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Zur Geschichte des Zeitungsdrucks

Deutsches Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek

01

Der Zeitungsdruck kommt in Bewegung



Matrize und gegossene Lettern mit Gusszapfen des Buchstaben „Z“

Ludwig Wagner KG (Leipzig), Gebrauchsgegenstand, Anfang 20. Jahrhundert, Leipzig

Aus der Sammlung von

Deutsches Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek

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Quelle

Foto: Klaus D. Sonntag

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Kurzbeschreibung
Matrize „Z“ zum Ausgießen, Letternrohling mit Gusszapfen, satzfähige Letter
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Mit der Erfindung seines Handgießinstrumentes, das die schnelle Herstellung beweglicher Lettern ermöglichte, und der Weiterentwicklung der Handpresse, die durch einen beweglichen Untertisch nun einfacher zugänglich war, hat Johannes Gutenberg um 1450 nicht nur den Buchdruck revolutioniert, sondern auch die Weichen für den Zeitungsdruck gestellt.

Zunächst wurden Nachrichten und Informationen durch diesen effizienten Produktionsprozess allerdings nur in Form von Einblattdrucken und Flugschriften unter das Volk gebracht:
Sei es eine amtliche Bekanntmachung, Katastrophen natürlicher und menschlicher Art oder ein nahender Komet und dessen Auswirkungen für das Seelenheil. Diese Zeitungsvorläufer kamen unregelmäßig immer dann in Umlauf, wenn ein Thema besonderer Aufmerksamkeit bedurfte.
Erst der Ausbau eines verlässlichen Informationsnetzwerkes machte die periodische Bekanntgabe von mehreren, aktuellen, zusammengefassten Nachrichten in gedruckter Form möglich.



Handpresse

Druckgrafik, um 1865

Aus der Sammlung von

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Flugblatt mit Abbildung eines Krokodils

Salvator Flamini, Druckgrafik, 1563, Frankfurt am Main

Aus der Sammlung von

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Auch Kuriositäten erfreuten sich reger Beliebtheit. 
So wirbt dieser Einblattdruck für die Ausstellung eines präparierten Krokodils, das ab 1563 in deutschen Städten gezeigt wurde. Wie viele Schausteller führte Salvator Flaminio dabei den Bilddruckstock mit sich und passte den Text am Ort der Schaustellung an.

In der vorliegenden Variante erhält der Sensationsinteressierte nicht nur Details zu Größe, Gewicht und Erscheinungsbild, sondern auch gleich die vollständige Geschichte der Gefangennahme und Erlegung zweier „Würmer“ durch einen italienischen Kaufmann, der sich in türkischer Gefangenschaft befand und zum Dank für die Befreiung der Stadt Lybia von den beiden Tieren die Freiheit geschenkt bekam.



Flugblatt - Anschlag auf Antwerpen

Druckgrafik, um 1583

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Deutsches Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek

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Zur anschaulichen Berichterstattung zeitgeschichtlicher Ereignisse dienten während der Blütezeit des Kupferstiches im 16. und 17 Jahrhundert die Bilderbögen. Diese erfreuten sich hoher Beliebtheit, wurden gern gesammelt und teilweise sogar in gesammelter Form veröffentlicht. Heute bieten die detailreichen Darstellungen, begleitet von kurzen erklärenden Versen, einen reichen Quellenfundus.

Hier wird zum Beispiel das Scheitern François d'Anjous abgebildet, der während des Achtzigjährigen Krieges versuchte, Antwerpen durch einen Hinterhalt einzunehmen, um sein Ansehen zu stärken. Die vorgewarnten Einwohner, noch von der Spanischen Furie 1576 traumatisiert, wussten sich jedoch zu verteidigen und schlugen die Angreifer am 18. Januar 1583 in die Flucht.



02

Sporadisch – Wöchentlich – Täglich



Van erschröcklichen/schedlichen bösen Newen zeitungen

Zeitung, 1542, Bautzen bzw. Bussidin

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Wochentliche Ordinari Zeitungen

Zeitung, 1655, wahrscheinlich München

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Begünstigt durch den Ausbau der Post als flächendeckendes Kommunikationssytem, stellt der Zeitraum zwischen 1615 und 1640 die erste große Periode der Zeitungsgründung in Europa dar.
Die einmalige Verbreitung eines spektakulären Ereignisses durch das Flugblatt wich zugunsten einer kontinuierlichen Bereitstellung von Nachrichten, deren Verbreitung sich nach dem meist wöchentlichen Beförderungstakt der Post richtete.

Wochentliche Ordinari Zeitungen /von vnderschidlichen Orten 

Vermutlich erstmals in den 1630er Jahren in Berg bei München gedruckt, verdeutlicht die Bezeichnung Ordinari den engen Zusammenhang mit der postalischen Nachrichtenübermittlung.
Die genaue Zuordnung und Datierung gestaltet sich bei vielen Blättern dieser Zeit als schwierig. Zum einen liegt der Fokus auf der Nennung der Nachrichtenorte, nicht auf dem Druckort selbst.  Zum anderen konnten Besitzerwechsel der Druckerei und die Kriegsgeschehen für eine Unterbrechung der Herausgabe und Änderungen in der Titelgestaltung führen.


La Gazette

Zeitung, 30. Januar 1632, Paris

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La Gazette & Nouvelles ordinaires de divers en-droits

Die beiden Zeitungen werden gewöhnlich zusammen als erste Zeitungen Frankreichs genannt. Die Antwort auf die Frage, welche zuerst kam, hängt davon ab, ob man die 26 handschriftlichen Ausgaben der Nouvelles ordinaires vor der ersten Veröffentlichung in gedruckter Form am 17. Juli 1631 anerkennt oder der erstmals am 30. Mai 1631 erschienenen Gazette den Zuspruch gibt.

Ihr Verleger Théophraste Renaudot verstand die Nouvelles ordinaires jedenfalls als Nachahmung und Bedrohung und setzte alles daran, seine Monopolstellung zu sichern. Mit dem Initiator der Nouvelles ordinaires, Jean Epstein, kam er überein, diese ab dem 23. November 1631 als Beilage in seine Gazette aufzunehmen. Die beiden herausgebenden Buchhändler Jean Martin und Louis Vendosme hingegen wollten nicht kampflos weichen und lieferten ihm einen über Jahre dauernden Prozess, der mit dem Urteil endete, "Théophraste Renaudot nicht im Druck seiner Gazetten zu stören". 
Inhaltlich lieferte die Gazette eine Mischung aus Politik, Poesie und Musik. Mit der Einführung von Berichten und Kommentaren zu diesen Themen gilt Renaudot als der Begründer des Journalismus. 


Oprechte Haerlemse Dingsdaegse Courant

Zeitung, 10. Februar 1688, Haarlem bzw. Haerlem

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In Amsterdam wurde 1618 die erste niederländische Wochenzeitung Courante uyt Italien, Dytsland& c. durch den Drucker Caspar Van Hilten herausgegeben.

Oprechte Haerlemsche Dingsdaegse Courant

In Haarlem erschien 1656 der Weeckelycke Courante van EuropaNoch im Gründungsjahr wurde die Zeitung in Haerlemsche Dingsdaegse Courant umbenannt und erhielt 1664 vom Haarlemser Stadtrat das Recht, „Oprechte“ dem Titel voranzustellen und das Stadtwappen beizufügen. 
Während des Zweiten Weltkrieges gezwungen, mit dem konkurrierenden Haarlems Dagblad zu fusionieren, ist sie somit die älteste, heute noch bestehende niederländische Zeitung.

Beide Zeitungen erschienen in einer frühen Form des Broadsheet-Formats, welches besonders im englischsprachigen Raum bis in die 2000er Jahre ein Indikator für „seriöse“ Qualitätszeitungen werden sollte. Bis dahin wurden Nachrichtenpublikationen gewöhnlich im Quart-Format gedruckt.



Einkommenden Zeitungen Nr.6

Zeitung, Faksimiledruck, Original: 1650
Faksimile: 2000, Leipzig

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Quelle

ZFB – Zentrum für Bucherhaltung

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The Daily Courant

Zeitung, 4. Dezember 1717, London

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Als erste Tageszeitung gilt die in Leipzig 1650 mit sechs Ausgaben pro Woche erschienene Einkommenden Zeitungen des Druckers und Buchhändlers Timotheus Ritzsch. Die tägliche Nachrichtenvermittlung blieb jedoch zunächst noch eine Ausnahme im Zeitungswesen.

The Daily Courant


Die erste britische Tageszeitung wurde 1702 von Elizabeth Mallet in London produziert, nach nur vierzig Tagen an Samuel Buckley verkauft und 1735 mit dem Daily Gazetteer zusammengelegt.

Die hauptsächlich ausländischen Nachrichten veröffentlichte Mallet dabei bewusst ohne Kommentare, da ihrer Meinung nach die Leser genug Verstand besäßen, um eigene Reflexion anzustellen.
Gedruckt wurden diese Nachrichten in zwei Spalten auf der Vorderseite der einblättrigen Zeitung, während die Rückseite für Werbung vorbehalten blieb. 





Journal de Paris

Zeitung, 8. November 1781, Paris

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Journal de Paris

Die erste französische Tageszeitung wurde 1777 nach dem Vorbild der London Evening Post gegründet.
Zur großen Kritik und noch größerer Beliebtheit legte das vierseitige Blatt seinen Schwerpunkt dabei auf tagesaktuelle, kulturelle Themen und grundlegende Informationen, wie Wetter, Lotterieergebnisse und gesundheitliche Belange. 
Mit Zunahme der politischen Unruhen verstärkte sich auch die politische Berichterstattung. So veröffentlichte die Zeitung zum Beispiel 1789 eine Beilage über die Nationalversammlung.



03

Der Zeitungsdruck kommt ins Rollen



Schnellpresse

Druckgrafik, um 1865

Aus der Sammlung von

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The Times

Zeitung, 16. Dezember 1814, London

Aus der Sammlung von

Deutsches Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek

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Mit dem Gebrauch der Zylinderschnellpresse von Friedrich Koenig gelang dem Zeitungsdruck ein weiterer Schritt hin zum Massenmedium.

1811 patentiert, kam die Maschine 1814 in der Nacht vom 28. auf den 29. November zum ersten Mal zum Einsatz:
Als erste Zeitung der Welt wurde die Londoner Tageszeitung The Times mit der dampfbetriebenen Zylinderdruckmaschine hergestellt.

Die von vier Druckern betriebene Maschine hatte durch ihre zwei Druckzylinder den Vorteil, dass in einem Druckvorgang zwei identische Bogen entstanden. Der unproduktive Rücklauf des Karrens nach dem ersten Druckvorgang wurde nun ebenfalls zum Drucken genutzt. Innerhalb einer Stunde konnten so 1.100 Bogen hergestellt werden.





Machinery For Printing, The Illustrated London News

Druckgrafik, 30. August 1878 , London

Aus der Sammlung von

Deutsches Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek

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Der nächste Schritt zum Massenmedium:
Nach dem Druckprinzip rund auf rund kann das Rotationsdruckverfahren für alle drei Hauptdruckverfahren (Tief-, Hoch- und Flachdruck) angewendet werden. Dabei sind die beiden Zylinder, sowohl die Druckform als auch der Gegendruck, in ständiger gegenläufiger Bewegung und nur durch den Bedruckstoff voneinander getrennt. Das schnelle Arbeitstempo von 10.000 bis 12.000 gedruckten Bogen in der Stunde ist vor allem für die Herstellung hoher Auflagen von Nutzen.

Bereits 1846 baute der Brite Augustus Applegath eine Rotationsmaschine für die Times, die trotz ihrer hohen Arbeitsleistung jedoch noch einiger Änderungen bedurfte.
Inspiriert von der 1862 auf der Weltausstellung präsentierten Endlospapiermaschine des Amerikaners Wilkinson wurde 1866 die Walterpresse, benannt nach dem Inhaber der Times, entwickelt.



Rotationsmaschine der Maschinenfabrik Augsburg

Druckgrafik, um 1885, Stuttgart

Aus der Sammlung von

Deutsches Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek

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Die Maschinenfabrik Augsburg orientierte sich 1873 wiederum an der Walterpresse und entwickelte diese weiter.
Dabei sind die Augsburger Rotationsmaschinen die ersten, die sich bei den strapazierenden Anforderungen eines andauernden Werkdrucks bewährten.



La Linotype

Grafik, ca. 1900

Aus der Sammlung von

Université Bordeaux Montaigne

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Die von Ottmar Mergenthaler entwickelte Setzmaschine stellt besonders im Zeitungssatz das Bindeglied zwischen Handsatz und Desktop-Publishing (DTP) dar.

Dabei wurde das erstmals 1886 vorgestellte „Blower“-Modell bereits 1889 vom grundlegend verbesserten Modell „Simplex“ abgelöst, welches über Jahrzehnte hinweg kontinuierlich weiterentwickelt wurde. So gab es Maschinen mit bis zu sechs Hauptmagazinen für unterschiedliche Schriftarten und -größen und Seitenmagazine für häufig benötigte Sonderzeichen.

Abhängig von der Fertigkeit des Setzers und der Komplexität des Satzes hatte eine manuell bediente Linotype-Setzmaschine regulär eine stündliche Setzleistung von rund 6.000 Zeichen.  Mit Lochstreifen gesteuerte Linotype-Setzmaschinen erreichten später eine Leistung von stündlich rund 25.000 Zeichen.





Linotype

Mergenthaler, Ottmar (Erfinder); Linotype GmbH (Hersteller), Setzmaschine, 1905, Berlin

Aus der Sammlung von

Deutsches Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek

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Quelle

Foto: DNB Wolfgang Hohensee

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„A line of types!“ – Linotype!

Der zu setzende Text wird vom Setzer über eine Tastatur eingegeben. Für jeden getippten Buchstaben fällt eine Matrize aus einem Magazin in eine metallene Gussform, in der die einzelnen Matrizen zu Zeilen aneinandergereiht werden. Ist eine Zeile vollständig, wird sie mit einer flüssigen Bleilegierung zu einer Einheit mit erhabenen Buchstaben ausgegossen – die namensgebende „line of types“. 



Die Zeitungsexpedition des Oberpostamts in Leipzig

Druckgrafik, 1870

Aus der Sammlung von

Deutsches Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek

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04

Politik, Zensur und andere Interessen



Flugblatt – Hinrichtung Robespierres

Druckgrafik, ca. 1794

Aus der Sammlung von

Deutsches Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek

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Die Französische Revolution

stieß nicht nur macht- und gesellschaftspolitische Veränderungen in Europa an, sondern verhalf auch dem Zeitungswesen zu einer sprunghaften Entwicklung. Die Kommunikation des Revolutionsgeschehens und die damit verbundenen Neuerungen brachten einen Anstieg der Auflagen. Die Periodizität wechselte von monatlich auf wöchentlich.

Wie so oft in politisch unruhigen Zeiten regte der Aufschwung von Flugblättern und Karikaturen die politische Kultur an und prägte sie gleichzeitig mit.
Bei der freudigen Verkündung der Hinrichtung des „Blutrichters“ der Französischen Revolution Robespierre steht dabei die liebevolle Gestaltung der Figurenschrift und detailverliebte Handkoloration der Radierung im starken Kontrast zu der makabren Darstellung, der klassischen Guillotine-Szene: Die Präsentation des noch bluttropfenden abgetrennten Kopfes, umgeben von Schaulustigen.


„Roberts Piere ist nun todt,
schenk den Frieden uns O Gott
dieses wünscht die ganze Welt
weil die Handlung eingestelt"

 

Wahrer Grundris der Kopfmaschine zu Paris worauf das Blutdürstige Tiranische Haupt
Robertspier den 28ten Juli 1794 gefallen ist




Rheinische Merkur

Zeitung, 3. Oktober 1815, Koblenz

Aus der Sammlung von

Deutsches Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek

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Der Rheinische Merkur

Der Herausgeber und Publizist Joseph Görres gilt als Schöpfer der modernen politischen Zeitung. Mit der in Koblenz von 1814 bis 1816 erschienenen liberalen Zeitung führte Görres nicht nur einen Kampf gegen Napoleon, sondern setzte sich gleichzeitig mit seiner Kritik an der Politik der deutschen Könige und Fürsten für ein föderales und demokratisches Deutschland ein.

Nach wiederholtem Konflikt mit der Zensurbehörde wurde der Rheinische Merkur schon  zwei Jahre nach seiner ersten Veröffentlichung verboten. Ungeachtet der kurzen Laufzeit bildeten die meisterhaften Leitartikel von Görres einen prägenden Wendepunkt der meinungsbildenden Presse im deutschen Zeitungswesen des 19. Jahrhunderts.

 



Der journalistische Eiertanz

Andreas Geiger, Druckgrafik, ca. 1840, Wien

Aus der Sammlung von

Deutsches Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek

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In der Deutschen Bundesakte wurde 1815 die Pressefreiheit verankert und nach nur vier Jahren, mit der Einführung einer für den Deutschen Bund einheitlichen Zensur durch die Karlsbader Beschlüsse, 1819 wieder aufgehoben. Als Reaktion auf die Freiheitsbewegungen der Nachbarländer wurden 1830 die Zensurbestimmungen nochmals verschärft.

Wurde ein Artikel einer Zeitung zensiert, zog das die Beschlagnahmung einer ganzen Nummer mit sich, wodurch den Verlagen hohe finanzielle Einbußen entstanden. Um dies zu verhindern, passten sich die Druckereien schon bei der Herstellung an die  Zensurauflagen an, was zuweilen in einen heiklen journalistischen Eiertanz ausarten konnte.

Nach der Revolution 1848/49 trat die Paulskirchenverfassung nie in Kraft und die geforderte Pressefreiheit wurde schrittweise wieder eingeschränkt, mit dem Reichspressegesetz von 1874 dann schließlich erstmals einheitlich gesetzlich geregelt, um nach nur vier Jahren durch das Sozialistengesetz 1878 wieder eingeschränkt zu werden.





Adverteert!

Grafik, 1846, Rotterdam

Aus der Sammlung von

Deutsches Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek

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Bis zur Aufhebung des Anzeigenmonopols 1847 war das Drucken von Anzeigen und Inseraten ausschließlich Intelligenzblättern vorbehalten. „Intelligenz“ leitet sich hier vom angelsächsischen „Intelligence“ ab und steht für Nachricht bzw. Information. Diese Anzeigenblätter hatten in der Regel keinen redaktionellen Inhalt, sondern druckten ausschließlich amtliche Bekanntmachungen, Geschäftsinserate und private Anzeigen und blieben damit meist von der Zensur verschont.

Nach dem Wegfall dieser staatlichen Zwangsmaßnahme finanzierten sich Zeitungen bald neben ihren Abonnements zu mehr als 50 Prozent durch Anzeigenwerbung.

Unterschieden sich die Anzeigen zunächst nur wenig vom übrigen Layout, nahm die Gestaltung im Zuge der wachsenden Industrialisierung und steigenden Massenproduktion bald geradezu marktschreierische Tendenzen an.



Werbeblatt für „Illustrirte Zeitung“

Druckgrafik, 1877

Aus der Sammlung von

Deutsches Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek

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Um die schnelle Produktion und Auslieferung nicht durch die Herstellung von Abbildungen zu verzögern, lehnten Wochen- und Tageszeitungen lange Zeit eine begleitende bildliche Ergänzung ihrer Berichterstattung ab. Die Nachfrage nach grafischen Darstellungen wurde zunächst fast ausschließlich durch Bilderbögen bedient, was sich in ihrer hohen Beliebtheit widerspiegelte.

Es waren die Zeitschriften, die Mitte des 18. Jahrhunderts begannen ihre Titelbilder und vielseitigen Themenangebote zunehmend mit Kupferstichen zu versehen. Die Schwierigkeit, den Tiefdruck der Bilder mit dem Hochdruck der Texte zu verschmelzen, brachte das Aufkommen des Holzstiches. Inspiriert von dieser Entwicklung und der Illustrated London News, gründete 1843 Johann Jacob Weber in Leipzig mit der Illustrirten Zeitung  die erste illustrierte Zeitschrift Deutschlands.

Der Einsatz eigener Bildkorrespondenten ermöglichte eine enorme Fülle an Bildern und Bildreportagen über das zeitgenössische, politische und kulturelle Leben. Mit über 300.000 Illustrationen bildet sie als einmaliges Bildarchiv eine wichtige Quelle für das Jahrhundert ihrer Laufzeit (bis 1944).





Eine Damenlesehalle in Berlin

Druckgrafik, 1892

Aus der Sammlung von

Deutsches Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek

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Die Zeitungslektüre erfreute sich einer immer weiter wachsenden Beliebtheit. Vor allem das Vorlesen und das gemeinsame Lesen mit anschließenden Diskussionen wurde regelmäßig gepflegt. Neben Kaffeehäusern, Lesegesellschaften und -zirkeln traf man sich Ende des 19. Jahrhunderts auch in Volkslesehallen.  

Diese gingen aus der sogenannten Bücherhallenbewegung hervor. Eine durch das amerikanische Modell öffentlicher Bibliotheken inspirierte Reform, die die allgemeine Nutzung gut ausgestatteter Leseräume, sowohl mit Büchern als auch Zeitungen und Zeitschriften, ermöglichte. Durch diese Reform wurde die öffentliche, kommunale Trägerschaft von Volksbibliotheken mit hauptamtlichen Bibliothekaren initiiert, um damit dem Anspruch zur Verbreitung der Volksbildung nachzukommen.

05

Der Zeitungsdruck wird digital



LVZ Druckerei

Aus der Sammlung von

Deutsches Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek

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Quelle

DNB Peter Kühne

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Die LVZ-Druckerei

Die Leipziger Volkszeitung wurde, von der Einweihung als größte Zeitungsdruckerei der Neuen Bundesländer 1993 bis zur Schließung 2019, im Druckhaus Leipzig in Stahmeln gedruckt.
Die 2006 eingerichteten Rotationsmaschinen des Typs KBA Commander der Firma Koenig & Bauer AG Würzburg ermöglichten eine durchgehend farbige Vierbuchproduktion. Das dadurch entstandene neue Layout war zum ersten Mal in der Ausgabe vom 13. Januar 2007 zu sehen.

Rund 2.000 Druckplatten wurden jede Nacht für die Ausgaben des Folgetages hergestellt. Nachdem zwei Laserbelichter die zuvor über Richtfunk übermittelten, elektronischen Daten auf Aluminium-Druckplatten brachten, gelangten diese über eine Miniaturschwebebahn zu den Druckmaschinen. Nächtlich wurden so 100 Tonnen Zeitungsdruckpapier zu maximal 600.000 Zeitungen verarbeitet.
Mittels Transportkette wurden die einzelnen Zeitungsteile dann in der Druckweiterverarbeitung zu einem fertigen Produkt zusammengeführt.  Dieses konnte nun entweder direkt nach dem Druck zu Paketen verpackt werden oder vorher noch durch Einstecktrommel und Rollstream mit Werbeprospekten bestückt werden.  

Über Transportbänder gelangten die fertigen Pakete schließlich direkt zu den für sie vorgesehenen LKWs.

Das letzte in Stahmeln gedruckte LVZ-Exemplar im Nordischen Format erschien am 30. Oktober 2019. Seit 31. Oktober 2019 wird die LVZ in der MZ-Verlagsdruckerei in Halle (Saale) im Rheinischen Format gedruckt.





Druckmuster, Zeitung der Leipziger Volkszeitung vom 30. Oktober 2019

Leipziger Verlags- und Druckereigesellschaft mbH & Co. KG (Stahmeln) , 2019, Leipzig, Stahmeln

Aus der Sammlung von

Deutsches Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek

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Quelle

Foto: DNB Mandy Stittrich

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Nachdem um 1960 das erste Gerät zum Fotosatz auf den Markt kam, war der Bleisatz bis 1967 nahezu abgelöst.
In den 1990er Jahren wurde dieses Kopierverfahren wiederum durch die Einführung der Computer to Plate-Technik (CTP) ersetzt. Die Druckplatte wird hierbei direkt in einem Belichter mit Computerdaten bebildert.
War die Plattenherstellung bisher der Engpass im Produktionsablauf, verlagerte sich das Problem nun auf den Plattenwechsel in der Maschine.
Der handwerkliche Drucker wurde so immer mehr zum Druckmanager am Leitstand der Maschine.


Online Zeitungen

Aus der Sammlung von

Deutsches Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek

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Quelle

DNB Mandy Stittrich

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Mit der Bereitstellung des World Wide Web für die Öffentlichkeit 1991 wurde eine neue Medienära eingeleitet. Musste und konnte sich der Zeitungsdruck mit Konkurrenten der Nachrichtenübermittlung - dem Radio, gefolgt vom Fernsehen - noch arrangieren, so ist die Onlineplattform stärkster Advokat und Rivale zugleich. Auch wenn die meisten Internetzeitungen von einer eigenen Redaktion betreut werden, stehen sie doch häufig in Verbindung zu einer Printzeitung.

In Bezug auf Aktualität und Geschwindigkeit überwiegen die Vorteile der Onlineversionen: Artikel sind permanent aktualisierbar, intern und extern vernetzbar und können durch Audio- und Videobeiträge ergänzt werden. Es gibt Such- und Kommentierfunktionen, und regional begrenzte Inhalte unterliegen keiner Auflagenbeschränkung.  

Oft auftretende Kritikpunkte wie das Abschreiben und Kopieren ohne Faktencheck, Clickbait-Überschriften und penetrante Werbung sind mit Blick auf die Ursprünge und die einzelnen Etappen des Zeitungswesens keine neuen Entwicklungen, sondern wie so oft Resultat des Ringens um Relevanz und Finanzierung. 



Die Zeit –  Wochenzeitung seit 1946 verlegt  ab 1996 mit Internet-Ausgabe

Die Welt – Tageszeitung seit 1946 verlegt  ab 1995 mit Internet-Ausgabe

Süddeutsche Zeitung – Tageszeitung seit 1945 verlegt  ab 1995 mit Internet-Ausgabe

Frankfurter Allgemeine Zeitung – Tageszeitung seit 1949 verlegt – ab 2001 mit Internet-Ausgabe

Die Tageszeitung – Tageszeitung seit  1978 verlegt – ab 1995 mit Internet-Ausgabe

Junge Welt – Tageszeitung seit 1947 verlegt – ab 2006 mit Internet-Ausgabe.





Infografik

Mandy Stittrich, Infografik, 2020, Leipzig

Aus der Sammlung von

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Quelle

DNB Mandy Stittrich

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Eine virtuelle Ausstellung von

Team

  • Mandy Stittrich
  • Julia Rinck
  • Peter Kühne
Erstellt mit :
DDB Studio
Ein Service von:
DDB Studio

Diese Ausstellung wurde am 18.02.2021 veröffentlicht.



Impressum

Die virtuelle Ausstellung Zur Geschichte des Zeitungsdrucks wird veröffentlicht von:

Deutsches Buch-und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek

Deutscher Platz 1, 04103 Leipzig


gesetzlich vertreten durch

Generaldirektor Frank Scholze

Telefon: 0341 – 2271 – 518
Fax:
E-Mail:  dbsm-info@dnb.de

Verantwortlich im Sinne des Rundfunkstaatsvertrags:

Generaldirektor Frank Scholze
Deutsche Nationalbibliothek
Adickesallee 1
60322 Frankfurt am Main

Kurator*innen:
Mandy Stittrich

 

DDBstudio wird angeboten von:  
Stiftung Preußischer Kulturbesitz, gesetzlich vertreten durch ihren Präsidenten,
handelnd für das durch Verwaltungs- und Finanzabkommen zwischen Bund und Ländern errichtete Kompetenznetzwerk

Deutsche Digitale Bibliothek
c/o Stiftung Preußischer Kulturbesitz
Von-der-Heydt-Straße 16-18
10785 Berlin 

Telefon: +49 (0)30 266-41 1432, Fax: +49 (0) 30 266-31 1432,
E-Mail: geschaeftsstelle@deutsche-digitale-bibliothek.de

Umsatzsteueridentifikationsnummer: 
DE 13 66 30 206

Verantwortlich im Sinne des Rundfunkstaatsvertrags: 
Dr. Julia Spohr
Leiterin der Geschäftsstelle
Finanzen, Recht, Kommunikation, Marketing
Deutsche Digitale Bibliothek
c/o Stiftung Preußischer Kulturbesitz
Von-der-Heydt-Straße 16-18
10785 Berlin

Konzeption:
Nicole Lücking, Deutsche Digitale Bibliothek
Stephan Bartholmei, Deutsche Digitale Bibliothek
Dr. Michael Müller, Culture to Go GbR

Design: 
Andrea Mikuljan, FIZ Karlsruhe - Leibniz Institut für Informationsinfrastruktur GmbH

Technische Umsetzung:
Culture to Go GbR mit Grandgeorg Websolutions

Hosting und Betrieb:  
FIZ Karlsruhe - Leibniz Institut für Informationsinfrastruktur GmbH

Rechtliche Hinweise:
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