Zur Geschichte des Zeitungsdrucks
Eine virtuelle Ausstellung von
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Der Zeitungsdruck kommt in Bewegung
Mit der Erfindung seines Handgießinstrumentes, das die schnelle Herstellung beweglicher Lettern ermöglichte, und der Weiterentwicklung der Handpresse, die durch einen beweglichen Untertisch nun einfacher zugänglich war, hat Johannes Gutenberg um 1450 nicht nur den Buchdruck revolutioniert, sondern auch die Weichen für den Zeitungsdruck gestellt.
Zunächst wurden Nachrichten und Informationen durch diesen effizienten Produktionsprozess allerdings nur in Form von Einblattdrucken und Flugschriften unter das Volk gebracht:Sei es eine amtliche Bekanntmachung, Katastrophen natürlicher und menschlicher Art oder ein nahender Komet und dessen Auswirkungen für das Seelenheil. Diese Zeitungsvorläufer kamen unregelmäßig immer dann in Umlauf, wenn ein Thema besonderer Aufmerksamkeit bedurfte.
Erst der Ausbau eines verlässlichen Informationsnetzwerkes machte die periodische Bekanntgabe von mehreren, aktuellen, zusammengefassten Nachrichten in gedruckter Form möglich.
Auch Kuriositäten erfreuten sich reger Beliebtheit.
So wirbt dieser Einblattdruck für die Ausstellung eines präparierten Krokodils, das ab 1563 in deutschen Städten gezeigt wurde. Wie viele Schausteller führte Salvator Flaminio dabei den Bilddruckstock mit sich und passte den Text am Ort der Schaustellung an.
In der vorliegenden Variante erhält der Sensationsinteressierte nicht nur Details zu Größe, Gewicht und Erscheinungsbild, sondern auch gleich die vollständige Geschichte der Gefangennahme und Erlegung zweier „Würmer“ durch einen italienischen Kaufmann, der sich in türkischer Gefangenschaft befand und zum Dank für die Befreiung der Stadt Lybia von den beiden Tieren die Freiheit geschenkt bekam.
Zur anschaulichen Berichterstattung zeitgeschichtlicher Ereignisse dienten während der Blütezeit des Kupferstiches im 16. und 17 Jahrhundert die Bilderbögen. Diese erfreuten sich hoher Beliebtheit, wurden gern gesammelt und teilweise sogar in gesammelter Form veröffentlicht. Heute bieten die detailreichen Darstellungen, begleitet von kurzen erklärenden Versen, einen reichen Quellenfundus.
Hier wird zum Beispiel das Scheitern François d'Anjous abgebildet, der während des Achtzigjährigen Krieges versuchte, Antwerpen durch einen Hinterhalt einzunehmen, um sein Ansehen zu stärken. Die vorgewarnten Einwohner, noch von der Spanischen Furie 1576 traumatisiert, wussten sich jedoch zu verteidigen und schlugen die Angreifer am 18. Januar 1583 in die Flucht.
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Sporadisch – Wöchentlich – Täglich
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Der Zeitungsdruck kommt ins Rollen
Mit dem Gebrauch der Zylinderschnellpresse von Friedrich Koenig gelang dem Zeitungsdruck ein weiterer Schritt hin zum Massenmedium.
1811 patentiert, kam die Maschine 1814 in der Nacht vom 28. auf den 29. November zum ersten Mal zum Einsatz:
Als erste Zeitung der Welt wurde die Londoner Tageszeitung The Times mit der dampfbetriebenen Zylinderdruckmaschine hergestellt.
Die von vier Druckern betriebene Maschine hatte durch ihre zwei Druckzylinder den Vorteil, dass in einem Druckvorgang zwei identische Bogen entstanden. Der unproduktive Rücklauf des Karrens nach dem ersten Druckvorgang wurde nun ebenfalls zum Drucken genutzt. Innerhalb einer Stunde konnten so 1.100 Bogen hergestellt werden.
Der nächste Schritt zum Massenmedium:
Nach dem Druckprinzip rund auf rund kann das Rotationsdruckverfahren für alle drei Hauptdruckverfahren (Tief-, Hoch- und Flachdruck) angewendet werden. Dabei sind die beiden Zylinder, sowohl die Druckform als auch der Gegendruck, in ständiger gegenläufiger Bewegung und nur durch den Bedruckstoff voneinander getrennt. Das schnelle Arbeitstempo von 10.000 bis 12.000 gedruckten Bogen in der Stunde ist vor allem für die Herstellung hoher Auflagen von Nutzen.
Bereits 1846 baute der Brite Augustus Applegath eine Rotationsmaschine für die Times, die trotz ihrer hohen Arbeitsleistung jedoch noch einiger Änderungen bedurfte.
Inspiriert von der 1862 auf der Weltausstellung präsentierten Endlospapiermaschine des Amerikaners Wilkinson wurde 1866 die Walterpresse, benannt nach dem Inhaber der Times, entwickelt.
Die Maschinenfabrik Augsburg orientierte sich 1873 wiederum an der Walterpresse und entwickelte diese weiter.
Dabei sind die Augsburger Rotationsmaschinen die ersten, die sich bei den strapazierenden Anforderungen eines andauernden Werkdrucks bewährten.
Die von Ottmar Mergenthaler entwickelte Setzmaschine stellt besonders im Zeitungssatz das Bindeglied zwischen Handsatz und Desktop-Publishing (DTP) dar.
Dabei wurde das erstmals 1886 vorgestellte „Blower“-Modell bereits 1889 vom grundlegend verbesserten Modell „Simplex“ abgelöst, welches über Jahrzehnte hinweg kontinuierlich weiterentwickelt wurde. So gab es Maschinen mit bis zu sechs Hauptmagazinen für unterschiedliche Schriftarten und -größen und Seitenmagazine für häufig benötigte Sonderzeichen.
Abhängig von der Fertigkeit des Setzers und der Komplexität des Satzes hatte eine manuell bediente Linotype-Setzmaschine regulär eine stündliche Setzleistung von rund 6.000 Zeichen. Mit Lochstreifen gesteuerte Linotype-Setzmaschinen erreichten später eine Leistung von stündlich rund 25.000 Zeichen.
„A line of types!“ – Linotype!
Der zu setzende Text wird vom Setzer über eine Tastatur eingegeben. Für jeden getippten Buchstaben fällt eine Matrize aus einem Magazin in eine metallene Gussform, in der die einzelnen Matrizen zu Zeilen aneinandergereiht werden. Ist eine Zeile vollständig, wird sie mit einer flüssigen Bleilegierung zu einer Einheit mit erhabenen Buchstaben ausgegossen – die namensgebende „line of types“.
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Politik, Zensur und andere Interessen
Der Rheinische Merkur
Der Herausgeber und Publizist Joseph Görres gilt als Schöpfer der modernen politischen Zeitung. Mit der in Koblenz von 1814 bis 1816 erschienenen liberalen Zeitung führte Görres nicht nur einen Kampf gegen Napoleon, sondern setzte sich gleichzeitig mit seiner Kritik an der Politik der deutschen Könige und Fürsten für ein föderales und demokratisches Deutschland ein.
Nach wiederholtem Konflikt mit der Zensurbehörde wurde der Rheinische Merkur schon zwei Jahre nach seiner ersten Veröffentlichung verboten. Ungeachtet der kurzen Laufzeit bildeten die meisterhaften Leitartikel von Görres einen prägenden Wendepunkt der meinungsbildenden Presse im deutschen Zeitungswesen des 19. Jahrhunderts.
In der Deutschen Bundesakte wurde 1815 die Pressefreiheit verankert und nach nur vier Jahren, mit der Einführung einer für den Deutschen Bund einheitlichen Zensur durch die Karlsbader Beschlüsse, 1819 wieder aufgehoben. Als Reaktion auf die Freiheitsbewegungen der Nachbarländer wurden 1830 die Zensurbestimmungen nochmals verschärft.
Wurde ein Artikel einer Zeitung zensiert, zog das die Beschlagnahmung einer ganzen Nummer mit sich, wodurch den Verlagen hohe finanzielle Einbußen entstanden. Um dies zu verhindern, passten sich die Druckereien schon bei der Herstellung an die Zensurauflagen an, was zuweilen in einen heiklen journalistischen Eiertanz ausarten konnte.
Nach der Revolution 1848/49 trat die Paulskirchenverfassung nie in Kraft und die geforderte Pressefreiheit wurde schrittweise wieder eingeschränkt, mit dem Reichspressegesetz von 1874 dann schließlich erstmals einheitlich gesetzlich geregelt, um nach nur vier Jahren durch das Sozialistengesetz 1878 wieder eingeschränkt zu werden.
Nach dem Wegfall dieser staatlichen Zwangsmaßnahme finanzierten sich Zeitungen bald neben ihren Abonnements zu mehr als 50 Prozent durch Anzeigenwerbung.
Unterschieden sich die Anzeigen zunächst nur wenig vom übrigen Layout, nahm die Gestaltung im Zuge der wachsenden Industrialisierung und steigenden Massenproduktion bald geradezu marktschreierische Tendenzen an.
Um die schnelle Produktion und Auslieferung nicht durch die Herstellung von Abbildungen zu verzögern, lehnten Wochen- und Tageszeitungen lange Zeit eine begleitende bildliche Ergänzung ihrer Berichterstattung ab. Die Nachfrage nach grafischen Darstellungen wurde zunächst fast ausschließlich durch Bilderbögen bedient, was sich in ihrer hohen Beliebtheit widerspiegelte.
Es waren die Zeitschriften, die Mitte des 18. Jahrhunderts begannen ihre Titelbilder und vielseitigen Themenangebote zunehmend mit Kupferstichen zu versehen. Die Schwierigkeit, den Tiefdruck der Bilder mit dem Hochdruck der Texte zu verschmelzen, brachte das Aufkommen des Holzstiches. Inspiriert von dieser Entwicklung und der Illustrated London News, gründete 1843 Johann Jacob Weber in Leipzig mit der Illustrirten Zeitung die erste illustrierte Zeitschrift Deutschlands.
Der Einsatz eigener Bildkorrespondenten ermöglichte eine enorme Fülle an Bildern und Bildreportagen über das zeitgenössische, politische und kulturelle Leben. Mit über 300.000 Illustrationen bildet sie als einmaliges Bildarchiv eine wichtige Quelle für das Jahrhundert ihrer Laufzeit (bis 1944).
Die Zeitungslektüre erfreute sich einer immer weiter wachsenden Beliebtheit. Vor allem das Vorlesen und das gemeinsame Lesen mit anschließenden Diskussionen wurde regelmäßig gepflegt. Neben Kaffeehäusern, Lesegesellschaften und -zirkeln traf man sich Ende des 19. Jahrhunderts auch in Volkslesehallen.
Diese gingen aus der sogenannten Bücherhallenbewegung hervor. Eine durch das amerikanische Modell öffentlicher Bibliotheken inspirierte Reform, die die allgemeine Nutzung gut ausgestatteter Leseräume, sowohl mit Büchern als auch Zeitungen und Zeitschriften, ermöglichte. Durch diese Reform wurde die öffentliche, kommunale Trägerschaft von Volksbibliotheken mit hauptamtlichen Bibliothekaren initiiert, um damit dem Anspruch zur Verbreitung der Volksbildung nachzukommen.
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Der Zeitungsdruck wird digital
In den 1990er Jahren wurde dieses Kopierverfahren wiederum durch die Einführung der Computer to Plate-Technik (CTP) ersetzt. Die Druckplatte wird hierbei direkt in einem Belichter mit Computerdaten bebildert.
War die Plattenherstellung bisher der Engpass im Produktionsablauf, verlagerte sich das Problem nun auf den Plattenwechsel in der Maschine.
Der handwerkliche Drucker wurde so immer mehr zum Druckmanager am Leitstand der Maschine.