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Laudato si’ – Unsere Schöpfung bewahren

Illustrator:innen interpretieren Werte

Zum Geleit

Am 24. Mai 2020, dem fünften Jahrestag des Erscheinens der Schöpfungsenzyklika Laudato si’, hat Papst Franziskus die Menschen aufgerufen, sich aktiv am „Laudato si’-Jahr“ zu beteiligen. Nur mit „kreativer Solidarität“ gelänge es, den Auswirkungen der Corona-Pandemie beizukommen. Ziel des Motto-Jahres sei es, den Schutz der Schöpfung sowie die Bewusstseinsbildung in Sachen Nachhaltigkeit weiter voranzutreiben. Auch das Bundesverfassungsgericht fordert mit seinem neuesten Entscheid vom 29. April 2021 eine Korrektur des  Klimaschutzgesetzes im Sinne der Generationengerechtigkeit.

Schöpfung, Umwelt und Nachhaltigkeit sind zentrale Themen unserer Gesellschaft. Von der Selbstbestimmung des kreativ schöpferischen Menschen über Fragen des Umgangs mit Tier und Natur bis zur Entwicklung neuer Technologien, gleichwie der Ausgestaltung neuer Lebensentwürfe: Die Achtsamkeit gegenüber sich selbst und seiner Umwelt, der Dienst an den Nächsten, hat insbesondere in Zeiten der Pandemie in allen Lebensbereichen noch einmal vermehrt an Aufmerksamkeit gewonnen. Dabei denkt der aktuelle gesellschaftliche Wertediskurs die religiös-kirchliche Beschreibung im Sinne der „Bewahrung von Schöpfung“ mit. Inwiefern also trägt die Enzyklika Laudato si’ Papst Franziskus’ ihre Früchte? Und wie zeigt sich das auf dem Kinder- und Jugendbuchmarkt?
Bereits vor zehn Jahren stellten der evangelische wie der bayerisch-katholische Büchereiverband einen Mangel an Religion im erzählenden Kinder- bzw. Jugendbuch fest. Diesen Mangel an biblischen Geschichten begründeten sie zum einen mit nachlassendem Interesse der Eltern; aber vor allem fehlten Schriftsteller:innen, die sich an religiöse Geschichten und Themen wagten. Dabei geht es den kirchlichen Verbänden nicht um weitere katechetische Texte, sondern um solche, die den Kindern Freiheiten lassen, mitzudenken und eigene Schlüsse zu ziehen: Das Erzählte selbst müsse die Auslegung in sich tragen. Die Situation auf dem aktuellen Kinder- und Jugendbuchmarkt hat sich dahingehend nur marginal verbessert. 2021 wurde die Vergabe des Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreises ausgesetzt.

Eine Ausnahme bilden jedoch thematisch das Interesse und die Achtsamkeit gegenüber Schöpfung, Umwelt und Natur, die insbesondere von Kindern und Jugendlichen im Verbund mit der Wissenschaft massiv eingefordert werden und infolgedessen auf dem Literatur- und Medienmarkt für junge Leser:innen Niederschlag finden. Neben einer genuin medialen Trendorientierung des Kinder- und Jugendbuchmarktes wird hier ein Bedürfnis nach sinnstiftender Werteorientierung, Nachhaltigkeit und Gemeinschaft im Sinne der Nächstenliebe spürbar. Zu fragen bleibt, wie zeigt sich dies in einer vornehmlich visuell geprägten Kultur bei den bildenden Künsten? Welche Bildwelten werden geschaffen? Zeigen Illustrator:innen dieselben Tendenzen wie die schreibende Zunft? Die Marktbeobachtung prognostiziert – insbesondere für die Illustrations- und Bilderbuchszene – ein anderes Bild. Fehlen oft die Worte, das Unsagbare auszudrücken, haben Bilder die Möglichkeit genau das zu zeigen. Philosophisches, Weltanschauung, Göttliches, Natur- und Welterleben sind Themen, die in Bilderwelten für die jüngere Generation unserer Gesellschaft eine Symbiose eingehen: vom Schöpfungsgeschehen über das Beschütztsein im Leben bis zur Frage „Was passiert danach?“. Schöpfung, Umwelt und Natur, Werden und Vergehen erleben angesichts einer politisch interessierten kindlichen und jugendlichen Adressatenschaft einen regelrechten Boom – in der erzählenden Literatur für Kinder- und Jugendliche, aber insbesondere auch in deren visuellen Darstellungsformen. Parallel hierzu ist eine Adressierungsweitung der Darstellungsform Bilderbuch festzustellen, die Brücken zu neuen Interessengemeinschaften ermöglicht.

Gute Gründe genauer zu schauen, welchen Beitrag Künstler:innen in diesem Sinne leisten, wie vielfältig sie arbeiten, welche Überzeugungen sie darstellen und welch wichtige Rolle sie für eine innovative Büchereiarbeit in einer visuell geleiteten Rezeptionskultur spielen können.

Wir wünschen viel Freude bei der Entdeckung inspirierender Bilderwelten!

Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendliteratur Eselsohr – Fachzeitschrift für Kinder- und Jugendmedien Sankt Michaelsbund

Nachwort

2021 hat der Vatikan eine neue Aktionsplattform für Umweltschutz ins Leben gerufen. Diese ist weltweit angelegt und formuliert konkrete Impulse zur Bewahrung der Schöpfung. Um möglichst viele Menschen zu erreichen werden verschiedenste Lebensbereiche eingebunden.

Es wurden sieben Ziele dargelegt, die erreicht werden sollen: Diese reichen vom Schutz der Armen, über Fragen des ökonomischen Wandels bis zur Förderung von Umweltbewusstsein. Auch die Arbeitsgruppe für ökologische Fragen der Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen der Deutschen Bischofskonferenz spricht in ihrer neuesten Arbeitshilfe Vom Wert der Vielfalt und sieht „Biodiversität als Bewährungsprobe der Schöpfungsverantwortung“. „Biodiversität umfasst die Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten, der genetischen Ressourcen und der Ökosysteme auf der Erde. Die Verluste der Biodiversität zeigen, dass das Verhältnis des Menschen zur Natur neu bestimmt werden muss“ (S. 10).

Auf weltlicher Seite fordert das Bundesverfassungsgericht in einem neueren Entscheid vom 29. April 2021 eine Korrektur des Klimaschutzgesetzes im Sinne der Generationengerechtigkeit.

Schöpfung, Umwelt und Nachhaltigkeit sind zentrale Themen unserer Gesellschaft: in Kirche und Welt. Die Achtsamkeit gegenüber sich selbst und seiner Umwelt, der Dienst am Nächsten, hat insbesondere in Zeiten der Pandemie in allen Lebensbereichen noch einmal vermehrt an Aufmerksamkeit gewonnen. Dies zeigt sich auf dem Kinder- und Jugendbuchmarkt ebenso wie in Schule und Bücherei. Nachhaltigkeit und globales Umweltverstehen sind übergreifende Themen in der Vermittlung von Kompetenzen. Der Deutsche Bibliotheksverband fördert die Bücherei als Ort der Nachhaltigkeit. Er setzt sich in Zusammenarbeit mit dem Weltverband für Büchereien, der IFLA, für die Agenda 2030 der UN ein: Diese umfasst einen Katalog mit 17 übergeordneten nachhaltigen Entwicklungszielen wie z. B. die Bekämpfung von Armut und Hungersnot, die Förderung einer guten Gesundheitsversorgung, von hochwertiger Bildung, Gleichberechtigung der Geschlechter, den Einsatz für sauberes Wasser, erneuerbare Energien, Klimaschutz, Frieden und Gerechtigkeit, Partnerschaften, um nur einige Eckpunkte zu nennen.

Vergleicht man die hier angeführten Ziele aller Institutionen, so finden sich viele davon in Kinder- und Jugendbüchern wieder.

Buchhandlung und Bücherei vor Ort können hier als ideale Mittlerinnen und Nachhaltigkeitsbotschafterinnen vor Ort – zwischen Privathaushalt, Pfarrei, Kitas, Schule, Gemeinde bzw. Stadt tätig sein. Beispielgebende Projekte in Büchereien vor Ort wären: die bekannte Bienenbibliothek in Pettendorf oder die Bibliothek der Dinge in Rosenheim, die Saatgut-Tauschbörse oder Mini-Hochbeete in Alzenau oder die Beteiligung vieler Büchereien an städtischen Go-Green-Programmen, wie etwa die Aktionen der Gemeindebücherei Gröbenzell. Dabei wird die religiös-kirchliche Beschreibung im Sinne der „Bewahrung von Schöpfung“ ganz selbstverständlich mitgedacht.

Unser Katalog sowie unsere Ausstellung möchten Anregung und Möglichkeit geben, diese Chance der Vermittlung aufzugreifen. Wir freuen uns über Ihr Mitwirken!