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Unter dem Radar

Unbekannte Werke aus dem Rheinischen Archiv für Künstlernachlässe

Die folgende Ausstellung bietet einen facettenreichen Einblick in die Kunst des Rheinlandes im frühen 20. Jahrhundert. Gezeigt wird eine breitgefächerte Auswahl an Kunstwerken und Dokumenten Düsseldorfer Künstlervereinigungen vom „Sonderbund“ über „Das Junge Rheinland bis hin zur „Rheinischen Sezession“. Die Exponate stammen aus dem Rheinischen Archiv für Künstlernachlässe in Bonn (RAK). Mit mehr als fünfzig Nachlässen von Mitgliedern der Düsseldorfer Künstlervereinigung „Das Junge Rheinland“ mitsamt deren Vorgänger- und Nachfolgegruppen ist das Archiv eine zentrale Anlaufstelle für die Erforschung der rheinischen Kunst in dieser Zeit. Künstler wie u.a. Walter Ophey, Max Clarenbach oder Otto Freundlich werden ebenso präsentiert wie Fotografien, Skizzenbücher oder Publikationen aus dem reichhaltigen Fundus des RAK.  

Sonderbund Westdeutscher Kunstfreunde und Künstler

Nach der ersten "Sonder-Ausstellung" im Mai 1908 schlossen sich die beteiligten Künstler im folgenden Jahr zur Künstlervereinigung Sonderbund zusammen: Julius Bretz, Max Clarenbach, August Deusser, Walter Ophey und Wilhelm Schmurr, die Brüder Alfred und Otto Sohn-Rethel aus der alteingesessenen Düsseldorfer Malerfamilie sowie der Architekt Joseph Olbrich. In der ersten offiziellen Ausstellung wurden die Arbeiten der neuen Gruppe mit Werken der französischen Moderne kombiniert. Die Bedeutung der Ausstellung wurde von vielen erkannt. 

Noch im August desselben Jahres stießen neue Mitglieder hinzu. Letztlich wuchs die Gruppe zu einer großen Vereinigung von Künstler:innen, Museumsdirektor:innen, Kunsthändler:innen und Sammler:innen an, unter dem Namen Sonderbund Westdeutscher Kunstfreunde und Künstler. Neben verschiedenen Ausstellungsteilnahmen wurde eine jährliche Sonderbund-Ausstellung etabliert, in der weiterhin zeitgenössische nationale Arbeiten neben der internationalen Avantgarde präsentiert wurden. Vor allem die Sonderbund-Ausstellung 1912 in Köln gilt bis heute als eine der wichtigsten Ausstellungen moderner Kunst. Es sollte zugleich die letzte Ausstellung des Sonderbund bleiben. Bereits 1915 löste sich der Sonderbund aufgrund interner Differenzen wieder auf.

Das Junge Rheinland - der feuerspuckende Vulkan

Wenige Monate nach Ende des Ersten Weltkrieges war das Frühjahr 1919 eine Zeit des Um- und Aufbruchs im Rheinland. Die rheinischen Künstler:innen versuchten aktiv zum gesellschaftlichen Wandel beizutragen und sich von der Ordnung des wilhelminischen Kunst- und Kulturbetriebes zu lösen. Im November 1918 riefen der Dichter und Jurist Herbert Eulenberg, der Maler Arthur Kaufmann und der Schriftsteller und Illustrator Adolf Uzarski zum Zusammenschluss der gesamten jungen rheinischen Künstlerschaft auf. Am 24. April 1919 folgte daraufhin die Gründung der Künstlervereinigung Das Junge Rheinland

Ziel der Gruppe war es, lokal und überregional Ausstellungsmöglichkeiten und Sichtbarkeit für die junge rheinische Kunst zu schaffen. Dabei stellten sie sich bewusst in die Tradition des Sonderbundes Westdeutscher Kunstfreunde und Künstler.Im Jungen Rheinland versuchte man bereits mit dem Aufruf zum Zusammenschluss aus den Fehlern des Sonderbundes zu lernen. Bewusst wurde von Beginn an ein möglichst großer Kreis an Künstler:innen angesprochen, um als heterogener, aber dadurch eben auch großer Zusammenschluss mehr Einfluss nehmen zu können und längerfristig als Verbund bestehen zu bleiben. Zudem galt es, entgegen den Zielsetzungen des Sonderbunds, die Relevanz rheinischer Kunst herauszustellen und regionale Kunst zu fördern. Die Auswahl der ausgestellten Arbeiten unterlag einem komplexen Jurysystem, durch das die Mitglieder umfangreiche Mitbestimmungsrechte innehatten.
Über die Zeit wuchs Das Junge Rheinland auf mehr als 450 Mitglieder an und wurde damit zum Sammelbecken für Künstler:innen und Intellektuelle der unterschiedlichsten Tendenzen und Fachrichtungen – Maler:innen, Grafiker:innen, Architekt:innen, Gestalter:innen, Dichter:innen und Schauspieler:innen.