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Region als gemeinsame Aufgabe

100 Jahre Institut für geschichtliche Landeskunde der Rheinlande

Abteilung für Geschichte der Frühen Neuzeit und Rheinische Landesgeschichte, IGW, Universität Bonn
Archiv der Universität Bonn


Ausstellung 100 Jahre IGL im Universitätsmuseum Bonn

Philipp Gatzen (Fotograf), Foto, 2021, Bonn

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Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Institut für Geschichtswissenschaft, Abteilung für Geschichte der Frühen Neuzeit und Rheinische Landesgeschichte

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Philipp Gatzen; Universität Bonn, IGW, Abt. FNZRLG

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Die Ausstellung im Universitätsmuseum

2020 wäre das Institut für geschichtliche Landeskunde der Rheinlande 100 Jahre alt geworden. Die ursprünglich geplanten Jubiläumsveranstaltungen mussten aufgrund der Corona-Pandemie verschoben werden.

Am 28. September 2021 wurde im Rahmen der Tagung "Rheinische Landeskunde im Wandel. 100 Jahre Gründung des Instituts für geschichtliche Landeskunde der Rheinlande" im Universitätsmuseum Bonn eine Ausstellung zur Institutsgeschichte eröffnet. Auf dieser Plattform soll sie dauerhaft zu sehen sein.



Ausstellung 100 Jahre Vitrine 1

Philipp Gatzen (Fotograf), Foto, 2021, Bonn

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Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Institut für Geschichtswissenschaft, Abteilung für Geschichte der Frühen Neuzeit und Rheinische Landesgeschichte

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Philipp Gatzen; Universität Bonn, IGW, Abt. FNZRLG

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Ausstellung 100 Jahre Vitrinen 1-3

Philipp Gatzen (Fotograf), Foto, 2021, Bonn

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Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Institut für Geschichtswissenschaft, Abteilung für Geschichte der Frühen Neuzeit und Rheinische Landesgeschichte

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Philipp Gatzen; Universität Bonn, IGW, Abt. FNZRLG

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Ausstellung 100 Jahre Vitrine 4

Philipp Gatzen (Fotograf), Foto, 2021, Bonn

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Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Institut für Geschichtswissenschaft, Abteilung für Geschichte der Frühen Neuzeit und Rheinische Landesgeschichte

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Philipp Gatzen; Universität Bonn, IGW, Abt. FNZRLG

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Ausstellung 100 Jahre IGL Vitrinen 4-6

Philipp Gatzen (Fotograf), Foto, 2021, Bonn

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Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Institut für Geschichtswissenschaft, Abteilung für Geschichte der Frühen Neuzeit und Rheinische Landesgeschichte

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Philipp Gatzen; Universität Bonn, IGW, Abt. FNZRLG

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Ausstellung 100 Jahre IGL Vitrinen 7-8

Philipp Gatzen (Fotograf), Foto, 2021, Bonn

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Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Institut für Geschichtswissenschaft, Abteilung für Geschichte der Frühen Neuzeit und Rheinische Landesgeschichte

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Philipp Gatzen; Universität Bonn, IGW, Abt. FNZRLG

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Ausstellung 100 Jahre IGL Vitrine 8

Philipp Gatzen (Fotograf), Foto, 2021, Bonn

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Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Institut für Geschichtswissenschaft, Abteilung für Geschichte der Frühen Neuzeit und Rheinische Landesgeschichte

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Philipp Gatzen; Universität Bonn, IGW, Abt. FNZRLG

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01

Gründungsgeschichte des Instituts

Die Gründung des Instituts

Im Dezember 1918 stellte Hermann Aubin der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde (GRhG) Überlegungen zum Betrieb siedlungsgeschichtlicher Studien vor, deren Ziel die kartographische Erfassung möglichst vieler Erscheinungen des rheinischen Kulturlebens, von Recht und Verwaltung sowie der Wirtschaft in all ihren Ausprägungen darstellte. Eine solche wissenschaftliche Durchdringung einer einzelnen Landschaft beabsichtigte auch der Germanist Theodor Frings, der Aubins Pläne durch methodische Impulse der Sprachgeographie erweiterte. Bereits im Laufe des folgenden Jahres wurden diese Überlegungen in Köln-Bonner Wissenschaftskreisen diskutiert und die Gründung „einer Lehr- und Forschungsstätte, welche allen materiellen Bedürfnissen derartiger Arbeiten genügt“, erwogen.

In seiner Denkschrift vom 17. Dezember 1919 sprach sich Aubin für die Errichtung eines Instituts zum „Betrieb geschichtlicher Landeskunde der Rheinprovinz an der Universität Bonn“ aus, skizzierte dessen vorläufigen Aufbau und bat um die dazu erforderlichen Mittel. Unterstützung erhielt er dabei vor allem durch den Bonner Historiker Aloys Schulte. Gemeinsam mit dem Nationalökonomen Arthur Spiethoff und Theodor Frings trieben sie die Institutsgründung entschieden voran. Die Philosophische Fakultät genehmigte am 21. Januar die Gründung des Instituts.


Nun musste vor allem die Finanzierung in den Fokus rücken. Kurz nach dem verlorenen Krieg war dies durchaus eine Herausforderung. Zwar finanzierte die Preußische Unterrichtsverwaltung dem Institut eine außerplanmäßige Assistentenstelle sowie einen wissenschaftlichen Hilfsarbeiter, jedoch erfolgte eine geregelte Etatisierung durch diverse Stellen wie den Provinzialverband oder den Rheinlandfonds erst in der Folgezeit. Private Mittel erhielt das Institut vor allem durch die Gesellschaft der Freunde und Förderer der Universität Bonn. Neben eigenen Zuwendungen vermittelte die Geffrub auch eine anonyme Spende von 200.000 RM, die jedoch infolge der Inflation wertlos wurde, sowie die Stiftung der umfangreichen Bibliothek des Chemikers Albert Blank. Die 3.000 Broschüren, 5.000 Bände mit 7.000 Nummern, 200 Karten und einen Katalog von 10.000 Zetteln umfassende Sammlung stellte für das Institut eine wichtiges Arbeitsgrundlage dar. Hilfreich war auch, dass die GRhG dem Institut die für den geschichtlichen Atlas der Rheinprovinz zusammengetragene Sammlung von Karten sowie weitere Hilfsmittel zur Verfügung stellte.


Angesichts des vielversprechenden Konzepts und der bereitstehenden Ausstattung warb Schulte seit Mai 1920 gegenüber staatlichen Stellen selbstbewusst um Unterstützung: „Für die Stärkung deutscher Gesinnung wird das Institut sehr, sehr viel tun können.“ Der Verweis auf nationalpolitische Potenziale der Institutsarbeit war vor dem Hintergrund der im Rheinland operierenden Separatisten ein starkes Argument. Auch wenn Schulte gleichzeitig vor einer zu offensiven vaterländischen Reklame warnte, verfehlten seine Schreiben doch nicht ihre Wirkung: Am 24. September 1920 stimmte der zuständige Minister der Gründung zu.





Denkschrift Aubin

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Archiv der Universität Bonn

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Universitätsarchiv Bonn, Best. 216, Institut für geschichtliche Landeskunde der Rheinlande, Nr. 80

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Kurzbeschreibung
Denkschrift in Fassung vom 2. Februar 1920
Einrichtung eines Instituts für geschichtliche Landeskunde der Rheinlande Seite 1.jpeg.jpeg
Handschriftliche Denkschrift Aubins in der Fassung vom 2. Februar 1920


Hermann Aubin

Foto

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Archiv der Universität Bonn

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Universitätsarchiv Bonn, Porträtsammlung

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Hermann Aubin wurde am 23. Dezember 1883 in Reichenberg in Böhmen geboren. Er studierte in München, Bonn und Freiburg, wo er 1910 mit einer Arbeit über das mittelalterliche Bistum Pa‐derborn promoviert wurde. Im Mai 1911 wurde er wissenschaftlicher Hilfsarbeiter bei der Gesellschaft für rheinische Geschichtskunde, deren Arbeitsweise nach ihrer 1881 erfolgten Gründung wesentlich durch den damaligen Bonner Privatdozenten Karl Lamprecht geprägt war. Lamprechts im wilhelminischen Deutschland stark umstrittene Methode der „Kulturgeschichte“ propagierte eine Abkehr von der Darstellung der Geschichte als Abfolge (zumeist kriegerischer) Taten „großer Männer“ hin zu einer Darstellung der materiellen Kultur unter Einbeziehung aller dafür geeigneten Quellen. Aubin gewann aus diesem Ansatz seine Idee der „Kulturraumforschung“, die sich interdisziplinär den Strukturen und Phänomenen eines Raumes widmet, der nicht durch staatliche Grenzen oder Verwaltungsbezirke vordefiniert ist. 1918 legte Aubin der Gesellschaft für rheinische Geschichtskunde einen Plan für eine kartographische Erfassung von Erscheinungen des rheinischen Kulturlebens vor. Gemeinsam mit dem Germanisten Theodor Frings entwickelte er daraus die Idee einer Lehr- und Forschungsanstalt, die an die Universität Bonn angebunden werden sollte, an der Aubin seit seiner 1916 erfolgten Habilitation Privatdozent war.

Im 1920 gegründeten Institut für geschichtliche Landeskunde der Rheinlande (IGL) konnten Aubin und Frings ihre Pläne verwirklichen. Leider gelang es trotz der erfolgreichen Entwicklung des IGL nicht, für den Privatdozenten Aubin einen Lehrstuhl einzurichten. Daher nahm er 1925 einen Ruf nach Gießen und 1929 einen weiteren nach Breslau an. Dort widmete Aubin sich intensiv der schlesischen Landesgeschichte. Aubin war kein Gegner der Weimarer Republik, aber nach 1933 arrangierte er sich mit den neuen Machthabern, deren Ideologie seinen völkischen und deutschnationalen Anschauungen sehr nahe kam. Aubin wurde nie Parteimitglied, aber er begrüßte als Sudetendeutscher den Anschluss des Sudetengebietes genauso wie den Angriff auf Polen. Aubin hatte enge Verbindungen zur sogenannten „Ostforschung“ deutscher Historiker, die Pläne zur Umsiedlung von Millionen Menschen slawischer Abstammung oder jüdischer Religion entwickelten, um dem „Deutschtum“ im Osten Raum zu schaffen. Trotz seiner Haltung galt Aubin aber als politisch unzuverlässig, weshalb mehrfach Rufe an andere Universitäten verhindert wurden.

Als politisch unbelasteter Hochschullehrer wurde Hermann Aubin 1946 an die Universität Hamburg berufen, wo er bis zu seiner Emeritierung 1954 lehrte. Wissenschaftlich wandte er sich nun vermehrt der norddeutschen Landesgeschichte zu, aber als Wissenschaftsorganisator engagierte er sich, jetzt unter den Vorzeichen des Kalten Krieges, für eine bundesrepublikanische Ostforschung, die vor allem die nicht mehr zu Deutschland gehörenden Ostgebiete im Blick hatte. 1950 wurde er zum Gründer und bis 1959 zum Direktor des Johann Gottfried Herder-Forschungsrates in Marburg, von 1952 bis 1956 gab er die „Zeitschrift für Ostforschung“ heraus, von 1953 bis 1958 war er Vorsitzender des von ihm mitbegründeten Historiker-Verbandes. Am 11. März 1969 starb Hermann Aubin mit 83 Jahren in seiner Wahlheimat Freiburg im Breisgau.



Theodor Frings

Foto

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Archiv der Universität Bonn

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Universitätsarchiv Bonn, Porträtsammlung

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Vor seiner Zusammenarbeit mit Aubin war Theodor Frings (1886-1968) in Marburg beim Deutschen Sprachatlas und später in Bonn als Assistent beim Rheinischen Wörterbuch tätig. 1919 erhielt er eine ordentliche Professur an der Universität Bonn.





Institutsgebäude Poppelsdorfer Allee 25

Jonas Bechtold, Foto, 2020, Bonn

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Histrhen. Rheinische Geschichte wissenschaftlich bloggen

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Jonas Bechtold; Histrhen. Rheinische Geschichte wissenschaftlich bloggen

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Die Universität stellte dem neugegründeten Institut im Erdgeschoss des Gebäudes Poppelsdorfer Allee 25 Räumlichkeiten zur Verfügung. Das bot sich an, da im selben Haus bereits das Archiv des Rheinischen Wörterbuchs (RWB) lagerte. Nachdem der Ausschuss des RWB zugestimmt hatte, durfte das Institut dessen umfangreiche Sammlungen zu Lehr- und Forschungszwecken verwenden und wurde dadurch in „den Gebrauch eines einzigartigen Apparates zur mundartlichen und volkskundlichen Forschung gesetzt.“

Mit in dem Haus untergebracht war das Orientalische Institut unter Paul Kahle.



Rheinische Neujahrsblätter

Hermann Aubin, Buch, 1925, Bonn

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Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Institut für Geschichtswissenschaft, Abteilung für Geschichte der Frühen Neuzeit und Rheinische Landesgeschichte

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Universität Bonn, IGW, Abt. FNZRLG

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Kurzbeschreibung
Ausgabe der Rheinischen Neujahrsblätter

Aufgrund der schwierigen finanziellen Situation der Gründungszeit legte Aubin im Jahre 1920 ein „Buch der Freunde“ an. Hierin konnten sich interessierte Persönlichkeiten und Institutionen mit einem jährlichen Förderbeitrag vermerken lassen. Im Gegenzug erhielten sie ab 1922 die erste Schriftenreihe des Instituts: die bis 1930 erschienenen Rheinischen Neujahrsblätter



Aloys Schulte

Foto

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Archiv der Universität Bonn

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Quelle

Universitätsarchiv Bonn, Porträtsammlung

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Kurzbeschreibung
Porträt Aloys Schulte
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Der Historiker Aloys Schulte (1857-1941) war nicht nur in den Gründungsjahren ein bedeutender Förderer des Instituts, sondern saß dem Institutsausschuss auch lange Jahre als Vorsitzender vor.



Albert Blank

Foto

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Archiv der Universität Bonn

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Quelle

Universitätsarchiv Bonn, Porträtsammlung

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Kurzbeschreibung
Porträt Albert Blank
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Jenseits seiner eigenen Stiftung bemühte sich Albert Blank (1863-1936) um weitere Bücher für die Bibliothek und war noch bis in die 1930er Jahre Mitglied des Institutsausschusses.





Satzung des IGL

Aus der Sammlung von

Archiv der Universität Bonn

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Quelle

Universitätsarchiv Bonn, Best. 216, Institut für geschichtliche Landeskunde der Rheinlande, Nr. 77

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Kurzbeschreibung
Institutssatzung
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Maschinenschriftliche Kopie der Satzung des Instituts für geschichtliche Landeskunde der Rheinlande


Ferienkurs

Anna Thinius, 2021

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Archiv der Universität Bonn

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Universitätsarchiv Bonn

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Teilnehmer eines Ferienkurses, Collage von Anna Thinius (2021)

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Das Institut in der Weimarer Zeit

Das Institut in der Weimarer Zeit

Bei seiner Gründung bestand das Institut zunächst aus zwei Abteilungen: Herman Aubin, der auch als Direktor des Instituts fungierte, stand als Leiter der historischen Abteilung vor, während Theodor Frings die Abteilung für Mundartenforschung und Volkskunde führte. Unterstützung erfuhren die beiden durch die Assistentin des Instituts Edda Tille. Neben einer Beteiligung an der zweibändigen „Geschichte des Rheinlandes von der ältesten Zeit bis zur Gegenwart“ (1922) sowie der Herausgabe der „Rheinischen Sprachgeschichte“ (1924) setzte auch die offensive Öffentlichkeitsarbeit des IGL bald nach dessen Gründung ein: In der Osterwoche 1922 wurde zum ersten Mal ein mehrtägiger Fortbildungskurs in rheinischer Geschichte veranstaltet, an dem sogleich 400 Personen teilnahmen. In den kommenden Jahren wurde diese Öffentlichkeitsarbeit durch die Abhaltung zusätzlicher Tagungen, die Bildung von örtlichen Arbeitsgruppen, die Veröffentlichung von Beiträgen in diversen Heimatblättern und zahlreiche Vorträge der Institutsmitarbeiter in der gesamten Rheinprovinz noch verstärkt.


Jenseits dessen widmete sich das Institut auch bald schon größeren Projekten: Im Auftrag der Stadt Köln wurden für eine Ausstellung zur Jahrtausendfeier der Rheinlande im Jahr 1925 Karten erstellt und auf Anregung der rheinischen Lehrerschaft ein Atlas erarbeitet. Der im Jahr 1926 herausgegebene und von Josef Niessen bearbeitete „Geschichtliche Handatlas der Rheinprovinz“ sollte diesem Wunsch nachkommen und gleichzeitig erste Ergebnisse der statistisch-kartographischen Methode des Instituts präsentieren. Als Ergänzung und Erläuterung dieser Publikation war der ebenfalls 1926 erschienene Sammelband „Kulturströmungen und Kulturprovinzen in den Rheinlanden“ gedacht. Die Publikation stellt ein hervorragendes Beispiel für jene interdisziplinäre Landeskunde dar, die Aubin immer wieder als Aufgabe betont hatte. Zudem sind die „Kulturströmungen“ ein Fazit dieser Zusammenarbeit, denn bereits 1925 hatte Aubin, der trotz zahlreicher Bemühungen in Bonn keinen Lehrstuhl erhalten hatte, einen Ruf nach Gießen angenommen. Theodor Frings, der nun die Einlösung des ursprünglichen Arbeitsgedankens als nicht mehr durchführbar ansah, verließ Bonn 1927 ebenfalls.


Auf den Weggang der beiden Gründer folgte Franz Steinbach als Direktor des Instituts sowie Leiter der historischen Abteilung und Adolf Bach als Nachfolger des Germanisten Frings. Auch die Stellung Josef Müllers wurde aufgewertet: Das Rheinische Wörterbuch, dessen Kanzlei und Archiv mit seinen 3 Millionen Wortzetteln seit 1920 im Institutsgebäude untergebracht war, wurde 1930 zur dritten Abteilung erhoben. Zu dieser Zeit hatte sich das Profil der Institution deutlich gewandelt: Die interdisziplinäre Landeskunde wich zusehends allgemeinhistorischen bzw. traditionellen landesgeschichtlichen Themen. Auch erhielt das Phänomen des Auslandsdeutschtums nun verstärkte Aufmerksamkeit. Zudem widmete sich die Bonner Kulturraumforschung auf staatlichen Wunsch in den kommenden Jahren besonders den westlichen Grenzgebieten. Die ab 1928/29 eingerichtete und mit einem festen Etat ausgestattete „Grenzlandforschung“ sollte dabei zunächst den „genuin deutschen Charakter“ des Saargebietes nachweisen und gleichzeitig französische Ansprüche abwehren.





Kulturströmungen und Kulturprovinzen

Hermann Aubin, Theodor Frings und Josef Müller, Buch, 1926, Bonn

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Bouvier-Verlag

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Bouvier

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Kurzbeschreibung
Sammelband von 1926
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Die 1926 erschienen „Kulturströmungen“ wurden nicht nur als „Bibel des jungen Germanisten“ von der Sprachforschung stark rezipiert, sondern gaben auch der Volkskunde durch die von Josef Müller für seinen Beitrag versendeten Fragebögen und deren anschließende Auswertung entscheidende methodische Impulse. Obwohl der geplante kunsthistorische Beitrag in diesem Sammelband fehlt, besaß die Publikation - ebenso wie das gesamte Vorhaben des Instituts - großen Einfluss auf die landesgeschichtliche Forschung ihrer Zeit. Die „Kulturströmungen“ erlebten im Jahr 1966 eine unveränderte Neuauflage.





Franz Steinbach

Foto

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Archiv der Universität Bonn

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Universitätsarchiv Bonn, Porträtsammlung

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Kurzbeschreibung
Porträt Franz Steinbach
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Franz Steinbach (1895-1964) promovierte 1922 bei Hermann Aubin und habilitierte sich 1925 mit seinen "Studien zur westdeutschen Stammes- und Volksgeschichte“. Die Arbeit stellt eines der Hauptwerke der Bonner Kulturraumforschung dar. Steinbach war von 1926 bis 1961 Direktor des Instituts und Leiter der historischen Abteilung. Im Jahr 1928 erhielt er einen Lehrstuhl für geschichtliche Landeskunde und allgemeine Wirtschaftsgeschichte an der Universität Bonn.



Josef Müller

Foto

Aus der Sammlung von

Universität Bonn, Institut für Germanistik, Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft, Arbeitsstelle Rheinische Sprachforschung

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Universität Bonn, Institut für Germanistik, Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft, Arbeitsstelle Rheinische Sprachforschung

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Kurzbeschreibung
Porträt Josef Müller
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Der Germanist Josef Müller (1875-1945) war seit 1914 Leiter des Rheinischen Wörterbuchs (RWB). Das im Jahr 1904 begonnene Projekt sollte die zu Anfang des 20. Jahrhunderts in den Mundarten der Rheinprovinz noch verwendeten bzw. bekannten Wörter erfassen. Das neunbändige Werk wurde beinahe vollständig von Müller selbst erarbeitet.


Jenseits dieser Lebensleistung machte sich Müller auch um die deutsche Volkskunde verdient. Die für seinen Beitrag in den „Kulturströmungen“ versendeten volkskundlichen Fragebögen gaben dem jungen Fach entscheidende methodische Impulse. Ebenso betreute er in seiner Abteilung auch ein rheinisches Volksliederarchiv und die seit 1929 eingerichtete Provinzialstelle des Atlas der Deutschen Volkskunde.





Zettelarchiv des Rheinischen Wörterbuchs

1930, Bonn

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Archiv der Universität Bonn

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Universitätsarchiv Bonn, Nachlass Jean Schoos, Nr. 64

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Kurzbeschreibung
Zender im Zettelarchiv 1930
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Zeitungsbericht über das RWB aus dem Jahr 1930 mit dem jungen Matthias Zender


Rheinische Vierteljahrsblätter 1931

1931, Bonn

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Bouvier-Verlag

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Bouvier

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Kurzbeschreibung
1. Band der RhVjbll
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Die Rheinischen Vierteljahrsblätter erscheinen seit 1931 als Mitteilungen des Instituts und fungieren gleichzeitig als Mitgliederzeitschrift des Vereins für geschichtliche Landeskunde. Sie entstanden aus einer Zusammenlegung der seit 1922 erschienenen „Rheinische Neujahrsblätter“ mit den ab 1926 vierteljährlich vom Institut herausgegebenen Heften „Geschichtliche Landeskunde“. Die Vierteljahrsblätter sollten einerseits der vom IGL entwickelten Methode eine Plattform bieten und sich im Rahmen dieser historischen Kulturraumforschung den „Rheinlanden ohne ängstliche Beschränkung auf die politischen Grenzen der Gegenwart“ (Steinbach) widmen. Dieses programmatische Diktum verweist bereits auf den transregionalen Charakter der Zeitschrift, in der z. B. auch Forscher aus den BeNeLux-Staaten publizierten und die bis heute international rezipiert wird.



Ferienkurs 1930

1930, Bonn

Aus der Sammlung von

Archiv der Universität Bonn

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Universitätsarchiv Bonn, Best. 216, Institut für geschichtliche Landeskunde des Rheinlandes, Nr. 75

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Kurzbeschreibung
Einladung zum Ferienkurs 1930

Die vom Institut nahezu jährlich angebotenen Ferienkurse, Lehrgänge und Tagungen sollten zur Ausbildung wissenschaftlich befähigter Lokalforscher dienen und die historisch interessierten Kreise der Rheinprovinz um das Institut sammeln. Die Teilnahme wurde staatlicherseits gefördert, da man die als politisch bedeutsam angesehene Heimatbewegung auf diese Weise nationalpolitisch beeinflussen wollte



Brief ter Meer an Aubin

Brief, 1925, Ürdingen

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Archiv der Universität Bonn

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Universitätsarchiv Bonn, Best. 216, Institut für geschichtliche Landeskunde der Rheinlande, Nr. 52

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Kurzbeschreibung
Brief von Edmund ter Meer an Hermann Aubin vom 22. Mai 1925 bzgl. Unterstützung bei der Abfassung seiner Rede für die Jahrtausendfeier in Ürdingen
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Das neugegründete Institut wurde von der Bevölkerung der Rheinprovinz als wissenschaftliche Beratungsstelle angenommen. Diese Popularität lässt sich auch in Zahlen ausweisen: So konnte der Direktor im Bericht für das Geschäftsjahr 1926/27 auf die Beantwortung von 5.187 Briefen verweisen, die das Institut erreicht hatten.

Dabei suchten nicht nur Lokalforscher in Bonn nach Rat, sondern auch Industriemagnaten. So bat z. B. am 22. Mai 1925 der Chemieunternehmer Edmund ter Meer (1852-1931) Aubin um Unterstützung bei der Abfassung seiner Rede für die Jahrtausendfeier in Ürdingen



Edda Tille-Hankamer

Foto, ca. 1950

Aus der Sammlung von

Seton Hill University Archives

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Seton Hill University Archives

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Kurzbeschreibung
Foto von Edda Tille-Hankamer
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Edda Tille-Hankamer (1895-1982) war die erste Assistentin des Instituts und besonders mit der Erstellung von Wortkarten für das Rheinische Wörterbuch beschäftigt. Im Oktober 1922 verließ sie Bonn, da ihr Platz von Franz Steinbach eingenommen wurde und die Universität trotz der Bemühungen Aubins und Frings’ keine weitere Assistentenstelle bewilligen wollte. 1925 habilitierte sie sich mit einer volkskundlichen Arbeit und machte sich in den folgenden Jahrzehnten um das junge Fach verdient. Als Tochter einer jüdischen Mutter entschied sie sich 1938, Deutschland zu verlassen. Nach ihrer Emigration lehrte sie ab 1945 am Frauencollege Seton Hill in Greensburg/Pennsylvania und zuletzt von 1953 bis 1965 an der University of Tennessee in Knoxville.



Absage Clemen

1932, Bonn

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Archiv der Universität Bonn

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Universitätsarchiv Bonn, Best. 216, Institut für geschichtliche Landeskunde der Rheinlande, Nr. 77

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Kurzbeschreibung
Absage von Paul Clemen für die Ausschusssitzung am 21. Mai 1932

Dem Leiter des Instituts stand ein Ausschuss zur Seite, der vor allem die Verwendung der finanziellen Mittel zu überwachen hatte. Anfangs setzte er sich aus einem Vertreter des Universitätssenats, der Geffrub, der Gesellschaft für rheinischen Geschichtskunde und verschiedenen Fachvertretern der Philosophischen Fakultät zusammen. Neben anderen Koryphäen war im Jahr 1932 der Kunsthistoriker Paul Clemen (1866-1947) Mitglied dieses Kreises.



Karte "Stachelbeere" des RWB

Josef Müller, Karte, 1938, Berlin

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Dressler Verlag, Hamburg

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Dressler Verlag, Hamburg

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Kurzbeschreibung
Karte Nr. 26 RWB Bd. IV
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Die von Aubin und Frings entwickelte Methode des Instituts sollte das Arbeitsgebiet der geschichtlichen Landeskunde selbst erarbeiten. Ziel war es, jenseits der administrativ definierten Räume und den Karten der Verwaltungsgrenzen wesentlich ältere und darüber hinausgehende Kulturräume zu erfassen und ihre gegenseitigen Beziehungen zu untersuchen. Den Ausgangspunkt bildete in erster Linie die Wortgeographie, jedoch gewannen die volkskundlichen Karten zunehmend größere Bedeutung. Als Beispiel für die kartographische Methode des Instituts dient die nebenstehende Karte aus dem Rheinischen Wörterbuch zu unterschiedlichen dialektalen Begriffen für das Wort „Stachelbeere“.



Hörerkarte

1937, Bonn

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Archiv der Universität Bonn

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Universitätsarchiv Bonn, Best. 216, Institut für geschichtliche Landeskunde der Rheinlande, Nr. 75

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Kurzbeschreibung
Hörerkarte Tagung 1937
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Schon bald nach der 1920 erfolgten Gründung des Instituts für geschichtliche Landeskunde der Rheinlande an der Universität Bonn fand sich ein Kreis von geschichtlich interessierten Menschen
zusammen, die sich als Freunde und Förderer des neuartigen Instituts verstanden. Gegen eine jährliche eine Spende erhielten sie zu Anfang des darauffolgenden Jahres eine Ausgabe der „Rheinischen Neujahrsblätter“.

Um für die neue Idee einer an Kulturströmungen und Strukturen interessierten Landesgeschichte auch in breiteren Bevölkerungskreisen zu werben, konstituierte sich dieser Freundeskreis 1925 als
„Verein für geschichtliche Landeskunde der Rheinlande“. Neben Hermann Aubin waren die treibenden Kräfte bei der Vereinsgründung der Bonner Bibliotheksdirektor Erich von Rath, der Historiker Aloys Schulte und der katholische Theologe Fritz Tillmann. Ein Gründungsaufruf wurde von namhaften Rheinländern unterzeichnet, darunter der Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer und der Reichsinnenminister Karl Jarres, beide frühere Bonner Studenten. Aber auch der Oberpräsident der Rheinprovinz Fuchs, der Kölner Erzbischof Schulte, der Präses der Rheinischen Provinzialsynode Wolf und der Landeshauptmann Horion, der Chef des Provinzialverbandes, gehörten zu den Unterzeichnern. Landeshauptmann Horion wurde zum Vorsitzenden des Vereins ernannt. Die enge Verknüpfung mit dem Provinzialverband und später mit dem Landschaftsverband Rheinland hat es dem Institut leichter gemacht, bei der rheinischen Bevölkerung bekannt zu werden und sich wachsender Beliebtheit zu erfreuen. Der Verein veranstaltet nach wie vor jährliche Exkursionen und unterstützt die Herbsttagungen der Abteilung für Geschichte der Frühen Neuzeit und Rheinische Landesgeschichte.

03

Nationalsozialismus

Nationalsozialismus

Die sogenannte „Machtübernahme“ der Nationalsozialisten im Januar 1933 brachte zunächst keine spürbaren Veränderungen für das Institut für geschichtliche Landeskunde der Rheinlande. Die Bemühungen, durch Siedlungsgeschichte, Ortsnamenforschung und zahlreiche andere Ansätze den Nachweis zu erbringen, dass die Rheinlande entgegen allen französischen Annexionsplänen zu Deutschland gehörten, passten sehr gut zu den Bestrebungen der neuen Machthaber. Ebenso anschlussfähig an die nationalsozialistische Politik waren die gegen Frankreich gerichteten landeskundlichen Aktivitäten der Westdeutschen Forschungsgemeinschaft, die von Bonn aus maßgeblich mitorganisiert wurde. Dasselbe galt für die im Vorfeld der 1935 erfolgten Saarabstimmung vom Institut ausgehenden Bemühungen, die Verbundenheit des Saarlands mit dem Reich historisch nachzuweisen.

Freilich war die Kulturraumforschung, die man in Bonn in den 1920er Jahren entwickelt hatte, eher defensiv ausgerichtet gewesen. In einer Phase, in der das Rheinland von französischen Truppen besetzt war, waren die Schwerpunkte mittelalterlicher Kulturraumforschung hochpolitisch, auch wenn sie sich nicht so anhörten. Diese Art der „Westforschung“ verkehrte sich jedoch im Verlauf der NS-Herrschaft in ihr Gegenteil, indem nun die nationalsozialistische Annexionspolitik durch historische Argumente über Ausdehnung und Siedlungsräume germanischer Stämme unterfüttert wurde.

Trotz dieser Forschungen, die im Rahmen der sogenannten „Westforschung“ von den Nationalsozialisten für ihre Expansionspläne im Westen genutzt wurden, verweigerte man Franz Steinbach die Umwandlung seines Extraordinariats in eine ordentliche Professur, weil der bekennende Katholik als politisch unzuverlässig angesehen wurde.





Franzosen sprechen über die Saar

Martin Herold und Josef Niessen, Buch, 1935, Köln

Aus der Sammlung von

Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Institut für Geschichtswissenschaft, Abteilung für Geschichte der Frühen Neuzeit und Rheinische Landesgeschichte

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Universität Bonn, IGW, Abt. FNZRLG

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Kurzbeschreibung
Franzosen sprechen über die Saar
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Schon in den ersten Jahren des Bestehens widmeten sich Arbeiten des Instituts der Geschichte des Saargebiets. Ziel war es, die historische Verbundenheit des Gebiets mit dem deutschen Kulturraum nachzuweisen. Aus der politisch motivierten historischen Forschung wurde allmählich eine aktive Beteiligung an der Politik. Die Assistenten Martin Herold und Josef Niessen legten daher im Jahr der Saarabstimmung 1935 ein Buch vor, das die französischen Begehrlichkeiten zur Übernahme der Saar durch Frankreich seit dem späten Mittelalter zu belegen versuchte.





Camille Wampach

Foto

Aus der Sammlung von

Archiv der Universität Bonn

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Quelle

Universitätsarchiv Bonn, Porträtsammlung

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Kurzbeschreibung
Porträt Camille Wampach
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Camille Wampach (1884-1958) war katholischer Priester und stammte aus Dudelange in Luxemburg. Nach seiner 1908 erfolgten Priesterweihe nahm er in Berlin ein Studium der Geschichtswissenschaft auf. 1915 wurde er mit einer Dissertation über die „Geschichte der Grundherrschaft Echternach“ promoviert. Zurück in Luxemburg widmete er sich der Edition von Quellen zur Geschichte Echternachs im Frühmittelalter. Zum Wintersemester 1931/32 wurde er als Dozent für luxemburgische und westeuropäische Geschichte am IGL angestellt. 1935 erhielt Wampach den Titel eines Honorarprofessors.

Die Besetzung Luxemburgs durch die deutsche Wehrmacht am 10. Mai 1940 wurde von Professor Wampach offen kritisiert. Aber erst 1942 war für die Nationalsozialisten die Weiterbeschäftigung des katholischen Priesters und Luxemburger Patrioten nicht mehr tragbar. Er verlor seinen Lehrauftrag und den Titel des Honorarprofessors. Wampach zog sich bis zum Kriegsende nach Echternach zurück, wo er als Hilfsgeistlicher wirkte. 1946 wurde Camille Wampach von der Philosophischen Fakultät der Universität Bonn der Professorentitel wieder zuerkannt. Dennoch nahm er die Lehraufgaben in Bonn kaum noch wahr, weil er seit Mitte 1945 die Leitung des Luxemburgischen Regierungsarchivs übertragen bekommen hatte. Seine Rolle am IGL übernahm mehr und mehr sein Schüler Jean Schoos, der sich 1954 in Bonn habilitieren konnte.



ADV-Fragebogen V

Aus der Sammlung von

Archiv der Universität Bonn

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Quelle

Universitätsarchiv Bonn, Best. 216, Institut für geschichtliche Landeskunde der Rheinland, Nr. 85

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1928 wurde mit dem Atlas der deutschen Volkskunde (ADV) ein großangelegtes Projekt zur volkskundlichen Erfassung des gesamten deutschsprachigen Raums gegründet. Die Zentralstelle des ADV saß in Berlin, in den Provinzen entstanden Landesstellen, denen die Organisation der Befragungen oblag. Seit 1929 wurde eine Landesstelle des ADV am IGL angesiedelt, deren nomineller Leiter Josef Müller war. De facto wurde sie aber vom Assistenten Matthias Zender geführt. In fünf Fragebögen sollten die Themen der Atlaserstellung erfasst und in Karten umgesetzt werden. Der für 1934 geplante fünfte Fragebogen wurde verschoben und erhielt von Berlin aus eine nationalsozialistische Prägung.



Das Institut im Zweiten Weltkrieg

Ein massiver Einschnitt in der fast zwanzigjährigen Geschichte des Instituts war der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Neben dem Institutsleiter Franz Steinbach wurden auch die beiden Assistenten Fritz Textor und Matthias Zender schon 1939 einberufen. Die Universität wollte das Institut für die Dauer des Krieges schließen. Nur mit Mühe konnte Steinbach den Kurator von der Notwendigkeit des Weiterbestands überzeugen. Ein wichtiges Argument waren die Forschungen zum Saargebiet sowie die gesamte Grenzlandforschung in Hinblick auf die jahrhundertelangen Auseinandersetzungen mit Frankreich, die „zur Abwehr französischer wissenschaftlicher Angriffe“ dienen sollte. Die wissenschaftlichen Aufgaben wurden nach Kriegsbeginn auf die damals 31jährige „Wissenschaftliche Hilfskraft“ Dr. Edith Ennen übertragen. Die Vertretung des Institutsleiters übernahm bis 1942 der Kunsthistoriker Alfred Stange und danach der Sprachwissenschaftler Leo Weisgerber, der jedoch die meiste Zeit nicht in Bonn war.





Edith Ennen

Anna Thinius, 2021

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Archiv der Universität Bonn

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Universitätsarchiv Bonn

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Edith Ennen als Institutshilfskraft. Ausschnitt aus einem Gemälde von Anna Thinius


Edith Ennen (1907-1999) stammte aus Merzig im Saarland und hatte in Freiburg, Berlin und Bonn Geschichte, Germanistik und Altphilologie studiert. 1933 wurde sie bei Franz Steinbach mit einer Arbeit über „Die Organisation der Selbstverwaltung in den Saarstädten vom ausgehenden Mittelalter bis zur französischen Revolution“ promoviert. Nach einem Archivreferendariat an der Archivschule in Berlin-Dahlem kehrte sie an das Institut für geschichtliche Landeskunde der Rheinlande zurück und wurde Mitarbeiterin am „Historischen Ortslexikon der Rheinlande“. Später einmal sollte durch ihre Anregung daraus der „Rheinische Städteatlas“ entstehen. Edith Ennen, die zusammen mit der Sekretärin Anneliese Reinhardt das Institut praktisch alleine leitete, veranstaltete Seminare und Übungen und hielt sogar im Sommer 1942 einen eintägigen heimatgeschichtlichen Kursus für die AG rheinischer Volksschulrektoren ab, der an die früheren Sommerkurse angelehnt war. 1943 folgte eine Tagung der „AG für Volkskunde“. Daneben übernahm Ennen bis 1943 die Redaktion der „Rheinischen Vierteljahrsblätter“ und weiterer Publikationen des Instituts.



Kriegszerstörungen Hauptgebäude

Axel Keller, Foto, 1944, Bonn

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Archiv der Universität Bonn

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Universitätsarchiv Bonn, Sachbildsammlung, Nr. 171

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Kurzbeschreibung
Zerstörter Teil des Hauptgebäudes der Bonner Universität
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Das von Luftangriffen zerstörte Hauptgebäude der Bonner Universität


Luftangriff vom 30./31. Mai 1942

Einen ersten Angriff erlebte das Haus in der Poppelsdorfer Allee in der Nacht vom 30. auf den 31. Mai 1942. Der damalige kommissarische Institutsleiter, der Keltologe Leo Weisgerber, schilderte die Situation in einem Bericht an den Kurator:

„Einen wesentlichen zusätzlichen Arbeitsanfall brachten die während des Luftangriffs in der Nacht vom 30./31. Mai auf das Institutsgebäude erfolgten Brandbombenabwürfe. [...] Infolge des tatkräftigen und zielbewussten Eingreifens der Selbstschutzkräfte [...] konnten ein das gesamte Gebäude bedrohendes Übergreifen des Brandes und innerhalb der betroffenen Räume unersetzliche Schäden – Vernichtung der handgeschriebenen, einmaligen Sammlungen des Flurnamenarchivs und des Rheinischen Wörterbuchs und des handgezeichnneten Kartenmaterials – vermieden werden."

Feldpostbriefe an das Institut

Für den Zusammenhalt des Instituts und derjenigen, die an ihm tätig waren, war Edith Ennen von unschätzbarer Bedeutung, weil sie in der schweren Zeit des Krieges die Kommunikation mit den eingezogenen Mitarbeitern und Doktoranden aufrechterhielt. Etliche Feldpostbriefe, die heute im Universitätsarchiv Bonn lagern, geben Zeugnis von diesem Netzwerk. Die einigermaßen reibungslose Wiederaufnahme der Arbeit nach Kriegsende geht auch auf diese unermüdliche Kontaktwahrung zurück. Ennens eigene Briefe sind leider nur vereinzelt in den Akten des Instituts erhalten.





Schreiben von Matthias Zender aus dem Kriegsgefangenenlager

Matthias Zender; Edith Ennen, 1945, Wickrathberg

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Archiv der Universität Bonn

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Universitätsarchiv Bonn, Best. "kleinere Sammlungen", Nr. 178.

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Kurzbeschreibung
Matthias Zender an Edith Ennen aus dem Kriegsgefangenenlager Wickrathberg
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Matthias Zender schreibt aus dem Kriegsgefangenenlager Wickrathberg an Edith Ennen, 1945


Das Institut im Krieg

Anna Thinius, 2021

Aus der Sammlung von

Archiv der Universität Bonn

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Universitätsarchiv Bonn

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Edith Ennen hält Kontakt mit den im Feld stehenden Mitarbeitern des Instituts; Gemälde von Anna Thinius (2021)

04

Das Institut in der Nachkriegszeit

Das Institut in der Nachkriegszeit

Nach Kriegsende konnte das Institut schon zum Wintersemester 1945/46 seinen Betrieb wieder aufnehmen. Franz Steinbach war seit dem 1. Oktober 1945 wieder im Dienst. Leiter der Abteilung für Mundartforschung und Volkskunde wurde Karl Meisen. Josef Müller, der nach Antritt seines Ruhestandes das Rheinische Wörterbuch zuhause in Ittenbach weitergeführt hatte, war Anfang Februar 1945 gestorben. Damit fiel das Projekt wieder ans Institut zurück. Müllers Abteilung wurde aufgelöst.

Ab 1946 bekam das Institut eine dritte Abteilung, die „Abteilung für Siedlungs- und Flurgeschichte der rheinischen Frühzeit“ unter der Leitung von Leo Weisgerber. Zudem wurde ein eigenständiges volkskundliches Seminar unter Leitung von Karl Meisen errichtet, das allerdings organisatorisch vom IGL getrennt war.

Die Kriegsschäden waren 1950 beseitigt. Der Zuwachs der Bibliothek und der Sammlungen machten den Raum jedoch immer knapper. Da half es, dass zum Wintersemester 1955/56 das Orientalische Seminar neue Räume im wiederhergestellten Hauptgebäude zugewiesen bekam.

Das IGL bemühte sich nach Kriegsende, an die Zeit vor 1933 anknüpfen. Die Verquickung mit der NS-Propaganda durch Instrumentalisierung der Kulturraum- und der Westforschung wurde dabei weitgehend verdrängt. Stattdessen vertrat Steinbach die Auffassung, die rheinlandbezogene interdisziplinäre Arbeit des Instituts vor 1933 sei durch den Nationalsozialismus unterbunden worden. „Der nationalsozialistische Zentralismus schob der weiteren Entfaltung einer heimatgebundenen rheinischen Wissenschaftspflege einen Riegel vor“ schrieb er 1946 an den Oberpräsidenten der Nordrheinprovinz.

Die Kulturraumforschung selbst wurde, auch wenn die Methoden der umfangreichen Belegsammlung und der Kartierung in Atlas-Projekten weitergeführt wurde, immer weniger als theoretische Grundlage herangezogen. Statt einer integrierenden Gesamt-Landeskunde, die den Eigenarten regionaler Erscheinungen nachspürte, wurden einzelne Aspekte der regionalen Geschichte in den Vordergrund gerückt. Die Interdisziplinarität ging daher seit den 50er Jahren zusehends zurück, sie wich einem wohlwollenden Nebeneinander der Abteilungen, die jeweils für sich weiterhin viel leisteten.





Gebäude Poppelsdorfer Allee 25 kurz nach Kriegsende

Axel Keller, Foto, 1945

Aus der Sammlung von

Archiv der Universität Bonn

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Universitätsarchiv Bonn, Sachbildsammlung, Nr. 311

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Kurzbeschreibung
Zerstörtes Institutsgebäude 1945
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Das Gebäude in der Poppelsdorfer Allee 25 im Jahre 1945


In der Nacht vom 30. auf den 31. Mai 1942 hatten Brandbomben das Haus in der Poppelsdorfer Allee 25 getroffen. Die wertvolle Bibliothek war weitgehend den Flammen entronnen. Beim schweren Angriff am Vormittag des 18. Oktober 1944 trafen drei Brandbomben das Haus. Edith Ennen und der Institutssekretärin Anneliese Reinhardt gelang es, die Brände schnell zu löschen. Aber die Druckwelle einer in der Nähe niedergegangenen Luftmine hatte das Dach erheblich beschädigt. Die 40.000 Bände umfassende Bibliothek war schon 1943 ausgelagert und die meisten Sammlungen in den Keller verlegt worden. Die umfangreiche Sammlung des Rheinischen Ortslexikons wurde in den Keller des Hauses des Denkmalschutzes in der Bachstraße überführt. Dieses Haus fiel 1944 den Bomben zum Opfer. Der Keller konnte erst 1946 freigelegt werden, die komplette Sammlung war vermodert, die Karteikarten nicht mehr lesbar.

Bei den Kriegsschäden sollte es leider nicht bleiben. Am 18. Juni 1945, als längst die britische Armee Bonn übernommen hatte, meldete Edith Ennen einen Einbruch, bei dem die letzte Schreibmaschine des Instituts entwendet worden war. Die Diebstähle gingen weiter. Am Ende waren ein Lichtbildapparat, ein Fotoapparat, ein Tonograf und drei Schreibmaschinen verloren.


Leo Weisgerber Irwin Scollar

Irwin Scollar (Fotograf), Foto

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Bouvier-Verlag

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Bouvier

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Kurzbeschreibung
Leo Weisgerber mit Matronenstein
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Leo Weisgerber mit einem antiken Matronenstein

Von 1946 bis 1967 bestand am IGL unter der Leitung des Sprachforschers Leo Weisgerber eine „Abteilung für Siedlungs- und Kulturgeschichte der rheinischen Frühzeit“, die ihren Arbeitsschwerpunkt in der Bedeutung des Romanentums für die Entwicklung des Rheinlandes hatte. Durch diese Forschungen konnte das IGL zudem an den in der Nachkriegszeit populären Gedanken des „christlichen Abendlandes“ anknüpfen. Weisgerber hatte neben seiner Tätigkeit als Abteilungsleiter im IGL seinen Bonner Lehrstuhl für Keltologie und Allgemeine Sprachwissenschaft, auf den er 1942 berufen worden war, behalten. Daher gestaltete sich die Zusammenarbeit der rheinischen Abteilung für Siedlungs- und Flurgeschichte der rheinischen Frühzeit mit anderen sprachwissenschaftlichen Abteilungen der Universität sehr eng. Dennoch kam es bis zu Weisgerbers Emeritierung 1967 nicht zu einer Herauslösung der Abteilung aus dem IGL.





Institutsibliothek

Foto, 1926, Bonn

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Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Institut für Geschichtswissenschaft, Abteilung für Geschichte der Frühen Neuzeit und Rheinische Landesgeschichte

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Universität Bonn, IGW, FNZRLG

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Kurzbeschreibung
Ehemalige Institutsbibliothek
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Von großer Bedeutung für den Weiterbetrieb des Instituts war die Wiederaufstellung der Bibliothek. Aufgrund der Schäden an den übrigen Universitätsgebäuden stellte sie für viele Studierende der Geschichte die einzige Möglichkeit dar, an einschlägige Literatur zu kommen. Zwischen 1946 und 1949 steigt die Zahl der Bibliotheksbenutzungen auf ca. 45 pro Tag. Auch danach blieb es bei dieser hohen Zahl, obwohl andere Bibliotheken wieder zugänglich waren.



Prüfungsschild

Aus der Sammlung von

Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Institut für Geschichtswissenschaft, Abteilung für Geschichte der Frühen Neuzeit und Rheinische Landesgeschichte

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Universität Bonn, IGW, Abt. FNZRLG

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Kurzbeschreibung
Prüfungsschild der landesgeschichtlichen Abteilung
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Auch wenn die großen Forschungsprojekte des Instituts schon kurz nach der Wiedereröffnung der Universität wieder aufgenommen wurden, so lief der akademische Lehrbetrieb doch etwas langsamer an. Alle drei Abteilungsleiter, Steinbach, Meisen und Weisgerber, hatten gleichzeitig Lehrstühle in regulären Instituten der Universität. Ein Blick in die Vorlesungsverzeichnisse der ersten Nachkriegssemester zeigt, dass sie alle zunächst Fächer wie Verfassungs-, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, Volkskunde oder Sprachwissenschaften bedienten, bevor sie in späteren Semestern wieder auf Veranstaltungen mit dezidiert rheinischer Ausrichtung zurückkamen.
Die Sammlungen wurden, sofern sie ausgelagert waren, wieder aufgestellt und die Projekte der Flurnamen-Forschung, des Volkslied-Archivs und der Sprachentwicklung weitergeführt. Vom Anwachsen des Lehrbetriebs in dem längst wieder sehr beliebt gewordenen Institut zeugt das hier ausgestellte Hinweisschild.




Rheinische Vierteljahrsblätter 1948

Buch, 1948, Bonn

Aus der Sammlung von

Bouvier-Verlag

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Bouvier

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Kurzbeschreibung
13. Band der RhVjbll
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Erste Nachkriegsausgabe der Rheinischen Vierteljahrsblätter

Präsentation der kartographischen Rheinlandforschung

Die Arbeiten im Institut für geschichtliche Landeskunde der Rheinlande beruhten in allen Abteilungen ganz wesentlich auf der kartographischen Darstellung der Ergebnisse. Daher hatte Hermann Aubin schon 1926 einen weitgehend von seinem Assistenten Josef Niessen erarbeiteten „Geschichtlichen Handatlas der Rheinprovinz“ herausgegeben. Bereits 1946 nahm der Plan Gestalt an, dieses Buch wiederaufzulegen. Die neue Zeit zwang dazu, den Raum anders zu definieren und manche Karte zu überarbeiten oder neu hinzuzufügen, aber das Grundkonzept blieb bestehen und zeugt davon, dass man sich bemühte, vielfach auf die Zeit vor 1933 zurückzugreifen. 1950 erschien das Buch unter dem Titel „Geschichtlicher Handatlas der deutschen Länder am Rhein. Mittel- und Niederrhein“. Alle drei Abteilungen waren in den Karten vertreten.





Die verschiedenen Institutsgebäude

Anna Thinius, 2021

Aus der Sammlung von

Archiv der Universität Bonn

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Universitätsarchiv Bonn

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Die Institutsgebäude, Gemälde von Anna Thinius (2021)

05

Das Institut nach der Emeritierung Steinbachs

Das Institut nach der Emeritierung Steinbachs

Das Jahr 1961 bildet in der Geschichte des Instituts eine deutliche Zäsur, denn Franz Steinbach, der 35 Jahre lang als Direktor amtiert hatte, wurde emeritiert. Nun übernahm Franz Petri die Leitung des IGLs und der historischen Abteilung. Gleichzeitig erhielt er mit dem Lehrstuhl für Rheinische Landesgeschichte nur einen der beiden ehemaligen Lehrstühle Steinbachs. Letzterer hatte seit 1928 auch einen Lehrstuhl für allgemeine Wirtschaftsgeschichte, Sozial- und Verfassungsgeschichte inne, den nun Wolfgang Zorn übernahm und eine eigene Abteilung gründete, die aus den Räumlichkeiten des Instituts auszog.

Während Franz Petris Direktorenschaft war das IGL die treibende Kraft hinter der 1950 gegründeten Arbeitsgemeinschaft für westdeutsche Landes- und Volksforschung. Hier wurden die alten Netzwerke der in der NS-Zeit entstandenen und am Grenz- und Auslandsdeutschtum interessierten Westdeutschen Forschungsgemeinschaft reaktiviert. Unter Petris Leitung hielt die AG bis Ende der 1960er Jahre zahlreiche Tagungen ab, an denen Wissenschaftler aus den westlichen Nachbarstaaten teilnahmen. Nach seiner Emeritierung übernahm Edith Ennen 1968 die Leitung des Instituts. Sie gab der Stadtgeschichtsforschung wichtige Impulse und verschaffte sich durch ihre Publikationen ein internationales Renomée, das selbst japanische Forscher an die Bonner Universität zog. Gleichzeitig wurde unter ihr das Projekt des „Rheinischen Städteatlas“ begonnen.

Auch in der 2. Abteilung des Instituts gab es einen Personalwechsel: 1960 folgte auf Karl Meisen der ehemalige Assistent Matthias Zender als neuer Leiter. Schon vorher saß er im Institutsgebäude als Mitarbeiter des LVR und erarbeitete seit 1954 von hier aus die Neue Folge des Atlas der deutschen Volkskunde (ADV). Hatte sich bereits unter Meisen die Volkskunde immer mehr von der Sprachgeschichte emanzipiert, widmete sich auch Zender in besonderem Maße diesem Fach. Gleichzeitig entwickelten sich die Methoden der einzelnen Disziplinen stetig weiter und sorgten für eine zunehmende Spezialisierung der Fächer. So ist es kaum verwunderlich, dass Zenders Abteilung 1964 aufgeteilt wurde: Als Leiter der nun entstandenen Abteilung für Rheinische Sprachgeschichte wurde Rudolf Schützeichel berufen, der gleichzeitig als Mitdirektor des Germanistischen Seminars der Universität fungierte. Zender wurde Leiter der Abteilung für Rheinische Volkskunde und blieb in Personalunion Direktor des volkskundlichen Seminars. Das Rheinische Wörterbuch unterstand damit nicht mehr seiner Leitung. Dennoch machte sich Zender um dessen weitere Herausgabe verdient. Das RWB konnte 1971 abgeschlossen werden.





Franz Petri

Foto

Aus der Sammlung von

Archiv der Universität Bonn

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Universitätsarchiv Bonn, Porträtsammlung

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Kurzbeschreibung
Porträt Franz Petri
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Franz Petri (1903-1993) war seit 1926 am IGL beschäftigt und gilt als einer der führenden Köpfe der Bonner Westforschung. Während des Krieges agitierte er im Sinne des NS-Regimes in Belgien und Nordfrankreich. Aufgrund seines Engagements erhielt er erst 1950 wieder einen Lehrstuhl. Als Direktor des IGLs initiierte er ein großes Forschungsprojekt zur sozialen Bewegung während der Frühindustrialisieurng, das jedoch nie abgeschlossen wurde.



Edith Ennen

Foto

Aus der Sammlung von

Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Institut für Geschichtswissenschaft, Abteilung für Geschichte der Frühen Neuzeit und Rheinische Landesgeschichte

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Universität Bonn, IGW, Abt. FNZRLG

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Kurzbeschreibung
Porträt Edith Ennen
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Edith Ennen (1907-1999) schied nach 12-jähriger Tätigkeit 1947 am IGL aus und wurde Leiterin des Bonner Stadtarchivs. 1964 erhielt sie einen Lehrstuhl an der Universität des Saarlandes, bevor sie 1968 Direktorin des IGL wurde. Sie war die erste Lehrstuhlinhaberin an der Philosophischen Fakultät der Universität Bonn. Beginnend mit ihrer Promotion widmete sich Ennen der historischen Stadtforschung und publizierte mehrere forschungsleitende Werke.





Rheinischer Städteatlas

Edith Ennen (Hrsg.)/Klaus Flink (Bearb.), 1972, Bonn

Aus der Sammlung von

Bouvier-Verlag

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Bouvier

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Kurzbeschreibung
Titelblatt des Rheinischen Städteatlas, Band "Bonn"
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Im Sommer 1968 wurde mit der Erstellung des Rheinischen Städteatlas begonnen, der von Klaus Flink bearbeitet wurde. Darin werden rheinische Städte systematisch erfasst, die bis zum Jahr 1961 den Stadtstatus erhalten bzw. einmal getragen haben. Aus dem bis heute laufenden und 1978 vom LVR übernommenen Projekt sind mehr als 100 Bände hervorgegangen.



Adolf Bach und Rudolf Schützeichel

1961

Aus der Sammlung von

Archiv der Universität Bonn

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Universitätsarchiv Bonn, Nachlass Adolf Bach, Nr. 54

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Kurzbeschreibung
Bach und Schützeichel 1961
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Adolf Bach (l.) und Schützeichel (r.) im Jahre 1961

Rudolf Schützeichel (1927-2016) kam 1964 von der Universität Groningen nach Bonn und blieb bis 1969 Leiter der neuen Abteilung für Rheinische Sprachgeschichte. Er widmete sich besonders der Namenforschung und der rheinischen Überlieferung der althochdeutschen Zeit.





Institutsgebäude Am Hofgarten 22

Jonas Bechtold (Fotograf), Foto, 2020, Bonn

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Histrhen. Rheinische Geschichte wissenschaftlich bloggen

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Jonas Bechtold; Histrhen. Rheinische Geschichte wissenschaftlich bloggen

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Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Klagen über Raumnot im ehemaligen Institutsgebäude immer lauter. 1968 wurde das Haus Poppelsdorfer Allee Nr. 25/25a schließlich an den Versicherungskonzern Deutscher Herold veräußert. Deshalb zog das IGL an den Hofgarten. In dem 1953-1955 errichteten Gebäude war vorher das Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen untergebracht. An der zunächst nur als Provisorium gedachten Unterbringung änderte sich bis zur Auflösung des Instituts nichts mehr.



Heinrich Dittmaier

Foto

Aus der Sammlung von

Universität Bonn, Institut für Germanistik, Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft, Arbeitsstelle Rheinische Sprachforschung

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Universität Bonn, Institut für Germanistik, Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft, Arbeitsstelle Rheinische Sprachforschung

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Kurzbeschreibung
Porträt Heinrich Dittmaier
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Heinrich Dittmaier (1907-1970) war seit 1935 am Institut tätig und übernahm nach Josef Müllers Tod die Bearbeitung des Rheinischen Wörterbuchs, dessen Erscheinen er nicht mehr erlebte. Zudem publizierte er grundlegende Werke zur Namenkunde, darunter u. a. „Rheinische Flurnamen“ (1963). In Bonn-Ückesdorf ist eine Straße nach ihm benannt.





Jean Schoos

1963, Bonn

Aus der Sammlung von

Archiv der Universität Bonn

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Universitätsarchiv Bonn, Nachlass Jean Schoos, Nr. 69

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Kurzbeschreibung
Jean Schoos mit französischen Gästen 1963
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Schoos mit dem Bonner OB Wilhelm Daniels und Gästen aus Toulouse im Alten Rathaus, 1963.


Der Luxemburger Jean Schoos (1924-2005) wurde von seinem Landsmann Camille Wampach 1950 an das IGL vermittelt, wo er sich 1954 habilitierte und bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1989 tätig blieb. 1959 übernahm er die Partnerschaft zwischen den Universitäten Bonn und Toulouse. Seine wissenschaftlichen Arbeiten sowie die Bemühungen um das Deutsch-Französische Verhältnis brachten ihm zahlreiche Ehrungen ein.



Jubiläumspublikation 1970

Buch, 1970, Düsseldorf

Aus der Sammlung von

Rheinland-Verlag- und Betriebsgesellschaft (RVBG)
des Landschaftsverbandes Rheinland mbH

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Rheinland Verlag

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Kurzbeschreibung
Die Stadt Köln
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Zum 50. Jubiläum des Instituts im Jahre 1970 wurde eine Ausstellung im Bonner Landesmuseum geplant. Am Beispiel der Stadt Köln wurde die Arbeitsweise des Instituts und der interdisziplinäre Gründungsgedanke veranschaulicht.





Matthias Zender

Heinz Engels (Fotograf), Foto

Aus der Sammlung von

Stadtarchiv und Stadthistorische Bibliothek Bonn

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Stadtarchiv und Stadthistorische Bibliothek Bonn

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Matthias Zender (1907-1993) war seit 1929 im Institut beschäftigt. Von 1954 bis 1960 war er in Diensten des LVR, bevor er die zweite Abteilung des IGL als Leiter übernahm. Bestärkt durch den Erfolg des ADV verfolgte er seit Anfang der 1960er das Ziel, einen Ethnologischen Atlas Europas zu erarbeiten, für den Bonn die westeuropäische Koordinierungsstelle bildete. Das durch großen internationalen Austausch geprägte Projekt brachte zwar in den folgenden Jahren zahlreiche Gastforscher aus der ganzen Welt ans Institut wurde aber nach Zenders Emeritierung nie in dem ursprünglich geplanten Ausmaße fortgeführt.



Skizzenblatt zum ADV

Skizze, 1965

Aus der Sammlung von

Archiv des Atlas der deutschen Volkskunde (ADV), Abteilung Kulturanthropologie/Volkskunde, Institut für Archäologie und Kulturanthropologie, Universität Bonn

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Archiv des Atlas der deutschen Volkskunde (ADV), Abteilung Kulturanthropologie/Volkskunde, Institut für Archäologie und Kulturanthropologie, Universität Bonn

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Kurzbeschreibung
Skizze Pflug um 1900
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Neben der neuen Folge des ADV wurden ab Mitte der 1960er von Bonn aus auch zusätzliche volkskundliche Umfragen gestartet, die Lücken im Atlaswerk schließen sollten. Dazu zählt eine Befragung zur bäuerlichen Arbeitswelt um 1900. Von dem ersten Fragebogen (Auflage von 3.000 Stück) wurden innerhalb eines Jahres mehr als die Hälfte zurückgesandt. Hinzu kamen fast 6.000 einschlägige Fotos und selbst angefertigte Zeichnungen.



06

Das Institut von den 70er bis in die 90er Jahre

Das Institut von den 70er bis in die 90er Jahre

Mehr noch als in dem vorhergehenden Jahrzehnt wandelten sich im Laufe der 1970er Jahre die einzelnen am Institut vertretenen Disziplinen durch innerfachliche Paradigmen- und Methodenwechsel. Für diese Entwicklung standen auch stellvertretend die drei neu berufenen Abteilungsleiter am IGL. Augenfällig wird die Neuausrichtung dieser Generation gleichsam an der 1973 veranlassten Namensänderung der Abteilung für Rheinische Sprachgeschichte, die fortan als Abteilung für Rheinische Sprachforschung unter der Leitung von Werner Besch firmierte. Gleichzeitig erwuchs dem IGL durch Neugründungen von landesgeschichtlichen Instituten und Lehrstühlen wie z. B. in Mainz (1960), Trier (1970) oder Düsseldorf (1975/76) in unmittelbarer Nachbarschaft wissenschaftliche Konkurrenz.

Parallel dazu wurde das Bonner Institut zunehmend von der Universität absorbiert und für ihre Lehre beansprucht. Dieser Prozess zeigt sich besonders an dem von 1975 bis 1978 währenden Streit um die Bezeichnung des Instituts. Denn nun erhob der Landesrechnungshof des Landes NRW gegen den seit 1920 verwendeten Namen "Institut für geschichtliche Landeskunde an der Universität Bonn" Einspruch. Diese Bezeichnung könne die Zugehörigkeit der Institution zur Bonner Universität in Zweifel ziehen. Trotz mehrfacher Hinweise auf die beachtlichen Zuschüsse des LVR und das Eigenrecht der philosophischen Fakultät hinsichtlich der Institutsbezeichnung musste der Zusatz „an“ aus dem Namen gestrichen werden.

Mit diesem Absorptionsprozess durch die Universität korrespondierte die allmähliche Trennung zwischen LVR und IGL: Die landeskundliche Arbeitsstelle des LVR hatte ursprünglich ihren Sitz im Institutsgebäude, bis sie in den 1970er Jahren auszog. Aus dieser Arbeitsstelle entwickelte sich das Amt für Rheinische Landeskunde (heute: LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte). Zudem schlossen Institut und LVR 1975 einen Vertrag, der die Aufgaben der beiden Institutionen regeln und voneinander abgrenzen sollte.





Georg Droege

Foto, 1975, Bonn

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Archiv der Universität Bonn

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Universitätsarchiv Bonn, Best. 216, Institut für geschichtliche Landeskunde der Rheinlande, Nr. 295

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Georg Droege (1929-1993) wurde 1975 Direktor des IGL. Hier war er bereits von 1955 bis 1966 als Assistent tätig, bevor er 1970 einen Lehrstuhl in Trier erhielt. Sein Interesse galt vorrangig der mittelalterlichen Verfassungsgeschichte. Gemeinsam mit Franz Petri gab Droege von 1976 bis 1983 die „Rheinische Geschichte“ heraus und verwirklichte so ein bereits von Franz Steinbach beabsichtigtes Vorhaben: Die Erstellung einer für das breite Publikum bestimmten und den aktuellen Stand der Forschung zusammenfassenden Gesamtdarstellung der Geschichte des Rheinlandes. Zudem war Droege Mitbegründer der Gesellschaft für Rechtsgeschichte sowie des Brauweiler Kreises für Landes- und Zeitgeschichte.



Heinrich Leonard Cox

Foto, 1975, Bonn

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Archiv der Universität Bonn

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Universitätsarchiv Bonn, Best. 216, Institut für geschichtliche Landeskunde der Rheinlande, Nr. 295

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Heinrich Leonard Cox (1935-2016) übernahm 1975 die volkskundliche Abteilung von Matthias Zender und stand ihr 25 Jahre lang vor. Während dieser Zeit vollzog sich die Neuorientierung des Fachs zu einer empirisch arbeitenden Sozial- und Kulturwissenschaft. Demgegenüber trat das Interesse an den Ergebnissen des ADV zunehmend zurück.





Werner Besch

Aus der Sammlung von

Archiv der Universität Bonn

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Universitätsarchiv Bonn, Best. 216, Institut für geschichtliche Landeskunde der Rheinlande, Nr. 295

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Kurzbeschreibung
Besch als Universitätsrektor
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Werner Besch (*1928) war seit 1970 bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1993 Leiter der sprachgeschichtlichen Abteilung. Neben innovativen Projekten zum aktuellen Sprachverhalten trat unter seiner Führung auch die Erforschung der neuhochdeutschen Schrift- und Standardsprache bis ins 19. Jahrhundert. Zudem war Besch in den Jahren 1981 bis 1983 Rektor der Universität Bonn.



Einladung zum Kennenlernen mit Bonner Sprachforschern

1972

Aus der Sammlung von

Universität Bonn, Institut für Germanistik, Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft, Arbeitsstelle Rheinische Sprachforschung

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Universität Bonn, Institut für Germanistik, Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft, Arbeitsstelle Rheinische Sprachforschung

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Kurzbeschreibung
Einladung zur Erp-Befragung
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Zwischen 1971 und 1974 wurden in Erftstadt-Erp Sprachaufnahmen der männlichen Einwohner durchgeführt. Im Gegensatz zum Ansatz der älteren Forschung galt das Interesse bei diesem Vorhaben jedoch nicht mehr dem Ortsdialekt selbst, sondern dem gegenwärtigen Sprachgebrauch der Bewohner. So kamen auch keine Fragebögen mehr zum Einsatz. Die Germanisten interviewten stattdessen die Bewohner persönlich. Das noch bis 1982 durchgeführte „Erp-Projekt“ und seine Ergebnisse erhielten große öffentliche und wissenschaftliche Aufmerksamkeit. 1995 wurde die erste Anschlussstudie aufgelegt und noch heute beschäftigt sich die Germanistik mit den Ergebnissen des für viele weitere Untersuchungen der Sozialdialektologie zum Modell gewordenen Projekts.





Wilhelm Janssen

Foto

Aus der Sammlung von

Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Institut für Geschichtswissenschaft, Abteilung für Geschichte der Frühen Neuzeit und Rheinische Landesgeschichte

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Universität Bonn, IGW, Abt. FNZRLG

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Kurzbeschreibung
Porträt Wilhelm Janssen
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Wilhelm Janssen (1933-2021) war der erste Leiter des IGL, der vorher kein Schüler Steinbachs gewesen ist. Nach Studium und Promotion an der Universität zu Köln wurde er Archivar und leitete bis 1992 das Hauptstaatsarchiv Düsseldorf. Anschließend übernahm er die historische Abteilung des IGL und blieb bis zu seiner Emeritierung (1998) in Bonn. 1997 gab er die „Kleine Rheinische Geschichte“ heraus. Im Gegensatz zum mehrbändigen Vorgänger war das neue Werk handlicher und lediglich auf eine geschichtswissenschaftliche Perspektive beschränkt. Zudem stand darin die ehemalige Rheinprovinz im Fokus, während die ältere „Rheinische Geschichte“ auch mittel- und oberrheinische Gebiete behandelte.



Kleine Rheinische Geschichte

Wilhelm Janssen, Buch, 1997, Bonn

Aus der Sammlung von

Patmos-Verlag

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Bibliographisches Institut GmbH

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Kurzbeschreibung
Überblicksdarstellung zur rheinischen Geschichte von Wilhelm Janssen
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Die 1997 von Janssen veröffentliche "Kleine Rheinische Geschichte"


Erp-Befragung

Anna Thinius, 2021

Aus der Sammlung von

Archiv der Universität Bonn

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Universitätsarchiv Bonn

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Szene einer Befragung zum Erp-Projekt, Gemälde von Anna Thinius (2021)

07

Das Institut während der Bolognareform

Das Institut während der Bolognareform

Bereits vor Einleitung des Bolognaprozesses tat sich am Institut einiges: Auf den 1993 emeritierten Werner Besch folgte Thomas Klein (*1943) als neuer Leiter der Abteilung für Rheinische Sprachforschung. Manfred Groten (*1949) übernahm 1999 die landesgeschichtliche Abteilung und wurde damit letzter Direktor des IGL. Im Jahr 2000 erfolgte schließlich die Emeritierung von Heinrich Leonard Cox, dessen Lehrstuhl nicht neu besetzt wurde. Seit 2002 wurde er von Gunther Hirschfelder (*1961) vertreten, der dadurch auch die volkskundliche Abteilung leitete.

In den 1990er und frühen 2000er Jahren schritt die bereits vorher konstatierte Verselbständigung und Spezialisierung der am IGL vertretenen Fächer weiter voran. Zusätzlich eröffneten nun EDV-gestützte Verfahren den einzelnen Disziplinen ganz neue Arbeitsfelder. Diese Möglichkeiten wurden mit der computerbasierten Auswertung des ADV-Materials oder dem Mitte der 1990er Jahre initiierten Projekt eines Historischen Rheinischen Wörterbuchs (HRWB) sogleich genutzt. Dennoch bemühte sich die landesgeschichtliche Abteilung gemeinsam mit den Germanisten in verschiedenen Projekten mehrfach, den ursprünglichen Gedanken der interdisziplinären Zusammenarbeit zu verwirklichen. Bei diesen Vorhaben lag ein besonderer Schwerpunkt auf der Kölner Stadtgeschichte des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit. Ein zusätzliches Unternehmen, an dem sich die Abt. für Rheinische Sprachforschung beteiligte, war die u.a. von Werner Besch eingeleitete Bearbeitung und Herausgabe des Nordsiebenbürgisch-Sächsischen Wörterbuchs, die 2006 vollendet werden konnte. Das Zettelarchiv des Wörterbuchs befand sich seit 1967 im Institutsbesitz.

Durch die Umsetzung der Bolognareform an der Universität Bonn waren die Fakultäten gezwungen, ausreichend große Institute zu schaffen, um die erforderliche Mindestanzahl von Absolventinnen und Absolventen pro Jahr zu gewährleisten. Die Philosophische Fakultät legte ihre zahlreichen Seminare und Institute zu zehn Großinstituten zusammen. In diesem Rahmen wurde das Institut für geschichtliche Landeskunde der Rheinlande 2005 als eigenständige Betriebseinheit offiziell aufgelöst. Die ehemaligen Abteilungen saßen zwar weiterhin gemeinsam im Gebäude am Hofgarten wurden aber unterschiedlichen Fachbereichen und deren neugegründeten Instituten zugeordnet. Nach wie vor bestehen die Rheinischen Vierteljahrsblätter sowie die Schriftenreihe „Rheinisches Archiv“, in denen neben landesgeschichtlichen auch Arbeiten aus der Sprachforschung publiziert werden. Ebenso bezeugen die jährlich in Kooperation mit dem Verein für geschichtliche Landeskunde der Rheinlande veranstalteten Herbsttagungen das noch heute lebendige Vermächtnis des Instituts.





Manfred Groten

Jonas Bechtold, Foto, 2019, Bonn

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Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Institut für Geschichtswissenschaft, Abteilung für Geschichte der Frühen Neuzeit und Rheinische Landesgeschichte

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Jonas Bechtold; Universität Bonn, IGW, Abt. FNZRLG

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Kurzbeschreibung
Manfred Groten auf der Herbsttagung 2019
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Vor seiner Zeit am IGL war Manfred Groten (*1949) seit 1979 am Historischen Archiv der Stadt Köln tätig. Sein Forschungsschwerpunkt liegt auf der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Geschichte sowie der Kölner Stadtgeschichte.





Startseite Weinsberg-Projekt

Prof. Dr. Manfred Groten (Projektleiter), Tobias Wulf (Redaktion und Webdesign) sowie Alexander Boden und Ingo Eichfeld (Datenbankmanagement), Homepage

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Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Institut für Geschichtswissenschaft, Abteilung für Geschichte der Frühen Neuzeit und Rheinische Landesgeschichte

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Universität Bonn, IGW, Abt. FNZRLG

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Kurzbeschreibung
Startseite
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Im Jahr 2002 wurde am IGL mit der Erarbeitung einer vollständigen und originalgetreuen Gesamtausgabe der Aufzeichnungen des Kölner Patriziers Hermann Weinsbergs (1518-1597) begonnen. Sie sollte die ältere und lückenhafte Auswahledition des für Geschichts- wie Sprachwissenschaft bedeutsamen Werks ersetzen und den Text für eine digitale Verwendung nutzbar machen. Seit 2003 umfasste das Projekt auch eine Publikationsplattform im Internet, die seither stetig erweitert wurde.

Herbsttagung 2005



Auf der am 25. und 26. September 2005 veranstalteten Herbsttagung "Landesgeschichte auf dem Prüfstand" sollte die Geschichte des kurz zuvor aufgelösten Instituts reflektiert und die heutige Relevanz der Landesgeschichte veranschaulicht werden. Der 2007 erschienene Tagungsband ist gleichzeitig eine letzte Bilanz des ehemaligen Instituts, an dem sich alle früheren Abteilungsleiter beteiligten.



Karte "Kartoffel" des Rheinischen Wortatlas (RWA)

Lausberg, Helmut/Möller, Robert (Bearb.), Karte, 2000, Bonn

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Bouvier-Verlag

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Bouvier

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Kurzbeschreibung
Karte Nr. 1 des RWA
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1996/1997 wurden die Mitglieder des Vereins für geschichtliche Landeskunde der Rheinlande per Fragebogen über die damals gebräuchlichen dialektalen Entsprechungen von 90 standardsprachlichen Begriffen befragt. Neben demselben Untersuchungsgebiet (ehem. Rheinprovinz) gewährleistete auch die Auswahl der gesuchten Begriffe eine teilweise Vergleichbarkeit mit den Erkenntnissen des Rheinischen Wörterbuchs. So ließ sich zusätzlich die Veränderung des Dialektwortschatzes in den letzten 100 Jahren erforschen. Schließlich konnten ca. 80.000 Wortbelege gesammelt werden, die mit Hilfe eines geographischen Informationssystems auf Karten vermerkt und als Rheinischer Wortatlas 2000 publiziert wurden.



Startseite des Digitalen Nordrheinischen Flurnamenarchivs

Tobias Vogelfänger, Homepage

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Universität Bonn, Institut für Germanistik, Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft, Arbeitsstelle Rheinische Sprachforschung

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Universität Bonn, Institut für Germanistik, Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft, Arbeitsstelle Rheinische Sprachforschung

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Kurzbeschreibung
Startseite Digitales Nordrheinisches Flurnamenarchiv
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Anfang der 2000er Jahre wurde durch Tobias Vogelfänger mit dem Aufbau einer Datenbank begonnen, die als „Digitales Nordrheinisches Flurnamenarchiv“ damals noch gebräuchliche Flurnamen im NRW-Landesteil Nordrhein erfassen und samt deren geographischen Koordinaten speichern sollte. Eingepflegt wurden zusätzlich auch die Belege aus Heinrich Dittmaiers Buch „Rheinische Flurnamen“, wenngleich die Ausrichtung des Projektes in erster Line sprachgeographisch war.

Die Edition der "Sammlung Scheben"



1972 erhielt das IGL aus dem Nachlass von Josef Scheben (1903-1973), einem Schüler Steinbachs, eine einzigartige Spezialsammlung zur Auswanderung aus den Rheinlanden. Scheben hatte in den 1930er Jahren am Institut über das Thema gearbeitet. Neben allerhand Spezialliteratur umfasste die Sammlung auch zahlreiche Abschriften von Briefen rheinischer Auswanderer. Ihrer Edition widmeten sich die am IGL beschäftigten Historiker Marlene Nikolay-Panter und Wolfgang Herborn gemeinsam mit dem Germanisten Jürgen Macha 2003 in einer interdisziplinären Publikation.



Zoom-Konferenz

Anna Thinius, 2021

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Archiv der Universität Bonn

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Universitätsarchiv Bonn

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Universitäre Lehre in Zeiten der Pandemie, Gemälde von Anna Thinius (2021)

08

Die neuen Abteilungen

Abteilung für Geschichte der Frühen Neuzeit und Rheinische Landesgeschichte, Institut für Geschichtswissenschaft



Die 2005 neu geschaffene Abteilung für Rheinische Landesgeschichte des Instituts für Geschichtswissenschaft wurde bis zu seiner Emeritierung von Manfred Groten geleitet. Als sich abzeichnete, dass der Lehrstuhl im Rahmen von Einsparmaßnahmen der Philosophischen Fakultät nicht mehr besetzt werden sollte, formierte sich zahlreicher Protest dagegen. Eine im Jahr 2014 gestartete Online-Petition, die sich für den Erhalt des Lehrstuhls einsetzte, wurde innerhalb weniger Monate fast 4.000 Mal unterzeichnet. 2015 entschied sich die Fakultät schließlich dazu, den landesgeschichtlichen Lehrstuhl mit dem ebenfalls vakanten Lehrstuhl für Geschichte der Frühen Neuzeit zusammenzulegen. Als neuer Abteilungsleiter wurde 2016 Michael Rohrschneider berufen.

Die seit 2016 bestehende Abteilung für Geschichte der Frühen Neuzeit und Rheinische Landesgeschichte zeichnet sich somit durch eine doppelte Profilbildung in Forschung und Lehre aus: In epochenspezifischer Hinsicht wird die „Frühe Neuzeit“ als Teilepoche der neuzeitlichen Geschichte in offener Perspektive vom späteren 15. bis zum frühen 19. Jahrhundert behandelt. Neben dem Heiligen Römischen Reich deutscher Nation und seinen Territorien bildet dabei die europäische Geschichte mit ihren internationalen Verflechtungen einen Schwerpunkt von Forschung und Lehre. Transepochal widmet sich die Abteilung dem Rheinland als einem Kernraum der europäischen Geschichte. Die räumliche Fokussierung ermöglicht dabei die inhaltliche und epochale Ausweitung des Blicks auf zahlreiche Aspekte des menschlichen Lebens vom frühen Mittelalter bis zur Zeitgeschichte.


Der neue Lehrstuhl führt durch die Angliederung der Bibliothek für geschichtliche Landeskunde der Rheinlande, die Herausgabe der Rheinischen Vierteljahrsblätter und des Rheinischen Archivs sowie seine diversen Kooperationen mit dem Landschaftsverband Rheinland (LVR) zahlreiche Traditionen des ehemaligen Instituts fort. Dazu gehört auch die quellenbasierte Forschung und Lehre der Abteilung. Dies wird besonders durch das ebenfalls dem Lehrstuhl angegliederte Zentrum für Historische Friedensforschung (ZHF) mit seiner umfangreichen Spezialbibliothek und seiner Sammlung von Druckwerken und Reproduktionen von Archivalien aus nahezu 160 europäischen Archiven zur frühneuzeitlichen Friedensgeschichte verdeutlicht.



Michael Rohrschneider

Volker Lannert (Fotograf), Foto, 2021, Bonn

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Universität Bonn, Dezernat 8 für Presse und Kommunikation, Presseservice

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Universität Bonn, Presseservice

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Abteilungsleiter Prof. Dr. Michael Rohrschneider


Bibliothek des ZHF

Jonas Bechtold (Fotograf), Foto

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Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Institut für Geschichtswissenschaft, Abteilung für Geschichte der Frühen Neuzeit und Rheinische Landesgeschichte

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Jonas Bechtold; Universität Bonn, IGW, Abt. FNZRLG

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Die Bibliothek des Zentrums für Historische Friedensforschung

Arbeitsstelle Rheinische Sprachforschung, Institut für Germanistik, Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft

Mit der Auflösung des Instituts für geschichtliche Landeskunde der Rheinlande gingen auch im Bereich Sprache Stellenstreichungen einher; im Ergebnis gibt es keine Dauer- und damit auch keine ständige Anlaufstelle mehr, und auch die halbe Sekretariatsstelle fiel den Einsparungen der Universität zum Opfer. Seit 2009 ist Prof. Dr. Claudia Wich-Reif, die als Nachfolgerin von Prof. Dr. Thomas Klein den Lehrstuhl für Geschichte der Deutschen Sprache und Sprachliche Variation innehat, qua Amt Leiterin der Arbeitsstelle Rheinische Sprachforschung. Trotz der Reduktionen war es in den letzten Jahren in enger Zusammenarbeit mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Lehrstuhls möglich, erfolgreich Sprachforschung zu betreiben.

Zur Erforschung der Sprache der Rheinlande, womit weitgehend der Raum der ehemaligen Preußischen Rheinprovinz erfasst ist, beschäftigen sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Arbeitsstelle Rheinische Sprachforschung (bis 2005 Abteilung Sprachforschung des Instituts für geschichtliche Landeskunde der Rheinlande) mit einer Reihe von Vorhaben, die historische und gegenwärtige Phänomene der Sprachgeschichte und Sprachvariation umfassen, was sich auch gut am Lehrveranstaltungsangebot ablesen lässt. Im Wintersemester werden schwerpunktmäßig historische, im Sommersemester variationslinguistische Themen angeboten.

Der Bereich der Sprachgeschichte umfasste in der jüngeren Zeit Projekte, die sich der Lexikologie und Lexikographie, der Erstellung eines Referenzkorpus in einem größeren Verbund und der Erforschung der historischen Syntax im Rahmen einer umfangreichen Grammatik widmen. Im Projekt „Referenzkorpus Mittelhochdeutsch (ReM)“ ging es um ein repräsentatives, digitales Korpus für die Erforschung des Mittelhochdeutschen (1050-1350), gemeinsam mit Prof. Stefanie Dipper und Prof. Dr. Klaus-Peter Wegera (Universität Bochum). Am Standort Bonn wurde das Projekt in der ersten Phase von Thomas Klein, in der zweiten Phase von Claudia Wich-Reif geleitet. Im Bereich der Lexikologie und Lexikographie wurde auf der Basis eines Konvoluts von ripuarischen Texten aus dem Spätmittelalter unter Ko-Leitung von Dr. Eva Büthe-Scheider (jetzt: „Althochdeutsches Wörterbuch“, Leipzig) begonnen, ein digitales „Historisches Rheinisches Wörterbuch“ zu erstellen, das als Ergänzung zum Großprojekt „Rheinisches Wörterbuch“ den älteren regionalen Wortschatz erfassen soll. In jüngster Zeit wurde zusammen mit mehreren Kolleginnen und Kollegen anderer deutscher Universitäten damit begonnen, den Syntaxband der „Mittelhochdeutschen Grammatik“ zu schreiben.

Im Mittelpunkt der Sprachvariation steht das Projekt „Dialektatlas Mittleres Westdeutschland (DMW)“, das für den Zeitraum 2016 bis 2032 von der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste und der Union der Deutschen Akademien der Wissenschaften gefördert wird. Geleitet wird das Projekt von Prof. Dr. Claudia Wich-Reif gemeinsam mit Prof. Dr. Helmut Spiekermann (Universität Münster), Prof. Dr. Doris Tophinke (Universität Paderborn) und Prof. Dr. Petra Vogel (Universität Siegen, Sprecherin). Unterstützt wird Claudia Wich-Reif an der Arbeitsstelle von Lisa Glaremin, Tim Krokowski (Lehrstuhl) und Malin Ostermann. Ziel ist die systematische Erhebung sowie Auswertung und Interpretation von derzeit noch fassbaren dialektalen bzw. standardfernen Sprechweisen (Varietäten) in Nordrhein-Westfalen und in Teilen von Niedersachsen und Rheinland-Pfalz auf verschiedenen sprachlichen Ebenen (Lexik, Morphologie, Phonologie und Syntax). Um im Vergleich der Generationen den sprachlichen Wandel zu erfassen, werden sowohl eine ältere Generation (i. Allg. 70 Jahre und älter) als auch eine jüngere Generation (ca. 30 bis 45 Jahre) an Orten befragt, die bereits von Georg Wenker im 19. Jahrhundert erhoben wurden. Heute schon können unter https://www.dmw-projekt.de/?page_id=833 Karten abgerufen werden, die auf der Basis von Aussprachen/Verschriftungen automatisch erzeugt werden. Die wissenschaftliche Auswertung erfolgt erst, wenn alle Sprachdaten erhoben sind. Dr. Jessica Ammer und Maike Edelhoff sind als Mitarbeiterinnen der Arbeitsstelle Rheinische Sprachforschung momentan damit beschäftigt, die vor Ort vorhandenen Archive aus älteren Projekten zu sichten und zu katalogisieren – etwa digitalisierte Tonbandaufnahmen aus der Erp-Erhebung und ein Flurnamenverzeichnis aus dem Rheinland und aus Siebenbürgen, um sie – soweit diese von allgemeinem Interesse sind – einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.





Claudia Wich-Reif

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Universität Bonn, Dezernat 8 für Presse und Kommunikation, Presseservice

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Universität Bonn, Presseservice

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Die Leiterin der Arbeitsstelle Prof. Dr. Claudia Wich-Reif

Abteilung für Kulturanthropologie/Volkskunde, Institut für Archäologie und Kulturanthropologie



Als Teil des 1920 gegründeten Instituts für geschichtliche Landeskunde der Rheinlande (IGL) spezialisierte sich der Bonner Standort langfristig auf die so genannte „Kulturraumforschung“ sowie kulturelle Phänomene des Rheinlands. Mit dem Aufbau einer Landesstelle des Atlas der deutschen Volkskunde (ADV) 1929, der Gründung des Volkskundlichen Seminars an der Universität Bonn im Jahr 1948 sowie der Neugründung der ADV-Zentralstelle 1954 wurde dieses Profil weiter ausgebaut.

Ab dem Jahr 2000 erregte der Standort durch die lange Vakanz des Lehrstuhls zwischen 2000 und 2014 sowie die damit verbundenen Bemühungen um den Erhalt des Fachs in Bonn besondere Aufmerksamkeit. So vertrat Gunther Hirschfelder die Professur seit der Emeritierung von H.L. Cox bis ins Jahr 2010. Im Zuge der „Bologna-Reformen“ im Jahr 2006 und damit verbundener Umstrukturierungen wurde das Seminar als Abteilung Kulturanthropologie/Volkskunde in das Institut für Germanistik, Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaften überführt.

2012 wurde die Abteilung in ein neu gegründetes Institut für Archäologie und Kulturanthropologie integriert. Ab dem Wintersemester 2013/2014 bot die Abteilung zusammen mit der Abteilung Altamerikanistik/Ethnologie einen eigenen Masterstudiengang Kulturanthropologie/Volkskunde an, der mittlerweile unter dem Namen „Transkulturelle Studien/Kulturanthropologie" firmiert. Ab dem Sommersemester 2014 wurde die Professur für Kulturanthropologie/Volkskunde wieder besetzt, und zwar mit dem aktuellen Stelleninhaber Ove Sutter. Als Juniorprofessur mit „tenure-track“ gestartet, ist die Professur seit 2020 verstetigt.
 Aktuelle Forschungen an der Abteilungen nehmen zumeist das Rheinland als Ausgangspunkt, um von hier aus unterschiedliche kulturelle Phänomene in ihren transregionalen und globalen Vernetzungen zu untersuchen. Nach wie vor betreut die Abteilung das Archiv des Atlas der deutschen Volkskunde. Gleichzeitig umfasst das gegenwärtige Forschungsprofil so unterschiedliche Themen wie zivilgesellschaftliche Hilfe für Geflüchtete, die alltagsweltlichen Aushandlungen von EU-Entwicklungsprogrammen für den ländlichen Raum, alltagskulturelle Dimensionen des Klimawandels, Gaming Events oder auch die Produktion von Bildern des Rhein- und Ruhrgebiets in den Sozialen Medien. In jüngster Zeit ist die Abteilung erfolgreich in die Transformation des Bonner Stadtmuseums in ein Museum für historische und gegenwärtige Alltagskulturen involviert. Einen Einblick in diese Forschungsvorhaben und aktuellen Projekte gibt der „Alltagswelten Blog“ über den sich die Abteilung der interessierten Öffentlichkeit präsentiert.



Ove Sutter

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Universität Bonn, Institut für Archäologie und Kulturanthropologie, Abteilung Kulturanthropologie/Volkskunde

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Universität Bonn, Institut für Archäologie und Kulturanthropologie, Abteilung Kulturanthropologie/Volkskunde

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Abteilungsleiter Prof. Dr. Ove Sutter

Eine virtuelle Ausstellung von

Erstellt mit :
DDB Studio
Ein Service von:
DDB Studio

Diese Ausstellung wurde am 01.11.2021 veröffentlicht.



Impressum

Die virtuelle Ausstellung Region als gemeinsame Aufgabe wird veröffentlicht von:

Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Institut für Geschichtswissenschaft
Abteilung für Geschichte der Frühen Neuzeit und Rheinische Landesgeschichte


Am Hofgarten 22
53113 Bonn


gesetzlich vertreten durch

Prof. Dr. Michael Rohrschneider

Telefon: +49 228 73-7553
Fax: +49 228 73-7562
E-Mail:  fnzrlg.sekretariat@uni-bonn.de

Inhaltlich verantwortlich:

Prof. Dr. Michael Rohrschneider
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Institut für Geschichtswissenschaft
Abt. für Geschichte der Frühen Neuzeit und Rheinische Landesgeschichte
Am Hofgarten 22, D-53113 Bonn

Kurator*innen:

Philipp Gatzen M.A.

 

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