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Zum Shopping in die DDR

Die DDR-Einkäufe des West-Berliner Museums für Verkehr und Technik

Eine virtuelle Ausstellung von

Inhalt der Ausstellung

01 Ein Museum wird aufgebaut
02 Die Bohnsdorfer Mühle
03 Die Kunst und Antiquitäten GmbH
04 Zu Besuch in Mühlenbeck
05 Zwischenhändler Antik-Shop in West-Berlin
06 Ein Auto wird gekauft
07 Kunstblumen und Kunstblumenwerkstatt
08 Eine Kasse wird gesucht
09 DDR-Unrecht im Museum?
10  Weitere Ankäufe aus der DDR
11   Wie geht die Recherche weiter?
12  Wir danken!

>> English Version

01
Ein Museum wird aufgebaut

Gründung 1982

Das Deutsche Technik­museum wurde 1982 als "Museum für Verkehr und Technik" (MVT) gegründet. Das Gemälde des Berliner Künstlers Klaus Büscher zeigt, was sich der Gründungs­direktor Günther Gottmann und sein Team vorgenommen hatten: eines der größten Technik­museen der Welt aufzubauen. 

Um möglichst schnell eine große Anzahl an Ausstel­lungs­stücken zu bekommen, kaufte das Museum umfangreiche Sammlungen ein. So die Motorrad­sammlung der Firma Zündapp oder die Sammlung von Maschinen und Fahrzeugen des Architekten­ehepaars Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte. Zudem nahm es zahlreiche Schenkungen Berliner Bürgerinnen und Bürger an.

Zwischen 1982 und 1989 kamen so über 10.000 Gegenstände ins Haus. Davon haben etwa 160 eine besondere deutsch-deutsche Geschichte: Sie wurden aus der DDR angekauft. Wie die Provenienz­forschung diese untersucht, wird in "Zum Shopping in die DDR" vorgestellt.

Provenienzforschung

Von den Provenienz­forscherinnen und -forschern wird die Herkunft aller Gegen­stände in den Aus­stellungen und Depots überprüft. Das Ziel ist es, Unrechts­kontexte aufzu­klären. Ins­besondere soll so­genanntes NS-verfolgungs­bedingt entzogenes Kulturgut (kurz: NS-Raubgut) ermittelt und mit den Beraubten oder deren Nach­fahren eine faire und gerechte Lösung gefunden werden. Die Online-Ausstellung Drucksteine erzählen zeigt eine solche Recherche.

Doch auch koloniale Kontexte und Enteignungen in der Sowjetischen Besatzung­szone (SBZ) und der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) werden untersucht.  

Weitere Infos zur Forschung am Technik­museum sind hier zu finden.

Karteikarte von 1987.

02
Die Bohnsdorfer Mühle

03
Die Kunst und Antiquitäten GmbH

Das System KuA

Der Verkauf der Mühle wurde durch die Kunst und Antiquitäten GmbH (KuA) abgewickelt. Sie gehörte zum Bereich Kommerzielle Koordinierung (KoKo). Dieser war unter anderem für die Erwirtschaftung von Devisen zuständig. Denn die DDR brauchte Einnahmen in West-Währungen wie Dollar, Schweizer Franken und Deutscher Mark, um im "kapitalistischen Ausland" Waren erwerben zu können, die sie selbst nicht herstellen konnte.

Die KuA erhielt ihre Verkaufs­waren auf unterschiedlichen Wegen: Zum einen kaufte sie bei Privat­personen und Händlern. Zum anderen verkaufte sie das Eigentum von sogenannten Republik­flüchtigen sowie von privaten Sammler­innen und Sammlern, die durch fingierte Steuer­verfahren beraubt wurden. Auch Museen wurden mitunter zu unfreiwilligen Abgaben gezwungen.

Zentrallager Mühlenbeck

Das MVT befand sich im West-Berliner Bezirk Kreuzberg. Dort ist es unter dem Namen Deutsches Technik­museum immer noch be­heimatet. Das Zentral­lager der KuA lag nördlich von Berlin in dem Ort Mühlen­beck. Es war nur rund 23 km vom Museum entfernt, befand sich aller­dings auf der anderen Seite der Grenze, in der DDR.

Dort konnte die West-Kundschaft direkt einkaufen. Eine Werbebroschüre zeigte die Waren und den Weg nach Mühlenbeck.

04
Zu Besuch in Mühlenbeck

Zusammenarbeit

Die Mit­arbei­terinnen und Mit­arbeiter des MVT waren nicht nur in den Verkaufs­räumen in Mühlen­beck, sondern be­sichtigten auch die Lager­bestände. Von diesen Besuchen haben sich Fotos der ange­botenen Ware im Haus­archiv erhalten. Diese helfen heute bei der Identifizierung der Objekte im Depot des Museums.

1986 schlug das MVT der KuA vor, sich selbst im Museum ein Bild davon zu machen, welche Objekte noch gebraucht würden. Ob dieser Gegenbesuch jemals stattgefunden hat, ist nicht überliefert.

05
Zwischenhändler Antik-Shop in West-Berlin

Der Antik-Shop im Berliner KaDeWe

In der DDR gab es, wonach das MVT suchte: Funktio­nierende und damit vor­führbare Technik des 19. und frühen 20. Jahr­hunderts. Doch das MVT hatte als Ein­richtung des Landes Berlin keine Einkaufs­genehmigung für die DDR.

Am 27.01.1990 wurde Wolfgang Böttger das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland im MVT verliehen.

Hier kam der West-Berliner Geschäfts­mann Wolfgang Böttger ins Spiel. Er war Honorar­konsul von Haiti und Inhaber zah­lreicher Firmen. So vertrieb er unter anderem das "Algemarin"-Duschgel und die "Hormocenta"-Creme. Seit der Gründung förderte er das Museum durch Spenden und Schen­kungen und wurde im Laufe der 1980er Jahren zu seinem wichtigsten Mäzen.

Mit Böttgers Unter­stützung konnte auch das MVT vom Waren­angebot der KuA profitieren. Denn er verfügte über gute Kontakte in die DDR und kaufte dort regel­mäßig ein. Die in der DDR gekaufte Ware vertrieb er in seinem "Antik-Shop" (Antik-Shop Antiqui­täten Galerie GmbH & Co. KG) in bester Lage im Kauf­haus des Westens (KaDeWe). Das MVT bezog den größten Teil der in den 1980er Jahren in der DDR gekauften Objekte über Böttgers Antik-Shop als Zwischen­händler.

06
Ein Auto wird gekauft

07
Kunstblumen und Kunstblumenwerkstatt

08
Eine Kasse wird gesucht

Spurensuche

In der Aufbau­phase des MVT wurde nicht jeder Gegen­stand voll­ständig dokumen­tiert.  Zudem haben sich einige der damals verwen­deten Inventar­schilder an den Objekten im Laufe der Zeit gelöst. Am Beispiel einer "Kasse" - so die knappe Beschreibung in den Spezifika­tionen der KuA - soll gezeigt werden, wie man das gesuchte Objekt unter den dutzenden Kassen im Depot zuordnen kann.

09
DDR-Unrecht im Museum?

Eine Textilmaschine

Im Depot des Museums steht eine 12 Meter lange "Cotton-Maschine", die zur Herstellung von Hand­schuhen diente. 1986 hatte sie das MVT von der KuA wie üblich mit dem Antik-Shop als Zwischenhändler erworben.

Die 1925 gebaute Textil­maschine war nach jahrzehnte­langem Einsatz vom VEB Polar in Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) ausgesondert worden. Mitarbeite­rinnen und Mitarbeiter des MVT bauten sie vor Ort ab und transportierten sie nach West-Berlin.

Beim komplizierten Wieder­auf­bau in einen funktionsfähigen Zustand brauchte das Museum Unter­stützung. Es gelang den früheren Eigentümer zu finden, der bei der Reparatur helfen konnte. Als Rentner war er 1984 aus der DDR nach West-Berlin übergesiedelt.

10
Weitere Ankäufe aus der DDR

11
Wie geht die Recherche weiter?

Bestehende Sammlung und Neuerwerbungen

Bislang wurden in der Sammlung des Deutschen Technik­museums rund 160 in der DDR angekaufte Objekte und Konvolute ermittelt. Nur bei rund 30 davon konnten bisher Informationen zu den Vorbe­sitzerinnen und Vorbesitzern gefunden werden, darunter die Reichsbahn oder verstaatlichte Betriebe. Die Schwierigkeiten, anhand der von der KuA benutzten Spezifikations­nummern Vorbe­sitzerinnen und Vorbesitzer zu ermitteln, wurden in der Aus­stellung vorgestellt.

Doch auch die nach 1990 erworbenen Objekte könnten ursprünglich aus Verkäufen der KuA stammen. Beim Kettenkrad konnte dies mit Akten im Bundes­archiv nachgewiesen werden. In vielen Fällen wird dies mangels Dokumentation nicht oder nur sehr schwer möglich sein.  Das Team der Provenienz­forschung prüft heute alle geplanten Erwerbungen hin­sichtlich NS-Raubgut, koloniale Kontexte und SBZ/DDR-Unrecht bevor die Gegenstände in die Sammlung übernommen werden.

Die bereits vorhandenen Objekte in der Sammlung werden weiterhin systematisch auf diese Unrechts­kontexte über­prüft, die Ergebnisse dokumentiert und transparent veröffentlicht. Im Fall von NS-Raubgut wird das Deutsche Technik­museum gemäß den Washingtoner Prinzipien faire und gerechte Lösungen mit den Beraubten und deren Erbinnen und Erben suchen.

Für den Umgang mit SBZ-/DDR-Unrecht gibt es noch keine vergleichbaren Empfehlungen für mögliche Rückgaben.

12
Wir danken!

Unser besonderer Dank gilt unserer ehemaligen Kollegin Elisabeth Weber (jetzt im Jüdischen Museum Berlin), die sich im Deutschen Technik­museum intensiv mit den Ankäufen aus der DDR beschäftigt hat.

Außerdem danken wir den Kolleginnen und Kollegen aus Archiv, Bibliothek, Sammlungs­management und Depot für ihre Unterstützung.

Vielen Dank auch an die Kolleginnen und Kollegen aus dem Bundesarchiv Berlin, dem Landesarchiv Berlin und dem Archiv der Stiftung Stadtmuseum Berlin.

Darüber hinaus danken wir Allen, die uns bei unseren Recherchen unterstützt und beraten haben, und die wir hier nicht alle namentlich aufführen können.

Ein Dank geht auch an Barry Fay, unseren Übersetzer, für die gute Zusammenarbeit.