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Die Bibliothek der verbrannten Bücher

Sammlung Georg P. Salzmann in der Universitätsbibliothek Augsburg

Eine virtuelle Ausstellung von

Treten Sie ein!

Jahrzehntelang sammelte Georg P. Salzmann (1929-2013) jene deutschsprachige Literatur in Erstausgaben, die in der Zeit des Nationalsozialismus verboten war und 1933 in deutschen Städten öffentlich verbrannt wurde. Hunderte Regalmeter mit Romanen, Gedichten und Theaterstücken - geschrieben von Jüdinnen und Juden, politisch Andersdenkenden und vielen weiteren, die in den Augen der neuen Machthaber keine Daseinsberechtigung mehr hatten. In dieser einzigartigen, einst privaten Büchersammlung ist somit ein großer Teil jener Autorinnen und Autoren dokumentiert, die auf den Schwarzen Listen der Nazis standen, die ins Exil flüchten mussten, teilweise inhaftiert und ermordet wurden. Als beeindruckende Schau deutscher Literatur des 20. Jahrhunderts ist die Sammlung jedoch kein museales Denkmal. Sie lädt vielmehr dazu ein, die zusammengetragenen Texte und Kontexte, die literarischen Schätze und Schicksale dieser Epoche zu entdecken. Treten Sie ein und lernen Sie die Bibliothek der verbrannten Bücher kennen!

Autorinnen und Autoren, deren Werke in der Bibliothek der verbrannten Bücher vertreten sind

01
Die Sammlung

Schutzraum Magazin

Rund 630 Bände lagern heute separat in unserem Sondermagazin: Diese Bände benötigen aufgrund unikaler Merkmale, großer Seltenheit oder wegen ihres schlechten Erhaltungszustands besonderen Schutz. Ein stabiles Raumklima, Dunkelheit und säurefreie Mappen sorgen dafür, dass auch die sehr raren oder fragilen Exemplare der Nachwelt lange erhalten bleiben. Die im Magazin aufbewahrten Titel können online bestellt und im Handschriftenlesesaal eingesehen werden.

Ein weiterer Standort im Magazin ist den zahlreichen, vom Sammler angeschafften Mehrfachexemplaren der ersten und frühen Textausgaben vorbehalten. Sie können nach Online-Bestellung für mehrere Wochen nach Hause entliehen werden.

Warum die Erstausgaben?

Diese Bücher haben eine ganz besondere Aura, ein Schicksal, eine Geschichte, die ich spüren kann. Manchmal stehen Widmungen oder Randbemerkungen der früheren Besitzer drin. Außerdem habe ich immer wieder das Gefühl, dem Autor ganz nahe zu sein, wenn ich seine Erstausgabe in der Hand halte - die er selber noch betreut hat, die unter seinen Händen entstanden ist. Und genau dieses Buch ist dann von irgendjemand[em] vor dem Scheiterhaufen gerettet worden. Diese Aura kann keine Taschenbuchausgabe von heute haben. Außerdem waren Bücher damals, in den 20er Jahren, oft sehr viel schöner, handwerklich, vom Druck, von der Bindung, vom Schutzumschlag - wahre Delikatessen. So etwas zu finden ist, wie wenn man einen Schatz hebt, den man längst verloren glaubt. Georg Salzmann, in: Fernsehfilm „Schatzsuche“ (1990)
Franz Werfel: Die vierzig Tage des Musa Dagh (1933) - hier eines der Mehrfachexemplare, das online bestell- und ausleihbar ist

Zum Beispiel ... konfisziert

Armenische Widerstandskämpfer verschanzen sich 40 Tage auf dem Berg Musa Dagh. Schlecht ausgestattet, aber erbittert wehren sie sich gegen Vertreibung und Völkermord durch die Türken im Ersten Weltkrieg. – Davon erzählt der zweibändige Roman Die vierzig Tage des Musa Dagh (1933). Der Österreicher Franz Werfel schrieb ein Jahr lang an dem so bewegenden wie existenziellen Stoff, nachdem er 1930 auf einer Syrienreise unmittelbar mit Flüchtlingsnot und -hunger konfrontiert worden war. Überraschend konnte das zweibändige Epos im November 1933 in Deutschland noch ausgeliefert werden, ehe es die Nazis drei Monate später doch konfiszierten. Zu deutlich nahm der Roman die sich anbahnenden Untaten der faschistischen Machthaber in Deutschland vorweg. Im Mai 1933 schloss man Werfel – geächtet als Pazifist – schließlich aus der Preußischen Akademie der Künste aus, wenige Tage später brannten seine Bücher auf den landesweiten Scheiterhaufen.*

Dennoch wurde Die vierzig Tage des Musa Dagh ein internationaler Erfolg, übersetzt in mehr als 30 Sprachen. Für Georg Salzmann ist der Roman ganz persönlich eines der lesenswertesten und wichtigsten Bücher seiner Bibliothek gewesen.

* Vgl. Axel Stähler: Schreiben gegen die Katastrophe. Oskar Baums „Das Volk des harten Schlafs“ (1937) und Franz Werfels „Die vierzig Tage des Musa Dagh“ (1933). In: ZfdPh 124, 2 (2005), S. 204-226, hier S. 217. DOI: 10.37307/j.1868-7806.2005.02.04

Stefan Zweig: Schachnovelle (1942), Erstausgabe im nummerierten Liebhaberdruck

Zum Beispiel ... nummeriert

Unter bewegenden Umständen vollendet, aber vom Autor selbst nicht mehr bis zum Druck begleitet, wurde Stefan Zweigs heute wohl bekanntestes Prosawerk Schachnovelle. Salzmanns Exemplar ist Nummer 107 von nur 250 bzw. 300 Stück der deutschen Erstausgabe. Sie wurde in Buenos Aires bei Pigmalión verlegt und am 7. Dezember 1942 gedruckt - ein Dreivierteljahr nach Zweigs Selbstmord im Exil.* Den Einbanddeckel ziert eine Vignette, gestaltet vermutlich von Clément Moreau oder dem als Carybé bekannten Illustrator. Die seltene Erstausgabe ist auch digital verfügbar

* Für einen Überblick zur komplexen Überlieferungs- und Druckgeschichte der Typoskripte und Verlagsausgaben siehe „Ein Reichtum, den kein Maß bestimmen kann (2021), S. 320f.

Stefan Heym: Nazis in U.S.A. (1938) - 2021 zugekaufte seltene Erstausgabe, zum Schutz in säurefreier Mappe im Magazin lagernd

Zum Beispiel ... sehr selten

Der politisch einflussreiche Nachkriegsschriftsteller der DDR, Stefan Heym (eigentlich Helmut Flieg), emigrierte 1933 zunächst nach Prag und 1935 in die USA, wo er als Journalist und Schriftsteller arbeiten konnte. Seit 1937 war er in New York Chefredakteur der antifaschistischen Wochenzeitung Deutsches Volksecho, in der er sich unter anderem mit Nazi-Umtrieben unter Deutschen in den USA auseinandersetzte. Im Dezember 1938 brachte das American Committee for Anti-Nazi Literature Heyms 45-seitige Broschüre Nazis in U.S.A. heraus. Die Verbreitungswege und der ephemere Charakter des schmalen Hefts erklären, warum heute nur sehr wenige Exemplare der Erstausgabe in deutschen Bibliotheken erhalten sind. Stefan Heym war übrigens ein Freund des Sammlers und versah ihm mehrere Buchausgaben mit Widmungen

Franz Rosenzweig: Der Stern der Erlösung (1921) – Exemplar mit Brandspuren an Einband und Buchblock

Zum Beispiel ... beschädigt

Dieses Buch trägt deutliche alte Brandspuren am Bucheinband. Es handelt sich um die Erstausgabe von Stern der Erlösung (1921), verfasst von dem jüdischen Historiker und Religionsphilosphen Franz Rosenzweig. Ob der Band bereits 1933 in einem der NS-Scheiterhaufen lag, bei der Reichsprogromnacht 1938 aus einer jüdischen Bildungseinrichtung gerettet wurde oder im späteren Kriegsgeschehen Schaden nahm, lässt sich heute nicht mehr feststellen.*

* Wir danken Dr. Jens Soentgen für dieses Buchgeschenk (2021). Er hatte das buchstäblich verbrannte Werk seinerseits in einem Heilbronner Antiquariat entdeckt und erworben.



Leihgaben im NS-Dokumentationszentrum

Seit der Eröffnung des NS-Dokumentationszentrums München am 1. Mai 2015 sind rund 100 Erstausgaben und ausgewählte Schutzumschläge der verb(r)annten Werke im dortigen Lernforum ausgestellt. Möglich wurde die Dauerleihgabe, weil Georg Salzmann viele Titel mehrfach erworben hatte. Das Lernforum im Untergeschoss des NS-Dokuzentrums ermöglicht es Besucherinnen und Besuchern, die Themen und Einzelaspekte der Münchner Dauerausstellung zu vertiefen.

02
Der Sammler Georg P. Salzmann

Georg P. Salzmann in seinem Wohnhaus in Gräfelfing (2009)

Die eigene Vergangenheit

Georg Paul Salzmann (1929-2013) war gerade vier Jahre alt, als am 10. Mai 1933 in 22 deutschen Universitätsstädten die Bücher brannten. Er wurde in der Hitlerjugend sozialisiert, sein Vater – Nationalsozialist der ersten Stunde – erschoss sich im Mai 1945. Wenig später wurde Salzmann von einem amerikanischen Soldaten in das befreite Konzentrationslager Buchenwald geführt und begegnete dort Häftlingen, die überlebt hatten. Dieses Erlebnis veränderte die nationalsozialistisch geprägte Weltsicht des damals 17-Jährigen grundlegend.  1951 entdeckte Salzmann in Weimar erstmals Literatur, die aus der eigenen Familie, aus der Schule und der Öffentlichkeit des NS-Staates verbannt worden war, zum Beispiel Lion Feuchtwangers Roman Der jüdische Krieg (1932), der ihn tief bewegte. In den folgenden Jahren las er viel, ebenso wie seine Ehefrau Margot. Das intensive Sammeln der verbotenen und verbrannten Literatur begann aber erst Jahrzehnte später ...

Vortragsskripten Georg Salzmanns zu Ernst Weiß

Am Anfang ... Ernst Weiß

In Bremen wurde Georg Salzmann 1976 gebeten, einen Vortrag vor Literaturfreunden über den jüdischen Autor und ausgebildeten Arzt Ernst Weiß zu halten. Im Buchhandel fand man damals kaum etwas von oder über Weiß, der doch von Freunden und Unterstützern wie Franz Kafka und Stefan Zweig früh für seine psychologisch eindringliche Erzählkunst gelobt wurde und in den 1920er Jahren Bucherfolge feierte. Salzmann begann in Antiquariaten im In- und Ausland nach Material zu suchen. Das Thema und die Recherche fesselten ihn. Wie auch Walter Mehring, Alice Berend, Leo Perutz oder Irmgard Keun zählt Ernst Weiß zur Gruppe derer, die nach den Bücherverbrennungen 1933, nach Flucht und Exil nie mehr richtig Fuß fassen konnten und in der Nachkriegszeit in Vergessenheit gerieten. 

Aus Verzweiflung nahm sich Ernst Weiß am 15. Juni 1940 beim Einmarsch der deutschen Truppen in Paris das Leben. Konnte es den Nazis also womöglich gelingen, gewaltsam eine ganze Schriftstellergeneration aus dem kulturellen Gedächtnis zu löschen? Diese Vorstellung ließ den Finanzkaufmann Salzmann nicht mehr los. Er beschloss weiterzumachen und nach den Originalausgaben vieler weiterer verb(r)annter Autorinnen und Autoren zu suchen. Er wollte sie möglichst vollständig zusammentragen, sie für die Nachwelt sichern und den Leserinnen und Lesern zugänglich machen. Ein tollkühnes Vorhaben, das schließlich zur Lebensaufgabe geriet. Der Roman Der Kampf  (1916) des Österreichers Ernst Weiß wurde zum Gründungswerk seines privaten Dokumentations- und Forschungsarchivs „Deutsche Literatur auf dem Scheiterhaufen. Georg P. Salzmann“

Fernsehfilm „Schatzsuche“ (1990) über Georg Salzmann und seine Büchersammlung, Quelle: Bayerischer Rundfunk

03
Die Bücherverbrennungen 1933

10. Mai 1933 – „undeutsche“ Literatur auf dem Scheiterhaufen

„Ich übergebe der Flamme die Schriften von ...“ – nun folgten die Namen von 15 Autoren, stellvertretend für über 140 Personen, deren Werke am 10. Mai 1933 von den Nationalsozialisten in 22 deutschen Hochschulstädten öffentlich verbrannt wurden. Ihre Namen fanden sich auf den sogenannten Schwarzen Listen des 29-jährigen Berliner Bibliothekars Dr. Wolfgang Herrmann. Seine Listen bildeten die Grundlage für die „Aktion wider den undeutschen Geist“ der nationalsozialistischen Deutschen Studentenschaft. Am 12. April mit der Verbreitung des Flugsblatts 12 Thesen wider den undeutschen Geist eingeläutet, gipfelte sie in den reichsweiten Bücherverbrennungen vom 10. Mai 1933. Im gesamten Monat Mai fanden 41 Verbrennungen statt im Rahmen der Studenten-Aktion.* Bis zum Jahresende sollten noch viele weitere folgen.

* Werner Treß veröffentlichte 2008-2010 grundlegende Forschungsarbeiten zu den Hintergründen, Akteuren und Phasen der NS-Bücherverbrennungen 1933. Das 2013 von Jan Schenck initiierte Projekt Online-Atlas Verbrannte Orte hat seitdem weitere lokale Verbrennungen in Deutschland nachweisen können, diese Orte geografisch verzeichnet und fotografisch in ihrem Erscheinen über 80 Jahre nach den Aktionen dokumentiert. 

Wider den undeutschen Geist

Die „Aktion wider den undeutschen Geist“ der Deutschen Studentenschaft ist heute weitgehend bekannt. Unser Bild von den NS-Bücherverbrennungen 1933 ist insbesondere geprägt von der Verbrennung am 10. Mai auf dem Berliner Opernplatz, dem heutigen Bebelplatz. Medial stark begleitet trat dort Reichspropagandaminister Joseph Goebbels auf und verlas die folgenden neun Feuersprüche:

  1. Gegen Klassenkampf und Materialismus, für Volksgemeinschaft und idealistische Lebenshaltung! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Marx und Kautsky.
  2. Gegen Dekadenz und moralischen Zerfall! Für Zucht und Sitte in Familie und Staat! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Heinrich Mann, Ernst Glaeser und Erich Kästner.
  3. Gegen Gesinnungslumperei und politischen Verrat, für Hingabe an Volk und Staat! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Friedrich Wilhelm Foerster.
  4. Gegen seelenzerfasernde Überschätzung des Trieblebens, für den Adel der menschlichen Seele! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Sigmund Freud.
  5. Gegen Verfälschung unserer Geschichte und Herabwürdigung ihrer großen Gestalten, für Ehrfurcht vor unserer Vergangenheit!
    Ich übergebe der Flamme die Schriften von Emil Ludwig und Werner Hegemann.
  6. Gegen volksfremden Journalismus demokratisch-jüdischer Prägung, für verantwortungsbewusste Mitarbeit am Werk des nationalen Aufbaus! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Theodor Wolff und Georg Bernhard.
  7. Gegen literarischen Verrat am Soldaten des Weltkriegs, für Erziehung des Volkes im Geist der Wehrhaftigkeit! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Erich Maria Remarque.
  8. Gegen dünkelhafte Verhunzung der deutschen Sprache, für Pflege des kostbarsten Gutes unseres Volkes! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Alfred Kerr.
  9. Gegen Frechheit und Anmaßung, für Achtung und Ehrfurcht vor dem unsterblichen deutschen Volksgeist! Verschlinge, Flamme, auch die Schriften von Tucholsky und Ossietzky!
Wolfgang Herrmann: Schwarze Liste der „Schönen Literatur“ (16. Mai 1933)

Schwarze Listen

Die Parolen zeigen, wen die nationalsozialistische Ideologie zum Feind erklärt hatte. Der Hass richtete sich gegen Jüdinnen und Juden und all jene, die andere politische und gesellschaftliche Auffassungen vertraten. So gab es Schwarze Listen nicht nur für das Sachgebiet Schöne Literatur, sondern ebenso für  Philosophie, Politik und Staatswissenschaft, Geschichte und Kunst. Wenige Tage nach den Bücherverbrennungen, am 16. Mai 1933, wurde Wolfgang Herrmanns Liste „Schöne Literatur“ nachträglich als erste offizielle Aussonderungsliste für Preußen im Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel veröffentlicht. Sie führte neben vier Anthologien die Namen von 130 deutschsprachigen Autorinnen und Autoren. Hinter den Schwarzen Listen, die in den folgenden Jahren der NS-Herrschaft beständig und systematisch erweitert wurden, stand die Idee, einen nationalistischen deutschen Kanon zu schaffen als „Konsens einer sich stramm zur Nation bekennenden Einheit ohne soziale Gegensätze, Widersprüche und Probleme, deren Thematisierung den Nazis als ,zersetzend‘ galt“.*

* Moses Mendelsohn Zentrum: Erstellung ,schwarzer Listen‘ durch Berliner Volksbibliothekare.

04
Exil und Exilliteratur

05
Irmgard Keun – Bücher vom „Glanz“-Sein, trotz „kleinem Leben“

Zum Beispiel ... Irmgard Keun

Als junge Bestsellerautorin der ausgehenden Weimarer Republik, deren Werke 1933 auf die Schwarze Liste gesetzt wurden, und als Autorin des Exils steht Irmgard Keun exemplarisch für die Bibliothek der verbrannten Bücher. Insgesamt 52 Bände von und über Keun finden sich in den Regalen des Leseraums. Die ersten und frühen Ausgaben ihrer Werke, einige Übersetzungen und Forschungsliteratur reihen sich in der alphabetischen Aufstellung ein zwischen den Ausgaben anderer Verfemter wie Erich Kästner, Alfred Kerr, Hermann Kesten und Egon Erwin Kisch. Sie ist eine unter vielen.

Die von Salzmann gesammelten Keun-Ausgaben zeigen in den erzählten Geschichten, durch ihre Publikationsorte und Erscheinungsformen sowie durch die Spuren früherer Besitzer ganz eigene, individuelle Geschichten einer 1933 „verbrannten Autorin“. Irmgard Keun kehrte aus dem Exil zwar nach Deutschland zurück, fand jedoch keine Lebensfreude mehr. Ende der 1970er Jahre wurde sie in hohem Alter von Literaturbetrieb und -wissenschaft glücklicherweise wiederentdeckt und gewürdigt.

06
Projekte, Veranstaltungen und Kooperationen

Lehren, lernen, forschen

Junge Menschen lagen dem Sammler Georg Salzmann ganz besonders am Herzen. Als Zeitzeuge des Nationalsozialismus engagierte er sich jahrelang für Schülerinnen und Schüler bei Führungen und Vorträgen, Lesungen in Schulen und offenen Gesprächen. Sein Engagement in Bildung und Vermittlung gilt es bewusst fortzuführen. Die Bibliothek der verbrannten Bücher bietet durch die Fülle der dokumentierten Werke und Lebenswege viele ganz praktische Zugänge zu einem eindringlichen Kapitel deutscher Literatur- und Zeitgeschichte. Es ist ein Kapitel, das bis heute nachwirkt und von dem nur noch wenige Zeitzeugen berichten können. Die hier versammelten Bücher aber bleiben.

Ihre Ideen und Projekte

Sie möchten ein praxisorientiertes oder wissenschaftspropädeutisches Schulprojekt in Kooperation mit uns umsetzen, wie beispielsweise „Verbrannt, aber nicht vergessen“ (2010-2011) oder Phönix aus der Asche (2012-2014)? Sie planen ein Seminar mit Studierenden zu einem verwandten Thema, aus dem eine eigene (virtuelle) Ausstellung hervorgehen könnte? Dann sprechen Sie uns gerne an! Die Universitätsbibliothek Augsburg freut sich auf Ihre Ideen für künftige Lehr-Lern-Kooperationen, Projekte, Lesungen und Ausstellungen.

Zum Beispiel ... „What Was Left“

Die Hamburger Künstlerinnen Eda Aslan und Nurgül Dursun beschäftigen sich 2022 in ihrem Projekt „What Was Left“ mit der Bibliothek der verbrannten Bücher. Seite für Seite suchen sie nach hinterbliebenen Lese- und Gebrauchsspuren in den Büchern. Sie finden unzählige Anstreichungen, Kommentare, Widmunge und Objekte, die vergessen wurden.

Aslan und Dursun dokumentieren sämtliche Spuren digital, um sie in ein eigenes Buch zu überführen, zu re-archivieren. Ein Jahr später geht ihr  kunstvoll gestaltetes Buch What Was Left selbst in die Sammlung ein. Im Rahmen der Ausstellung Bücher. Namen. Orte. 1933 werden zahlreiche Fundstücke früherer Leserinnen und Leser der Salzmann-Bände ausgestellt.

Drei Autorinnen von 63: Karin Michaëlis, Gertrud Kolmar und Adrienne Thomas

Zum Beispiel ... Projektseminar

Im Wintersemester 2022/23 beginnt für Literaturstudierende der Universität Augsburg ein besonderes Projekt. Ein Seminar an der Philologisch-Historischen Fakultät rückt speziell die Autorinnen aus der Salzmann-Sammlung ins Licht. Gemeinsam lesen und recherchieren, forschen und reisen, schreiben und gestalten die Studierenden. Ihr Ziel: drei damals verbotene Autorinnen in einer eigenen Online-Ausstellung zu präsentieren. Im Juni 2023 kann die Schau feierlich eröffnen: aktuell, poetisch, selbstbestimmt: Wir lesen: Karin Michaëlis, Gertrud Kolmar und Adrienne Thomas.