Made in Franken
Von Hinterhoffabriken und Weltkonzernen
Eine virtuelle Ausstellung von
Oh wie schön ist Franken...
Franken ist nicht nur die Heimat von Karpfen, Bier und Bratwürsten, sondern auch Ursprung einer Vielzahl von Radioproduzenten und Fernsehherstellern. Ob Hinterhoffabrik oder Weltkonzern – bedeutende Hersteller von Rundfunkgeräten sind eng mit Franken verbunden.
Begeben Sie sich auf einen Spaziergang durch das Franken der Unterhaltungselektronik und lernen Sie die Radios und Fernseher aus fränkischer Produktion kennen.
Grundig: Ein Stück fränkische Wirtschaftsgeschichte
Max Grundig: ein geborener Unternehmer
Die Wurzeln der Firma Grundig liegen in den 1930er Jahren. Max Grundig reparierte und verkaufte Radios. Nach dem Krieg wandelte sich das Unternehmen vom Händler zum Produzenten und steht wie kaum eine andere Marke für das westdeutsche Wirtschaftswunder. Als weltgrößter Tonbandhersteller und Europas größter Radioproduzent explodierte der Umsatz. Die Zahl der Beschäftigten stieg von 117 (1947) auf 30.000 (1960) an. Max Grundig führte seinen Betrieb lange Zeit patriarchisch, hemdsärmelig und mit großem unternehmerischen Geschick.
Konkurrenz, Abwärtstrend und Insolvenz
Padora: Am Anfang stand ein Güterzug...
Abenteuerliche Gründung
Die Gründungsgeschichte der Firma Padora klingt fast wie ein Abenteuerroman. In den letzten Kriegstagen blieb ein mit Nachrichtengeräten beladener Güterzug am Rande des Frankenwalds liegen. Die Plünderungen waren schon in vollem Gange, als die US-Amerikaner eintrafen und die Geräte beschlagnahmten. Aufgrund seiner guten Beziehungen zum US-Militärkommandanten bekam der Tscheche Josef Pazdera nach Kriegsende die Erlaubnis, mit diesem Material als Grundstock eine Radiofabrik zu gründen. Rasch lief die Fertigung an.
Schwerer Stand
Lumophon: Licht und Töne aus der Schlossstraße
Gründung und Gloria
Die Wurzeln des Unternehmens Lumophon liegen in der Firmengründung von Hans Bruckner am 24.11.1919. Ein Jahr später holte der ehemalige TeKaDe-Mitarbeiter mit Karl Stark einen ehemaligen Kollegen ins Boot: Bruckner & Stark, Fernsprechapparatefabrik war geboren. Ab 1928 firmierte das Unternehmen als Lumophon. Der größte Erfolg in ihrer Geschichte gelang Lumophon mit dem Zweikreisgerät „Gloria“ von 1929/30, was zu einer sprunghaften Werkserweiterung an der Schlossstraße 62 führte.
Im Zeichen der Burg
Die Lumophon-Geräte genossen weltweit Ansehen und galten als Spitzenerzeugnisse deutscher Fertigung. Ende 1935 kamen trotzdem große finanzielle Schwierigkeiten auf. Karl Stark konnte diese mit Zugriff auf sein Privatvermögen abwenden. Lumophon erholte sich nach dem Krieg rasch von den Bombenschäden und kam 1949 wieder auf 800 Angestellte. Umso überraschender war es, als Lumophon 1951 für 1,7 Millionen D-Mark an Grundig verkauft wurde.
TeKaDe: Röhren, Radios, Fernseher
Röhren: lautstark und klangrein
TeKaDe war das Telegrammwort für die Süddeutsche Telefon-Apparate-, Kabel- und Drahtwerke AG. Diese wurde am 2. August 1912 in Nürnberg als eigenständige Gesellschaft durch das Stammhaus Felten und Guilleaume gegründet. Die Firma war über den Mutterkonzern an der Auswertung der Patente des Physikers Robert von Lieben beteiligt. So entstand neben der Telefon- und Kabelherstellung die Entwicklung und Fertigung von Röhren – seit 1923 auch für die Radioindustrie.
Von Fernsehern zu Mobilfunk
Friho: Saubere Detektorempfänger
In München produzierte die Fritz Hofmann AG elektrotechnische, optische und medizinische Geräte. 1922 gründete die Firma ein Zweigwerk in Erlangen. Neben der Entwicklung und Fabrikation von Röntgeneinrichtungen war dort auch die Abteilung für Rundfunktechnik untergebracht. Ab 1924 produzierte die Firma NF-Verstärker, verschiedene Detektorempfänger, Kopfhörer und ein Lautsprechermodell. Vor allem Aufsteckdetektoren wie der „Friho 20“ wurden in großer Stückzahl hergestellt und verkauft. Von 1924 bis 1927 fertigte die Firma auch einen Detektorapparat, den „Friho 1“.
Wie gut ist Ihr Fränkisch?
Sprechen Sie "fränggisch"? In unserem Crash-Kurs treffen Sie auf typische fränkische Wörter, die in keiner anderen Sprache so schön klingen...
"Neili woan mir in Fädd aaf Kärwa. Midd de‘ Quedschn homs Kärwaliela gschbillt. A wos für Neigschmeggde!"
Neigschmeggde‘ (frä) = Zugezogene (dt.)
"Neulich waren wir in Fürth auf der Kirmes. Auf der Ziehharmonika spielten sie Kirchweihlieder. Eine Attraktion auch für Zugezogene!"
"Am Sunndoch soll i fü’rn Masde‘ a Meddslsubbm hulln!? Na, wergli net!"
Masde' (frä.) = Meister (dt.)
"Am Sonntag soll ich dem Meister eine Schlachtschüssel besorgen!? Das kann er vergessen!"
"Den Schosch homs beim Grundich gfei’d. Dunne’wedde‘ numoal naa!"
feie'n (frä.) = feuern, entlassen (dt.)
"Georg wurde bei Grundig entlassen. So ein Unglück!"
"Des Raadio is fei gscheid laud. Bisd na du doosäred?"
gscheid, arch (frä.) = sehr (dt.)
"Das Radio ist sehr laut. Bist du wohl schwerhörig?"
Loewe: Klasse aus Kronach
Zwei Brüder gründen eine Firma
1923 gründeten Dr. Siegmund Loewe und sein Bruder David Ludwig Loewe die Radiofrequenz GmbH. Der Fokus lag anfangs auf Funktechnik und Röhren. 1929 erfolgte der Beginn der Fernsehentwicklung. Aufgrund des NS-Regimes in Deutschland emigrierten die Brüder David Ludwig und Siegmund Loewe in die USA. Die Firma wurde 1938 „arisiert“ und stellte Funktechnik für die Luftwaffe her. Um den Namen der Gründer zu tilgen, erfolgte 1940 zunächst die Umfirmierung in Löwe Radio AG und 1942 in Opta Radio AG. 1945 verlagerte das Unternehmen seine Kriegsfertigung nach Küps bei Kronach.
"Wiedergutmachung"
Willy Hütter: Funktechnik in zweiter Generation
Bereits 1933 begann Willy Hütter unter der Marke Dreipunkt mit der Herstellung von Radioteilen wie beispielsweise Spulensätzen. Auch in der Nachkriegszeit wurden zahlreiche Einzelteile angefertigt. Die Produktion von eigenen Radios lief Ende der 1940er Jahre an. Die Firma entwickelte sich vom Kleinbetrieb zum mittelständischen Unternehmen mit über 30 Beschäftigten. Ein besonders bekanntes Radio war der 1950 auf den Markt gebrachte „Musikus“.
Metz: Qualität "Made in Franken"
Wachsende Produktpalette
1938 gründete Paul Metz die Transformatoren- und Apparatefabrik Metz, die zunächst Kurzwellen-Sender und -Empfänger sowie Funktechnik produzierte. Ab 1947 verlegte sich der Schwerpunkt auf die Unterhaltungselektronik, ab 1950 hatte Metz ein komplettes Programm vom Kleinst-Super bis zum Musikschrank im Sortiment. Besondere Erfolge feierte das Kofferradio „Baby“, wovon über 150.000 Stück verkauft wurden. Auch das „Babyphon“, eine Kombination aus Kofferradio und Plattenspieler, war ein Verkaufsschlager.