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Greven-Dorf im Rampenlicht

Die Geburt einer Stadt

Eine virtuelle Ausstellung von

"Die größte Stadt in Engelland ist London an der Themse. 

Das größte Dorf im Münsterland ist Greven an der Emse!"

Mehrere Anläufe Stadt zu werden

1888: Die ländlichen Teile der Gemeinde gaben 1888 in ihrem ersten Gesuch an, dass das Dorf immer mehr verstädtert sei. Der Amtmann leitete das Gesuch weiter an den Landrat. Dabei gab er in seinem Begleitschreiben an, dass es für die Bauerschaften nicht zumutbar sei, die im Dorf benötigten finanziellen Belastungen mitzutragen, weil für sie kein Nutzen dabei entstehe. Im Rahmen dieses Gesuchs wurde kein unmittelbarer Antrag auf die Verleihung des Stadtrechts eingereicht, jedoch resultierte daraus die Teilung des Kirchspiels in die drei Gemeinden zum 1. Oktober 1894.

1896: Die Versammlung Greven-Dorf beschloss am 4. April 1896 einen Antrag auf die Bezeichnung Stadt zu stellen, weil Greven-Dorf aufgrund der Industrialisierung enorm angewachsen sei. Nach amtlichen Angaben wohnten bereits im Jahr 1895 insgesamt 3.649 Personen dort. Der Antrag wurde von der Bezirksregierung im November negativ beschieden. Die Begründung war: „[Es] bleibt vor der Hand abzuwarten, ob die Entwicklung der Industrie in Greven, wie dies in den letzten Jahren geschehen ist, auch für die Folge weiterschreitet.“

1934: In der Sitzung der Gemeindevertretung vom 8. Juni 1934 stimmten die Gemeindeältesten nur unter der Bedingung zu, dass „die Gemeinde im Amtsverbande Greven verbleibe“. Man suchte im Stadtwerdungsprozess Unterstützung beim Deutschen Gemeindetag Provinzialstelle Westfalen und Lippe in Münster. Der Direktor der Institution erkundigte sich für den Amtsbürgermeister von Greven beim Oberpräsidium, welcher darauf hinwies, dass die Gemeinde ein eigenes kulturelles Leben auf­zuweisen habe. Die industrielle Entwicklung allein sei nicht ausschlaggebend. Auch die Bitte um Unterstützung beim Landrat blieb erfolglos.

Antwortschreiben des Deutschen Gemeindetages an den Amtsbürgermeister über die Verleihung der Bezeichnung Stadt vom 12. März 1937.

Vorbereitungen auf die Feierlichkeiten

Nach der Bestätigung der Stadtwerdung Ende November 1949 begannen sofort die Vorbereitungen für die Stadtwerdungsfeier. Die Feierlichkeiten waren für den 22. Januar 1950 angesetzt, sodass auch aufgrund der Weihnachtsfeiertage nur wenig Vorbereitungszeit blieb.

Aktenvermerk über die Rücksprache mit Regierungspräsident Hackethal über die Verleihung der Stadtrechte.

Festschrift

Aus Anlass der Feier beschloss der Gemeinderat Greven in seiner Sitzung am 15. Dezember 1949 auch eine Festschrift herauszugeben. Der Amtsdirektor bat u.a. die Industrie, den Handel und das Gymnasium Beiträge zu schreiben, die bis Anfang Januar vorliegen sollten. Der Rektor i. R. Heinrich Cordes überreichte einen „vorzüglichen“ Beitrag über die Sitten und Bräuche in Greven, der „viel zur Stärkung des Heimatgefühls der Grevener Bevölkerung beitragen wird“.

Der Vorstand der Ortsgruppe Greven des Deutschen Gewerkschaftsbundes bemängelt in seinem Schreiben vom 4. Januar 1950 an den Amtsdirektor bei der Gestaltung der Festschrift nicht beteiligt worden zu sein. Ein Zitat aus dem Schreiben: "Wir sind der Auffassung, wenn dies in Arbeiterkreisen bekannt wird, könnte sich das bei dem Vertrieb der Festschrift sehr nachhaltig auswirken".

Den Druckauftrag über 36 Textseiten und 12 Postkartengroße Fotos mit einer Auflage von 1.500 Stück erhielt die Buchdruckerei Franz Segger OHG (Münsterstr. 10, Greven). Die Festschrift war für 1,00 DM bei der Amtskasse erhältlich. 

Die Urkunde

Am 22. November 1949 wurde die Übertragung der Stadtrechte vom Innenminister Dr. Menzel per Urkunde bestätigt. Am 22. Januar 1950 wurden die Stadtrechte festlich verliehen und am 28. Januar 1950 durch das Amtsblatt der Regierung in Münster rechtskräftig.

Die "echte" Stadtwerdungsurkunde von 1950.

Die falsche Urkunde

Fälschlicherweise wird bis heute die Verleihungsurkunde vom 22. November 1949 des Künstlers Waldemar Mallek als „wahre“ Urkunde tituliert, obwohl diese u. a. über keine rechtsgültige Form der Besiegelung verfügt.

Die "falsche" Stadtwerdungsurkunde, gezeichnet von Waldemar Mallek.

Wappen und Siegel

Mit dem Erhalt der Stadtrechte 1950 wurde für Greven ein neues Wappen erstellt, welches bis heute gültig ist. Das Wappen zeigt die silberne Emspünte auf blauem Hintergrund. Es dürfte sich dabei um einen Entwurf des Graphikers Waldemar Mallek handeln. Diesen hatte die Stadtvertretung nach Beratungen mit dem damaligen Archivrat Dr. Prinz in der Sitzung am 15. Dezember 1949 ausgewählt und kurz darauf beauftragt.

Das Recht zum Tragen des neuen Wappens und einer weiß-blauen Fahne verlieh der Innenminister des Landes NRW der Stadt am 6. März 1950.

Das neue Wappen für die Stadt Greven.

Altes Grevener Wappen

Die Argumente für ein neues Wappen für die Gemeinde Greven-Dorf beruhten auf den damals neuesten historischen Erkenntnissen. Zum einen waren die gekreuzten Schwerter im bestehenden Wappen als Zeichen eines mittelalterlichen Freistuhls (Gerichtsort) zwar richtig, aber nichts Individuelles für Greven. Zum anderen hatte es schon Ende des 18. Jahrhunderts Versuche gegeben, ein Grevener Wappen ohne Erlaubnis des Münsterschen Domkapitels einzuführen.

Damals hatte man sich als Wahrzeichen Grevens ein Schiff ausgesucht, das - wie 1801 begründet wurde - sehr passend war, weil die Schifffahrt damals eine besondere Bedeutung für den Ort hatte. In der Tat war Greven lange Zeit der Endpunkt der Schifffahrt auf der Ems.
Durch einen Wellenschnitt (an der Ems) getrennt, erkennt man im oberen Feld eine Webspule, die für den Sitz bedeutender Textilindustrie steht. 

Das alte Wappen von Greven-Dorf.

Neues Wappen für das Amt Greven

Auch das Amt Greven erhielt am 27. November 1950 ein neues Wappen. Es war bis zur Auflösung des Amtes am 15. Mai 1954 gültig. In diesem geteilten Schild erkennt man im roten Feld oben den Heiligen Martin im silbernen Gewand, der seinen blauen Mantel mit einem silbernen Schwert durchteilt. Unten sieht man wieder einen blauen Wellenbalken, der die Lage an der Ems verdeutlicht.

Der Heilige Martin ist der Schutzpatron des Kirchspiels in Greven, auf dessen Gebiet das Amt Greven gegründet wurde.

Das neue Wappen für das Amt Greven, Künstler: Waldemar Mallek.

Amtskette

Der Landkreis Münster schenkte der jungen Stadt Greven eine neue Amtskette. Grevens damaliger Bürgermeister Anton Minnebusch mochte sie allerdings aus persönlichen Gründen nicht tragen: Am 19. Dezember teilte Stadtdirektor Dr. Drost dem Landrat Dr. Pottebaum mit, dass „Stadtbürgermeister Minnebusch […] aus dinglichen persönlichen Gründen nicht bereit [sei], die Amtskette im Rahmen der Festsitzung der Stadträte am 22. Januar 1950 anzulegen.“ Er bat sogar darum, dass der Stadt Greven die Kette zu einem späteren Zeitpunkt formlos zu überreichen sei, was er in einer Mitteilung vom 29. Dezember 1949 wiederholte.

Die Amtskette des Bürgermeisters der Stadt Greven von 1950.

„Die größte Stadt in Engelland ist London an der Themse.

Die größte Stadt im Münsterland ist Greven an der Emse!“

Wir haben gefragt, Sie haben geantwortet!

Bei der analogen Ausstellung im Grevener Rathaus baten wir die Besucher*innen unsere Ausstellung aktiv mitzugestalten. 

Welche Aspekte machen Greven für Sie zur Stadt?
Was verbinden Sie mit der Stadt Greven?

Die Antworten haben wir hier zusammengetragen. 

Jetzt sind Sie dran!

Haben Sie noch Fotos von den Feierlichkeiten oder aus dem Jahr 1950? 
Sind Sie bereit, diese mit dem Stadtarchiv und Interessierten der Ausstellung zu teilen?
Auch über Anekdoten oder Erinnerungen freuen wir uns. 

Kommen Sie vorbei, sprechen Sie uns an und bleiben Sie mit uns im Gespräch! https://www.greven.net/microsite/stadtarchiv/informationen/stadtarchiv_angebot.php