Auf der Suche nach Heimat
Sportvereinigungen von „Gastarbeitern“ in Düren
Eine virtuelle Ausstellung von
Dürener "Gastarbeiter" und der Sport
In den 1960er und 1970er Jahren kamen in Düren viele "Gastarbeiter" aus Südeuropa in ihrer arbeitsfreien Zeit zum Sport zusammen. Besonders Fußball stand bei den Arbeitern aus den meisten Ländern hoch im Kurs. Im griechischen Umfeld hatten sich zudem eine Volleyballmannschaft und eine Tanzgruppe gebildet. Während die meisten dieser Vereine und Zusammenschlüsse bald wieder verschwanden, existieren einzelne bis heute.
Die frühen Jahre in Düren
Die Jahrzehnte der internationalen Fußballclubs in Düren
Die Nationen gründen ihre Vereine
"Türkischer SV 1969 Düren"
1968 gründeten die Türken zunächst einen lockeren Zusammenschluss von Fußballern, der 1969 zum eingetragenen Verein, dem „Türkischen SV 1969 Düren“ wurde. Dies war die Geburtsstunde einer beachtlichen Vereinsvita: Nicht nur gilt der Verein heute als ältester türkischer Fußballverein in Nordrhein-Westfalen und drittältester in ganz Deutschland. Er existiert zudem bis heute. In rot-weißen Trikots kamen die Türken zum regelmäßigen Training zusammen. 2004 fusionierte der Verein mit dem später gegründeten „Vereinigten Türkischen Sportverein Düren 1984“ zur „Spielgemeinschaft Türkischer SV Düren 69/84“.
Aus sportlicher Sicht verbuchte der Verein in den vergangenen gut 50 Jahren Erfolge: 1980 gewann das Team im Turnier der türkischen Konsulatsmannschaften im Bezirk Köln den begehrten Pokal und holte den Titel des Rheinlandmeisters. Auch die Dürener Stadtmeisterschaft in der Halle gewann der Verein mehrfach.
"Hellas Düren"
"Italia 72 Düren" und die "Spanische Mannschaft"
1972 traten erstmals italienische "Gastarbeiter" mit ihrem offiziellen Verein „Italia 72 Düren“ in Erscheinung. Der Verein spielte immer in der Kreisliga C und stellte wie auch der griechische Verein „Hellas Düren“ stets nur eine Mannschaft. Die Trikotfarben waren zunächst rot-gelb-blau, später dann blau-weiß.
Spanische „Gastarbeiter“ schlossen sich um 1977 in der dritten Mannschaft des "Dürener Spielvereins" zusammen. Diese Mannschaft bestand aus Spielern vieler Nationen, u. a. aus Spaniern und Portugiesen, die zu wenige Spieler stellten, als dass sie einen eigenen Nationenverein in Düren hätten gründen können. Aber auch Deutsche und Italiener spielten in dieser internationalen Mannschaft. Das Team spielte für etwa zwei bis drei Jahre mit der spanischen Flagge auf dem Trikot, wie sich Zeitzeugen erinnern.
Auf der Suche nach Heimat - Wichtige Hintergründe der Vereinsgründungen
Die Menschen suchten Zusammenhalt und eine Form von Heimatgefühl.
Sportliche und menschliche Annäherungen
Zwar waren die besagten Fußballvereine ursprünglich als Nationenvereine gegründet worden. Mit den Jahren ist jedoch für alle Mannschaften eine gewisse Durchmischung von Nationalitäten feststellbar, wenn auch das Gros des Personals weiterhin der Nationalität des Vereins angehörte. So tauchten vereinzelt "Gastarbeiter" aus dem ehemaligen Jugoslawien oder Portugal in den Vereinen auf. Ohne eigene Nationenvereine schlossen sich diese Spieler gerne den Vereinen der "Gastarbeiter"-Kollegen an.
Auch untereinander tauschten die Vereine Personal aus: Es tauchten beispielsweise griechische Fußballspieler im türkischen Verein und umgekehrt auf. Auch deutsche Spieler waren bald Mitglieder in den Vereinen. Türöffner waren zumeist Freunde, Kollegen und Bekannte. Der „Türkische SV 1969 Düren“ kann sogar auf deutsche Trainer zurückblicken. Es wurde also rasch bunt in den Vereinen.