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Eine Gegend wie ein Dichtertraum

Fundstücke aus der Sammlung Fritz Hellwig

Eine virtuelle Ausstellung von

Eine Gegend wie ein Dichtertraum: Fundstücke aus der Sammlung Fritz Hellwig

Besonders zu Beginn des 19. Jahrhunderts übte das Rheintal eine starke Faszination auf Dichter, Maler und Zeichner aus. Hier fanden sie eine unverfälschte, ursprüngliche Landschaft, die ihren romantischen Vorstellungen entsprach. Dies spiegelt sich in einer Fülle von künstlerischen Zeugnissen in Bildform, Literatur oder musikalischen Umsetzungen. Das romantische Erscheinungsbild der Landschaft und seine Interpretation in Kunstwerken prägte den Begriff der „Rheinromantik“.

In den Jahren 1997 und 1998 konnte die Rheinische Landesbibliothek eine wertvolle Sammlung illustrierter Rheinbücher aus dem Besitz von Prof. Dr. Fritz Hellwig (1912-2017) erwerben. Es handelt sich um ca. 320 Werke, illustrierte Rheinbücher, -panoramen und Reiseführer, bezogen auf den gesamten Rheinlauf, wobei der inhaltliche Schwerpunkt auf dem Mittelrhein-Gebiet liegt. Die Werke sind nahezu alle im 18. und 19. Jahrhundert erschienen und enthalten wertvolle Originalgraphik. Dazu gehört auch ein Konvolut von Zeichnungen und Aquarellen, die im Zusammenhang mit den illustrierten Rheinbüchern stehen. Ein Teil davon sind die Original-Vorlagen für die bekannten Rheinalben.

Von handgeschriebenen Reisetagebüchern und Reiseskizzen des 19. Jahrhunderts hin zu wertvollen illustrierten Rheinbüchern präsentiert die Ausstellung interessante Fundstücke aus der Sammlung Fritz Hellwig, in denen sich die Ideale der Romantik wiederfinden.

Alle Exponate sind bereits digitalisiert und im Portal dilibri (www.dilibri.de) zu finden.

Schreiben auf Reisen – Reisetagebücher des 19. Jahrhunderts

Das Tagebuchschreiben im heutigen Sinn setzte in Europa erst mit der Renaissance ein, als sich der Mensch erstmals seiner Individualität bewusst wurde. Damals wurde er auch Zeuge neuer Entwicklungen und Erfahrungen, deren Eindrücke er in Beobachtungs- oder Reisejournalen verarbeitete.

Diese frühen Tagebücher ähnelten einer Chronik, in der die Beobachtung an erster Stelle steht, nicht die Reflexion. Ab dem 18. Jahrhundert wurden Tagebücher subjektiver. Die Aufklärung stärkte die Tendenz des Tagebuches zum persönlichen Rechenschaftsbericht, während im Pietismus vornehmlich auch religiöse Tagebücher entstanden. Seit dem 16. und 17. Jahrhundert verbreitete sich das Stammbuch (album amicorum), das stets mitgeführt wurde, auch bei Reisen. Es enthielt Angaben über die zurückgelegten Wege, eigene Zeichnungen, unterwegs kontaktierte Personen oder Gedichte. Es konnten auch Zitate aus Texten der Region, Dokumente, Bilder, aber auch Blätter und gepresste Pflanzen als Collagen eingefügt sein. In der Regel war es nicht für eine Veröffentlichung bestimmt, sondern ein persönliches Zeugnis und Erinnerungsstück. Das Tagebuch bewährte sich als besonders geeignete Form der Reisebeschreibung und hatte seine Blütezeit im 19. Jahrhunderts. Heute lebt es in virtueller Form in Reiseblogs und Online-Reisejournalen weiter.

Tagebuch während einer Rheinreise von September bis Dezember 1855

Tagebuch des Reverend Julian, Kaplan in Koblenz, während einer Rheinreise von September bis Dezember 1855; mit zahlreichen Ansichten von Mainz, Homburg, Frankfurt, Koblenz, Neuwied sowie Landschaftsdarstellungen des Rhein- und Ahrtals. 212 Seiten. 17 weitere Blätter; mit 96 monierten Tafeln in Stahlstich, Aquatinta-Radierung und Lithographie, 7 Kartenausschnitten, zahlreichen montierten Textausschnitten, einigen gepressten Pflanzen sowie mehreren kleinen Zeichnungen des Verfassers.

https://www.dilibri.de/dilibri_kalliope/content/titleinfo/2341953

Memoranda of recollections of a three weeks tour from London to Frankfort and back. Sept. 20 to October 13, 1834

Reisetagebuch eines englischen Reisenden 1834. Die Reise ging von Ostende über Belgien an den Rhein bis Frankfurt. 165 Seiten, davon 24 Seiten mit Abbildungen, Tuschezeichnungen und Aquarellen des Verfassers. Dargestellt sind z. B. das Siebengebirge, Hammerstein, Ehrenbreitstein, die Loreley, Mainz.

https://www.dilibri.de/dilibri_kalliope/content/titleinfo/2454289

Zentner, Karl Heinrich: Reisetagebuch. Koblenz 1846 – ca. 1855

Karl Heinrich Zentner, am 28.11.1830 in Koblenz geboren, am 12.11.1896 in Colmar gestorben, war Senatspräsident in Colmar. Die zahlreichen Reiseberichte von der Hand des jungen Zentner beschreiben meist kürzere Reisen und Ausflüge von Koblenz nach Andernach, Remagen, der Burg Eltz, Bad Soden, Köln, Niederwald; eine Reise als Student nach Schwaben sowie zwei größere Reisen: zur Weltausstellung 1851 nach London und eine nach Ostdeutschland (Magdeburg, Leipzig, Potsdam, Berlin u.a.).

https://www.dilibri.de/dilibri_kalliope/content/titleinfo/2323389


Von Koblenz nach Andernach und Remagen
Von Bingen bis Biebrich

Durand-Claye, Alfred Augustin: Belgique, Hollande et Bords du Rhin

Alfred Augustin Durand-Claye (1841-1888) war ein französischer Ingenieur, Chefingenieur der Stadt Paris und maßgeblich an der Sanierung der Seine in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts beteiligt. Handschriftliches Tagebuch seiner Reise nach Belgien, Holland und an den Rhein. Von Aachen kommend reiste er über Köln, Bonn nach Koblenz, weiter über die Stationen Lahnstein, Bingen, Biebrich, Wiesbaden, Mainz, Frankfurt bis Baden-Baden. Beschreibung der Sehenswürdigkeiten und Denkmäler, Ausflüge in die Umgebung, kurze Bewertung der Hotels. Mit 23 Abbildungen, meist Bleistiftzeichnungen, die Städteansichten oder Denkmäler zeigen.

https://www.dilibri.de/dilibri_kalliope/content/titleinfo/2393576  

Zeichnen auf Reisen: Zeichnungen und Aquarelle des 19. Jahrhunderts

Die Aufklärung und ihr Anspruch auf eine umfassende Bildung führten dazu, dass das Zeichnen zum guten Ton gehörte und in der Ausbildung junger Menschen aus dem Bildungsbürgertum einen festen Platz einnahm. Auch Laien erreichten durch die intensive Praxis des Zeichnens ein hohes künstlerisches Niveau. Ihre Nähe zum Schreiben machte die Zeichnung besonders beliebt, oft standen – wie im Reisetagebuch – handgeschriebener Text und gezeichnete Abbildung nebeneinander und ergänzten sich in der inhaltlichen Aussage.

Zeichnungen entstanden auch in geselligen Runden, beispielsweise in den literarischen Salons, wo man gemeinsam Zeichnungen und andere Kunstwerke betrachtete und darüber diskutierte. Die Zeichenkunst erreichte im 19. Jahrhundert einen Höhepunkt. Künstler und auch Reisende aus dem Bildungsbürgertum nahmen ihren Skizzenblock mit auf Reisen und fingen so ihre Eindrücke spontan ein, was den Zeichnungen eine Natürlichkeit verleiht, die Gemälde oder Druckgraphik nicht vermitteln.

In der Sammlung Fritz Hellwig finden sich ca. 250 Zeichnungen und andere Blätter, die zum Teil von bekannten Künstlern wie Caspar Scheuren, Jakob Fürchtegott Dielmann u.a. stammen. Das Spektrum reicht von Skizzen von anonymen Reisenden bis hin zu meisterhaft ausgeführten Zeichnungen und Aquarellen, die als eigene Kunstwerke gelten können.

Von der Zeichnung zur illustrierten Rheinbeschreibung: Vorzeichnungen zu illustrierten Rheinbüchern

Nach den frühen Rheinbeschreibungen des 17. und 18. Jahrhunderts, die noch in der Tradition der Kriegsberichterstattung standen, setze sich Ende des 18. Jahrhunderts die illustrierte Rheinbeschreibung durch, die in einer Kombination von Text und Bild dem Leser einen vollständigen Eindruck der Landschaft vor Augen führen wollte. Zeichnungen und Aquarelle stellten meist die Vorstufen zu später ausgeführten graphischen Arbeiten in den illustrierten Rheinbüchern dar.

Die Ausstellung dokumentiert dies an verschiedenen Beispielen. So sind Sepiazeichnungen von William Tombleson (1795-1846) zu sehen, die in dem Werk „Tombleson`s views of the Rhine“ (1832) in Stahlstiche umgesetzt wurden. Samuel Prouts (1783-1852) Aquarelle vom Rhein wurden in dem Werk „Illustrations of the Rhine“ in den Jahren 1822-26 bei Ackermann in London als Lithographien veröffentlicht. Die Kohlezeichnungen und Lithographien von James Duffield Harding (1798-1863) bildeten die Grundlage für das Werk „Harding`s sketches at home and abroad“ (London 1836).

Häufig setzten die Künstler, die die Originalvorlagen als Zeichnung oder Aquarell angefertigt hatten, sie nicht selbst in Graphik um. So schuf z. B. William Tombleson sämtliche Vorzeichnungen zu seinem Werk „Tomleson´s views fo the Rhine“; an der Umsetzung in Stahlstiche waren aber fast 50 englische Stecher beteiligt.

Berühmte illustrierte Rheinbücher des 19. Jahrhunderts aus der Sammlung Hellwig

Mit Beginn des internationalen Rheintourismus im dritten Jahrzehnt des neunzehnten Jahrhunderts und der rasanten Steigerung der Zahl der Reisenden nach der Einführung der regulären Dampfschifffahrt 1827 stieg der Bedarf an illustrierten Rheinbeschreibungen rapide an. Führend in der künstlerischen Schilderung der Rheinlandschaft waren die Engländer. Während die topographische Druckgraphik auf dem Kontinent eher als Nebenprodukt eines auf die Malerei konzentrierten künstlerischen Gestaltungswillens galt, beschäftigten sich in England renommierte Künstler mit diesem Subjet. In der Handhabung und Perfektionierung der druckgraphischen Techniken dominierten sie ebenso.

Die Ausstellung zeigt berühmte illustrierte Rheinbücher aus dieser Zeit, so die englische Ausgabe des bereits 1819 erschienen Werkes „Die Rheingegenden von Mainz bis Köln“, von Johann Isaak von Gerning, die als Prachtausgabe unter dem Titel „A Picturesque Tour along the Rhine, from Mentz to Cologne“ 1820 beim Londoner Verleger Ackermann publiziert wurde. Präsentiert wird auch die erste Rheinbeschreibung mit Stahlstichen, 1826 in London erschienen. Die Illustrationen für diese Ausgabe stammen von dem englischen Künstler Robert Batty (1789-1848). Das wohl originellste Rheinansichten-Werk brachte 1833 der Frankfurter Verleger Friedrich Carl Vogel als „Vogels Rheinpanorama“ auf den Markt. In einer Gesamtlänge von 21 Metern wurde jeweils das rechte und das linke Rheinufer von Mainz bis Koblenz durchgehend von Jakob Fürchtegott Dielmann (1809-1885) und Jakob Becker (1810-1872) gezeichnet und auf dieser Grundlage wurden Lithographien für die Druck-ausgabe angefertigt.

Gerning, Johann Isaac von: A picturesque tour along the Rhine from Mentz to Cologne

Bei dem vorliegenden Werk handelt es sich um die englische Ausgabe des bereits 1819 erschienen Werkes Die Rheingegenden von Mainz bis Köln. Diese Prachtausgabe, 1820 beim Londoner Verleger Ackermann erschienen, enthält neben Gernings Text 24 farbige Aquatintablätter, die die englischen Graphiker Thomas Sutherland und Daniel Havell nach den Vorlagen des Künstlers Christian Georg Schütz dem Jüngeren fertigten.

https://www.dilibri.de/rlb/content/titleinfo/202322?query=gerning

Batty, Robert: Scenery of the Rhine, Belgium and Holland

Es handelt sich bei diesem Werk um die erste Rheinbeschreibung, die  mit Stahlstichen illustriert wurde. Die Vorlagen stammen von dem Landschaftszeichner und Illustrator Robert Batty (1789-1848). 23 der insgesamt 60 Stahlstiche stellen Motive am Mittelrhein dar. Das Buch entstand in den Jahren 1824 bis 1826 und kam in 12 Lieferungen zu je 5 Blatt auf den Markt. Auf jedem Blatt finden sich Hinweise auf Zeichner und Stecher, der genaue Titel und das Datum der Drucklegung.

https://www.dilibri.de/rlb/content/titleinfo/56509?query=scenery%20rhine%20belgium


Lasinsky, Johann Adolph: Sketchbook

Von diesem Skizzenbuch erschienen 1829 bei Jügel neben einer deutschen Ausgabe auch eine französische und die vorliegende englische Ausgabe. Die Lithographien nach den Zeichnungen von Johann Adolph Lasinsky (1808-1871) sind auf Umrisslinien reduziert, was in den illustrierten Rheinbüchern der Zeit eher ungewöhnlich war. Lasinsky stellt das Leben am Rhein und die dort arbeitenden und lebenden Menschen in den Mittelpunkt seiner Darstellungen.

https://www.dilibri.de/rlb/content/titleinfo/8067

Lasinsky, Johann Adolph: [Rhein-Ansichten]

In diesem Band wurden die Zeichnungen von Johann Adolph Lasinsky (1808-1871) von dem Schweizer Graphiker Rudolf Bodmer (1805-1841) in Aquatinta umgesetzt. Das Werk erschien als reiner Bildband ohne erläuternden Text. Gezeigt werden die beliebten traditionellen Ansichten des Rheins. Von Koblenz finden sich neben einer Stadtansicht auch Ansichten einzelner Gebäude und Plätze.

https://www.dilibri.de/rlb/content/titleinfo/56786

Knight, Charles Raleigh: Scenery of the Rine

Charles Raleigh Knight (genaue Lebensdaten unbekannt) war Captain im englischen Regiment und Amateurzeichner. Dementsprechend finden sich auf seinen Abbildungen zahlreiche Soldaten als Staffagefiguren. Seine auf einer Reise 1846 entstandenen Zeichnungen wurden in Lithographien umgesetzt und in der vorliegenden Prachtausgabe in London veröffentlicht. Jeder Abbildung ist eine Seite mit kurzen Informationen für Reisende beigefügt

https://www.dilibri.de/rlb/content/titleinfo/3666?query=scenery%20the%20rhine

Deroy, Isidore Laurent: Les bords du Rhin

Ein Beispiel für ein französisches Rhein-Reisebuch ist das Werk Les bords du Rhin von Laurent Isidore Deroy (1797-1886). Es zählt zu den späten großformatigen Ansichtswerken des Rheins. Deroy setzte seine Zeichnungen für den Band nahezu alle selbst in Lithographien um, bis auf eine Stadtansicht von Frankfurt und eine von Koblenz, die von J. Asselineau (1809-1889) lithographiert wurden.

https://www.dilibri.de/rlb/content/titleinfo/61379

Henry Mayhew: The lower Rhine and its picturesque scenery

Mit dem 1856 in erster Auflage erschienen Werk von Henry Mayhew als Autor und Myles Birket Forster als Illustrator liegt hier in der zweiten Auflage eines der letzten romantischen Rheinbücher aus englischer Hand vor. Das ursprünglich einbändige Werk wurde für die zweite Auflage in zwei Reisehandbücher unterteilt: The lower Rhine (Rotterdam bis Mainz), The upper Rhine (Mainz bis Bodensee). Der uns hier interessierende erste Teil enthält 386 Seiten Text und zwanzig Stahlstiche. Die Zeichnungen stammen von dem Landschaftsmaler und Graphiker Myles Birket Forster (1825-1899).

https://digital.ub.uni-duesseldorf.de/urn/urn:nbn:de:hbz:061:1-74910

F. C. Vogels Panorama des Rheins oder Ansichten des rechten und linken Rheinufers von Mainz bis Koblenz

Das wohl originellste Rheinansichten-Werk brachte 1833 der Frankfurter Verleger Friedrich Carl Vogel auf den Markt. In einer Gesamtlänge von 21 Metern waren jeweils das rechte und das linke Rheinufer von Mainz bis Koblenz von den Frankfurter Künstlern Jakob Fürchtegott Dielmann (1809-1885) und Jakob Becker (1810-1872) durchgehend gezeichnet und von Becker und A. Fay lithographiert worden. Die Ansichten zeigen in realistischer und detailgetreuer Wiedergabe die beiden Uferstrecken. Rheininseln konnten mittels ausklappbarer Einsätze eingefügt oder weggeblendet werden.

https://www.dilibri.de/rlb/content/titleinfo/3130