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Made in Franken

Von Hinterhoffabriken und Weltkonzernen

Eine virtuelle Ausstellung von

Oh wie schön ist Franken...

Franken ist nicht nur die Heimat von Karpfen, Bier und Bratwürsten, sondern auch Ursprung einer Vielzahl von Radioproduzenten und Fernsehherstellern. Ob Hinterhoffabrik oder Weltkonzern – bedeutende Hersteller von Rundfunkgeräten sind eng mit Franken verbunden.

Begeben Sie sich auf einen Spaziergang durch das Franken der Unterhaltungselektronik und lernen Sie die Radios und Fernseher aus fränkischer Produktion kennen.

Grundig: Ein Stück fränkische Wirtschaftsgeschichte

Europas größter Radioproduzent, weltgrößter Tobandgerätehersteller aus Fürth

Max Grundig: ein geborener Unternehmer

Die Wurzeln der Firma Grundig liegen in den 1930er Jahren. Max Grundig reparierte und verkaufte Radios. Nach dem Krieg wandelte sich das Unternehmen vom Händler zum Produzenten und steht wie kaum eine andere Marke für das westdeutsche Wirtschaftswunder. Als weltgrößter Tonbandhersteller und Europas größter Radioproduzent explodierte der Umsatz. Die Zahl der Beschäftigten stieg von 117 (1947) auf 30.000 (1960) an. Max Grundig führte seinen Betrieb lange Zeit patriarchisch, hemdsärmelig und mit großem unternehmerischen Geschick.

Konkurrenz, Abwärtstrend und Insolvenz

Ab 1979 begann der Abwärtstrend, Grundig schrieb rote Zahlen. Die Konkurrenz aus Asien nahm zu, die Unterhaltungselektronikbranche befand sich im Umbruch. Nach bereits bestehenden Kooperationen übernahm Philips 1983 die Aktienmehrheit. Ein Jahr später verließ Max Grundig das Unternehmen. 1998 zog sich Philips zurück, was in der Insolvenz 2003 mündete. Die türkische Unternehmensgruppe Koç sicherte sich unter anderem die Namensrechte. Zu ihr gehört die Grundig Intermedia GmbH, die heute Produkte unter dem Namen Grundig vertreibt.
Grundig Video 2000: zwar technisch besser, dennoch konnte es sich nicht gegen die Konkurrenz durchsetzen.

Padora: Am Anfang stand ein Güterzug...

1945 gründete Josef Pazdera unter beinahe mysteriösen Umständen die Firma Padora in Coburg-Ketschendorf. 1950 ging sie in Konkurs.

Abenteuerliche Gründung

Die Gründungsgeschichte der Firma Padora klingt fast wie ein Abenteuerroman. In den letzten Kriegstagen blieb ein mit Nachrichtengeräten beladener Güterzug am Rande des Frankenwalds liegen. Die Plünderungen waren schon in vollem Gange, als die US-Amerikaner eintrafen und die Geräte beschlagnahmten. Aufgrund seiner guten Beziehungen zum US-Militärkommandanten bekam der Tscheche Josef Pazdera nach Kriegsende die Erlaubnis, mit diesem Material als Grundstock eine Radiofabrik zu gründen. Rasch lief die Fertigung an.

Schwerer Stand

Die Bedingungen waren jedoch mitunter schwierig. Geschultes Personal war nicht verfügbar, Fabrikationseinrichtungen und Hilfsmittel wurden improvisiert. Im Jahr 1947 begann die Fließbandarbeit im größeren Maße. 150 Angestellte zählte das junge Unternehmen. Zwei Jahre später kam der Allstrom-Sechskreiser GW 6550 auf den Markt. Dieser stellte jedoch die letzte Padora-Produktion dar: 1950 drehte Philips – finanziell am Unternehmen beteiligt – den Geldhahn zu und Padora ging in Konkurs.

Lumophon: Licht und Töne aus der Schlossstraße

1920 in Nürnberg gegründet, ging Lumophon später in Grundig auf

Gründung und Gloria

Die Wurzeln des Unternehmens Lumophon liegen in der Firmengründung von Hans Bruckner am 24.11.1919. Ein Jahr später holte der ehemalige TeKaDe-Mitarbeiter mit Karl Stark einen ehemaligen Kollegen ins Boot: Bruckner & Stark, Fernsprechapparatefabrik war geboren. Ab 1928 firmierte das Unternehmen als Lumophon. Der größte Erfolg in ihrer Geschichte gelang Lumophon mit dem Zweikreisgerät „Gloria“ von 1929/30, was zu einer sprunghaften Werkserweiterung an der Schlossstraße 62 führte.

Mit Nürnberger Motiven warb Lumophon für den „Burggraf“. Einen markanten Turm der Stadtmauer nahm die Firma in ihr Logo auf.

Im Zeichen der Burg

Die Lumophon-Geräte genossen weltweit Ansehen und galten als Spitzenerzeugnisse deutscher Fertigung. Ende 1935 kamen trotzdem große finanzielle Schwierigkeiten auf. Karl Stark konnte diese mit Zugriff auf sein Privatvermögen abwenden. Lumophon erholte sich nach dem Krieg rasch von den Bombenschäden und kam 1949 wieder auf 800 Angestellte. Umso überraschender war es, als Lumophon 1951 für 1,7 Millionen D-Mark an Grundig verkauft wurde.

TeKaDe: Röhren, Radios, Fernseher

Die Nürnberger Firma war für ihre Mehrfachröhren berühmt, brachte aber auch Radios und Fernseher auf den Markt.

Röhren: lautstark und klangrein

TeKaDe war das Telegrammwort für die Süddeutsche Telefon-Apparate-, Kabel- und Drahtwerke AG. Diese wurde am 2. August 1912 in Nürnberg als eigenständige Gesellschaft durch das Stammhaus Felten und Guilleaume gegründet. Die Firma war über den Mutterkonzern an der Auswertung der Patente des Physikers Robert von Lieben beteiligt.  So entstand neben der Telefon- und Kabelherstellung die Entwicklung und Fertigung von Röhren – seit 1923 auch für die Radioindustrie.

Von Fernsehern zu Mobilfunk

Auch Radios produzierte TeKaDe ab 1931 für den Massenmarkt. Ab 1928 befasste sich TeKaDe  mit der Fernsehtechnik, erste mechanische Fernsehgeräte und Bausätze entstanden. Nach der Aufgabe der Radio- und Fernsehproduktion 1957 rückten die Kabelfertigung, die Halbleiterproduktion und der Mobilfunk in den Fokus. 1982 erfolgte mit Philips die Gründung der Philips Kommunikations Industrie AG, die später in die Lucent Technologies überging. 2006 erfolgte eine Fusion mit Alcatel, später mit Nokia.

Friho: Saubere Detektorempfänger

In München produzierte die Fritz Hofmann AG elektrotechnische, optische und medizinische Geräte. 1922 gründete die Firma ein Zweigwerk in Erlangen. Neben der Entwicklung und Fabrikation von Röntgeneinrichtungen war dort auch die Abteilung für Rundfunktechnik untergebracht. Ab 1924 produzierte die Firma NF-Verstärker, verschiedene Detektorempfänger, Kopfhörer und ein Lautsprechermodell. Vor allem Aufsteckdetektoren wie der „Friho 20“ wurden in großer Stückzahl hergestellt und verkauft. Von 1924 bis 1927 fertigte die Firma auch einen Detektorapparat, den „Friho 1“.

Wie gut ist Ihr Fränkisch?

Sprechen Sie "fränggisch"? In unserem Crash-Kurs treffen Sie auf typische fränkische Wörter, die in keiner anderen Sprache so schön klingen...

"Neili woan mir in Fädd aaf Kärwa. Midd de‘ Quedschn homs Kärwaliela gschbillt. A wos für Neigschmeggde!"

Neigschmeggde‘ (frä) = Zugezogene (dt.)

"Neulich waren wir in Fürth auf der Kirmes. Auf der Ziehharmonika spielten sie Kirchweihlieder. Eine Attraktion auch für Zugezogene!"

"Dei Gwaaf is a Gschmarri. Suu una suu, bisd a alde Raadschkaddl!"

Gwaaf  (frä.) = Geschwätz (dt.)

"Dein Geschwätz ist Unsinn. Überhaupt bist du eine ewige Klatschkatharina."
Platz 8 der "Dob 20" von Moderator Helmut Föttingers "Fränkisch für Anfänger" bei Radio F: "Gwaaf"

"Am Sunndoch soll i fü’rn Masde‘ a Meddslsubbm hulln!? Na, wergli net!"

Masde' (frä.) = Meister (dt.)

"Am Sonntag soll ich dem  Meister eine Schlachtschüssel besorgen!? Das kann er vergessen!"

"Den Schosch homs beim Grundich gfei’d. Dunne’wedde‘ numoal naa!"

feie'n (frä.) = feuern, entlassen (dt.)

"Georg wurde bei Grundig entlassen. So ein Unglück!"

"Des Raadio is fei gscheid laud. Bisd na du doosäred?"

gscheid, arch (frä.) = sehr (dt.)

"Das Radio ist sehr laut. Bist du wohl schwerhörig?"

Loewe: Klasse aus Kronach

1923, als der Rundfunk nach Deutschland kam, gründeten zwei Brüder eine Firma in Berlin...

Zwei Brüder gründen eine Firma

1923 gründeten Dr. Siegmund Loewe und sein Bruder David Ludwig Loewe die Radiofrequenz GmbH. Der Fokus lag anfangs auf Funktechnik und Röhren. 1929 erfolgte der Beginn der Fernsehentwicklung. Aufgrund des NS-Regimes in Deutschland emigrierten die Brüder David Ludwig und Siegmund Loewe in die USA. Die Firma wurde 1938 „arisiert“ und stellte Funktechnik für die Luftwaffe her. Um den Namen der Gründer zu tilgen, erfolgte 1940 zunächst die Umfirmierung in Löwe Radio AG und 1942 in Opta Radio AG.  1945 verlagerte das Unternehmen seine Kriegsfertigung nach Küps bei Kronach. 

"Wiedergutmachung"

Ab 1946 wurden wieder Radios produziert, 1948 wurde die Firma an Siegmund Loewe rückerstattet. Der Schwerpunkt lag fortan beim Fernsehen. Nach dem Tod von Dr. Siegmund Loewe 1962 gab es im Unternehmen wechselnden Beteiligungen (u. A. Philips, BMW und Panasonic). Nach wirtschaftlichen Schwierigkeiten und zwei Insolvenzen (2014 und 2019) übernahm Skytec den fränkischen TV-Hersteller Ende 2019
Standfernseher von Loewe inklusive Lautsprecherboxen, präsentiert auf der IFA 2017.

Willy Hütter: Funktechnik in zweiter Generation

Bereits 1933 begann Willy Hütter unter der Marke Dreipunkt mit der Herstellung von Radioteilen wie beispielsweise Spulensätzen. Auch in der Nachkriegszeit wurden zahlreiche Einzelteile angefertigt. Die Produktion von eigenen Radios lief Ende der 1940er Jahre an. Die Firma entwickelte sich vom Kleinbetrieb zum mittelständischen Unternehmen mit über 30 Beschäftigten. Ein besonders  bekanntes Radio war der 1950 auf den Markt gebrachte „Musikus“.          

Metz: Qualität "Made in Franken"

Auch heute noch "Made in Germany" produziert die Firma Metz.

Wachsende Produktpalette

1938 gründete Paul Metz die Transformatoren- und Apparatefabrik Metz, die zunächst Kurzwellen-Sender und -Empfänger sowie Funktechnik produzierte. Ab 1947 verlegte sich der Schwerpunkt auf die Unterhaltungselektronik, ab 1950 hatte Metz ein komplettes Programm vom Kleinst-Super bis zum Musikschrank im Sortiment. Besondere Erfolge feierte das Kofferradio „Baby“, wovon über 150.000 Stück verkauft wurden. Auch das „Babyphon“, eine Kombination aus Kofferradio und Plattenspieler, war ein Verkaufsschlager. 

"Metz mächert ich aa": Mit dieser Werbung eroberte die fränkische Firma Metz in den 1980er Jahren den deutschsprachigen Raum.

Im Fachhandel bis heute

Ab 1952 kam mit dem ersten Kompakt-Blitzgerät „MB 1“  die Sparte der Blitzgeräte hinzu. Drei Jahre später begann die Produktion von Fernsehern in Serie, ab 1967 die von Farbfernsehern. In den 1970er und 1980er Jahren baute Metz sein Angebot von qualitativ hochwertigen Fernsehern, Blitzgeräten, Hifi-Stereo-Anlagen und VHS-Camcordern weiter aus. 1993 starb Paul Metz, seine Frau Helene übernahm das Unternehmen, bis sie sich 2010 zurückzog. Infolge eines Insolvenzverfahrens 2014 wurde der Geschäftsbetrieb des Unternehmens Anfang Mai 2015 an zwei Investoren verkauft.

Viva Franconia!

So viel Schönes und Gutes kommt aus Franken. Und was ist Ihr liebstes Produkt "Made in Franken"? Da fällt Ihnen doch bestimmt etwas ein...

Auf viele Produkte "Made in Franken" trifft Frankens höchstes Gütesigel zu: Auf Platz 1 der "Dob 20" bei Fränkisch für Anfänger: "Bassd scho"