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Die »Topographia Germaniae« von Matthaeus Merian

Die Erzbistümer Mainz, Trier und Köln

Eine virtuelle Ausstellung von

Die Ausstellung

Die Ausstellung Die »Topographia Germaniae« von Matthaeus Merian widmet sich dem Topographieband zu den Erzbistümern Mainz, Trier und Köln. Als Landesbeschreibung kombiniert die Topographie Karten und Abbildungen mit ausführlichen Ortsbeschreibungen. Entgegen der sonst verwendeten Einteilung der Topographia ist der Band zu den drei Erzbistümern nicht einem sogenannten Reichskreis zuzuordnen. Denn eigentlich gehörten die Erzbistümer zum kurrheinischen Reichskreis. Ihnen wurde aber aufgrund ihrer Bedeutung – genauso wie beispielsweise der Pfalzgrafschaft bei Rhein – ein eigener Band gewidmet. In der Ausstellung sollen Entstehungszeit der Topographie, ihre Schöpfer und die Herstellungstechnik gezeigt werden, bevor ihr Aufbau und die in ihr abgebildeten Kupferstiche vorgestellt werden.

Matthaeus Merians 31-bändige Topographia Germaniae bildet ein Monumentalwerk, das sich bis heute weitreichender Beliebtheit erfreut. Besonders Merians Kupferstiche haben sich als altertümliche Stadtansichten in das kulturelle Gedächtnis eingeschrieben und besitzen eine große Bedeutung für das Selbstverständnis lokaler Orts- und Stadtidentitäten. Merian gelang es wie keinem anderen Künstler seiner Zeit, seine Kupferstiche fantasievoll, aber auch mit einem Anschein von Wirklichkeitstreue auszuschmücken. Das erklärte Ziel Merians war es allerdings, den idealisiert-historischen Zustand der Städte angesichts der fortwährenden Verwüstung durch den Dreißigjährigen Krieg festzuhalten. Diese Bestrebung traf den Zeitgeist der Bevölkerung, welche sich nach dem Anblick der unzerstörten Reichsstädte sehnte. Derselbe Grund ließ das Interesse an Merians Stichen nach Ende des Zweiten Weltkrieges wieder aufleben.

Bei aller Bedeutung, welche die gestochenen Stadtansichten besaßen und heute noch besitzen, dürfen allerdings auch die von Martin Zeiller verfassten Orts- und Stadtbeschreibungen der Topographie nicht vernachlässigt werden. Diese bieten einen wichtigen, über die Stiche hinausreichenden Einblick in die Geschichte und das damals verfügbare Wissen von Ortschaften. Die einzelnen Bände der Topographie wurden meist nach Kurfürstentümern oder Reichskreisen gegliedert. Auf die Einleitungen folgt die Beschreibung der Hauptstadt des jeweiligen Gebietes und danach in alphabetischer Reihenfolge die der einzelnen Orte. Abgesehen von zeitgenössischen Informationen zur Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Religion werden ebenfalls besondere Gebäude und Sehenswürdigkeiten hervorgehoben und ein Abriss über die Ortsgeschichte gegeben. Der Schluss der Beschreibungen reicht oftmals bis in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges hinein und erwähnt für den Ort wichtige Kriegsereignisse.

01
Der Dreißigjährige Krieg in der Topographie

Der Dreißigjährige Krieg

Die Bände der Topographie entstanden während des Dreißigjährigen Krieges und wurden durch diesen beeinflusst. Dies wird schon allein aus ihrer Zielsetzung ersichtlich: Die Topographien sollten den Menschen die deutschen Städte in ihrem unzerstörten, teilweise auch idealisierten Vorkriegszustand zeigen und so deren spätmittelalterliches Bild festhalten.

Der Dreißigjährige Krieg hat sich bis ins 20. Jahrhundert als Trauma im kulturellen Gedächtnis Deutschlands gehalten. Auch wenn dieser aus mehreren einzelnen Kriegsphasen bestand und nicht alle Regionen gleichermaßen betraf, so bedeutete der Krieg für die meisten Menschen doch eine massive, bis dahin unbekannte Gewalterfahrung. Insgesamt war die damalige Zeit durch Krisenhaftigkeit geprägt: Die Konfessionalisierung führte zu einer allgemein angespannten politischen Lage, die die Reichsinstitutionen lähmte. Zudem bedeuteten Klimaverschlechterungen im Zuge der sogenannten kleinen Eiszeit schlechte Erträge in der Landwirtschaft sowie steigende Lebensmittelpreise.

Die anfangs lokalen Konflikte des Dreißigjährigen Kriegs verliefen nicht entlang streng voneinander getrennter konfessioneller Grenzen. Stattdessen kämpften in manchen Fällen auch Katholiken und Protestanten auf derselben Seite. Der Krieg selbst nahm mit der Bildung von zwei Blöcken eine europäische Dimension an. Dabei befeuerten die machtpolitischen Interessen der einzelnen Parteien die Auseinandersetzungen. Eine Allianz Schwedens, Frankreichs, Englands, der Niederlande und Dänemarks richtete sich gegen ein Bündnis um den katholischen deutschen Kaiser aus dem Haus der Habsburger. Erst der Westfälische Friede von 1648 konnte die Konflikte im Reich und zwischen den Niederlanden und Spanien beenden.

Die Gustavsburg

Die auf dem Kupferstich abgebildete Gustavsburg wurde auf Befehl des schwedischen Königs Gustav Adolf 1632 an der Mündung des Mains in den Rhein errichtet. Die Festung sollte den schwedischen Truppen die Kontrolle über den Main und das östliche Umland von Mainz ermöglichen.

Die Illustration zeigt von Mainz aus die Mündung des Mains in den Rhein bei Karthaus. Die Flüsse gliedern die Landschaft in drei Teile. Am unteren Bildrand erkennt man die Karthause und die Kirche St. Georg. Zwei Männer stehen auf einem Hügel und deuten auf die am anderen Ufer liegende schwedische Festung Gustavsburg.

Die Festung ist sternförmig und symmetrisch gebaut, umfasst sechs Bastionen und bietet Platz für bis zu 600 Häuser. Im Herbst 1633 konnte sie erstmals eine Garnison aufnehmen. Auf der linken Seite des Mains lagern schwedische Truppen vor Kostheim, um die Mainzer Schiffsbrücke und den Befestigungsring am Mainufer zu beschützen.

Auf dem Bild fehlt die Mainbrücke, welche Kostheim und die Gustavsburg verband. Es ist unklar, ob ihre Darstellung aus strategischen Gründen der Zensur zum Opfer fiel, da sie ab 1632 militärischen Zwecken vorbehalten war, oder ob sie im Krieg zerstört worden ist.

Die Festung Ehrenbreitstein

Der Kupferstich zeigt aus einer Obersicht die Festung Ehrenbreitstein am Ufer des Rheins in Koblenz. Die Geschichte dieser Festung lässt sich bis ins Frühmittelalter zurückverfolgen: Sie befand sich schon damals im Besitz des Trierer Kurfürsten. Die alte Befestigung war aufgrund ihrer strategischen Lage von besonderem Wert. Da sie auf einem hohen Felsen gebaut ist, konnte sie leicht verteidigt werden. Dies erkannten auch die Kurfürsten der Frühen Neuzeit und ließen Ehrenbreitstein mit den jeweils neuesten Kriegsgeräten und weiteren Befestigungen verstärken.

Im Zuge des Dreißigjährigen Krieges erlaubte der Trierer Kurfürst französischen Truppen, die Festung zu besetzen. Er sah in Frankreich einen Verbündeten in seinem Konflikt mit Spanien. Die mit Spanien verbündeten kaiserlichen Truppen eroberten jedoch bald darauf Koblenz und belagerten die Festung Ehrenbreitstein. Auf dem Kupferstich ist ein Feuergefecht zwischen den französischen Besatzern und den kaiserlichen Truppen auf der gegenüberliegenden Flussseite abgebildet. Trotz der Uneinnehmbarkeit der Festung setzte die mangelnde Nahrungsversorgung den französischen Truppen zu. Sie kapitulierten im Juni 1637.

02
Die Schöpfer der Topographie

Ein Meisterwerk vieler Schöpfer

Ein Monumentalwerk wie die Topographia Germaniae konnte nicht von Matthaeus Merian allein bewältigt werden. Da Merian nicht nur Illustrationen zu den deutschen Städten drucken, sondern auch Informationen über ihre Besonderheiten und Geschichte liefern wollte, brauchte er für diese Texte einen Autor. Seine Wahl fiel auf Martin Zeiller, von dem 1632 das sehr erfolgreiche und mehrfach verlegte, aber noch nicht illustrierte Teutsche Reyßbuch erschienen war. 1640 druckte Merian mit dem Itinerarium Italiae einen Reiseführer Zeillers zu Italien. Diese Zusammenarbeit erwies sich als fruchtbar, sodass Merian Zeiller unter dem Vorbehalt, dass dieser sich weitgehend an den Text seines Reyßbuchs halten durfte, für die Topographia Germaniae gewinnen konnte. Nur in einigen Fällen wurde Zeillers Text durch Beschreibungen von Ortskundigen ergänzt.

Da Merian schon ein hohes Alter erreicht hatte, als er die ersten Bände der Topographia Germaniae veröffentlichte, musste er immer mehr auf die Arbeit anderer Stecher zurückgreifen. Nur die Kupferstiche in den Erstauflagen der ersten vier Bände sind ausschließlich von Merian gestochen worden. Im Band zur Pfalzgrafschaft bei Rhein setzt die Mitarbeit seines Sohnes Caspar und weiterer Kupferstecher, deren Namen nicht überliefert sind, ein. Ab dem achten Band (Oberschlesien) werden die Illustrationen so gut wie vollständig von Caspar angefertigt. Er war es auch, der nach dem Tod seines Vaters die Topographie weiterführte, während sein älterer Bruder Matthaeus Merian der Jüngere die Leitung und Repräsentanz des Verlages übernahm. Bis 1688 sollten unter den Erben Merians 31 Bände der Topographie zu den Gebieten des Heiligen Römischen Reichs und anderen mitteleuropäischen Ländern erscheinen.

Matthaeus Merian

Der am 22. September 1593 als Sohn einer vornehmen Familie in Basel geborene Matthaeus Merian zeigte schon früh ein ausgeprägtes künstlerisches Talent. Nach seiner Lehre in der Glasmalerei und Radierkunst wanderte Merian durch Mitteleuropa, um sein Handwerk zu perfektionieren. Diese Reise sollte ihn nach Frankreich und Süddeutschland führen.

In Oppenheim stieg Merian Ende 1616 als Kupferstecher bei dem Verleger Johann Theodor de Bry ein, der auch eine Niederlassung seines Verlages in Frankfurt betrieb. Er wurde ein wichtiger Mitarbeiter de Brys und ehelichte 1617 dessen Tochter. Nach dem Tod de Brys bat dessen Witwe Merian bei der Verlagsführung in Frankfurt um Hilfe, sodass er 1624 dorthin zog und den Verlag ein Jahr später vollständig übernahm.

In Frankfurt entstanden Merians wichtigste Werke. Von 1629 bis 1634 druckte Merian die Gottfriedsche Chronik über die Weltgeschichte sowie ab 1633 das Theatrum Europaeum über die Geschehnisse des Dreißigjährigen Krieges. Ab 1642 erschien schließlich Merians Hauptwerk: die Topographia Germaniae. Bis zu seinem Lebensende verlegte Merian zwölf Bände der Topographie. Er verstarb am 19. Juni 1650.

Martin Zeiller

In Ranten in der Steiermark wurde am 17. April 1589 Martin Zeiller als Sohn eines lutherischen Pfarrers geboren. Da durch gegenreformatorische Maßnahmen Ferdinands II. die Protestanten der Steiermark immer mehr unter Druck gerieten, musste 1600 auch die Familie Zeiller aus ihrer Heimat fliehen. Über Regensburg gelangte sie in die protestantische freie Reichsstadt Ulm.

Ab 1608 studierte Zeiller Geschichte und Rechtswissenschaften an der Universität in Wittenberg und fand im Anschluss schnell eine Anstellung als Hofmeister, also als Erzieher und Hauslehrer von Adelssöhnen. Als solcher begleitete er seine Schützlinge auf auswärtige Schulen und Bildungsreisen. Diese Reisen, die Zeiller in viele Länder Europas führen sollten, prägten seine späteren Schriften nachhaltig.

1629 kehrte Zeiller nach Ulm zurück, um sich dort niederzulassen und die Witwe Magdalena Matheis zu ehelichen. Er wandte sich bald dem Schreiben zu: 1632 erschien mit dem Teutschen Reyßbuch sein erstes großes und sehr erfolgreiches topographisches Werk. Dieses bildete zudem die Grundlage für die Topographia Germaniae. Neben seinen Reisehandbüchern und Länderbeschreibungen verfasste er auch enzyklopädische Werke. Martin Zeiller verstarb am 16. Oktober 1661 nach einer höchst produktiven Schreibkarriere.

Merians Erben

Das ungewöhnliche Familienporträt aus der Hand Matthaeus Merians d. J. zeigt die Familie Merian inmitten einer angeregten Kunstdiskussion. Die im Mittelpunkt platzierte Mutter Maria Magdalena und der neben ihr sitzende alte Matthaeus sind von ihren Kindern umringt. Der Sohn Matthaeus Merian d. J. positionierte sich im Hintergrund links hinter seinem Vater. Er schaut die Betrachterinnen und Betrachter des Bildes direkt an und gibt sich somit als Schöpfer des Gemäldes zu erkennen. Vor den Eltern zeigt Caspar Merian auf eine Handzeichnung. Als Erben des Verlages sollten allen voran Matthaeus Merian d. J. und Caspar Merian eine große Rolle bei dessen Weiterbestehen spielen.

Matthaeus Merian war der erste Sohn der Familie Merian und wurde Ende März 1621 in Basel geboren. Er kam zusammen mit seiner Familie als Kleinkind nach Frankfurt und ging im Alter von 14 Jahren bei dem aus Frankfurt stammenden Maler Joachim von Sandrart in die Lehre. Reisen, bei denen er sich künstlerisch weiterbildete, führten ihn unter anderem nach Italien. Nach dem Tod seines Vaters übernahm er die Leitung des Verlages, reiste aber weiterhin und erreichte als Maler große Berühmtheit. Er verstarb mit 66 Jahren.

Caspar Merian wurde als zweiter Sohn Matthaeus Merians Mitte Februar 1627 in Frankfurt geboren. Er erlernte schon in jungen Jahren bei seinem Vater das Kupferstechen und wirkte als Jugendlicher in der Verlagsproduktion mit, welche er zusammen mit seinem Bruder nach dem Tod seines Vaters übernahm. 1668 wurde Caspar anstelle von Matthaeus d. J. Verlagsleiter. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er in Holland, wo er am 22. April 1686 starb.

03
Von der Skizze zum Kunstwerk

Der Arbeitsprozess

Bis zur Veröffentlichung eines Topographiebandes musste dieser mehrere Arbeitsschritte durchlaufen. Dabei war Matthaeus Merian auf seine Mitarbeiter in der Werkstatt, aber auch auf fremde Künstler und Informanten angewiesen. Martin Zeiller lieferte die Texte für die Topographie. Diese wurden auch durch zusätzliche Angaben von ortskundigen Personen ergänzt. Zudem brauchte Merian Vorlagen für seine Kupferstiche, denn nur in einigen Fällen konnte er die Städte selbst besuchen. Auch stach Merian nicht alle Stadtansichten für den Topographieband selbst: Ein guter Teil wurde von seinen Mitarbeitern oder seinem Sohn Caspar Merian produziert. Nach und nach entwickelte sich dabei ein festes Schema für die Anlage von Stadtansichten, die oft geradezu als Markenzeichen für Merians Verlag angesehen wird. 

Zwei Techniken waren besonders elementar für die Buchproduktion: Zum einen musste der Kupferstich hergestellt und reproduziert werden. Dazu wurde das Motiv mit einem Stichel in die Platte geritzt und durch das Tiefdruckverfahren auf das Papier übertragen. Zudem konnte der Text durch die Drucktechnik mit beweglichen Lettern vergleichsweise kostengünstig vervielfältigt werden. Hierbei wurde das Hochdruckverfahren angewandt. Die bedruckten Seiten wurden anschließend, wie bis in das 18. Jahrhundert hinein allgemein üblich, lose verkauft, sodass die Käufer sie selbst zu einem Buch in ihrer bevorzugten Form binden lassen konnten.

Merians Darstellungsweise

Die Stadtansichten der Topographie haben ein festes Kompositionsschema, bei der vor allem eine weitwinklige Darstellung auffällt. Es ist anzunehmen, dass die von Matthaeus Merian selbst gestochenen Stadtansichten, wie die von Mainz, in ihrem Bildaufbau als Vorlage für die Stiche der Werkstattmitarbeiter dienten.

Bei kleineren Ansichten der Topographie, wie hier der von Engers, scheint die Stadt auf einer Fläche zu liegen, hinter der manchmal auch Hügel abgebildet sein können. In den meisten Fällen aber ist die Kompositionsstruktur dreiteilig: Im Vordergrund sieht man einen ruhigen Strom mit Flussufer. Dahinter ragt die Stadtlandschaft empor. Die Architektur der Stadt in einer Art Parallelperspektive dargestellt, wodurch die Gebäude nahezu die gleiche Größe haben. Die Stiche sind durch horizontale und vertikale Linien charakterisiert. Bei Merians eigenen Ansichten befindet sich der Ausgangspunkt der Betrachtung leicht erhöht gegenüber der Stadt. Die Horizontlinie ist im oberen Viertel der Ansicht angesetzt.

04
Der Topographieband Mainz-Trier-Köln

Die Erzbistümer Mainz, Trier und Köln

Der Topographieband Mainz-Trier-Köln bildet den sechsten und schmalsten Band der Topographia Germaniae. Darin gliedert sich die Darstellung in die drei Erzbistümer und geistlichen Kurfürstentümer Mainz, Trier und Köln. Die zu den jeweiligen Erzstiften gehörenden Gebiete sind, wie häufig im Heiligen Römischen Reich, weit verstreut und unübersichtlich verteilt, indem zu den geschlossenen inneren Territorien zahllose kleine und kleinste Exklaven kamen. Das Gebiet kann aber grob anhand der Flussverläufe des Rheins und der Mosel eingegrenzt werden.

Am Anfang des Bandes befindet sich eine kurze Einleitung, auf die eine Vorstellung der namensgebenden Hauptstädte der Erzbistümer und der dazugehörigen Orte folgt. Viele der Städte werden mit Kupferstichen von Merian und seinen Mitarbeitern bebildert. Matthaeus Merians Sohn Caspar Merian kann die Ansicht des Residenzschlosses von Aschaffenburg zugeschrieben werden. Am Ende des Bandes befinden sich jeweils ein Register der beschriebenen Orte und ein Verzeichnis der Kupferstiche.

Der Topographieband erschien erstmals 1646 zur Frankfurter Fastenmesse. Einen Anhang ohne Bilder, aber dafür mit bedeutenden Texterweiterungen, vor allem zu den Städten Köln und Trier, veröffentlichten Merians Erben 1654. Band und Anhang, ergänzt um die aktuellen historischen Entwicklungen, erschienen miteinander verbunden zur Herbstmesse 1675 in der zweiten Auflage. Auf dem Titelblatt der Ausgabe ist allerdings weiterhin das Erscheinungsjahr der Erstausgabe vermerkt. Die in der Ausstellung gezeigten Kupferstiche stammen aus dieser zweiten Auflage. Zwei weitere Ausgaben wurden 1690 und 1700 aufgelegt. Bei diesen weist aber die Qualität des Druckes und des verwendeten Papiers Mängel auf.

Das Titelblatt

Das Titelblatt der Topographie lieferte nicht nur Informationen zum Titel, Erscheinungsjahr und Verleger des Buches, sondern verfügte auch über eine Werbefunktion. Aus diesem Grund ist das Titelblatt mit einer ganzseitigen Titelillustration geschmückt.

Es sind die Personifikationen von Religion, Politik und Wissenschaft vor einem tempelartigen Gebäude zu sehen, dessen zwei nach vorne ragende Balken von Pfeilern und Pilastern getragen werden. Auf dem Gebäude thront Germania auf einem Globus oder überdimensioniertem Reichsapfel. Neben einem Hermelinmantel trägt sie eine Kaiserkrone, ein Zepter sowie eine Schriftrolle und blickt auf die drei unten versammelten Personifikationen. In der Mitte des Bildes prangt der Buchtitel in einem ovalen, verzierten Rahmen. Um diesen herum sind die Wappen von Trier, Mainz und Köln, jeweils mit Kurhut versehen, angeordnet. Die Kurhüte weisen die Städte als Sitze der Erzbischöfe aus.

Durch die unten versammelten Personifikationen wird die geistliche und weltliche Macht der Erzbistümer hervorgehoben. Links steht die Religion mit bedecktem Haupt. Sie hält ein Kreuz und ihre Hand ruht auf einem Buch. Auf der rechten Seite hält die Politik einen Richterstab und eine urkundenartige Schriftrolle. Sie trägt keine Kopfbedeckung und beugt sich in Richtung der in der Mitte sitzenden Wissenschaft. Auf deren Kopf sitzt eine Mauerkrone in Form einer Festung und sie hält einen Zirkel und Gradmesser in der rechten sowie einen Winkel in der linken Hand. Hinter ihr ist zudem ein Richtscheit und eine Weltkugel zu erkennen.

Der gedruckte Text

Der typographische Satz der Topographie ist, wie damals im deutschsprachigen Raum üblich, in einer Frakturschrift gesetzt, während für die lateinischen Textpassagen und Wörter, die ihren Ursprung in einer anderen Sprache haben, die bis heute weit verbreitete Antiqua-Schrift verwendet wurde. Der einfarbig gedruckte Text ist mit zahlreichen Verzierungen versehen. Die Initiale zu Beginn des Hauptartikels ist sehr groß und reich geschmückt, wohingegen die Initialen der nachfolgenden Ortsbeschreibungen kleiner sind und nur die doppelte der normalen Schrifthöhe haben. Als frühes Satzzeichen werden Virgel verwendet, welche wie ein Schrägstrich aussehen. Als Vorläufer der heutigen Kommata erfüllen sie dieselbe Funktion und gliedern die Sätze. Die Sprachstufe des Textes ist der Übergangsphase vom Frühneuhochdeutschen zum Neuhochdeutschen und sprachräumlich dem Westmitteldeutschen zuzuordnen.

Die abgebildete Textseite leitet die Vorstellung der Hauptstadt Trier ein. Am oberen Seitenrand befinden sich in der Mitte die Seitenzahl und gerankte Verzierungen. Sowohl dieser Schmuck als auch die Überschrift ‚Trier‘ in großer Schrift weisen optisch darauf hin, dass hier ein neuer Abschnitt, nämlich der zum Erzbistum und Erzstift Trier, beginnt. Unten rechts auf der Seite ist als Lesehilfe das erste Wort der Folgeseite vermerkt. Die Notiz ‚D3‘ ist die Bogensignatur des Druckbogens und war als Hilfe für das richtige Zusammensetzen der Seiten beim Buchbinden gedacht.

05
Das Erzbistum Mainz

Stadt, Erzstift und Erzbistum

Der Mainzer Erzbischof und Kurfürst verfügte sowohl über geistliche als auch weltliche Herrschaft. Als Kurfürst kam ihm, wie seinen geistlichen Kollegen aus Trier und Köln, ein Stimmrecht bei der Kaiserwahl zu, wodurch der Mainzer Erzbischof eine wichtige Rolle in der Reichspolitik einnahm. Die Grenzen von Kurmainz als weltliches Herrschaftsgebiet, auch Erzstift genannt, verliefen anders als die des geistlichen Einflussgebietes, des Erzbistums. Während sich das Erzbistum zusammenhängend vom Hunsrück bis nach Einbeck und an die Saale erstreckte, war das weltliche Herrschaftsgebiet von Kurmainz stärker zersplittert. Die eigentliche Stadt Mainz verfügte noch im Spätmittelalter als freie Stadt über weitgehende Unabhängigkeit. Allerdings sollte sich dies im Jahr 1462 ändern: Im Zuge einer konfliktreichen Bischofswahl wurde die Stadt durch Erzbischof Adolf II. erobert und seiner Herrschaft unterstellt.

Kurmainz mit der Hauptstadt Mainz weist Zeiller in seinem Text eine besondere weltliche wie geistliche Bedeutung zu. So schreibt er, „es wird dieses Erzstift für das würdigste gehalten und nach Rom Mainz der Heilige Stuhl genannt“. Zeiller nennt verschiedene mögliche Theorien zur Namensherkunft der Stadt. So könnte zum Beispiel der Stadtname von der Bezeichnung des Flusses Main herstammen, welcher bei Mainz in den Rhein mündet.  Allerdings seien „die Gelehrten nicht einerlei Meinung“. Weiterhin geht er auf den antiken Ursprung von Mainz ein und belegt dies mit der Aufzählung von gefundenen antiken Artefakten. So habe „man auch unter der Erden etliche Antiquitäten von Säulen, darin Bilder und Schriften zu sehen, gefunden“. Zeiller beschreibt auch den Dom, in dem die Erzbischöfe der Stadt begraben liegen. Neben den verschiedenen kirchlichen Gebäuden der Stadt listet Zeiller die Namen der langen Abfolge an Erzbischöfen auf.

Schloss Johannisburg

Das Stadtbild Aschaffenburgs wird durch die zweite Residenzstätte des Mainzer Kurfürsten und Erzbischofs, das Schloss Johannisburg, dominiert. Nachdem die mittelalterliche Burg der Stadt im Zuge des Markgräflerkriegs 1552 geplündert und zerstört worden war, ließ Erzbischof Johann Schweikhard von Kronberg (1553–1626) ein neues Schloss an ihrer Stelle errichten. Für den Bau wurde der Architekt und Baumeister Georg Ridinger (1568–1617) beauftragt. Dieser ließ den Großteil der Ruinen der alten Burg abreißen und erbaute von 1605 bis 1614 das neue Schloss.

Da es sich bei dem Schloss um einen Neubau handelt, der nicht wie mittelalterliche Burgen mit den Jahrhunderten organisch gewachsen ist, ist der Aufbau der neuen Residenz sehr regelmäßig und symmetrisch. Die vier Schlossflügel mit jeweils drei Geschossen schließen einen quadratischen Innenhof ein. Von der mittelalterlichen Burg übernahm Ridinger den Bergfried auf der nördlichen Seite des Schlosses. Die Räume in den Ecktürmen beherbergen vornehme Wohnräume, während sich in der Mitte der Front zum Main ein großer Saal mit vorgelagerter Terrasse als wichtigster Raum des Schlosses befindet.

06
Das Erzbistum Trier

Stadt, Erzstift und Erzbistum

Kurtrier mit seiner Hauptstadt Trier unterstand der Herrschaft des Trierer Erzbischofes und Kurfürsten. Das Bistum Trier war bereits in spätrömischer Zeit entstanden. Allmählich bauten die Trierer Erzbischöfe neben ihrer bereits bestehenden geistlichen Amtsgewalt auch ihre weltliche Herrschaft aus. Anfang des 11. Jahrhunderts war das Gebiet Kurtriers noch auf das Umland der Stadt Trier beschränkt. Das Herrschaftsgebiet wurde durch die Übertragung von Koblenz samt dazugehörigem Reichsgut durch Kaiser Heinrich II. (973/978–1024) an Erzbischof Poppo von Babenberg  (986–1047) im Jahre 1018 beträchtlich erweitert. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts war die territoriale Erweiterung Kurtriers weitgehend abgeschlossen. Das Gebiet erstreckte sich vom Unterlauf der Saar im Süden bis Koblenz im Norden sowie entlang der Lahn bis Montabaur und Limburg.

Die Geschichte der Stadt Trier ordnet Zeiller, vorsichtig der Theorie Eusebius’ und Hieronymus’ folgend, in die vier Weltalter und die Jahreszählung nach der biblischen Schöpfungsgeschichte ein, welche die christlich-mittelalterliche Geschichtsauffassung prägten. Dieser Vorstellung nach sei Trier 1966 Jahre nach der Erschaffung der Welt und 310 Jahre nach der Sintflut gegründet worden. Man halte sie so „unter allen Städten in der ganzen Welt für die Älteste“. Allerdings bleibt Zeiller skeptisch und relativiert, dass „solche alte Sachen“ nicht überprüft werden könnten. Weiterhin geht Zeiller auf ihre römische Vergangenheit ein und schreibt, dass Trier zu der Zeit „die größte Stadt diesseits der Alpen gewesen“ sei. Einer Aufzählung der antiken Gebäude folgt die der Kirchen und Klöster, bevor sich Zeiller der Stadtgeschichte und der Abfolge der herrschenden Erzbischöfe Triers zuwendet. Der Text endet ab der zweiten, erweiterten Auflage der Topographie mit der französischen Besetzung Triers im Jahre 1673 und der Rückeroberung der Stadt durch die kaiserlichen Truppen 1675, der die Schlacht an der Konzer Brücke am 11. August 1675 vorangegangen war.

Trier

Die aus besonders hoher Perspektive auf die Stadt schauende Ansicht Triers lehnt sich stark an die Darstellung aus dem Civitates Orbis Terrarum an, welche mehr als 70 Jahre vor Merians Stich veröffentlicht wurde. Merian passte das Stadtbild aber dem aktuellen Stil an und erreichte somit eine scheinbar zeitgemäße Darstellung.

Insgesamt ist das Stadtbild durch die Vielzahl an Kirchen, Klöstern, Stiften und Abteien sowie die römischen Bauten geprägt. Den Mittelpunkt der Darstellung bilden der Trierer Dom und die daneben stehende Liebfrauenkirche sowie davor die Marktkirche St. Gangolf. Außerhalb der schützenden Stadtmauern im Nordwesten stehen das Paulinstift und die Reichsabtei St. Maximin. An der Stadtmauer liegt die Porta Nigra, das antike Nordtor der Stadt. Dieses war im 11. Jahrhundert zu einer Doppelkirche zu Ehren des St. Simeon umgebaut worden. Erst Napoleon sollte es zu seiner ursprünglichen Form zurückbauen lassen. Am Moselufer verbindet die Römerbrücke die beiden Ufer des Flusses. Im Süden der Stadt erblickt man die römische Konstantinbasilika.

Auf Merians Bildlegende ist verzeichnet, dass das alte Südtor Porta Alba aus der Stadt hinaus zu der Karthause, der Abtei St. Matthias und dem Nonnenkloster St. Barbara führte. Allerdings stand die tatsächliche Porta Alba im Osten der Stadt, im heutigen Stadtteil Trier-Heiligkreuz. Solche Hinweise zeigen, dass Merians Stadtansichten nicht für realitätsgetreu gehalten werden können.

Koblenz

Die Ansicht zeigt Koblenz aus der Vogelschau während der Belagerung durch die schwedischen Truppen im Zuge des Dreißigjährigen Krieges. Von Süden und Westen wird die Stadt bedrängt. Rechts im Kupferstich stürmt die schwedische Reiterei auf die Stadtmauern zu. Von Süden her steht Koblenz unter dem Beschuss der schwedischen Artillerie, die sich hinter einem Wall verschanzt hat. Die Stadt erwidert das Feuer aus den hohen Türmen ihrer Stadtmauer. Im Hintergrund sieht man das Feldlager der einfachen Soldaten und rechts das Hauptquartier der Offiziere, welches durch Kanonen und eine Formation aus Pikenieren und Musketieren beschützt wird.

Weiterhin dominieren die Mosel und der Rhein den Bildaufbau. Über die Mosel führt die Balduinbrücke. Auf dieser, entlang der Flusspromenade und auch innerhalb der Stadtmauern patrouillieren Soldaten. Mehrere Kirchtürme sind im Stadtbild hervorgehoben, so auch die mittelalterliche Basilika St. Kastor im Osten. Ferner ist Koblenz durch starke Festungswerke umgeben. Von den Wohnhäusern zur Stadtmauer ziehen sich Weinberge hin. Dem Verlauf des Rheines folgend blickt man in die Weite der dahinterliegenden Landschaft.

07
Das Erzbistum Köln

Stadt, Erzstift und Erzbistum

Schon in der Spätantike war Köln ein Bischofssitz und wurde nach der Eroberung durch die Franken im Jahr 459 zum Erzbistum erhoben. Die Erzbischöfe hatten bereits im Verlauf des Frühmittelalters ihren weltlichen Besitz vergrößert. Mit der Etablierung des sogenannten ottonisch-salischen Reichskirchensystems im 10. Jahrhundert wurde die Voraussetzung für die Bildung des Erzstifts Köln als weltliches Herrschaftsgebiet des Kölner Erzbischofs geschaffen, das in den folgenden Jahrhunderten weiter vergrößert werden konnte. Den Höhepunkt seiner Macht sollte Köln unter dem Erzbischof Konrad von Hochstaden (um 1205–1261) erhalten. Infolge des Limburger Erbfolgestreits von 1283 bis 1289 verlor der Kölner Erzbischof Siegfried von Westerburg (um 1235–1297) die Herrschaft über die nun freie Reichsstadt Köln. Die territoriale Entwicklung des Erzstifts war Mitte des 15. Jahrhunderts weitgehend abgeschlossen.

Zur Geschichte der Stadt Köln gibt es in der Topographie zwei Artikel. Der erste wurde mit der ersten Auflage des Topographiebandes im Jahr 1646 veröffentlicht. Der zweite und ausführlichere Text wurde als Anhang im Jahr 1654 beigefügt. In der zweiten Auflage der Topographie zu Mainz, Trier und Köln wurden beide Texte nacheinander abgedruckt, obwohl sie sich in ihrem Aufbau und zum Teil auch inhaltlich ähneln: Zeiller nimmt eine Gründung der Stadt Köln durch die westgermanischen Ubier um das Jahr 35 v. Chr. an. Danach sei Köln im Jahr 50 n. Chr. in eine römische Kolonie umgewandelt worden. Im Mittelalter sei Köln als bedeutende Hansestadt schon früh „bürgerlich“ regiert worden: Zur Bekräftigung dieser Aussage schildert Zeiller genauestens die städtische Selbstverwaltung. Weiterhin beschreibt Zeiller die Gebäude der „größten Stadt in ganz Deutschland“,  wobei er den noch nicht fertiggestellten Kölner Dom hervorhebt, welcher nach seiner Vollendung zu den „Wunderwerken in Europa gezählt werden“ könne. Schließlich folgt anekdotenhaft die Stadtgeschichte und eine Aufzählung der Erzbischöfe Kölns.

Köln

Aus einer Obersicht wird die Stadt Köln am Rhein dargestellt, in deren Hafen zahlreiche Schiffe liegen. Ihrer verkehrsgünstigen Lage verdankte die Stadt ihre wichtige Stellung im Fernhandel und profitierte durch ein Vorkaufsrecht. Alle Waren, die die Stadt passierten, mussten dort drei Tage lang zum Kauf angeboten werden. Die Stadtdarstellung ist nach Westen ausgerichtet. Auf der unteren Ostseite liegt das aus einem römischen Kastell erwachsene Deutz. Das Stadtbild Kölns zeigt die alte, halbkreisförmige Stadtmauer. Diese wurde ab 1881 fast vollständig abgerissen und die Verteidigungsbauten weiter in das Umfeld der Stadt verlegt. Die Stadtmauer verfügte zur Zeit Merians über ungefähr 100 Türme und Tore.

Innerhalb der Mauern lassen sich die Stadtbauwerke Kölns mit ihren etwa 80 Kirch- und Klostertürmen finden. Die Türme des Kölner Doms sind allerdings noch nicht vollendet. Stattdessen sieht man auf dem Südturm einen Kran, der bereits im späten Mittelalter errichtet worden war und erst 1868 abgebaut werden sollte, als mit dem Beschluss zum Weiterbau des Doms eine fortgeschrittenere Technik zum Einsatz kam. Weiterhin befinden sich innerhalb der Stadtmauern gedrängte Häuser, Straßen und Gassen. Außerhalb des Stadtkerns breiten sich Gartenanlagen und andere Grünflächen aus.

Neuss

Die Stadt Neuss wird im Kupferstich aus der Obersicht dargestellt. Zeiller beschreibt, dass diese „vornehme erzbischöfliche Stadt“ vier oder sechs Meilen unterhalb Kölns am Fluss Erft liege. In der Darstellung wird Neuss im Osten durch die Erft begrenzt, während ein Seitenarm des Flusses dem Rhein zufließt. Neuss wird durch zum Teil auch doppelte Stadtmauern mit Befestigungstürmen geschützt. Unter den Gebäuden auf der Stadtansicht sticht vor allem die Kirche Quirinus-Münster hervor: Die dort aufbewahrten Reliquien ihres Namenspatrons waren der Zielpunkt vieler Wallfahrten.

Neuss unterstand nachweislich ab dem 11. Jahrhundert der weltlichen Herrschaft des Kölner Erzbischofs. In den folgenden Jahrhunderten versuchte die Stadt ihre Abhängigkeit von Köln zu begrenzen und als Reichsstadt die direkte Unterstellung unter den Kaiser des Heiligen Römischen Reiches zu erlangen. Dies führte zu Spannungen zwischen der Stadt und dem Kölner Erzstift. Nachdem Neuss in den Jahren 1474 und 1475 einer Belagerung durch den mit dem Erzbischof verbündeten Karl den Kühnen (1433–1477) widerstand, wurden der Stadt durch Kaiser Friedrich III. (1415–1493) zahlreiche Privilegien gewährt. Sowohl im Kölnischen Krieg als auch im Dreißigjährigen Krieg wurde die Stadt erobert. Neuss sollte über das Ende des Dreißigjährigen Krieges hinaus besetzt bleiben und erhielt erst am 2. Juli 1651 seine Freiheit zurück.

08
Ausblick

Das Erschließungsprojekt

Diese Ausstellung erscheint im Vorfeld des bei der DFG beantragten Erschließungsprojektes Merian online der Universitätsbibliothek Trier. Dank der Dauerleihgabe einer vollständigen Sammlung der Topographia Germaniae durch die Heinrich und Anny Nolte Stiftung kann diese von der Universitätsbibliothek Trier digitalisiert und erschlossen werden, um die Stiche und Ortsbeschreibungen über die Nutzung vor Ort hinaus für die Wissenschaft besser zugänglich und nutzbar zu machen.

Durch einen hochwertigen Scan der Bücher und die Übertragung der Texte in moderne Schriftart sowie die Erschließung durch Normdaten können einzelne Orte, Territorien, Gebäude, Personen und Ereignisse sicher zugeordnet und schnell recherchiert werden. Mit dieser Standardisierung durch genormte Schlagwörter ist es auch möglich, abweichende Schreibungen, wie sie zur Entstehungszeit üblich waren, zu finden. So nutzte Merian beispielsweise als Schreibweise für die Stadt Koblenz sowohl Coblentz als auch Cobolentz.

Neben ihrer ursprünglichen Ordnung sollen die einzelnen Ortseinträge auch nach heutigen geographischen und politischen Bezügen sortiert werden. Durch die neue Ordnung sollen auch Benutzerinnen und Benutzer ohne ein genaues historisches Vorwissen die Orte räumlich verorten können. Darüber hinaus sollen die Orte auch auf modernen und zeitgenössischen Karten eingezeichnet werden, um einen ganz neuen Zugriff auf die Stiche und Texte zu ermöglichen.

09
Danksagung

Danksagung

Diese Ausstellung wäre ohne die vielfältige Unterstützung, die sie erfahren hat, nicht zu realisieren gewesen. Ganz besonders möchten wir der Heinrich und Anny Nolte Stiftung, dem Stiftungsvorstand Herrn Gerd Volker Hellmig sowie dem Beirat Herrn Dr. Friedrich Grote und Frau Ursula Beele für die langjährige und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Universitätsbibliothek Trier danken: Die Nolte-Stiftung hat der Universitätsbibliothek Trier sowohl durch die Dauerleihgabe der vollständigen Sammlung der Topographia Germaniae als auch durch die Finanzierung einer Hilfskraftstelle die Erstellung der Ausstellung überhaupt erst ermöglicht.

Darüber hinaus möchten wir uns bei der Stadtbibliothek Trier bedanken, die uns die Verwendung des Porträts von Matthaeus Merian gestattete. Weiterhin danken wir der Universitätsbibliothek Leipzig, die uns ermöglichte, das Porträt von Martin Zeiller in die Ausstellung einzubauen. Schließlich konnten wir auch dank der Zustimmung des Kunstmuseums Basel das Familienporträt der Merians einbinden. Wir danken allen Stellen für die nachhaltige Bereicherung unserer Ausstellung.