Und überall sprach man plötzlich von Troja
Heinrich Schliemanns Grabungen als Medienereignis
Eine virtuelle Ausstellung von
Große Aufregung
Heinrich Schliemann hatte seit 1870 nach dem sagenumwobenen Troja gegraben. 1873 meldete er deutschen und internationalen Zeitungen den Fund eines spektakulären Goldschatzes. Ein Museumsdirektor schrieb ein paar Jahre nach Schliemanns Zeitungsberichten von 1873: „Zur Zeit dieser Berichte herrschte bei den Gelehrten wie beim Publikum eine große Aufregung. Überall, im Hause und auch auf der Straße, im Postwagen und auf der Eisenbahn wurde von Troja geredet. Man war voll des Staunens und des Fragens.“ (C.W. Ceram, Götter, Gräber und Gelehrte, Berlin 1978, 60f.)
Zweifel
Doch obwohl Schliemann seine Funde mit Leidenschaft verteidigte, blieb die Zahl der Zweifler groß. Die Satirezeitschrift ‚Kladderadatsch‘ verspottete nicht nur die Ruhmsucht des Ausgräbers, sondern schlug vor, er möge doch auch gleich noch nach dem Nibelungenschatz suchen. Wer sei besser geeignet als er, dem Ruhm des Deutschen Kaiserreichs als Ausgräber zu dienen?
Themen
Warum aber beschäftigten die Ausgrabungen eines längst untergegangenen Ortes im fernen Osmanischen Reich die deutsche und internationale Öffentlichkeit so stark? Dieser Frage wird die Ausstellung anhand von vier Themen nachgehen, die sich mit dem historischen Kontext, Schliemanns Trojagrabungen, der Rolle der Medien sowie dem Mythos Troja auseinandersetzen.
01
Das 19. Jahrhundert – ein Zeitalter der Kontraste
Eine Welt im Aufbruch
Das 19. Jahrhundert steht nicht nur für spektakuläre technische und wissenschaftliche Entdeckungen. Es steht auch für das Interesse daran, Neues und Fremdes zu erkunden, in ferne Welten aufzubrechen. Beispielhaft hierfür ist die Expedition, die der Berliner Forscher Alexander von Humboldt 1799–1804 nach Nord- und Südamerika unternahm.
Orient-Begeisterung
Es gab noch weitere spektakuläre Reisen. Dem Baseler Johann Ludwig Burkhardt (1784-1817) etwa gelang bei seinen Reisen durch das Osmanische Reich 1812 die Wiederentdeckung der Nabatäerstadt Petra im südlichen Jordanien sowie des Tempels von Abu Simbel in Ägypten. Außerdem bereiste er Afrika und die Arabische Halbinsel und verfaßte ethnologische Beschreibungen.
In 80 Tagen um die Welt
Die Schilderungen der Reisenden stießen auf großes Interesse. Reiseberichte wurden auf öffentlichen Vorträgen, aber auch in zahlreichen Büchern vorgestellt. Sie beeinflussten sogar Romane und Jugendbücher. Insbesondere Jules Verne eroberte mit Reise- und Abenteuerromanen wie ‚Die Reise um die Welt in achtzig Tagen‘ ein begeistertes Publikum.
Zeitungen
Nur Bilder aus der Südsee?
Fast täglich berichteten die Printmedien nicht nur von aktuellen Ereignissen, sondern auch von neuen archäologischen Erkenntnissen. Die Neugier auf das Fremde, der Drang nach Entdeckungen prägten die Zeit und weckten ein großes öffentliches Interesse an archäologischen und ethnologischen Forschungen. Dieses galt auch exotischen Bildern wie hier in der 'Gartenlaube'.
Technische Neuerungen 1: Eisenbahn
Neue Verkehrsmittel wie die Eisenbahn erleichterten das Reisen erheblich. Die erste Strecke 1825 im Nordosten Englands war nur etwa 40 km lang, und die erste 1835 fertiggestellte deutsche Eisenbahnverbindung zwischen Nürnberg und Fürth sogar nur 6 km. Bald aber breitete sich diese Erfindung über Europa, Nordamerika und weitere Territorien aus. Bereits ab 1837 gab es z.B. Strecken auf Kuba, ab 1859 Verbindungen in Mittel- und Südamerika, ab 1856 in Ägypten sowie ab 1871 im Osmanischen Reich.
Technische Neuerungen 2: Telegraphie
Für die schnelle Nachrichtenübertragung wurde besonders die Telegraphie wichtig. Erste Versuche zur elektronischen Nachrichtenübermittlung durch Signale und Codes gab es bereits in den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts. 1837 gelang dem amerikanischen Maler und Professor der Kunstgeschichte Samuel Morse die Entwicklung eines funktionsfähigen Schreibtelegraphen. 1844 konnte eine Botschaft erfolgreich auf der 60 km langen Versuchsstrecke zwischen Washington und Baltimore telegraphiert werden: https://www.youtube.com/watch?v=mS-5uX7YkzY. In Deutschland konstruierte der preußische Offizier Werner Siemens 1847 den Zeigertelegraphen: https://www.youtube.com/watch?v=fTX7U1RWXE4. Die von ihm gegründete Firma Siemens & Halske bekam den Zuschlag für den Bau einer Telegraphenlinie zwischen Frankfurt/M. und Berlin. Wenige Jahre später begann man mit der Verlegung von Unterseekabeln, z. B. 1858 zwischen Amerika und England. Zwar brach die Nachrichtenübertragung bereits nach wenigen Tagen zusammen, weil das Kabel korrodiert war; ab 1866 jedoch bestand eine stabile Verbindung, die von allen Beteiligten als Meilenstein gefeiert wurde. In den folgenden Jahren verknüpften Telegraphenkabel immer entferntere Weltregionen.
Deutschland im 19. Jahrhundert
Deutschland wurde im 19. Jahrhundert von tiefen Kontrasten geprägt. Die industrielle Revolution sorgte ab den 1830er Jahren für eine Explosion der Wirtschaftsproduktion, z.T. um das Zehnfache gegenüber vorindustriellen Zeiten. Die wachsende Zahl von Industriearbeitsplätzen führte zur Entstehung von Großstädten. Lebten in Berlin 1825 etwa 220000 Menschen, waren es 1877 schon mehr als eine Million.
Wissenschaft und Technik
Wissenschaft und Technik hielten Einzug in die Produktion. Beim Bau des Neuen Museums auf der heutigen Museumsinsel in Berlin kam ab 1841 eine Dampfmaschine zum Einsatz, die nicht nur das Einrammen der Gründungspfähle ermöglichte, sondern auch die Entwässerungspumpen, die Aufzüge sowie die Mörtelmischmaschine antrieb. Eine Hilfseisenbahn transportierte die benötigten Baumaterialien vom Kupfergraben zum Lastenaufzug des Baus.
Soziale Probleme
Allerdings erfasste die Industrialisierung nur einige Teile Deutschlands, während andere Regionen, wie auch der Geburtsort Schliemanns, agrarisch geprägt blieben. Sozialer Aufstieg war hier nur schwer möglich. Zudem war der aus der Industrialisierung erwachsende Wohlstand ungleich verteilt. Obwohl die Industriearbeiter erste Rechte erkämpfen konnten, hatten viele mit schwierigen Arbeits- und Lebensbedingungen zu kämpfen.
Fortschritt und Tradition
Teil dieser kontrastreichen Entwicklung Deutschlands war, dass die schnellen und tiefen Veränderungen für den Lebensalltag vieler Menschen durch politische Umbrüche und Industrialisierung mit einer verstärkten Hinwendung zu Tradition und Geschichte beantwortet wurden. Sie äußerte sich auch in der Suche nach der eigenen Vergangenheit und deren Bedeutung, sei es in Form von Festen, Denkmälern, Vereinen, antikisierender Architektur oder eben Ausgrabungen.
02
Schliemann und seine Grabungen
Heinrich Schliemann
Der Weg Schliemanns nach Troja war steinig. Nach dem frühen Tod seiner Mutter sowie finanziellen Schwierigkeiten seines Vaters, damals Pfarrer in Ankershagen, musste Schliemann nach nur drei Monaten das Gymnasium in Neustrelitz verlassen. Ein Auswanderungsprojekt nach Südamerika scheiterte, doch er fand Anstellung in einem Amsterdamer Handelshaus, das ihn 1846 wegen seiner Sprachkenntnisse nach Petersburg schickte.
Der Unternehmer
Dort gelang ihm bereits nach einem Jahr die Gründung eines Handelshauses, das Güter wie Indigo, Rheinwein, Edelsteine, Pelze, Salpeter zur Sprengstoffherstellung und Pottasche zur Seifenproduktion im- und exportierte. In den Folgejahren erwarb er ein immenses Vermögen, wobei er viele Optionen nutzte, die die globalisierte Welt des 19. Jahrhunderts bot.
Neuanfang
1857 löste er jedoch sein Handelshaus in Petersburg auf, ging auf Weltreise und promovierte 1869. Fasziniert von einer Reise nach Griechenland, beschloss er, künftig dort zu leben und gestaltete sein Wohnhaus im antikisierenden Stil. Sein Ziel wurde es, als Entdecker die Orte und Kulturen wieder aufzuspüren, die antike Autoren so farbig beschrieben hatten, die nun jedoch versunken waren. Doch warum ausgerechnet Troja, die mythische Königsburg an den Dardanellen?
Homers Troja
Das versunkene Troja hat nicht nur die Phantasie vieler Forschergenerationen angeregt, sondern es besitzt auch große Bedeutung für die Geschichte Europas. Ausschlaggebend dafür waren die spannenden Schilderungen des griechisch-kleinasiatischen Dichters Homer, der im 8./7. Jh. v. Chr. lebte. In seinen beiden Epen, der ‚Ilias‘ und der ‚Odyssee‘, erzählte er vom sagenhaften Krieg der Trojaner gegen die Griechen, der nach zehn Jahren mit der Zerstörung Trojas endete.
Ein Schönheits-wettstreit und seine Folgen
Der Sage nach begann der trojanische Krieg mit einem Wettstreit der griechischen Göttinnen Aphrodite, Athene und Hera, wer von ihnen die Schönste sei. Der trojanische Königssohn Paris erkannte als Schiedsrichter Aphrodite den Siegespreis zu, woraufhin sie Paris die schönste Frau der Welt versprach, Helena. Da diese jedoch mit dem spartanischen König Menelaos verheiratet war, entführte Paris sie. Daraufhin versammelte sich das Heer der Griechen, um die Frau des Menelaos aus Troja zurückzuholen.
Der Mythos des Trojanischen Krieges
Als Folge dieser Entführung entbrannte ein zehn Jahre lang andauernder Krieg zwischen Griechen und Trojanern. Schließlich bewirkte eine List des Odysseus den Untergang Trojas und den Sieg der Griechen: In einem hölzernen Pferd, welches den Trojanern vor das Stadttor gerollt wurde, hatten sich griechische Soldaten versteckt, um nachts die feindliche Stadt einzunehmen. Troja fiel laut Homer den Flammen zum Opfer. Das reale Troja war bis in byzantinische Zeit besiedelt, doch geriet es danach in Vergessenheit, bis erneut Reisende ins Osmanische Reich aufbrachen mit der Frage: Wo war Troja?
Wo ist Troja?
Schliemann kam auf der Suche nach Troja 1868 erstmals in die Troas, ein Gebiet im Nordwesten der heutigen Türkei. Um die Lage der Stadt hatte sich eine intensive Debatte entwickelt. Er lernte vor Ort den amerikanischen Generalkonsul Frank Calvert kennen, der ihn davon überzeugte, dass Troja unter dem Hisarlık liegen könnte. Calvert selbst hatte dort bereits erste Funde gemacht.
Schliemanns Grabungen
Doch die Anfänge der Grabung waren enttäuschend. So hatte der Ausgräber anfangs Mühe, die Befunde zu deuten. Schuld daran waren nicht nur die unklare Befundlage, sondern auch Defizite in der damals etablierten Grabungsmethodik. Schliemann selbst zerstörte Befunde dadurch, dass er das homerische Troja in den untersten Schichten suchte und darüber Liegendes abräumen ließ. Im Verlauf der Grabung begann er jedoch nicht nur eine sorgfältige Dokumentation, damit Kollegen seine Ergebnisse überprüfen konnten. Er vermochte auch die vielfältigen Fundschichten von unterschiedlicher Dicke präziser zu deuten. Durch die stete kritische Prüfung seiner Grabung und deren Methodik im Prozess des Ausgrabens hat Schliemann der Ausgrabungsmethodik enorme Impulse verliehen.
Der 'Schatz des Priamos'
Ende Mai 1873 gelang ihm ein spektakulärer Fund aus kostbaren Gold- und Silbergegenständen. Schliemann nannte ihn den ‚Schatz des Priamos‘ und schaffte ihn heimlich außer Landes, obwohl er den Osmanischen Behörden zuvor zugesichert hatte, dass die Hälfte aller gefundenen Wertgegenstände Eigentum des Osmanischen Reichs bleiben würde. Schliemann wurde zu einer Geldstrafe verurteilt und bezahlte diese, um weiterhin hier arbeiten zu können.
03
Die Trojagrabungen und die Medien
Schliemanns Medienoffensive
Den Nerv der Zeit treffend nutzte Heinrich Schliemann als rastloser Reisender und geübter Tagebuchschreiber die literarische Gattung der Reiseberichte, um seine Grabungen in verschiedenen deutschen Zeitungen, später auch in der ‚Times‘, als packendes Abenteuer zu erzählen. So schilderte er etwa „die Schwierigkeiten der Ausgrabungen in einer Wildnis wie dieser, wo es an allem gebricht“ und man sich „pestilentialem Sumpffieber“ ausgesetzt sah. Auch seine Verbindung von Grabungsbefunden mit Namen aus Homers Dichtung, etwa ‚Haus des Priamos‘ oder ‚Skäisches Tor‘ sollten die Wirkungsmacht und Überzeugungskraft seiner Grabungen erhöhen. Diese Zuschreibungen revidierte er später.
Sophia
Teil seiner Medienoffensive war weiterhin, dass er seine zweite Ehefrau Sophia geschickt in Szene setzte. So rühmte er, sie sei bei zahlreichen Ausgrabungen mit vor Ort gewesen, auch, als er den ‚Schatz des Priamos‘ fand. Er behauptete sogar: „Die Fortschaffung des Schatzes wäre mir aber unmöglich geworden ohne die Hülfe meiner lieben Frau, welche immer bereit stand die von mir herausgeschnittenen Gegenstände in ihr großes Umschlagetuch zu packen und fortzutragen.“ Diese Aussage ist, wie viele andere auch, nachweislich falsch. Geradezu ikonisch wurde das Foto, welches Sophia mit dem Kopfschmuck aus dem ‚Schatz des Priamos‘ zeigte. Es fand weltweite Verbreitung. Vor allem englische Blätter und Familienzeitungen interessierten sich für Frau und Familie des Ausgräbers.
Negative Reaktionen
Die Reaktionen auf Schliemann und seine Grabungen waren in Deutschland anfangs weitgehend negativ. Insbesondere die führenden Archäologen standen seinen Ausgrabungen kritisch gegenüber. Der Wiener Alexander Conze würdigte zwar, dass Schliemann mit seinen Grabungen das öffentliche Interesse für bisher kaum erschlossene Epochen geweckt habe, sprach aber von „wunderlichen Auslegungen“. Der Berliner Adolf Furtwängler vermerkte, Schliemann habe keine Ahnung davon, was er eigentlich ausgrabe.
Schliemann-Satire
Diese Kritik fand auch ihren Weg in die Presse. Selbst die ‚Allgemeine Zeitung‘ druckte seine Grabungsberichte nicht mehr bzw. nur nach einiger Verzögerung ab. Die Satirezeitschrift ‚Kladderadatsch‘ verspottete Schliemann nach seinem sensationsheischenden Bericht 1873 sogar mit einer fiktiven „Privat-Depesche“ folgenden Inhalts: „Soeben den Nibelungenhort mitten im Rhein gefunden. Beinahe dabei ersoffen, aber – Dank der guten Vorsehung – glücklich gerettet. Leider bekam dabei das Plaid meiner Frau beim Forttragen des Schatzes ein Loch, so daß zehn goldene, ein Meter lange Messer zum Aufschneiden wieder in den Rhein plumpsten. Außerdem gefunden: Die Krone des Königs Alberich und, besonders merkwürdig, eine Fotografie von Siegfried, und zwar die Hinterseite des Helden mit der berühmten ungehörnten Stelle. Weiteres später. Absender: Heinrich Schliemann.“
Positive Reaktionen
Doch es gab auch positive Reaktionen. Anfangs trat die englische Öffentlichkeit dem Ausgräber aufgeschlossener gegenüber als die deutsche. Ein Grund dafür war, dass in England wissenschaftliche Expertise und akademische Qualifikation weniger streng miteinander verknüpft wurden. Man schätzte Schliemanns Begeisterung und sein Engagement, sogar der englische Premierminister Gladstone gehörte zu seinen Förderern. Schliemann ging auf Vortragsreise und präsentierte seine Funde zuerst hier.
Virchow
Die positive Resonanz in Großbritannien führte auch zu einer stärkeren Anerkennung in Deutschland. Hier setzte sich v.a. der Pathologe Rudolf Virchow für ihn ein. Dieser war zugleich Reichstagsabgeordneter der Deutschen Fortschrittspartei sowie Vorsitzender der Anthropologischen Gesellschaft. In diesem Kontext hatte er auch Erfahrungen in der prähistorischen Archäologie erworben und 1879 an Ausgrabungen Schliemanns teilgenommen. Schliemann erhielt die Berliner Ehrenbürgerwürde und übereignete seine Funde ‚Dem deutschen Volke‘.
Trojakonferenz 1890
Wie wichtig Schliemann der Kampf um die Anerkennung seiner Ergebnisse war, zeigte sich noch in seinem letzten Lebensjahr. 1890 lud er angesehene Forscher nach Troja ein, damit diese sich selbst ein Bild von seinen Grabungen machen konnten, darunter Frank Calvert und Osman Hamdi Bey, den Direktor des Archäologischen Museums Istanbul. Der abschließende ‚Evaluierungsbericht‘ ist differenziert, bekundet aber auch Anerkennung für den Ausgräber.
04
Der Mythos Troja in Vergangenheit und Gegenwart
Puschkin-Museum
Nach Ende des 2. Weltkriegs wurde der „Priamos-Schatz“ wie eine Vielzahl anderer Objekte durch sowjetische Soldaten als Kriegsbeute nach Moskau gebracht und blieb in den folgenden Jahren verschwunden. Erst 1991 entdeckte ein russischer Archivar anhand von Akten Hinweise darauf, dass der größte Teil des „Priamos-Schatzes“ im Puschkin-Museum in Moskau lagerte. 1994 wurde er durch die damalige Museumsdirektorin Irina Antonowa der Öffentlichkeit präsentiert. Dort befinden sich die meisten Originale der Sammlung noch in der Gegenwart.
Neues Museum
Dennoch bietet die Schliemann-Sammlung im 2009 wiedereröffneten Neuen Museum mehrere eindrucksvolle Exponate. Einige sind Kopien zentraler Stücke der in Moskau befindlichen Originale, einige Originale wurden zu DDR-Zeiten von der Sowjetunion an das Berliner Museum für Vor- und Frühgeschichte zurückgegeben.
Schliemann-Saal
Neues Museum, Berlin
Warum noch eine Troja-Debatte? – Die deutsche Troja- Kontroverse
In Deutschland geriet Troja 2001 nochmals in eine öffentliche Kontroverse. Anlaß dafür war ein Streit des Tübinger Althistorikers Frank Kolb mit seinem Prähistorikerkollegen Manfred Korfmann. Hier ging es nicht nur um die Größe, die wirtschaftliche Bedeutung und geographische Einbindung Trojas in der Bronzezeit, sondern auch um die Frage, wie archäologische Befunde historisch zu deuten sind, letztlich also um eine Weiterführung der auch zu Schliemanns Zeiten geführten Debatte.
Troja heute – Was wissen wir?
Doch was wissen wir heute über Troja? Manche Deutungen Schliemanns haben sich als Irrtum erwiesen, andere Dinge sind nicht eindeutig zu klären. Auf jeden Fall aber ist Troja ein Ort mit einer 3000 Jahre währenden Besiedlungsgeschichte sowie Handelskontakten zum Hethiterreich und zum Balkan.
Aktuelle Grabungen
Südlich der Burg wurden zwei Verteidigungsgräben der späten Bronzezeit gefunden, die ein ca. 30 ha großes Areal mit zumindest einigen ergrabenen Häusern umschließen. Troja erweist sich als integraler Teil der Mittelmeerkulturen, der Einblicke in Siedlungsstrukturen und Handelskontakte gibt. Mit dem hier gefundenen Material können wegen seiner langen, nahezu kontinuierlichen Besiedlungsgeschichte andere Funde der Bronzezeit im Ägäisraum verglichen und datiert werden.
Troja als geteiltes Erbe
Wurde die Grabung anfänglich durch Deutsche und Amerikaner geleitet, steht sie seit 2013 unter der Leitung von Rüstem Aslan, Professor an der Universität Çanakkale. In Çanakkale selbst präsentiert ein Museum spektakuläre Funde, ein weiteres Museum wurde 2018 vor den Toren Çanakkales eröffnet. 1998 wurde Troja seitens der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt und damit erweist sich der Mythos Troja in bestem Sinne als welthistorisch geteiltes Erbe.
Die Ausstellung
Diesem Erbe ist auch die Ausstellung gewidmet, welche vom 2.-23.10.2021 im Lichthof des Hauptgebäudes der Humboldt-Universität Berlin (Unter den Linden 6) zu sehen ist. Sie beleuchtet Schliemanns Trojagrabungen als mediales Phänomen, zeigt aber auch in einigen Objekten, dass Schliemann bis heute Teil der Alltagskultur geblieben ist. Zu sehen sind u.a. ein Trojanisches Schaukelpferd, eine Briefmarkenserie zu Ehren Schliemanns sowie Abenteuerromane und -filme über Schliemann und seine Ausgrabungen. Das Ausstellungsteam freut sich auf Ihren Besuch. Weitere Informationen unter: https://www.antikezentrum.hu-berlin.de/de/aktivitaeten/veranstaltungen-des-zentrums/ausstellung_schliemann sowie https://youtu.be/Ls0vMKStCbQ