Direkt zum Inhalt

Der Volksaufstand vom 17. Juni 1953

Eine virtuelle Ausstellung der Deutschen Digitalen Bibliothek

Demonstranten am Brandenburger Tor, Berlin, 17. Juni 1953 Foto: Harry Croner, Stiftung Stadtmuseum, Berlin

Die Ausstellung

Zur Eröffnung dieser virtuellen Ausstellung sind genau 70 Jahre seit dem Aufstand vom 17. Juni 1953 in der DDR vergangen. Was bedeutet dieser Tag? Der Volksaufstand in der mittlerweile untergegangenen SED-Diktatur fügt sich in eine Reihe demokratischer Aufbrüche in der deutschen Geschichte: Die Revolution von 1848 und die Weimarer Republik gehören ebenso dazu wie die friedliche Revolution von 1989.

Heutzutage steht der Protest vom 17. Juni 1953 als Symbol für Zivilcourage und das Eintreten für demokratische Freiheit.

01
Zur Entstehung der DDR

Sowjetische Besatzungszone

Der Raub- und Vernichtungskrieg des nationalsozialistischen Deutschlands und seiner Verbündeten überzieht Europa und Nordafrika von 1939 bis 1945 mit massenhaftem Tod und Leid. Bei der Aufteilung Deutschlands unter den alliierten Siegermächten USA, Sowjetunion, Großbritannien und Frankreich entstehen im Mai 1945 vier Besatzungszonen. Berlin wird im Juli 1945 zwischen den vier Alliierten in Einflussbereiche aufgeteilt.

Ein durch deutsches Militär zerstörter polnischer Bunker nahe Danzig, 1939
Foto: Hugo Jäger
Stiftung Deutsches Historisches Museum

02
Zur Vorgeschichte des Aufstands

Das mangelhafte Angebot an Konsumgütern, etwa Lebensmitteln, bei gleichbleibend niedrigen Löhnen kann nicht wirksam bekämpft werden. Der fortbestehende Druck, Repressionen und Mangel führen bereits Ende 1952 zu vereinzelten Protesten und zahlreichen Streiks der ostdeutschen Arbeiter*innenschaft.

Da die DDR als "Arbeiter- und Bauernstaat" propagiert wird, muss jede reale Arbeitsniederlegung von Partei und Staat als schwere Kritik an der SED-Diktatur gedeutet werden.

SED, Landesleitung Groß-Berlin, Propagandaschrift über Streiks in kapitalistischen Ländern, 1952 [Titel], Stiftung Deutsches Historisches Museum

Um das Regime in Ost-Berlin angesichts des Protests in der Bevölkerung und der Massenflucht zu stabilisieren, ordnet die sowjetische Führung in dieser Zeit gegenüber dem SED-Regime an, Tempo und Härten beim "Aufbau des Sozialismus" zu mildern.

Eine Rücknahme bei der eingeschränkten Versorgung mit Lebensmittelkarten, eine Revision von Zwangskollektivierungen in der Landwirtschaft und ein Ende der Verfolgung von Kirchenmitgliedern zählen am 9. Juni 1953 so zu den überstürzten Versuchen der SED, die DDR-Bevölkerung zu befrieden. Allerdings wird eine Maßnahme im Zuge dieses "Neuen Kurses" nicht zurückgenommen, die nun zum Stein des Anstoßes für den Volksaufstand wird: die Arbeitsnormenerhöhungen in der Industrie.

03
Der Aufstand: Das Zentrum Berlin

Einschreiten der DDR und sowjetischer Kräfte

Bereits am 16. Juni erbittet Walter Ulbricht von den sowjetischen Behörden in Ost-Berlin vergeblich die Genehmigung, zur Niederschlagung der Proteste Schusswaffen einsetzen zu dürfen.

In der Nacht zum 17. Juni 1953 koordiniert die sowjetische Armee ihren Einsatz mit den überforderten ostdeutschen Polizeieinheiten. Die Kasernierte Volkspolizei zeigt sich den Protestierenden unterlegen. Schlägereien, die Erstürmung von Polizeiwachen oder die Demontage von Schildern an der Sektoren-Grenze können nicht verhindert werden. Führende Vertreter*innen des SED-Regimes sind in das Hauptquartier der sowjetischen Besatzungsmacht geflohen.

04
Von der Hauptstadt ins Land

05
Reaktionen und Folgen im Kalten Krieg

06
Gedenken

Gedenken

Am 22. Juni 1953 benennt der West-Berliner Senat die zum (gesperrten) Brandenburger Tor führende Magistrale in "Strasse des 17. Juni" um. Einen Tag später erweist der West-Berliner Bürgermeister Ernst Reuter (SPD) zusammen mit Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) den verstorbenen Aufständischen die letzte Ehre.

Noch 1953 küren SPD und CDU den 17. Juni zum nationalen Feiertag. Angeführt von Jakob Kaiser (CDU), Bundesminister für gesamtdeutsche Fragen, wird das Kuratorium Unteilbares Deutschland gegründet.

Kuratorium Unteilbares Deutschland, Plakat zum Aufstand des 17. Juni 1953, um 1955, Stiftung Deutsches Historisches Museum

Mit dem Bau der Mauer am 13. August 1961, vor allem aber mit der einsetzenden Entspannungspolitik verliert das Gedenken an den 17. Juni mehr und mehr an Bedeutung.

Mit der Wiederveinigung 1990 wird der bis dahin begangene Nationalfeiertag zum Gedenktag. Seinen Platz nimmt der 3. Oktober als Tag der deutschen Einheit ein.

Ausklang

Hennigsdorfer Stahlarbeiter durchqueren bei Ihrem Marsch nach Ostberlin den Westberliner Arbeiterbezirk Wedding