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Götter und Totenkultur der Antike

Eine Reise in die Unterwelt - Für Klein und Groß

Eine virtuelle Ausstellung von

Was lebt, das stirbt. Aber was kommt danach?

Der Tod gehört zu dem Leben dazu und ist ganz natürlich. Aber was kommt eigentlich nach dem Tod? Normalerweise haben Erwachsene auf alles eine Antwort. Aber wenn es um das Thema Tod geht, wird es ganz schön holprig! Denn was nach dem Tod passiert, weiß niemand. Es gibt also keine richtige oder falsche Vorstellung davon, was einen nach dem Tod erwartet. Das macht manchen Menschen Angst. Unterschiedliche Religionen und Kulturen versuchen deshalb, Ideen vorzugeben, um den Menschen die Ungewissheit vor dem Tod zu nehmen. Diese Ideen nennt man Jenseitsvorstellungen. Diese können die Menschen trösten und ihnen Mut machen.

Die Vorstellung, was nach dem Tod passiert, ist je nach Kultur und Religion unterschiedlich. Jeder darf selbst darüber entscheiden an was er/sie glaubt. Der Glaube hilft den Menschen das zu verstehen, was sie sich nicht erklären können.

Geschafft! Oder etwa doch nicht?

Bevor die Seele endgültig ihre neue Heimat findet, muss sie sich erst noch den Totenrichtern stellen. Dabei handelt es sich um die drei verstorbenen Könige Aiakos, Rhadamanthys und Minos. Sie entscheiden über den weiteren Weg sowie den Verbleib der Seele. Dazu urteilen sie über die im Leben begangenen Taten der Verstorbenen. Da es sehr viele Seelen gibt, teilen sie sich die Arbeit untereinander auf.

Die Menschenseelen aus Europa werden von Aiakos beurteilt. Rhadamanthys kümmert sich um die Verstorbenen aus Asien. Minos ist der Mächtigste der Dreien. Er hat das letzte Wort und regiert mit einem goldenen Zepter.

Die Seelen haben ihre schattenhafte Gestalt, damit die Richter ohne Vorurteile über die Seele urteilen können. Schönheit, Reichtum oder Verwandtschaft spielen keine Rolle mehr.

Je nachdem wie das Urteil ausfällt, kann die Seele an drei verschiedene Orte gelangen: 

Auf ewig in der Unterwelt?

Eine Seele verbringt insgesamt 1000 Jahre in der Unterwelt. Danach bereitet sie sich auf die Wiedergeburt vor. Das bedeutet, dass sie noch einmal geboren werden und in einem neuen Körper auf der Erde leben dürfen. Wiedergeboren werden alle Seelen außer diejenigen, die sich im Tartarus befinden. Eine Seele kann nicht nur als Mensch, sondern auch als Pflanze oder Tier wiedergeboren werden. Insgesamt durchlebt die Seele diesen Kreislauf zehn Mal. Erst dann darf sie in den Aether zu den Göttern, wo sie ihre endgültige Ruhestätte findet.

Vor der Wiedergeburt trinkt jede Seele den Nektar des Flusses Lethe. Dadurch verlieren die Seelen ihre Erinnerungen an ihr vorheriges Leben.

"Wie oft glaubst Du wurdest Du schon wiedergeboren?"

Die Römer glaubten an den Kreislauf der Wiedergeburt. Was lebt, das stirbt und wird schließlich wiedergeboren. Auch in dem heutigen Hinduismus und Buddhismus durchleben die Verstorbenen diesen Kreislauf bevor sie ihre endgültige Erlösung finden.

Und was machen die Hinterbliebenden mit diesem Wissen?

Natürlich sind die Ideen und Darstellungen des römischen Totenreichs lediglich eine Vorstellung in der Fantasie der Hinterbliebenen. Es tröstet sie die Gewissheit, dass ihre Verstorbenen nicht für immer fort sind. Schließlich könnten sie diese nach ihrem eigenen Ableben im Totenreich oder in einem anderen Leben wiedersehen.

Besonders für die Art der Bestattung, war diese Vorstellung des Totenreichs wichtig. Denn nur allen angemessen Bestatteten war ein trostloses, aber auch qualfreies Dasein in der Unterwelt gesichert. Einer verstorbenen Person, die nicht würdevoll beerdigt wurde, konnte der Eintritt in die Unterwelt sogar verwehrt bleiben. Daher kümmerten sich die Hinterbliebenen sorgfältig um den/die Verstorbene*n.

So wird der toten Person beispielsweise eine kleine Goldmünze, auch Charonspfennig genannt, unter die Zunge gelegt. Mit dieser Münze sollen die Seelen der Verstorbenen den Fährmann Charon bezahlen können, um auf schnellstem Weg in die Unterwelt zu gelangen.

Heißt: Gestorben und gleich vergessen?

Quatsch! So anders als heutzutage ist das gar nicht. Um die verstorbene Person in Erinnerung und Ehren zu halten, erzählten sich die Menschen Geschichten über das Leben des/der Toten oder versammelten sich an der Grabstätte des/der Verstorbenen um ihm/ihr zu gedenken. Eine Grabstätte ist somit für die Hinterbliebenen ein wichtiger Ort, um sich von der geliebten Person verabschieden und sie besuchen zu können.

Das Aufrechterhalten der Erinnerung an eine tote Person nennt man Gedenkkultur. Die Gedenkkultur ist für die Hinterbliebenen wichtig, um ihre Trauer verarbeiten zu können. Wie einer Person gedacht wird, hängt von der Religion und Kultur ab.

Der Gedanke an den Tod war bei den Römern aber nicht von grauer Tristheit umhüllt. Stattdessen erhielten die Verstorbenen reich verzierte und sehr bunte Grabsteine.

"Oh, ich denke wir haben es wieder zurück in die Welt der Lebenden geschafft. Und soweit ich sehen kann, bist Du sogar an einem Stück wieder hier oben angekommen! Wusste ich doch, dass nichts schief gehen wird!

Aber psst, erzähle bloß niemanden davon. Pluto würde mir vermutlich das Amt als Seelenführer nehmen, wenn er davon wüsste. Ich hoffe, wir sehen uns bald wieder! Wobei… vielleicht lieber nicht, Du sollst ein langes, zufriedenes Leben führen, bevor ich wieder bei Dir erscheine! Bis dahin!"

Merkur, der Götterbote