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Eine virtuelle Ausstellung von

Einleitung

Staatsgeschenke werden in öffentlichem Rahmen als Teil eines diplomatischen Zeremoniells überreicht. Zwar sind die meisten Geschenke einzelnen politischen Personen gewidmet, das Eigentum an den Geschenken geht jedoch an die Bundesrepublik Deutschland.
Doch das war nicht immer so. Die Geschenke, die Konrad Adenauer als Bundeskanzler und Außenminister erhielt, gingen in sein Privateigentum über. Was heute unvorstellbar ist, war damals üblich. In der jungen Bundesrepublik gab es noch nicht die strenge Regelung zum Umgang mit solchen Geschenken, die wir heute haben.
Nicht nur Auslandsreisen und Staatsempfänge boten Anlass für Geschenke. Das politische Bonn stand still, wenn der Bundeskanzler Geburtstag feierte. Auf diesen – sich teils auf mehrere Tage erstreckenden – „Großveranstaltungen“ nahmen neben der Familie eine Vielzahl von, zum Teil auch internationalen, Gästen aus den Bereichen Politik, Wirtschaft und Kirche teil. Natürlich wurde das „Geburtstagskind“ dabei reichlich mit oft kostbaren und originellen Geschenken bedacht.
Anschließend wanderten die Geschenke mal in die Büros, blieben in Privat- oder Familienhand oder wurden mitunter an treue Angestellte weiterverschenkt. Einige besonders große oder wertvolle Objekte gab Adenauer an Museen weiter. Ein lebendiger kleiner Löwe, ein Geschenk der CSU, ging aus offensichtlichen Gründen an den Bonner Zoo.
Bei vielen Geschenken außerhalb von Staatsempfängen fällt es daher heute noch schwer, eine eindeutige Einordnung zu vollziehen: War das Geschenk an die (Privat-) Person Konrad Adenauer, an den Bundeskanzler oder irgendwie an beide gerichtet? Denn Adenauer pflegte auch persönliche Freundschaften zu ausländischen Politikern wie Charles de Gaulle. Dieser machte ihm beispielsweise auch drei Jahre nach dessen Kanzlerschaft noch ein wertvolles Geburtstagsgeschenk.
Dass sich die hier gezeigten Geschenke wieder im Besitz des Bundes befinden, ist der Tatsache zu verdanken, dass die Erben Adenauers seinen Nachlass der Bundesrepublik Deutschland schenkten.  Das Archiv der Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus in Bad Honnef-Rhöndorf verwahrt daher nicht nur den privaten schriftlichen Nachlass Adenauers, sondern auch eine Vielzahl von offiziellen und privaten Geschenken an Konrad Adenauer. Einige Highlights sind im historischen Wohnhaus Adenauers und in der Dauerausstellung der Stiftung zu sehen oder werden regelmäßig für Sonderausstellungen im In- und Ausland entliehen. Ein großer Teil der Objekte schlummert jedoch im Archiv.
Diese Ausstellung präsentiert einen Querschnitt durch die Geschenke an Konrad Adenauer.

Geschenke

Geschenke sagen viel aus über die Schenker ebenso wie über die Beschenkten. Staatsgeschenke bieten in erster Linie Einblicke in die landestypische Geschichte, Traditionen, Materialien und Kunstfertigkeiten des Herkunftslandes, die nicht immer zu den Vorlieben der Beschenkten passen müssen. Beispielsweise erhielt der Nichtraucher Adenauer nicht selten Zigarren und Zigarrenschneider.
Bei persönlicheren Anlässen wird aber die Mühe deutlich, dass das Geschenk auch gefallen sollte. So erhielt Gartenliebhaber Adenauer nicht selten Bücher über Botanik, Pflanzen und Skulpturen. Oft wurden ihm Dinge gewidmet oder trugen sein Abbild, was ihn besonders ehren sollte.

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Große Gesten

02
Staatsgeschenke und Geschenke ausländischer Würdenträger

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Zum Geburtstag

Auftritt der Kölner Prinzen-Garde

Auch Darbietungen wie Reden, Gesangs- oder Musikstücke, Tänze und Gedichte waren fester Bestandteil des Geburtstagszeremoniells.
Zu Ehren seines 88. Geburtstages spielte die Prinzen-Garde, ein Kölner Traditionskorps, das Adenauer aus seiner Heimatstadt bestens bekannt war, bei seiner Geburtstagsfeier im Beethovensaal der Bonner Redoute auf. Natürlich wurde ihm bei dieser Gelegenheit auch der aktuelle Sessionsorden verliehen. Im Außenbereich boten Dagmar Kotthof und Karl Heinz Zens, das Tanzpaar der Prinzen-Garde, eine mitreißende Tanzeinlage, die den Altkanzler sichtlich erfreute.

Fackelzug in Rhöndorf

Zu Ehren seines 90. Geburtstags veranstalten die Rhöndorfer am Abend des 8. Januar 1966 – dem Samstag nach dem eigentlichen Geburtstag am 5. Januar – einen Fackelzug, um ihrem bekanntesten Bürger zu gratulieren. Adenauer war gerührt über das Schauspiel, das er von seiner Terrasse aus sehen konnte. Er kam zur Straße und hielt spontan eine Dankesrede, die seine Liebe zu der Gegend und den Menschen widerspiegelt.
Einer der dort Versammelten nahm die Rede auf und stellte sie dem Archiv des Adenauerhauses erst kürzlich zur Verfügung.

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Weihnachten

Fruchtkorb aus Porzellan

Zum Weihnachtsfest 1958 erhielt Konrad Adenauer von der Wochenzeitung "Die Zeit" einen Fruchtkorb der Königlichen Porzellan Manufaktur Berlin (KPM). Auch wenn Adenauers Verhältnis zur "Zeit" und ganz allgemein zur Presse nicht immer spannungsfrei war, ließ sich der Auftraggeber diese Geste ganz schön was kosten.
Der aufwendig bemalte Fruchtkorb gehört zum Service Rocaille (ursprünglicher Name: Antikzierat) und ist mit dem Dekor 64 (Breslauer Stadtschloss) bemalt. Es handelt sich um einen der aufwändigsten Malereidekore, die in der KPM angeboten wurden und war dementsprechend teuer. Dazu kam noch die individuelle Widmung auf der Unterseite des Porzellans: "Herrn Bundeskanzler Konrad Adenauer Die Zeit Weihnachten 1958". Der Fruchtkorb erhielt einen prominenten Platz auf dem Esstisch des Bundeskanzlers.
Im Charlottenburger Schloss werden die Tische auch heute noch gelegentlich für Staatsempfänge mit Rocaille-Service im Dekor 64 gedeckt.



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Geschenke von Unternehmen und Vereinigungen

Nürburgringkarten

Vom Nürburgring erhielt Adenauer jährlich ein Geschenk, das alle Auto- und Motorsportfreunde begeistern dürfte: die Erlaubnis zum Befahren des Nürburgrings. Die 1927 eingeweihte Motorsport-Rennstrecke in der Eifel wurde zu Adenauers Zeiten noch als Landesbetrieb geführt und ein ausgewählter Personenkreis erhielt Jahresausweise.
Adenauer liebte schnelle Autofahrten, besaß selbst aber keinen Führerschein. Es ist nicht überliefert, ob Adenauer Gebrauch von dem Geschenk machte.
Ähnliche Aufmerksamkeiten, wie die Jahreskarten für die Fähre in Königswinter, nutzte er dagegen nachweislich regelmäßig.

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Zum Rücktritt als Bundeskanzler

Samowar

Der silberne Samowar ist reichlich mit Darstellungen von Vögeln, Hunden, Schwänen und Drachen verziert, der Zapfhahn aus Horn gefertigt. Ursprünglich wurden Samoware zur Heißwasseraufbereitung gefertigt, bei Modellen mit aufsitzender Kanne kann zudem Tee zubereitet werden. Ob diese Schmuckausfertigung von Adenauer jemals genutzt wurde, ist nicht überliefert. Sie scheint ihm jedoch gefallen zu haben, denn zu Lebzeiten stand der Samowar auf einer Anrichte in seinem Esszimmer.
Das Diplomatische Korps schenkte ihm den Samowar zum Abschied als Bundeskanzler am 15. Oktober 1963.

Porträt

Der israelische Botschafter Felix Shinnar überreichte Adenauer zum Rücktritt im Auftrag der Regierung Israels ein außergewöhnliches Portrait. Dabei handelt es sich um eine Arbeit des israelischen Künstlers Pinchas Litvinovsky, der bereits berühmte Persönlichkeiten wie Albert Einstein oder David Ben-Gurion verewigt hatte. Die Geste wurde durch eine Rede Shinnars auf Adenauer unterstrichen: „Sie haben die Bundesrepublik Deutschland von einer nahezu aussichtslosen Ausgangsposition zurückgeführt in die Familie der freiheitsliebenden Völker; rechtsstaatliche und freiheitliche Ordnung wurden in der Ära, die Ihren Namen trägt, zur Grundlage des Staatsgefüges. Mit dieser Ihrer Leistung haben Sie die Achtung der Welt einschließlich Ihrer politischen Gegner für Ihr Volk zurückgewonnen. (…) nimmt Ihre Einstellung und Ihre Beziehung zum jüdischen Volk und zum Staat Israel in unseren Augen und wie ich glaube in den Augen der ganzen Welt, einen Ehrenplatz ein (…).“
Shinnar würdigte Adenauer bei der Bildübergabe mit einer bewegenden Rede: „Sie haben die Bundesrepublik Deutschland von einer nahezu aussichtslosen Ausgangsposition zurückgeführt in die Familie der freiheitsliebenden Völker; rechtsstaatliche und freiheitliche Ordnung wurden in der Ära, die Ihren Namen trägt, zur Grundlage des Staatsgefüge. Mit dieser Ihrer Leistung haben Sie die Achtung der Welt einschließlich Ihrer politischen Gegner für Ihr Volk zurückgewonnen.“
Für Adenauer eine große Ehre und ein sehr bewegender Moment zum Abschluss seiner Kanzlerzeit.

Danke

für die freundliche Unterstützung an:

Konrad-Adenauer-Stiftung e.V.
Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin GmbH
Museum für Ostasiatische Kunst Köln
Nürburgring 1927 GmbH & Co. KG
Prinzengarde Köln 1906 e.V.