Frauen lernen gemeinsam
Die Hamburger Frauenwoche
Eine virtuelle Ausstellung von
1981 fand in Hamburg die 1. Hamburger Frauenwoche statt. Eine Woche lang ging es in verschiedenen Veranstaltungen und Aktionen ausschließlich um Frauen und ihre Themen. Dieses bis heute einmalige Projekt in Hamburg wurde - mit Anpassungen und Veränderungen - über 15 Jahre realisiert und bildete eine wichtige Plattform für eine veränderbare und veränderte Zukunft. Mit Kommunikation und Austausch von Frauen untereinander aus den verschiedensten Lebensbereichen und -zusammenhängen, selbstorganisiert und autonom, bot die jährliche Frauenwoche einen Raum und diverse Möglichkeiten, sich selbst neu auszuprobieren – frei nach dem Motto „Frauen lernen gemeinsam“.
Wir laden alle Interessierten ein, einen Blick auf dieses spannende Kapitel der Geschichte des Feminismus in Hamburg zu werfen, und zwar auf:
den Aufbruch – mit seinen Hoffnungen und Herausforderungen,
den Umbruch – mit der stetigen Veränderung im Bestehenden,
den Abbruch – mit dem vermeintlichen Ende der Frauenwochen und der Fortsetzung von vielem Neuen.
Die Ausstellung wurde rein ehrenamtlich realisiert. Wir möchten uns bei allen Mitwirkenden – Gestalter*innen, Aktivist*innen, Träger*innen der Hamburger Frauenwochen – für ihre Unterstützung bedanken. Mit dieser – in keinem Fall vollständigen – Darstellung möchten wir einen Einblick in die Hamburger Frauenwoche und ihre Inhalte ermöglichen. Hier die Vielzahl an Themen und Diskussionen abzubilden, hätte den Rahmen dieser Ausstellung gesprengt. Dennoch hoffen wir, mit der getroffenen Auswahl den Geist der Hamburger Frauenwoche ein Stück erfahrbar zu machen.
01
Aufbrüche
Uns hat die Sehnsucht da hingebracht – in die Frauenprojekte.
Frauenbildung historisch
Bis weit in das 20. Jahrhundert hinein war der Zugang zu Bildung und Lernen für Frauen begrenzt auf frauenspezifische Bereiche. Patriarchal geprägte Strukturen sorgten für den Ausschluss von gesellschaftlicher Macht und politischem Einfluss für Frauen.
Im Mittelalter blieb Bildung den adligen Frauen vorbehalten, die diese oftmals nur im Kontext eines klösterlichen Lebens verwirklichen konnten. Vom 18. Jahrhundert bis hinein in die 50er Jahre des 20. Jahrhunderts sorgte Frauenbildung schwerpunktmäßig dafür, gute Gattinnen und Hausfrauen zu formen.
Die bürgerliche Frauenbewegung ab Mitte des 19. Jahrhunderts verfolgte das Ziel, Frauen über Bildung und Erwerbstätigkeit die Partizipation an der Gesellschaft zu ermöglichen. Forderungen nach einer Gleichstellung der Geschlechter sowohl im bürgerlichen wie auch im proletarischen Kontext traten parallel in Erscheinung, zum Beispiel mit den Vertreterinnen Hedwig Dohm oder Clara Zetkin. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde eine mögliche höhere bis akademische Bildung für Mädchen und junge Frauen Wirklichkeit.
Neue Frauenbewegung
Rund um die Debatten und Demonstrationen für ein Recht auf Selbstbestimmung anlässlich des Abtreibungsparagraphen § 218 sowie aus Protesten von Studentinnen gegen männliche Dominanz auch bei fortschrittlich denkenden Studenten, entstand die sogenannte Neue Frauenbewegung. Unter dem Motto „das Private ist politisch“ in den frühen 1970er Jahren begannen Frauen sich zusammen zu schließen. Auf der Grundlage von Selbsterfahrungsgruppen entstanden eigene und autonome Bildungsansätze, die auf große Resonanz stießen und staatliche Förderung erhielten.
Berliner Sommeruniversität
Ein Vorbild für die Hamburger Frauenwoche
Vom 6. bis zum 10. Juli 1976 fand die erste Berliner Sommeruniversität unter dem Motto „Frauen und Wissenschaft“ statt, zu der ausschließlich Frauen und explizit nicht nur Wissenschaftlerinnen eingeladen waren. Eingebettet war diese Bildungsveranstaltung in Proteste gegen die etablierte und überkommene universitäre Lehre der sogenannten 68er, die von Feministinnen frauenpolitisch radikalisiert wurde.
Irmela von der Lühe, eine der Organisatorinnen, formuliert zum 40-jährigen Jubiläum 2016 das Anliegen der Berliner Sommeruniversität: „Wir wollten nach innen in die Universität hinein zeigen, was fehlt. Und nach außen in die entsprechenden frauenpolitischen Milieus ein Signal setzen und sagen: Kommt mit euren Erfahrungen und lasst uns überlegen, was wir gemeinsam machen können.“
Frauenforum im Ruhrgebiet
Ein weiteres Vorbild
Im Ruhrgebiet organisierten Frauen im März 1979 das 1. Frauenforum unter dem Motto „Frauen begreifen ihren Alltag“ mit 100 Veranstaltungen und ca. 5.000 Teilnehmerinnen.
Im ersten Programmheft heißt es: „Eingeladen sind Hausfrauen, Mütter und Nicht-Mütter, arbeitslose Frauen, alleinstehende Frauen, Mädchen, Sozialhilfeempfängerinnen, behinderte Frauen, Arbeiterinnen und Angestellte, ausländische Frauen, Wissenschaftlerinnen, Studentinnen, Ausbilderinnen und Auszubildende, ältere und jüngere Frauen. Alle sollen hier Gelegenheit finden, über ihre Lebens- und Arbeitssituation zu reden und nachzudenken – Vorstellungen, Voraussetzungen und Ansätze zur besseren Interessenvertretung von Frauen zu analysieren und weiterzuentwickeln.“
Und jede von uns hat irgendetwas zum ersten Mal gemacht, gelernt. Aber was und wie haben wir gelernt, gar gemeinsam?
1. Hamburger Frauenwoche - Es geht los!
Im Juni 1980 traf sich eine bunt zusammengewürfelte Gruppe von etwa 25 Hamburgerinnen, die die Hamburger Bildungslandschaft für Frauen völlig neu gestalten wollten, mit dem Ziel, ein besseres, unabhängigeres und an eigenen Wünschen orientiertes Leben zu führen.
Welche macht was? - Alle machen alles!
Eine grundlegende Haltung der Organisatorinnen war der Grundsatz, dass alle Frauen gleich seien. Sie verwehrten sich gegen eine von der zuständigen Hamburger Behörde geforderte Hierarchisierung mittels Nachweisen von Qualifikationen und eine Aufteilung in Dozentinnen und Hilfskräfte. Andererseits waren die Referentinnen aufgefordert, die Orga-Gruppe zu unterstützen, indem sie zum Beispiel mit Tee ausschenken sollten.
Unsere Erfahrungen als Frauen in dieser Gesellschaft sollen im Mittelpunkt stehen. Wir wollen von- und miteinander lernen und neue Formen des Lernens ausprobieren, denn auch Lernen kann Spaß machen. Wir gehen davon aus, daß jede Frau etwas zu sagen hat, und nicht nur die sogenannten `Fachfrauen´.
Startschuss!
Nach einer mehrmonatigen Organisationsphase verwandelte sich die Hochschule für Wirtschaft und Politik in der Woche vom 23. bis 28. März 1981 in ein großes Bildungstreffen, manchmal durchaus ambivalent als „Jahrmarkt“ bezeichnet. Teilgenommen haben ca. 4.000 Aktivistinnen, Feministinnen, Gewerkschafterinnen, Studentinnen, Fachfrauen, Mütter, Lesben und alle anderen neugierigen Frauen. In den insgesamt 169 einzelnen Bildungsveranstaltungen konnten sich alle Frauen sowohl praktisch als auch denkend neu erfahren. Ein abendliches Rahmenprogramm mit Musik von verschiedenen Frauengruppen, einem Film von Helke Sanders und zwei literarischen und szenischen Veranstaltungen fand seinen Abschluss in einem großen Frauenfest am Samstagabend.
Lageplan der Veranstaltungsorte aus dem Programmheft der 1. Hamburger Frauenwoche
Plan für die Raumverteilung in der Hochschule für Wirtschaft und Politik und im Pädagogischen Institut der Universität Hamburg - aus dem Programmheft von 1982
In Scharen mögen sie kommen ...
Die Frauenwoche wendete sich explizit an Hamburgerinnen, um einen fortlaufenden Austausch über die Bildungswoche hinaus zu ermöglichen:
„Weil so eine Woche nicht die Antwort auf alle Fragen liefert, sondern eher der Ausgangspunkt für viele neue Fragen ist, haben wir die Frauenwoche als REGIONALE VERANSTALTUNG für Frauen aus Hamburg und Umgebung geplant.“ (Programm 1. Hamburger Frauenwoche)
Viel Arbeit - wenig Geld
Die Frauenwoche als ein völlig neues Ereignis konnte nur realisiert werden durch viel ehrenamtliche Arbeit und Engagement. Die behördliche finanzielle Zuwendung wurde für politische Bildung in Höhe von 50.000 DM für die Monate Dezember bis März bewilligt. Bildungsurlaub wurde behördlicherseits gewährt, jedoch nicht für alle Veranstaltungen, da die Auffassung, dass das Private politisch sei, nicht zum traditionellen Bildungsbegriff passte.
Kinderwoche
Von Anfang an bot die Frauenwoche Kinderbetreuung in Form eines täglich von 10 bis 18 Uhr geöffneten Kindergartens an:
„Wir haben uns für männliche Betreuer entschieden, damit jede Frau die Möglichkeit hat, an den Veranstaltungen teil zu nehmen. Wir haben lange gesucht und schließlich auch einige Männer gefunden.“ (Programmheft 5. Hamburger Frauenwoche, S. 14)
02
Umbrüche
[...] Orgakram macht ganz viel Lust
und vertreibt jeglichen Alltagsfrust.
So, jetzt ist genug geschrieben,
hurtig, hurtig Orgien, pardon Orga wird betrieben!
Macht Euch auf und kommt zuhauf
die alten Orgas warten drauf!
Macherinnen und politische Entwicklungslinien
Über 10 Jahre wurde die Hamburger Frauenwochen jedes Jahr von einer neuen, etwa 20köpfigen Frauen-Gruppe organisiert, die sich auf einem ersten Treffen im April des jeweiligen Vorjahres zusammenfand. Jedes Jahr versuchten diese Frauen aufs Neue, Schwerpunkte zu setzen und Neuerungen zu etablieren. Jede Gruppe beschreibt in der Einleitung zum Programmheft, dass die anfänglichen inhaltlichen Diskussionen von der Realität der zeitlichen Begrenzung und vom Organisationsstress verdrängt wurden.
Jede Gruppe bildet die Vielfalt und die Entwicklung der feministischen Bewegung ab.
Bildungsangebote
Die Inhalte der Veranstaltungen wurden durch die Dozentinnen selbst und weniger durch die Orga-Gruppe bestimmt und für das Programmheft unter Oberbegriffen zusammengefasst. Vor allem in den ersten Jahren waren die Hefte inhaltlich stark geprägt durch die Themen Krieg, Frieden und Pazifismus. Später ging es mehr um die generelle Frage nach der Rolle der Frau in patriarchalen Strukturen in Bezug auf Beziehung, Ehe, Partnerschaft, Sexualität, Arbeit, Alltag, Träume.
Die Bandbreite der kulturellen und bildungspolitischen Veranstaltungen im Programm der Hamburger Frauenwoche war sehr vielfältig. Unterschiedlichste Ausdrucksformen fanden Platz und Anwendung. So gab es zum Bespiel neben Seminaren, Vorträgen und Workshops auch klassische Theater- und Tanzkurse, Performances, Improvisationskurse, Musik-Workshops, Literaturkurse, Dichtung, Malen in den unterschiedlichsten Techniken, Objektkunst, Fotografie, Siebdruck oder Collagekunst.
Viele Veranstaltungen drehten sich um die Frage nach Identität, aber es ging auch darum eine neue Beziehung zum eigenen Körper und dessen Wahrnehmung zu entwickeln. Das jeweilige übergeordnete, jährlich wechselnde Motto der Frauenwoche spiegelte sich im Laufe der Zeit in diesen Veranstaltungen immer weniger wieder.
Frauenfilmwoche
Die erste Filmwoche im Rahmen der Hamburger Frauenwoche fand 1987 im Kino Metropolis statt. Jeden Abend wurde der Film einer Filmemacherin dem eines Filmemachers gegenübergestellt. Orientiert am Motto der 7. Hamburger Frauenwoche 'Gewalt und Widerstand', thematisierten die Filme mächtige Frauen, die „HANDELN und dabei nicht dem ‚Gewalt-Verbot für Frauen‘ unterliegen“. Die Auswahl sollte illustrieren, dass die Protagonistinnen in den Filmen der Filmemacher fast immer zur Schusswaffe griffen, während der Widerstand der Protagonistinnen in den Filmen der Frauen viel subtiler, kreativer und weniger konformistisch war ohne dadurch an Stärke einzubüßen.
Die Initiatorinnen der Filmwoche wollten auf die patriarchalen Strukturen innerhalb der Filmindustrie und dem Kino an sich aufmerksam machen. Da der Veranstaltungsort jedoch das externe Mitgliedskino Metropolis war, mussten die Frauen in Kauf nehmen, dass zu den Filmvorführungen auch Männer erschienen, die anschließenden Diskussionsveranstaltungen waren jedoch ohne männliches Publikum.
1988 wurden vor allem Filme gezeigt, die von den üblichen stereotypen weiblichen Klischees, Rollenbildern und Geschichten des Mainstream-Kinos abweichen. Den gemeinsamen Schwerpunkt der Zusammenstellung finden die Filme auf geografischer Ebene, es wurden vor allem Filme aus der Sowjetunion und anderen osteuropäischen Staaten gezeigt.
Später wurden die Themen der Filmwoche sehr viel weiter gefasst; gezeigt wurden Filme in deren Mittelpunkt Frauen stehen, die den Alltag von Frauen beleuchten und die wenig Aufmerksamkeit im Mainstream-Kino bekamen.
Frauen lachen gemeinsam e.V.
Die Kabarettgruppe Frauen lachen gemeinsam e.V. bot jedes Jahr den humorvollen Höhepunkt der Frauenwoche. Bereits der Name der Gruppe war eine offensichtliche (liebevolle) Parodie auf den ersten Trägerverein der Frauenwochen 'Frauen lernen gemeinsam e.V.' und damit auf die Frauenwoche an sich. In einem voll besetzten Hörsaal des Pädagogischen Instituts der Universität Hamburg waren Frauen Zeuginnen einer selbstironischen Aufarbeitung von Frauenthemen und speziell der jeweils in der Frauenwoche theoretisch diskutierten Inhalte. Die Frauen spielten mit dem Vorurteil, dass Frauenbewegung humorfrei sei – zum Beispiel mit Ohrwürmern wie ‚Ich mach ’nen Workshop, ’nen Workshop, ’nen Workshop hier‘. 1987 – das Motto der Frauenwoche hieß ‚Gewalt und Widerstand‘ – wurde das Stück ‚Gewaltig geschafft‘ aufgeführt. Hier wurde unter anderem Sexismus in der Sprache thematisiert und eine „radikale Sprachreform“ mit freier Wahl des Artikels vorgeschlagen.
Konzerte
Für Konzerte reisten die ersten, auch bekannten internationalen Künstlerinnen an, die durch die Frauenwoche in Zusammenarbeit mit dem seit 1983 gegründeten Verein 'Frauen machen Musik e.V.' inspiriert oder motiviert wurden, miteinander neue musikalische Projekte umzusetzen. So traten im Rahmen der 5. Frauenwoche die renommierten Jazzmusikerinnen Irene Schweizer aus Zürich am Piano, mit der Ausnahmebassistin Joelle Leandre sowie die Posaunistin und Geigerin Annemarie Roeloffs in der Musikhalle auf. Ebenfalls 1985 fand ein großes Konzert im Riekhof ausschließlich für Frauen statt mit drei damals bekannten Frauenbands aus Köln, Berlin und London.
Die Zahl der Teilnehmerinnen hat sich inzwischen auf 4.000 bis 5.000 Frauen eingependelt. ‚Die ersten Veranstalterinnen wußten noch nicht, worauf sie sich einstellen sollten‘, erzählt Waltraut Braker [Mitarbeiterin des Frauenbildungszentrums DENKtRÄUME], ‚die standen im Foyer der HWP und fielen fast um, als 10.000 das Gebäude stürmten.‘
03
Abbrüche
Wenn schon Selbstausbeutung – dann einmal aber richtig.
Der Kampf ums Geld
Wie die meisten Frauenprojekte hatte auch die Hamburger Frauenwoche mit der Finanzierung zu kämpfen. Die Behörde finanzierte die Veranstaltungen mit 50.000 Mark. Wie die Orga-Gruppe selbst schrieb, deckte diese Summe bei aller Sparsamkeit nicht einmal die Hälfte der Kosten ab. Auch die Frauenwoche war deshalb von Spenden abhängig.
In der Vorbereitung zur 11. Frauenwoche 1991 wurde pro und contra einer behördlichen Förderung abgewogen. Eine finanziell autonome Organisation hätte viele (inhaltliche) Freiheiten bedeutet: keine Sachberichte, keine Teilnehmerinnenlisten, keine inhaltlichen Rechtfertigungen. Letzteres beispielsweise, nachdem der Rechnungshof den Bereich „Lesben“ im Programm der 9. Hamburger Frauenwoche kritisierte.
Das Modell einer Selbstfinanzierung wäre jedoch an der finanziellen Realität gescheitert.
Angriffe auf die Hamburger Frauenwoche
1985 ereignete sich ein Überfall während des Abschlussfestes der Frauenwoche. In der darauffolgenden Presseerklärung der Orga-Gruppe heißt es: „Am 16. März um 12 Uhr nachts endete die Frauenwoche mit einer Demonstration von Männergewalt. Auf die Teilnehmerinnen des Abschlussfestes in der Mensa der Universität wurde geschossen, drei Frauen wurden zusammengeschlagen und etliche andere bedroht und beleidigt.“ Die Tatverdächtigen wurden frei gesprochen. Infolge dieses Ereignisses setzten sich die Frauen verstärkt mit Gewalt gegen Frauen sowie gegen Projekte der Frauenbewegung auseinander.
Das zum Teil negative Verhältnis von Männern – aber auch von Frauen – zur Frauenwoche äußerte sich jedoch nicht nur in physischen Auseinandersetzungen. 1983 kamen Vorwürfe der Geschlechtsdiskriminierung auf, da die Frauenwoche ein reiner Frauenraum war. Unter anderem die Welt, die taz und die Lübecker Nachrichten berichteten von der Alterspräsidentin der Bürgerschaft, Charlotte Fera, die eine Finanzierung dieser „diskriminierenden Veranstaltung“ durch die Kultur- und Schulbehörden kritisierte. In diesem Vorwurf und der Argumentation zeigte sich, dass die Frauenwoche Gegenstand eines gesellschaftlichen Diskurses war, der bis heute noch anhält.
Nach der Radikalität kommt...
Wir können nicht mehr wahrnehmen, wie viele wir sind, ein Wir-Gefühl ist unmöglich. Es ist schwerer, verschiedene Veranstaltungen an unterschiedlichen Orten zu besuchen. Positiv dagegen ist es, verschiedene Frauenprojekte kennenzulernen.
Neuaufstellung
1992 stand die Frauenwoche auf der Kippe. Dies bedingten vor allem Konflikte und Diskussionen um eine Professionalisierung oder eine weitere autonome Organisation der Woche. Kontroversen über den Grad der Einmischung behördlicher Stellen in die Organisation und Planung der Frauenwoche, aber auch Zeitmangel führten dazu, dass sich zur Organisation der 12. Frauenwoche zunächst nur 4, später dann 5 – 8 Frauen bereiterklärten. Die Macherinnen der vorherigen Frauenwoche sagten die Woche daher im Herbst 1991 zunächst ab.
Daraufhin schlossen sich Frauen aus Hamburger Senatsbehörden, der Volkshochschule, der Landeszentrale für politische Bildung, der FrauenAnstiftung und von DENKtRÄUME zusammen, um ein alternatives „Notprogramm“ auf die Beine zu stellen und die Frauenwoche in neuer Form im November 1992 stattfinden zu lassen.
So wurde ein Nachfolgeprojekt zur Hamburger Frauenwoche ins Leben gerufen, mit neuem Konzept und neuen Rahmenbedingungen.
1992
Die "neue" Frauenwoche fand vom 6. bis 13. November 1992 unter dem Titel „Harte Zeiten / Gezeiten / Verortungen / Verordnungen / Kein Ort nirgends / Zeit zum Träumen“ statt und begann - anders als die vorherigen Frauenwochen - an einem Freitag, mit einem Wochenende voller Veranstaltungen, die zentral an der damaligen Fachhochschule Hamburg im Grindelhof stattfanden. Im Anschluss daran wurden an verschiedenen Orten dezentral Veranstaltungen, Kurse und Bildungsurlaube angeboten. Beteiligte Frauenprojekte waren unter anderem Frau und Arbeit, Arche Nora, BIFF Eimsbüttel, der Frauenbuchladen, DENKtRÄUME und das Frauencafé endlich.
Es geht weiter ...
Das neu entwickelte Konzept ging wider Erwarten auf. In der Nachlese zur Frauenwoche 1992 wurde bilanziert, dass das neue Konzept einen Austausch über Grenzen hinweg möglich gemacht habe. Beklagt wurde jedoch die geringe Teilnehmerinnenzahl, was mit der sehr kurzen Planungs- und Ankündigungsphase erklärt wurde. Alles in allem zogen die Frauen eine positive Bilanz und beschlossen, die Frauenwochen mit dem neuen Konzept vorerst weiterzuführen.
Von Frauenwoche ...
Die folgende Frauenwoche 1993 hatte mit Mittelkürzungen zur kämpfen: Der Hamburger Senat kürzte den Etat um 25 % auf 60.000 DM. 1994 und 1995 wurden die Kürzungen fortgeführt, sodass nur noch 30.000 DM zur Verfügung standen. Die Organisationsgruppe verschlankte daraufhin 1994 und 1995 das Programm auf drei beziehungsweise vier Tage und benannte die Frauenwoche in FrauenTage um.
Das 1992 und 1993 neu erprobte Konzept mit dezentralen Veranstaltungen sahen die Teilnehmerinnen zudem ambivalent, da es „kein kollektives Gefühl der gemeinsamen Frauenwoche“ ermögliche (Nachlese zur Frauenwoche 1993, S. 30).
... zu FrauenTagen
Die nun umbenannten FrauenTage 1994 und 1995 kehrten nach der Kritik über die Dezentralisierung wieder zu einem zentralen Veranstaltungsort zurück.
Durch die weiteren Mittelkürzungen konnte das Programm jedoch nur realisiert werden, weil Referentinnen auf Honorare verzichteten und fehlende Bildungskurse durch ein breiteres kulturelles Programm kompensiert wurden.
Dennoch blieb 1994 die Hoffnung der Veranstalterinnen, die Frauenwoche mit dem neuen Konzept etablieren zu können:
„Wir als Veranstalterinnen haben durch Rückmeldungen und Einschätzungen zu den vier Tagen den Eindruck, daß sich dieses Konzept durchsetzt und sich das neue Profil der alten Frauenwoche behaupten kann: von der einstmals breiten Themenvielfalt mit großem Veranstaltungsrahmen zu einem konzentrierten Angebot politischer Veranstaltungen für interessierte Frauen aus unterschiedlichen Gruppen.“ (Nachlese zu den FrauenTagen 1994, S. 3)
Das Projekt geht zu Ende
Die Zuversicht währte nur kurz: Obwohl die FrauenTage positiv aufgenommen wurden, konnten sie nicht an die Besucherinnenzahlen der 1980er Jahre anknüpfen. Im Schnitt besuchten nach der Neukonzeption zu den „FrauenTagen“ ab 1992 bis zum Ende des Projektes 2000 Frauen jährlich die Veranstaltungen.
1995 fanden schließlich die letzten FrauenTage statt - das Motto: „Die Antwort ist Feminismus – und wie war nochmal die Frage?“ Sie waren insgesamt kompakter und professioneller organsiert. Einige hundert Frauen setzten sich in gut 30 Einzelveranstaltungen mit dem zentralen Hauptthema auseinander.
Die Organisationsgruppe beschloss im Anschluss daran das Projekt „Hamburger Frauenwoche“ zum 23. Juni 1996 mit einer Abschlussveranstaltung im Stadtteilzentrum Kölibri zu beenden.
Ciao, ciao!
In der Nachlese zu den FrauenTagen 1995 ziehen die Frauen ihr Fazit zum Projekt:
„Oft befürchtet, ein paar Mal zu Unrecht, aber jetzt ist es auch in Hamburg so weit: Das Projekt Hamburger Frauenwoche wird beendet; 1996 wird es keine FrauenTage geben.
Es ist uns trotz intensiver Bemühungen nicht gelungen, Nachfolgerinnen für die Veranstaltungsgruppe zu finden.
Wir bedauern das sehr und halten es in Zeiten der Sparhaushalte und Kahlschlagkürzungen auch für ein falsches Signal, 30.000 Mark für politische Bildungsarbeit von und für Frauen nicht in Anspruch zu nehmen. Aber wir scheinen mit dieser Einschätzung allein dazustehen und das schon seit ein paar Jahren. […]
Und dennoch: Wir finden, die FrauenTage ‘95 waren ein würdiger Abschluß des Projektes." (Nachlese zu den FrauenTagen 1995, S. 3)
04
Ausbruch - die Bewegung geht weiter
Was ist geblieben aus 15 Jahren Hamburger Frauenwoche?
Die Hamburger Frauenwoche bot Frauen in der Hamburger Region über viele Jahre eine miteinander gestaltete Plattform für das Erleben und die Weiterentwicklung eines selbstbestimmten Lernens auf breiter Basis. Diese Idee lebt in Hamburger Frauen*- und Lesbenprojekten bis heute fort, auch bzw. insbesondere im Frauen*bildungszentrum DENKtRÄUME.
DENKtRÄUME
Als Idee auf der 1. Hamburger Frauenwoche von einer kleinen Gruppe engagierter Frauen entwickelt, wurde der Wunsch nach einem ständigen Lernort für Frauen 1983 umgesetzt. DENKtRÄUME ist mit seinem Angebot seit 1986 an seinem heutigen Standort in der Grindelallee 43 zu finden. Als Archiv, Bibliothek und Ort für Vernetzung, regelmäßige Treffen und einzelne Veranstaltungen für Frauen/FLINTA* und alle feministisch interessierten Menschen, bietet DENKtRÄUME mit seinen über 13.000 Medien und Archivalien ein umfangreiches feministisches Wissen.
Das Archiv von DENKtRÄUME sammelt von Beginn an Materialien der Frauenbewegungskultur mit Schwerpunkt Hamburg und versteht sich als ein Gedächtnis der (Hamburger) Frauenbewegung(en).
Die DENKtRÄUME-Bibliothek bietet heute mit ihrem Bestand eine Verbindung zwischen der zweiten Frauenbewegung und aktuellen Fragestellungen zu Frauenbewegungen, Feminismus (in seiner Diversität), Gender- und Queerthemen.
Mit seinem eigenen Veranstaltungsprogramm trägt DENKtRÄUME das gesammelte Wissen zudem in die (Hamburger) Öffentlichkeit und ist selbst Lern- und Aktionsort für andere feministische Gruppen und Projekte.
Als eine der Erbinnen der Idee „Hamburger Frauenwoche“ trägt ein größtenteils ehrenamtlich arbeitendes Team das Frauen*bildungszentrum DENKtRÄUME bis heute und führt damit Ideen und Gedanken der Gründerinnen in die Zukunft fort, ganz nach dem Motto: