FLUGHAFEN TEMPELHOF
Architektur- und Bauzeichnungen aus den Jahren 1936 bis 1963
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Die Schließung des Flughafen Tempelhof hinterlässt nicht nur ein weites Feld inmitten Berlins und ein Baudenkmal enormer Ausmaße, sondern auch ein beachtliches Bauarchiv. Nach Beendigung des Flugbetriebs im Oktober 2008 wurde es von der 1924 gegründeten Berliner Flughafengesellschaft zurückgelassen. Die folgende Ausstellung zeigt eine kleine Auswahl des mehrere tausend Bauzeichnungen umfassenden Bestands und stellt dabei drei zentrale Bauabschnitte in der Genese des Ortes in den Fokus.
Der Neubau des Flughafengebäudes (1936-1944) erfolgte in der Zeit des Nationalsozialismus unter der Bauherrschaft des Reichsluftfahrtministeriums, wobei der monumentale Bau auch propagandistische Funktion hatte. In den Nachkriegsjahren beauftragte der Berliner Magistrat mit Erlaubnis der alliierten Besatzungsmächte den seitlichen Anbau einer kleinen Abfertigungshalle (1959-1951), um erstmals einen Zivilflughafen in dem Gebäude betreiben zu können. Mit der Instandsetzung der großen Abfertigungshalle (1959-1963) wurde erst 23 Jahre nach Baubeginn das Herzstück der gesamten Anlage eröffnet. Als Bauherr agierte diesmal die Bundesrepublik.
Die gezeigten Bauzeichnungen haben folglich auch unterschiedliche Urheber. Der größte Teil wurde von Mitarbeitenden der ‚Neubauleitung Flughafen Tempelhof‘ unter Leitung Ernst Sagebiels geschaffen. Die Baupläne für den späteren Anbau wurden in der Bauabteilung der ‚Berliner Flughafengesellschaft‘ erstellt. Die Zeichnungen für den Ausbau der zentralen Gebäudeteile wie wir sie heute kennen, wurden vom ‚Bauamt Süd der Sondervermögens- und Bauabteilung‘ angefertigt.
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Die Baugeschichte des Flughafen Tempelhof begann 1923 mit wenig imposanten Holzbaracken, die von den Fluggesellschaften Aero Lloyd und Junkers vorfinanziert waren. Nach Gründung der Berliner Flughafengesellschaft im darauffolgenden Jahr folgte der Bau des ersten Flughafengebäudes. Dieser Vorgängerbau, auch ‚alter Flughafen‘ genannt, wurde im Verlauf der späten 1920er und frühen 1930er Jahre beständig ausgebaut, um den rasant steigenden Passagierzahlen gerecht zu werden. Dennoch wurde ein größerer Neubau bald unausweichlich und die Berliner Flughafengesellschaft beauftragte den freiberuflichen Architekten Heinrich Kosina mit ersten Entwürfen.
Spätestens 1934 weckte der geplante Flughafenneubau aber auch das Interesse von Adolf Hitler, der von einer Neugestaltung Berlins als Welthauptstadt träumte. An die in diesem Kontext geplante Prachtstraße der Nord-Süd-Achse sollte auch der Flughafen angebunden werden. Zunächst kommunizierte Hitler seine Vorstellungen noch mit der Berliner Flughafengesellschaft. Am 20. Juli 1935 wurde ihr die Zuständigkeit für das Projekt jedoch entzogen. Als Bauherr agierte fortan das Reichsluftfahrtministerium unter Hermann Göring. Die Entwurfsverantwortung wurde dem dortigen Leiter der ‚Abteilung für Sonderaufgaben‘ Ernst Sagebiel übertragen.
Neubauleitung Flughafen Tempelhof 1936-1944
Sagebiel stand fortan einer neugegründeten Abteilung namens ‚Neubauleitung Flughafen Tempelhof‘ vor, die für die Planung des prestigeträchtigen Gebäudes verantwortlich war. Zwischenzeitlich arbeiteten rund 150 Mitarbeiter für die eigens gegründete Baubehörde. Sie war unterteilt in ein in der Mohrenstraße ansässiges Entwurfsbüro und in ein Baubüro, das in einer eigens errichteten Baracke auf der Baustelle untergebracht war. Die hier entstandenen Bauzeichnungen blieben nahezu vollständig erhalten und dokumentieren unterschiedliche Planungsstände zwischen 1936 bis 1944. Obwohl mit Kriegsbeginn ein Baustopp verhängt wurde und die Baustelle zum Erliegen kam, wurde insbesondere an der Innenausstattung stetig weitergezeichnet.
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Vorentwurf
Acht frühe Zeichnungen des Flughafengebäudes blieben undatiert und weisen noch nicht den später obligatorischen Plankopf-Stempel der ‚Neubauleitung‘ auf. Als Vorentwurf sind sie durch den abgebildeten überholten Planungsstand zu erkennen. Die Anordnung der Fenster weicht noch deutlich von der späteren Ausführungsplanung ab. Grundideen des Gesamtkonzepts sind aber schon erkennbar – so die getrennte Abwicklung von In- und Auslandsverkehr, die Separierung von Fracht und Post, die waghalsige Konstruktion des auskragenden Daches zur Startbahn hin oder die Gaststätte und der Dachgarten über der Abfertigungshalle.
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Kreisplatz
Nie ausgeführt wurde die städtebauliche Planung Sagebiels. Die zentralen Gebäudeteile wurden von ihm in einer Symmetrieachse zum Nationaldenkmal für die Befreiungskriege von Karl Friedrich Schinkel im Viktoriapark platziert. Von dort sollte eine Kaskade auf einen von Verwaltungsbauten gerahmten Kreisplatz mit einem Durchmesser von 250 Metern führen.
Aus der Bauzeit sind sieben leicht voneinander abweichende Entwürfe erhalten, die auf das Jahr 1940 datiert sind. In ihnen ist als zentrales Gestaltungselement ein großes Wasserbecken in der Platzmitte dargestellt sowie fünf drumherum gruppierte, nicht näher ausformulierte Denkmäler. Am heutigen Platz der Luftbrücke lassen keinerlei Spuren diese Ursprungsidee mehr erkennen.
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Bauteile und Topografie
In der Planungsphase wurden alle Gebäudeteile mit Buchstaben versehen, die noch heute zur Orientierung dienen. Die zentralen Bauteile A, B und C waren als öffentliche Bereiche dem Passagierbetrieb vorbehalten. In den Bauteilen D, F, G, H und K seitlich des Vorplatzes waren mehrheitlich eine Büronutzung vorgesehen. Als Bauteil J wurden die Flugzeughallen bezeichnet. Durch die Ziffern 1 oder 2 war außerdem markiert, ob es sich um Gebäudeteile östlich oder westlich der Spiegelachse handelte.
In Fragmenten sind auch Ansichtszeichnungen des 1,2 km langen Gebäudekomplexes erhalten. Die darin integrierten Geländeschnitte geben Aufschluss über die Topografie. Auf dem Weg vom Haupteingang zum Flugfeld werden noch heute nebenbei und fast unmerklich fünf Höhenmeter überwunden.
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Flugreisende hätten nur einen vergleichsweise kleinen Bereich des gigantischen Flughafengebäudes erlebt, der sich auf die zentralen Bauteile konzentrierte. Sie stellten das Kernelement des Gesamtentwurfs dar und wurden besonders monumental und eindrucksvoll gestaltet. Nach Hitlers Vorstellung hatten repräsentative Bauten möglichst gewaltig zu sein, um bei der ‚Volksgemeinschaft‘ ein Gefühl der Größe der eigenen Rasse zu erzeugen. Ganz der Architekturideologie der NS-Zeit entsprechend sollten sich Besucherinnen und Besucher bereits beim Eintreten in den Flughafen klein und überwältigt fühlen.
Der Fluggastbereich war als dramatische Abfolge monumentaler Räume inszeniert und die Bauzeichnungen lassen den beabsichtigten Raumeindruck eindrücklich nachvollziehen. Ankommende gelangten vom Kreisplatz zunächst auf einen von Läden umsäumten Ehrenhof. Von dort traten sie durch den Haupteingang in eine gigantische Empfangshalle, um über eine breite Treppe die nicht weniger beindruckende Abfertigungshalle zu erreichen. Nach der Gepäckabgabe wurden sie zum Flugsteig geleitet, um in separierten Wartebereichen Platz zu nehmen. Hier hatten sie freien Blick auf die Flugsteighalle unter dem gigantischen Stahldach. Das Rollfeld erreichten sie über eine von zwanzig Einzeltreppen, sobald ihr Flugzeug bereitgestanden hätte.
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Ehrenhof
In den Bauplänen der 1930/40er Jahren ist der Ehrenhof ein Ort des Konsumortes. Die Ostseite des Vorplatzes sollten Läden säumen: Feinkost, Reiseandenken, Foto und Optik, Schokolade, Bücher und Zeitungen, Blumen, Herrenartikel, Zigarren, Apotheke und Reisebüro lesen wir in den Raumbezeichnungen. Auf der gegenüberliegenden sollte sich eine große Poststation mit repräsentativer Schalterhalle sowie ein ‚Junkersladen‘ befinden. Auch ein Restaurant in der südwestlichen Ecke hätte den Vorplatz belebt. Von dort wäre auch der Weg zur ‚Bierschwemme‘ im Untergeschoss mit Fenstern zum Posthof nicht weit gewesen.
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Empfangshalle
Reisende sollten zunächst eine Empfangshalle enormer Ausmaße betreten. In der Originalplanung war sie mit 10 m Breite, 90m Länge und 15 m Höhe geplant worden. An beiden Enden der Halle hätten offene Durchgänge linkerhand zum Reisebüro und rechterhand zum Restaurant geführt. Die Durchgänge sind heute geschlossen und die Höhe der Empfangshalle wurde Anfang der 1960er Jahre durch den Einbau einer Decke auf ein Drittel ihrer ursprünglichen Größe reduziert. Die intendierte Raumwirkung beim Betreten des Flughafens ist somit nur noch in den Bauzeichnungen, aber nicht mehr vor Ort nachvollziehbar.
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Neubauleitung
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Abfertigungshalle
Zentrales Element des Entwurfs und Höhepunkt der architektonischen Dramaturgie stellte die große, monumentale Abfertigungshalle dar. Quer- und Längsschnitte vermitteln einen Eindruck der ursprünglich geplanten Innenraumgestaltung. Der Blick zur Luftseite zeigt fünf vertikale, gigantisch hohe Fensterstreifen, die bereits beim Eintreten in die Halle einen Blick auf das Flugfeld und die Starts und Landungen der Flugzeuge gewährt hätten. In entgegengesetzter Richtung sollte die große Eingangstreppe von zwei kolossalen Statuen eingerahmt werden. Die Planung wurde jedoch nie umgesetzt. Mit Kriegsbeginn kamen die Bauarbeiten zum Erliegen, die Eröffnung der Halle erfolgte erst 1962.
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Vier Innenperspektiven der Abfertigungshalle zeigen unerwartet moderne Vorschläge zur Gestaltung der Decke. Die Zeichnungen sind undatiert, aber vermutlich weit vor 1940 entstanden – also zu einer Zeit, als Architekten noch an die Möglichkeit glaubten, eine nationale Moderne nach Vorbild des faschistischen Italiens etablieren zu können.
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Flugsteig
Von der großen Abfertigungshalle ging beidseitig der bogenförmige Flugsteig ab. Hier sollten sich die Warteräume für Passagiere befinden. In neun Architekturzeichnungen, die zwischen 1938 und 1940 entstanden sind, ist der Flugsteig detailliert dargestellt. Zu entdecken sind Falttüren und Vitrinen zur Abgrenzung von Wartebereichen, Fensterwände, Heizungsverkleidungen , Marmorwände und Deckenleuchten. Noch heute sind Spuren davon zu entdecken, anhand der ausgebesserten Bodenfliesen lässt sich die ursprüngliche Lage der gläsernen Trennwände ablesen, mit denen innerhalb des Flugsteigs einzelne Warteräume voneinander abgetrennt werden konnten.
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Flugsteighalle
Zwischen 1938 und 1941 entstanden neun Architekturzeichnungen für den Bereich des überdachten Vorfeldes auf der Luftseite des Flughafen Tempelhof. Von der Neubauleitung Flughafen Tempelhof wurde dieser Bereich als Flugsteighalle bezeichnet. Abgebildet sind hier all die baulichen Elemente, die auch heute noch erfahrbar sind: Die auskragenden Erker in den oberen Etagen, die Freitreppen vom Flugsteig zum Vorfeld, die im Krieg zerstörten und später erneuerten Hallenfenster, der Querbau, der in den 1950er Jahren als Restaurant genutzt wurde und nicht zuletzt die beiden Stahl-Glas-Konstruktionen mit Aufzügen, die vom Rollfeld bis auf das Dach führen sollten. Nur die Zeichnung eines im Geländer eingebauten Lautsprechers wurde wohl nie in die Realität umgesetzt.
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1936 wurde mit dem Bau des Flughafens begonnen, die Bauarbeiten gingen zunächst zügig voran. Zwei Jahre später waren die Verwaltungsbauten um den Kreisplatz nahezu fertig und wurden bereits von der Berliner Flughafengesellschaft, der Deutschen Lufthansa und Hansa Luftbild bezogen. Mit Kriegsbeginn kam der Bauprozess aber zum Erliegen, die restlichen Teile des Gebäudes blieben weitestgehend im Rohbauzustand.
Dennoch wurde in der Neubauleitung fleißig weitergeplant, wobei sich die Art der Zeichnungen immer weiter von den Entwurfsidealen der Moderne entfernten und immer neoklassizistischere Züge annahm. Entstanden sind in dieser Zeit unter anderem Bauzeichnungen für die Etagen über der großen Abfertigungshalle. Dort hätte sich eine Gaststätte mit Dachterrasse befinden sollen sowie ein innenliegender Dachgarten, der umsäumt war von zwei Speisesälen, einem Bankettsaal, einem Tanzsaal und einer Bar.
Diese geplanten Veranstaltungsflächen sollten über separate Seiteneingänge erreichbar sein und hätten damit temporär vom Fluggastbereich abgetrennt werden können. Die Außenfassade lässt eine solche Nutzung nicht vermuten. Es scheint vielmehr so, als erstrecke sich die Abfertigungshalle über die volle Höhe des Gebäudes. In der baulichen Struktur war damit die Möglichkeit angelegt, hier abgeschirmt von der Außenwelt und unbeobachtet von Flugpassagieren rauschende Feste zu feiern. Ob dies tatsächlich intendiert war, bleibt aber Spekulation, denn Schriftquellen zum Zweck dieser Flächen sind nicht bekannt.
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Gaststätteneingangshalle
Auf zehn Bauzeichnungen, die zwischen September 1941 und März 1942 entstandenen sind, ist eine Gaststätteneingangshalle dargestellt. Sie markierte die geplanten Seiteneingänge, die als Entrée zu den oberen Etagen fungierten. Die Zeichnungen vermitteln den Eindruck eines reich verzierten, durch Wandscheiben und Stützen gegliederten Innenraums. Auf bescheidener Fläche wurde hier eine ganze Raumabfolge entworfen, die Assoziationen an Vorhallen und Seitenschiffe weckt. Die Halle mündete im Treppenhaus und führte Gäste in die oberen Etagen. Die Gaststätteneingangshalle blieb jedoch Entwurf, der nicht zur Umsetzung kam. Noch heute ist die Fläche zwischen Arkaden und Längsseite der Haupthalle unbebaut.
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Garderoben und Vorräume
Über die Gaststätteneingangshalle und das Treppenhaus wurden Gäste nicht nur in das Restaurant geleitet. Insgesamt wären drei Etagen für die Öffentlichkeit zugänglich gewesen. In allen drei Geschossen waren Vorräume mit Kleiderablagen vorgesehen, die minutiös durchgeplant wurden. Dabei tat sich besonders der Berliner Innenarchitekt Bernhard Busen hervor, der nachweislich mindestens von 1940 bis 1942 bei der Neubauleitung beschäftigt war. Seine Darstellungen von Glasflügeltüren, Holzvertäfelungen, Garderobenhalterungen und Wandleuchten erlauben eine eindrückliche Vorstellung der präferierten Innenraumästhetik im Nationalsozialismus.
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Gaststätte
Die Gaststätte über der imposanten Stahlkonstruktion auf der Flugseite des Gebäudes hätte zweifellos ein Höhepunkt beim Besuch des Flughafens dargestellt – unabhängig davon, ob er über den Haupteingang oder einen der Seiteneingänge betreten worden wäre. Hier bot sich Gästen ein Zugang zur 1,2 km langen Dachterrasse und ein grandioser Blick über das Tempelhofer Feld.
Der Gastraum sollte sich über die Höhe von zwei Geschossen erstrecken. Küche und Lagerräume waren in den Flächen zwischen der Deckenkonstruktion der Abfertigungshalle und der Gaststätte vorgesehen. Die geplante Innenraumgestaltung des Gastraums ist lediglich in wenigen Zeichnungen überliefert, dafür erfahren wir, wo Bier, Rotwein und Weißwein gelagert werden sollten.
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Die Saalebene
Vom zweigeschossigen Gastraum sollten Treppen auf eine Empore leiten, die die Gaststätte mit der Saalebene verband. Zentrales Gestaltungselement der Saalebene stelle ein Dachgarten mit umlaufenden Arkaden dar. Drumherum waren Speisesäle, Bankettsaal und Tanzsaal vorgesehen. Genauer ausgearbeitet wurde lediglich der Tanzsaal mit Bar und Gesellschaftsraum inklusive der vorgelagerten Garderobenräume und der anschließenden Gaststättenempore. Für diese Fläche wurden mehrere Bestuhlungsvarianten erarbeitet und Möglichkeiten der Raumaufteilung durchgespielt. Dabei wurden dicke Wandkonstruktionen unabhängig von der Tragkonstruktion frei im Raum arrangiert, um allerhand Nischen und Nebenräume zu erzeugen. Mit den Entwurfsidealen der Moderne hatte diese Entwurfspraxis nichts mehr zu tun.
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Die Planungen der NS-Zeit wurden nie vollständig umgesetzt. Mit Kriegsbeginn wurden Baumaterialen zur Mangelware und jegliche zivile Bautätigkeit musste eingestellt werden. An eine Eröffnung war in naher Zukunft nicht mehr zu denken, als aktiver Flughafen fungierte weiterhin der Vorgängerbau. Stattdessen erteilte das Reichsluftfahrtministerium die Anweisung, die Räumlichkeiten notdürftig herzustellen, um sie für die Produktion von Kriegsflugzeugen vorzubereiten.
1940 belegten Lufthansa AG und Weser Flugzeugbau GmbH alle Hangars. Sie richteten Werkstätten für die Flugzeugmontage ein, wo tausende von Zwangsarbeitern schuften mussten, die in Barackenlagern auf dem Fluggelände hausten. Ab 1942 wurde auch der Sturzkampfbomber Ju 87 im Flughafen produziert. Zu diesem Zweck verschwand die offene Flugsteighalle hinter einem Bretterverschlag und die elegante Abfertigungshalle wurde zur Fabrikhalle umfunktioniert. Eine Fertigungsstraße für die Reparatur des Jagdfliegers Fw 190 wurde im darunterliegenden Eisenbahntunnel eingerichtet.
Über die Nutzung des Flughafengebäudes in den 1940er Jahren geben die Bauzeichnungen der Neubauleitung keinerlei Auskunft. An dieser Stelle ist aber ein Blick in die Plankammer der Berliner Flughafengesellschaft aufschlussreich.
Berliner Flughafen GmbH 1924-2008
Die 1924 gegründete Berliner Flughafengesellschaft verantwortete im Auftrag der Stadt Berlin den Bau und Betrieb des sogenannten ‚alten‘ Flughafens. Nachdem ihr das Reichsluftfahrtministerium 1935 die Planungshoheit für den Neubau entzogen hatte, oblag ihr weiterhin der Betrieb des Vorgängerbaus, der bis Kriegsende als Luftwaffenstützpunkt genutzten wurde.
Bezüglich des Neubaus war die Berliner Flughafengesellschaft zuständig für die Vermietung von Flächen und die Sicherung des Geländes, auch verfolgte sie den Baufortschritt des Bauprojekts. Entsprechend hatte sie eine Art Beobachterfunktion inne, wodurch die von ihr angefertigten Übersichtspläne allerlei Informationen enthalten.
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Alter und neuer Flughafen
Aus der Plankammer der Berliner Flughafengesellschaft haben wenige Lagepläne überdauert, die Erkenntnisse über den Flughafen als Ort der Rüstungsproduktion und Zwangsarbeit liefern. Sie zeigen den Baufortschritt des Neubaus, verdeutlichen die Zugänge zum hochgesicherten Flughafengelände und Rüstungsstandort und geben Aufschluss über die Mieter von Büros, Hallen und Baracken. Aus diesen Plänen wissen wir beispielsweise, wo sich das Baubüro der Neubauleitung befand, welche Flächen von Weserflug und Lufthansa für die Flugzeugproduktion genutzt wurden und wo sie ihre Zwangsarbeiterlager errichteten. Sogar die Wachrouten der Sicherheitsleute sind überliefert.
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Am 22. April 1945 verließen die letzten Maschinen den Flughafen in Richtung Travemünde und München. Wenige Tage später besetzte die Rote Armee den Bezirk Tempelhof und befreite die Zwangsarbeiter des Luftrüstungszentrums am Flughafen. Am 2. Mai wurde die sowjetische Flagge über dem Haupteingang gehisst. Zwei Monate später wurde das gesamte Areal von US-amerikanischen Truppen übernommen.
Mitarbeitende der Berliner Flughafengesellschaft waren noch immer vor Ort. Von der US-amerikanischen Besatzungsmacht zunächst zur Wirtschaftsstelle degradiert, zeichnete sich die Gesellschaft während der Luftbrücke 1948/49 als verlässlicher Partner bei der Instandsetzung des Gebäudes und dem Bau neuer Landebahnen aus.
Auch als Resultat dieser erfolgreichen Zusammenarbeit gestattete der High Commissioner for Germany (HICOG) 1950 die Einrichtung eines kleinen zivilen Abfertigungsbereichs in einem Seitentrakt des Flughafens. Die bauliche Umsetzung wurde der nun rehabilitierten Berliner Flughafengesellschaft übertragen. Am 9. Juli 1951 wurde der bescheidene Anbau feierlich eröffnet. Zwölf Jahre lang war hier die erste zivile Abfertigung im nicht mehr ganz so neuen Flughafen untergebracht.
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Alliierte Fluggesellschaften
Bereits 1946 wickelte die American Overseas Airline (AOA) erste zivile Flüge von Tempelhof über Frankfurt und Amsterdam nach New York ab. Im Jahr 1950 einigten sich die westlichen Besatzungsmächte darauf, jeweils einen amerikanischen, britischen und französischen Linienbetrieb zuzulassen. Fortan flog auch die Air France von Tempelhof nach Paris, während British Airways von Gatow aus nach London und Hamburg flog. Mit der Eröffnung des ‚Zentralflughafens‘ im Seitentrakt des Tempelhofer Flughafengebäudes siedelte auch die britische Fluggesellschaft hierher über. Insbesondere für Flüchtende aus der DDR wurde der Flughafen zu einem wichtigen Knotenpunkt, da der Luftweg der einzig sichere Weg in den Westen darstellte. Für sie war in Tempelhof ein eigener ‚Sonderabfertigungsbereich‘ eingerichtet.
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Anbau eines neuen Abfertigungsbereichs
Ein so einfacher wie feinsinniger Entwurf des freiberuflichen Architekten Heinrich Kosina sah einen minimalen Eingriff in das Bestandsgebäude vor, um eine Abfertigungshalle einzurichten. Der 1951 eröffnete, eingeschossige Vorbau mit einem Dach aus Holzfachwerk wurde zwischen zwei der prägnanten Treppentürme eingefügt. Damit ließ er den Blick auf den Sagebielschen Bau weitestgehend frei und passte sich so ein, dass er bis heute erst auf den zweiten Blick als Addition zu erkennen ist. Ein bescheidener Eingangsbereich markierte nun den neuen Eingang zum Zentralflughafen. Die ehemalige Außenwand war als solche nicht mehr zu erkennen und diente nun als Übergang vom Abfertigungs- in den Wartebereich.
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Flughafenrestaurant und Verkaufsstände
Die schlichten, eleganten Innenräume und die Verkaufstheken, an denen Schokolade oder Parfüm verkauft wurde, zeugten nach den Kriegsentbehrungen von besseren Zeiten und wirtschaftlichem Aufschwung. Ein Restaurant mit Blick auf die Flugsteighalle und Vorfeld zog nicht nur Flugreisende an. In der noch immer in großen Teilen kriegszerstörten Stadt war es Anlaufstelle für die breite Bevölkerung, die an der Betriebsamkeit des Ortes teilhatte, auch wenn sie sich selbst kein Flugticket leisten konnte. Insbesondere während der jährlichen Internationalen Filmfestspiele ließ sich hier ein Blick auf die ein oder andere prominente Person aus Film und Fernsehen und den sie umgebenden Glamour erhaschen.
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Freigabe der zentralen Gebäudeteile
Die Einrichtung der Abfertigung im Seitentrakt war notwendig gewesen, weil die U.S. Air Force die zentralen Gebäudeteile nicht freigegeben hatte. Dies änderte sich 1959, als einem weiteren Ausbau des Flughafens zugestimmt wurde. In Vorbereitung der geplanten Instandsetzung fertigte die Bauabteilung der Berliner Flughafengesellschaft Bauzeichnungen dieser Bauteile an, die auf den Originalplänen der Neubauleitung basierten. Entscheidende Elemente des Ursprungsentwurf wurden hier jedoch weggelassen – wie die große Fensterfront mit Blick auf das Flugfeld oder der Reichsadler über dem Haupteingang, der zwar gezeichnet, dann aber wieder ausradiert wurde.
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Der größte Teil des Flughafens blieb militärisches Sperrgebiet und das Nebeneinander von Militärflughafen und Zivilflughafen blieb für Tempelhof prägend. 1959 gab die U.S. Air Force jedoch Ehrenhof, Empfangshalle, Abfertigungshalle und Flugsteig für die zivile Nutzung frei und zog sich damit aus den zentralen Gebäudeteilen zurück. Dies galt jedoch nur für die unteren Etagen. Der klandestine Charakter der darüberliegenden Ebenen war auch den Amerikanern nicht verborgen geblieben. Unbeobachtet von der Außenwelt wurde hier Basketball, Bowling, Billard und Tischtennis gespielt. Und im mittig gelegenen früheren Dachgarten wurde eine Geheimdienstzentrale eingerichtet.
Mit den Instandsetzungsarbeiten der zentralen Bauteile als Vorbereitung für eine zivile Nutzung wurde 1959 begonnen, doch die Bundesregierung verhing schon im Folgejahr einen Baustopp. Mit dem Umzug der Air France nach Tegel Anfang 1960 kamen Zweifel an dem Bauprojekt auf. Auch war bereits absehbar, dass die Tempelhofer Start- und Landebahnen für die kommende Generation an Flugzeugen unzureichend sein würde. Es schien fragwürdig, ob eine Investition in den Ausbau des Tempelhofer Flughafens noch lohnend sei. Weitergebaut wurde letztlich dennoch, nun aber unter neuer Planungshoheit. Ein zweites Mal in der Geschichte der Berliner Flughafengesellschaft wurde ihr die Verantwortung für ein prestigeträchtiges Bauprojekt aus der Hand genommen.
Bauamt Süd der Sondervermögens- und Bauverwaltung 1950-1993
Seit 1950 wurden Baumaßnahmen für den militärischen Teil des Flughafens vom ‚Bauamt Süd‘ verantwortet, das für Bauprojekte der Besatzungsmächte im Berliner Süden zuständig war. Formal handelte es sich um eine Landesdienststelle, sachlich war sie jedoch dem Bundesministerium für Finanzen unterstellt. Dank einer Sondervereinbarung projektierte das Bauamt Süd auch die Instandsetzung der zentralen Gebäudeteile für die zivile Abfertigung Anfang der 1960er Jahre.
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Überformte NS-Architektur
26 Jahre nach Baubeginn, am 2. Juli 1962, wurde das Herzstück des Flughafens eröffnet und seiner ureigenen Funktion zugeführt. Elementare Aspekte des Originalentwurfs wurden dabei stark überformt. Durch das Einziehen einer Betondecke war die Raumhöhe der Empfangshalle von fünfzehn Metern auf bescheidene 3,70m reduziert. Auch in der Abfertigungshalle wurde die abgehängte Decke drei Meter tiefer angebracht als von Sagebiel geplant. Ein neuer zweigeschossiger und aufgeständerter Anbau auf der Flugfeldseite der Abfertigungshalle war noch im Bau. Er verstellte aber bereits den Blick aus der großen Halle hinaus auf das Flugfeld.
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Restaurant-Anbau
Im Mai 1963 wurde das neue Restaurant im Anbau eröffnet, das eine grandiose Sicht über das Tempelhofer Feld bot. Zwei Monate später unternahm ein polnischer Offizier mit gestohlenem Flugzeug den ersten von sechzehn ‚polish flights to freedom‘. Die deutsche Teilung prägte den Alltag des Flughafens, Sonderflüge zur Flucht aus der DDR wurden seit 1952 durchgeführt. Davon bekamen Reisende jedoch nichts mit. Vordergründig war der Flughafen ein Ort für Konsum und Luxus. Das neue Restaurant bot dazu die passende 60er-Jahre-Kulisse aus Glasflächen, Holzvertäfelung, Rundstützen und Faltdecke.
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Frisörladen, Bar und Quickrestaurant
Auch eine elegante Bar war im Restaurant-Anbau vorgesehen. In der Abfertigungshalle wurden Einbauten für einen Kiosk und ein „Quickrestaurant“ eingeplant, in der Empfangshalle war ein Frisör vorgesehen. Davon zeugen detaillierte Ausbaupläne. Ob diese Pläne alle verwirklicht wurden, kann an dieser Stelle nicht geklärt werden. Der heutige Bauzustand lässt jedenfalls kaum eine Spur dieser Einrichtungen aus den 1960er Jahren mehr erkennen.
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Die Bauzeichnungen der Neubauleitung, der Berliner Flughafengesellschaft und des Bauamts Süd aus den Jahren 1936 bis 1963 nehmen uns mit auf eine Reise vom Baubeginn bis zur Eröffnung des Restaurants in der großen Abfertigungshalle. Viele Jahrzehnte mussten vergehen, bevor der Flughafen in den 1960er Jahren seiner eigentlichen Bestimmung zugeführt werden konnte und die imposante Haupthalle zugänglich wurde.
Bis dahin hatte sie bereits einige Umbauten erfahren und war die ursprüngliche Bausubstanz schon längst wieder überformt worden – sei es für die Einrichtung einer Rüstungsproduktionsstätte, durch die Sprengung des Fußbodens in den Wirren der letzten Kriegstage oder durch die Instandsetzungsarbeiten der 1960er Jahre. Ein Großteil der einzelnen, hier illustrierten Bauphasen sind im Bau selbst kaum noch zu entdecken. Umso wichtiger ist es, das kulturelle Erbe der Bauzeichnungen zu bewahren, um das Wissen darum verfügbar machen zu können.
Eine virtuelle Ausstellung von
Die Ausstellung wurde 2025 veröffentlicht. Das Projekt wurde ermöglicht durch das Förderprogramm zur Digitalisierung von Kulturgut des Landes Berlins und durch die Unterstützung des Forschungs- und Kompetenzzentrums Digitalisierung Berlin (digiS).
Team
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Sina Keesser, Kristina Bruns, José Guzman
Impressum
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