Trude Stolp-Seitz (1913 - 2004)
Malerei als Fest
Eine virtuelle Ausstellung von
Trude Stolp-Seitz ist in Mannheim und Umgebung noch immer sehr geschätzt. Viele Menschen erinnern sich noch gut an die resolute, zupackende „Grande Dame“, die sich sehr energisch um Ausstellungen ihrer Arbeiten kümmern konnte.
Mit Leidenschaft hat sie gemalt und von farbiger Leidenschaft sind auch ihre Arbeiten.
Ihr Vater, der Lehrer Fritz Seitz, war selbst Maler und Musiker. Er stirbt, als sie zwei Jahre alt ist. Die Staffelei und Farben des Vaters werden im Mansardenzimmer in der Stamitzstraße 17 in Mannheim gehütet und üben auf alle drei Kinder eine große Faszination aus. Und bereits in der Grundschule zeigt sich, dass Trude Seitz das große Talent vom Vater geerbt hat.
Trude wächst in einem stark christlich-katholisch geprägten familiären Umfeld auf, was sie – bis zum Ende ihres Lebens – maßgeblich im Hinblick auf Religiosität und soziale Verantwortung prägt.
Nach der Schule macht eine Ausbildung zur examinierten Gesundheitsfürsorgerin und Säuglingspflegerin. Von 1935 bis 1947 arbeitet sie als Gesundheitsfürsorgerin in verschiedenen Einrichtungen, u.a. in Ludwigshafen am Rhein.
Erste Ausstellung I
1946 nimmt sie als Autodidaktin an der ersten Kunstausstellung der Stadt Ludwigshafen nach dem Krieg im Don-Bosco-Haus teil – in ‚guter Gesellschaft‘ mit Arbeiten von Otto Dill, Rudolf Scharpf, Ernst Graser und anderen bekannten Pfälzer Künstlern. Sie zeigt drei Aquarelle: „Kastanienblüten“, „Feldblumenstrauß“ und „Vor dem Gewitter“.
1947 entschließt sie sich dann zu einer Ausbildung an der Freien Akademie in Mannheim und besucht die Meisterklasse von Paul Berger-Bergner.
Ihre frühen Arbeiten sind typisch für die Zeit: Stillleben, Landschaften, Porträts – aber sie zeigen bereits eine gewisse Neigung zur Verformung, Verfremdung und Abstraktion.
Heirat
Sehr spät, 1950, heiratet sie Hans Stolp (geb. 1899), den sie während ihrer Arbeit als Gemeindefürsorgerin im Krankenhaus kennenlernt und nimmt einen Doppelnamen an. Er arbeitet als Prokurist in Ludwigshafen.
Hans Stolp, 15 Jahre älter als sie, unterstützt sie vorbehaltlos in ihrer Malerei – nicht selbstverständlich in dieser Zeit.
In den 1950er Jahren ist Trude Stolp-Seitz, wie viele andere Deutsche in dieser Zeit, viel unterwegs. Ihre Reisen führen sie selbstverständlich auch nach Italien!
Noch zu den frühen Arbeiten gehört die hier gezeigte Arbeit. Sie entsteht im September 1962 auf einer Reise an die oberitalienischen Seen, in Morcote am Luganer See. Ausgangspunkt ist eine feierliche Prozession zu Ehren Mariens.
Noch heute kann man sich vorstellen, was für einen tiefen Eindruck die Fahnen, die Musik, die festlich gekleideten Menschen auf die stark gläubige Künstlerin hervorrufen, die sich zwischen den hohen grauen Häuser durch die engen Gassen schieben.
Man sieht es der Arbeit an: Die hohen Mauern, die die Prozession einschließen. Und rechts davon der Blick auf die idyllische, südliche Landschaft, schon relativ stark abstrahiert und in leuchtenden Farben. Es ist gerade der Gegensatz zwischen der Enge der grauen Gassen und der sich öffnenden Parklandschaft, der den Reiz dieses Gemäldes ausmacht.
Beruf: Künstlerin
Ab 1958 widmet sie sich nur noch der Malerei und kümmert sich engagiert um ihre Ausstellungen.
Stolp-Seitz ist Mitglied bei der GEDOK Mannheim-Ludwigshafen, der Künstlervereinigung „Der Anker“ in Ludwigshafen, dem BBK Mannheim (Bezirksverband Bildender Künstler) und stellt in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen in der Region und überregional aus.
Neuer Stil: Informel
Bis Mitte der 1960er Jahre bleibt sie dem Gegenständlichen in ihrer Malerei treu. Dann ändert sie radikal ihren Malstil und das Gegenständliche verschwindet – was ihr anfangs viele Kritiken einbringt.
In ihren informellen Arbeiten geht sie souverän mit Farben und Formen um: „Sie folgt ihren eigenen inneren Energien, ihrer Konzentration. Ihre Bilder sind Dokumente ihrer Impulse, ihres Willens, ihrer Phantasien und Ihrer Fähigkeit, Phantasien zu bändigen“ (Christel Heybrock, 1983).
Trude Stolp-Seitz war sehr religiös und manche Arbeiten haben entsprechende Titel. Man kann darin religiöse Themen sehen, muss es aber nicht.
Der Großteil ihrer Arbeiten ist aber meist lapidar mit „o. T.“ gekennzeichnet. „Temperamentvolle Farbknoten, tastende Linien, schwingende Flächen, vibrierende Flecken ..., es ist der tiefe Reiz dieser Bilder, dass sie den Betrachter frei lassen. Wer möchte, kann sich seine eigenen Geschichten ausdenken“ (Christel Heybrock, 2003).
Mit 77 Jahren (1990) zieht sie freiwillig in das katholische Altenheim Maria-Scherer-Haus in Mannheim-Rheinau. Dort malt sie mit ungebrochener Schaffenskraft bis kurz vor ihrem Tode 2004. Ihre Arbeiten schmücken dort heute noch die Wände.