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Hans Lachmann

Zeitgeschichte in Momentaufnahmen

Eine virtuelle Ausstellung von

"Aufbruch zu einer Reportage" (Rückseite)

Als der Bildjournalist Hans Lachmann am 31. Juli 2006 in Monheim am Rhein verstirbt, hinterlässt er ein Erbe, mit dem sich noch Generationen nach ihm befassen werden. In seinem Nachlass befindet sich die bildliche Dokumentation eines halben Jahrhunderts, festgehalten auf rund einer halben Million Abzügen.

Diese Ausstellung widmet sich der Genese seines umfassenden Werks, kann aber nur eine kleine Auswahl des weitgreifenden Materials für einen Überblick zeigen.

Das Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland veröffentlicht Digitalisate der Abzüge in seiner Online-Bilddatenbank.

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Der Kriegsberichter

Geboren am 13. März 1920 im niederschlesischen Hirschberg beim Riesengebirge, war Hans Lachmann schon von Jugend an leidenschaftlicher Fotograf und bot sich für die bildliche Dokumentation von Konfirmationen und Hochzeiten in der Nachbarschaft an.

Ende der 30er Jahre meldete er sich nach einer erfolgreich abgeschlossenen Banklehre aufgrund mangelnder Stellenaussicht im Bankwesen beim Reichsarbeitsdienst (RAD), wo der Wehrdienst mit einer Zusatzausbildung abgeleistet werden musste, was aber höher vergütet wurde.

Berufswahl oder Berufung?

"Die zusätzlichen 50 Reichspfennige Sold habe ich eisern gespart und mir dafür bei Photo-Porst in Nürnberg eine gebrauchte hochwertige Kleinbildkamera gekauft." Lachmann

Nach Kriegsausbruch als Besatzungssoldat ins oberelsässische Kolmar versetzt, förderte ihn sein Rittmeister, der selbst Hobbyfotograf war.

"Mein Rittmeister [...] hat mir für excellentes Schießen viel Urlaub bewilligt, so daß ich das Oberelsaß auf Streifzügen mit Farbdiafilmen systematisch fotografieren konnte."Lachmann

"Frühjahr 1940 als Reiter auf Vogesenwanderung mit Seitengewehr und Brotbeutel und schwerem Stativ. Sporen an den Stiefeln" (Rückseite)

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Im Auftrag der Kirche

Anlässlich des Deutschen Evangelischen Kirchentages in Berlin 1951 bat ihn die EKD, einen Bilderdienst für die kirchliche Presse aufzubauen.

"Ich mußte daran denken wie ich [...] meinem Herrgott versprochen habe: Wenn du mich halbwegs beieinander aus diesem furchtbaren Morden herausholst, will ich Dir treulich an jeder Stelle, an der Du mich stellst, dienen."Lachmann

Über die folgenden vier Jahrzehnte dokumentierte Hans Lachmann die Aktivitäten der Volkskirche ebenso wie Themen der Diakonie und der Ökumene. Dabei arbeitete er nicht nur auf Auftrag, sondern bot von sich aus Themen und Bildreihen an, darunter von Reportagefahrten nach Afrika und ins Heilige Land. Hauptabnehmer waren die Kirchenzeitungen, Sonntagsblätter, Fachzeitungen der Diakonie oder anderer christlicher Vereine.

Mit einer extra aufgebauten Glocke am Kurfürstendamm wird der Deutsche Evangelische Kirchentag in Berlin 1961 eingeläutet.

In dieser Zeit hielt Hans Lachmann wichtige Stationen der evangelischen Kirchengeschichte bildlich fest. Gerade die Ära der dynamischen 1960er und 1970er Jahre, in der konservative und liberale Kräfte die Identitätsfindung der Evangelischen Kirche vorantrieben, gehört zur Blütezeit seines Schaffens.

Sehr treffend umreißt der Kirchenhistoriker Uwe Kaminsky diesen zeitlichen Abschnitt für die Evangelische Kirche im Rheinland mit dem Titel Aufbruch und Absturz in die Moderne. Diesen Widerspruch von modernen Reformbestrebungen und der Bewahrung bzw. Erneuerungen alter Traditionen als Reaktion, belegen auch Lachmanns Bildreportagen.

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Die Geschichte(n)

Hans Lachmann mit seiner Frau Hildegard beim Auspacken eines CARE-Paketes aus Cleveland (Ohio), ca. 1947.

Hans Lachmann baute seinen Bilderdienst zwar für die Kirchen- und Gemeindenachrichten auf, war aber als wahrer Journalist immer den neuesten Reportagen auf der Spur und lieferte auch an Presse und Industrie. Die bewegten Zeiten und Lachmanns journalistisches Gespür, am rechten Ort zur rechten Zeit mit der Kamera präsent zu sein, machen seinen Nachlass zu einer Fundgrube zeitgeschichtlicher Bilddokumentation. Ob familiäre Schnappschüsse von denkwürdigen Momenten, kleine Bildserien von gesellschaftlichen Bewegungen und Umbrüchen oder ungestellte Portraits berühmter Personen, die ihm auf seinen Reportagefahrten begegneten. Hans Lachmann hat die aufkommende Popkultur genauso dokumentiert wie die Politisierung der Jugend und die wirtschaftliche Entwicklung im industriellen Wandel.

Veröffentlichungen

Zahlreiche Belegexemplare im Nachlass zeigen, wie erfolgreich Lachmann zeitweise mit seinem Bilderdienst war. Dies ist neben seinem Auge für alltägliche Motive nicht zuletzt seiner umfangreichen, thematischen Ablagetechnik zu verdanken. Im Hintergrund ist nur eine Auswahl der Veröffentlichungen zum Thema 'Einkaufen' zu sehen.

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Der Nachlass

Literatur:

Uwe Kaminsky: Kirche in der Öffentlichkeit - Die Transformation der Evangelischen Kirche im Rheinland (1949-1989). (Evangelische Kirchengeschichte im Rheinland, Bd. 5, SVRK 173). Bonn 2008.

"Die Kirche und ihr Fotograf". In: Der Weg, Jg. 25, Nr. 11, 15.03.1970, S. 3.

"Hans Lachmann wird 65 Jahre alt". In: Der Weg, Jg. 40, Nr. 11, 10.03.1985, S. 2.

Stefan Flesch: Hans Lachmann. Ein Fotografenleben. In: Blog.archiv.ekir.de [Weblog], 23. Mai 2019. Onlinepublikation: https://blog.archiv.ekir.de/2019/05/23/hans-lachmann-ein-fotografenleben/

Alle Zitate Lachmanns sind dem Nachlass AEKR 8SL071 (Fotosammlung Hans Lachmann) entnommen.

Weitere Bilder von Hans Lachmann befinden sich in der  Bildersammlung des AEKR.