Leuchtende Kirchenfenster
– zwei Generationen Glaskünstler Klonk
Eine virtuelle Ausstellung von
Glasmalerei-Entwürfe von E. Jakobus Klonk und Erhardt Klonk
375 realisierte Glasmalerei-Entwürfe von E. Jakobus Klonk zählt das Landeskirchliche Archiv Kassel zu seinen Beständen. 2011 konnten die im Maßstab 1 : 10 angefertigten Aquarelle als Vorlass des Künstlers übernommen und erschlossen werden. Gleiches gilt für den Nachlass seines Vaters Erhardt Klonk (177 zumeist realisierte sakrale Glasmalerei-Entwürfe).
Erhardt Klonk (1898-1984) wirkte als Maler, Zeichner und Glaskünstler. 1937 gründete er eine Werkstatt in Marburg und stattete mehrere hessische Dorfkirchen mit Sakralfenstern aus. Er erhielt einen Ruf an die Staatliche Kunstakademie Düsseldorf. Nach dem Zweiten Weltkrieg wirkte Klonk als Schauspieler und Bühnenbildner in Marburg. 1955 gründete er aufs Neue eine eigene Werkstatt als Glasmaler. Ausgeführte Arbeiten finden sich u.a. in Kirchen in Hessen, NRW und in der Pfalz.
Sein Sohn Erhardt Jakobus wurde 1932 als zweiter von fünf Söhnen geboren. Er absolvierte eine Ausbildung als Maler und Glaskünstler. Die Meisterprüfung legte er, der sich nun E. Jakobus nennt, nach der Akademiezeit ab. Bis 1970 arbeitete er mit seinem Vater in einer gemeinsamen Werkstatt. Danach führte er ein eigenes Atelier in Oberrosphe. Sein Schaffen hat vielfältige Spuren in Sakralbauten in Hessen, Thüringen, Niedersachsen und NRW hinterlassen.
Schöpfung und Vertreibung aus dem Paradies
Die Evangelische Stadtkirche in Annweiler am Trifels wurde bei einem Luftangriff Ende 1944 stark beschädigt und 1950 bis 1953 nach Plänen von Otto Seibel wiederaufgebaut. Während das barocke Schiff die alte Form weitgehend behielt, wurde der gotische Chor durch einen halbrunden Neubau ersetzt. Für ihn entwarf Erhardt Klonk 1952 Glasfenster.
Das nordöstliche der fünf Fenster zeigt Motive aus den ersten drei Kapiteln des Buches Genesis, von dem Geist Gottes über dem Wasser am Anfang über die Schöpfung, den Sündenfall und die Vertreibung aus dem Paradies bis hin zum mühevollen Leben jenseits von Eden. Die Mitte der acht Fensterzonen bildet das freundliche Bild von Mann und Frau, die Gott als zwei Teile einer Einheit geschaffen hat (Genesis 2, 21 ff.).
Jona unter der Rizinusstaude
Der niedersächsische Ort Offleben war bis 1990 von der nahen innerdeutschen Grenze und noch gut ein Jahrzehnt länger vom Braunkohleabbau geprägt. Vielleicht beeinflusste der Wunsch nach anderen Verhältnissen die Auswahl der Geschichte von Jona für vier Fenster der evangelisch-lutherischen Kirche St. Georg in Offleben. E. Jakobus Klonk entwarf sie 1974/75. Das letzte Fenster zeigt den Propheten Jona, den der Erfolg seiner Bußpredigt ärgert. Gott verzichtet auf den Untergang der Stadt Ninive, an die der Straßenplan in der Bildmitte erinnert, weil die Menschen ihr Verhalten bereut und geändert haben (Jona 3 – 4).
Der Ärger des Jona verhindert nicht, dass er unter seiner Rizinusstaude wie durch Ranken verwachsen ist mit den einsichtigen Menschen in Ninive und der Figur über ihnen, vielleicht ihr König, der die Umkehr angeordnet hat.
Umweltzerstörung
Analog zur kommunalen Gebietsreform schlossen sich 1973 Dörnhagen, Dennhausen und Dittershausen auch kirchlich zur Gemeinde Fuldabrück zusammen. 2019 kam Bergshausen hinzu. Neben den alten Kirchen in den Dorfkernen dient für Gottesdienste auch der Kirchsaal im Gemeindehaus, das 1973 zwischen Dennhausen und Dittershausen errichtet wurde.
Für die raumgreifende Fensterwand in diesem Saal entwarf E. Jakobus Klonk 1989 eine Verglasung. In der schwarz gezeichneten Querachse zeigt sie treibende Kräfte der Zerstörung, unterbrochen von dem bunt aufsteigenden Gebet: „Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir. Wenn du die Sünden anrechnest, Herr, wer kann bestehen?“ (Psalm 130, 1.3)
Jesus und die Kinder
Das Atelier von E. Jakobus Klonk im Dorf Oberrosphe bei Marburg, in dem 1996 vermutlich auch dieser Entwurf entstand, und die lutherische Jubiläumskirche in Tokyo als Ort der entsprechenden Glasgemälde liegen denkbar weit auseinander. Der Zyklus für diese Kirche nimmt vor allem Motive aus den Evangelien auf. Das äußere rechte von vier Fenstern für die Altarwand zeigt laut Entwurf „Jesus und die Kinder“. Es bezieht sich auf die Geschichte von Kindern, die gegen den Widerstand der Jünger zu Jesus kommen und gesegnet werden (Markus 10, 13 – 16 und Parallelen). Zu erkennen sind Kinder, die mit offenen Armen in einer Aufwärtsspirale der segnenden Hand entgegenlaufen.
Schützender Engel, Apokalypse
Die 1893 in Dienst genommene evangelische Johanneskirche blieb weitgehend unversehrt, als Gießen bei dem Luftangriff am Nikolaustag 1944 zerstört wurde. Die Glasfenster gingen jedoch zu Bruch. Als 1962 bis 1965 der Kirchenraum neugestaltet wurde, entwarf Erhardt Klonk einen Fensterzyklus mit Motiven aus dem letzten Buch der Bibel, der Apokalypse. Die Visionen vom Untergang und dem Anbruch der neuen Welt Gottes erinnern an die Schrecken des Weltkriegs und an den wunderbaren Erhalt der Johanneskirche. Das Rundfenster über der Orgel zeigt den schützenden Engel mit Gottes Siegel, der die strafenden Engel an den vier Enden der Erde aufhält: „Tut der Erde und dem Meer und den Bäumen keinen Schaden, bis wir versiegeln die Knechte unseres Gottes.“ (Offenbarung 7, 3)
Himmlisches Jerusalem
Hoch über dem oberen Lahntal steht die spätromanische Nikolaikirche von Caldern, die von 1250 bis zur Reformation 1527 zu einem Zisterzienserinnenkloster gehörte. Für den gewölbten Raum aus Hauptschiff mit Ostapsis, nördlichem Seitenschiff und Raum im Westturm entwarf Erhardt Klonk von 1965 bis 1978 einen Zyklus von Glasgemälden.
Neben mehreren Rund- und Spitzbogenfenstern ist darunter ein kreisrundes. Es erhellt von Westen her den ebenerdigen Raum im Turm, der zum Schiff hin geöffnet ist und ein romanisches Taufbecken enthält. Das Rundfenster zeigt die Vision des Johannes vom himmlischen Jerusalem, das am Ende der Zeit von Gott zu den Menschen kommt (Offenbarung 21). Zwölf Tore mit zwölf Engeln umgeben das Lamm Gottes.
Leben Christi
Die im Zweiten Weltkrieg stark zerstörte evangelische Alexanderkirche in Zweibrücken ist bis 1955 wiederaufgebaut worden. Die Gestaltung der Fenster wurde nach einem Wettbewerb Erhardt Klonk übertragen, der sich mit den Themen Geburt, Passion und Auferstehung Christi auseinandersetzte.
Weihnachten 1
Für E. Jakobus Klonk ist das Einfühlungsvermögen in den jeweils gegebenen architektonischen Raum ganz wesentlich. So wird das Kirchenschiff der Evangelischen Kirche in Cölbe-Schönstadt durch seine Fenster zu einem stimmigen Ganzen vollendet.
Taube mit dem Olivenblatt
Farbglasfenster nach Entwürfen von E. Jakobus Klonk gehörten schon zu dem Gebetsraum, den die jüdische Gemeinde Marburg seit 1989 in dem städtischen Haus Pilgrimstein 25 nutzte. Als die Gemeinde 2005 in ihre Synagoge umzog, die in einem Verwaltungsbau im Art-déco-Stil eingerichtet wurde, nahm sie die Glasbilder mit. Erhardt Jakobus Klonk entwarf 2007 ergänzende Teile. Die Taube mit dem Olivenblatt im Schnabel ist ein Motiv aus der Geschichte der Sintflut (Genesis 8, 11). Sie erinnert an den Aufbruch mit Gott in eine neue, bessere Zukunft.