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Der Gigelberg vom 19. Jahrhundert bis heute

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Vorwort

Der Gigelberg - Die markante Erhöhung westlich des Stadtkerns gilt als ein Wahrzeichen Biberachs. Er ist im ganzen Landkreis bekannt, was vor allem dem Schützenfest zu verdanken ist. Doch der Gigelberg ist viel mehr als nur ein Festplatz. So mancher Biberacher hat auf dem geliebten Berg als Kind gespielt, Unfug getrieben und viele schöne Stunden verbracht. Und auch aus historischer Sicht hat der Gigelberg einiges zu bieten. Diese Ausstellung soll einen kleinen Einblick in seine spannende Geschichte geben und vergessene Details wieder ans Licht bringen.

Die Vorgeschichte des Gigelbergs

Vom Bau der Stadtbefestigung bis zum Ende des 18. Jahrhunderts

Spätestens seit dem Bau der Stadtbefestigung war der Gigelberg, dessen Name für 1423 erstmals belegt ist, eine wichtige Erhöhung, um herannahende Feinde von Weitem zu erkennen. Um ausreichend Sicht zu haben, hielt man die Bergkuppe frei von Gebüsch und Bäumen. Die Namensgebung des Gigelbergs leitet sich mit hoher Wahrscheinlichkeit vom ältesten Turm ab, der auf dem Berg steht. Der Gigelturm wurde um  1140 gebaut, sein Name bezieht sich auf das Wort „Gigel“, was man mit dem Wort „Ausguck“ oder „Giebel“ übersetzen könnte. Der Begriff „Gigelin“ für den Gigelturm wird zum ersten Mal im Jahr 1552 schriftlich nachgewiesen.

In Reichsstadtzeiten wurde der Gigelberg für landwirtschaftliche Zwecke genutzt, zum Anbau von Kraut und Kartoffeln oder für die Anlage von Gärten.

Die Befestigung der Stadt mit Mauern und Gräben erfolgte im späten 12. Jahrhundert, dabei wurde auch der Hirschgraben zum Schutz vor Feinden ausgehoben. Ab 1373 begann man, die Stadtmauern mit Türmen, Fallbrücken und Wassergräben zu erweitern. So wurde 1484 der Weiße Turm fertiggestellt.

Lange Zeit leisteten die Mauern und Türme ihren Dienst zur Verteidigung der Stadt. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts waren die mittelalterlichen Bauten aber nicht mehr zur Verteidigung nötig, die Torschließer wurden abgeschafft und 1796 gab es den letzten Angriff auf die Stadt. Nach und nach wurden die Stadtmauern und Türme entfestigt.

1804 und 1806 verloste die Stadt Gemeindeteile - von der Stadt an die Bürger ausgegebene kleine Parzellen - von denen einige über dem Wildmannwirtskeller und dem Schwanenkeller lagen, mit der Auflage, jeweils sechs Obstbäume zu pflanzen.

Die Gestaltung des Gigelbergs

Romantik, Naturbewegung und Gollsche Anlagen

Die Epoche der Romantik und Naturbewegung begann in Deutschland um 1795. Auch vor Biberach machte der neue Einfluss keinen Halt und die Biberacher Bürger ließen sich von der Sehnsucht nach Erholung im Grünen anstecken. Bis dahin galt es als Tugend des Adels, in prächtigen Alleen zu lustwandeln und die Gedanken schweifen zu lassen. Nun entdeckte auch der Bürger diese Beschäftigung für sich und die ersten Bürgerparks wurden gestaltet.

In Biberach war der evangelische Stadtammann von Zell der erste Wegbereiter zur Schaffung eines Erholungsortes für die Bürger. Durch das Herrichten von Wegen, Treppen und Plattformen oberhalb des Weberbergs im Jahr 1787 sorgte er dafür, dass der Berg für alle leichter begehbar wurde. Damit machte er den Anfang zur Gestaltung des Gigelbergs und schuf die Grundlage zur Auslebung der Naturbewegung auf dem Berg. 1794 wurden die Zwingermauern (äußere Mauern) an den Stadtgräben abgetragen und „grünes Gehege“ darin gepflanzt. Ab 1802 verkaufte man das als „Zwinger“ bezeichnete Gelände zwischen Stadtmauern und Zwingermauern und legte Gärten darin an.

Der bekannteste Gestalter des Gigelbergs aber war Friedrich Goll. Er gilt als der Begründer der Gigelberganlagen, wie wir sie heute kennen. Christian Friedrich Goll wurde 1786 in Biberach geboren, erhielt Unterricht in Schreiben, Latein und Rechnen und lernte den Beruf des Nadlers von seinem Vater. 1813 wurde er zusammen mit seinem Bruder in einen Hochverratsprozess verwickelt und auf dem Hohenasperg zu Zwangsarbeit verurteilt. Die Brüder kamen ein Jahr später wieder frei und wurden rehabilitiert. Mit der Entschädigung ihrer Haft bauten sie eine Süßwarenfabrik auf und kamen so zu Wohlstand. Friedrich Goll engagierte sich neben seiner Arbeit am Gigelberg auch als Bürgerdeputierter, Schützendirektor und Gerichtsassessor. Er starb im hohen Alter von 85 Jahren in Biberach. Ein Jahr nach seinem Tod wurde ihm ein Denkmal in den Gigelberganlagen gesetzt.

Friedrich Goll wohnte bis 1830 in der Weberberggasse 37, von dort aus hatte er jeden Tag den Gigelberg im Blick. Seit wann er den Gedanken hatte, „seinen“ Berg umzugestalten, lässt sich nur erahnen. Jedenfalls wurde er schon im Jahr 1825 vom Stadtrat in eine Deputation berufen, die Grundstücke auf dem Gigelberg von Privatbesitzern abkaufen sollte. 1827 begann er sein Hauptwerk, als er - vermutlich aus eigener Initiative - einen Plan zur Gestaltung des äußeren Berges entwarf und dem Stadtrat als Vorschlag vorlegte. Konkret sollten Hügel abgetragen und an anderen Stellen neu aufgehäuft, neue Geländer für die bereits angelegten Terrassen hergestellt, eine Allee angepflanzt, Wege bekiest und ein Pavillon aufgestellt werden. Das Vorhaben wurde zum Teil durch den Verkauf von gefällten Obstbäumen finanziert, die vom äußeren (also nordwestlichen) Gigelberg stammten. Den Rest bezahlte die Stadtgemeinde. 1828 wurden die Planungen ausgeführt und die Parkbäume auf dem Gigelberg angepflanzt, darunter auch Linden, Kastanien und Lärchen. Wer sich auf dem Gigelberg umschaut, kann heute noch die uralten und imposanten Bäume bestaunen, die Goll vor fast 200 Jahren anpflanzen ließ.

Selbst nach Fertigstellung der Anlagen war Friedrich Goll fortwährend um die Verbesserung der Spazierwege bemüht. So ließ er sich beispielsweise als ehrenamtlicher Aufseher über die neu erstellten Anlagen einsetzen. Im Jahr 1838 bat er den Stadtrat um Bereitstellung von Holz für Sitzbänke, die von Damen und älteren Bürgern zum Ausruhen gewünscht wurden. Zwei Jahre später ließ er die Straße vom Gigelberg zum Grünen Weg hin erweitern. Diese Straße, an der auch sein Gartengrundstück lag, wurde 1929 in „Friedrich-Goll-Weg“ umbenannt.

Die Gestaltung des Gigelbergs

Projekte des Verkehrs- und Verschönerungsvereins

Schon zu Lebzeiten Golls interessierten sich auch andere Bürger für die Gestaltung der öffentlichen Anlagen und Plätze der Stadt. So gründete sich am 19. März 1864 der „Verkehrs- und Verschönerungsverein“ im Gasthaus zum Roten Löwen. Mitglieder waren unter anderen der Werkmeister Rupert Haaf und der Kaufmann Eduard Enderlin, Schwiegersohn von Friedrich Goll. Bereits vor der Gründung des Vereins waren einige Mitglieder aktiv am Erhalt und der Gestaltung der Gigelberganlagen beteiligt. Das Pflanzen der berühmten Schillerlinde an der Hochwacht, der Bau des Hirschgrabenstegs und die Einrichtung einer Ruhmeshalle in der Hochwacht beispielsweise sind durch die Initiative von Eduard Enderlin entstanden.

Die Schillerlinde ließ Enderlin 1859 zum hundertjährigen Geburtstags Schillers pflanzen. Seitdem ist sie ein Wahrzeichen des inneren Gigelbergs und Namensgeber der Schillerhalle beziehungsweise des Schillertors.

1859-1861 erwirkten einige Biberacher Bürger unter der Leitung von Eduard Enderlin, dass die Stadtmauer beim Hochwächterhäuschen durchbrochen  und eine Brücke aus Eichenholz über den Hirschgraben gebaut wird. Die Kosten wurden durch eine veranstaltete Lotterie gedeckt. Die Brücke stellte Zimmermeister Dollinger zwischen Juni und Dezember 1861 fertig. Ab diesem Zeitpunkt konnten die Spaziergänger auf direktem Weg zum äußeren Gigelberg gelangen. Gleichzeitig richtete man den Durchgang beim Hochwächterhäuschen zu einer Halle her, in der Büsten von Goethe, Schiller, Wieland und Knecht aufgestellt wurden. Man nannte sie „Schillerhalle“ oder „Ruhmeshalle“. Der Baumeister Richard Preiser betitelt diesen Umbau 1928 in seiner Bauchronik als „Verunstaltung“, da wohl das gesamte Erdgeschoss im Stil des Backsteinbaus ausgestaltet wurde.

Der hölzerne Pavillon gehörte zur Gesamtplanung der Anlagen von Friedrich Goll und wurde seit seiner Errichtung im Jahr 1828 mindestens zweimal durch einen neuen ersetzt. 1875 durch den Verkehrs- und Verschönerungsverein im maurischen Stil und zuletzt 1989/1990 durch die Stadt in moderner Ausführung aus Metall.

In den 1880er Jahren ließ der Verschönerungsverein Findlinge am nördlichen Gigelberg aufstellen und von einem Wissenschaftler bestimmen. Diese Felsbrocken, auch „erratische Blöcke“ genannt, wurden vom letzten großen Gletscher durch das Risstal geschoben, später in der nächsten Umgebung gefunden und zunächst als Hausecksteine verwendet.

Auf Anregung des Verschönerungsvereins ließ die Stadt im Rahmen einer Blumen- und Gartenschau 1955 den Biberbrunnen aufstellen, dessen Biberfiguren Georg Lesehr entworfen hatte. Die Fassung des Brunnens setzt sich aus Findlingen zusammen. Der Brunnen befindet sich immer noch neben dem Treppenaufgang zum Spielplatz zwischen Gigelbergturnhalle und Stadtbierhalle, liegt aber seit einigen Jahren trocken.

Der Biberbrunnen in der Jahnstraße neben der Gigelberghalle. Auf Vorschlag des Verschönerungsvereins wurde der Brunnen 1955 dort aufgestellt.

Die Gestaltung des Gigelbergs

Weitere Projekte

Im Jahr 1906 wurde die Parkanlage durch ein Aborthäuschen ergänzt, das südlich der Turnhalle am Fußweg zwischen dem Sportplatz und den Gollschen Anlagen seinen Platz fand. Wer den Anstoß dafür gegeben hatte, lässt sich aus den Stadtratsprotokollen nicht mehr herauslesen. Tatsache ist, dass das Baugesuch am 4. August 1905 im Stadtrat vorgelegt und wegen Zuständigkeit an das Oberamt weitergeleitet wurde.  Das Oberamt war mit den Plänen einverstanden und genehmigte das Häuschen am 9. August 1905.  Errichtet wurde das hölzerne Toilettenhaus mit Blechdach im Jahr 1906 von der Stadtgemeinde, abgerissen vermutlich im Jahr 1981.

1929 trug man am Spielplatz südlich der Gigelbergturnhalle Erde ab, um die Fläche für einen Sportplatz zu planieren. Dabei wurde massiv in den natürlichen Geländeverlauf eingegriffen. Aus Mangel an Geldmitteln stellte man statt dem gewünschten Stadion mit Fußballfeld und Aschenlaufbahnen nur einen Rasen her. Später ließ die Turngemeinde eine provisorische Grube für den Weitsprung und Laufbahnen aus Sägemehl einrichten. Erst 1938 kam eine richtige Aschenlaufbahn dazu.

Von 1930 bis 1939 ließ der Gartenbauamtmann und Schützendirektor Alois Klaus den Stadtgarten am Fuß des südlichen Gigelbergs anlegen. Dieser Garten wurde in den 1970er Jahren planiert und mit der neuen Stadthalle überbaut.  Das alte Stadttheater stand rechts neben der heutigen Stadthalle. Nach dessen Abriss im Jahr 1977 wurde dort der neue, kleinere Stadtgarten nach den Entwürfen der Gartenarchitekten Mien Ruys und Jo Hagel ausgeführt.

Die Gestaltung des Gigelbergs

Städtische Planungen zur Umgestaltung der Gigelberganlagen ab 1972

1972 kam in der Schützendirektion der Wunsch nach Ausdehnung der Kinder- und Jugendspiele des Schützenfests auf. Die Bevölkerungszahl in Biberach war nach dem zweiten Weltkrieg stark angestiegen, sodass der Festplatz bald nicht mehr ausreichte. Außerdem mussten die Attraktionen ständig weiterentwickelt werden, um die Besucher weiterhin zufriedenzustellen. Ein Jahr später machte der Gartenbauingenieur Wolfgang Klaus der Stadt und der Schützendirektion konkrete Vorschläge zur Umgestaltung des Gigelbergs. Unter anderem sollte die Stadtbierhalle abgerissen und der Platz südlich der Gigelbergturnhalle vergrößert werden.

In einer Sitzung der Gigelbergkommission der Schützendirektion wurden 1976 verschiedene Möglichkeiten zur Gestaltung des Gigelbergs vorgeschlagen. Der Abbruch der Stadtbierhalle stand weiter auf dem Plan, um auf dem neuen Platz ein Sommercafé zu errichten. Sogar der Abriss der Gigelberghalle wurde erwogen. Außerdem sollte die Stadt Grundstücke ankaufen, um mehr Platz zu schaffen. Das Stadtplanungsamt entwarf eine Gesamtplanung auf Grundlage der vorhandenen Entwürfe von Gartenbaumeister Wolfgang Klaus. Diese Gesamtplanung sollte ein Gleichgewicht zwischen der Nutzung als Schützenfestplatz und als Parkanlage herstellen. Unter anderem waren folgende Änderungen vorgesehen: Aufwertung des Hirschgrabens, Bau eines Schrägaufzugs bei den Biberstaffeln, Verbindung des Gugelhupfs mit dem ehemaligen Tennisplatz, Umbau des ehemaligen Sportplatzes zu einer Gesamtanlage und Schaffung eines Sommercafés.

1978 billigte der Bauausschuss die Gigelberg-Gesamtplanung. In Zusammenarbeit mit vier Gartenarchitekten sollten die Planungen weiterentwickelt werden. 1979 beschloss der Gemeinderat, einen Wettbewerb zwischen den vier Gartenarchitekten auszuschreiben. Am 6. Oktober stand der Sieger fest, es handelte sich um die Architektengemeinschaft Hagel/Gerlach/Gienger aus Mettenberg. Die Architektengemeinschaft brachte Neuerungen in die Planung ein, nahm aber auch Ideen der Wettbewerbsgegner in die eigene Planung auf. Fest stand, dass die Hirsche aus dem Graben entfernt werden mussten, weil sie die Bepflanzung zerstörten und dadurch Erosionen verursachten. Ein Plan verdeutlichte die Änderungen am Berg. Unter anderem waren ein See mit Wasserfontäne vor der Turnhalle und ein Spielplatz zwischen den beiden Hallen geplant.

In den folgenden drei Jahren wurde die dringende Erhaltung des Baumbestandes vorrangig besprochen und geplant, die Umgestaltung trat vorerst in den Hintergrund. In der Sitzung des Bauausschusses am 3. Dezember 1981 folgte der Beschluss, das Hirschgehege wegen Erosionsgefahr zu schließen und die Funktion des Gigelbergs als Festplatz an erste Stelle vor die Gestaltung zu setzen. Ein See mit Fontäne wurde vom Gemeinderat als unnatürlich angesehen und abgelehnt, Stadtrat Brock sprach sich außerdem für die Erhaltung der Stadtbierhalle aus. Der Vorschlag eines Fußgängerstegs vom Gigelberg über die Gaisentalstraße wurde ebenfalls abgelehnt.

Im Juni 1983 stellte die AG Jo Hagel ihr überarbeitetes Konzept im Bauausschuss vor. Dieses Konzept enthielt nur noch die nötigsten Änderungen am Gigelberg. Die geplanten gestalterischen Elemente waren darin nicht mehr vertreten, da sie zum Teil vom Gemeinderat nicht gebilligt wurden und vor allem zu teuer waren. Der Bauausschuss nahm den Entwurf als Grundlage für zukünftige Planungen entgegen, versagte aber zunächst die Ausführung wegen fehlender finanzieller Mittel. Dagegen sollte die notwendige Sanierung des Baumbestandes für das kommende Haushaltsjahr aufgenommen werden. Die Hirsche wurden noch im Jahr 1983 aus dem Graben entfernt. 1985 stellte man den Grünordnungsplan erneut im Bauausschuss vor. Inzwischen war das Baumkataster erstellt worden, sodass sämtliche Bäume und Großsträucher im Bereich des Gigelbergs erfasst und beschrieben waren. Der ebenfalls fertiggestellte Grünordnungsplan sollte für zukünftige planerische Überlegungen als Grundlage dienen.

Doch die Sanierung des Baumbestandes ließ auf sich warten, ebenso die anderen geplanten Ausführungen. 1996 kam die Frage auf, welcher Platz auf dem Gigelberg für den Pétanque Club zum Üben überlassen werden könnte. Der Bauausschuss nahm in diesem Rahmen die Gigelberg-Thematik wieder auf und veranlasste eine Gesamtkonzeption für den Gigelberg durch die Verwaltung. Nach einer Besichtigung des Berges 1997 hielt man fest, dass vor allem die Entwässerung und die Geländeunterhaltung verbessert werden mussten. Entsprechende Geldmittel wurden daraufhin zur Verfügung gestellt.

2001 entwarf die Verwaltung erneut ein Gesamtkonzept für den Gigelberg, das in den nachfolgenden Jahren ausgeführt werden sollte und folgende Punkte enthielt: Fortlaufende Erhaltung und Erneuerung des Baumbestandes, Befestigung der gekiesten Fläche südlich der Turnhalle und Bau eines Weges über die Fläche, Erstellung einer Eisbahn, Sanierung des Spielplatzes zwischen den Hallen, Schaffung von Sitzstufen am ehemaligen Sportplatz und Öffnung des Staib‘schen Gartens für die Bevölkerung. Einige dieser Maßnahmen wurden bereits ausgeführt, so die Sanierung der Bäume und die Wiederherstellung der Einfassungsmauern aus Nagelfluh. Auch dürfen seit einiger Zeit die Grünflächen nicht mehr mit Fahrzeugen befahren werden, um die empfindlichen Wurzeln der Bäume zu schützen.

Die Nutzung des Gigelbergs

Wohnen und Gärtnern

Nachdem der Berg nicht mehr zur Verteidigungszwecken gebraucht wurde, erschlossen die Biberacher Land auf dem äußeren Gigelberg und bepflanzten die kahlen Flächen mit Obstbäumen und Beerensträuchern. Das Gras wurde regelmäßig gemäht und für das Vieh verwendet oder verkauft. Mit dem Anlegen des Parks wurden die umliegenden Wiesen nach und nach zu Kleingärten umgewandelt. Darauf entstanden Gartenhäuser, die als Rückzugs- und Erholungsort dienten.

Eines dieser Gartenhäuser gehörte Friedrich Goll. Er ließ um 1844 ein klassizistisches Gartenhaus mit Arkaden und Balkon auf seinem 1843 erworbenen Gartengrundstück am südlichen Gigelberg errichten. Es stand im Bereich der heutigen Dinglinger Straße 11, wurde zwischen 1971 und 1972 abgerissen und wird oft mit Schlechts Gartenhaus verwechselt. Letzteres steht heute noch am Weg zu den Gigelberganlagen (Gigelberg 10). Es wurde um 1844 von Kaufmann Christoph Schmalzing erbaut und im Jahr 2002 unter Denkmalschutz gestellt. Die Namensgebung rührt vom letzten Pächter des Gartenhauses her, der Metzgermeister Schlecht hieß. Ganz in der Nähe von Schlechts Gartenhaus befindet sich ein größerer, umzäunter Garten mit einem auffälligen, schmiedeeisernen Tor davor. Es handelt sich um das ehemalige Gartengrundstück des Radwirts und Stadtrats Christian Friedrich Staib, der darin mittig ein Gartenhaus errichtete und 1839 für Besucher zum Weinausschank öffnete. 1897 folgte die Teilung in zwei Grundstücke, Besitzer waren nun der Zahnarzt Heinrich Forschner und der Bäcker Adolf Mühlschlegel. Die Stadt Biberach erwarb den Gartenteil Forschners im Jahr 1931.

Die Bebauung des Gigelbergs mit Wohnhäusern begann im Jahr 1912 in der Dinglingerstraße mit den Villen der Kaufmänner Emil Haug (Dinglingerstraße 11), Heinrich Haug (Dinglingerstraße 16) und Johannes Bilger (Dinglingerstraße 12). Kurz danach folgte das Haus Bühler in der Turnhallenstraße 11, heutige Jahnstraße 11. In den 1920-30er Jahren wurde die damalige Turnhallenstraße (Jahnstraße) Richtung Westen ausgebaut, es entstanden weitere Wohnhäuser. Heute ist die gesamte westliche Bergkuppe besiedelt.

Die Nutzung des Gigelbergs

Felsenkeller und Sommerwirtschaften

Bereits 1728 baute der Schwanenwirt Dollinger den ersten Felsenkeller am Gigelberg, um darin Bier zu lagern. Andere folgten seinem Beispiel. Im Winter holte man das Eis aus gefrorenen Gewässern oder von sogenannten Eisgalgen und brachte es in die Keller. Damit hielt man nicht nur das Bier, sondern auch andere Vorräte im Sommer kühl. Spätestens seit es Kühlschränke gibt, werden die Keller nicht mehr zum Lagern von Lebensmitteln benötigt. Im zweiten Weltkrieg dienten die Kellergewölbe als Luftschutzkeller, besonders das Gewölbe im hinteren Hirschgraben beim Schützenkeller.

Als sich der Gigelberg immer mehr mit Spaziergängern füllte, sahen die Wirte ihre Chance und errichteten Sommerwirtschaften neben den Bierkellern. Dort kehrten die Biberacher nach ihrem Spaziergang ein. So entstand 1737 der Wilde Mann (heute Biberkeller), 1812 der Storchenkeller (heute Schwanenkeller), 1819 der Felsenkeller im Hirschgraben beim heutigen Schützenkeller und der Königskeller (heute Pflugkeller) am südlichen Gigelberg.

Die Nutzung des Gigelbergs

Erholung und Spiel

Die ursprüngliche Intention bei der Umgestaltung des Bergs war es, einen Erholungsort für Spaziergänger in Form eines Parks zu schaffen. An sich kann man den Gigelberg als Biberachs ersten Bürgerpark bezeichnen. Schon zu Anfangszeiten boten sich den Spazierenden Sitzbänke zum Ausruhen und für die Durstigen stand eine sogenannte „Trinkhalle“ bereit. Diese ist vergleichbar mit einem Kiosk, an dem man sich alkoholfreie Getränke kaufen konnte. Später, während des zweiten Weltkriegs, durften auch die britischen Internierten aus dem Lager Lindele Spaziergänge über den Gigelberg machen.

Man kann davon ausgehen, dass die jungen Biberacher den Berg schon vor dessen Umgestaltung als Spielplatz für sich entdeckten. 1911 wurde im Stadtrat beraten, ob der bestehende Spielplatz bei der Turnhalle erweitert werden soll. Von älteren Biberachern ist bekannt, dass sie den Gugelhupf im Winter als Schlittenberg nutzten. Seit den 1990er Jahren wurden nach und nach feste Spielgeräte auf dem ehemaligen Tennisplatz zwischen Gigelbergturnhalle und Stadtbierhalle installiert.

1929 wurde sogar die Einrichtung einer Eislaufbahn auf dem Gigelberg angeregt, aber wieder verworfen. Die Ausführung wäre zu kompliziert und kostspielig gewesen, außerdem gab es im Stadtgebiet genug andere Möglichkeiten zum Eislaufen.

Die Nutzung des Gigelbergs

Sport, Feste und Veranstaltungen

Veranstaltungen am und auf dem Gigelberg gab es schon vor dessen Umgestaltung. Im Jahr 1809 soll Dollinger zum ersten Mal ein Karussell auf dem Gigelberg aufgestellt haben, vermutlich im Rahmen des Schützenfests. Seitdem wurde es jedes Jahr von Neuem dort aufgebaut. Die Bedeutung des Berges als Veranstaltungsplatz nahm mit den Jahren immer mehr zu, sodass die Parkanlagen in den Hintergrund traten. Heute wäre der Gigelberg für das Schützenfest nicht mehr wegzudenken. Auch zu anderen Zwecken eignet sich das Gelände bestens. Spätestens seit Errichtung der Hallen werden Messen, Hochzeiten, Veranstaltungen von Vereinen und Parteien, Demonstrationen, Märkte, Zirkusse, Konzerte, Gartenschauen und vieles mehr dort abgehalten. Bereits 1900 fand die erste große Veranstaltung in Form einer Gewerbeausstellung auf dem Gigelberg statt.

Seit dem Bau der Gigelbergturnhalle wurde der Berg auch für sportliche Betätigungen genutzt. Die Turngemeinde profitierte vom neuen Hallenstandort und verlegte so manche Aktivität nach draußen. 1901 installierte die Turngemeinde an der südlichen Wand der Halle im Außenbereich Turngeräte. 1904 verpachtete die Stadt den Bereich zwischen Gigelbergturnhalle und Stadtbierhalle an den Tennisclub, der einen Tennisplatz mit Umkleidehäuschen daraus machte. Die Nutzung endete vermutlich mit der Fertigstellung der Tennisanlagen am Grünen Weg in den 1960er Jahren. Mit der Herstellung des Sportplatzes im Jahr 1929 schuf man sich noch mehr Möglichkeiten für den Vereins- und Schulsport. Spätestens seit den 1990ern verwenden Bürger den ehemaligen Sportplatz zum Boulespiel.

Die Nutzung des Gigelbergs

Parkplätze

Ein bis heute umstrittenes Thema sind die Parkplätze auf dem Gigelberg. Verkehr gibt es dort, seit Menschen den Berg land- und forstwirtschaftlich nutzen. Mit dem Bau der Goll‘schen Gigelberganlagen wurden das erste Mal Verbotsschilder zum Befahren des Gigelbergs aufgehängt und Schranken installiert. Stadtwirt Flächer erhob Klage, da er das Überfahrtsrecht zu seiner Wiese behalten wollte. Die Klage wurde abgelehnt. Bis vor einigen Jahren wurde immer wieder diskutiert, wie weit Fahrzeuge den Berg befahren oder beparken dürfen. Spätestens seit der Teerung des nördlichen und nordöstlichen Gigelbergs ist es wesentlich einfacher, das Auto dort abzustellen. 1995 erfolgte die Freigabe der gekiesten Fläche (ehemaliger Sportplatz) zum Parken, was teilweise für Unmut in der Bevölkerung sorgte. Der Gigelberg verkomme immer mehr zur Parkfläche, lautete die öffentliche Kritik. Auch Wohnmobile durften eine Zeit lang auf dem Gigelberg campieren.

Die Gigelberghalle

Vorgeschichte

1862 richtete Turnlehrer Seyerlen erstmals die Bitte an den Stiftungsrat, eine neue Turnhalle für den Schulsport zu bauen. In den alten Räumen im Zeughaus war inzwischen zu wenig Platz vorhanden. Der Neubau wurde beraten und ein möglicher Standort vor dem Waldseer Tor anvisiert. Das Projekt zerschlug sich aber aus finanziellen Gründen. Stattdessen baute man ein weiteres Stockwerk auf das Zeughaus auf. In den darauffolgenden Jahren wurde der Turnhallenbau immer wieder neu angestoßen, aber jedes Mal aus Geldmangel oder anderen Gründen zurückgestellt. Ab 1875 begann die Stadt, einen jährlichen Betrag in einen Turnhallenfond einzuzahlen, um den Bau in der Zukunft zu ermöglichen. 1876 erweiterte man auf Drängen der Kultministerabteilung das Schießhaus (heutiger Bereich Fachhochschule) für den Turnunterricht. Im Jahr 1888 hoffte der Bürgerausschuss auf einen Turnhallenbau beim Standort Gasthaus Mond, was sich aber wieder zerschlug. Der Mond wurde für 30.000 Mark verkauft, ein Teil des Erlöses floss in den Turnhallenfond. Anfang der 1890er Jahre drängten sowohl die Schulen, als auch die Turngemeinde auf den Bau einer neuen Halle, da die Schießhalle längst zu klein geworden war und sich in einem sehr schlechten Zustand befand. Erst als ein Mitarbeiter der Kultministerialabteilung Tübingen sich 1891 die Situation vor Ort angesehen und bei der Stadt moniert hatte, kam Bewegung in die Angelegenheit. Stadtrat Langer hatte dem Schulprüfer mitgeteilt, dass es Beratungen über eine neue Halle gegeben hatte. Der Stadtschultheiß aber wolle lieber eine prunkvolle Festhalle errichten, die nicht zum Turnen verwendet werden kann. Bei dieser Halle handelte es sich um eine „Kaiserhalle“, die gemeinsam mit einem Kaiser-Wilhelm-Denkmal als Erinnerung an den Kaiser errichtet werden sollte. Nach weiteren Ermahnungen fiel am 31. Juli 1893 endlich der Beschluss, eine neue Turnhalle zu bauen. Ebenfalls zum Baubeschluss beigetragen hatte der Umstand, dass zwei Jahre später die Landesversammlung der Württembergischen Kriegervereine in Biberach stattfinden sollte und keine ausreichenden Räumlichkeiten dafür vorhanden waren.

Rechts das Progymnasium (Ochsenhauser Hof). Links das Zeughaus, in dem bis 1876 der Turnunterricht stattfand.

Die Gigelberghalle

Die Standortfrage

Der nächste Streitpunkt ließ nicht lange auf sich warten. Ein passender Standort für den Neubau musste gefunden werden. Infrage kamen folgende Grundstücke: heutige Kapuzinerstraße 17; auf den Pflugwiesen bei der Promenade (heutige Kreissparkasse am Zeppelinring); auf dem Platz der heutigen Pflugschule; im Garten der Mondwirtschaft; beim alten Schießhaus (heutiges Areal Fachhochschule/Parkplatz); oder auf dem Gigelberg. Das Thema wurde heftig diskutiert, die Meinungsverschiedenheiten zeigten sich in Leserbriefen und Flugblättern, einige Bürger gründeten sogar eine Initiative gegen den Standort Gigelberg. Sie argumentierten damit, dass der Fußweg nachts und im Winter zu gefährlich sei. Außerdem würden die durchquerenden Schüler mit Sicherheit die Parkanlagen zerstören. Für die ständige Instandsetzung der Wege entstünden permanente Kosten und auch die Verlegung von Wasser- und Gasleitungen hoch zur Halle verursache zusätzliche Kosten. Das Projekt sei für diesen Standort insgesamt zu teuer. Stattdessen plädierten sie für den Standort Schießhaus.

Andere wiederum positionierten sich überhaupt gegen einen Neubau, da dieser zu viel Geld koste und sich nicht lohne, da die Halle nicht ausreichend genutzt werden würde. So habe man mehr Kosten als Einnahmen. Stattdessen solle man das bestehende Schießhaus ausbauen und erweitern.

Die endgültige Entscheidung für den Standort Gigelberg fiel schließlich am 17. April 1894. Die ausschlaggebenden Argumente waren geringere Kosten als bei den anderen Plätzen und die Nähe zum Festplatz.

Die Gigelberghalle

Planung, Bau und Erweiterungen

Im Frühjahr 1894 begannen die Vorarbeiten zum Bau der Halle. Von Mai bis Juli wurde eine hydraulische Widderanlage gebaut und Leitungen verlegt, um Wasser auf den Gigelberg zu pumpen. Außerdem errichtete man einen Brunnen an der Hirschgrabenbrücke und eine Ventilbrunnen in der Nähe des Abgangs zum Schützenkeller. Dieser wurde von der Firma J. A. Wilpert aus Nürnberg hergestellt und bekam eine Gaslaterne zur Beleuchtung. Der Brunnen steht heute noch dort. Auch Gasleitungen für die Beleuchtung der Halle wurden installiert.

Die Planung des Gebäudes unterlag Baumeister Richard Preiser. Seine Entwürfe wurden im Juli vom Gemeinderat genehmigt. Die Vergabe der Handwerksarbeiten beschloss der Gemeinderat im August. Im Dezember 1894 stimmte auch die Kultusministerialabteilung Preisers Bauplänen zu.  

Im Herbst 1895 war die Turnhalle schließlich fertiggestellt. Am 4. November 1895 wurde die Halle mit einer kleinen Feier eröffnet und konnte danach von der interessierten Bevölkerung besichtigt werden. Nach einer Kostenaufstellung vom 2. März 1896 beliefen sich die Gesamtkosten auf 56.612 Mark. Die Halle galt seinerzeit als die schönste Turnhalle in der Umgebung, vor allem wegen ihrer aufwändigen Fachwerkkonstruktion und dem außergewöhnlichen Deckengewölbe im Inneren.

1910 wurde die Gigelbergturnhalle erweitert, indem man an der Südseite den Giebel verlängerte und eine Bühne und Toiletten einbaute. Gleichzeitig ergänzte man die nördlichen Hausecken durch zwei Anbauten zur Erweiterung der Garderoben und Einrichtung eines Lehrerzimmers. Auf dem Dach des Gebäudes brachte man außerdem zwei Lüftungstürme an, damit die Luft in der Halle besser zirkulieren konnte. 1919 baute man im nördlichen Obergeschoss eine Wohnung ein, 1933 wurde eine Zwischendecke über der Bühne eingerichtet und 1955 erweiterte man die Galerie. Von 2003 bis 2004 folgte die Sanierung des Gebäudes.

Die Gigelberghalle

Nutzung bis heute

In erster Linie wurde die Halle für den schulischen Turnunterricht und Versammlungen erbaut. Die Kultusministerialabteilung betonte 1894 in einem Schreiben die Priorität des Turnunterrichts und verlangte, dass andere Veranstaltungen und Nutzungen im Voraus mit den Schulleitern abgesprochen werden.

Während des Ersten Weltkriegs diente die Gigelberghalle als Lazarett für die verwundeten Soldaten. In der Zeit musste der Turnunterricht in die Stadtbierhalle verlegt werden.

Die Bevorzugung des Turnunterrichts änderte sich mit der Zeit, weil die Stadt wuchs und somit immer mehr und vor allem größere Veranstaltungen durchführt wurden. Der Nutzungskonflikt zwischen Schulen und Veranstaltern zog sich fort, bis neue Turnhallen an den Schulen gebaut wurden. Anfang der 1970er Jahre fand der letzte Turnunterricht in der Halle statt. Trotz der Eröffnung der neuen Stadthalle im Jahr 1978 wird die Gigelberghalle weiterhin für zahlreiche Veranstaltungen genutzt und ist nicht zuletzt wegen ihrer charmanten Ausstrahlung für die Biberacher nicht mehr wegzudenken.

Die Stadtbierhalle

Vorgeschichte

Die Stadtbierhalle wurde früher „Stadthalle“ genannt, weil der Brauereibesitzer Notz „zur Stadt“ sie erbauen ließ.  Christian Notz (*1860, +1949) war ein Biberacher Wirt, dem die Brauerei und Sommerwirtschaft „zur Stadt“ gehörten. Das Geschäft mit der 1892 eröffneten Sommerwirtschaft lief sehr gut, bis zu dem verregneten Sommer 1894. Da Sommerwirtschaften unter freiem Himmel geführt wurden, fiel der Umsatz durch das schlechte Wetter niedrig aus. Vor allem das Hauptgeschäft während des Schützenfests brachte zu wenig Umsatz ein. Durch den geplanten Bau der Gigelbergturnhalle hofften viele Schützenfestgänger darauf, in Zukunft auch bei Regenwetter auf dem Berg einkehren zu können. Notz erkannte, dass die Lage seiner Sommerwirtschaft für das Schützenfest ungünstig war und sich das Einkehren in naher Zukunft auf den Gigelberg konzentrieren würde. Deshalb kaufte er das Gartengrundstück des Mühlenmachers Fuß neben dem Turnhallenplatz, um dort eine Bierhalle zu errichten.

Die Gymnasiumstraße nach Westen. Rechts im Bild das Gasthaus "zur Stadt" (Gymnasiumstraße 16) mit Wirtshausschild.

Die Stadtbierhalle

Bau, Erweiterung und Sanierung

Notz‘ Freund, der Werkmeister Carl Gaupp, entwarf zeitig die Baupläne, weil im Herbst 1894 schon die Grundmauern errichtet werden sollten. Die Bedingung war, dass Notz‘ eiserne Gartenmöbel, die er für seine neue Sommerwirtschaft angeschafft hatte, in die Halle gestellt werden konnten. Also passte Gaupp die Größe der Halle an die Sitzgarnituren an. Nach der Genehmigung der Pläne am 12. Oktober 1894 wurde sofort mit dem Bau begonnen. Das Material schaffte Christian Notz herbei, den Kies und Sand hatte er noch vom Bau seines Bierkellers übrig. Für die Holzarbeiten waren zwei Zimmermänner notwendig. Die Zimmermeister Matthias Eppler von Bergerhausen und Härle von Biberach führten die Arbeiten aus. So wurde über den Winter gebaut, damit die Halle rechtzeitig zu Pfingsten fertig werden konnte. Tatsächlich waren die Arbeiten im Frühjahr 1895 abgeschlossen und an Pfingsten fand die festliche Einweihung der Halle statt. Die Stadtbierhalle wurde also gleichzeitig mit der Gigelberghalle erbaut.

Als der Sohn von Christian Notz heiraten und das Brauereigeschäft übernehmen wollte, überließen seine Eltern ihm das Wohnhaus und mussten sich deshalb eine neue Bleibe suchen. Christian Notz arbeitete einen Plan zum Einbau einer Wohnung in die Stadtbierhalle aus. Die Wohnung sollte auf das nördliche Dach des Gebäudes aufgesetzt werden, was schnell und ohne Komplikationen vonstatten ging. Schon im November 1907 konnten Notz und seine Frau die neue Wohnung beziehen.

Unmittelbar nach dem ersten Weltkrieg gab es bauliche Veränderungen im nördlichen Gebäudeteil. Nach dem Kauf durch die Stadt wurde im Jahr 1937 nochmals ein Umbau durchführt.

1973 wurde erstmals vorgeschlagen, die Halle abzureißen, um mehr Platz zu schaffen. Dieser Gedanke kam aber nie zur Ausführung, weil die Verantwortlichen den kulturellen Wert der Stadtbierhalle erkannten und sich gegen einen Abriss aussprachen.

1997 gründete sich der Kulturverein „Alte Stadthalle“, bestehend aus Jugend aktiv und Jugendkunstschule. Der Verein setzte sich mit Ideen und Vorschlägen für die Wiederbelebung und Renovierung der Stadtbierhalle ein. Die Sanierung der Stadtbierhalle wurde dann von 2000 bis 2003 durch die Stadt in Angriff genommen. Dabei führte man Reparaturen am Dach und den Fenstern aus, die Fassade wurde gestrichen und der Keller saniert. Am südlichen Gebäudeteil wurde ein Toilettenraum angebaut. Aus Kostengründen und wegen des Denkmalschutzes wurden keine Maßnahmen zur Sanierung für eine Ganzjahresnutzung ergriffen. So kann die Halle weiterhin nur bei warmen Temperaturen verwendet werden.

2014 -2018 kam erneut die Sanierungsfrage auf. Reparaturen und die Wiederbelebung des Haupteingangs kamen ins Gespräch. Man wollte das Gebäude mehr nutzen, konnte aber wiederholt wegen des Denkmalschutzes keine sinnvolle Dämmung oder Heizung integrieren.

Die Stadtbierhalle

Nutzung bis heute

Noch im Jahr 1895 verlegte Christian Notz die gesamte Stadtkellerwirtschaft in die Bierhalle, weil er den alten Platz für die Ausweitung seiner Brauerei benötigte. 1899 fand der württembergische Bauerntag in Biberach statt, an dem 600 Gäste in der Stadtbierhalle einkehrten. Ein Jahr später machte der Wirt guten Umsatz während der Gewerbeausstellung auf dem Gigelberg. Selbst ohne größere Veranstaltungen lohnte sich der Betrieb, weil Ausflügler und Vereine in der Stadtbierhalle einkehrten.

Während des Ersten Weltkrieges diente die Halle zuerst als Ausweichraum für den Turnunterricht, wurde dann aber von der Militärverwaltung beschlagnahmt und zur Ausbildung der Soldaten verwendet. 1923 verkaufte Notz die Halle an die Stadt Biberach, er selbst wohnte noch bis 1931 in der aufgebauten Wohnung.

Mindestens bis in die 1960er Jahre wurde die Halle bei Veranstaltungen durch einen festen Pächter bewirtet. 1977 kamen Überlegungen zur Nutzung als Jugendhaus auf, die sich wegen der abgeschiedenen Lage aber schnell wieder zerschlugen. VHS, Jugendkunstschule und Jugend aktiv nutzten die Räume ab 1993/94 gemeinschaftlich.  Darüber hinaus wurden  Kleintierschauen, Rondellkonzerte, sowie der Kunstsommer darin durchgeführt. Natürlich wird die Halle auch für das Schützenfest genutzt. Noch heute findet die jährliche Schützenbewirtung durch Jugend aktiv in der Stadtbierhalle statt. Das Deutsche Rote Kreuz ist ebenfalls dort vertreten. Außerhalb des Schützenfests gibt es bei warmen Temperaturen verschiedene Veranstaltungen wie Hochzeiten, Musikveranstaltungen und Vereinsveranstaltungen. Wegen fehlender Schalldämmung darf bei diesen Veranstaltungen aber nicht zu laut gefeiert werden.

Entwicklungskonzept Gigelberg - Parkpflegewerk Gigelberg 2020

Die Anlagen am Gigelberg sind eines von zwei eingetragenen Gartendenkmalen in Biberach. Vor dem Hintergrund notwendiger Sanierungsmaßnahmen an den Wegen wurde 2020 eine denkmalpflegerische Untersuchung sowie die Erstellung eines Parkpflegewerks beauftragt. Aufgaben waren auch die schlechte Datenlage zu verbessern, darauf aufbauend die für künftige Planungen tatsächlich denkmalrelevanten Aspekte herauszuarbeiten sowie konkrete Maßnahmenvorschläge zum Erhalt und zur Weiterentwicklung des Gartendenkmals Gigelberg zur Diskussion zu stellen.

Die unterschiedlichen Nutzungsansprüche in den letzten Jahrzehnten und Jahrhunderten haben den Gigelberg in seinem heutigen Erscheinungsbild geprägt und immer wieder stark verändert. Die ehemalige Grünanlage und Promenade der Biberacher vor den Toren der Altstadt hat sich in großen Teilen zu einer überwiegend als Festplatz und als Parkplatz genutzten Freifläche entwickelt.