Die Benninger Neckarbrücke
Eine Brücke - viele Gesichter. Ausstellung zum 75. Jahrestag der Sprengung am 20. April 1945. 20.04.2020-21.06.2020
Eine virtuelle Ausstellung von
Römische Spuren
Erste Nachweise von Neckarbrücken sind aus der Zeit des römischen Kastells in Benningen vorhanden. Das Dorf VICUS AD MURRAM beherbergte Handwerker, Händler, Gastwirte und Angehörige der römischen Armee. Ihre Gräber errichteten sie außerhalb des Lagerdorfes entlang den Straßen.
Der Hafen befand sich an der Murr auf Höhe der heutigen Kläranlage und
die Brücken befanden sich ca. 100 Meter oberhalb der heutigen Straßenbrücke und auf Höhe des Eisenbahnviaduktes.
Beim Bau des Eisenbahnviadukts fand man 1877 diesen römischen Brückenpfahl 4,5 Meter unter der Flusssohle.
Zur Geschichte der Brücke
Die wechselvolle Geschichte der Benninger Neckarbrücke ist geprägt von Zerstörung durch Hochwasser, "Nicht-Vorhandensein", Behelfsstegen und Wiederaufbau.
Nicht nur für die Bewohner Benningens war eine Neckarbrücke von großer Bedeutung, sondern auch für das Umland . Stellte sie doch die einzige Möglichkeit dar zwischen dem Bottwartal und Ludwigburg über den Neckar zu gelangen. Umso schwieriger gestalteten sich die Zeiten, wenn diese eine Brücke nicht vorhanden war. Meist war wiederkehrendes Hochwasser Grund für Beschädigung oder Zerstörung der Brücke, aber auch absichtlich herbeigeführter Abbau oder Sprenung ist zu verzeichnen.
Ein Steg führte seit dem Mittelalter von der Dorfseite zu den auf der rechten Neckarseite liegenden Weinbergen und Wiesen, die für die Eigenversorgung der Bevölkerung eine wichtige Rolle spielten. Als frühestes Brückenbauwerk weiß man von einer Brücke aus dem Jahr 1618, das mit Genehmigung Herzogs Johann Friedrich von Württemberg (* 1582, † 1628, reg. 1608 - 1628) gebaut werden durfte. Im Dreißigjährigen Krieg erfolgte jedoch ihre Zerstörung. In den folgenden 40 Jahren mussten sich die Einwohner mit einer Fähre behelfen. Der Fährdienst wurde im Wechsel von den Bürgern übernommen. Bei niedrigem Wasserstand fuhr oder ritt man durch den Fluss. Eine Brücke wurde schwer vermisst.
Die Holzbrücke von 1680
Im Sommer 1680 wurde mit dem Neubau als Gemeinschaftsprojekt begonnen: Für den Brückenbau wurden umliegende Gemeinden wie Hoheneck, Oßweil, Kornwestheim, Eglosheim, Möglingen, Tamm, Asperg und Pflugfelden zu Hand- und Fuhrfrondiensten verpflichtet. Steine wurden gebrochen, Eichenstämme transportiert, die Stämme wurden an ihrem unteren Ende mit Eisenschuhen versehen und in den Flussgrund eingeschlagen.
Besonders im Herbst sollte die Brücke Erleichterung bei der Traubenernte bringen. Die Konstruktion der Brücke sah fünf Pfeiler vor, die mitsamt der beiden Zugänge auf einem Rost von Eichenstämmen gestellt werden sollte. Weit mehr als 100 Eichenholzstämme wurden hierfür aus den umliegenden Wäldern nach Benningen gebracht.
Für die Überfuhr fand sich zunächst kein Zolleinnehmer, der genügend Zeit für den Brückendienst aufbringen konnte. Erst durch die Erbauung des Brückenhauses konnte dieser Posten besetzt werden. Auf einer Tafel wurden die Tarife für die Nutzung der Brücke angeschrieben. Wobei der Zöllner Naturalien und eine Provision erhielt. Wirklich lukrativ waren nur die Weinfuhrwerke aus dem Bottwartal. Ihr Zoll ging direkt an den Kameralmeister in Marbach. Durch den Bau eines Brückenhauses war der Zöllner nicht an den Ort oder die nächste Nachbarschaft der Brücke gebunden. Der Zöllner kam zudem von außerhalb, damit die Benninger das Jahr über ihren Tätigkeiten als Bauern oder Weingärtner nachgehen konnten.
Wiederkehrendes Hochwasser beschädigte die Brücke mehrmals und musste immer wieder mittels Fronarbeit in Stand gehalten werden. So forderte man z.B. im Jahr 1717 148 Mann vom Amt Beilstein zu Fronarbeiten an der Brücke an. Schlussendlich musste die Brücke abgerissen werden.
Die Zeit von 1731-1784
Erst 1731 erfolgte der Bau einer neuen überdachten Holzbrücke. Diese wurde 1784 durch Hochwasser beschädigt. Wieder folgte ein Steg als Notbehelf.
Die Brücke unter Herzog Carl Eugen
Unter Herzog Carl Eugen von Württemberg erfolgte 1785-87 der Bau der knapp 100 Meter langen überdachten „Archebrücke“. Die Zufahrten waren mit Toren versehen, die bis ins Jahr 1823 nachts geschlossen wurden.
Es ist der Brückenbau, der unverändert bis ins Jahr 1945 erhalten geblieben ist. Aus diesem Grund sind für diese Brücke mehr Dokumente erhalten geblieben als bei den Vorgängerbauten oder gar Stegen.
Fußbodenteile der alten Holzbrücke
Um das Überqueren des Flusses durch französische Truppen Napoleons zu verhindern, wurden 1796 Teile des hölzernen Fußbodens entfernt.
Man rechnete wohl nicht damit, dass die Brücke inspiziert und von den Franzosen sofort repariert werden sollte!
Vermutlich ist es der hohen Gastfreundlichkeit der Benninger zuzuschreiben, dass die französischen Truppen kein weiteres Unheil im Ort angerichtet haben. So querten 7000 Mann der französischen Infanterie den Fluss und lagerten zwischen Affalterbach und Erdmannhausen. 200 von ihnen bewachten die Brücke in Benningen (aus: Pfarrchronik 1796, Pfarrer Pauli, Pfarrhaus Benningen).
Die Sprengung am 20. April 1945
Nicht nur das Eisenbahnviadukt wurde gesprengt, auch die Neckarbrücke von 1787 wurde zur Hälfte zerstört. Der Ostteil, der Bereich zum Dorf hin, blieb erhalten. Die Sprengung der Brücke erfolgte gegen 06.00 Uhr am Morgen.
Behelfssteg für Fußgänger
Schnell wurde ein Notsteg für Fußgänger errichtet.
Bereits kurze Zeit nach der Sprengung arbeitete man an der Herstellung einer Fähre, die bereits im Mai 1945 ihren Betrieb aufnehmen konnte. Als einzige Fähre im Umkreis wurde sie häufig von Autos und Gespannen frequentiert. Eine Notbrücke, die auch von Autos genutzt werden konnte, folgte.
Bau der Behelfsbrücke
Der schnell errichtete Notsteg war nur für Fußgänger und schmale Wagen passierbar. Eine Behelfsbrücke, die auch von Autos befahren werden konnte, wurde notwendig.
Ob die dargestellte Szene den Bau dieser Behelfsbrücke zeigt oder deren Abbau, ist nicht ganz eindeutig. In der Literatur liest man vom Abbau, dann müsste aber am linken Bildrand die neue Spannbetonbrücke zu sehen sein. Möglich ist daher auch, dass es ich um den Bau der Behelfsbrücke handelt.
Reparierte Brücke mit Steg auch für Autos
Die Passierbarkeit der Brücke erfolgte unmittelbar vor der Weinlese, wodurch die Sorge, wie die großen Mengen an Trauben und Wein über den Neckar gebracht werden können, behoben werden konnte.