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Gemeinsam für Freies Wissen

20 Jahre Wikipedia

Eine virtuelle Ausstellung von

Über diese Ausstellung

Am 15. Januar 2001 erblickte die Wikipedia das Licht der Welt, am 16. März 2001 folgte die deutschsprachige Wikipedia. Als Geburtstagsgeschenk an die Wikipedia-Community und all diejenigen, die täglich mal eben schnell was auf der Internet-Enzyklopädie nachschlagen, ist diese Online-Ausstellung entstanden. 

Natürlich ist es unmöglich, den rund 6000 Wikipedianer*innen gerecht zu werden, die regelmäßig die Enzyklopädie auf dem neuesten Stand des Wissens halten. Gemeinsam für Freies Wissen lädt vielmehr zu einem unterhaltsamen Spaziergang ein, der einige Grundlagen, Kuriositäten, Schlaglichter und Meilensteine der Wikipedia beleuchtet. Im Mittelpunkt stehen dabei die Beiträge der Wikipedianer*innen, die wir aus den Einreichungen auf einen Aufruf an die Community auswählten - unser Dank gilt allen, die sich daran mit ihren vielfältigen Ideen beteiligt haben!

Wikipedia setzt auf Kooperation mit verschiedenen Kultureinrichtungen. Die Deutsche Digitale Bibliothek bietet die Möglichkeiten zur Gestaltung virtueller Ausstellungen. Wir danken den Kolleg*innen der DDB für die Kooperation.

Viel Spaß wünschen Euch
Fuchs B  sowie Damaris & Elisabeth von Artefakt Kulturkonzepte

Der Gang durch die Ausstellung:

Ihr könnt Euch linear durch die Ausstellung scrollen, achtet dabei auf die Slider und wagt ein paar Seitenblicke. Über das Hamburger-Menü rechts oben könnt ihr direkt in die Kapitel springen. 

Kapitelüberblick:
 

1.  Meilensteine des Freien Wissens
2. Die Wikipedia-Community
3. Lebhafte Aushandlungsprozesse
4. Vernetzung und Professionalisierung
5. Steckenpferde
6. Glückwünsche

01
Meilensteine des Freien Wissens

Einerseits ist Wissen abstrakt, man kann es nicht wie ein Stück Land in Besitz nehmen. Andererseits hat jeder Schnipsel Wissen eine*n Urheber*in. Alles gehört irgendwem, auch Wissen. Im besten Fall gehört es allen.

Freies Wissen...

... ist Wissen, das jeder Mensch ohne juristische, soziale und technologische Beschränkungen nutzen, wiederverwenden und weitergeben darf (englisch Open Knowledge).

Zu freiem Wissen können alle möglichen Arten von Inhalt gehören: Texte, Bilder, Musik, Filme, Software, Datenbanken oder auch Lernmaterialien. Diese Inhalte sind frei wie in "Freiheit": Sie wurden von ihren Urheber*innen unter einer Lizenz in die Freiheit entlassen, die jeder Person die Weiterverwendung unter den angegebenen Bedingungen erlaubt. Die Inhalte sind aber auch frei wie "Freibier": sie sind kostenlos und alle dürfen sich davon nehmen.

Der Begriff ist noch jung, aber die Idee ist schon sehr alt: Ein Druck des Diamant-Sutras aus dem Jahr 868 enthält den Vermerk "zur universellen Verteilung".

Ein Teil des gedruckten Diamant-Sutras von 868

Wissen weitergeben

Menschen auf der ganzen Welt sammeln, übertragen und entwickeln seit Jahrtausenden ihr Wissen. Sie überliefern es an zukünftige Generationen bis heute mündlich, in Bildern und in Texten.

Am besten kann Wissen weitergegeben werden, wenn viele verschiedene Medienformen zusammenkommen. Bei Wikipedia gibt es deshalb neben Bildern und Texten auch Videos und Tondokumente.

Neben dem Wissen, das durch wissenschaftliche Forschung entsteht, gibt es auch indigene und traditionelle Formen des Wissens. In der Wikipedia-Community wird diskutiert, wie dieses Wissen zukünftig besser in die Wikipedia einfließen kann.

"Storyteller Under Sunny Skies", Tonskulptur der Jemez Pueblo-Künstlerin Rose Pecos-Sun Rhodes, 1993

Der, die oder das Wikipedia?

Am Abend des 15. März 2001 ging die deutschsprachige Wikipedia online, zunächst unter der Domain deutsche.wikipedia.com. Ende des Monats hatte sie schon mehr als 2.000 Artikel. Am Anfang herrschte Verwirrung über den Namen. Auf der Startseite standDies ist der/die/das neue deutschsprachige Wikipedia.

Welches grammatische Geschlecht hat wohl Wikipedia auf Deutsch? Enzyklopädie sei Femininum, so wurde argumentiert - aber müsste es dann nicht die deutsche Wikipädie oder die deutsche Wiki-Enzyklopädie heißen? Oder ist Wikipedia eher ein Ding, also das Wikipedia ? SoniC schrieb: ...egal welches Genus Du wählst, es wird sich immer albern anhören, weil Wikipedia kein deutsches Wort ist. Die meisten deutschen Nomen, die auf -a enden, sind Femininum, aber trotzdem, ‘die deutsche Wikipedia’ ist albern.

02
Die Wikipedia-Community

Ich bin ein unverbesserlicher Klugscheißer und wollte den anderen Klugscheißern mal zeigen, wo der Bauer den Hammer hängen hat.

Geolinas Urkunde und drei Wikipedia-Kalender

Wie werde ich Wikipedianer*in?

Fotowettbewerbe zählen zu den erfolgreichsten Aktionen im Wikiversum. Mit wenig Vorbildung können neue Fotograf*innen motiviert werden, ihre Bilder einzureichen. Auch als Neuling hat man gute Chancen, die Jury zu überzeugen und einen Preis zugesprochen zu bekommen. Ich spreche aus eigener Erfahrung: Es motiviert ungemein, mehr beizutragen.

Eine schöne Tradition und ein Aushängeschild für die tollen Fotowettbewerbe WikiLovesMonuments, WikiLovesEarth und WikiDaheim sind die jährlichen Fotokalender.
Die Einladung zur Auszeichnung 'Best of 2019' von Wikimedia Österreich in die Wiener Hofburg und die Auswahl eines Fotos für den Kalender war für mich einer der schönsten Momente in meinem 'Wiki-Leben'. Geolina

Wikipedianer*innen auf Reisen

Über Fotowettbewerbe wie Wiki Loves Monuments und WikiDaheim gewann das Abbilden von Objekten und Landschaften mehr Bedeutung. Ob in meiner Heimatstadt oder auf Reisen, es gibt immer noch endlose Möglichkeiten, die Wikipedia ein bisschen informativer zu machen. Mit dabei sind regelmäßig Dinge wie der Wikipedia-Rucksack. Tsui

Foto des Wochenendes

Vollkommen unerwartet gelang mir das Foto des Wochenendes. Als nach der Siegerehrung alle anderen Fotografen gegangen waren – die Agenturen warteten auf ihre Fotos –, blieb ich noch ein wenig am Siegerpodest stehen.

Ich erwischte den Moment, in dem Gesamtweltcupsiegerin Natalie Geisenberger die Kristallkugel küsste. Und egal, wie viele schöne Fotos ich in den folgenden Jahren auch noch erstellte, dieses ist bis heute eines meiner liebsten Fotos. Sandro Halank

Natalie Geisenberger nach der Siegerehrung am 26. Februar 2017 beim Rennrodel-Weltcupfinale in Altenberg

03
Lebhafte Aushandlungsprozesse

Wikipedia möge die Balance zwischen Offenheit und Qualität wieder ein bisschen in Richtung Offenheit verlagern, damit mehr Menschen mitmachen können, um auch langfristig die Qualität zu erhalten. Dazu müssen wir an der Kommunikation und dem Miteinander arbeiten.

Was ist relevant?

Damit ein Lemma den Weg in die deutschsprachige Wikipedia findet, sollte sein Thema - vereinfacht zusammengefasst - folgende Relevanzkriterien erfüllen:

1) Personen, Ereignisse oder Themen mit aktuell breiter Öffentlichkeitswirkung werden auch zeitüberdauernd von Bedeutung bleiben.
2) Das Lemma wird in einem anerkannten Lexikon, einer Enzyklopädie, einem fachspezifischen Nachschlagewerk oder einer Biografiensammlung behandelt.
3) Das Lemma weist aus wissenschaftlicher, kultureller oder politischer Sicht eine Bedeutung auf.
4) Lebende Personen sind wegen ihrer Beteiligung an historischen, politischen oder sonstigen nachrichtenwürdigen Ereignissen bekannt, oder sie stellen eine weit bekannte Persönlichkeit aus der Unterhaltungsbranche dar, oder ihr Werk wird als herausragend anerkannt und ist dauerhaft Teil der Geschichte des Fachgebiets geworden.

Für über 99 % der Bevölkerung unüberwindbar: die Relevanzhürde

Die Wikiquette

Gemeinschaftsprojekte wie Wikipedia entstehen und wachsen durch Diskussion - je größer die Gemeinschaft, desto vielfältiger die Meinungen. Hinter allen Artikeln stecken Menschen, die ehrenamtlich persönliches Engagement eingebracht haben. Aushandlungsprozesse sind machmal schmerzhaft.

Damit alle gut miteinander umgehen, gibt es die 10 Regeln der Wikiquette:

  1. Keine persönlichen Angriffe.
  2. Geh von guten Absichten aus.
  3. Sei freundlich.
  4. Hilf anderen.
  5. Bleibe ruhig.
  6. Die Mitarbeit in der Wikipedia beruht auf dem Prinzip der Freiwilligkeit.
  7. Lass anderen Benutzern ihre Anonymität.
  8. Weniger Öffentlichkeit kann eine Konfliktlösung manchmal erleichtern.
  9. Sei nicht nachtragend.
  10. Keine Namen in Überschriften.

Ringen um Vielfalt

Raknete nutzte die Wikipedia als Leserin bereits seit vielen Jahren. Als Science-Fiction-Autorin fiel ihr auf, dass man sich auf der Suche nach Kolleginnen durch die Vornamen der auf Wikipedia existierenden gemischtgeschlechtlichen Liste scrollen musste, eine Filterung nach Geschlecht war nicht möglich. Deshalb erstellte sie 2019 die Liste deutschsprachiger Science-Fiction-Autorinnen.
Kurz darauf folgte der erste  Löschantrag.

Die daraus resultierende Diskussion nahm in den nächsten Monaten (wenn man sie gedruckt hätte) einen Umfang von über tausend Seiten an und resultierte in einer Online Petition und zwei Meinungsbildern. Die Aktion #wikifueralle war geboren. Nils Simon, Ulrich Tausend und ich wollten Frauen und nichtbinäre Menschen mithilfe von geschlechtergerechter Sprache in der Wikipedia sichtbarer machen. Denn die Wikipedia sollte die Welt so widerspiegeln, wie sie ist: männlich, weiblich und divers! Obwohl unsere Vorschläge am Ende von der Wikipedia-Community abgelehnt wurden, kommt an der Diskussion um #wikifueralle von nun an keiner mehr vorbei. Raknete

Mehr Diversität bitte!

Die Autor*innenschaft der Wikipedia spiegelt die Diversität der globalen Gesellschaft nicht wider. Laut Bericht in der Wochenzeitung Die Zeit im Januar 2021 sind 90 % der Autor*innen männlich. Drei Viertel der weltweit tätigen Autor*innen verfügen über einen akademischen Abschluss, lediglich 15 % haben keine Hochschulreife, 54 % sind mindestens 45 Jahre alt. Diese Daten stammen aus regelmäßigen Befragungen der Wikimedia Foundation, hier aus dem Jahr 2018.

Aus der Wikipedia-Community heraus gibt es zahlreiche Initiativen, um Wikipedia vielfältiger zu machen, darunter das WikiProjekt Barrierefreiheit, WomenEdit, Wikimedia LGBT+, die AfroCROWD User Group und Noircir Wikipedia.

Absolut unvergessen geblieben ist mir eine Begegnung auf einer Treppe bei der WikiCon 2013 in Karlsruhe. Mir als Frau kamen drei gestandene Wikipedianer entgegen und stellten die Frage: 'Wo geht es hier zu Rassismus und Frauenfeindlichkeit in der DE-Wikipedia?' Itti 

Women in Red

Women in Red (Frauen in Rot), abgekürzt WiR, ist ein kollaboratives Schreibprojekt mit dem erklärten Ziel, den Gender-Gap (Geschlechterkluft) in der Wikipedia zu verringern. Das Projekt wurde in die Welt gerufen, damit Artikel über bemerkenswerte Frauen übersetzt werden.

IvaBerlin nahm an der Wikimania 2016 in Esino Lario (Italien) teil: Ich lernte dort das Projekt der 'Women in Red' kennen und fragte mich, weshalb es etwas Ähnliches nicht schon längst in der deutschsprachigen Wikipedia gibt. Doc Taxon, mit dem ich mich immer noch an einem Tisch in Esino Lario sitzen sehe, erklärte seine Bereitschaft, mich mit seinen Fähigkeiten zu unterstützen.
2017 gab es dann den ersten Edit-a-thon zu den 'Frauen in Rot'. Seit diesem Zeitpunkt sind mindestens 240 neue Biografien entstanden, zu denen es in mindestens einer anderen Sprache bereits einen Artikel gibt.

Logo für das Projekt Women in Red
Ein Wikipedia Ansteckpin umgenutzt als Ohrring, Ruanda, 2018

Lücken schließen

Es gibt zu wenig Frauen, die in der Wikipedia schreiben und zu wenig Wikipedia-Artikel über Frauen. Am internationalen Frauentag, dem 8. März, findet seit ein paar Jahren in 98 Ländern die Veranstaltung „WikiGap“ statt, geplant von Wikimedia Schweden und dem schwedischen Außenministerium – durchgeführt von lokalen WikipedianerInnen.

2018 gab es noch ein Land ohne eine einzige Wikipedianerin: Ruanda. Es konnte dort niemand aus einem Nachbarland WikiGap durchführen, da alle, die in Frage kamen, WikiGaps in ihrem eigenen Land hatten.

Ich bin deshalb nach Ruanda geflogen, um dort 23 Ruanderinnen zu zeigen, wie man Wikipedia-Artikel schreibt. Als Geschenke hatte ich unter anderem Wikipedia-Anstecker mitgebracht. Überrascht war ich, als eine Teilnehmerin den Anstecker als Ohrring verwendete. Eine Sache, die man als selbstverständlich ansieht, kann man auch aus einem ganz anderen Blickwinkel betrachten. Gereon K.

Sprachenvielfalt und Erhalt

Das Wikipedia-Kapperl war eines der ersten Wikipedia-Produkte, das der 2008 gegründete Verein Wikimedia Österreich produzieren ließ. Die Aufschrift "Jänner!" ist entsprechend als selbstbewusster Aufruf zu Vielfalt und Recht auf eigene Identität zu entschlüsseln.

"Jänner" ist in österreichischem Hochdeutsch die Bezeichnung für "Januar". Deutsch ist eine plurizentrische Sprache mit mehreren Standardvarietäten, darunter österreichisches Deutsch. In der deutschsprachigen Wikipedia stellt sich die Frage, welche Standardvarietät verwendet werden darf. Wenn jemand aus Österreich in einem Wikipedia-Artikel "Jänner" oder "Erdgeschoß" schreibt, kommt es schnell vor, dass jemand anders das in das nur scheinbar "richtigere" "Januar" oder "Erdgeschoss" verändert. Zumindest in deutschsprachigen Wikipedia-Artikeln mit Österreich-Bezug darf inzwischen österreichisches Deutsch verwendet werden.

 

Wikipedia-Kapperl des 2008 gegründeten Vereins Wikimedia Österreich

04
Vernetzung und Professionalisierung

Gerade in Zeiten der aktuellen Pandemie zeigt sich, wie wichtig mir die persönlichen Treffen mit anderen Wikipedianern geworden sind. Stammtische, Lokale, WikiCons, Wikimanias, GLAM-Treffen, sie waren zu einer Selbstverständlichkeit geworden und werden doch jetzt wieder als etwas Besonderes vermisst.

Unterwegs mit dem Wikitrain

Elya beschreibt das handgemalte Wiki-Banner und die damit verbundene Geschichte als Symbol für die Verbundenheit der internationalen Community. Es steht für eine von vielen Aktionen, die außerhalb der Enzyklopädie  im realen Leben stattfinden.

Auf dem Weg zur Wikimania 2010 in Gdansk grüßen Kölner Wikipedianer*innen die Reisenden im Zug.

Das Banner wurde 2010 von der Kölner Community angefertigt, um den durchreisenden 'Wikitrain' zu begrüßen. Der Zug startete am 5. Juli 2010 in London; in Brüssel stiegen weitere Community-Mitglieder zu. In Köln gab es etwa vier Stunden Aufenthalt, bevor es über Berlin und Poznań nach Gdańsk zur Wikimania weiterging. Die Kölner Community ließ sich nicht nehmen, die Reisenden und Zusteigenden in Empfang zu nehmen und ein kurzes, internationales Meetup im nahegelegenen Brauhaus zu veranstalten. Bei der Gelegenheit entstand das Video. Das Banner wurde von allen signiert, reiste zur Wikimania, kehrte auf Umwegen wieder nach Köln zurück und fand seinen Platz im ersten Community-Stützpunkt, dem Lokal K.  Elya

Community Spirit

Die WikiCon2012 in Dornbirn war unsere erste gemeinsame WikiCon. In einer fantastischen Umgebung, organisiert von einem großartigen Orgateam, gab es in einer perfekt ausgestatteten Fachhochschule viel Raum für Austausch unter den Wikipedianer*innen. Die Konferenzunterlagen waren innovativ: Infos auf USB-Sticks am Lanyard, das Programm als kleines Heft als Namensschild.

Wir waren von dem Format, der Atmosphäre und von dem Communityspirit dieser Veranstaltung so beeindruckt, dass wir uns in den folgenden Jahren mehrfach im Organisationsteam der WikiCon engagiert haben. Diese Veranstaltung ist für uns das wichtigste Wikipedia-Wochenende des Jahres. Geolina163 und 1971markus

Teilnehmerunterlagen der WikiCon in Dornbirn 2012
Anlässlich GLAM-on-Tour: Wiki goes MEK! 2.0 fotografiert Medea7 im Museum Europäischer Kulturen in der Ausstellung "Hochzeit" 2018

Mehr Kultur bitte!

Wikipedia sammelt Wissen. Vieles ist noch unvollständig und wird ständig erweitert.
GLAM (Galleries, Libraries, Archives, Museums) ist ein Format, bei dem sich Wikipedia-Aktive und Kulturinstitutionen begegnen, um Inhalte auszutauschen. 2018 führte GLAM-on-Tour ins Museum Europäischer Kulturen, wo Alltägliches in einen wissenschaftlichen Kontext gesetzt wird.

Im Kanon der Wissenschaft fehlen viele Themen, die als privat marginalisiert werden, z. B. die Antibabypille. Dabei spielt die Fortpflanzung in unserem Leben eine entscheidende Rolle. Sie bildet die Zukunft einer Gesellschaft.  Medea7

Chapeau!

2015 wurde die Wikipedianische KulTour ins Leben gerufen – organisatorisch niederschwellig liegt bei den Touren der Fokus auf einem Ausstellungsthema. Ein Ziel der KulTouren ist es, nachhaltige Kontakte zu der jeweiligen Kultureinrichtung aufzubauen.

Auftakt war der Besuch im LVR-Museum Textilfabrik Cromford zur Ausstellung Chapeau! 150 Jahre Hutgeschichte. Aus dieser KulTour hat sich eine intensive Zusammenarbeit zwischen der Wikipedia und dem Landschaftsverband Rheinland entwickelt. So wird von den Kölner Wikipedianer*innen auch der Baufortschritt und die Eröffnung des neuen  MiQua – Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln – begleitet.

Besonders stolz sind wir in diesem Zusammenhang darauf, dass sogar Drohnenflüge über die Archäologischen Zone und die Baustelle in Köln genehmigt wurden.  Geolina

Blauer Samthut 1920er Jahre, aufgenommen von Geolina während der KulTour 2015 im LVR Industriemuseum Cromford bei der Ausstellung "Chapeau!"

Professionelles Equipment

Wir haben diese Westen machen lassen, da wir öfter auf Demonstrationen zum Fotografieren und Dokumentieren für Wikipedia waren und dachten, wir brauchen einen gewissen Schutz, um keine Probleme zu bekommen, wenn wir unsere Fotoapparate eingesetzt haben und neugierig waren. Wir haben diese Westen bei anderen Journalisten gesehen, dort natürlich mit dem Aufdruck 'Presse', und haben uns gedacht, dass das für uns auch geeignet wäre, um unbehelligt unsere Fotos machen zu können. Hat auch super funktioniert, wir hatten niemals Schwierigkeiten in all den Jahren. Rikki Mitterer und Asurnipal

Reflektierende Schutzweste

Selbst ist der Fotograf

Fast die gesamte Zeit, in der ich bei Wikipedia mitwirke, tue ich das auch im Bereich Sport. Da Bilder Artikel bereichern und wir keine Inhalte käuflich erwerben können, begannen wir schon früh, selbst Fotos zu machen. Seit einiger Zeit passiert das auch vermehrt durch offiziell akkreditierte Wikipedianer.

Angefangen bei einem Rennrodel-Weltcup 2015 in Altenberg sind Rodeln und Bobsport seitdem meine zentralen Interessensgebiete geblieben. Mittlerweile habe ich auch beim Biathlon, Rudern und Schwimmen fotografiert. Höhepunkte waren bislang sicher die Olympischen Jugendspiele 2018 in Buenos Aires und 2020 in Lausanne. In Argentinien fand ich mit Beachhandball eine weitere sportliche Liebe, der ich für Wikipedia treu bleibe. Marcus Cyron

Das Auditorium von Wikipedia trifft Altertum in der Universität Göttingen, 2011

Manager*innen erwünscht

Über 100 Teilnehmende waren 2011 zum ersten Wikipedia-Fachkongress Wikipedia trifft Altertum gekommen und warteten auf mein Grußwort, schreibt DerHexer. Sein Gedanke war: Ich kann wohl noch besser Menschen zu Wikipedia motivieren, als nur selbst dazu beizutragen.

Bereits seit 2005 aktiver Wikipedianer beschloss DerHexer 2011 gemeinsam mit seinen Kolleg*innen des Fachgebiets Altertum, alle großen deutschen Altertumsverbände als Unterstützende für den Kongress zu mobilisieren.

Der Erfolg des Kongresses veränderte sein Wiki-Leben und öffnete die Tore zur Organisation vieler weiterer Veranstaltungen, die über Wikipedia aufgeklärt und Menschen zusammengebracht haben.

 

05
Steckenpferde

Ein Stein fiel uns vom Herzen – wir haben es geschafft. Heil und mit einigen Kratzern sind wir später zu Hause angekommen. Ordentlicher Muskelkater hat sich dann am nächsten Tag eingestellt, aber echte Wikipedianer kennen ja keine Schmerzen.

Rikki Mitterer nach einer Fotoexpedition zum Blocksberg

Das Große im Kleinen sehen

Es ist immer wieder verblüffend, wie intensiv sich Menschen für besondere, vermeintlich nischige Themen engagieren und damit Wissen und Kulturerbe vor dem Verblassen bewahren. Die Wikipedia ist ein dankbarer Ort für solches Engagement, das Große im Kleinen zu bewahren.
 

Als ich vor gut zehn Jahren im Internet von Hybridbildern las, wollte ich wissen, wie diese funktionieren. In der Wikipedia gab es keine Bebilderung. Ich wollte daher ein Bild auf der Basis eines Golfballs erstellen und suchte dafür noch zusätzlich eine kreisrunde Figur. Mein Blick fiel auf den Wikipedia-Puzzleball. Zehn Jahre später war die Videotechnik so ausgereift, dass ich anlässlich des 20. Geburtstages der Wikipedia kurzerhand und ohne große Mühen einen passenden Videoclip erstellen und im Wikipedia-Artikel 'Hybridbild' verlinken konnte. 
Es handelt sich um mein persönliches Geburtstagsgeschenk für die Wikipedia, das als Symbol dafür steht, dass es sich lohnt, tiefer in eine Materie einzudringen und genauer hinzuschauen.  Bautsch

Die Reise eines Fotos

Dieses historische Foto von Kairo hat den Weg von den Schatzkammern der Schweizerischen Nationalbibliothek via Wikipedia in die weite Welt gefunden. Aufgenommen hat es der Schweizer Ballonpionier Eduard Spelterini 1904. Entdeckt habe ich das Bild, nachdem es von der Nationalbibliothek, zusammen mit weiteren Aufnahmen von Spelterini, 2014 in die Mediendatenbank von Wikipedia hochgeladen worden war. Auch wenn ich nie in Kairo gewesen bin, interessierte mich, was darauf zu sehen ist. So fand ich heraus, dass das große Gebäude rechts das 1902 eröffnete Ägyptische Museum ist.

Also fügte ich das Foto in den Wikipedia-Artikeln über das Museum auf Deutsch, Französisch, Italienisch und Englisch ein. Weitere Wikipedianer ergänzten es in den Artikeln auf Arabisch, Latein, Singhalesisch und Slowenisch. Bis Ende 2020 wurden die Artikel mit dem Foto über 1.5 Mio mal aufgerufen, 700 mal pro Tag. Hadi

Historische Aufnahme von Kairo, Foto von Eduardo Spelterini, 1904

Lokalgeschichte auf Umwegen

Wie ich Wissen über Ägypten nach Ägypten brachte...
2008 stieß ich im Netz auf einen Zeitungsartikel, der von einem Fußballspiel 1947 zwischen deutschen Kriegsgefangenen und ihren britischen Bewachern im ägyptischen Ort Fayed berichtete (ähnlicher Artikel). Da ich schon mehrfach in Fayed war und eine besondere Beziehung zu dem Ort und dem Sueskanal habe, schrieb ich einen Artikel über den Ort und die dortigen Lager. Zudem fand ich heraus, dass sich dort ein britischer Soldatenfriedhof befindet, der weiterhin sorgsam von der Commonwealth War Graves Commission gepflegt wird und auf dem auch deutsche Kriegsgefangene beerdigt sind.

Ende 2008 besuchte ich Freunde in Kairo und bat sie, mit mir in Fayed den Friedhof zu suchen. Meine Freunde sind dort oft übers Wochenende, aber von diesem Friedhof hatten sie noch nie gehört, ja, sie bezweifelten gar dessen Existenz. Nach längerem Suchen fanden wir den Friedhof tatsächlich. Er war an diesem Tag geschlossen, aber es gab eine Lösung: Der Friedhofswächter kam, hörte, dass ich aus Deutschland bin, und öffnete gegen ein Bakschisch das Tor. So konnte ich die gewünschten Fotos machen.

Die größte Freude: Meine ägyptischen Freunde waren dankbar, dass sie von diesem Ort, der eine grüne Oase in der staubigen Wüste ist, erfahren hatten – auch wenn sie erst gar nicht glauben wollten, dass es ihn gibt…
Nicola (auch Al-Mudira  'العربية genannt)

Kurioses bewahren

Ich schreibe über Osttimor. Leider ist Material über historische Persönlichkeiten oft selten. Doch zu António de Albuquerque Coelho fand ich eine kuriose Lebensgeschichte. Geboren als Sohn eines portugiesischen Beamten und einer Brasilianerin mit europäisch-indigenen Wurzeln wurde er Gouverneur in Timor, Macau und Pate. 2011 wurde der Artikel mit Lesenswert ausgezeichnet, doch fehlte ein Bild, das Coelho oder etwas, was mit ihm zu tun hatte, darstellt.

Es gibt aber noch etwas. In der Kirche Santo Agostinho in Macau findet sich eine Grabplatte an der Wand, hinter der sich eine Urne mit den Knochen von Maria de Moura, die er ehelichte als sie 12 Jahre alt war, sowie der gemeinsamen Tochter und seines rechten Armes befinden. Ich bin ab und zu mal in China, aber ein Besuch in Macau war gerade nicht geplant.
Doch das Thema brannte in mir. 2015 war es so weit. An einem heißen Tag bin ich mit Frau und Kinderwagen durch Macau gelaufen, habe in der Kirche einen Wächter angetroffen, der mir die Platte zeigte. Der Beleg zu Coelhos Leben findet sich nun als Bild im Artikel.  J. Patrick Fischer
Grabplatte aus Granit in der Kirche St. Augustin, Macau, 1725 mit portugiesischer Inschrift

Lokalgeschichte und Zeitzeugen - Kreuzberg

Mellebga lebte von 1949 bis 1969 im Berliner Stadtteil Kreuzberg. Ein gutes halbes Jahrhundert später wird er aktiver Autor der Wikipedia und hält so als Zeitzeuge und Enzyklopädist Wissen um die lokale Geschichte am Leben.

Da ich zwanzig Jahre  in Kreuzberg ansässig war, war es mir ein Anliegen,  Lemmata wie Zossener Straße, Leierkasten, Artur Märchen, Bergmannkiez, Friedhöfe vor dem Halleschen Tor, Heilig-Kreuz-Kirche (Berlin-Kreuzberg) oder Kurt Mühlenhaupt zu bearbeiten, da seinerzeit – ich bin seit 2007 bei der Wikipedia aktiv – manche Lemmata gar keine oder nur wenige Bearbeitungen hatten. Auch der persönliche Kontakt zu Kreuzberger Personen, auch aus dem Kreis der Berliner Malerpoeten führte zu vielen Bearbeitungen in der Wikipedia, die bis heute andauern. Mellebga

Tante-Emma-Laden in der Zossener Straße 52, Berlin

06
Glückwünsche

Schweizer Wikipedianer*innen singen Happy Birthday für die Wikipedia am internationalen Geburtstag, 15. Januar 2021