und welche Einnahmen die Kommunen durch die Transition erhalten werden. Weiterhin werden "Steuer-freie Zonen" diskutiert. Die Bedürfnisse der Indigenen und Afro-Kolumbianer, ihre Tradition und Lebensweise müssen dabei besser als bisher berücksichtigt werden.
Die Ausstellung hat die problematische Herkunft der Steinkohle aufgezeigt, die Staaten wie Deutschland heute zum Decken ihres hohen Energiebedarfes verwenden. Der extraktivistische Abbau von Ressourcen hat in den kolumbianischen Departamentos La Guajira und El Cesar "Energielandschaften" erschaffen, die durch den Rohstoff Kohle geformt werden. Multinationale Konzerne wie Glencore ordnen das Wohlergehen der eigenen Arbeiter, den Erhalt der Umwelt und das Leben der Menschen in der Region dem bloßen Profitstreben unter. Der anhaltende bewaffnete Konflikt und strukturelle Probleme wie Korruption erschweren die Situation in Kolumbien.
Die multinationalen Konzerne sind für Erfolg und Profit auf die Nachfrage kohleimportierender Staaten wie Deutschland angewiesen. Somit stehen deutsche Energiekonzerne und Endverbraucher mit in der Verantwortung, die Bedinungen der kolumbianischen Steinkohleförderung zu verbessern. Zumindest kann eine intensive Auseinandersetzung mit dem Ursprung der Energie, die wir Tag für Tag so selbstverständlich nutzen, zu einer Reflektion des eigenen Konsumverhaltens anregen.
Die Herausforderungen sind immens - lokal in Kolumbien und in Deutschland, aber auch global.
Weiterführendes Videomaterial
- Exxon Corp/El Cerrejon Colombia 1988 - Ein Imagefilm der US-Firma Exxon Mobil aus dem Jahre 1988, der eine harmonische Koexistenz von Bergbauoperation und indigener Gemeinschaft in La Guajira propagiert.
- Grüner Wasserstoff aus Kolumbien - Ein Beitrag der Deutschen Welle, der Wasserstoffprojekte als mögliche Alternative zur Steinkohleförderung in La Guajira diskutiert.
- Kolumbien: Mehr Kohle für Europa - ARTE-Reportage zum Tagebauprojekt El Cerrejón, die die Folgen der Steinkohleförderung für die Umwelt und die lokale Bevölkerung thematisiert.
- La Guajira Le Habla Al País - Aktivistische Initiative der Bewohner La Guajiras, die zahlreiche erklärende Videos zu den Folgen des Tagebaus El Cerrejón auf spanischer Sprache anbietet.
- La oscura nube del Cerrejón en La Guajira - Spanischsprachiger Beitrag des journalistischen Kollektivs Liga contra el silencio, der in drei Teilen die Folgen der Steinkohleförderung in der Grube El Cerrejón für Anwohner, Umwelt und Arbeiter betrachtet.
- Wenig grüner Wasserstoff, viel schmutzige Kohle - Ein Beitrag der Tagesschau, der den Import kolumbianischer Kohle nach Deutschland problematisiert.
Forschungsliteratur
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Websites und Links
Extraktivismus
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- Lander, Edgardo: Lateinamerika: Neo-Extraktivismus als Entwicklungsmodell (Zusammenfassung des Vortrags im Eröffnungspanel der Konferenz „Rohstoffausbeutung und die Zukunft der Demokratie in Lateinamerika“ am 13. Mai 2014), Heinrich-Böll-Stiftung, Beitrag vom 17.07.2014, abrufbar unter https://www.boell.de/de/2014/07/16/lateinamerika-neo-extraktivismus-als-entwicklungsmodell.
- Lander, Edgardo: Neo-Extraktivismus – ein umstrittenes Entwicklungsmodell und seine Alternativen, Heinrich-Böll-Stiftung, Beitrag vom 09.09.2015, abrufbar unter https://www.boell.de/de/2015/09/08/neo-extraktivismus-ein-umstrittenes-entwicklungsmodell-und-seine-alternativen.
- POLEN Transiciones Justas. (2023). Resumen de política pública: Colombia tiene las condiciones para una transición del sector eléctrico planeada y progresiva más allá del carbón. abrufbar unter https://co.boell.org/sites/default/files/2023-12/resumen-reporte-polen-1-mp47w5vydoigvglr.pdf.
- Spiller, Ingrid: Rohstoffausbeutung und Demokratie in Lateinamerika, Heinrich-Böll-Stiftung, Beitrag vom 10.04.2014, abrufbar unter https://www.boell.de/de/2014/04/10/rohstoffausbeutung-und-demokratie-lateinamerika.
- Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestags: Aktueller Begriff - Extraktivismus (Nr. 21/21, 07.10.2021), abrufbar unter https://www.bundestag.de/resource/blob/865274/78df15502d8f1ad4e7a5c269b72ddeab/Extraktivismus-data.pdf.
Kohle und Energie in Kolumbien, Deutschland und der Welt
- Beitrag von Martin Kuebler und Tim Schauenberg: Dubai climate talks: What did they achieve? (DW, Climate, 13.12.2023).
- Links für die Umrechnungen Steinkohle-/Erdöleinheiten nach Joule: http://www.agenda21-treffpunkt.de/lexikon Megatonne_Steinkohleeinheiten.htm; https://home.uni-leipzig.de/energy/energie-grundlagen/03.html; https://www.energie-lexikon.info/oelaequivalent.html
- Primärenergie-Versorgung und Öläquivalent (bpb, kurz&knapp, 16.06.2023 ).
- Zahlen und Daten zu Kohleimporte nach Deutschland: https://www.destatis.de/DE/Themen/Branchen-Unternehmen/Energie/Verwendung/Tabellen/einfuhr-steinkohle-jaehrlich.html; https://de.statista.com/statistik/studie/id/123783/dokument/deutscher-import-von-fossilen-und-metallischen-rohstoffen/ und https://de.statista.com/statistik/daten/studie/41511/umfrage/deutschland-kohleverbrauch-in-millionen-tonnen-oelaequivalent/
- Braunkohlereviere in Deutschland: https://braunkohle.de/braunkohle-in-deutschland/braunkohlereviere/.
- Kohleabbau und Folgen in la Guajira: https://www.deutschlandfunkkultur.de/kohle-abbau-kolumbien-cerrejon-100.html (Deutschlandfunk); https://ourworldindata.org/energy/country/colombia#how-much-of-the-country-s-energy-comes-from-fossil-fuels (Our World in Data); https://rue.bmz.de/resource/blob/157250/2023-06-20-nextra-core-final-report-finalversion.pdf (UNU-FLORES).
- Energie in Deutschland: Trends und Hintergründe, 2013 (siehe Anhang 7, S. 59).
- Verbrauch von Primärenergie pro Kopf (bpb, kurz&knapp, 17.10.2016).
- CO2-Ausstoß Deutschland und weltweitafts (WirtschaftsWoche, 08.09.2023)
- GHG emissions of all world countries, Report 2023, Europäische Kommission Joint Research Centre.
- Größter Kohleverbrauch nach Ländern weltweit 2022 und 2023 (statista, 11.07.2024).
- Primärenergieverbrauch in Kolumbien (U.S. Energy Information Administration (EIA), 31.03.2022).