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Fort damit?

Johannes Reuchlin und die jüdische Kultur

Badische Landesbibliothek


Johann Reuchlin: eine kurze Darstellung seines Lebens, zur vierten Säkularfeier seiner Geburt dem Programm des Pädagogiums u. der höheren Bürgerschule zu Pforzheim beigegeben

Jakob Lamey, Johannes Reuchlin, 1855, Pforzheim

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Kurzbeschreibung
Karlsruhe, BLB, O 50 A 427
Porträt Reuchlin O50A427.jpg
Johannes Reuchlin über einem hebräischen Buch, in seiner Hand die Brille als Symbol seiner 1511 erschienenen Schrift "Augenspiegel"


Am 30. Juni 2022 jährt sich der Todestag von Johannes Reuchlin zum 500. Mal.
Der Humanist, Jurist, Diplomat, Philologe, Philosoph, Gräzist und Hebraist erschloss am Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit wissenschaftliches Neuland. Seine Arbeit mit der hebräischen Sprache, sein Verdienst im christlich-jüdischen Dialog und nicht zuletzt auch seine große Bibliothek machten ihn bekannt.
Wer war der in Traditionen verwurzelte Mann, der durch seinen Kampf für die Erhaltung der jüdischen Literatur heute als ein Vorreiter religiöser Toleranz gilt?
Um Reuchlins Interesse an der hebräischen Sprache und seine Verteidigung jüdischen Schrifttums, im christlichen Spätmittelalter nur selten zu finden, zu verstehen, muss der Blick auch auf seinen Werdegang fallen.
An Johannes Reuchlin zu erinnern bedeutet, sich mit verschiedenen Facetten seiner Person im Kontext seiner Zeit auseinanderzusetzen.

01

Wanderjahre – Von Pforzheim durch Europa



Pforzheim, Kupferstich, 42 B 354, RH, 4+8

Matthäus Merian, 1643

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Kurzbeschreibung
Karlsruhe, BLB, 42 B 354, RH, 4+8
Merian-Stich-Pforzheim.jpg
Pforzheim, Kupferstich von Matthäus Merian, 1643


Johannes Reuchlin wurde am 29. Januar 1455 als Sohn von Georg Reuchlin (um 1425–1474), dem Verwalter des Pforzheimer Dominikanerklosters, und Elisabeth Eck (um 1430–1474) in der zur Markgrafschaft Baden gehörigen Stadt Pforzheim geboren.
Dort wuchs Reuchlin gemeinsam mit seinen Geschwistern Dionysius und Elisabeth in bürgerlichen Verhältnissen auf.
Für das Gelingen eines sozialen Aufstiegs galt die Bildung als das entscheidende Mittel.
Und so schickte man Johannes Reuchlin ab 1461/62 in die Pforzheimer Lateinschule, die einen hervorragenden Ruf genoss. Latein, Rhetorik, Logik, Bibelstudium und Chorgesang zählten dort zu den Schulfächern.
Der Kupferstich Matthäus Merians (1593–1650) von 1643 ist die zuverlässigste frühe Darstellung der Stadt Pforzheim und zeigt die wichtigsten Gebäude in nur leicht idealisierter Form.
Die Pforzheimer Lateinschule befand sich im Dominikanerkloster „St. Stephan“, auch Predigerkloster genannt (im Bild gekennzeichnet mit: „M“).



Freiburg im Breisgau, Kupferstich, Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Generallandesarchiv Karlsruhe, J-B Freiburg 12

Matthäus Merian, 1644

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Landesarchiv Baden-Württemberg

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Landesarchiv Baden-Württemberg

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Kurzbeschreibung
Stuttgart, Landesarchiv Baden-Württemberg, Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Generallandesarchiv Karlsruhe, J-B Freiburg 12

Nachdem Johannes Reuchlin 1470 mit 15 Jahren die Lateinschule verlassen hatte, begann er ein Studium an der Universität Freiburg (im Bild gekennzeichnet mit: „22“).
An der Artistenfakultät sollten mit dem Studium von Philosophie, Grammatik und Rhetorik die Vorbedingungen für eine spätere Spezialisierung geschaffen werden. Zur Wahl standen dafür die drei „oberen“ Fakultäten: Theologie, Medizin und Jurisprudenz.



Einleitung in die Geschichte der Marggravschaft und des marggrävlichen altfürstlichen Hauses Baden, Th. 2

Johann Christian Sachs, 1767, Karlsruhe

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Kurzbeschreibung
Karlsruhe, BLB, O 43 A 424, 2

Wie der Historiker Johann Christian Sachs (1720–1789) 1767 schrieb, hatte Reuchlin 1473 wohl die Gelegenheit ergriffen, als Begleiter von Friedrich, dem Sohn des Markgrafen Karl I. von Baden, an die berühmte Pariser Universität zu gehen. Dieser Aufenthalt gab den Anstoß für sein Interesse an der Geisteswelt der Antike. Um eben diese zuverlässig verstehen zu können, war es Reuchlin ein Anliegen, neben Latein nun auch die griechische Sprache gründlich zu erlernen.



Basel, Kupferstich, 42 B 354, RH, 1+15

Matthäus Merian, 1642

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Kurzbeschreibung
Karlsruhe, BLB, 42 B 354, RH, 1+15

Mit dem Theologieprofessor Johannes Heynlin (1425–1496), seinem wichtigsten Lehrer in Paris, ging Johannes Reuchlin 1474 an die Universität Basel (im Bild gekennzeichnet mit: „16“). Dort erhielt er 1475 den Grad eines Baccalaureus (Bachelor) und 1477 den eines Magisters. Als solcher durfte er eine akademische Tätigkeit als Latein- und Griechischlehrer in Basel beginnen. Dort verfasste Johannes Reuchlin dann auch sein erstes Werk, den „Vocabularius Breviloquus“, ein lateinisches Wörterbuch.

Nachdem ich mich nämlich in meinem achtzehnten Lebensjahr an der Schule von Paris den wissenschaftlichen Studien des Priscian aus Caesarea zugewandt hatte, stellte ich zwei Jahre danach in Basel ein Wörterbuch zusammen, das ich „Breviloquus“ nannte. Zu dieser Zeit und an demselben Ort, nämlich in Basel diesseits des Rheins, erlernte ich von dem gebürtigen Griechen Andronikos Kontoblakes die griechische Sprache, die ich nach Ablauf von vier Jahren bei den Franzosen in Genabum, das man heute Orléans nennt, gelehrt habe. Dort verlegte ich mich vor der regulären Zeit auf das Zivilrecht und wurde von den Doktoren mit der Ehre eines „Papinianista“ ausgezeichnet; das war im Jahre des Herrn 1479.

Johannes Reuchlin, De rudimentis hebraicis, 1506

zitiert nach: Johannes Reuchlin. Deutschlands erster Humanist. Hrsg. und übers. von Hans-Rüdiger Schwab. München 1998, S. 123.




Skizzenbuch

Nikolaus Ochsenbach, nach 1620 und um 1640, Tübingen

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Württembergische Landesbibliothek

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Württembergische Landesbibliothek

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Kurzbeschreibung
Stuttgart, WLB, HB XV 5
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Eberhard im Bart

Eberhard im Bart

Mitte Dezember 1481 kehrte Johannes Reuchlin schließlich nach Deutschland zurück und begab sich nach Tübingen, um eine geeignete Tätigkeit für sich zu finden.
Seine Karriere kam in Fahrt, als man ihn dem regierenden Grafen von Württemberg, Eberhard im Bart (1445–1496), wegen seines guten Lateins, seiner Redebegabung und korrekten Aussprache als Begleiter und Dolmetscher für dessen Romfahrt empfahl.
Die Reise mit Eberhard im Bart begann Mitte Februar 1482.
Nach einem ersten Aufenthalt in Florenz traf die Gesandtschaft Mitte März in Rom ein. Zwar weiß man über diese Reise nicht viel, doch hinterließ die erste Begegnung mit der damaligen Hauptstadt des europäischen Geistes gewiss prägende Eindrücke bei Johannes Reuchlin. Die Reise dauerte bis Ende April 1482.





Prophetae posteriores, hebr

Joshua Solomon Soncino, David Kimhi, 1485, Soncino

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Kurzbeschreibung
Karlsruhe, BLB, De 145

1484 erlangte Johannes Reuchlin schließlich den Grad eines Doktors der Rechtswissenschaft und somit den Namenszusatz „Legum doctor“. Auch seine Herkunft „Phorcensis“, „aus Pforzheim“, vergaß er nie mit anzuführen.



Bildnisse der deutschen Könige und Kaiser von Karl dem Großen bis Maximilian I.

Heinrich Justus Schneider, Friedrich Kohlrausch, 1846, Hamburg, Gotha

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Kurzbeschreibung
Karlsruhe, BLB, 98 B 102888
98 B 102888_Stich_Per tot Discrimina.jpg
Maximilian I.


Im Dienste Eberhards von Württemberg avancierte Johannes Reuchlin zum vertrauten Ratgeber des Grafen, der zu vielen Angelegenheiten hinzugezogen wurde. Auch wurde er Beisitzer am Württembergischen Hofgericht, der obersten Zivilinstanz des Landes, und später einer der drei obersten Richter des Schwäbischen Bundes (Triumvir Sueviae).
Der Graf entsandte Reuchlin immer wieder als seinen Vertreter zu verschiedenen Staatsangelegenheiten, so auch 1486 zum Reichstag nach Frankfurt, wo Maximilian I. (1459–1519) zum römisch-deutschen König gewählt wurde.



De arte cabalistica

Johannes Reuchlin, 1517, Hagenau

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Kurzbeschreibung
Karlsruhe, BLB, 98 B 76192 RH
Wappen2.jpg
Wappen von Johannes Reuchlin

Reuchlins Wappen mit dem Altar mit Rauchopfer („Ara capnionis“) bezieht sich auf eine hebräische Bibelstelle. Sie stellt eine bildliche Umsetzung des Namens Reuchlin dar. Der Name wird als „Räuchlein“ gedeutet und somit latinisiert zu „Capnion“ (2. Mose 30, 1-8). Das Mühlenrad nimmt Bezug auf den Geburtsnamen seiner ersten Ehefrau, Müller. Die Bänder und Schellen gehen auf eine Stelle aus der hebräischen Bibel zurück, in der die schriftkundigen israelitischen Priester Schellen machten (2. Mose 39, 25). Der Turnierhelm verweist auf den Adelsstand, in den Reuchlin 1492 als Hofpfalzgraf erhoben wurde.





Vita Jo. Reuchlini Phorcensis, Primi in Germania Hebraicarum Graecarumque, & aliarum bonarum literarum Instauratoris : In qua Multa ac varia ad Historiam superioris Seculi, cum sacram, tum profanam, remque literariam spectantia memorantur

Johann Heinrich Majus, Johannes Reuchlin, 1687, Frankfurt

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Kurzbeschreibung
Karlsruhe, BLB, 98 B 76236 RH

Neben seiner Karriere als erfolgreicher Hofbeamter blieb Reuchlins Interesse an den Sprachen der Antike jedoch bestehen. Es bestimmte seine wissenschaftliche Tätigkeit in den folgenden Jahrzehnten.

02

Ein neuer Fokus – Reuchlin und die hebräische Sprache



Hebräische Bibel

Handschrift aus Pergament, 12./13. Jahrhundert

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Kurzbeschreibung
Karlsruhe, BLB, Cod. Reuchlin 1

Latein war zu Reuchlins Zeit die Sprache der Gelehrten und des Christentums. Der Humanist gilt als Wegbereiter für das Erlernen der zu seiner Zeit wenig beachteten griechischen Sprache. Doch nicht als Gräzist oder Jurist hat sich Johannes Reuchlin das größte wissenschaftliche Andenken erworben, sondern als Begründer der christlichen Hebraistik.
Er war der erste deutsche „vir trilinguis“, der erste Gelehrte, der alle drei antiken Sprachen (Latein, Griechisch und Hebräisch) beherrschte.



Vocabularius breviloquus

Johannes Reuchlin; Johannes Heynlin; Veronensis Guarinus, 1478, Karlsruhe

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Kurzbeschreibung
Karlsruhe, BLB, Ba 100
"Merke, dass überall wo sich in den Büchern des alten Testaments ein Irrtum findet, auf die hebräischen Bücher zurückzugreifen ist, da das Original des alten Testaments in hebräischer Sprache geschrieben ist."

– Johannes Reuchlin, Vocabularius breviloquus, 1478

zitiert nach: Johannes Reuchlin und sein Kampf. Hrsg. und übers. von Max Brod. Stuttgart 1965, S. 50.



Vocabularius breviloquus

Johannes Reuchlin; Johannes Heynlin; Veronensis Guarinus, 1478, Karlsruhe

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Kurzbeschreibung
Karlsruhe, BLB, Ba 100
Ba 100_Vorderdeckel.jpg
Der Vocabularius breviloquus, 1478 (Einband)


1478 hatte Johannes Reuchlin das Studium der hebräischen Sprache in Basel zwar noch nicht begonnen, doch legte er in seinem „Vocabularius Breviloquus“ den Grundsatz fest, auf dem seine späteren Studien und sein Habitus aufbauen sollten. Um das Alte Testament und die göttliche Uroffenbarung authentisch verstehen zu können, war für Johannes Reuchlin das Erlernen und das Beherrschen des Hebräischen unbedingt notwendig.
Doch war es schwierig, Lehrer zu finden.
So musste Reuchlin sich als Autodidakt versuchen und nahm zeitweise den Hebräisch-Unterricht bei einzelnen Juden.



Bildnisse der deutschen Könige und Kaiser von Karl dem Großen bis Maximilian I.

Heinrich Justus Schneider, Friedrich Kohlrausch, 1846, Hamburg, Gotha

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Kurzbeschreibung
Karlsruhe, BLB, 98 B 102888
98 B 102888_Stich_Fridericus III Imperator.jpg
Friedrich III.
Von 1492 bis 1493, als er im Auftrag Eberhards am Hofe von Wien war, wurde Johannes Reuchlin vom jüdischen Leibarzt Friedrichs III. (1415–1493) in der hebräischen Sprache unterrichtet:
„Im Verlauf dieser Gesandtschaft habe ich damals den zugleich gelehrten und wissenschaftlich gebildeten Juden namens Jakob Jechiel Loans gefunden, durch Gnade des Kaisers sowohl Doktor der Medizin als auch goldgezierter Ritter. Dieser unterwies mich mehr, als gesagt werden kann, als erster zuverlässig in der hebräischen Sprache.“

Johannes Reuchlin, De rudimentis hebraicis, 1506 
zitiert nach: Johannes Reuchlin. Deutschlands erster Humanist. Hrsg. und übers. von Hans-Rüdiger Schwab. München 1998, S. 123.





Hebräische Bibel

Handschrift aus Pergament, 12./13. Jahrhundert

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Kurzbeschreibung
Karlsruhe, BLB, Cod. Reuchlin 1

Grundstein der Bibliothek

1492 erhielt Johannes Reuchlin für seine Tätigkeiten als Gesandter Württembergs in Linz von Kaiser Friedrich III. als Geschenk eine hebräisch-aramäische Bibel.
Der Ende des 12./Anfang des 13. Jahrhunderts entstandene und bis heute noch gut erhaltene Pergament-Codex hat ein erstaunliches Maß von 51x37 cm, einen Umfang von 688 Blättern und ein Gewicht von über 27 kg.
Er sollte nicht die einzige hebräische Bibelausgabe in Reuchlins Besitz bleiben.



Prophetencodex

Handschrift, 1105 [12. Jahrhundert]

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Kurzbeschreibung
Karlsruhe, BLB, Cod. Reuchlin 3
Cod. Reuchlin 3_385v.jpg
Cod. Reuchlin 3, Fol. 385v: Kaufvermerk


Der Prophetencodex

Eine andere hebräische Ausgabe der Bibel kaufte Johannes Reuchlin am 2. August 1498 in Rom für 11 rheinische Goldgulden, wie ein handschriftlicher Kaufvermerk im Buch beweist.
Diese Bibel wurde zwischen 1105 und 1108 geschrieben und ist auch als Karlsruher Prophetencodex bekannt. Es handelt sich hierbei um die älteste in Europa datierte Handschrift mit dem Prophetentargum, einer Übersetzung der Propheten vom Hebräischen ins Aramäische.
Außer dem Besitzeintrag finden sich noch weitere handschriftliche Einträge Reuchlins darin, die seine intensive Beschäftigung mit dem Text zeigen.





Prophetencodex

Handschrift, 1105 [12. Jahrhundert]

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Kurzbeschreibung
Karlsruhe, BLB, Cod. Reuchlin 3
3396554.jpg
Cod. Reuchlin 3, Fol. 210r: Texthervorhebung


Prophetencodex

Handschrift, 1105 [12. Jahrhundert]

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Karlsruhe, BLB, Cod. Reuchlin 3
3396586llll.jpg
Cod. Reuchlin 3, Fol. 226r: Lateinische Randbemerkung von der Hand Reuchlins


Kommentar zu Ezechiel und zu den XII kleinen Propheten

David Qimkhi, Handschrift, 12. /13. Jh.

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Kurzbeschreibung
Karlsruhe, BLB, Cod. Reuchlin 5

Neben den hebräischen Bibeln zählten zu Reuchlins Hebraica-Sammlung auch Kommentare zur Bibel. So enthält dieser Pergament-Codex aus dem 14. Jahrhundert den Kommentar des jüdischen Gelehrten David Kimchi (um 1160–1235). Dessen Schriften, darunter auch grammatisch-lexikalische Arbeiten, waren für Johannes Reuchlin eine wichtige Grundlage für seine eigenen späteren hebräischen Lehrbücher.



Kommentar zu Ezechiel und zu den XII kleinen Propheten

David Qimkhi, Handschrift, 12. /13. Jh.

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Kurzbeschreibung
Karlsruhe, BLB, Cod. Reuchlin 5
"Ich, Johannes Reuchlin aus Pforzheim, Doktor der Rechte, habe dieses Buch David Kimchis über Ezechiel und die zwölf kleineren Propheten am 7. August 1498 in Rom gekauft."

–  Johannes Reuchlin, Cod. Reuchlin 5

Ich jedoch erbarmte mich der so heiligen Schriften und empfand Schmerz darüber, dass zu meiner Zeit die Gelehrten auf die Kenntnis der hebräischen Sprache allzulange verzichten mussten; aus diesem Grund habe ich es, da ich ihre Begabung fördern wollte – mag es vielleicht auch über das Maß hinaus kühn gewesen sein –, gewagt, als allererster meinen Schultern eine so schwere Last aufzubürden und mich gleichzeitig dem Gebell von Beißwütigen auszusetzen.

Johannes Reuchlin, De rudimentis hebraicis, 1506

zitiert nach: Johannes Reuchlin. Deutschlands erster Humanist. Hrsg. und übers. von Hans-Rüdiger Schwab. München 1998, S. 122.





De rudimentis hebraicis

Johannes Reuchlin, 1506, Pforzheim

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Kurzbeschreibung
Karlsruhe, BLB, 42 B 200 RH
2De rudimentis hebraicis.jpg
De rudimentis hebraicis, 1506 (Ausschnitt aus dem dritten Buch über zeitliche und örtliche Adverben)

De rudimentis hebraicis

Aufgrund seines Wunsches, dass viele Christen die hebräische Sprache erlernen sollten, um das Alte Testament zuverlässig verstehen zu können, veröffentlichte Reuchlin 1506 die einflussreichste hebräische Grammatik des 16. Jahrhunderts, die wegweisend für die Entwicklung der Hebraistik in Deutschland wurde.
Das mit 621 Seiten sehr umfangreiche Lehrbuch „De rudimentis hebraicis“ ist zwar in lateinischer Sprache verfasst, doch von hinten nach vorne gedruckt wie ein hebräischer Text.
Dem grammatischen Lehrwerk fügte Reuchlin unter anderem ein Wörterbuch bei.





Septem Psalmi Poenitentiales Hebraici cum grammatica tralacione latina

Johannes Reuchlin, 1529, Wittenberg

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Kurzbeschreibung
Karlsruhe, BLB, 112 A 75151 R
sieben Psalme.jpg
Die Übersetzung der sieben Bußpsalmen, 1512 (Titelblatt)


Johannes Reuchlin war es wichtig, dass die in „De rudimentis hebraicis“ niedergeschriebenen grammatischen Regeln und der darin enthaltene Wortschatz von den Christen verstanden und erlernt wurden.
Hierzu brachte er sechs Jahre nach seinem Lehrbuch, im Jahr 1512, einen lateinischen Kommentar über die sieben Bußpsalmen Davids heraus. Der hebräische Text erschien mit lateinischer Übersetzung und einer dazugehörigen grammatischen Erklärung.
Dieses Werk war die erste in Deutschland erschienene Druckschrift, die längere Texte auf Hebräisch enthielt.



Joseph Hyssopaeus, Lanx argentea

Johannes Reuchlin, Jehoseph ben Hanan ben Nathan Ezobi, 1512, Tübingen

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Kurzbeschreibung
Karlsruhe, BLB, 42 A 1160 R

Ebenfalls 1512 erschien Reuchlins Übersetzung eines hebräischen Gedichts: „Joseph Hyssopaeus von Parpinian, Die silberne Schale, übersetzt aus dem Hebräischen ins Lateinische von Johannes Reuchlin aus Pforzheim“



De accentibus Et Orthographia Lingvae Hebraicae

Johannes Reuchlin, 1518, Hagenau

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Karlsruhe, BLB, 42 B 147 RH
1Accentibus.jpg
De accentibus et orthographia linguae hebraicae, 1518 (Ausschnitt aus dem dritten Buch)
Das zweite große Lehrbuch des Humanisten, knüpfte an „De rudimentis hebraicis“ an. Das 1518 erschienene Werk „Über die Akzente und Orthographie der hebräischen Sprache“, widmete er dem Kardinal Adrian von Utrecht (1459–1523), der später als Hadrian VI. Papst wurde.
„Hadrian, Du Schutzpatron der besten Wissenschaften! Für die Freunde der hebräischen Grammatik habe ich soeben zum unvergänglichen Ruhm deines Namens und zum fortwährenden Nutzen der Gesamten Kirche als erster von allen, die die Erde trägt, in lateinischer Sprache die Bücher von den Akzenten und der Orthographie der Juden veröffentlicht und deiner segensreichen Schutzherrschaft gewidmet.“

zitiert nach: Johannes Reuchlin. Deutschlands erster Humanist. Hrsg. und übers. von Hans-Rüdiger Schwab. München 1998, S. 245.






De rudimentis hebraicis

Johannes Reuchlin, 1506, Pforzheim

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Kurzbeschreibung
Karlsruhe, BLB, 42 B 200 RH
De rudimentis hebraicis.jpg
De rudimentis hebraicis, 1506 (Über die hebräischen Buchstaben)


Primus Omnium

Johannes Reuchlin erwartet von sich selbst, „Erster von allen“ zu sein. Als Erster wollte er die hebräische Weisheit für das Christentum erschließen.
In den folgenden Jahrzehnten leisteten Reuchlins Lehrwerke unter anderem den Reformatoren gute Dienste, denen durch die Grammatiken des Humanisten das Verständnis der biblischen Texte ermöglicht wurde.
Auch andere Gelehrte förderten zur Neuaufstellung der christlichen Theologie das Studium des Hebräischen und des jüdischen Schrifttums auf der Grundlage der Grammatiken von Johannes Reuchlin.
Dass die Texte des Judentums in der christlichen Wissenschaft Anklang fanden, war zu Lebzeiten Johannes Reuchlins alles andere als selbstverständlich.

03

Servitudo Judæorum – Das Verhältnis von Christen und Juden

Freilich bin ich mir der schlimmen Lage der Juden zu unserer Zeit bewusst, die nicht nur aus Spanien, sondern sogar auch aus dem Gebiet unseres Deutschland vertrieben und dazu gezwungen worden sind, sich anderswo ihre Wohnsitze zu suchen und zu den Moslems auszuwandern.

Johannes Reuchlin, De rudimentis hebraicis, 1506

zitiert nach: Johannes Reuchlin. Deutschlands erster Humanist. Hrsg. und übers. von Hans-Rüdiger Schwab. München 1998, S. 124.





Folterung Simons von Trient sowie Auffangen seines Blutes

Wilhelm Pleydenwurff (Formschneider)
Anton Koberger (Drucker)
Michael Wolgemut (Formschneider), 1493

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Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel

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Kurzbeschreibung
Wolfenbüttel, HAB, Graph. Res. D: 252.146 recto

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Angeblicher Ritualmord an Simon von Trient 1475

Juden erfuhren das gesamte Mittelalter hindurch starke Anfeindungen durch die Christen.
Ihnen wurde unter anderem vorgeworfen, die Göttlichkeit Jesu Christi zu leugnen und für seinen Tod verantwortlich zu sein. Immer wieder wurde auch unterstellt, dass die Juden Hostien schänden, Ritualmorde an Kindern begehen und Brunnen vergiften würden sowie im 14. Jahrhundert die Pest nach Europa eingeschleppt hätten.
So hatten sie über Jahrhunderte hinweg unter der Vertreibungs- und Diskriminierungspolitik des christlichen Europa zu leiden.





Badisches Sagen-Buch : eine Sammlung der schönsten Sagen, Geschichten, Märchen und Legenden des badischen Landes; aus Schrifturkunden, dem Munde des Volkes und der Dichter

August Schnelzer, 1846, Karlsruhe

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Kurzbeschreibung
Karlsruhe, BLB, 98 B 76340, RH, 2

Die Sage der Margaretha aus Pforzheim

Angeblich wurde 1260 ein siebenjähriges Mädchen namens Margaretha von einer alten Frau an Juden verkauft, die ihr innerhalb eines Rituals die Adern aufschnitten, das Blut auffingen und den Leichnam in die Enz warfen. Nur wenige Tage später ragte die Hand des Mädchens aus dem Wasser und der Markgraf eilte herbei. Margaretha erwachte, schwor ihren Mördern Rache und verstarb danach endgültig. Daraufhin wurden die vermeintlichen Täter ergriffen und hingerichtet.
Womöglich entstand die Sage, die Reuchlin sicherlich gekannt hat, um  Übergriffe auf die in Pforzheim ansässigen Juden zu legitimieren.



Questiones de parvulis Iudeorum baptisandis

Ulrich Zasius, 1508, Straßburg

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Karlsruhe, BLB, 42 A 1237 RH

Nicht nur unter der breiten christlichen Bevölkerung herrschte eine deutlich antijüdische Haltung vor. Auch christliche Gelehrte, etwa der Freiburger Jurist und Stadtschreiber Ulrich Zasius (1461–1535), traten für eine Unterdrückung der Juden ein. Zasius nahm die Überzeugung von einer „natürlichen“ jüdischen Knechtschaft als Rechtfertigung dafür, dass jüdische Kinder ihren Eltern gewaltsam weggenommen und getauft werden dürften. Durch die Taufe sollten die Kinder auf den Weg des Heils gebracht werden, Tötungen schloss er dabei jedoch aus.



Icones sive imagines virorum literis illustrium : quorum fide et doctrina religionis & bonarum literarum studia, nostra patrumque memoria, in Germania praesertim, in integrum sunt restituta

Nikolaus Reusner, Bernhard Jobin, 1587, Argentorati

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Kurzbeschreibung
Karlsruhe, BLB, 52 A 3143 RH
Porträt Ulrich Zasius.jpg
Ulrich Zasius


Ulrich Zasius‘ bekannteste Leistung ist die Abfassung des Stadtrechts von Freiburg im Jahr 1520, das für viele andere Rechtsordnungen bis ins 19. Jahrhundert als Vorbild diente.
Eine antijüdische Bestimmung daraus lautete:
Juden und ketzer sind untogenlich zu kuntschafft. Item der Jude und offenbare ketzer kuntschafft verwerffen wir genzlich/wiewol die geschribnen recht anders möchten anzeigen.“   

„Juden und Ketzer sind ungeeignet zur Zeugenschaft. Desgleichen verwerfen wir gänzlich das Zeugnis von Juden und offensichtlichen Ketzern, auch wenn das geltende Recht es anders bestimmen sollte.“



Victoria Porcheti aduersus impios Hebr[a]eos : in qua tum ex sacris literis, tum ex dictis Talmud, ac Caballistaru[m], et alioru[m] omniu[m] authoru[m], quos Hebr[a]ei recipiu[n]t, monstratur veritas catholic[a]e fidei / Ex Recognitione R. P. Aug. Iustiniani ordinis Pr[a]edicatorij, episcopi Nebiensis

Porchetus <Salvaticus>; Agostino Giustiniano, Monografie; Druck, 1520, Parrhisijs

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Kurzbeschreibung
Karlsruhe, BLB, 42 B 297

Auch in Martin Luthers (1483–1546) Besitz fanden sich Werke, die den gängigen Antisemitismus seit der Spätantike illustrierten. Eines davon war eine bekannte antijüdische Schrift aus dem Mittelalter. Ihr Titel lautet übersetzt: Sieg gegen die ungläubigen Juden, worin teils aus den heiligen Schriften, teils aus Worten des Talmud und der Kabbalisten und aller anderen Autoren, die bei den Juden in Geltung stehen, die Wahrheit des katholischen Glaubens gezeigt wird. Luthers eigenes, reichlich mit Anmerkungen versehenes Exemplar ist bis heute erhalten geblieben. Es zeigt, dass auch das Umfeld der Reformation vom Geist seiner Epoche geprägt war.



De verbo mirifico

Johannes Reuchlin, Jakob Wimpfeling, 1494, Basel

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Kurzbeschreibung
Karlsruhe, BLB, 3 in Pc 41
De verbo mirifico-JHSVH2.jpg
De verbo mirifico, 1494 (Einleitung des erstens Buchs)


Johannes Reuchlins Engagement für die jüdische Sprache und Literatur steht im Kontext des zu seiner Zeit gängigen jüdischen Feindbilds.
Mit „De verbo mirifico“ veröffentlichte Reuchlin 1494 seine erste Schrift zur jüdischen Tradition der Kabbala.
Dabei handelt es sich nach Reuchlin um eine Adam von Gott mitgeteilte Lehre.
In „De verbo mirifico“ argumentiert er, dass das jüdische Wissen und insbesondere die Inhalte der Kabbala zum Christentum gehören würden.
Während dem christlichen Europa die Kabbala zu dieser Zeit noch weitgehend unbekannt war, war Reuchlin bereits ein nachweislicher Kenner.
Übereinstimmend mit seinen Zeitgenossen vertrat er die Position, dass es streng zu verurteilen sei, wenn Juden sich weigerten, das Christentum anzunehmen. Eine generelle Verdammung der Juden bewertete er jedoch als überzogen.
Die Aufwertung der wissenschaftlichen Beschäftigung mit jüdischen Inhalten war für Johannes Reuchlin zunächst von rein akademischem Interesse.



De verbo mirifico

Johannes Reuchlin, Jakob Wimpfeling, 1494, Basel

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Karlsruhe, BLB, 3 in Pc 41

Ein wichtiger Hinweis auf Johannes Reuchlins Haltung zum Inhalt der jüdischen Schriften ist seine Abwandlung des hebräischen Tetragrammaton JHVH, den vier Buchstaben des Namens Gottes in der hebräischen Sprache, durch den Einschub des Buchstaben „shin“ zu JHSVH, dem Namen Jesus. Juden glauben nicht an den christlichen Erlöser. Ob durch die Abwandlung eine innere Verbindung zwischen Judentum und Christentum hergestellt oder die Juden möglicherweise provoziert werden sollten, ist nicht geklärt.



Clarorvm Virorvm Epistolae latinae, graecae et hebraicae uariis temporibus missae ad Ioannem Reuchlin Phorcensem LL. doctorem

Johannes Reuchlin, 1514, Tübingen

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Karlsruhe, BLB, O 42 A 537 R
Brief Jakob Jechiel Loans.jpg
Brief an Jakob Jehiel Loans, um 1501

Über die Jahre hinweg blieb Johannes Reuchlin mit seinem ersten jüdischen Hebräischlehrer Jakob Jechiel Loans (gest. 1506) in Kontakt und tauschte mit diesem zahlreiche Briefe aus, die seine Wertschätzung spiegeln.
In diesem um 1501 verfassten Brief schreibt Johannes Reuchlin, dass er seinen Lehrer und ihre Gespräche vermisst. Zudem schreibt Johannes Reuchlin Jakob Jechiel Loans, dass er im Erlernen des Hebräischen gut vorankommt und Erfolge erzielt, was den Lehrer sicher freuen werde.





Doctor iohanns Reuchlins tütsch missiue, warumb die Jude so lang im ellend sind

Johannes Reuchlin, 1505, Pforzheim

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Karlsruhe, BLB, 42 A 1631 RH

1505 erschien Johannes Reuchlins Abhandlung darüber, „warumb die Jude so lang im ellend sind“. In dieser nur fünf Seiten umfassenden Flugschrift äußerte er sich zur Kollektivschuld der Juden und ihrer erforderlichen Bekehrung zum Christentum. Als Hauptsünde der Juden, weshalb sie schon seit 1300 Jahren im Exil lebten, nennt er die Ermordung Jesu. Wie schon in „De verbo mirifico“ betont er auch in diesem Werk, dass die Juden nicht zu verfolgen oder zu vertreiben, sondern vielmehr mit Sanftmut zu bekehren seien. 
Seine milde Einstellung gegenüber dem Judentum brachte Reuchlin auch in den folgenden Jahren immer deutlicher zum Ausdruck.

04

Der Judenbücherstreit als historisches Medienereignis



Huttenus delarvatus : das ist: warhaffte Nachricht von dem Authore oder Urheber der verschreyten Epistolarum obscurorum virorum Ulrich von Hutten

Johann Nicolaus Weislinger, 1730, Konstanz, Augsburg

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Karlsruhe, BLB, 50 A 2476
50 A 2476_Stich_Johannes Pfefferkorn.jpg
Johannes Pfefferkorn

Johannes Pfefferkorn

1510 kam es zu einer weiteren Welle des Judenhasses. So drängte u. a. Johannes Pfefferkorn (1469–1521) verstärkt auf die systematische Verbrennung jüdischer Bücher. Bei den hierdurch ausgelösten Ereignissen stand neben prominenten Theologen der Zeit auch Johannes Reuchlin an vorderster Front.
Johannes Pfefferkorn wurde als Jude geboren. Bevor er 1504 zum Christentum konvertierte, verdiente er viele Jahre seinen Lebensunterhalt mit kleineren Geld- und Handelsgeschäften. Danach war er in der Judenmission tätig und reiste von einer Stadt zur nächsten, um so viele Juden wie möglich zum Christentum zu bekehren.





Speculum adhortationis iudaice ad Christu

Johannes Pfefferkorn, 1507, Speyer

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Karlsruhe, BLB, 76 A 8486 RH
Werk Pfefferkorn.jpg
Der Judenspiegel, 1508 (Titelblatt)


Johannes Pfefferkorn veröffentlichte von 1507 bis 1509 mit Hilfe der theologischen Fakultät der Universität Köln vier antijüdische Schmähschriften: „Der Judenspiegel“, „Die Judenbeichte“, „Wie die Juden Ihr Ostern Feiern“ und „Der Judenfeind“.
Um die Wirkung seiner hetzerischen Pamphlete zu erhöhen, war es ihm ein Anliegen, dass diese neben Latein auch in zwei deutschen Mundarten erschienen. Er selbst konnte kein Latein und benötigte daher für eine lateinische Veröffentlichung seiner Texte Hilfe.
Im August 1509 erhielt Johannes Pfefferkorn einen offiziellen Auftrag des Königs zur Beschlagnahmung aller jüdischen Schriften in Deutschland (Mandat von Padua).



Uriel von Gemmingen

Eberhard Kieser (Verleger)
, Druckgraphik, 1609-1625

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Herzog Anton Ulrich-Museum

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Herzog Anton Ulrich-Museum

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Braunschweig, Herzog Anton Ulrich-Museum, EKieser Verlag AB 3.98
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Uriel von Gemmingen
Das Mandat von Padua scheiterte infolge von rechtlichen und politischen Hindernissen und die Konfiszierung von jüdischen Büchern stoppte. Es folgte eine Reihe weiterer Mandate:
  • Mit dem Mandat von Roveredo übertrug der Kaiser dem Erzbischof von Mainz, Uriel von Gemmingen (1468–1514), die Oberaufsicht über die neuen antijüdischen Maßnahmen.
  • Nach weiteren Protesten folgte das Mandat vom 23. Mai 1510. Jüdische Bücher sollten demnach ihren Besitzern zurückgegeben werden.
  • Das Mandat von Füssen vom 6. Juli 1510 legte schließlich fest, dass vier Universitäten (Erfurt, Heidelberg, Köln und Mainz) und drei Gelehrte (Victor von Carben, Jakob van Hoogstraten, Johannes Reuchlin) die Konfiszierungspolitik aus theologischer und rechtlicher Perspektive begutachten sollten.
Johannes Pfefferkorn ging aufgrund von Reuchlins Aussagen über die Stellung des Judentums wohl davon aus, dass dieser ihn in seinem Gutachten unterstützen würde.




eyn costliche disputatz eynes gelerten Cristen vnd eyns gelerten Jude[n], darinne alle Irthumb der Juden durch yr aygen schrifft aufgelost werden

1510, Köln

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Karlsruhe, BLB, 42 A 1237 RH

Die Gutachter

Victor von Carben (1422–1515) war ursprünglich ein deutscher Rabbiner, der jedoch 1482 vom Judentum zum katholischen Glauben übertrat und anschließend Priester wurde. Nachdem er konvertiert war, unterstützte er die Vertreibung von Juden aus verschiedenen deutschen Städten. In seinem 1508 veröffentlichten Werk „Das Judenbüchlein“ beschrieb er die Lebensumstände und Bräuche der Juden im Hinblick auf ihre Bekehrung.



Acta judiciorum inter F. Jacobum Hochstraten inquisitorum Coloniensium et Johannem Reuchlin

Jakob van Hoostraten, Johannes Reuchlin, 1518, Hagenau

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Karlsruhe, BLB, 42A 1205 RH

Jakob van Hoogstraten (1460–1527) war Dominikanermönch, Theologe und päpstlicher Inquisitor. Er warf Johannes Reuchlin vor, durch seine Arbeiten dem Ansehen der christlichen Theologie geschadet und zudem die Ketzerei begünstigt zu haben. Durch seine Anschuldigungen versuchte er Reuchlin zu diskreditieren und machte sich hierzu die Abneigung der anderen Dominikaner gegenüber Juden zunutze. Zudem gehörte Jakob van Hoogstraten zu Pfefferkorns engsten Vertrauten.

Man soll die Bücher der Juden nicht verbrennen, und man soll sie im Gespräch durch vernünftig vorgebrachte Gründe in Sanftmut und Güte mit Gottes Hilfe zu unserem Glauben führen.

Johannes Reuchlin, Ratschlag, ob man den Juden alle ire bücher nemmen, abthun und verbrennen soll, 1511

zitiert nach: Johannes Reuchlin. Deutschlands erster Humanist. Hrsg. und übers. von Hans-Rüdiger Schwab. München 1998, S. 174.





Ratschlag ob man den Juden alle ire buecher nemmen, abthun und verbrennen

Johannes Reuchlin, 1511

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Karlsruhe, BLB, 42 A 1237 RH
Ratschlag.jpg
Ratschlag ob man den Juden alle ire buecher nemmen, abthun und verbrennen, 1511

Reuchlins Gutachten

In seinem Gutachten 1511 appellierte Johannes Reuchlin dafür, die jüdischen Schriften zu akzeptieren, ausgenommen jene, die das Christentum verschmähen würden.
Bedeutend ist Reuchlins Aussage, dass mit diesen Schmähschriften nicht anders zu verfahren sei als mit denen christlicher Autoren, da die Anhänger beider Glaubensgemeinschaften in seinen Augen gleichrangige Untertanen des Kaisers und Bewohner des Heiligen Römischen Reichs waren. Reuchlin verfolgte hierbei eine rein juristische Argumentation.





Handt-Spiegel wider die Juden, und Jüdischen Thalmudischen Schrifften

Johannes Pfefferkorn, 1512, Mainz

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Kurzbeschreibung
München, BSB, VD16 P 2294
v2_bsb00004425_00001_full_full_0_default.jpg
Der Handtspiegel, 1511 (Ausschnitt des Titelblatts)


Die Reaktion Pfefferkorns

Die Empörung Pfefferkorns war groß, als Reuchlins Gutachten in seine Hände fiel.
Gemeinsam mit Jakob van Hoogstraten veröffentlichte Johannes Pfefferkorn den „Handtspiegel“.
In diesem zogen sie Johannes Reuchlins Glaubensstärke und seine Hebräischkenntnisse in Zweifel.
Auch griffen sie Reuchlin als Menschen und Gelehrten an, um das Vertrauen in seine Person und sein Gutachten zunichte zu machen. Juden wurden im „Handtspiegel“ nicht nur als Gotteslästerer und Ketzer beschrieben, sondern auch als Todfeinde der europäischen Christen.



Der Augenspiegel

Johannes Reuchlin, 1511

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Karlsruhe, BLB, 42 A 1237 RH
Augenspiegel.jpg
Der Augenspiegel, 1511 (Ausschnitt des Titelblatts)

Diesen Affront ließ Reuchlin wiederum nicht auf sich sitzen und veröffentlichte als Antwort kurze Zeit später den „Augenspiegel“.
Der Hauptbestandteil dieses Werkes ist das Gutachten selbst. Reuchlin wiederholt noch einmal, dass er vom Kaiser aufgefordert worden sei, ein Gutachten zu schreiben, welches Pfefferkorn jedoch unzulässigerweise öffentlich gemacht und verrissen habe, wogegen Reuchlin sich nun verteidige.
Das Wort „Augenspiegel“ verdeutlicht eine Brille, die das Titelblatt des Werkes ziert. Wegen der Schönheit seines Druckbildes, vor allem aber wegen seines Inhalts zählt der „Augenspiegel“ zu den bedeutendsten Erzeugnissen des deutschen Buchdrucks dieser Zeit.
Auf die Beleidigungen von Johannes Pfefferkorn und Jakob van Hoogstraten antwortete Johannes Reuchlin mit Gegenvorwürfen. Die beiden antijüdischen Polemiker seien von Ignoranz und Vorurteilen geprägt, da sie die hebräische Sprache nicht beherrschten. Erst durch deren Studium würde ein Verständnis entstehen, wie es Johannes Reuchlin bereits besäße.
Infolge dieser gegenseitigen Schmähschriften entwickelte sich ein mehrjähriger erbitterter Streitschriftenkrieg zwischen Befürwortern Reuchlins und Anhängern Pfefferkorns.



Weiterer Verlauf des Konflikts

Im September 1513 kam es zu einem Inquisitionsprozess gegen Reuchlin und seinen Augenspiegel, der durch Jakob van Hoogstraten initiiert wurde.
Der von Papst Leo X. mit der Prüfung beauftragte Bischof von Speyer sprach im März 1514 den Augenspiegel von allen Vorwürfen frei und Hoogstraten wurden die Prozesskosten von 111 Goldgulden auferlegt.
Aufgrund eines kaiserlichen Mandats fehlte jedoch die letzte Bekräftigung, sodass das Urteil in der Schwebe blieb.





Defensio Joannis Reuchlin Phorcensis LL. Doctoris Contra Calvmniatores Svos Colonienses

Johannes Reuchlin, 1514, Tübingen

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Karlsruhe, BLB, O 42 A 659 R
Defensio.jpg
Verteidigung Johannes Reuchlins, 1514


In demselben Jahr, in dem Johannes Reuchlins Augenspiegel von allen Anklagepunkten freigesprochen wurde, veröffentlichte er eine an den Kaiser gerichtete Verteidigung für sein Verhalten im Judenbücherstreit, die zudem eine Anklageschrift gegen seine Kontrahenten beinhaltete.
Der Text dieser Anklage ist geprägt von Provokationen. Reuchlin nannte die Juden nicht mehr nur Mitbürger mit gleichen Rechten, sondern als Brüder, die in den Gebeten der Christen verleumdet würden. Er ging noch einen Schritt weiter und bezeichnete die Juden als ein Volk, das sich genauer an seine Religion halten würde als jede andere Glaubensgemeinschaft, inklusive des Christentums.
Persönlich griff Reuchlin seine Gegner an, indem er beispielsweise die gängige lateinische Bezeichnung für die Dominikaner „praedicatores“ (Predigermönche) durch das Wort „paedicatores“ (Knabenschänder) ersetzte.
Trotz der immer vehementeren Verteidigung des Judentums blieb er selbst fest bei seinem christlichen Glauben.



Beschyrmung Johannes Pfefferkorn (den man nyt verbrant hat) zeygt mennig lichen an den loblichen handel von ym geuebt zwyschen ym vnd wy der Johan Reuleyn vnd der trulosen juden zu sambt yeen mithelffers ...

Johannes Pfefferkorn, 1515, Köln

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Kurzbeschreibung
München, BSB, Augsburg, Staats- und Stadtbibliothek -- 4 Jud 110
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Als Antwort auf Reuchlins "Defensio": Verteidigung Johannes Pfefferkorns, 1515


De arte cabalistica

Johannes Reuchlin, 1517, Hagenau

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Karlsruhe, BLB, 98 B 76192 RH
De arte cabalistica.jpg
De arte cabalistica, 1517 (Titelblatt)

De arte cabalistica

Mitten im Judenbücherstreit veröffentlichte Reuchlin 1517 ein weiteres Werk und widmete dieses Papst Leo X., den er um Hilfe gegen seine Angreifer um Pfefferkorn herum bat.
In "De arte cabalistica" stellte Reuchlin die Kabbala als das am besten geeignete Mittel zur Ergründung der biblischen Inhalte dar.
Mit der Figur des Simon, einem fiktiven Rabbiner aus Frankfurt, zeichnete Johannes Reuchlin das Idealbild des gelehrten Juden. Dieser unterhält sich in der Schrift mit einem Mohammedaner und einem Pythagoräer.
Das Gespräch endet ohne die Konversion des Juden und legt damit die Möglichkeit nahe, die christliche Theologie zu bereichern, ohne das Judentum auszulöschen.
Zwar ist das Werk auf Latein geschrieben, doch der fiktive Dialog gibt dem Judentum eine Stimme, die für Christen verständlich sein sollte.
Der Versuch Reuchlins, Judentum und Christentum zu verbinden, indem er die Kabbala in die christliche Theologie integrierte, war zu seiner Zeit einzigartig.





Ajn mitleydliche claeg vber alle claeg an vnsern allergnedichsten Kayser vnd gantze deutsche Nacion : Durch Johannes Pfefferkorn gegen den ungetruwen Johan Reuchlin, unnd wydder seynen falschen raytschlack, vurmalß vur die trewloißen Juden und wydder mich geübt, und...

Johannes Pfefferkorn, 1521, Köln

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Kurzbeschreibung
München, BSB, VD16 P 2317
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Eyn mitleidliche Claeg, 1521 (Ausschnitt des Titelblatts)

Das Ende - Eyn mitleidliche Claeg

Trotz der Hilfegesuche Reuchlins bei Papst Leo X. hob dieser das zugunsten Reuchlins gesprochene Urteil auf und verurteilte den „Augenspiegel“ am 23. Juni 1520 als skandalöses Buch, das die frommen Christen beleidige und die gottlosen Juden unterstütze. Johannes Reuchlin musste zudem die Prozesskosten tragen.
Er fügte sich dem Urteil stillschweigend, zumal die viel schwerer wiegende Anklage wegen Häresie und Ketzerei gegen ihn fallengelassen wurde.
Johannes Pfefferkorn, der sich nun als Sieger sah, veröffentlichte 1521 seine letzte Schrift „Ein mitleidliche Klag“, in der er Johannes Reuchlin nicht nur als vor ihm knienden Mann darstellte, sondern auch als Lehrer, der zu seinen Schülern mit gespaltener Zunge spricht, oder als zerstückelten Leichnam.





Ajn mitleydliche claeg vber alle claeg an vnsern allergnedichsten Kayser vnd gantze deutsche Nacion : Durch Johannes Pfefferkorn gegen den ungetruwen Johan Reuchlin, unnd wydder seynen falschen raytschlack, vurmalß vur die trewloißen Juden und wydder mich geübt, und...

Johannes Pfefferkorn, 1521, Köln

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Kurzbeschreibung
München, BSB, VD16 P 2317
v2_bsb11404532_00014_full_full_0_default.jpg
Reuchlin mit gespaltener Zunge. Mit der einen würde er die Juden beschuldigen, mit der anderen beschützen


Ajn mitleydliche claeg vber alle claeg an vnsern allergnedichsten Kayser vnd gantze deutsche Nacion : Durch Johannes Pfefferkorn gegen den ungetruwen Johan Reuchlin, unnd wydder seynen falschen raytschlack, vurmalß vur die trewloißen Juden und wydder mich geübt, und...

Johannes Pfefferkorn, 1521, Köln

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Kurzbeschreibung
München, BSB, VD16 P 2317
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Zerstückelter Leichnam Reuchlins, der Kopf wird gerade vom Rumpf abgetrennt. Pfefferkorn deutet auf den am Boden liegenden Augenspiegel


Iohannis Reuchlin viri clarissimi Encomion: Triumphanti illi ex deuictis obscuris viris : id est Theologistis Coloniensibus et Fratribus de ordine Praedicatorum

Ulrich von Hutten, Johannes Reuchlin, 1518, Hagenau

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Karlsruhe, BLB, O 42 A 599 RH
Dunkelmännerbriefe.jpg
Die Dunkelmännerbriefe, 1518


1518 erschienen die „Dunkelmännerbriefe“ (lat. Epistolae obscurorum virorum) ohne Nennung des Herausgebers. Sie enthalten 110 fingierte Briefe, die angeblich eine Reihe von antijüdischen Dominikanern aus verschiedenen deutschen Städten hauptsächlich an Ortuin Gratius, einen Verbündeten Pfefferkorns, schrieben, um ihm unter anderem ihre vermeintliche Solidarität im Judenbücherstreit mit Reuchlin zu versichern.
Die Texte sind satirisch und in so fehlerhaftem Latein verfasst, dass die vermeintlichen Autoren wohl besonders provoziert werden sollten. Auch ihre Namen wurden verballhornt.
Die Absender geben sich nämlich durch ihre Namen als widerliche Person zu erkennen (z.  B. „Caprimulgius“ (Ziegenmelker) und „Melliambius“ (Honiglecker)).
1520 verbot Papst Leo X. schließlich die weitere Verbreitung der „Dunkelmännerbriefe“, die bis heute eine der boshaftesten intellektuellen Satiren gegen Intoleranz und die veraltete Bildungswelt sind.
Der Titel bezieht sich auf die 1514 von Reuchlin veröffentlichten „Briefe berühmter Männer“ (lat. Clarorum virorum epistolae).



Iohannes Revchlinvs: V.I.D. Triumvir Sueviæ. nat. d. 28. Dec. 1445. denat d. 30. Aug. 1521 / Ioh. Iac. Haid excud

Johann Jakob Haid (Stecher), Johannes Reuchlin
, 1750-1760?

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Kurzbeschreibung
Karlsruhe, BLB, Graph Slg 3230
6787675.jpg
Johannes Reuchlin

1521 kehrte Johannes Reuchlin nach Tübingen zurück und übernahm die Professur für Hebräisch und Griechisch. Am 30. Juni 1522 verstarb er in Stuttgart.





Statue Johannes Reuchlin in Pforzheim

Pforzheim

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Wikimedia Commons

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Wikimedia Commons/ Augenstein

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Johannes_Reuchlin_1455-1522_-_panoramio.jpg
Statue Johannes Reuchlins in Pforzheim

Reuchlins Nachwirken

Auch wenn Johannes Reuchlin im heutigen Nationalbewusstsein neben anderen Größen seiner Zeit kaum eine Rolle spielt, können Spuren seiner Person in ganz Deutschland und auch über die Grenzen hinaus entdeckt werden.
So finden sich Inschriften, Straßennamen oder gar Schulbenennungen unter anderem in Tübingen, Stuttgart, Paris oder auch in Linz an der Donau.
Als "Sohn Pforzheims" sind Johannes Reuchlin und die Erinnerung an ihn besonders in seiner Geburtsstadt anzutreffen.
Obwohl sein Wirken die Grundlagen der Moderne, wie Geistesfreiheit, wissenschaftliche Verantwortung und Toleranz vorwegnimmt, findet sich sein Name nur sporadisch in Schulbüchern.
Derzeit wieder einmal besonders aktuell ist die Position, die der Humanist innerhalb der Antijudaismus-Debatte einnahm. Als Erforscher des Judentums, seiner Texte, Sprache und Kultur, steht Johannes Reuchlin für den Beweis, dass vermeintlich Fremdes die eigene Welt ergänzen kann und nicht bedrohen muss.



Eine virtuelle Ausstellung von

Die Ausstellung entstand als Nachwuchsprojekt in der Badischen Landesbibliothek und wurde von einer studentischen Mitarbeiterin und einer FSJ Kultur weitgehend selbstständig konzipiert und umgesetzt.

Team

Kuratorin: Kira Epple B.A.
(unter Mithilfe von Janina Becker)

Koordination: Dr. Annika Stello
Erstellt mit :
DDB Studio
Ein Service von:
DDB Studio

Diese Ausstellung wurde am 26.07.2022 veröffentlicht.



Impressum

Die virtuelle Ausstellung Fort damit? wird veröffentlicht von:

Badische Landesbibliothek
Erbprinzenstraße 15
76133 Karlsruhe
gesetzlich vertreten durch

Dr. Julia Freifrau Hiller von Gaertringen (Leitende Bibliotheksdirektorin), Dr. Volker Wittenauer (Stellvertretender Bibliotheksdirektor)

Telefon: +49 721 175-2201
Fax: +49 721 175-2333
E-Mail:  direktion@blb-karlsruhe.de

Inhaltlich verantwortlich:
Dr. Julia Freifrau Hiller von Gaertringen
Erbprinzenstraße 15
76133 Karlsruhe

Kurator*innen:
Kira Epple

 

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