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Übersetzung als Streit

Luthers Erfindung der Bibel als neues Buch

Herzogin Anna Amalia Bibliothek, Klassik Stiftung Weimar


Collage dreier Rückenansichten des Bucheinbands von: Das Newe Testament Deutzsch. [Übersetzt von Martin Luther, mit Holzschnitten von Lucas Cranach d. Ä.]. Wittenberg: Melchior Lotter, 1522.

Übersetzer: Martin Luther (1483-1546); Illustrationen: Lucas Cranach d.Ä. (1472-1553) und Werkstatt; Drucker: Melchior Lotter (1470-1549), Digitale Collage, 1522, Wittenberg

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Der Einband des Weimarer Exemplars des Septembertestaments ist mit dem Fragment einer spätmittelalterlichen Pergamenthandschrift bezogen.


Die virtuelle Ausstellung der Herzogin Anna Amalia Bibliothek Weimar widmet sich einem Klassiker der Übersetzung, der vor 500 Jahren als ein neues Buch in innovativer Gestalt vorgelegt wird:
Das Neue Testament, übersetzt von Martin Luther. Der Druck von Melchior Lotter d. J. erscheint im September 1522 in Wittenberg in rund 3.000 Exemplaren.



Titelblatt aus: Das Newe Testament Deutzsch. [Übersetzt von Martin Luther, mit Holzschnitten von Lucas Cranach d. Ä.]. Wittenberg: Melchior Lotter, 1522.

Übersetzer: Martin Luther (1483-1546); Illustrationen: Lucas Cranach d.Ä. (1472-1553) und Werkstatt; Drucker: Melchior Lotter (1470-1549), Titelseite, 1522, Wittenberg

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Titelblatt des Septembertestaments


Ganz entscheidend für den großen Erfolg der Luther-Übersetzung des Neuen Testaments der Bibel ist die Veröffentlichung als buchliche Einheit. Sie demonstriert die Leistungsfähigkeit und Dynamik des Buchdrucks: Welche Informationen kommen auf das Titelblatt, wie wird der Inhalt geordnet und kenntlich gemacht und wie wird der Lesefluss, im Unterschied zu Buchhandschriften und frühen Drucken, durch das Layout der Seite gesteuert?
Welches Bildmaterial wird ausgewählt und wie wird es in den Druck integriert?



Inhaltsverzeichnis aus: Das Newe Testament Deutzsch. [Übersetzt von Martin Luther, mit Holzschnitten von Lucas Cranach d. Ä.]. Wittenberg: Melchior Lotter, 1522, (Septembertestament), Bl. [4]v

Übersetzer: Martin Luther (1483-1546); Illustrationen: Lucas Cranach d.Ä. (1472-1553) und Werkstatt; Drucker: Melchior Lotter (1470-1549), Inhaltsverzeichnis, 1522, Wittenberg

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Inhaltsverzeichnis des Septembertestaments

Die Erstausgabe umfasst 222 Blätter und 21 Holzschnitte, die zu einem Buch gebunden und mit Verweisen innerhalb des Bandes zusammengefügt und erschlossen werden. Das Ergebnis dient der vielfachen Popularisierung des Evangeliums, der einen guten Nachricht, und zwar in verständlichem und prägendem Deutsch, inhaltlich aufbereitet und fokussiert durch Vorreden Martin Luthers. Es beginnt ein Prozess ständiger Überarbeitung und neuer Ausgaben, der zur Publikation der gesamten Bibelübersetzung 1534, mit Altem und Neuem Testament, und schließlich zu einer Ausgabe letzter Hand 1545 führt.





Titelblatt aus: Martin Luther [Übersetzer]: Biblia, das ist: die gantze Heilige Schrifft Deudsch. Band 1. Wittenberg: Hans Lufft, 1534.

Übersetzer: Martin Luther (1483-1546); Illustrationen: Monogrammist M S und Werkstatt Lucas Cranach d.Ä. (1472-1553); Drucker: Hans Lufft (1495-1584), Titelblatt, 1534, Wittenberg

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Titelblatt der Lutherbibel aus dem Jahr 1534


Luthers Übersetzung ist nicht die erste deutsche Bibelübersetzung. Sie nimmt Bezug auf andere Textfassungen und erzeugt neue Sichtweisen. Sie entsteht in streitbarer Auseinandersetzung und mit einer starken Positionierung. Auf dem Titelblatt der Gesamtausgabe von 1534 rückt Luthers Name an die Stelle, die eigentlich dem Autor, in diesem Fall dem göttlichen Autor, vorbehalten ist. Am oberen Rand der kolorierten Titeleinfassung ist Gottvater mit einem Federkiel zu sehen. Das Titelblatt macht deutlich: Gott schreibt, Luther übersetzt!

01

Luthers Layout – Die neue Seite



Animation des Bucheinbands von: Das Newe Testament Deutzsch. [Übersetzt von Martin Luther, mit Holzschnitten von Lucas Cranach d. Ä.]. Wittenberg: Melchior Lotter, 1522.

Übersetzer: Martin Luther (1483-1546); Illustrationen: Lucas Cranach d.Ä. (1472-1553); Drucker: Melchior Lotter (1470-1549), Animation, Bucheinband, 1522, Wittenberg

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Luthers Layout - Die neue Seite

Mit Luthers Erfindung der Bibel als neues Buch werden Bibeltexte des Neuen Testaments in packende Sprache übersetzt, neu sortiert, in eine buchliche Einheit gebracht und in einem neuartig gestalteten Seitenlayout präsentiert. 
Was ist konkret so neu an Luthers Bibel im Vergleich zu älteren Buchhandschriften und Drucken? 
Die folgenden Exponate geben nicht nur Aufschluss über das innovative Layout, sondern zeigen auch Buchelemente, die Lesenden heute selbstverständlich erscheinen und kaum bewusst wahrgenommen werden, die aber spezielle Funktionen übernehmen.



Bl. 85v-86r (Johannes 1) aus: [Deutsche Bibel]. Handschrift auf Papier, Ende 15. Jh. Band 3

Buchseiten, Ende 15. Jahrhundert, vermutlich Westthüringen

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Vor Luthers Zeit

Das handschriftliche Unikat einer deutschen, vermutlich aus Westthüringen stammenden Bibelübersetzung: Der Schreiber verwendet eine Bastarda, die im Spätmittelalter häufigste Buchschrift. Gestaltende Elemente der Seite sind die übersichtliche Anordnung des Textes in Kolumnen, die mit roter Tinte hervorgehobenen Kolumnentitel, Kapitelüberschriften und ein gesondertes Incipit zum Johannes-Evangelium, geschmückte mehrzeilige Initialen in Rot und Blau.



Animation zu den Begriffen "Incipit" und "Initiale" unter Verwendung von Bl. 85v-86r aus: [Deutsche Bibel]. Handschrift auf Papier, Ende 15. Jh., Band 3

Animation, Vorlage: Ende 15. Jahrhundert

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Bl. 509v-510r (Johannes 1): Der Evangelist Johannes am Schreibpult, eine Vision der Dreieinigkeit schauend) aus: [Biblia Germanica]. Nürnberg: Anton Koberger, 17. Februar 1483. Band 2.

Verleger, Drucker: Anton Koberger (1440-1513), Buchseiten, 1483, Nürnberg

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Im Geburtsjahr Luthers gedruckt

Die Seitengestaltung dieser Inkunabel steht noch ganz in der Tradition der Buchhandschrift. Der mit zahlreichen Abkürzungen und Ligaturen versehene Text wurde zweispaltig in Kolumnen gesetzt, mit Auslassungen für gemalte Initialen und Illustrationen. Die Überschrift zum Johannes-Evangelium ist als einleitendes Incipit formuliert, welches typisch ist für mittelalterliche Handschriften und die meisten Frühdrucke, die noch kein eigenes Titelblatt besaßen: „Hie hebt an das Buch des ewangelisten Johannis.“



Animation zu den Begriffen "Kolumne" und "Ligatur" unter Verwendung von Bl. 85v-86r aus: [Deutsche Bibel]. Handschrift auf Papier, Ende 15. Jh., Band 3.

Animation, Vorlage: Ende 15. Jahrhundert, vermutlich Westthüringen

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Bl. 58v-59r (Johannes 1) aus: Martin Luther [Übersetzer]: Biblia, das ist: die gantze Heilige Schrifft Deudsch. Wittenberg: Hans Lufft, 1534

Übersetzer: Martin Luther (1483-1546); Illustrationen: Monogrammist M S und Werkstatt Lucas Cranach d.Ä. (1472-1553); Drucker: Hans Lufft (1495-1584), Buchseiten, 1534, Wittenberg

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Luthers Layout – Die neue Seite

Schon im Septembertestament und auch in der Lutherbibel von 1534 wird die gesamte Seitenbreite für einen kompakten Textblock genutzt, der in sinntragende Abschnitte gegliedert wird. In den äußeren Marginalien, den Randbemerkungen, wird die Lektüre durch Hervorhebungen, Erläuterungen und Kommentare gesteuert und mit Merkposten gesichert. Innenliegend werden zum Vergleich Bibelstellen angeführt. So wird innerhalb des Bandes durch Verweise die Idee der Einheit des Buches und seines Inhalts sichtbar.



Animation zum Layout der Lutherbibel unter Verwendung von Bl. 58v-59r aus: Martin Luther [Übersetzer]: Biblia, das ist: die gantze Heilige Schrifft Deudsch. Wittenberg: Hans Lufft, 1534, Band 2.

Übersetzer: Martin Luther (1483-1546); Illustrationen: Monogrammist M S und Werkstatt Lucas Cranach d.Ä. (1472-1553); Drucker: Hans Lufft (1495-1584), Animation, Vorlage: 1534, Wittenberg

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Bl. [79]v-[80]r (Offenbarung 1,12ff.; Die Erscheinung Christi) aus: Das Newe Testament Deutzsch. [Übersetzt von Martin Luther, mit Holzschnitten von Lucas Cranach d. Ä.]. Wittenberg: Melchior Lotter, 1522. (Septembertestament)

Übersetzer: Martin Luther (1483-1546); Illustrationen: Lucas Cranach d.Ä. (1472-1553) und Werkstatt; Drucker: Melchior Lotter (1470-1549), Buchseiten, 1522, Wittenberg

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Die Offenbarung wird nicht mitgezählt 

Im Gegensatz zu den anderen biblischen Büchern in Luthers Übersetzung des Neuen Testaments erhält die Offenbarung des Johannes sowohl im September- und Dezembertestament als auch in der Lutherbibel von 1534 keine innenliegenden Querverweise auf Bibelstellen und erst mit dem Dezembertestament 1522 eine Blattzählung.

Am unteren Rand dieses Blattes finden sich zwei Orientierungshilfen für die Buchbinderei:  Kustode und Lage.



Animation zu den Begriffen "Kustode" und "Lage" unter Verwendung von Bl. [79]v-[80]r (Offenbarung 1,12ff.; Die Erscheinung Christi) aus: Das Newe Testament Deutzsch. [Übersetzt von Martin Luther, mit Holzschnitten von Lucas Cranach d. Ä.]. Wittenberg: Melchior Lotter, 1522 (Septembertestament)

Übersetzer: Martin Luther (1483-1546); Illustrationen: Lucas Cranach d.Ä. (1472-1553) und Werkstatt; Drucker: Melchior Lotter (1470-1549), Animation, Vorlage: 1522, Wittenberg

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Bl. 94v (Kolophon) aus: Das Newe Testament Deutzsch. [Übersetzt von Martin Luther, mit Holzschnitten von Lucas Cranach d. Ä.]. Wittenberg: Melchior Lotter, 1522 (Dezembertestament)

Übersetzer: Martin Luther (1483-1546); Illustrationen: Lucas Cranach d.Ä. (1472-1553) und Werkstatt; Drucker: Melchior Lotter (1470-1549), letzte Druckseite mit Kolophon, 1522, Wittenberg

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Statt eines Impressums

Dem Buch vom Ende der Welt, der Apokalypse bzw. Offenbarung, folgt das Ende des Buches. Dort findet sich in Inkunabeln zumeist der ↗Kolophon mit Angaben zum Drucker, Druckort und Erscheinungsdatum.
Während das Dezembertestament mit einem Kolophon abschließt, findet es sich im Septembertestament und in der Lutherbibel von 1534 nicht.



Animation zum Begriff "Kolophon" unter Verwendung von Bl. 94v aus: Das Newe Testament Deutzsch. [Übersetzt von Martin Luther,
mit Holzschnitten von Lucas Cranach d. Ä.]. Wittenberg: Melchior Lotter, 1522 (Dezembertestament)

Übersetzer: Martin Luther (1483-1546); Illustrationen: Lucas Cranach d.Ä. (1472-1553); Drucker: Melchior Lotter (1470-1549), Animation, Vorlage: 1522, Wittenberg

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Titelblatt aus: Martin Luther [Übersetzer]: Biblia, das ist: die gantze Heilige Schrifft Deudsch. Band 1. Wittenberg: Hans Lufft, 1534.

Übersetzer: Martin Luther (1483-1546); Illustrationen: Monogrammist M S und Werkstatt Lucas Cranach d.Ä. (1472-1553); Drucker: Hans Lufft (1495-1584), Titelblatt, 1534, Wittenberg

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Auf dem vorangestellten, graphisch hervorgehobenen Titelblatt der Lutherbibel aus dem Jahr 1534 finden sich die Informationen zum Titel, Übersetzer, Drucker und Erscheinungsjahr. Durch diese auf einer Seite gebündelten Informationen entfallen Incipit und Explicit bzw. Kolophon.

02

Die Bildsprache Cranachs



Titelblatt aus: Passional Christi und Antichristi. [Mit Holzschnitten von Lucas
Cranach d. Ä., Text: Philipp Melanchthon]. Wittenberg: Rhau-Grunenberg, 1521.

Illustrationen: Lucas Cranach d. Ä. (1472-1553); Text: Philipp Melanchthon (1497-1560), Titelblatt, 1521, Wittenberg

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Titelblatt Passional Christi und Antichristi, 1521


Die Bildsprache Cranachs

In der Reformationszeit werden zwar viele Bilder aus Kirchenräumen entfernt, dafür finden sie nun vermehrt Aufnahme in den Erzeugnissen des Buchdrucks. Es entstehen eigene Bildprogramme zur Untermauerung der neuen theologischen Positionen. Ein besonders wirkungsvolles Beispiel reformatorischer Bild-Text-Propaganda mit polemischer Schlagkraft ist das „Passional Christi und Antichristi“.



Bl. 6v-7r aus: Passional Christi und Antichristi. [Mit Holzschnitten von Lucas
Cranach d. Ä., Text: Philipp Melanchthon]. Wittenberg: Rhau-Grunenberg, 1521.

Illustrationen: Lucas Cranach d. Ä. (1472-1553); Text: Philipp Melanchthon (1497-1560), Buchseiten, 1521, Wittenberg

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02_03_Passional_Kreuztraeger_Saenfte.png
Links: Kreuztragung Christi. Rechts: Der Papst lässt sich in der Sänfte tragen.


Die Flugschrift entsteht in Zusammenarbeit des Künstlers Lucas Cranach d. Ä., des Theologen Philipp Melanchthon und des Juristen Johannes Schwertfeger. 1521 erscheint sie anonym in deutschen und lateinischen Ausgaben unter einem neutralen Titelblatt. Luther selbst ist an Konzeption und Ausarbeitung nicht beteiligt, liefert aber in seiner 1520 veröffentlichten Schrift „An den christlichen Adel deutscher Nation“ die argumentative Grundlage für das „Passional“. Seine Kritik am Ausbleiben kirchlicher Reformen spitzt er hier so weit zu, dass er den römischen Papst mit dem in der Offenbarung des Johannes beschriebenen Antichristus gleichsetzt.



Bl. 1v-2r aus: Passional Christi und Antichristi. [Mit Holzschnitten von Lucas
Cranach d. Ä., Text: Philipp Melanchthon]. Wittenberg: Rhau-Grunenberg, 1521.

Illustrationen: Lucas Cranach d. Ä. (1472-1553); Text: Philipp Melanchthon (1497-1560), Buchseiten, 1521, Wittenberg

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02_04_Passional_Versuchung_Christi.png
Links: Christus entsagt der weltlichen Herrschaft. Rechts: Militärisches Paktieren des Papstums.


Die Autoren des „Passionals“ gehen mit diesem Vergleich in Serie: 13 im Holzschnitt gefertigte Bildpaare Cranachs illustrieren jeweils eine Szene aus dem gottgefälligen Leben Christi und dem in der Gegenwart angesiedelten gottlosen Treiben seines Stellvertreters auf Erden. Links blickt der Betrachter auf die im Bewusstsein der Gläubigen fest verankerte Motivwelt der Heiligenlegenden, Altarbilder und Passionsspiele. Rechts sieht er die Motive in ihr Gegenteil verkehrt. Die als antichristlich entlarvten Eigenschaften des römischen Papsttums wie weltliche Herrschaft, militärische Gewalt, Eitelkeit, Prunksucht, Anmaßung und Gier erschließen sich in der Zusammenschau mit den vertrauten Darstellungen christlicher Tugenden sofort.



Bl. 12v-13r aus: Passional Christi und Antichristi. [Mit Holzschnitten nach Lucas Cranach d. Ä., Text: Philipp Melanchthon]. Straßburg: Knobloch, 1521.

Illustrationen: unbekannter Künstler, Nachschnitte der Illustrationen von Lucas Cranach d. Ä. (1472-1553); Text: Philipp Melanchthon (1497-1560), Buchseiten, 1521, Straßburg

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02_04_Passional_Haendler_im_tempel.png
Links: Christus vertreibt die Händler aus dem Tempel. Rechts: Der Papst zählt die Einnahmen aus dem Ablasshandel.


Ein koloriertes Exemplar des Straßburger Nachdrucks verstärkt den plakativen Eindruck der Bild-Erzählung. Die von einem unbekannten Künstler nachgestochenen Holzschnitte Cranachs setzen hier einen zentralen Kritikpunkt der Reformation in Szene: Luthers Verurteilung des Ablasshandels. Während Christus die Händler und Geldwechsler aus dem Tempel Gottes vertreibt, unterzeichnet der oberste Diener Gottes auf Erden Ablässe und zählt die reichen Einnahmen.



Bl. 13v-14r aus: Passional Christi und Antichristi. [Mit Holzschnitten von Lucas
Cranach d. Ä., Text: Philipp Melanchthon]. Wittenberg: Rhau-Grunenberg, 1521.

Illustrationen: Lucas Cranach d. Ä. (1472-1553); Text: Philipp Melanchthon (1497-1560), Buchseiten, 1521, Wittenberg

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02_05_Passional_Himmelfahrt.png
Links: Himmelfahrt Christi. Rechts: Höllensturz des Papstes.


Die Bildserie endet mit der Himmelfahrt Christi und der Höllenfahrt des Papstes. Hier soll ganz deutlich werden, dass es um nichts Geringeres geht als um die Wahl zwischen Heil und Verdammnis, in der eigenen Gegenwart. Unterhalb der Holzschnitte belegen gedruckte Zitate aus der Bibel und dem Kirchenrecht die argumentativen Zusammenhänge. Diese stehen gleichfalls im Kontrast miteinander und besitzen eine weitere Erschließungsfunktion für das Verständnis der publizistischen Schrift.

Der starke Gegenwartsbezug der Bilder und die Identifikation des Papstes mit dem Antichristus finden sich 1522 in den Illustrationen des Septembertestaments wieder. In drei Szenen der Offenbarung des Johannes tragen die Personifikationen des Bösen und Lasterhaften eine Tiara, die dreifache Papstkrone. Auch die Illustratoren der Lutherbibel von 1534 orientieren sich eng an Cranachs Bildsprache.

03

Apokalypse der Gegenwart



Bl. [79]v-[80]r (Offenbarung 1,12ff.; Die Erscheinung Christi) aus: Das Newe Testament Deutzsch. [Übersetzt von Martin Luther, mit Holzschnitten von Lucas Cranach d. Ä.]. Wittenberg: Melchior Lotter, 1522. (Septembertestament)

Übersetzer: Martin Luther (1483-1546); Illustrationen: Lucas Cranach d.Ä. (1472-1553) und Werkstatt; Drucker: Melchior Lotter (1470-1549), Buchseiten, 1522, Wittenberg

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Illustration aus der Offenbarung im Septembertestament: die Erscheinung Christi.


Apokalypse der Gegenwart

Die Apokalypse, die Offenbarung des Johannes, hat einen eigenen Stellenwert in Luthers Buch und Bibelübersetzung: Sie ist Gegenwartsdeutung und bietet starke Bilder einer Vision.

Das im September 1522 vorgelegte Neue Testament zählt die Johannesoffenbarung nicht zum verbindlichen Kanon der biblischen Schriften und bindet sie nicht durch Blattzählung und innenliegende Verweise in das Buch ein. Sie ist jedoch die einzige Schrift, die mit ganzseitigen Illustrationen ausgestattet ist, Holzschnitten von Lucas Cranach d. Ä. und seiner Werkstatt. Im Dezember 1522 erhält die Offenbarung eine integrierende Blattzählung und Bildbezeichnungen.



Bl. 185v-186r (Offenbarung 4,2ff., Illustration: Die Thronvision des Sehers) aus: Martin Luther [Übersetzer]: Biblia, das ist: die gantze Heilige Schrifft Deudsch. Wittenberg: Hans Lufft, 1534, Bd. 2.

Übersetzer: Martin Luther (1483-1546); Illustrationen: Monogrammist M S und Werkstatt Lucas Cranach d.Ä. (1472-1553); Drucker: Hans Lufft (1495-1584), Buchseiten, 1534, Wittenberg

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03_02_Ofenbarung_1534.png
Illustration aus der Lutherbibel von 1534: Die Thronvision des Sehers


Für die Vollbibel von 1534 werden neue Holzschnitte kleineren Formats hergestellt und, wie die anderen Bibel-Illustrationen auch, in den Textfluss integriert. Innenliegende Querverweise auf weitere Bibelstellen finden sich hier nicht. Das Weimarer Exemplar besticht durch eindrucksvolle Kolorierung. Es gehört seit 2015 zum Weltdokumentenerbe der UNESCO.



Animation zur Darstellung der "Hure Babylon" in September- und Dezembertestament. Grafische Vorlag entnommen aus: Das Newe Testament Deutzsch. [Übersetzt von Martin Luther, mit Holzschnitten von Lucas Cranach d. Ä.]. Wittenberg: Melchior Lotter, 1522, Bl. [97]v-[98]r.

Animation, Vorlage: 1522, Wittenberg

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Die Bildwelten der Offenbarung des Johannes eignen sich in besonderer Weise dazu, die jeweilige Gegenwart einzubeziehen und visionäre Zeichen für das bevorstehende Weltende zu sehen. Die im Text beschriebene endzeitliche „Hure Babylon“, die auf einem mehrköpfigen Ungeheuer reitet, wird im Bild durch das Detail der Papstkrone mit dem römischen Papsttum in Verbindung gebracht. Dieser Bezug ist so brisant, dass er in der Ausgabe des Dezembertestaments zurückgenommen wird.



Bildvergleich zur Darstellung der "Hure Babylon" in September- und Dezembertestament (Offenbarung 17,3).

Links: Das Newe Testament Deutzsch. [Übersetzt von Martin Luther, mit Holzschnitten von Lucas Cranach d. Ä.]. Wittenberg: Melchior Lotter, 1522. (Septembertestament), Bl. [97]v-[98]r.
Rechts: Das Newe Testament Deutzsch. [Übersetzt von Martin Luther, mit Holzschnitten von Lucas Cranach d. Ä.]. Wittenberg: Melchior Lotter, 1522 (Dezembertestament), Bl. 88v-89r.

Übersetzer: Martin Luther (1483-1546); Illustrationen: Lucas Cranach d.Ä. (1472-1553) und Werkstatt; Drucker: Melchior Lotter (1470-1549), 1522, Wittenberg

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03_04__Hure_Babylon_Vergleich.png
Links: Darstellung der Hure Babylon mit Papstkrone im Septembertestament. Rechts: Darstellung der Hure Babylon ohne Papstkrone im Dezembertestament.


Bildvergleich zweier Darstellungen von "Gog und Magog" aus dem Alten und Neuen Testaments, entnommen aus: Martin Luther [Übersetzer]: Biblia, das ist: die gantze Heilige Schrifft Deudsch. Wittenberg: Hans Lufft, 1534, Bd. 2.

Links: Illustration: Das Volk Gog (Offenbarung 20), Bl. 198r
Rechts: Illustration zu Daniels Traum (Daniel 7,2-8), Bl. 14r

Übersetzer: Martin Luther (1483-1546); Illustrationen: Monogrammist M S und Werkstatt Lucas Cranach d.Ä. (1472-1553); Drucker: Hans Lufft (1495-1584), 1534, Wittenberg

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03_05_Gog_magog_Vergleich.png
Links: Das Volk Gog, Illustration zur Offenbarung (Offenbarung 20). Rechts: Weltkarte, Illustration zu Daniels Traum (Daniel 7,2-8)


Luthers Gegenwartsdeutungen der Offenbarung finden sich auch an anderen Stellen. So setzt er in einem Randkommentar die vom Satan verführten kriegerischen Völker „Gog und Magog“ mit den da-
mals Wien und das Heilige Römische Reich deutscher Nation bedrohenden Türken gleich.
Die Völker Gog und Magog finden sich schon im Alten Testament. Auf der Weltkarte zu Daniels Traum in der Lutherbibel von 1534 werden sie als bewaffnete tatarische Truppen hinter dem Kaukasus dargestellt.



Bildvergleich zweier Holzschnitte von Lucas Cranach d.Ä. und Albrecht Dürer mit der Darstellung "Die Erscheinung Christi", Szene aus der Offenbarung.

Links: Lucas Cranach d. Ä.: Illustration: Die Erscheinung Christi, Offenbarung 1,12ff.), aus: Das Newe Testament Deutzsch. [Übersetzt von Martin Luther,
mit Holzschnitten von Lucas Cranach d. Ä.]. Wittenberg: Melchior Lotter, 1522 (Septembertestament), Bl. [79]v
Rechts: Albrecht Dürer: Die Leuchtervision, aus: Albrecht Dürer: Apocalipsis cum figuris. Nürnberg: Hieronymus Höltzel, 1511, Bl. [3]r

Illustrator: Albrecht Dürer (1471-1528), Illustrator: Lucas Cranach d.Ä. (1472-1553) und Werkstatt, 1522 (Septembertestament); 1511 (Apocalipsis cum figuris), Wittenberg (Septembertestament); Nürnberg (Apocalipsis cũ figuris)

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03_06_cranach_duerer_schwert_vergleich.png
Szene aus der Offenbarung: Die Erscheinung Christi. Links: Holzschnitt von Lukas Cranach d.Ä. (1522). Rechts: Holzschnitt von Albrecht Dürer (1498)


Bilderzyklen zur Apokalypse sind in Buchhandschriften und Drucken bereits vor Cranach weit verbreitet. Cranach nimmt mit seiner Holzschnittserie Bezug auf den berühmten, 1498 erschienenen Bilderzyklus von Albrecht Dürer. Wahrscheinlich sind die 21 großformatigen Apokalypse-Darstellungen des Septembertestaments zunächst als eigenständige Publikation geplant, die dem erfolgreichen „Passional Christi und Antichristi“ nachfolgen soll. Nach Luthers Rückkehr von der Wartburg wird der Zyklus in die Konzeption des Neuen Testaments als buchliche Einheit einbezogen. Die Tatsache, dass ein Teil der Holzschnitte nicht von Cranach selbst angefertigt wird, legt nahe, dass der Zyklus relativ kurzfristig vor dem Erscheinen des Septembertestaments fertiggestellt wird.



Lucas Cranach d.Ä.: Die Thronvision des Sehers, Holzschnitt aus: Das Newe Testament Deutzsch. [Übersetzt von Martin Luther, mit Holzschnitten von Lucas Cranach d. Ä.]. Wittenberg: Melchior Lotter, 1522, Bl. [81]v

Übersetzer: Martin Luther (1483-1546); Illustrationen: Lucas Cranach d.Ä. (1472-1553) und Werkstatt; Drucker: Melchior Lotter (1470-1549), Illustration, 1522, Wittenberg

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Illustration: Die Thronvision des Sehers. Nach der Öffnung des „Buchs mit den sieben Siegeln“ nimmt die Apokalypse ihren Lauf.


Im Zusammenhang mit Luthers Übersetzung interpretieren die Bilder auch die Gegenwart von Reich und Kirche. Die erste Figur der apokalyptischen Vision zeigt nach der Vorrede Luthers das scharfe Schwert im Wort Gottes und die zweite den Thron Gottes mit der Öffnung des Buchs mit sieben Siegeln. Bücher werden in der Apokalypse auch verschlungen oder verzeichnen im Buch des Lebens die Geretteten. Cranachs Bilderzyklus bleibt nahe am Text.

04

Übersetzung als Streit



Vergleichende Darstellung der Titelblätter von September- und Dezembertestament.

Links: Das Newe Testament Deutzsch. [Übersetzt von Martin Luther, mit Holzschnitten von Lucas Cranach d. Ä.]. Wittenberg: Melchior Lotter, 1522 (Septembertestament)
Rechts: Das Newe Testament Deutzsch. [Übersetzt von Martin Luther, mit Holzschnitten von Lucas Cranach d. Ä.]. Wittenberg: Melchior Lotter, 1522 (Dezembertestament)

Übersetzer: Martin Luther (1483-1546); Illustrationen: Lucas Cranach d.Ä. (1472-1553) und Werkstatt; Drucker: Melchior Lotter (1470-1549), 1522, Wittenberg

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Titelblätter des Septembertestaments (links) und des Dezembertestaments (rechts)


Übersetzung als Streit

Mit dem Buchdruck setzt sich die Übersetzung dem vielfachen Vergleich und der Kritik aus. Sie kann allerdings mit neuen Auflagen und Ausgaben rasch revidiert werden.
Vom Druck des Septembertestaments bis zur Ausgabe des Dezembertestaments nimmt Luther bereits 574 Korrekturen vor, die hauptsächlich einem besseren Textverständnis und Lesefluss dienen.



Titelblatt aus: Martin Luther: Ein Sendbrieff von Dolmetschen vnd Fürbitte der Heiligen. Wittenberg: Rhau, 1530

Verfasser: Martin Luther (1483-1546), Titelblatt, 1530, Wittenberg

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Im "Sendbrief vom Dolmetschen" aus dem Jahr 1530 äußert sich Luther zu seiner Übersetzungsarbeit.


Luther reflektiert über seine Übersetzungspraxis, wonach „nicht der sinn den worten, sondern die wort dem sinn dienen und folgen sollen“. Adressatenorientierung ist für die Sprache der Übersetzung entscheidend, denn man müsse den „gemeinen Mann auf dem Markt drum fragen, und denselbigen auf das Maul sehen, wie sie reden, und darnach dolmetschen, so verstehen sie es denn und merken, dass man deutsch mit ihn redet.“ Bis zu seinem Tod führt Luther den Korrekturprozess für jede von ihm autorisierte Neuauflage fort – zugunsten der bestmöglichen Verständlichkeit seiner Bibelübersetzung für alle sozialen Gruppen. Diesem Ziel dient auch die zunehmende Vereinheitlichung von Lexik, Syntax und Orthographie. Luther schafft so die Grundlage für eine einheitliche deutsche Literatursprache.



Erstes Blatt mit Vorrede von Hieronymus (Kirchenvater) aus: [Biblia Germanica]. Nürnberg: Anton Koberger, 17. Februar 1483, Band 1

Verfasser der Vorrede: Sophronius Eusebius Hieronymus (347-420), Drucker, Verleger: Anton Koberger (1440-1513), Buchseite, 1483, Nürnberg

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Eine deutschsprachige Bibel aus dem Jahr 1483: Die sogenannte Koberger-Bibel. Hier zu sehen: Vorrede des Hieronymus


Übersetzung steht im Kontext – nicht nur in der Erfassung des Sinns und der Adressaten, sondern mit Blick auf die verwendeten Arbeitsgrundlagen und methodischen Abgrenzungen. Deutsche Bibelübersetzungen entstehen bereits vor Luther. Sie alle folgen möglichst wortgetreu der Vulgata, der lateinischen Bibelübersetzung des Kirchenvaters Hieronymus aus dem 4. Jahrhundert.



Titelblatt aus: Desiderius Erasmus [Übersetzer]: Novum Instrumentum omne, diligenter ab Erasmo Roterodamo recognitum & emendatum, [...] una cum Annotationibus [...]. Basel: Froben, 1516

Desiderius Erasmus, Titelblatt, Basel

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Luther favorisiert eine neue Textgrundlage: Erasmus von Rotterdams 1516/19 veröffentlichte Edition des Neuen Testaments in seiner Ursprache, auf Griechisch, mit einer im Paralleltext gedruckten lateinischen Neuübersetzung. Diese Ausgabe wird zum innovativen Arbeitsinstrument für die neue volkssprachliche Bibelübersetzung, zusammen mit der Vulgata sowie Kommentaren und Enzyklopädien.



Erstes Blatt der Vorrede Martin Luthers zum Neuen Testament aus: Martin Luther [Übersetzer]: Biblia, das ist: die gantze Heilige Schrifft Deudsch. Wittenberg: Hans Lufft, 1534, Bd. 2

Übersetzer: Martin Luther (1483-1546); Illustrationen: Monogrammist M S und Werkstatt Lucas Cranach d.Ä. (1472-1553); Drucker: Hans Lufft (1495-1584), Buchseite, 1534, Wittenberg

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Vorrede zum Neuen Testament in der Lutherbibel von 1534


Luther nutzt außerdem das Mittel der Vorrede, um Lesenden den Zugang zu den biblischen Texten zu erleichtern. Die seit Jahrhunderten in den Bibeln verwendeten Vorreden des Hieronymus werden kurzerhand durch eigene Texte ersetzt. Darüber hinaus arbeitet Luther in Wittenberg eng mit dem berühmten Altphilologen Philipp Melanchthon und einem ganzen Redaktions- und Übersetzerteam zusammen, dessen Arbeit in Protokollen dokumentiert ist. Die Übersetzungsarbeit ist ein laufender Prozess, der immer auch Streit ist.



Titelblatt aus: Das naw testament nach lawt der Christliche[n] kirchen bewerte[n] text, corrigirt, un[d] widerumb zu recht gebracht. [Übersetzt von Hieronymus Emser]. Dresden: Wolfgang Stöckel, 1527

Übersetzer: Hieronymus Emser (1477-1527), Titelblatt, 1527, Dresden

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Titelblatt der Übersetzung des Neuen Testaments von Hieronymus Emser aus dem Jahr 1527


Der Streit wird manifest durch Widerspruch: Frühes und berühmtes Beispiel ist Hieronymus Emser. Der Sekretär und Hofkaplan des katholischen Herzogs Georg von Sachsen, welcher die Verbreitung von Luthers Septembertestament untersagt hatte, legt eine weitere Fassung vor: die Überarbeitung des Luther-Textes mit Rückgriff auf die lateinische Vulgata.



Bildvergleich zweier Illustrationen zur Offenbarung (Szene: Die Vermessung des Tempels Gottes durch Johannes. Die zwei Zeugen. Das Tier aus dem Abgrund), aus Septembertestament und Emser-Bibel

Links: Das Newe Testament Deutzsch. [Übersetzt von Martin Luther,
mit Holzschnitten von Lucas Cranach d. Ä.]. Wittenberg: Melchior Lotter, 1522 (Septembertestament), Bl. 91r
Rechts: Das naw testament nach lawt der Christliche[n] kirchen bewerte[n] text, corrigirt, un[d] widerumb zu recht gebracht. [Übersetzt von Hieronymus Emser]. Dresden: Wolfgang Stöckel, 1527, Bl. 182v

Übersetzer: Hieronymus Emser (1477-1527), Übersetzer: Martin Luther (1483-1546); Illustrationen: Lucas Cranach d.Ä. (1472-1553) und Werkstatt; Drucker: Melchior Lotter (1470-1549), Drucker: Wolfgang Stöckel (1473-1541), 1522 (Septembertestament); 1527 (Emser-Bibel), Wittenberg (Septembertestament); Dresden (Emser-Bibel)

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Illustration zur Offenbarung aus dem Septembertestament (links, Tierkopf mit Papstkrone) und aus der Emser-Bibel (rechts, Tierkopf ohne Papstkrone)


Bereits 1523 veröffentlicht Emser mit seinen „Annotationes“ eine Kritik von Luthers Übersetzung, an der er sich in seiner Ausgabe des Neuen Testaments von 1527 dann dennoch stark orientiert. Er erwirbt sogar die originalen Druckstöcke der Holzschnitte des September- und Dezembertestaments und verwendet diese in seinem Buch.



Gemaltes Exlibris oder Donatorenzeichen, aus: Martin Luther [Übersetzer]: Biblia, das ist: die gantze Heilige Schrifft Deudsch. Wittenberg: Hans Lufft, 1534, Bd. 2

Übersetzer: Martin Luther (1483-1546); Illustration Exlibris/Donatorenzeichen: Monogrammist M S; Drucker: Hans Lufft (1495-1584), 1534, Wittenberg

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Kurzbeschreibung
Zeichen der Herkunft: Das mit leuchtenden Deckfarben gemalte Schmuckblatt wird vermutlich 1535 bei der Bindung des Buches auf der Innenseite des Vorderdeckels angebracht. Es verweist auf den früheren Besitzer oder Stifter des heute in Weimar befindlichen Exemplars der Lutherbibel von 1534. Stundenglas, Kugel der Fortuna, Totenschädel und ein auf die Motive Bezug nehmender Vierzeiler erinnern den Betrachter an die Vergänglichkeit des irdischen Lebens.
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Gemaltes Exlibris oder Donatorenzeichen aus der Lutherbibel von 1534


Die schnelle Anfertigung und Verbreitung von Bibelausgaben im Buchdruck ermöglicht im 16. Jahrhundert erstmals einen breiteren Austausch über die Bibelübersetzung und facht auch den Streit immer wieder neu an. Durch kleinere und mobilere Formate gehen Bibelübersetzungen auf Reisen, wovon die Provenienzen, die Herkunftshinweise, Zeugnis ablegen.



Collage dreier Rückenansichten des Bucheinbands von: Das Newe Testament Deutzsch. [Übersetzt von Martin Luther, mit Holzschnitten von Lucas Cranach d. Ä.]. Wittenberg: Melchior Lotter, 1522.

Übersetzer: Martin Luther (1483-1546); Illustrationen: Lucas Cranach d.Ä. (1472-1553) und Werkstatt; Drucker: Melchior Lotter (1470-1549), Digitale Collage, 1522, Wittenberg

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Animiertes Logo zum Jahresthema 2022 der Klassik Stiftung Weimar: Sprache

Animation, Logo, 2022, Weimar

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Die Präsentation ist Teil des ↗Themenjahres 2022 der Klassik Stiftung zum Thema "Sprache".
Was macht Sprache mit uns? Und wir mit ihr? Die Ausstellungen und Veranstaltungen des Themenjahres 2022 nähern sich dem Thema "Sprache" aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln und setzen sich damit facettiert und epochenübergreifend auseinander.
Es wird nach der Sprengkraft von Sprache gefragt, nach ihren Grenzen und nach Möglichkeiten der Verständigung –  beginnend im Mittelalter, über die Weimarer Klassik und die Moderne bis heute.

Eine virtuelle Ausstellung von

Für die Präsentation grundlegende und weiterführende Literatur (Auswahl):

Team

Dr. Reinhard Laube (Kurator), Katja Lorenz (Kuratorin), Robert Sorg (Redaktion, Gestaltung, Bildbearbeitung); Susanne Marschall (Digitalisierung und Bildbearbeitung), Anke Stiller (Animationen)

Herrn Prof. Dr. Thomas Kaufmann (Göttingen) danken wir für die fachliche Beratung und die Perspektive auf Luthers Idee eines neuen Buchs.

Erstellt mit :
DDB Studio
Ein Service von:
DDB Studio

Diese Ausstellung wurde am 29.06.2022 veröffentlicht.



Impressum

Die virtuelle Ausstellung Übersetzung als Streit wird veröffentlicht von:

Klassik Stiftung Weimar


Burgplatz 4
99423 Weimar


gesetzlich vertreten durch

Dr. Ulrike Lorenz, Präsidentin

Telefon:

+49 3643 54 5 0


Fax:

+49 3643 545 401


E-Mail:  

poststelle@klassik-stiftung.de

Inhaltlich verantwortlich:

Dr. Reinhard Laube
Herzogin Anna Amalia Bibliothek, Klassik Stiftung Weimar
Burgplatz 4
99423 Weimar

Kurator*innen:

Dr. Reinhard Laube; Katja Lorenz

 

Rechtliche Hinweise:
Die Deutsche Digitale Bibliothek verlinkt die virtuelle Ausstellung auf ihrer Internetseite https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/content/journal/ausstellungen. Dabei wurde auf die Vertrauenswürdigkeit der Institution, welche die Ausstellung veröffentlich hat sowie die Fehlerfreiheit und Rechtmäßigkeit der virtuellen Ausstellung besonders geachtet. Der auf dieser Internetseite vorhandene Link vermittelt lediglich den Zugang zur virtuellen Ausstellung. Die Deutsche Digitale Bibliothek übernimmt keine Verantwortung für die Inhalte der virtuellen Ausstellung und distanziert sich ausdrücklich von allen Inhalten der virtuellen Ausstellung, die möglicherweise straf- oder haftungsrechtlich relevant sind oder gegen die guten Sitten verstoßen. 

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