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Sammlung mit Geschichte

Provenienzforschung zu Enteignungen in SBZ und DDR am Deutschen Historischen Museum

Eine Ausstellung zum Internationalen Tag der Provenienzforschung

Dem Deutschen Historischen Museum (DHM) wurden 1990 die Sammlungen des zentralen Geschichtsmuseums der DDR, des Museums für Deutsche Geschichte (MfDG) übertragen. Dieser Umstand hat zur Folge, dass sich heute in einer einzigen Museumssammlung sowohl die Rolle eines DDR-Museums als auch die eines Museums aus der BRD im Umgang mit enteigneten Objekten aus der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und der DDR ablesen lässt.

In unserer Ausstellung geben wir zunächst eine kurze Einführung zu zwei Entzugskontexten der Zeit zwischen 1945 und 1990, die wir mit Beispielen enteigneter Objekte aus der Sammlung DHM veranschaulichen.
Anschließend beleuchten wir zwei zentrale staatliche Akteure, die an der "Verwertung" entzogenen Privateigentums beteiligt waren, und werfen einen Blick auf die Beziehung des DHM und des MfDG zu diesen beiden Akteuren.

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Das Deutsche Historische Museum

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Das Museum für Deutsche Geschichte

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Entzugskontexte in SBZ und DDR

Sowjetische Besatzungszone und DDR: zwei Arten von Unrecht

Bei der Betrachtung der Entzugskontexte ist zwischen SBZ-Unrecht und DDR-Unrecht zu unterscheiden.

Im Bereich der SBZ zwischen 1945 und 1949 sind für Museen vor allem Kulturgüter relevant, die im Zuge der „Bodenreform“ entzogen worden sind.

Für den Bereich der DDR spielt in der Provenienzforschung der Eigentumsentzug von Personen, die die DDR als sogenannte Republikflüchtige verlassen haben, eine große Rolle. Diese konnten ihr Eigentum auf ihrer Flucht nicht mitführen und mussten es zurücklassen. Es wurde anschließend von staatlicher Seite "verwertet".

Weiterhin ist der Eigentumsentzug durch fingierte Steuerverfahren, innerhalb derer private Kunstsammler*innen mittels konstruierter Steuerschulden enteignet wurden, relevant. Maßgeblich verantwortlich hierfür war die Kunst und Antiquitäten GmbH, die die enteigneten Kulturgüter zur Erwirtschaftung von Devisen in das"Nichtsozialistische Wirtschaftsgebiet" verkaufte. Bedingt durch diese Exporttätigkeit gelangten entzogene Kulturgüter auch in die Bundesrepublik. Der Kulturgutentzug in der DDR ist deswegen eine gesamtdeutsche Problematik.

Von allen genannten Entzugsmechanismen profitierten auch die Museen der DDR. Das Museum für Deutsche Geschichte bildete hier keine Ausnahme.

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Die staatliche "Verwertung" enteigneter Objekte

Von der Enteignung zum Export

Ab Gründung der DDR bis 1989 waren verschiedene staatliche Akteure für die "Verwertung" entzogenen Privateigentums verantwortlich.
War der Verkauf dieser Objekte im Binnenhandel, zur Versorgung der Bevölkerung, anfänglich noch prioritär, verschob sich das Hauptziel später auf den Export in das "nichtsozialistische Wirtschaftsgebiet", um dringend benötigte Devisen für die DDR zu erwirtschaften.

Museen in der DDR profitierten in den 50er und 60er Jahren von diesem Angebot und traten als Käufer auf. Später wurden sie mehr oder weniger freiwillig zu Tauschpartnern für exportfähige Kulturgüter, die unter anderem an Museen in der BRD verkauft wurden.
Mehrere Objekte aus der Sammlung des DHM führen uns auf die Spur zweier staatlicher Akteure, deren Hauptaufgabe die "Verwertung" enteigneter Objekte war – die Tresorverwaltung im Ministerium der Finanzen der DDR und die Kunst und Antiquitäten GmbH.

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Transparente Forschung

Provenienzforschung Online

Die Sammlung des DHM umfasst rund eine Million sehr unterschiedliche Zeugnisse der deutschen Geschichte. Die ältesten stammen aus dem frühen Mittelalter, die jüngsten aus der unmittelbaren Gegenwart. Mehr als 780.000 der Sammlungsobjekte sind inzwischen digital erfasst und weltweit in der Objektdatenbank einsehbar.

Das DHM hat die Provenienzkategorien für den Bereich SBZ/DDR analog der Kategorien aus dem Bereich NS-Raubgut entwickelt. Die Kategorien geben Auskunft darüber, wie gut die Herkunftsgeschichte eines Objektes rekonstruiert und inwiefern von einem unrechtmäßigen Entzug ausgegangen werden kann.
 

Das DHM veröffentlicht seine Forschungsergebnisse und ermöglicht umfassende externe Recherchen zur Herkunft seiner Objekte. Es schafft damit eine wesentliche Grundlage für die internationale Provenienzforschung.