Zur Handhabung der Disziplin
Der Marburger Karzer
Eine virtuelle Ausstellung von
"Ein kleines niedliches Gemach..."
Der Karzer (Arrestzelle) hat seine Wurzeln in den Universitäten des Mittelalters und der Frühen Neuzeit. Die Universität war in dieser Zeit ein eigener Rechtsraum. Professoren, Studenten und Universitätsbedienstete galten als akademische Bürger, deren Gerichtsstand der Rektor war. In allen Streit- und Rechtsfällen unterhalb der Halsgerichtsbarkeit war der Rektor ihr Richter. Zur Ausübung seiner Strafgewalt bedurfte er auch eines Arrestlokals. Dessen Name leitete sich von dem Lateinischen Wort für Kerker "carcer" ab.
Informationen über die verwendeten Medien
Karzerszene um 1900
Aus der Sammlung von
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Beschreibung
Besuch im Karzer. Die Aufnahme ist gestellt, denn Besuch war im Karzer nicht gestattet. Auch der Verzehr alkoholischer Getränke war auf eine Flasche Bier oder eine halbe Flasche Wein beschränkt. Bildarchiv Foto Marburg - fm419119
Angaben zum Objekt
Material/Technik
Negativ
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Beteiligte Personen und Organisationen
Hermann Bauer
Zeit
um 1900
Ort
Marburg
Im Laufe der Zeit wurden die rechtlichen Kompetenzen des Rektors zunehmend beschnitten. Das Gerichtsverfassungsgesetz vom 27. Januar 1877 hob schließlich alle Ausnahmegerichte auf. Der Universität verblieb nur die Disziplinargewalt. Ein Instrument zu ihrer Ausübung blieb der Karzer.
Informationen über die verwendeten Medien
Marburg um 1900
Aus der Sammlung von
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Beschreibung
Marburg um 1900 von Süden gesehen. HStA MR Slg. 7 c Nr. 432
Angaben zum Objekt
Typ
Fotografie
Material/Technik
Fotografie
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Zeit
um 1900
Ort
Marburg
Der letzte Karzer der Universität
Nach der Annexion und späteren Einverleibung des Kurfürstentums Hessen-Kassel durch Preußen 1866 begann die preußische Kultusverwaltung umgehend mit der baulichen Modernisierung und dem Ausbau der Universität Marburg. In diesem Zusammenhang wurde auch das Auditoriengebäude (heute "Alte Universität") errichtet. In dessen 1879 fertiggestellten Südflügel zog auch der Karzer wieder ein, der dort bereits im Vorgängerbau beheimatet war.
Informationen über die verwendeten Medien
Südseite des Auditoriengebäudes
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Beschreibung
Architekturzeichnung der Südseite des Auditoriengebäudes. UniA MR 310 Nr. 9731.
Angaben zum Objekt
Typ
Druckgrafik
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Zeit
1879
Ort
Marburg
Aufrisszeichnung des Südflügels des neuen Auditoriengebäudes von 1879. Die Karzerräume befanden sich hinter der zweiten und dritten Dachgaube von links.
Informationen über die verwendeten Medien
Grundriß des Südflügels des Auditoriengebäudes
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Beschreibung
Grundriß des Südflügels des Auditoriengebäudes. UniA MR 310 Nr. 9731.
Angaben zum Objekt
Typ
Druckgrafik
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Zeit
1879
Ort
Marburg
Auf dem Grundriss des Dachgeschosses ist die Lage der Karzer in der Wohnung des Kastellans, der zugleich Karzerwärter war, gut zu erkennen. Die zwei Karzerräume waren noch einmal durch eine Korridortür von den Wohnräumen abgetrennt. Das von der Familie des Kastellans und den Arrestanten benutzte moderne Wasserclosett befand sich am Ende des Ganges auf der Nordseite.
Akademische Disziplin
Grundlage für die Verhängung von Karzerstrafen waren das Gesetz über die Rechtsverhältnisse der Studierenden vom 29. Mai 1879 und die Vorschriften für die Studierenden vom 1. Oktober 1879.
Darin waren die strafwürdigen Delikte definiert sowie Verfahrensweise und Strafen geregelt.
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Vorschriften für die Studierenden - Titel
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Beschreibung
Titelblatt der Vorschriften für die Studierenden der preußischen Hochschulen vom 1. Oktober 1879. UniA MR 305a Nr. 8314.
Angaben zum Objekt
Typ
Drucksache
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Zeit
1879
Ort
Berlin
Informationen über die verwendeten Medien
Vorschriften für die Studierenden - §§25-28
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Beschreibung
Vorschriften für die Studierenden der preußischen Hochschulen vom 1. Oktober 1879. UniA MR 305a Nr. 8314.
Angaben zum Objekt
Typ
Drucksache
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Zeit
1879
Ort
Berlin
Informationen über die verwendeten Medien
Vorschriften für die Studierenden - §§29-33
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Beschreibung
Vorschriften für die Studierenden der preußischen Hochschulen vom 1. Oktober 1879. UniA MR 305a Nr. 8314.
Angaben zum Objekt
Typ
Drucksache
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Zeit
1879
Ort
Berlin
Informationen über die verwendeten Medien
Vorschriften für die Studierenden - §§34-37
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Beschreibung
Vorschriften für die Studierenden der preußischen Hochschulen vom 1. Oktober 1879. UniA MR 305a Nr. 8314.
Angaben zum Objekt
Typ
Drucksache
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Zeit
1879
Ort
Berlin
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Quittiertes Urteil gegen den Studenten Richard Schmincke
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Beschreibung
Quittiertes Urteil gegen den Studenten Richard Schmincke von 1898. UniA MR 305a Nr. 8542.
Angaben zum Objekt
Typ
Akte
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Zeit
1898
Ort
Marburg
Karzerhaft
Der Student der Medizin Richard Schmincke bestätigt mit seiner Unterschrift, dass ihm Urteil und Strafmaß in seiner Disziplinarsache verkündet wurden. Neben der Androhung der Entfernung von der Universität erhielt er eine vierzehntägige Karzerhaft.
Er hatte einen Studenten, von dem er sich provoziert glaubte, auf offener Straße geohrfeigt. Der Hintergrund war ein Zwist zweier Studentenverbindungen.
Betreten wir nun mit dem Delinquenten das Arrestlokal ...
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Karzer - Blick zum Fenster
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Rechteinformation
Bildarchiv Foto Marburg / Thomas Scheidt
Beschreibung
Blick zum vergitterten Fenster des Karzers. Sein Zweck war vermutlich nicht das Verhindern von Ausbruchsversuchen, sondern den "Warenverkehr" in den Karzer zu unterbinden.
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Typ
Fotografie
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Beteiligte Personen und Organisationen
Thomas Scheidt
Zeit
2020
Ort
Marburg
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Karzer - linke Seitenwand
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Rechteinformation
Bildarchiv Foto Marburg / Thomas Scheidt
Beschreibung
Blick auf die linke Seitenwand des Karzers (von der Tür aus gesehen).
Angaben zum Objekt
Typ
Fotografie
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Beteiligte Personen und Organisationen
Thomas Scheidt
Zeit
2020
Ort
Marburg
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Karzer - rechte Seitenwand
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Rechteinformation
Bildarchiv Foto Marburg / Thomas Scheidt
Beschreibung
Blick auf die rechte Seitenwand des Karzers (von der Tür aus gesehen).
Angaben zum Objekt
Typ
Fotografie
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Beteiligte Personen und Organisationen
Thomas Scheidt
Zeit
2020
Ort
Marburg
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Blick zur Tür
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Rechteinformation
Bildarchiv Foto Marburg / Thomas Scheidt
Beschreibung
Blick zur Tür des Karzers.
Angaben zum Objekt
Typ
Fotografie
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Beteiligte Personen und Organisationen
Thomas Scheidt
Zeit
2020
Ort
Marburg
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Karzer - rechte Seitenwand
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Rechteinformation
Bildarchiv Foto Marburg / Thomas Scheidt
Beschreibung
Blick auf die rechte Seitenwand des Karzers (von der Tür aus gesehen).
Angaben zum Objekt
Typ
Fotografie
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Beteiligte Personen und Organisationen
Thomas Scheidt
Zeit
2020
Ort
Marburg
Wandmalerei nach "alter Sitte"
"Die Wände mit guten Bildern und Versen zu zieren, erscheint mir alter Sitte entsprechend und kein Delict." So kommentierte der Jurist Prof. Dr. Ludwig Enneccerus im Jahr 1879 das Ansinnen, das "Bemalen und Beschreiben der Wände und Mobilien" im Karzer verbieten zu lassen.
Seine Kollegen waren mehrheitlich auch dieser Ansicht. So kam es dazu, dass sich die einsitzenden Studenten die Zeit im Karzer mit mehr oder minder qualitätsvollen Bemalungen und Beschriftungen der Wände verkürzten.
Einige der häufiger vorkommenden Motive und Themen werden in der Folge vorgestellt.
Wappen
In der Zeit des Kaiserreichs war die weit überwiegende Mehrheit der Studierenden in Verbindungen und studentischen Vereinen organisiert. Auch während der Weimarer Republik stellten Korporierte immer noch die Mehrheit unter den Studenten (Wintersemester 1930/31 63% an der Universität Marburg).
Es wundert daher nicht, dass Wappen und Zeichen (sogenannte Zirkel) der Verbindungen sehr prominent an den Wänden des Karzers vertreten sind.
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Wappen der katholischen Studentenverbindung "Rhenania"
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Bildarchiv Foto Marburg / Thomas Scheidt
Beschreibung
Wappen der 1879 gegründeten katholischen Studentenverbindung "Rhenania".
Angaben zum Objekt
Typ
Fotografie
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Beteiligte Personen und Organisationen
N.N. (Zeichner), Thomas Scheidt (Fotograf)
Zeit
Zeichnung um 1900, Fotografie 2020
Ort
Marburg
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Wappen der Burschenschaft "Germania"
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Bildarchiv Foto Marburg / Thomas Scheidt
Beschreibung
Wappen der 1868 gegründeten Burschenschaft "Germania" an der Decke des Karzers.
Angaben zum Objekt
Typ
Fotografie
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Beteiligte Personen und Organisationen
Heins (Zeichner), Thomas Scheidt (Fotograf)
Zeit
Zeichnung 1929, Fotografie 2020
Ort
Marburg
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Wappen der Erlanger Studentenverbindung "Bubenruthia"
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Bildarchiv Foto Marburg / Thomas Scheidt
Beschreibung
Wappen der 1817 in Erlangen gründeten Studentenverbindung "Bubenruthia". Bildarchiv Foto Marburg / Thomas Scheidt - fmd10018621 (Ausschnitt)
Angaben zum Objekt
Typ
Fotografie
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Beteiligte Personen und Organisationen
N.N. (Urheber), Thomas Scheidt (Fotograf)
Zeit
Zeichnung um 1900, Fotografie 2020
Ort
Marburg
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Zirkel des Medizinisch -Naturwissenschaftlichen Vereins
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Bildarchiv Foto Marburg / Thomas Scheidt
Beschreibung
Zirkel des Medizinisch -Naturwissenschaftlichen Vereins. Bildarchiv Foto Marburg / Thomas Scheidt - fmd10018614 (Ausschnitt)
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Typ
Fotografie
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Beteiligte Personen und Organisationen
N.N. (Zeichner), Thomas Scheidt (Fotograf)
Zeit
Zeichnung um 1900, Fotografie 2020
Ort
Marburg
Der "natürliche Feind"
Die Polizei war ein häufiges Objekt studentischen Spotts, denn sie ging den studentischen Ordnungswidrigkeiten (nächtliches Singen und Lärmen, Sachbeschädigungen u.Ä.m.) nach und brachte sie nach Möglichkeit zur Anzeige. Auch die Universität wurde über die Verfehlungen informiert und reagierte nicht selten mit der Verhängung von Karzerhaft.
Das zeitgenössische Schimpfwort für Polizist war "Polyp". Vertreter dieses Berufsstandes begegnen uns vielfach auf den Wänden des Karzers.
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Polizeiliche Ermahnung
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Bildarchiv Foto Marburg / Thomas Scheidt
Beschreibung
Ein Polizist in Uniform und mit der bis 1918 üblichen Pickelhaube ermahnt mit gezücktem Notizbuch einen Studenten.
Angaben zum Objekt
Typ
Fotografie
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Beteiligte Personen und Organisationen
N.N. (Zeichner), Thomas Scheidt (Fotograf)
Zeit
Zeichnung um 1900, Fotografie 2020
Ort
Marburg
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Karikatur zweier Marburger Polizisten
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Bildarchiv Foto Marburg / Thomas Scheidt
Beschreibung
"Auge und Fettauge des Gesetzes" Karikatur zweier Marburger Polizisten von unbekannter Hand.
Angaben zum Objekt
Typ
Fotografie
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Beteiligte Personen und Organisationen
N.N. (Zeichner), Thomas Scheidt (Fotograf)
Zeit
Zeichnung um 1900, Fotografie 2020
Ort
Marburg
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Karikatur eines Polizisten
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Bildarchiv Foto Marburg / Thomas Scheidt
Beschreibung
Zeichnung des Studenten Wolfgang Wolff. Karikatur eines Polizisten mit der damals (und bis in die sechziger Jahre) üblichen Kopfbedeckung (Tschako).
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Beteiligte Personen und Organisationen
Wolfgang Wolff (Zeichner), Thomas Scheidt (Fotograf)
Zeit
Zeichnung 1929, Fotografie 2020
Ort
Marburg
Sündenstolz
Mit einem gewissen "Sündenstolz" teilten die zeitweiligen Karzerbewohner auf den Wänden auch das Delikt mit, das sie in den Karzer geführt hatte. Meist lagen den Strafen Delikte zugrunde, die sich als grober Unfug bezeichnen lassen.
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Delikt 1
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Rechteinformation
Bildarchiv Foto Marburg / Thomas Scheidt
Beschreibung
Der Student Thon verkündet hier mit "Sündenstolz" Anlass und Dauer seiner Karzerhaft.
Angaben zum Objekt
Typ
Fotografie
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Beteiligte Personen und Organisationen
B. Thon (Verfasser), Thomas Scheidt (Fotograf)
Zeit
Text 1890, Fotografie 2020
Ort
Marburg
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Delikt 2
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Rechteinformation
Bildarchiv Foto Marburg / Thomas Scheidt
Beschreibung
Der Student Krummheuer teilt mit, dass er im November 1903 wegen Beamtenbeleidigung in den Karzer einziehen musste.
Angaben zum Objekt
Typ
Fotografie
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Beteiligte Personen und Organisationen
Krummheuer (Verfasser), Thomas Scheidt (Fotograf)
Zeit
Text 1903, Fotografie 2020
Ort
Marburg
In diesem Fall wurde das inkriminierte Verhalten sogar gemalt. Im Rahmen einer Wette hatten die Studenten Siefart und Hasselbach im Jahr 1909 einen Spaziergang im Nachthemd durch das nächtliche Marburg unternommen. Dieses Verhalten wurde von Rektor Prof. Mirbt, der ebenfalls in dem Bild dargestellt ist, mit Karzer bestraft.
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Nachthemd
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Rechteinformation
Bildarchiv Foto Marburg / Thomas Scheidt
Beschreibung
Die Studenten Hasselbach und Siefart zeichneten ihr Delikt sogar an die Wand. Sie hatten im Rahmen einer Wette die Marburger Oberstadt im Oktober 1909 nächtens im Nachthemd durchschritten.
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Beteiligte Personen und Organisationen
Siefart (Wandmalerei), Thomas Scheidt (Fotografie)
Zeit
Zeichnung 1909, Fotografie 2020
Ort
Marburg
"Das Ewig-Weibliche"
Auch wenn Frauen erst ab dem Jahr 1908 an der Universität zum regulären Studium zugelassen wurden und auch in der Zeit der Weimarer Republik bei steigendem Anteil unter den Studierenden deutlich unterrepräsentiert waren, beschäftigten sie doch das Gemüt der (ausschließlich) männlichen Karzerinsassen.
Allerdings fanden sie den Weg auf die Karzerwand nur in mythologischer Gestalt oder in korrekter Bekleidung, denn "unsittliche" Darstellungen hätten wieder entfernt werden müssen.
Die nackte Frauenfigur eines wenig begnadeten Künstlers wurde mit "Alrunae" untertitelt. Dieser Untertitel konterkarierte die Nacktheit der Dargestellten durch Verschiebung ins Reich der Mythologie bzw. "veredelt" die Nackte zur germanischen Zauberin.
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Alraune
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Bildarchiv Foto Marburg / Thomas Scheidt
Beschreibung
Zeichnung einer nackten Frau. Die Bildunterschrift bezeichnet sie als mythische Alraune.
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Beteiligte Personen und Organisationen
N.N. (Zeichnung), Thomas Scheidt (Fotograf)
Zeit
Zeichnung um 1900, Fotografie 2020
Ort
Marburg
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Dame mit Hut - wilhelminisch
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Bildarchiv Foto Marburg / Thomas Scheidt
Beschreibung
Zeichnung von unbekannter Hand. Die dargestellte Dame trägt einen Hut, der typisch ist für die Hutmode um 1910.
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Beteiligte Personen und Organisationen
N.N. (Zeichner), Thomas Scheidt (Fotograf)
Zeit
Zeichnung um 1910, Fotografie 2020
Ort
Marburg
Sogar die weibliche Hutmode fand ihren Platz auf der Karzerwand. Hier ein Modell aus den Jahren um 1910.
Hier ein Hutmodell des Jahres 1929.
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Frau mit Hut 1929
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Rechteinformation
Bildarchiv Foto Marburg / Thomas Scheidt
Beschreibung
Zeichnung des Studenten Wolfgang Wolff. Die Frau trägt einen Hut in einer für die Zeit typischen Form. Der Haarschnitt zeigt die beliebte "burschikose" Form der Zwanziger Jahre.
Angaben zum Objekt
Typ
Fotografie
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Beteiligte Personen und Organisationen
Wolfgang Wolff (Zeichner), Thomas Scheidt (Fotograf)
Zeit
Zeichnung 1929, Fotografie 2020
Ort
Marburg
Die zunehmende Zahl der Kommilitoninnen regte den zeichnerisch begabten Studenten Wolfgang Wolff zu einer Typologie der Studentin an. Die eine Gruppe wird dargestellt durch eine Studentin mit strenger Frisur und konservativer Kleidung, die eifrig zum Kolleg eilt, die andere Gruppe wird repräsentiert von einer jungen Frau in modernem Habit, die an einem Kaffeehaustisch Platz genommen hat. Diesem eher mondänen Typ hat Wolff die Bezeichnung "Studeuse" gegeben.
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Die Studeuse
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Rechteinformation
Bildarchiv Foto Marburg / Thomas Scheidt
Beschreibung
Zeichnung des Studenten Wolfgang Wolff, die in humoristischer Weise weibliche Studierende in die Typen "Studeuse" und "Studentin" einordnet.
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Beteiligte Personen und Organisationen
Wolfgang Wolff (Zeichnung), Thomas Scheidt (Fotografie)
Zeit
Zeichnung 1929, Fotografie 2020
Ort
Marburg
Studentischer Antisemitismus
Marburg war in den 1890er Jahren eine Hochburg des politischen Antisemitismus. Der an der Universität Marburg zum Dr. phil. promovierte und an der dortigen Universitätsbibliothek beschäftigte Otto Böckel konnte ab 1890 für mehrere Legislaturperioden als Vertreter seiner "Antisemitischen Volkspartei" in den Reichstag einziehen.
Unter den Studierenden war der Antisemitismus ebenfalls ein weitverbreitetes, gesellschaftlich akzeptiertes Phänomen. Er hinterließ auch auf den Karzerwänden hässliche Spuren. Antisemitische Parolen wären von der Universitätsleitung vermutlich nicht geduldet worden, aber Darstellungen im Gewand der Karikatur oder des "Humors" wurden toleriert.
Karikatur eines jüdischen Mannes mit Kippa aus der Zeit um 1890.
Informationen über die verwendeten Medien
Antisemitische Karikatur eines Juden mit Kippa
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Rechteinformation
Bildarchiv Foto Marburg / Thomas Scheidt
Beschreibung
Zeichnung von unbekannter Hand. Antisemitische Karikatur eines Juden mit Kippa.
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Beteiligte Personen und Organisationen
N.N. (Zeichner), Thomas Scheidt (Fotograf)
Zeit
Zeichnung undatiert, Fotografie 2020
Ort
Marburg
Informationen über die verwendeten Medien
Antisemitische Karikatur eines jüdischen Studenten (?)
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Rechteinformation
Bildarchiv Foto Marburg / Thomas Scheidt
Beschreibung
Zeichnung von unbekannter Hand. Antisemitische Karikatur eines jüdischen Studierenden.
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Beteiligte Personen und Organisationen
N.N. (Zeichner), Thomas Scheidt (Fotograf)
Zeit
Zeichnung undatiert, Fotografie 2020
Ort
Marburg
Antisemitische Karikatur aus der Zeit um 1900, die auf die antisemitischen Hetzschriften der Nationalsozialisten vorauszuweisen scheint.
Scheinbar humoristische Angabe eines Haftgrundes im Jahr 1895. Grundlage der Karzerstrafe war eine Tätlichkeit. Die Angabe "Verleitung eines Hundes zum Antisemitismus" hielt der Student offensichtlich für eine gelungene Pointe.
Informationen über die verwendeten Medien
"Verleitung eines Hundes zum Antisemitismus"
Aus der Sammlung von
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Rechteinformation
Bildarchiv Foto Marburg / Thomas Scheidt
Beschreibung
Zeichnung von unbekannter Hand. Der Student Harry Finking brüstet sich des Deliktes der "Verleitung eines Hundes zum Antisemitismus".
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Beteiligte Personen und Organisationen
Harry Finking (Verfasser), Thomas Scheidt (Fotograf)
Zeit
Text 1895, Fotografie 2020
Ort
Marburg
Informationen über die verwendeten Medien
Karzer 1905
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Beschreibung
Innenansicht des Karzers. Postkarte aus dem Jahr 1905. HStA MR Slg. 7 c Nr. 428
Angaben zum Objekt
Typ
Fotografie
Material/Technik
Fotografie
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Zeit
1905
Ort
Marburg
Vom Arrestlokal zur Sehenswürdigkeit
Bereits im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts kam der Karzer außer Gebrauch. Seine Wirksamkeit und die Angemessenheit von Freiheitsstrafen im akademischen Umfeld waren fragwürdig geworden. Im Jahr 1907 verließ daher der vorerst letzte Arrestant das "Loch".
Siebzehn Jahre später, im Jahr 1924, griff die Universität wieder auf die Verhängung von Karzerstrafen zurück. Obwohl das preußische Kultusministerium bereits 1928 in einem Runderlass die Karzerstrafe als durch "die Entwicklung der Zeitverhältnisse für überholt" ansah, währte diese "Renaissance" bis zum Jahr 1931. Seitdem hat niemand mehr den Komfort des Raumes genossen.
Weiterführende Literatur
Hans Günther Bickert, Norbert Nail, Marburger Karzer-Buch, Marburg 2013
Dietrich Heither, Michael Lemling, Marburg, O Marburg... Ein "Antikorporierter Stadtrundgang". Marburg (Marburger Beiträge zur Geschichte und Gegenwart studentischer Verbindungen; 3), Marburg 1996.
Margret Lemberg, Es begann vor hundert Jahren. Die ersten Frauen an der Universität Marburg und die Studentinnenvereinigungen bis zur "Gleichschaltung" im Jahre 1934. Eine Ausstellung der Universitätsbibliothek Marburg vom 21. Januar bis 23. Februar 1997 (Schriften der Universitätsbibliothek Marburg; 76), Marburg 1997.
Peter Woeste, Akademische Väter als Richter. Zur Geschichte der akademischen Gerichtsbarkeit der Philipps-Universität unter besonderer Berücksichtigung von Gerichtsverfahren des 18. und 19. Jahrhunderts (Marburger Stadtschriften zur Geschichte und Kultur; 22), Marburg 1987.
Eine virtuelle Ausstellung von
Team
Dr. Carsten Lind
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