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Der Ideenwettbewerb zur Findung einer neuen Dürener Annakirche

Eine virtuelle Ausstellung von

Rahmenbedingungen: die Wettbewerbsausschreibung vom 20. September 1951

Nachdem die Pfarre St. Anna nach der schweren Zerstörung Dürens durch den Bombenangriff vom 16. November 1944 ihre große gotische Pfarrkirche im Herzen der Stadt verloren hatte, fanden die Gottesdienste in der weitgehend unbeschädigten Rektoratskirche St. Josef im Dürener Süden statt. Als am 21. Juli 1947 mit Maurus Stark ein Pfarrverweser für St. Anna in Düren eintraf, war dessen dringlichste Aufgabe, eine Notkirche im Stadtkern zu schaffen.

Dies erfolgte auf dem Gelände des St. Josef-Waisenhaus in der Waisenhausstraße, dem heutigen Standort des Seniorenheims Haus St. Anna, in zwei Ausführungen: einer kleinen Notkapelle, eingeweiht zum 21. November 1947, und einer Notkirche, die die Notkapelle ablöste, hineingebaut in die Ruine des halb zerstörten Waisenhauses. Nachdem dieses Bauwerk, das viel zu klein für die hohe Anzahl zurückkehrender Dürener war, Ende der 1940-Jahre fertiggestellt (benediziert am 5. Dezember 1948) und mit Heinrich Köttgen ein neuer Oberpfarrer für St. Anna berufen war, der sein Amt in Düren am 13. November 1949 antrat, konnte sich erstmals ausführlicher mit der Frage beschäftigt werden, was aus den Trümmern der gotischen Annakirche neu entstehen könnte.

Der Kirchenvorstand von St. Anna entschloss sich für die Beantwortung dieser Frage zur Ausschreibung eines beschränkten Architektenwettbewerbes. Hierfür trat man im Spätsommer 1951 an Regierungsbaumeister Karl Band, Professor Dominikus Böhm und Professor Rudolf Schwarz heran – allesamt Architekten, die heute der Kölner Schule zugeordnet werden – und bat sie um eine entsprechende Teilnahme. Alle drei Architekten zeigten sich interessiert und erarbeiteten in den nächsten Monaten ihre Vorschläge für eine neue Annakirche.

Als Vorgaben legte der Kirchenvorstand unter Punkt IV. Bauprogramm in seiner Wettbewerbsausschreibung vom 20. September 1951 Folgendes fest: rund 650 Sitzplätze und – „[m]it Rücksicht auf den Charakter der Wallfahrt“ – doppelt so viele Stehplätze. Zusätzlich weitere 140 Plätze auf einer Empore, 22 qm Platz für eine Orgel, vier Beichtstühle, eine Priester- und eine Knabensakristei sowie notwendige Nebenräume, wobei die Dimensionen von Sakristeien und Nebenräumen „mit Rücksicht auf den Charakter des Gotteshauses als Hauptkirche der Stadt und als Wallfahrtskirche“ entsprechend ausfallen sollten. Sodann forderte man eindringlich, dass „die Stellung des Annaschreines“ eine „[b]esondere Rücksicht verlangt“, weswegen diese Stellung Teil der Entwurfsarbeit und genau anzugeben sei. Weiter hält die Wettbewerbsausschreibung fest:

Ohne den Architekten zu eng zu binden, sollen möglichst folgende Gesichtspunkte berücksichtigt werden:

1. In der Gestaltung des Bauwerkes soll sich seine erhabene Bestimmung ausdrücken.

2. Eine markante Erscheinung des Gotteshauses in der Stadtsilhouette ist anzustreben.

3. Es wird Wert darauf gelegt, dass das vorhandene Steinmaterial berücksichtigt wird.

4. Der Kirchenbau soll möglichst so angelegt werden, dass er in mehreren Bauabschnitten errichtet und benutzt werden kann.

5. Es ist erwünscht, das romanische Südportal zu erhalten. Die Möglichkeit, das traditionelle Dürener Glockenspiel anzubringen, soll vorgesehen werden. Die Ostung der Kirche soll möglichst beibehalten werden. Soweit tunlich, sind die alten Fundamente zu benutzen. Überschreitungen des bisherigen Grundrisses sind innerhalb der Fluchtlinien nicht ausgeschlossen. [...]

Die drei Architekten konnten sodann aus Punkt VI. Leistungen der Wettbewerbsunterlagen des Weiteren ersehen, welche Unterlagen für das Preisgericht zu erarbeiten waren:

1. Grundriß, zugleich Lageplan

2. ggf. weitere Grundrisse 1:200

3. drei Schnitte mit Innenansichten 1:200

4. vier Ansichten 1:200. Eine davon kann fehlen, wenn sie im wesentlichen einer anderen Ansicht gleich ist.

5. eine Innenperspektive

6. eine Außenperspektive von dem im Lageplan angegebenen Standpunkt aus.

7. ein Modell

8. Kostenvoranschlag nach cbm umbauten Raumes unter Zugrundelegung des Preises von DM 40,-- für den cbm. Sollte sich nach Ansicht des Verfassers infolge der Konstruktion ein anderer cbm-Preis ergeben, ist dies zu begründen. Die Zeichnungen sollen mit Ausnahme der Innenperspektive nur schwarz-weiß sein.

Formale Prüfung der Einreichungen durch Regierungsbaurat Bohler

Nachdem die ursprüngliche Abgabefrist der drei Architekten vom 31. Dezember 1951 auf den 15. Januar 1952 verschoben worden war, oblag es ab dem 16. Januar 1952 dem Dürener Regierungsbaurat Heinrich Bohler die formale Prüfung der eingereichten Unterlagen von Band, Böhm und Schwarz vorzunehmen.

In der Vorbemerkung des entsprechenden Prüfungsberichtes merkte Bohler an, dass alle eingereichten Entwürfe den Grundriss der gotischen Vorgängerkirche überschritten, was seines Erachtens aber daran lag, dass die Thematik der baulichen Fluchtlinien und die Umgebungsbebauung an sich nicht bzw. nur sehr schwammig vom Preisgericht für die Architekten definiert und zur Kenntnis gebracht worden war.

Aus den Einzelbewertungen der insgesamt sechs eingereichten Entwürfe gelangte Bohler zum Fazit, dass alle soweit die formalen Richtlinien erfüllten, wenn auch sämtliche Kostenberechnungen der Architekten für ihn nicht nachvollziehbar und zu niedrig ausfielen. Drei der Entwürfe sprengten mit Summen über einer Millionen DM deutlich den vom Preisgericht den Architekten zur Kenntnis gebrachten Finanzrahmen von höchstens einer dreiviertel Millionen DM.

Siegerentwurf und anschließende öffentliche Diskussion

Nach den regen Diskussionen über die eingereichten Entwürfe sortierte das Preisgericht diese nach absteigender Bewertung. Als Sieger ging der Entwurf mit der Nummer 4 hervor, gefolgt von Nummer 1, 5b, 5a, 3 und zuletzt Nummer 2. Die Öffnung der Briefumschläge, die den jeweiligen Architekten zu den nur mit Nummern versehenden Einreichungen benannte, ergab dann, das Entwurf 1 von Band, die Entwürfe 2 und 3 von Böhm und 4 bis 5b von Schwarz stammten. Somit hatte Schwarz den Wettbewerb gewonnen.

Im Rahmen einer Ausstellung ab dem 1. März 1952 im Leopold-Hoesch-Museum, das ab diesem Stichtag auch für die Dürener erstmals seit der Zerstörung der Stadt vom 16. November 1944 wieder öffentlich zugänglich war, erfolgte die Präsentation des prämierten Modelles. Zugleich wurden auch die anderen Einreichungen von Schwarz, Böhm und Band gezeigt.

Das Echo in Düren und Umgebung zum beabsichtigten Neubau war dreigeteilt: Eine durchaus lautstarke Meinung war die Forderung nach einer möglichst weitgehenden Rekonstruktion der Annakirche, so wie sie bis zu ihrer Zerstörung gestanden hatte; eine andere die, den Entwurf von Schwarz auf jeden Fall als wegweisenden Neubau zu realisieren; irgendwo dazwischen befand sich die dritte Meinung, welche weder eine Rekonstruktion, noch eine Realisierung des Siegerentwurfs wollte.

Trotz aller geäußerten Kritik, setzten sich jedoch letztlich die Befürworter der neuen Annakirche durch und der Bau wurde ab Jahresende 1954 in Angriff genommen. Hierfür war bereits seit Januar 1951 mit der Trümmerbeseitigung auf der Fläche der einstigen gotischen Kirche die entsprechenden Voraussetzungen geschaffen worden.

Grundsteinlegung

Die feierliche Grundsteinlegung für den Neubau der Pfarre St. Anna erfolgte am 16. Januar 1955, im Rahmen des Winterannafestes, welches alljährlich an die Übertragung der Annareliquie 1501 von Mainz nach Düren erinnert. Der Dechant des Dekanates Düren, Josef Adolph, segnete den Grundstein und fügte die Urkunden der Grundsteinlegung, die in lateinischer Sprache gehalten und vom Dürener Künstler Willi Rixen gestaltet worden war, in sein Innerstes ein, ergänzt um weitere „Dokumente über das geschichtliche Werden der Stadt Düren und das Wachsen der Annapfarre und der -kirche mit den Tageszeitungen und einigen Münzen“.

Der Grundstein selber trägt die Inschrift 1954 ANNO MARIANO – wegen des ausgerufenem marianischen Jahres anlässlich der hundertsten Wiederkehr der Verkündung des Dogmas von der Unbefleckten Empfängnis Mariens war es ursprünglich vorgesehen gewesen hierzu passend bereits 1954 die Grundsteinlegung zu vollziehen, da in Düren durch die Verehrung der hl. Anna auch die hl. Maria, als deren Mutter, eine besondere Bedeutung besitzt. 

Nach nicht einmal zwei Jahren Bauzeit konnte die neue Kirche am 7. Juli 1956 durch den Aachener Bischof Johannes Pohlschneider konsekriert werden. Heute zählt sie zu den bedeutsamsten Sakralbauten von Rudolf Schwarz