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»Zeit aus den Fugen«

Das Krisenjahr 1923

Eine virtuelle Ausstellung der Deutschen Digitalen Bibliothek

in Zusammenarbeit mit

»Die Zeit ist allzu sehr aus den Fugen.
Jeder fühlt etwas Bedrohliches in nächster Nähe, niemand weiß, was wird.«

So beschreibt der Romanist Victor Klemperer die Situation in Deutschland im Jahr 1923. Ein Jahr, in dem die Geldentwertung in Deutschland schwindelerregende Ausmaße annahm, das politische System dem Kollaps nahe war, rechte und linke Extremisten zum Sturm auf die Republik ansetzten und separatistische Bestrebungen im Rheinland den Bestand des Reiches bedrohten. Im Herbst 1923 stand das Land buchstäblich am Abgrund.

Zum diesjährigen Gedenken an die Geschehnisse vor hundert Jahren zeichnet die virtuelle Ausstellung die Entwicklungen nach, die das Jahr 1923 zum "Krisenjahr" der jungen Weimarer Republik werden lassen. Die Ausstellung wurde von der Deutschen Digitalen Bibliothek in Kooperation mit dem Bundesarchiv und mit Unterstützung des Deutschen Historischen Museums umgesetzt.

*Titelbild: Paul Klee, Seiltänzer, Druck, 1923, aus der Sammlung von: Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett/ Jörg P. Anders, CC BY-SA 4.0

Mit der Novemberrevolution 1918 wurde in Deutschland die konstitutionelle Monarchie durch die parlamentarische Demokratie abgelöst. Schon die ersten Jahre der Weimarer Republik, benannt nach dem Ort der Verabschiedung ihrer Verfassung, erwiesen sich politisch als äußerst schwierig: Die Last der Reparationszahlungen, die fehlende Akzeptanz der neuen Staatsform in der Bevölkerung und ein aufkeimender Extremismus stellten die junge Demokratie vor eine Zerreißprobe.

In eine nahezu ausweglose Krise geriet die Weimarer Republik, als nach einer geringfügigen Verzögerung der deutschen Reparationsleistungen französische und belgische Truppen am 11. Januar 1923 das Ruhrgebiet besetzten. Daraufhin proklamierte die Reichsregierung den "passiven Widerstand", ein Generalstreik lähmte die Wirtschaft.

Die Inflation geriet nun völlig außer Kontrolle: Als sie im November 1923 den Höhepunkt erreichte, hatte die Währung ihre Funktion als Tauschmittel verloren. Die Ersparnisse ungezählter traumatisierter Menschen waren vernichtet – und mit ihnen das Vertrauen in den Staat: Für Republik und Demokratie waren Millionen Deutsche unwiederbringlich verloren.

Von Sachsen und Thüringen aus bedrohten 1923 kommunistische Aufstände die Republik, im Westen strebten Separatisten die Loslösung des Rheinlandes vom Deutschen Reich an. Die ebenfalls zum Kampf gerüstete Rechte spann ihre Fäden zunehmend in München. Von hier aus wollte der Nationalsozialist Adolf Hitler zum "Marsch nach Berlin" ansetzen. Sein Putschversuch auf dem Höhepunkt der rasenden Inflation scheiterte am 9. November 1923 aber nach nur wenigen hundert Metern im Kugelhagel der Polizei. Damit war die schwerste Gefahr für den Staat abgewendet.

In der Ausstellung wird nachvollzogen, wie die verschiedenen Entwicklungen ineinandergreifen und wie das Krisenjahr schließlich mit dem Putschversuch in München endet.

01
Beginn des Krisenjahres: Die Ruhrbesetzung

Aus dem Ruhrgebiet als wichtigstem deutschen Industriegebiet erhielt Frankreich im Jahr 1922 als Kriegsreparation neben Stahl und Holz 45.000 Tonnen Kohle und Koks – nicht pro Monat, pro Tag.

Ende Dezember 1922 stellte die alliierte Reparationskommission einen Lieferrückstand deutscher Reparationen an Frankreich fest; dies bot im Januar 1923 den Vorwand für den Einmarsch von fünf französischen Divisionen und einigen belgischen Einheiten ins Ruhrgebiet, über welches die Franzosen sofort den Ausnahmezustand verhängten.

»Es ist wenig, bitter wenig, meine Damen und Herren, was wir der Gewalttat äußerlich entgegensetzen können.
Was wir ihr innerlich entgegensetzen können und müssen, ist mehr: Wille und Entschluß!«*

In Deutschland löste der Einmarsch einen parteiübergreifenden Sturm der Entrüstung aus. Reichskanzler Cuno ruft zum "passiven Widerstand" auf und lässt die Kohlelieferungen an Frankreich und Belgien einstellen. Beamten wurde verboten, Befehle der Besatzer zu befolgen.

* Reichskanzler Wilhelm Cuno im Reichstag; Rede anläßlich der Besetzung des Ruhrgebiets durch französische und belgische Truppen, 13. Januar 1923 (286. Sitzung)

Reichskanzler Cuno warb deutschlandweit für die Unterstützung des Widerstands gegen die Ruhrbesetzung.

Auch der aktive Widerstand nahm während der Ruhrbesetzung kontinuierlich zu. Nationalisten und Kommunisten verübten Sabotage- und Sprengstoffanschläge gegen die feindlichen Besatzer. Zum Tode verurteilte Saboteure wie der Nationalsozialist Albert Schlageter fielen in Deutschland Märtyrerrollen zu.

Brutalität und Willkür der Besatzer im Ruhrgebiet waren Hauptmotive der gegen Frankreich und Belgien gerichteten Bildpropaganda der Deutschen.

Streiks, die wirtschaftliche Absperrung des Ruhrgebiets und Produktionsausfälle ruinierten die deutsche Wirtschaft 1923. Die Kosten des passiven Widerstands überstiegen die Reichsfinanzen bei weitem, die Inflation nahm erschreckende Ausmaße an. Angesichts der massiven Wirtschafts- und Ernährungsprobleme sowie der rasenden Hyperinflation gab die Reichsregierung unter dem neuen Reichskanzler Gustav Stresemann den passiven Widerstand am 26. September 1923 auf.

Die Bayerische Staatsregierung reagierte noch am selben Tag angesichts der nationalistischen und separatistischen Proteste gegen die Einstellung des passiven Widerstandes mit der Verhängung des Ausnahmezustandes in Bayern. Aus Furcht vor einer drohenden Eskalation des Konflikts zwischen Bayern und dem Reich folgte am nächsten Tag die umgehende Verhängung des Ausnahmezustands über das gesamte Reichsgebiet durch Reichspräsident Friedrich Ebert.

Gustav Stresemann ist ab 13. August 1923 Reichskanzler.

02
Von der Inflation zur Hyperinflation

Die Auswirkungen der Ruhrbesetzung auf die wirtschaftliche Lage trafen auf eine schon seit Jahren andauernde Geldentwertung. Seit Beginn des Ersten Weltkrieges 1914 vermehrte sich im Deutschen Reich die umlaufende Geldmenge und führte zu einer kontinuierlichen Geldwertverschlechterung und sinkender Kaufkraft. Mit der militärischen Niederlage 1918 blähte sich die Geldmenge weiter auf. Nach Bekanntgabe der im Londoner Ultimatum von 1921 festgesetzten Höhe der alliierten Reparationsforderungen beschleunigte sich die Inflation nochmals. Als sie im November 1923 ihren Höhepunkt erreichte, waren die Ersparnisse zahlloser Familien vernichtet. Vor allem die völlige Entwertung der als mündelsicher angesehenen Kriegsanleihen führte zu einem immensen Vertrauensverlust in den Staat und erwies sich als äußerst schwere Hypothek der Weimarer Republik.

"Nichts hat das deutsche Volk – dies muss immer wieder ins Gedächtnis gerufen werden – so erbittert, so hasswütig, so hitlerreif gemacht wie die Inflation", schrieb Stefan Zweig in "Die Welt von gestern". Und auch der Publizist Sebastian Haffner kam in seiner 1939 im englischen Exil verfassten "Geschichte eines Deutschen" zu dem Ergebnis, das Jahr 1923 habe "Deutschland fertig" gemacht – "nicht speziell zum Nazismus, aber zu jedem phantastischen Abenteuer".

Tatsächlich hatte sich die Krisenerfahrung von 1923 tief in die kollektive Mentalität der Deutschen eingebrannt. Dass alles wankte, es keine Sicherheiten mehr gab und auf nichts Verlass war – das wirkte als Trauma nach.

03
Herbst politischer Unruhen

Im Herbst 1923 schien Deutschland im Chaos zu versinken: Die Hyperinflation erreichte immer neue Rekordwerte, Geld war faktisch wertlos, in Sachsen und Thüringen bildeten sich im sogenannten deutschen Oktober "proletarische Arbeiterregierungen", Bayern war auf scharf rechtsgerichteten Konfrontationskurs zur demokratischen Reichsregierung unter Gustav Stresemann gegangen, im Rheinland und in der Pfalz konnten Separatisten auf die tatkräftige Unterstützung Frankreichs zählen. Verkünder politischer Heilslehren hatten Konjunktur. Während die Kommunisten über eine Revolution nach russischem Vorbild nachdachten, hielten völkische Nationalisten und extrem Konservative aus Industrie, Politik und Militär die Zeit reif für eine Diktatur. 

Auf Anordnung von Reichspräsident Friedrich Ebert wurde der Ausnahmezustand über das Deutsche Reich verhängt. Die vollziehende Gewalt lag bei Reichswehrminister Otto Geßler.

Die politische Atmosphäre in Bayern hatte der 1922 in Preußen und anderen Landesteilen verbotenen Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) unter Führung Hitlers geradezu ideale Bedingungen zur ungestörten Entfaltung und zur Etablierung als eine der führenden Kräfte im rechtsextremen Lager geboten. Der Grundstein für den Hitler-Ludendorff-Putsch war gelegt.

Neustadt bei Coburg/ Bayern: Hauptquartier der "Brigade Erhardt" - Vorbereitung zum Hitler-Ludendorff-Putsch

04
Der Hitler-Ludendorff-Putsch

Von den krisenhaften Entwicklungen im Laufe des Jahres 1923 konnte die NSDAP stark profitieren. Ihre Mitgliederzahl stieg sprunghaft auf 55000; sie hatte sich in Bayern zur aktivsten rechtsradikalen Kraft entwickelt. Die SA gehörte zum "Deutschen Kampfbund", einem Zusammenschluss der drei radikalsten (von Reichswehroffizieren ausgebildeten) Wehrverbände, der von Hitler und Erich Ludendorff – inzwischen die Galionsfiguren des deutschvölkischen Lagers – geleitet wurde.

Noch in der Nacht trafen Kahr, Lossow und Seißer Maßnahmen zur Unterdrückung des Putsches.

Bekanntmachung. Durch einen Putsch Hitler-Ludendorff wurde die verfassungsmäßige Regierung für abgesetzt erklärt. Die verfassungsmäßige Regierung besteht weiter. Sie fordert die gesamte Beamtenschaft, Polizei und das bayer. Kontingent der Reichswehr auf, ihrer verfassungsmäßigen Regierung treu zu bleiben und den Revolutionäen den Dienst zu verweigern. Wer dem entgegenhandelt, wird als Hochverräter behandelt (...). Weitere Bekanntmachungen werden erfolgen. Den 9. November 1923. Für das verfassungsmäßige Gesamtministerium: Dr. Matt
Aufruf der Bayerischen Regierung

05
Abschluss

Mit dem gescheiterten Putsch im Bürgerbräukeller waren die Diktaturpläne der rechten Kräfte fürs Erste diskreditiert. "Das Schlagwort der nationalen Diktatur ist in seiner Hohlheit entlarvt", kommentierte der Journalist Ernst Feder im liberalen "Berliner Tageblatt". Ungewollt hatten Hitler und Ludendorff dazu beigetragen, die verhasste Republik von Weimar zu festigen.

Die Nachkriegskrisen hatten also 1923 mit ihrem Gipfel zugleich auch ihr Ende erreicht. Für die Weimarer Republik beginnt eine Phase relativer politischer Stabilität und wirtschaftlichen Aufschwungs – Kunst, Kultur und Wissenschaft erleben eine Blütezeit. Die sogenannten "Goldenen Zwanziger" enden mit der im Oktober 1929 beginnenden Weltwirtschaftskrise.

Quellen

Burkhard Asmuss: Weimarer Republik - Der Hitler-Putsch 1923, letzte Änderung: 12. Juli 2019, © Deutsches Historisches Museum, CC BY NC SA 4.0
https://www.dhm.de/lemo/kapitel/weimarer-republik/innenpolitik/hitler-putsch-1923.html

Burkhard Asmuss, Klaus-Peter Merta: Weimarer Republik - Die Neugründung der NSDAP 1925, 14. September 2014, © Deutsches Historisches Museum, CC BY NC SA 4.0
https://www.dhm.de/lemo/kapitel/weimarer-republik/innenpolitik/neugruendung-der-nsdap-1925.html

Bundesarchiv: WEIMARER REPUBLIK (1918-1933) - Auftakt des Prozesses gegen Adolf Hitler, © 2023 Bundesarchiv
https://weimar.bundesarchiv.de/WEIMAR/DE/Content/Dokumente-zur-Zeitgeschichte/1924-02-26_hitler-prozessbeginn.html

Michael Kunzel: Weimarer Republik - Die Inflation, 14. September 2014, © Deutsches Historisches Museum, CC BY NC SA 4.0
https://www.dhm.de/lemo/kapitel/weimarer-republik/innenpolitik/inflation-1923.html

Andreas Michaelis: Wilhelm Cuno - Biographie, 14. September 2014, © Deutsches Historisches Museum, CC BY NC SA 4.0
https://www.dhm.de/lemo/biografie/wilhelm-cuno.html

Martin Schlemmer: Die Rheinlandbesetzung (1918-1930), in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen am 1. November 2023
https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/die-rheinlandbesetzung-1918-1930/DE-2086/lido/57d133f17e43d1.98845861

Arnulf Scriba: Die Weimarer Republik, 6. September 2014, © Deutsches Historisches Museum, CC BY NC SA 4.0
https://www.dhm.de/lemo/kapitel/weimarer-republik

Arulf Scriba: Weimarer Republik - Die Währungsreform 1923, 6. August 2015, © Deutsches Historisches Museum, CC BY NC SA 4.0
https://www.dhm.de/lemo/kapitel/weimarer-republik/innenpolitik/waehrungsreform-1923.html

Arnulf Scriba: Weimarer Republik - Hunger und soziales Elend, 2. September 2014, © Deutsches Historisches Museum, CC BY NC SA 4.0
https://www.dhm.de/lemo/kapitel/weimarer-republik/alltagsleben/hunger-und-elend.html

Arnulf Scriba: Weimarer Republik - Der Versailler Vertrag, 2. September 2014, © Deutsches Historisches Museum, CC BY NC SA 4.0
https://www.dhm.de/lemo/kapitel/weimarer-republik/aussenpolitik/versailler-vertrag.html

Arnulf Scriba: Weimarer Republik - Reparationen, 2. September 2014, © Deutsches Historisches Museum, CC BY NC SA 4.0
https://www.dhm.de/lemo/kapitel/weimarer-republik/aussenpolitik/reparationen)

Arnulf Scriba: Weimarer Republik - Die Ruhrbesetzung, 10. Mai 2022, © Deutsches Historisches Museum, CC BY NC SA 4.0
https://www.dhm.de/lemo/kapitel/weimarer-republik/aussenpolitik/ruhrbesetzung-1923.html

Arnulf Scriba: Weimarer Republik - Der "deutsche Oktober" 1923, 14. September 2014, © Deutsches Historisches Museum, CC BY NC SA 4.0
https://www.dhm.de/lemo/kapitel/weimarer-republik/innenpolitik/deutscher-oktober-1923.html

Arnulf Scriba: Weimarer Republik - "Ordnungszelle" Bayern, 17. September 2014, © Deutsches Historisches Museum, CC BY NC SA 4.0
https://www.dhm.de/lemo/kapitel/weimarer-republik/innenpolitik/ordnungszelle-bayern.html

Reinhard Sturm: Kampf um die Republik 1919 - 1923, aus: Informationen zur politischen Bildung (Heft 261) - Kampf um die Republik 1919-1923 (2011), XX
https://www.bpb.de/themen/nationalsozialismus-zweiter-weltkrieg/dossier-nationalsozialismus/39531/kampf-um-die-republik-1919-1923/

Volker Ullrich: 1923 als Schlüsseljahr für 1933? Aus Politik und Zeitgeschichte/bpb.de, 20. Januar 2023, CC BY-NC-ND 3.0 DE
https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/deutschland-1933-2023/517470/1923-als-schluesseljahr-fuer-1933/

Anja Wulfert: Weimarer Republik - Separatistenbewegung, 14. September 2014, © Deutsches Historisches Museum, CC BY NC SA 4.0
https://www.dhm.de/lemo/kapitel/weimarer-republik/innenpolitik/separatistenbewegung.html

Benedikt Weyerer: Bürgerbräukeller, München, publiziert am 11. Mai 2006; in: Historisches Lexikon Bayerns, München, abgerufen am 1. November 2023
http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Bürgerbräukeller

Bildnachweise

Titelbild: Paul Klee, Seiltänzer, Druck, 1923, aus der Sammlung von: Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett/ Jörg P. Anders, CC BY-SA 4.0

Kapitelbild 1: Postkarte mit Gemäldereproduktion zur Ruhrbesetzung, vermutlich 1923, aus der Sammlung von : Deutsches Historisches Museum (Inv. Nr.: PK 2004/589), Rechte vorbehalten - Freier Zugang

Kapitelbild 2: Postkarte mit symbolischer Abbildung zur Inflationszeit, 1923, Verleger: Otto Gustav Zehrfeld, aus der Sammlung von: Deutsches Historisches Museum (Inv. Nr.: PK 2014/2017), Rechte vorbehalten - Freier Zugang

Kapitelbild 3: Kladderadatsch: "Auch eine Hunnenschlacht", aus der Satirezeitschrift Kladderadatsch, Hefte 46/47, Jg. 76, aus der Sammlung von: Universitätsbibliothek Heidelberg, Rechte vorbehalten - Freier Zugang

Kapitelbild 4: Bürgerbräukeller, 1915, aus der Sammlung von: Stadtarchiv München (DE-1992-FS-PK-STB-02625), Rechte vorbehalten - Freier Zugang

Textnachweise

"Die Preistafel zeigte 6.000 M. Das verschwand, während sie trank. Beim Kassieren verlangte der Kellner 12.000. Sie sagte, es hätte doch vorhin dort 6.000 gestanden. Ach, Sie waren schon während des alten Preises hier? Dann zahlen Sie 6.000!"
Victor Klemperer, Leben sammeln, nicht fragen wozu und warum. Tagebücher 1918–1924, hrsg. von Walter Nowojski, Berlin 1996, S. 725 (2./3.8.1923).

"Nichts hat das deutsche Volk – dies muss immer wieder ins Gedächtnis gerufen werden – so erbittert, so hasswütig, so hitlerreif gemacht wie die Inflation."
Stefan Zweig, Die Welt von gestern. Erinnerungen eines Europäers, Stuttgart–Hamburg 1964, S. 367.

"[...] Deutschland fertig" gemacht – "nicht speziell zum Nazismus, aber zu jedem phantastischen Abenteuer."
Sebastian Haffner, Geschichte eines Deutschen. Die Erinnerungen 1914–1933, Stuttgart–München 2000, S. 53.

"Das Schlagwort der nationalen Diktatur ist in seiner Hohlheit entlarvt."
Ernst Feder, Das Ende der Hanswurstiade, in: Berliner Tageblatt, 10.11.1923, S. 1.