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Presse in der Zeit des Nationalsozialismus



Zeitungskiosk in Dresden, 1940

Aus der Sammlung von

SLUB / Deutsche Fotothek

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SLUB/ Deutsche Fotothek

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Kurzbeschreibung
Ein Zeitungskiosk mit vielen nationalsozialistischen Zeitungen und Zeitschriften auf dem Pirnaischen Platz in Dresden, 1940. An der Hausecke hing eine Hakenkreuzfahne.
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An einem Zeitungskiosk auf dem Pirnaischen Platz in Dresden wurden 1940 viele nationalsozialistische Zeitungen und Zeitschriften verkauft.

Das Deutsche Zeitungsportal der Deutschen Digitalen Bibliothek stellt seinen Nutzer*innen unter anderem historische Presseerzeugnisse aus der Zeit des Nationalsozialismus zur Verfügung. Heutigen Leser*innen dieser Zeitungen muss bewusst sein, dass der Presse zwischen 1933 und 1945 eine gänzlich andere Funktion zukam als in einer freiheitlichen Demokratie. Es gab keinen öffentlichen Diskurs, keine Meinungsfreiheit, keine Debatten. Die Presse war ein Propagandainstrument der Machthaber, ein Verkündungsorgan der Regierung und ein „Erziehungsinstrument“, das eingesetzt wurde, um „ein Siebzig-Millionen-Volk in eine einheitliche Weltanschauung zu bringen“, wie es Adolf Hitler formulierte.

Diese virtuelle Ausstellung zur Presse im Nationalsozialismus stellt dar, wie die Nationalsozialisten die zuvor plurale Presselandschaft der Weimarer Republik durch Terror, Verbote und Kontrolle zu einem willfährigen Instrument ihrer Herrschaft machten. Die Ausstellung zeigt, unter welchen institutionellen und ökonomischen Bedingungen zwischen 1933 und 1945 in Deutschland Zeitungen erschienen, worüber sie berichteten und wie die Arbeit der sogenannten „Schriftleiter“ (Journalist*innen) im Nationalsozialismus aussah. Während die Kontrolle der Medien in Deutschland nahezu lückenlos war, versuchten emigrierte Publizisten im Exil, die Pressefreiheit aufrechtzuerhalten. In einem eigenen Kapitel widmet sich die Ausstellung den schwierigen Umständen, unter denen Gegner*innen der Nationalsozialisten im Exil Zeitungen produzierten und sie stellt eine Auswahl dieser Publikationen vor.



01

Die Presselandschaft der Weimarer Republik



Zeitungsstand in Berlin, 1929

Aus der Sammlung von

Landesarchiv Baden-Württemberg

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Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Staatsarchiv Freiburg

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Kurzbeschreibung
Zwei Frauen an einem Zeitungsstand in Berlin, 1929. Angeboten wurden viele Presseerzeugnissen der Weimarer Republik, u.a. die Berliner Illustirte Zeitung, Die Grüne Post, Das 12 Uhr Blatt und Das Magazin.
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Ein Zeitungsstand in Berlin, 1929

Die Presse der Weimarer Republik war vielfältig. Es gab Unterhaltungsblätter, Modejournale, „Kampfblätter“ politischer Parteien, seriöse Tageszeitungen, konfessionell gebundene Publikationen sowie spezielle Periodika für Kinder, Frauen, Autofahrer oder Literaturinteressierte. Ermöglicht wurde diese Vielfalt durch die in der Weimarer Verfassung festgeschriebene Meinungsfreiheit und durch die Abschaffung der Pressezensur. Dennoch waren vor allem in den krisengeschüttelten frühen und in den letzten Jahren der Republik Zeitungsverbote und Prozesse gegen Journalist*innen, Redakteure und Verleger keine Seltenheit. Sie waren legitimiert durch die Notverordnungen des Reichspräsidenten, durch das Republikschutzgesetz oder das Strafgesetzbuch. Die politischen Kämpfe der Weimarer Republik waren in der Presse nicht nur präsent, sie wurden durch sie ausgetragen und angeheizt. Harte Polemiken und scharfe Angriffe auf den politischen Gegner waren keine Seltenheit. Die Demokratie- und Republikfeindlichkeit vieler Presseorgane vergifteten das politische Klima und gelten heute als eine der Ursachen für den Aufstieg der Nationalsozialisten.



1.1 Zeitungsvielfalt und politische Polarisierung in der späten Weimarer Republik

Am Ende der Weimarer Republik erschienen im Deutschen Reich weit über 3.000 Zeitungen. Allein in Berlin gab es über 130 politische Zeitungen, viele davon erschienen täglich, einige mehrmals täglich. In Hamburg gab es 24 Tageszeitungen, in Mannheim 13. Allerdings hatten die wenigsten Zeitungen eine nationale oder auch nur überregionale Bedeutung. In Berlin waren über 70 der 130 Zeitungen Stadtteilblätter, die nur innerhalb der jeweiligen Stadtbezirke wahrgenommen wurden. In Hamburg und Mannheim erreichten nur jeweils 6 Blätter eine höhere Auflage und eine stadtweite Verbreitung.

Ähnlich regional war die Provinzpresse ausgerichtet. In Bayern existierten 1930 rund 500 Zeitungen. Die zehn auflagenstärksten kamen in München, Nürnberg, Würzburg und Augsburg heraus. Der überwiegende Teil jedoch erschien auf dem Land. Fast jede größere Landgemeinde verfügte über ein eigenes „Heimatblatt“, das häufig nur dreimal pro Woche in den Handel kam.

Die meisten Zeitungen – auf dem Land und in den Großstädten – erschienen in kleiner Auflage und richteten sich an eine lokale Leserschaft. Die Presselandschaft der Weimarer Republik war also vielgestaltig, vor allem aber war sie politisch zerklüftet. Die Provinzblätter Bayerns und Westfalens waren konfessionell katholisch geprägt. Es gab die Parteiorgane der politischen Parteien, die ebenfalls regional ausgerichtet waren. Jeder größere Ort verfügte beispielsweise über mindestens eine eigene sozialdemokratische Zeitung und eine Parteizeitung der NSDAP. Es gab überparteilich liberale Zeitungen, meist in Großstädten: Wichtige Beispiele, die auch überregional wahrgenommenen wurden, waren die Frankfurter Zeitung, die Vossische Zeitung und das Berliner Tageblatt. Bürgerlich-konservative bis nationalistische Großstadtzeitungen waren etwa die Münchener Neueste Nachrichten oder die Deutsche Allgemeine Zeitung.

Ebenfalls überwiegend großstädtische Phänomene waren Boulevardzeitungen, die auf der Straße verkauft wurden, etwa die liberale B.Z. am Mittag des Ullstein Verlags. Auflagenstark waren zudem die sogenannten Generalanzeiger, die sich in erster Linie aus Anzeigen finanzierten, politisch angeblich „neutral“ waren, häufig jedoch klare Standpunkte vertraten. Beispiel hierfür war die größte außerhalb Berlins erscheinende Zeitung, der linksliberale General-Anzeiger für Dortmund. Eindeutig dem rechten politischen Spektrum zuzuordnen war der Berliner Lokal-Anzeiger, der dem Medienmogul Alfred Hugenberg gehörte.

Neben Tageszeitungen gab es eine Vielzahl Wochenzeitungen und Zeitschriften. Die Berliner Illustrirte Zeitung des Ullstein Verlags war mit ihrem niedrigen Preis und ihrer Auflage von fast zwei Millionen Exemplaren ein Massenblatt. Die Arbeiter-Illustrierte-Zeitung wurde vom sozialistischen Verleger Willi Münzenberg herausgegeben. Eine politisch rechts stehende Zeitschrift war etwa Die Woche aus dem Hugenberg-Konzern. Es gab außerdem Satirezeitschriften wie zum Beispiel Kladderadatsch oder Ulk, Modezeitschriften wie Die Dame oder grafisch anspruchsvoll gestaltete Magazine wie Uhu oder Das Magazin.





Zeitungskiosk mit 966 Exemplaren in der Kaiserallee

Fotograf: Friedrich Seidenstücker, Fotografie, 1932, Berlin

Aus der Sammlung von

bpk-Bildagentur

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bpk/ Friedrich Seidenstücker

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Kurzbeschreibung
An einem Kiosk in der Kaiserallee in Berlin verkaufte ein Zeitungshändler 1932 966 verschiedene Zeitungen und Zeitschriften.
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An einem Zeitungskiosk in der Berliner Kaiserallee bot 1932 der Händler 966 verschiedene Publikationen an.


Titelseite Vossische Zeitung, 4.10.1929

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Deutsches Historisches Museum

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Deutsches Historisches Museum, Berlin

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Kurzbeschreibung
Titelseite der Morgenausgabe der Vossischen Zeitung vom 4.10.1929, in der es um den Tod des Reichsaußenministers Gustav Stresemanns ging.
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Die Morgenausgabe der Vossischen Zeitung vom 4. Oktober 1929 berichtete über den Tod des Reichsaußenministers Gustav Stresemann.


Titelseite B.Z. am Mittag, 17.8.1931

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Deutsches Historisches Museum

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Deutsches Historisches Museum

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Kurzbeschreibung
Titelseite der B.Z. am Mittag vom 17.8.1931. In der Ausgabe wurde u.a. über die Ermordung von zwei Polizisten am Berliner Bülowplatz berichtet.
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Auf der Titelseite der B.Z. am Mittag vom 17. August 1931 erschienen mehrere Artikel über die Ermordung von zwei Polizisten am Berliner Bülowplatz.


Titelseite Berliner Lokal-Anzeiger, 2.5.1929

Aus der Sammlung von

Staatsbibliothek zu Berlin - Stiftung Preußischer Kulturbesitz

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Kurzbeschreibung
Titelseite der Abendausgabe des Berliner Lokal-Anzeigers vom 2.5.1929, in der es um die blutigen Maidemonstrationen in Berlin ging.
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Auf der Titelseite der Abendausgabe des Berliner Lokal-Anzeigers vom 2. Mai 1929 wurde über die blutigen Maidemonstrationen in Berlin berichtet.


Titelblatt Berliner Illustrirte Zeitung, 18.5.1930

Aus der Sammlung von

Deutsches Historisches Museum, Berlin

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Deutsches Historisches Museum

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Kurzbeschreibung
Titelblatt der Berliner Illustrirten Zeitung vom 18.5.1930. In dieser Ausgabe wurden u.a. Bilder des Polarforschers Richard E. Byrd veröffentlicht.
Berliner Illustrirte Zeitung 18.5.1930 DHM.jpg
Das Titelblatt der Wochenzeitung Berliner Illustrirten Zeitung vom 18. Mai 1930 zeigte den Polarforscher Richard E. Byrd.


Titelblatt Uhu, November 1930

Aus der Sammlung von

Deutsches Historisches Museum

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Deutsches Historisches Museum

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Kurzbeschreibung
Titelseite der Novemberausgabe 1930 der Zeitschrift Uhu aus dem Ullstein-Verlag.
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Viele Zeitschriften wurden aufwendig gestalten, zum Beispiel die Titelseiten der Zeitschrift Uhu aus dem Ullstein-Verlag.

1.2 Die großen Pressekonzerne der Weimarer Republik

So zerklüftet die Presselandschaft der späten Weimarer Republik auch war, geprägt wurde sie maßgeblich durch einige wichtige Verlage und Geldgeber. In Berlin kam beinahe jede zweite Tageszeitung aus einem der beiden größten Presseverlage, Ullstein und Mosse. Beide waren Familienunternehmen, beide waren grundsätzlich liberal und republikfreundlich eingestellt und beide wurden von der nationalistischen Propaganda als „jüdisch“ bekämpft.





Kurt Tucholsky, "Deutschland, Deutschland über alles“

Aus der Sammlung von

Kurt Tucholsky Literaturmuseum

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Kurt Tucholsky Literaturmuseum

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Kurzbeschreibung
Im Neuen Deutschen Verlag von Willi Münzenberg erschienen auch Bücher: zum Beispiel 1929 Kurt Tucholskys "Deutschland, Deutschland über alles“ mit Illustrationen von John Heartfield.
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Kurt Tucholskys "Deutschland, Deutschland über alles" erschien 1929 in Münzenbergs Buchverlag mit Illustrationen von John Heartfield.


Einflussreich war ebenfalls das bereits von Zeitgenossen als „Münzenberg-Konzern“ bezeichnete Mediennetzwerk des kommunistischen Reichstagsabgeordneten, Filmproduzenten und Verlegers Willi Münzenberg. Münzenbergs Arbeiter-Illustrierte-Zeitung prägte mit ihren avantgardistischen Titelblättern von John Heartfield die Bildsprache des Journalismus. Münzenberg gab außerdem die auflagenstarken Massenblätter Welt am Abend und Berlin am Morgen heraus, deren Einfluss deutlich höher war als der des offiziellen kommunistischen Parteiorgans Die Rote Fahne. Obwohl Münzenberg Parteifunktionär der KPD war, veröffentlichte er auch Autor*innen, die nicht auf Parteilinie waren.



Parteibüro der DNVP, 1932

Aus der Sammlung von

Deutsches Historisches Museum

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Deutsches Historisches Museum

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Kurzbeschreibung
In einer Parteizentrale von Alfred Hugenbergs DNVP türmten sich Wahlkampfzeitungen, an den Wänden hängen Wahlkampfplakate, 12.7.1932.
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In einem Parteibüro von Alfred Hugenbergs DNVP türmten sich im Juli 1932 Wahlkampfzeitungen.


Politisch dem nationalistischen Spektrum zugehörig waren die Presseerzeugnisse des Hugenberg-Konzerns. Alfred Hugenberg war Unternehmer der Montanindustrie, Reichstagsabgeordneter und Vorsitzender der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP). Durch seine verlegerischen Aktivitäten gilt er als „Steigbügelhalter“ der Nationalsozialisten. Er kaufte 1916 den Berliner Scherl-Verlag und baute systematisch einen Medienkonzern auf, der nationalistische, monarchistische und völkische Weltanschauungen verbreitete. Hugenberg kontrollierte nicht nur wichtige hauptstädtische Zeitungen und ab 1927 als Eigentümer der Universum Film AG (Ufa) auch bedeutende Teile der Filmindustrie. Er lenkte darüber hinaus mittels ihm gehörender Nachrichtenagenturen und Beratungsgesellschaften die politische Ausrichtung diverser Provinzzeitungen.

Hugenbergs Presseerzeugnisse trugen maßgeblich zur politischen Polarisierung der Weimarer Republik bei. Seine anhaltenden Angriffe gegen die Demokratie und seine nationalistischen Töne schufen den politischen Nährboden, auf dem die Nationalsozialisten ihre Erfolge feiern konnten. Nach 1933 brauchten die Nationalsozialisten Hugenberg nicht mehr. Sie kauften ihm große Teile seines Medienimperiums ab und machten sich seinen Propagandaapparat zu eigen.



Titelblatt Illustrierter Beobachter, 17.9.1932

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Deutsches Historisches Museum

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Deutsches Historisches Museum

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Kurzbeschreibung
Titelblatt des im Franz-Eher-Verlag erschienenen Illustrierten Beobachters vom 17.9.1932. Diese Ausgabe enthielt u.a. einen Bildbericht über die NSDAP.
Illustrierter Beobachter 17.9.1932 DHM.jpg
Cover des im Franz-Eher-Verlag erschienenen Illustrierten Beobachters vom 17. September 1932.


1920 übernahm die NSDAP die im Franz-Eher-Verlag erscheinende Münchener Tageszeitung Völkischer Beobachter, die ihr wichtigstes und zentrales Parteiorgan werden sollte. Seit 1922 leitete Max Amann den Parteiverlag. Hier erschienen unter anderem Adolf Hitlers „Mein Kampf“, eine wachsende Zahl von Partei- und Gauzeitungen sowie Zeitschriften, etwa der Illustrierte Beobachter oder Die Brennessel. Nach 1933 wuchs der Franz-Eher-Verlag durch den Ankauf weiterer Verlage: Unter anderem der Ullstein Verlag, diverse Unternehmen der Hugenberg-Gruppe sowie viele kleinere Provinz- und Generalanzeigerblätter gingen im nationalsozialistischen Pressetrust auf. In einem komplizierten Geflecht aus diversen Holdinggesellschaften und angegliederten Verlagsunternehmen entstand der damals größte Pressekonzern der Welt.

02

Die Zerstörung der freien Presse durch die Nationalsozialisten



Zeitungsleser*innen, Juli 1934

Aus der Sammlung von

Deutsches Historisches Museum

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Deutsches Historisches Museum

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Kurzbeschreibung
Zeitungsleser*innen informierten sich über den Gesundheitszustand des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg, 1934.
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Zeitungsleser*innen informierten sich im Juli 1934 über den Gesundheitszustand des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg.

Die Parteipresse der NSDAP machte Anfang 1933 lediglich 2,5% der deutschen Zeitungsauflagen aus. Aber sofort nach der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 griffen die Nationalsozialisten die vielfältige Presselandschaft der Republik an. Ihrer massiven Hetzkampagne gegen publizistische Gegner und gegen die angebliche „Judenpresse“ der Weimarer Republik folgten nun Taten: Zeitungen wurden verboten, Journalist*innen und Verleger verfolgt, verhaftet oder ins Exil gezwungen, Verlage in Besitz genommen und die weiter bestehenden Zeitungen auf einen nationalsozialistischen Kurs eingeschworen. Das Ziel der Nationalsozialisten war die umfassende Kontrolle und Beherrschung der Medien und damit der öffentlichen Meinung. Sie waren erfolgreich: Am Ende des Zweiten Weltkriegs verfügte der NSDAP-eigene Pressetrust rund um den Franz-Eher-Verlag über einen Marktanteil von über 80%.



2.1 Zeitungsverbote

Nach dem 30. Januar 1933 brauchten die Nationalsozialisten nur einen Monat, um die wichtigsten Zeitungen der Kommunisten und der Sozialdemokraten auszuschalten. Die letzten Ausgaben der Roten Fahne, des Zentralorgans der KPD, berichteten über Gewalttaten der Nationalsozialisten gegen ihre politischen Gegner. Gleichzeitig rief die Zeitung zu antifaschistischen Aktionen, Kundgebungen und Streiks auf. Diese Aufrufe waren Anlass für Zeitungsverbote und Beschlagnahmungen bereits gedruckter Ausgaben. Am 11. Februar 1933 wurde das Erscheinen der Roten Fahne für zwei Wochen unterbunden. Noch vor Ablauf der Frist durchsuchten Polizei und SA das Karl-Liebknecht-Haus in Berlin, Parteizentrale der KPD und Sitz der Redaktion der Roten Fahne. Die letzte legale Ausgabe der Zeitung erschien am 26. Februar 1933.

Auch der Vorwärts, die Parteizeitung der SPD, wurde im Laufe des Februars 1933 mehrmals für einige Tage verboten. Am Morgen des 28. Februars berichtete der Vorwärts noch über den Reichstagsbrand. Anschließend durfte die Zeitung im Deutschen Reich nicht mehr erscheinen. Zwischen Juni 1933 und Mai 1940 erschien in Karlsbad und später in Paris die Exilzeitung Neuer Vorwärts.

Grundlage des Verbots von politisch unliebsamen Zeitungen waren Notverordnungen, die vom Reichspräsidenten Paul von Hindenburg erlassen wurden. Die "Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz des Deutschen Volkes" vom 4. Februar 1933 diente insbesondere der Einschränkung der Presse- und Versammlungsfreiheit. Die unmittelbar nach dem Reichstagsbrand am 28. Februar erlassene "Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat" ging noch darüber hinaus, schränkte u.a. die Versammlungs- und Meinungsfreiheit weiter ein und lieferte die rechtliche Grundlage für Terrormaßnahmen der neuen Regierung.

Wie dem Vorwärts und der Roten Fahne erging es fast 250 anderen sozialdemokratischen und kommunistischen Presseerzeugnissen in ganz Deutschland. Der Wahlkampf der SPD und der KPD für die Reichstagswahl am 5. März 1933 wurde dadurch massiv behindert. Die Verlagshäuser und Druckereien der verbotenen linken Zeitungen wurden häufig von Nationalsozialisten in Besitz genommen. Viele linke Publizist*innen flüchteten bereits in den ersten Wochen der nationalsozialistischen Herrschaft ins Exil. Diejenigen, die in Deutschland blieben, waren Einschüchterungen, Verhaftungen und brutalen Misshandlungen in der sogenannten „Schutzhaft“ ausgesetzt.





Bücherverbrennung in Dresden, 8.3.1933

Verwalter: Dresden, Museen der Stadt Dresden, Stadtmuseum Dresden

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SLUB / Deutsche Fotothek

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SLUB/ Deutsche Fotothek/ Unbekannter Fotograf

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Kurzbeschreibung
SA-Männer verbrennen am 8. März 1933 unter dem Schutz der Polizei Akten und Bücher aus dem zuvor gestürmten Gebäude der Dresdner Volkszeitung.
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Bücherverbrennung durch Polizei und SA in Dresden, 8. März 1933.

In Dresden überfielen SA und Polizei am 8. März 1933 die Redaktion der Dresdner Volkszeitung, der Parteizeitung der Dresdener Sozialdemokratie. Sechs Tage zuvor war die Zeitung verboten worden. Bei dem Überfall verhafteten und terrorisierten Polizei und SA die Anwesenden, zerstörten das Mobiliar und verbrannten anschließend öffentlich Akten und Schriften der Redaktion und der Partei auf dem Wettiner Platz. Diese Bücherverbrennung war der Auftakt einer Reihe ähnlicher Aktionen von SA, SS und der „Deutschen Studentenschaft“.



2.2 Zwangsverkäufe: Das Beispiel des Ullstein Verlags

Vor 1933 war der Ullstein Verlag einer der größten des Berliner Zeitungsmarkts. Rund 10.000 Menschen arbeiteten im Verlagshaus an der Kochstraße und im riesigen Druckhaus in Tempelhof. Im Verlag erschienen auflagenstarke Tageszeitungen wie die renommierte Vossische Zeitung, das Boulevardblatt B.Z. am Mittag und die Berliner Morgenpost. Außerdem verlegte Ullstein diverse Zeitschriften wie zum Beispiel die Berliner Illustrirte Zeitung oder die Grüne Post und ein breites Buchsortiment.

Der Ullstein Verlag war ein Familienunternehmen. Er wurde 1877 durch den Papiergroßhändler und Kommunalpolitiker Leopold Ullstein gegründet. Nach seinem Tod übernahmen seine fünf Söhne das Verlagsgeschäft, im Laufe der 1920er Jahre rückte die Enkelgeneration in das Management vor. Grundsätzlich unterstützen die Ullsteins die republikanische Demokratie der Weimarer Republik. Ihre Publikationen blieben jedoch überwiegend parteipolitisch neutral. Obwohl alle zehn Kinder des Verlagsgründers zum Protestantismus übergetreten waren, galt der Ullstein Verlag in der Propaganda der Nationalsozialisten als „jüdisch“.

Während der Verlag die Weltwirtschaftskrise relativ glimpflich überstanden hatte, geriet er durch Hetze, Boykottmaßnahmen und Zeitungsverbote der Nationalsozialisten nach 1933 zunehmend unter Druck. Zunächst versuchten die Ullsteins, den neuen Machthabern durch Zugeständnisse entgegenzukommen. Die Familie trennte sich von einem Anteil des Aktienkapitals. Außerdem wurden nicht-jüdische Personen in den Aufsichtsrat und Vorstand berufen.

Insbesondere der neue Vorstandschef Richard A. Müller agierte jedoch keineswegs im Sinne der Verlagsinhaber, sondern in enger Absprache mit führenden Nationalsozialisten. Er veranlasste in den folgenden Monaten die Entlassung vieler jüdischer Mitarbeiter*innen. Nicht zuletzt der Verlust wichtiger Autor*innen führte zu sinkenden Verkaufszahlen und im März 1934 zur Einstellung der altehrwürdigen Vossischen Zeitung.

Die Zugeständnisse der Ullsteins reichten den Nationalsozialisten keineswegs. Ihr Interesse war die Zerschlagung oder Übernahme des Großverlags. Ein kritischer Leitartikel des Journalisten Ehm Welk im Frühjahr 1934 über eine Rede Joseph Goebbels war Anlass zu einem dreimonatigen Verbot der auflagenstarken Wochenzeitschrift Grüne Post. Der Verlust von verlegerischen und unternehmerischen Spielräumen, finanzielle Einbußen und Drohungen gegen Familienangehörige führten schließlich dazu, dass sich die Ullsteins zu Verkaufsverhandlungen genötigt sahen.

Trotz finanzieller Schwierigkeiten war der Ullstein Verlag weiterhin ein beeindruckendes Presseimperium. Der reale Wert des Unternehmens wurde auf 60 Millionen Reichsmark geschätzt. Die Ullsteins erhielten bei den im Juni 1934 abgeschlossenen Verkaufsverhandlungen jedoch lediglich rund 10,5 Millionen Reichsmark. Gekauft hatte über eine Treuhandfirma letztendlich der NSDAP-eigene Franz-Eher-Verlag. Bis 1937 blieb der Traditionsname Ullstein erhalten, dann erfolgte eine Umbenennung in „Deutscher Verlag“. Von dem ohnehin geringen Kaufpreis blieb den ins Exil geflüchteten Ullsteins nach Abzug aller antijüdischen Sondersteuern so gut wie nichts übrig.





Titelseite Die Sirene, November 1937

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Deutsches Historisches Museum

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Deutsches Historisches Museum

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Kurzbeschreibung
Titelseite der Zeitschrift Die Sirene vom November 1937, u.a. mit einem Artikel über einen neuen amerikanischen Bomber. Die Sirene war die Wochenzeitschrift des Reichsluftschutzbundes.
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Titelseite der Zeitschrift Die Sirene vom November 1937

Die Übernahme der Sirene, der offiziellen Zeitschrift des Reichsluftschutzbundes, war 1933 ein Versuch des Ullstein Verlags, sich an die nationalsozialistische Regierung anzupassen. Letztendlich boten solche Anpassungsversuche den Verlagen keinen Schutz vor dem erzwungenen Verkauf an die Nationalsozialisten.





Passanten informieren sich: Aushang in den Schaufenstern einer Filiale des Deutschen Verlags (ehem. Ullstein)

Fotograf: Hanns Hubmann, Fotografie, August 1939, Berlin

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bpk-Bildagentur

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bpk/ Hanns Hubmann

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Kurzbeschreibung
In den Schaufenstern einer Filiale des Deutschen Verlags wurden die aktuellen Zeitungen ausgehängt und zahlreiche Passant*innen lasen kurz vor Kriegsbeginn im August 1939 die Auslagen.
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Passant*innen lasen 1939 die Auslagen des Deutschen Verlags (zuvor Ullstein) an der Ecke Unter den Linden Friedrichstraße.


Im Jahr 1937 tilgten die nationalsozialistischen Verlagsleiter den Traditionsnamen "Ullstein" endgültig und ersetzen ihn durch den neuen Namen "Deutscher Verlag".

2.3 Selbstzensur und Anpassung

Die meisten Zeitungen, die vor Januar 1933 erschienen, können politisch einem breiten Spektrum von konservativ bis nationalistisch zugeordnet werden. Hierzu gehörten viele der mitunter sehr kleinen Provinz- und Regionalzeitungen, einige größere bürgerliche Großstadtzeitungen und etliche sogenannte Generalanzeiger, die insbesondere vom Anzeigengeschäft lebten. Viele dieser Publikationen kritisierten die Weimarer Republik, aber längst nicht alle unterstützen zunächst die NSDAP.

Nachdem Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt worden war, versuchten zunächst die meisten dieser Zeitungen, ihre Unabhängigkeit durch ein unterschiedlich starkes Maß an Anpassung zu bewahren. Anfänglich wurden auch bürgerlich-konservative Presseerzeugnisse mit zeitweiligen Verboten belegt, wenn sie Texte druckten, die den Nationalsozialisten missfielen. Außerdem tobte vielerorts ein harter Konkurrenzkampf um Leser*innen zwischen den Parteiblättern der NSDAP und den politisch noch unabhängigen regionalen Zeitungen.

Der Hannoversche Anzeiger zum Beispiel druckte kurz vor der Wahl am 5. März 1933 eine Anzeige des Deutschen Gewerkschaftsbundes, die indirekt zur Wahl der SPD aufrief. Daraufhin startete die nationalsozialistische Niedersächsische Tageszeitung eine Hetzkampagne gegen den Anzeiger. Die Tageszeitung prangerte nicht nur die politische „Verfehlung“ des Konkurrenzblatts an, sondern polemisierte gleichzeitig massiv gegen jüdische Inserenten des Anzeigers. Wirtschaftlich sollte diese Kampagne den Anzeiger doppelt treffen: Er sollte Leser*innen und Anzeigenkund*innen verlieren. Wie viele andere Zeitungen lenkte der Hannoversche Anzeiger ein, entließ jüdische und liberale Mitarbeiter, druckte keine Inserate jüdischer Firmen mehr und passte Artikel und Kommentare an den nationalsozialistischen Duktus an. Die Strategie der Anpassung ging aber nicht immer auf. Etliche bürgerliche Zeitungen verloren zu viele Leser*innen und wurden durch den NSDAP-eigenen Franz-Eher-Verlag aufgekauft.

Anderen Zeitungen gelang es, durch vermeintlich unverfängliche Artikel im Feuilleton und Kulturteil, Leser*innen zu halten. In politischen Themen widersprachen die meisten Zeitungen bereits nach wenigen Wochen den Vorgaben der nationalsozialistischen Pressepolitiker nicht mehr. Am 23. Februar 1933 schrieb der sozialdemokratische Vorwärts nach einem seiner Verbote: „Der Vorwärts findet bei seiner Wiederkehr eine bürgerliche Presse, die [...] vor Schreck die Farbe verloren hat.“





Titelseite Bamberger Tagblatt, 5.8.1938

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Deutsches Historisches Museum

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Kurzbeschreibung
Titelseite der Regionalzeitung Bayerische Ostmark/Bamberger Tagblatt vom 5.8.1938 u.a. mit Berichten zur sogenannten Sudentenkrise.
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Ausgabe der Regionalzeitung Bayerische Ostmark/Bamberger Tagblatt vom 5.8.1938

Das Bamberger Tagblatt war eine national-konservative Regionalzeitung in Familienbesitz, die bis 1933 der DNVP nahestand. Im Juli 1933 fusionierte sie mit der NSDAP-Parteizeitung Fränkisches Volk, die später in Bayerische Ostmark umbenannt wurde, und wurde dadurch zum „amtlichen Organ“ der NSDAP.



03

Presselenkung: Institutionen, Maßnahmen und Personen



Joseph Goebbels beim Verein der Ausländischen Presse, 1933

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Kurzbeschreibung
Der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda Joseph Goebbels traf sich im Oktober 1933 mit Vertretern der ausländischen Presse.
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Joseph Goebbels, Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, traf im Oktober 1933 Vertreter der ausländischen Presse.

Die Zeitungen des „Dritten Reichs“ sollten die Bevölkerung nach Vorstellungen der Nationalsozialisten lediglich über die Politik der Regierung instruieren. Ein öffentlicher Diskurs, ein Wettstreit der Meinungen, geschweige denn Kritik waren nicht vorgesehen. Eine hohe Priorität hatte daher die umfassende Lenkung der nach den ersten Verboten verbliebenen Presseerzeugnisse. Mehrere miteinander in Konkurrenz stehende Personen und Institutionen gaben eine zunehmend unübersichtlich werdende Anzahl von Anweisungen und Richtlinien heraus, um die alltägliche Berichterstattung der Zeitungen zu lenken und zu kontrollieren. Als Resultat dieses Kontrollregimes beklagten sogar führende Nationalsozialisten eine zunehmende Eintönigkeit der Presse. Auch die Auflagen vieler Zeitungen sanken. Nach Kriegsbeginn stieg das Interesse der Bevölkerung an Nachrichten zwar wieder, gleichzeitig mussten Zeitungen mit immer weniger Personal und mit kontingentierten Papierzuteilungen auskommen. Als zusätzlicher Akteur kam nun die Wehrmacht mit eigenen Propagandainteressen hinzu.



3.1 Die Kontrolle der Informationen

Nach den Wahlen am 5. März 1933 schufen die Nationalsozialisten das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda (RMVP) unter dem Minister Joseph Goebbels. Die Aufgabe des Ministeriums war die vollständige Kontrolle des kulturellen Lebens und der Medien im Sinne der nationalsozialistischen Weltanschauung. Kunst und Literatur, vor allem aber die Massenmedien Rundfunk, Film und Presse dienten nun der Indoktrinierung der Bevölkerung.

Für die inhaltliche Lenkung der Presse war die Übernahme der Reichspressekonferenz von besonderer Bedeutung. Während der Weimarer Republik waren es die Journalist*innen, die täglich einen Austausch zwischen Presse und Regierungsvertretern organisierten. Diese Verantwortung nahmen ihnen die Nationalsozialisten 1933 aus der Hand. Von nun an bestellte das RMVP ausgewählte Zeitungskorrespondenten zu täglichen Pressebriefings. Regierungsvertreter gaben den versammelten und handverlesenen Berichterstattern genaue Anweisungen, was und in welcher Form sie zu schreiben hatten bzw. worüber Stillschweigen bewahrt werden sollte. Manche Anweisungen waren als Anregungen oder Bitten formuliert, andere waren unmissverständliche Befehle. Zeitungen, die unerwünschte Meldungen brachten oder unerwünschte Formulierungen verwendeten, wurden auf der Pressekonferenz öffentlich gerügt.

Alle Anweisungen und Informationen wurden auf der Reichspressekonferenz mündlich vorgetragen. Die anwesenden Journalist*innen schrieben mit und sollten das Gehörte in eigenen Worten wiedergeben, damit nicht in allen Zeitungen wortgleich dasselbe zu lesen war. Die Mitschriften mussten in regelmäßigen Abständen vernichtet werden. Hintergrundinformationen unterlagen in unterschiedlichem Maße der Geheimhaltung. Wurden vertrauliche Informationen weitergegeben oder gar veröffentlicht, konnten Zeitungen verboten oder Journalist*innen juristisch belangt werden.

Die kleineren und regionalen Zeitungen, die keine eigenen Korrespondenten in Berlin hatten, erhielten die Anweisungen der Reichspressekonferenz über die Landesstellen des RMVP. Auch die Zentralisierung und de facto Verstaatlichung der Nachrichtenagentur war ein effektives Instrument der inhaltlichen Lenkung der Provinzpresse. Anfang 1934 nahm das Deutsche Nachrichtenbüro (DNB) seine Arbeit auf. Meldungen, die das DNB verbreitete, waren ebenso streng überwacht wie diejenigen der Reichspressekonferenz. Vielen Zeitungsleser*innen war dies bewusst: Das Kürzel DNB wurde mit „Darf nichts bringen“ übersetzt.





Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda, um 1939

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Kurzbeschreibung
Eine Ansichtskarte zeigt den Neubau des Reichspropagandaministeriums in der Mauerstraße in Berlin Ende der 1930er Jahre.
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Das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda

3.2 Die Kontrolle der „Schriftleiter“

Mit dem von Joseph Goebbels initiierten Schriftleitergesetz vom 4. Oktober 1933 gossen die Nationalsozialisten ihr Verständnis von Pressearbeit in Gesetzesform. Der Zugang zum Journalist*innenberuf wurde reglementiert, die Presse als öffentliche staatliche Aufgabe definiert. Journalist*innen wurden fortan „Schriftleiter“ genannt, Chefredakteure „Hauptschriftleiter“. Sie unterstanden nicht mehr einem Zeitungsverleger, sondern dem Staat und damit dem nationalsozialistischen Regime. Das Schriftleitergesetz verpflichtete sie, aus den Zeitungen fernzuhalten, was die „Kraft des deutschen Volkes“, seine „Wehrhaftigkeit“ oder seinen „Gemeinschaftswillen“ schwächen könnte. Verboten waren außerdem Inhalte, die aus „anderen Gründen sittenwidrig sind“ – eine willkürlich auslegbare und anwendbare Formulierung.

Schriftleiter durfte sein, wer in die sogenannte Schriftleiterliste eingetragen war. Voraussetzung dafür war nicht nur die deutsche Staatsangehörigkeit, sondern auch eine „arische Abstammung“. Auch eine Ehe mit einer Person „nichtarischer“ Herkunft war ein Ausschlussgrund. Das Schriftleitergesetz verwehrte fortan ausländischen, kritischen und aus rassistischen Erwägungen unerwünschten Journalist*innen den Zugang zu ihrem Beruf.

Gleichzeitig wurden für „arische“ und politisch erwünschte Schriftleiter soziale Privilegien eingeführt. Weder die berufsständischen Organisationen noch die bürgerliche Presse leisteten Widerstand gegen das Gesetz. Die Führung und Kontrolle der Schriftleiterlisten oblagen der Reichspressekammer, einer Untergliederung der Reichskulturkammer, die wiederum dem Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda unterstand und ebenfalls von Joseph Goebbels geleitet wurde.





Titelblatt Badische Presse, 5.10.1933

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Badische Landesbibliothek

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Badische Landesbibliothek

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Kurzbeschreibung
Die in Karlsruhe erscheinende Badische Presse titelte am 5.10.1933 nach Beschluss des Schriftleitergesetzes „Ehrentag der deutschen Presse“ und veröffentlichte den Gesetzestext im Wortlaut.
Badische Presse 5.10.1933.jpg
Titelseite der in Karlsruhe erscheinenden Badischen Presse vom 5.10.1933 zum Beschluss des Schriftleitergesetzes


Titelblatt Neue Zeit, 6.10.1933

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Deutsches Historisches Museum

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Kurzbeschreibung
Eine in Berlin-Charlottenburg erscheinende Zeitung, die Neue Zeit, überschrieb am 6.10.1933 ihren Leitartikel mit "Das Bündnis zwischen Staat und Presse".
Neue Zeit 6.10.1933.jpg
Die in Berlin-Charlottenburg erscheinende Zeitung Neue Zeit titelte am 6.10.1933: "Das Bündnis zwischen Staat und Presse"

3.3 Nationalsozialistische Pressepolitiker

Zentrale Person der nationalsozialistischen Pressepolitik war Joseph Goebbels als Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda und gleichzeitig Vorsitzender der Reichskulturkammer. Allerdings hatte er Konkurrenten: Ein kompliziertes Geflecht von institutionellen und personellen Abhängigkeiten, sich überschneidenden Zuständigkeiten und Rivalitäten kennzeichnete die nationalsozialistische Pressepolitik.





Max Amann, Mitte der 1930er Jahre

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Deutsches Historisches Museum

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Kurzbeschreibung
Max Amann war Nationalsozialist, Pressepolitiker, Leiter des NSDAP-eigenen Franz-Eher-Verlags und Verfasser der Amann-Anordnungen. Die Abbildung zeigt ihn vermutlich Mitte der 1930er Jahre in SS-Uniform.
Max Amann.jpg
Max Amann in SS-Uniform


Max Amann

Max Amann war seit Anfang der 1920er Jahre enger Gefolgsmann Adolf Hitlers. Seit 1922 stand er dem parteieigenen Franz-Eher-Verlag vor, der die wichtigsten Zeitungen, Zeitschriften und Bücher der NSDAP herausgab. Parteiintern bekleidete Max Amann das Amt des „Reichsleiters für die Presse“. 1933 wurde er zunächst Leiter des „Reichsverbands der Deutschen Zeitungsverleger“, dann Präsident der Reichspressekammer, der Berufsorganisation des Zeitungswesens in der übergeordneten Reichskulturkammer. Eine zentrale Rolle spielte er bei der Konzentration des deutschen Verlagswesens. Er war gleich zu Beginn der Herrschaft der Nationalsozialisten an der faktischen Verstaatlichung der Nachrichtenagentur DNB ebenso beteiligt wie am Kauf des Ullstein Verlags.

Im Frühjahr 1935 erließ Amann die drei sogenannten Amann-Anordnungen, die eine weitere Welle der Konzentration im Zeitungsverlagswesen zugunsten des Franz-Eher-Verlags auslösten. Mithilfe dieser Anordnungen konnten kleine Zeitungsverlage geschlossen oder aufgekauft werden, deren Zeitungen in Konkurrenz zur NSDAP-Parteipresse standen. Die Anordnungen ermöglichten es außerdem, massiven Druck auf konfessionelle Zeitungen und die noch vorhandene Generalanzeigerpresse auszuüben. Die Unternehmensstruktur der Verlage musste offengelegt werden, einige Geschäftsmodelle wurden verboten und alle Verleger mussten einen bis ins Jahr 1800 zurückreichenden „Ariernachweis“ vorlegen. In den folgenden Monaten gaben bis zu 600 Zeitungen auf, wurden verkauft oder dem Franz-Eher-Verlag angegliedert. Dieser produzierte 1945 über 80% der Zeitungsauflagen des Deutschen Reichs.

Max Amann wurde bei Kriegsende inhaftiert. 1948 verurteilte ihn das Münchener Landgericht u.a. wegen Landfriedensbruch und Körperverletzung zu zweieinhalb Jahren Gefängnis. Die Spruchkammer im Entnazifizierungsverfahren stufte ihn als „Hauptschuldigen“ ein und verurteilte ihn zu zehn Jahren Arbeitslager. Sein beträchtliches Vermögen, angehäuft bei seinen Geschäften rund um den Franz-Eher-Verlag, wurde eingezogen. 1953 wurde er aus der Haft entlassen. Er starb 1957 in München.



Goebbels Winkler Filmschaffende, 1939

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Bundesarchiv

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Kurzbeschreibung
Auf einem Treffen von Filmschaffenden im Reichstagssitzungssaal in der Berliner Krolloper am 11. März 1939 saßen auf dem Podium in der ersten Reihe u.a. Joseph Goebbels (ganz rechts) und Max Winkler (3. von links).
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Treffen von Filmschaffenden in der Berliner Krolloper 1939: Max Winkler saß als dritter von links auf dem Podium, Joseph Goebbels ganz rechts.


Rolf Rienhardt und Max Winkler

Max Amann erledigte weder seine Geschäfte noch seine politischen Aufgaben allein. Wichtig war unter anderem sein enger Mitarbeiter Rolf Rienhardt. Rienhardt war Jurist, Hitler-Anhänger seit den frühen 1920er Jahren und wird in der Forschungsliteratur als ungewöhnlich umtriebig und intelligent geschildert. 1933 machte Amann ihn zu seinem Stellvertreter als Leiter des „Reichverbands der Deutschen Zeitungsverleger“ und zum Stabsleiter im „Verwaltungsamt für die Presse der NSDAP“. Außerdem schrieb Riemann programmatische Texte und die politischen Reden für Max Amann. Vor allem war er der intellektuelle und juristische Drahtzieher der Geschäfte des Franz-Eher-Verlags und erdachte das Konzept der erfolgreichen Wochenzeitung Das Reich.

Für den Ankauf bzw. die Übernahme vieler Verlage spielte der Geschäftsmann und Medienexperte Max Winkler eine zentrale Rolle. Über verschiedene Treuhandgesellschaften organisierte er den Ankauf der Nachrichtenagenturen, der „jüdischen“ Verlage Ullstein und Mosse sowie zahlreicher weiterer Zeitungsverlage, nachdem 1935 Max Amann mit den sogenannten Amann-Anordnungen die rechtlichen Voraussetzungen dafür geschaffen hatte. Zeitgenossen beschrieben Winkler als einen geschickt und dezent agierenden Geschäftsmann, der höflich und verbindlich als vermeintlich unabhängiger Unternehmer auftrat. Seine Geschäfte kamen jedoch stets dem nationalsozialistischen Pressetrust rund um den Franz-Eher-Verlag zugute.

Rolf Rienhardt war bei seinem Vorgesetzten Max Amann Ende der 1930er Jahre in Ungnade gefallen, wurde entlassen und diente seit 1943 in der „Leibstandarte SS Adolf Hitler“. Im Spruchkammerverfahren nach dem Krieg wurde er jedoch nicht als „Hauptschuldiger“ eingestuft. Anfang der 1950er Jahre arbeitete er wieder als Jurist und wurde Verlagsgeschäftsführer bei der Westfälischen Zeitung und im Burda-Verlag. Er starb 1975. Max Winkler wurde zwar verhaftet und sagte als Zeuge in mehreren Prozessen gegen Nationalsozialisten aus, wurde aber selbst im Rahmen der Entnazifizierungsverfahren als „entlastet“ eingestuft. Er beriet den Bundestag bei der Reorganisation des von ihm maßgeblich geschaffenen Filmtrusts rund um die Ufa. Er starb 1961.



Dietrich und Goebbels auf dem Reichspressetag, 1934

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Bundesarchiv

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Kurzbeschreibung
Auf dem ersten "Reichspressetag" im November 1934 saßen in der ersten Reihe u.a. Joseph Goebbels (links) und Otto Dietrich (rechts).
Dietrich Goebbels.jpg
Auf dem "Reichspressetag" im November 1934: In der ersten Reihe saßen u.a. Joseph Goebbels (links) und Otto Dietrich (rechts).


Otto Dietrich

Ein weiterer wichtiger Medienpolitiker war Otto Dietrich. Dietrich war seit 1931 persönlicher Pressechef Adolf Hitlers und „Reichspressechef der NSDAP“. 1933 wählten ihn die Mitglieder des „Reichsverbands der Deutschen Presse“, der Interessenvertretung der Journalist*innen, einstimmig zu ihrem Vorsitzenden und zeigten damit ihre Anpassungsbereitschaft an die nationalsozialistische Diktatur. Der „Reichsverband der Deutschen Presse“ wurde in die Reichspressekammer eingegliedert, der wiederum Max Amann vorstand.

1938 wurde Otto Dietrich Staatssekretär im Reichspropagandaministerium unter Joseph Goebbels. Er war fortan nicht nur für die Parteipresse, sondern für die Ausrichtung und Kontrolle des gesamten Zeitungswesens zuständig. Dabei baute er seine Stellung unter dem ihm eigentlich übergeordneten Minister Goebbels weiter aus und agierte zunehmend selbständig. Er hielt sich während des Kriegs häufig im „Führerhauptquartier“ in unmittelbarer Nähe zu Hitler auf. Seit 1940 veröffentlichte er täglich die „Tagesparole des Reichspressechefs“ auf der Reichspressekonferenz. Durch diese knapp zusammengefassten verbindlichen Mitteilungen an die Presse, deren Inhalt und Wortlaut Dietrich direkt bzw. telefonisch vorgab, wurde die Kontrolle der Nachrichten in Kriegszeiten noch straffer.

Auch Otto Dietrich verhafteten die Alliierten bei Kriegsende. 1949 wurde er im Wilhelmstraßenprozess zu sieben Jahren Haft verurteilt und 1950 wegen guter Führung entlassen. Er arbeitete anschließend bei der Deutschen Kraftverkehrsgesellschaft und starb 1952 in Düsseldorf.

3.4 Kriegsberichterstattung und Propagandakompanien

Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs rückten die „psychologische Kriegsführung“ und die propagandistische Kontrolle der „Heimatfront“ in den Vordergrund. Die Presseanweisungen Otto Dietrichs in Form der täglich herausgegebenen „Tagesparolen des Reichspressechefs“ wurden rigider. Grundsätzliche Informationen zum Beispiel zu Truppenstärken, feindlichen Luftangriffen oder Verlusten waren verboten oder unterlagen der Zensur. Während einerseits der Kriegspropaganda eine wichtige Stellung eingeräumt wurde, hatten andererseits Zeitungsredaktionen mit zunehmendem Personalmangel und Papierverknappung zu kämpfen.

Neben dem Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda verfolgte das Oberkommando der Wehrmacht eine eigene Propaganda- und Medienstrategie. Bereits vor Kriegsbeginn hatten beide Institutionen über künftige Kriegsberichterstattung gestritten und ein formales Abkommen über die Abgrenzung ihrer jeweiligen Zuständigkeiten geschlossen. Die Wehrmacht stellte Propagandakompanien (PK) auf, die für die Berichterstattung aus und in den Kriegsgebieten zuständig waren. Alle Kriegsberichterstatter waren Soldaten, Zivilisten war die Kriegsberichterstattung verboten.

Die PK unterstanden dem militärischen Befehl der Wehrmacht. Inhaltliche Weisungen jedoch kamen aus Joseph Goebbels Propagandaministerium. Die Soldaten der PK lieferten Filmaufnahmen, Fotografien, Rundfunkberichte, Zeichnungen und Wortbeiträge. Sie mussten von mehreren Zensoren gebilligt werden, bevor sie in Wochenschauen gezeigt, im Rundfunk gesendet oder in Zeitschriften und Zeitungen gedruckt wurden. 1942 dienten 15.000 Soldaten in 54 PK; auch die SS unterhielt eine eigene Propagandaeinheit.

Viele Kriegsberichterstatter der PK setzten ihre Karrieren nach Kriegsende fort. Vor allem bestimmen ihre Schilderungen des Kriegsgeschehens und ihre Bilder der Kriegshandlungen und des Soldatenlebens noch jahrzehntelang das westdeutsche Bild vom Zweiten Weltkrieg.





PK Filmberichter Ghetto, 1941

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Bundesarchiv

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Kurzbeschreibung
Deutsche Wehrmachtssoldaten einer PK ("Filmberichter") fertigten 1941 im Ghetto Litzmannstadt Foto- und Filmaufnahmen an.
PK Ghetto Litzmannstadt.jpg
Soldaten einer PK fertigten 1941 im Ghetto Litzmannstadt Fotos und Filmaufnahmen an.


Die PK fertigten nicht nur Berichte und Bilder vom unmittelbaren Kriegsgeschehen an. Sie unterstützen die nationalsozialistische Propaganda, indem sie antisemitische, rassistische und stereotype Film- und Bildaufnahmen aus den durch die Wehrmacht okkupierten Gebieten lieferten. Die nebenstehende Abbildung zeigt Soldaten einer PK, die im sogenannten Ghetto Litzmannstadt Filmaufnahmen und Fotos der dort inhaftierten jüdischen Menschen anfertigten.



"Wortberichter" einer Propagandakompanie, 1941

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Deutsches Historisches Museum

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Deutsches Historisches Museum

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Kurzbeschreibung
Ein Soldat einer Propagandakompanie („Wortberichter“) fertigte 1941 nach einem Einsatz in der Sowjetunion auf einer Schreibmaschine seinen Bericht an.
Wortberichter PK.jpg
Ein Soldat einer PK („Wortberichter“) schrieb 1941 nach einem Einsatz in der Sowjetunion seinen Bericht.


Frontdruckerei, um 1943

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Bundesarchiv

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Kurzbeschreibung
Rotationsmaschine in einem Druckereizug, auf der "Feldzeitungen" für deutsche Soldaten gedruckt wurden, um 1943
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Eine in einem Zug untergebrachte Frontdruckerei. Auf der Rotationsmaschine wurden "Feldzeitungen" für deutsche Soldaten produziert.

04

Zeitungen im Nationalsozialismus



Zeitungsstand in Dresden, 1935

Fotograf: Heinz Märker, 1935

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SLUB / Deutsche Fotothek

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SLUB/ Deutsche Fotothek/ Heinz Märker

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Kurzbeschreibung
An einem Zeitungsstand auf dem Postplatz in Dresden wurden 1935 diverse deutsche Tagenszeitungen angeboten.
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An einem Zeitungsstand auf dem Postplatz in Dresden wurden 1935 diverse deutsche Tagenszeitungen angeboten.

Während der Herrschaft der Nationalsozialisten verödete die deutsche Presselandschaft: Alle linken Blätter wurden verboten, die liberale Presse zum Zwangsverkauf und zur Anpassung gezwungen. Die übrigen Blätter durften nur schreiben, was die nationalsozialistische Vorzensur freigegeben hatte. Viele Zeitungen verschwanden, weil sie enttäuschte Leser*innen verloren. Profiteur der Verkäufe, Verbote und der schwindenden Konkurrenz war die NSDAP-eigene Franz-Eher-Verlagsgruppe. Die Presse war während der Herrschaft der Nationalsozialisten „gleichgeschaltet“, aufgekauft, zensiert oder überzeugtes Propagandaorgan der Herrschenden. Die sogenannte nationalsozialistische „Kampfpresse“, die während der Weimarer Zeit vor allem ein Mittel zum innerparteilichen Informationsaustausch, zur Verbreitung der nationalsozialistischen Propaganda und zur Schulung der Mitglieder gewesen war, wurde nun „Staatspresse“. Daneben gab es zwar weiterhin illustrierte Magazine, seriös aufgemachte Tageszeitungen und Provinzblätter für lokale Nachrichten. Aber überall waren dieselben Informationen und Meinungen abgedruckt. Nur in Ausnahmefällen gelang es den wenigen Journalist*innen, die kritische Distanz zur Regierung hielten, „zwischen den Zeilen“ unerwünschte Nachrichten zu übermitteln.



4.1 Völkischer Beobachter: Das wichtigste Presseorgan der Nationalsozialisten

Als die NSDAP im Dezember 1920 über einflussreiche Förderer ein insolventes Münchner Lokalblatt namens Völkischer Beobachter erwarb, war nicht abzusehen, welche unrühmliche Rolle diese Tageszeitung im Deutschen Reich spielen würde. Am Anfang diente der Völkische Beobachter den Nationalsozialisten als „Kampfblatt“ zur internen Kommunikation von Veranstaltungen und zur Propaganda im Kampf gegen die Republik. Nach 1933 wurde er zum zentralen Presseorgan der Nationalsozialisten.

Die Zeitung wurde beim Franz-Eher-Verlag herausgebracht, der seit April 1922 dem späteren „Reichsleiter für die Presse“, Max Amann, unterstand. Die Verlagszentrale des Eher-Verlags befand sich in der Münchener Thierschstraße 11. Redaktion und Druckerei des Völkischen Beobachters lagen in der Schellingstraße in der Münchener Maxvorstadt. Die Auflage stieg seit der Weltwirtschaftskrise 1929 kontinuierlich an. Waren 1925 nur circa 4.000 Exemplare im täglichen Umlauf, wuchs diese Zahl Ende 1930 auf über 100.000 Exemplare. Ihren Höchststand erreichte die Auflage 1944 mit 1,7 Millionen.

Der Völkische Beobachter mag auf den ersten Blick nicht so hetzerisch und niederträchtig erscheinen wie Der Angriff oder Der Stürmer, aber hinter dem vergleichsweise milderen Ton steckte ein ebenso konsequent vorgetragener Antisemitismus. Dem wichtigsten Presseorgan der Nationalsozialisten kam zudem eine entscheidende Funktion zu. Nach 1933 wurde aus dem Völkischen Beobachter das Verkündungs- und Akklamationsorgan der Nazis – ein Herold für die nationalsozialistische Regierung. In den ersten Jahren der Diktatur druckte der Völkische Beobachter oft die von Hitler erlassenen Gesetze direkt auf der Titelseite. Im Krieg wurde der Durchhaltewille des deutschen Volkes beschworen und von dem „aufopferungsvollen Kampf“ auf den Schlachtfeldern berichtet.





Titelseite Völkischer Beobachter, 17.1.1934

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Deutsches Historisches Museum

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Kurzbeschreibung
Der Völkische Beobachter veröffentlichte am 17.1.1934 das „Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit“.
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Ausgabe des Völkischen Beobachters vom 17. Januar 1934 mit dem Abdruck des Gesetzes zur "Ordnung der nationalen Arbeit".


Propagandawoche für die nationalsozialistische Presse im Januar 1936

Fotografie, 19.01.1936, Berlin

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bpk-Bildagentur

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bpk

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Kurzbeschreibung
NS-Propagandabild: Im Rahmen einer Aktionswoche warben Uniformträger im Januar 1936 für den Völkischen Beobachter.
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Uniformträger warben im Januar 1936 im Rahmen einer Propagandawoche für den Völkischen Beobachter.


Frauen bei der abendlichen Lesestunde in der Reichsbräuteschule auf Schwanenwerder

Fotografin: Liselotte Purper (Orgel-Köhne), Fotografie, 1938, Berlin

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bpk-Bildagentur

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bpk/ Liselotte Purper (Orgel-Köhne)

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Kurzbeschreibung
NS-Propagandabild: Frauen der Reichsbräuteschule in Schwanenwerder (Berlin) lasen 1938 nationalsozialistische Publikationen, u.a. den Völkischen Beobachter.
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So stellten sich die Nationalsozialisten 1938 eine gemütliche Lektüre des Völkischen Beobachters vor.

4.2 Der Angriff: Goebbels „Kampfblatt“ für Berlin

Der Angriff war ursprünglich das „Kampfblatt“ für die Berliner NSDAP. Berlin galt als schwieriges Terrain für die Nationalsozialisten. Ihre politischen Gegner waren stark und die preußische Landesregierung ging gleichermaßen strikt gegen Kommunisten und Nationalsozialisten vor.

Als es im Mai 1927 zu einem Verbot der Berliner NSDAP kam, gründete Joseph Goebbels, damals Gauleiter von Berlin, den Angriff. Dabei suchte er nicht nur einen Weg, weiterhin Propaganda für die nationalsozialistische Sache in Berlin zu machen. Der Angriff sollte auch dafür sorgen, dass Parteimitglieder und SA-Männer während der Verbotszeit loyal blieben, indem sie bei der Erzeugung und Verbreitung der Zeitung halfen. Am 4. Juli 1927 erschien Der Angriff erstmals – mit acht Seiten Umfang und in einer Auflage von ca. 2.000 Exemplaren. Die Zeitung galt jedoch nicht als ein offizielles Organ der NSDAP, sondern als Goebbels Privatzeitung. Hintergrund hierfür war ein Konflikt zwischen Goebbels Blatt und der Berliner Arbeiterzeitung, die als offizielles Organ der NS-Bewegung in Berlin erschien.

Für die Mitarbeiter war Der Angriff nicht selten ein Karrieresprungbrett. Wichtige Redakteure waren Julius Lippert, der nationalsozialistische Karikaturist Hans „Mjölnir“ Schweitzer und als einzige Frau Melitta Wiedemann, die Goebbels jedoch bald wieder aus der Redaktion drängte. Die erst wöchentlich und ab November 1930 täglich erscheinende Zeitung war durchtränkt mit den typischen Elementen einer nationalsozialistischen „Kampfzeitung“: Sie war antisemitisch, verbreitete einfache, radikale Freund-Feind-Bilder und zielte auf Stimmungen und Emotionen der eigenen Basis – zumeist ohne Argumente oder Fakten zu nennen.

Besonders erwähnenswert ist, dass sich Der Angriff auch sozialpolitischer Themen annahm, um damit die Berliner Arbeiter*innen anzusprechen. In den frühen 1930er Jahren bewarb Goebbels im Angriff politische Veranstaltungen der NSDAP mit dem Motto „Freiheit und Brot“. Der Publizist Kurt Tucholsky machte sich darüber lustig: „Die Freiheit konnte man jleich mitnehm – det Brot hatten se noch nich da, det kommt erscht, wenn die ihr drittes Reich uffjemacht ham.“





Reichstagswahlkampf in Berlin, 1932

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Deutsches Historisches Museum

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Deutsches Historisches Museum

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Kurzbeschreibung
Reichstagswahlkampf in Berlin, November 1932. Am Verlagshaus des Angriffs in der Wilhelmstraße hing ein riesiges Wahlkampfplakat.
Wahlkampfplakat Angriff.jpg
Beim Reichstagswahlkampf in Berlin hing im November 1932 am Verlagshaus des Angriffs in der Wilhelmstraße ein riesiges Wahlkampfplakat.


Zeichnung von Hans Schweitzer („Mjölnir“), aus: Der Angriff, 8.4.1931

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Zeichnung aus: Der Angriff, 8.4.1931.

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Zeichnung aus: Der Angriff, 8.4.1931

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Kurzbeschreibung
Eine typische Zeichnung des nationalsozialistischen Graphikers Hans „Mjölnir“ Schweitzer, erschienen im Angriff vom 8. April 1931
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Zeichnung des nationalsozialistischen Karikaturisten Hans „Mjölnir“ Schweitzer im Angriff vom 8. April 1931


"Mjölnir"-Zeichnung aus: "Das Buch Isidor"

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Zeichnung aus: Goebbels/Mjölnir, Das Buch Isidor. Ein Zeitbild voll Lachen und Haß, Berlin 1931, S. 41

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Zeichnung aus: Goebbels/Mjölnir, Das Buch Isidor. Ein Zeitbild voll Lachen und Haß, Berlin 1931, S. 41

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Joseph Goebbels und Mjoelnir - Das Buch Isidor - Ein Zeitbild voll Lachen und Hass (1931, 165 S., Scan, Fraktur)_S.41.jpg
Zeichnung aus der gemeinsamen Publikation von Goebbels und Mjölnir: "Das Buch Isidor. Ein Zeitbild voll Lachen und Haß" aus dem Jahr 1931.

Der Angriff übergoß Politiker und Staatsdiener mit Schmähungen. Insbesondere Bernhard Weiß, bis 1932 Berliner Polizeivizepräsident, wurde immer wieder vom Zeichner "Mjölnir" in antisemitischen Karikaturen dargestellt, und er wurde stets in diffamierender Absicht als „Isidor Weiß“ bezeichnet.





Zeitungsverkäufer mit NS-Zeitschrift "Der Angriff" und "Reichswart", 1932

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Bundesarchiv

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Kurzbeschreibung
Ein Zeitungsverkäufer bot 1932 die beiden nationalsozialistischen Zeitungen Der Angriff und Reichswart zum Verkauf an.
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Ein Zeitungsverkäufer bot im Juni 1932 die nationalsozialistischen Zeitungen Der Angriff und Reichswart zum Verkauf an.

4.3 Der Stürmer: Das aggressivste antisemitische Hetzblatt

Wohl kaum ein zweites Druckerzeugnis veranschaulicht die menschenverachtende Weltanschauung des Nationalsozialismus so drastisch wie der von Julius Streicher herausgegebene Stürmer. Das berüchtigte Zitat des antisemitischen Historikers Heinrich von Treitschke „Die Juden sind unser Unglück“ prangte am Fuß des Titelblattes von jeder Ausgabe.

Der Stürmer startete 1923 zunächst als Lokalblatt in Nürnberg. Sein Gründer, der Lehrer und NSDAP-Gauleiter Frankens Julius Streicher, war ein „Völkischer“, der seinen Unmut über die Weimarer Republik zu kanalisieren suchte. Er führte unter anderem eine Hetz- und Diffamierungskampagne gegen Hermann Luppe, den liberalen Oberbürgermeister Nürnbergs. Vor allem war der Stürmer ein radikales antisemitisches Hetzblatt. Ständig widerholte Streicher Themen wie die sogenannte „Rassenschande“ oder angebliche jüdische „Ritualmorde“. Der Stürmer sammelte sein „Material“ häufig aus denunziatorischen Leserbriefen, die entweder direkt abgedruckt oder von den Redakteuren „aufgearbeitet“ wurden. Zudem trug der NS-Zeichner Philipp „Fips“ Rupprecht abstoßende antisemitische Klischee- und Zerrbilder von Juden bei. Selbst im nationalsozialistischen Deutschland waren viele Leser*innen angewidert und Der Stürmer nicht unumstritten.

In vielen deutschen Großstädten wurden sogenannte Stürmerkästen an belebten Straßen aufgestellt, in der die jeweils aktuelle Ausgabe des Hetzblattes ausgehängt wurde. Während der Olympischen Spiele 1936 wurden die Stürmerkästen vorübergehend aus dem Berliner Stadtbild entfernt, um den ausländischen Gäste nicht den aggressiven Antisemitismus vorzuführen.

Julius Streicher wurde beim Hauptkriegsverbrecherprozess in Nürnberg zum Tod verurteilt und 1946 hingerichtet.





Sonderausgabe Der Stürmer, 1936

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Deutsches Historisches Museum

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Kurzbeschreibung
Eine Sonderausgabe des Stürmers anlässlich des Reichsparteitags in Nürnberg 1936 beschäftigte sich mit den Verschwörungstheorien der „Protokolle der Weisen aus Zion“.
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Sonderausgabe des Stürmers anlässlich des Reichsparteitags in Nürnberg 1936 mit reißerischen und antisemitischen Texten und Illustrationen


Stürmerkasten, 1935

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Bundesarchiv

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Kurzbeschreibung
Vor einem sogenannten Stürmerkasten in Worms lasen 1935 Menschen das antisemitische Hetzblatt Der Stürmer.
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Stürmerkasten in Worms, August 1935

Vor einem sogenannten Stürmerkasten in Worms lesen Menschen im August 1935 den Stürmer. Der berüchtigte Spruch „Die Juden sind unser Unglück“ sowie die antisemitische Parole "Mit dem Stürmer gegen Juda" standen über dem Kasten.



4.4 Das Reich: Prestigeprojekt der nationalsozialistischen Presse

Zeitungsverbote, strenge Lenkung von Inhalt und Sprache, die Einschüchterung und Verfolgung von Journalist*innen sowie die Schaffung des parteieigenen Verlagstrusts führten zu einer einförmigen und von nationalsozialistischen Phrasen geprägten Presse. Selbst überzeugte Nationalsozialisten empfanden die Zeitungslektüre als langweilig. Die Neugründung der Wochenzeitung Das Reich war der Versuch, ein intellektuell anspruchsvolles, aber linientreues nationalsozialistisches Blatt zu schaffen.

Das Konzept dafür stammte von Rolf Rienhardt, Jurist und enger Mitarbeiter Max Amanns. Die erste Ausgabe erschien im Mai 1940 im Deutschen Verlag, vormals Ullstein, der nun zum Franz-Eher-Verlagsimperium gehörte. Sowohl äußerlich als auch inhaltlich unterschied sich Das Reich von anderen nationalsozialistischen Zeitungen. Es war nicht in Fraktur gedruckt, das Layout wirkte gediegen. Die Chefredakteure bemühten sich, die fähigsten Journalist*innen für die Zeitung zu rekrutieren. Die für alle anderen Zeitungen obligatorischen Presseanweisungen mussten nicht wortgetreu übernommen werden. Insgesamt bemühten sich einige Journalist*innen um mehr Sachlichkeit und Seriosität, um einen höheren Informationsgehalt, eine kultiviertere Sprache und um ein anspruchsvolles Feuilleton. Aber selbst wenn die Autor*innen im Reich etwas mehr journalistische Freiräume als in anderen Zeitungen hatten, war die Wochenzeitung ein nationalsozialistisches Prestigeprojekt und Herrschaftsinstrument. Meinungsvielfalt oder gar Kritik gab es nicht. Joseph Goebbels selbst verfasste gegen hohe Honorare etliche Leitartikel.

Die Zeitung war erfolgreich. Die Auflagen stiegen von 500.000 im Herbst 1940 auf über 1,4 Millionen im Frühjahr 1944, obwohl die Papierknappheit die Zeitung von ursprünglich 32 Seiten auf nur noch 8 in den letzten Ausgaben 1945 schrumpfen ließ.





Titelseite Das Reich, 16.11.1941

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Staatsbibliothek zu Berlin - Stiftung Preußischer Kulturbesitz

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Kurzbeschreibung
Auf der Titelseite der Wochenzeitung Das Reich vom 16.11.1941 veröffentlichte Joseph Goebbels seinen Leitartikel „Die Juden sind schuld!“.
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Titelseite der Wochenzeitung Das Reich vom 16.11.1941

Auf der Titelseite der Wochenzeitung Das Reich vom 16. November 1941 veröffentlichte Joseph Goebbels den Artikel „Die Juden sind schuld!“. Zu Beginn der systematischen Deportationen von Juden in die Konzentrations- und Vernichtungslager rechtfertigte er darin nicht nur die Einführung des „Judensterns“, sondern gab „dem Weltjudentum“ die „historische Schuld“ am Krieg und kündigte unmissverständlich die „Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa“ an.

Auf derselben Titelseite stellte ein anderer Artikel unter der Überschrift „Wachsende Forderungen“ Englands Ministerpräsident Winston Churchill als eigentlichen Kriegstreiber dar. Die Kriegsschuldfrage wurde auch im vermeintlich intellektuell „anspruchsvollen“ nationalsozialistischen Reich beliebig anderen, auf jeden Fall nicht Deutschland, zugeschoben.





Titelseite Das Reich, 19.4.1942

Aus der Sammlung von

Staatsbibliothek zu Berlin

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Kurzbeschreibung
Auf der Titelseite der Wochenzeitung Das Reich vom 19.4.1942 befinden sich ein Bild von Adolf Hitler, ein Leitartikel von Joseph Goebbels und ein Porträt Albert Speers.
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Titelseite der Wochenzeitung Das Reich vom 19.4.1942

Auf der Titelseite der Zeitung Das Reich vom 19. April 1942 prangte ein Bild von Adolf Hitler, es gab einen Leitartikel von Joseph Goebbels und ein Porträt Albert Speers, der seit wenigen Monaten unter anderem Reichsminister für Bewaffnung und Munition war.



4.5 Frankfurter Zeitung: Eine politische Tageszeitung in der Diktatur

Während der Weimarer Republik vertrat die international anerkannte Frankfurter Zeitung eine klare republikanische und demokratische Haltung. Dies machte sie zur Angriffsfläche für Monarchisten, „Völkische“ und Nationalsozialisten. Presseerzeugnisse wie die Frankfurter Zeitung, das Berliner Tageblatt und die Vossische Zeitung wurden von Joseph Goebbels als „jüdische Asphaltpresse“ verunglimpft, die die „nationale Zersetzung“ vorantreiben würden.

Die Frankfurter Zeitung bewahrte nach 1933 einige Jahre lang eine gewisse Sonderstellung auf dem deutschen Zeitungsmarkt. Einerseits mussten viele jüdische Redakteure, u.a. Siegfried Kracauer, die Frankfurter Zeitung verlassen. Auch die Mitglieder der Gründerfamilie, die Brüder Kurt und Heinrich Simon sowie ihre Mutter Therese Simon-Sonnenbaum, sahen sich gezwungen, ihre Anteile an der Zeitung abzugeben. Andererseits blieb die Zeitung bis 1939 in Privatbesitz. Bereits Ende der 1920er Jahre war über Mittelsmänner der Großindustrielle Carl Bosch, Vorstandschef der IG Farben, bei der Frankfurter Zeitung eingestiegen. 1934 stockte Carl Bosch seine Anteile am Zeitungsverlag auf über 90% auf. Später als die meisten anderen Zeitungen wurde die Frankfurter Zeitung erst 1939 von einem zur Franz-Eher-Verlagsgruppe gehörenden Unternehmen aufgekauft.

Auch inhaltlich wurden der Zeitung geringfügige Freiräume zugestanden. Sie blieb dem nationalsozialistischen Regime ein steter Dorn im Auge. Immer wieder wurden darin veröffentlichte Artikel und Formulierungen auf der Reichspressekonferenz gerügt. Goebbels wollte die Zeitung zwar gern verbieten, bewertete aber ihre Funktion als Aushängeschild für eine vermeintliche Pressefreiheit in Deutschland höher: „auflassen will ich sie noch nicht, da sie soviel in ausländischen Geschäftskreisen gelesen wird“, notierte er in seinem Tagebuch.

Eine wirklich freie Berichterstattung war aber auch der Frankfurter Zeitung nicht möglich. Die Redakteure mussten erfinderisch sein, um nicht nur gesteuerte Nachrichten zu publizieren. So wurde die Rubrik „Kurze Mitteilungen“ eingeführt. Darin wurden Lokalnachrichten aus Provinzblättern abgedruckt, die nicht zuvor vom Deutschen Nachrichtenbüro zensiert worden waren. Das eher unpolitische Feuilleton blieb ein Ort freierer Gestaltungsmöglichkeiten – ein Feigenblatt für den zensierten Rest der Zeitung. 1943 wird die Frankfurter Zeitung schließlich doch verboten.





Titelseite Frankfurter Zeitung, 26.8.1939

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Eine Ausgabe der Frankfurter Zeitung vom 26.8.1939, in der u.a. über den kurz zuvor abgeschlossenen deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt, auch als Hitler-Stalin-Pakt bekannt, berichtet wurde.
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Auf der Titelseite der Frankfurter Zeitung vom 26.8.1939 wurde u.a. über den "Hitler-Stalin-Pakt" berichtet.

4.6 Das Deutsche Mädel: Die Jugendzeitschrift des Bunds Deutscher Mädel

Wichtigstes Erziehungsziel der Nationalsozialisten war die Gewinnung von Kindern und Jugendlichen für ihre Ideologie. Für die Erziehung war neben Elternhaus und Schule einzig die Hitler-Jugend (HJ) als „Staatsjugendorganisation“ zuständig. Nach 1933 erschienen circa 55 verschiedene Jugendzeitschriften unter der Kontrolle und Leitung des Presse- und Propagandaamts des „Reichsjugendführers“ Baldur von Schirach.

Die offizielle Zeitschrift des Bunds Deutscher Mädel (BDM) hieß Das Deutsche Mädel. Sie erschien monatlich, kostete 20 Pfennige pro Heft und erzielte 1938 eine Auflage von über 143.000. Wie alle Jugendzeitschriften war sie mit vielen Fotos illustriert. Hauptschriftleiterin war von 1934 bis zur Einstellung der Zeitung in den letzten Kriegsjahren Hilde Munske.

Die Themenauswahl der Zeitschrift spiegelte das nationalsozialistische Frauenbild: Mädchen sollten zu „guten“ und „gesunden“ Müttern und Hausfrauen erzogen werden. Die „Volksgemeinschaft“ wurde propagiert, Leistung, Wettbewerb, Disziplin und Gehorsam von den Kindern verlangt. Die Zeitschrift veröffentlichte Berichte über das Wirken der NS-Jugendorganisationen, um Kindern, Eltern und Lehrer*innen die Ziele und Arbeit des BDM und der HJ zu erläutern und für sie zu werben.

Das Deutsche Mädel verpackte den nationalsozialistischen Rassismus in altersgerechte Artikel und unterwies die Leser*innen in Themenfeldern wie Sport, Wohnkultur und Mutterschaft. Nach Kriegsbeginn berichtete das Blatt über die Aufgaben junger Frauen an der „Heimatfront“. Viele Artikel waren aus der Sicht von Kindern und Jugendlichen geschrieben – wer sie wirklich verfasste, ist heute nicht mehr zu ermitteln. Auf jeden Fall sollten sie den Leser*innen Nähe vermitteln und sie durch vermeintlich authentische Berichte möglichst eindringlich in nationalsozialistischer Weltanschauung schulen.





Titelseite Das Deutsche Mädel, August 1940

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Die BDM-Zeitschrift Das Deutsche Mädel veröffentlichte im August 1940 u.a. einen Bericht über Erntehelferinnen.
Titel Das deutsche Mädel 1940.jpg
Die BDM-Zeitschrift Das Deutsche Mädel erschien im August 1940 u.a. mit einem Bericht über Erntehelferinnen.


Titelseite Das Deutsche Mädel, Oktober 1939

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Titelseite der BDM-Zeitschrift Das Deutsche Mädel vom Oktober 1939. Im Heft befindet sich u.a. ein Bericht über den Einmarsch deutscher Truppen in Polen.
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BDM-Zeitschrift Das Deutsche Mädel, Oktober 1939. Im Heft wurde den Lerser*innen u.a. der Einmarsch deutscher Truppen in Polen erklärt.

05

Schriftleiter im Nationalsozialismus



Redaktionssitzung im Hamburger Tageblatt, 1940

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SLUB / Deutsche Fotothek

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SLUB/ Deutsche Fotothek/ GERMIN

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Kurzbeschreibung
"Schriftleiter" und "Hauptschriftleiter" – so nannten die Nationalsozialisten die Chefredakteure – in einer Redaktionssitzung des Hamburger Tageblatts, 1940
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Schriftleiter und Hauptschriftleiter 1940 in einer Redaktionssitzung des Hamburger Tageblatts

Die Interessenvertretung der Journalisten, der „Reichsverband der Deutschen Presse“, ordnete sich 1933 unmittelbar den nationalsozialistischen Machthabern unter. Wenige Monate später erließen die Nationalsozialisten ihr „Schriftleitergesetz“. Journalisten hießen nun „Schriftleiter“, Chefredakteure „Hauptschriftleiter“. Für die Ausbildung der neuen, dem nationalsozialistischen Staat zuarbeitenden Schriftleiter wurde 1934 die Reichspresseschule geschaffen. Gesinnungstests, Mitgliedschaften in NS-Organisationen und Zeugnisse über politische Zuverlässigkeit waren entscheidende Kriterien für die Auswahl „geeigneter“ Schriftleiter. Nach dem Zweiten Weltkrieg rechtfertigten sich viele Journalist*innen damit, dass sie ihre Ablehnung der Nazipropaganda subtil, quasi „zwischen den Zeilen“, zum Ausdruck gebracht hätten. So wurden beispielsweise staatlich verlangte Formulierungen in Anführungszeichen gesetzt oder eine allzu martialische Wortwahl vermieden. Im Alltag jedoch waren diese feinen Unterschiede kaum wahrnehmbar. Die Widerstandskämpferin Ruth Andreas-Friedrich hielt Ende September 1938 über ihre alltägliche Zeitungslektüre in ihrem Tagebuch fest: „Ich kann mir nicht helfen. Ich lese nichts zwischen den Zeilen.“



5.1 Hans Schwarz van Berk (1902–1973)

Hans Schwarz van Berk galt als der Starjournalist der Nationalsozialisten. Er war gut vernetzt und informiert, schrieb lesbare Artikel und verstand es, seiner nationalsozialistischen Propaganda einen scheinbar objektiven Anstrich zu verleihen. Die ebenfalls bekannte Schriftleiterin Margret Boveri nannte Schwarz van Berk „den einzigen wirklich begabten Journalisten, den die Nationalsozialisten besaßen“. Während der Weimarer Republik war Schwarz van Berk Mitglied in mehreren Freikorps, im Stahlhelm-Bund, seit 1930 in der NSDAP und später in der SS. Er war unter anderem 1935–1937 Hauptschriftleiter von Joseph Geobbels Der Angriff und Herausgeber einer Aufsatzsammlung des Reichspropagandaministers. Als Reichsschulungsleiter war er für die Ausbildung junger Schriftleiter in der Reichspresseschule mitverantwortlich. Von einer eigentlich auf vier Jahre angelegten Weltreise, über die er Artikel u.a. im Angriff und im Völkischen Beobachter veröffentlichte, kehrte er bei Kriegsbeginn zurück nach Deutschland. Er meldete sich freiwillig als Kriegsberichterstatter. Ende 1939 wurde er außerdem Leiter einer „Sonderredaktion“ im Reichspropagandaministerium, die gezielt Desinformationen in Presseerzeugnissen der Kriegsgegner lancieren sollte. Außerdem schrieb Schwarz van Berk Artikel für die Wochenzeitung Das Reich, in denen er vor den „Feinden“ Deutschlands warnte, zum Durchhalten bis zum „Endsieg“ ermunterte und Propaganda für die vermeintliche „Wunderwaffe“ der Nationalsozialisten verbreitete. Nach 1945 arbeitete Schwarz van Berk nicht mehr als Journalist, sondern in der Werbebranche.





Buch von Hans Schwarz van Berk

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Kurzbeschreibung
Nationalsozialistische Propagandaschrift Hans Schwarz van Berks aus dem Jahr 1934
Buch Schwarz van Berk .jpg
In seinem 1934 erschienenen Buch propagierte Hans Schwarz van Berk das vermeintlich „sozialistisch-kameradschaftliche“ Leben im „Dritten Reich“.

5.2 Giselher Wirsing (1907–1975)

Giselher Wirsings Karriere begann im Kreis der Autoren der jungkonservativen antidemokratischen Zeitschrift Die Tat. 1933 wurde er Mitarbeiter der Münchner Neuesten Nachrichten, einer auflagenstarken, zuvor katholisch-monarchistischen Tageszeitung, die von den Nationalsozialisten übernommen wurde. Von 1938 bis 1941 war er Hauptschriftleiter der Zeitung. Seit 1943 verfasste er zahlreiche Leitartikel für die Illustrierte Signal, deren Hauptschriftleiter er noch 1945 für wenige Wochen wurde. Er war außerdem Mitarbeiter des SS-Sicherheitsdienstes SD, Mitglied der SS, Kriegsberichterstatter in Propagandakompanien und arbeitete für das Auswärtige Amt als Berater für antibolschewistische Sprachregelungen. Wirsing publizierte Reiseberichte und außenpolitische Analysen, in denen er seiner antiamerikanischen, antibolschewistischen und antisemitischen Haltung Ausdruck verlieh. Im Entnazifizierungsverfahren wurde Giselher Wirsing als Mitläufer eingestuft. 1948 war er Mitbegründer, seit 1954 Chefredakteur der konservativen evangelischen Wochenzeitung Christ und Welt, einer auflagenstarken und einflussreichen Publikation der frühen Bundesrepublik.





Titelseite Münchner Neueste Nachrichten, 22.6.1940

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Die Münchner Neuesten Nachrichten berichteten am 22.6.1940 über den Sieg der deutschen Wehrmacht über Frankreich.
Münchner Neueste Nachrichten 1940.jpg
Titelseite der Münchner Neuesten Nachrichten vom 22.6.1940

Die Abbildung zeigt die Titelseite der Münchner Neuesten Nachrichten vom 22. Juni 1940. Unter der Überschrift „Schmach von 1918 gelöscht“ berichtete die Zeitung vom Sieg der deutschen Wehrmacht über Frankreich und sprach von "ausgleichender Gerechtigkeit". Der Hauptschriftleiter der Zeitung war zu dieser Zeit Giselher Wirsing.



5.3 Gerhart Weise (1913–1945)

Gerhart Weise sympathisierte seit seiner Schulzeit mit den Nationalsozialisten, trat aber nicht in die NSDAP ein. Nach einem Volontariat beim Dresdener Anzeiger, einem seit 1933 linientreuen nationalsozialistischen Blatt, nahm er 1935 am zweiten Lehrgang der Reichspresseschule teil. Anschließend schrieb er insbesondere über Film, Varieté und Kulturthemen für das 12 Uhr Blatt, für Die HJ. Kampfblatt der Hitler-Jugend und den Angriff. Im Krieg arbeitete Weise für das geheime Propagandabüro unter Leitung von Hans Schwarz van Berk im Reichspropagandaministerium, das Desinformationen in der ausländischen Presse verbreiten sollte. Weise schrieb außerdem als Ghostwriter die Biografie des U-Boot-Kapitäns Werner Hartmann, für die Wochenzeitung Das Reich über den Luft- und Seekrieg und er arbeitete als Filmzensor. 1945 wurde er von der sowjetischen Geheimpolizei verhaftet und kam in der Haft ums Leben.

Gerhart Weise war beteiligt an der Verhaftung und am Tod von zwei regimekritischen Künstlern, dem Karikaturisten und Zeichner der „Vater und Sohn“-Bildergeschichten Erich Ohser und dem Journalisten und Dichter Erich Knauf. Beide wurden 1944 wegen defätistischer Äußerungen angezeigt. Gerhart Weise kannte Erich Ohser und er wusste von dessen bevorstehender Verhaftung. Dennoch warnte er ihn nicht. Außerdem war Gerhart Weise von seinem Vorgesetzten angewiesen worden, die Glaubwürdigkeit des Denunzianten zu überprüfen, der Ohser und Knauf angezeigt hatte. Er charakterisierte den Denunzianten als seriös und vertrauenswürdig. Ohser und Knauf wurde verhaftet. Erich Ohser beging, eine Verurteilung sicher voraussehend, in der Haft Selbstmord. Erich Knauf wurde zum Tode verurteilt und hingerichtet.





Artikel und Abbildung von Gerhart Weise, 1938

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Artikel aus: Der Angriff, 25.11.1938

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Artikel aus: Der Angriff, 25.11.1938

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Artikel Gerhart Weises aus dem Angriff vom 25.11.1938

Als Teilnehmer eines Preisausschreibens verfasste Gerhart Weise im Angriff vom 25. November 1938 eine Selbstdarstellung. Kurioserweise bezeichnete er sich als „rasenden Reporter“ – eigentlich der Spitzname Egon Erwin Kischs, der als linker Publizist und Jude von den Nationalsozialisten verfolgt wurde.



5.4 Werner Höfer (1913–1997)

Werner Höfers Karriere als Schriftleiter begann bei der Kölner Zeitung Der Neue Tag. Er schrieb überwiegend Theaterkritiken und Feuilletonartikel. In Berlin arbeitete er zunächst für die Zeitschrift Koralle, die im Deutschen Verlag, zuvor Ullstein, erschien, dann als Theaterkritiker für die B.Z. am Mittag. Im Krieg war er Pressereferent der „Organisation Todt“, einer paramilitärischen Bautruppe, die insbesondere Baumaßnahmen in den von Deutschland besetzten Gebieten umsetzte. Höfer entging dadurch bis ins letzte Kriegsjahr dem Fronteinsatz. Er schrieb weiterhin Theaterkritiken, berichtete über die Tätigkeit der Organisation Todt und verfasste Durchhalteartikel im Feuilleton des 12 Uhr Blatts und im Reich. Nach Kriegsende setzte Werner Höfer seine Karriere in der Bundesrepublik fort, wurde Rundfunkjournalist, Fernsehmoderator und Fernsehdirektor des WDR. Berühmt machte ihn insbesondere seine Gastgeberrolle im „Internationalen Frühschoppen“, einer mit internationalen Journalisten besetzten Talkrunde, die über 1.800 Mal sonntagmittags zunächst im Rundfunk, dann im Fernsehen ausgestrahlt wurde. Höfer galt als liberaler und kosmopolitischer Journalist, als achtbarer Vertreter der Bonner Republik.

Allerdings musste er 1987 den „Frühschoppen“ und seine Ämter beim WDR aufgeben, als Der Spiegel seine Karriere unter den Nationalsozialisten öffentlich machte. Ganz neu waren die Vorwürfe nicht, bereits in den 1960er Jahren hatte die DDR auf seine Veröffentlichungen vor 1945 hingewiesen. Ein Artikel Werner Höfers, erschienen im 12 Uhr Blatt im September 1943, rechtfertigte und begrüßte die „strenge Bestrafung“ eines „ehrvergessenen Künstlers“. Der Artikel bezog sich (wenn auch ohne Namen zu nennen) auf die Verurteilung und Hinrichtung des Pianisten Karlrobert Kreiten wegen angeblich „wehrkraftzersetzender“ Äußerungen. Werner Höfer bestritt stets, diese Zeilen selbst geschrieben zu haben. Er sagte, man habe ihm in seine Artikel „hineinredigiert“.





Werner Höfer, Mitte 1980er Jahre

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Kurzbeschreibung
Handsignierte Autogrammkarte des Fernsehmoderators Werner Höfer, aufgenommen Mitte der 1980er Jahre.
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Autogrammkarte Werner Höfers, um 1985

Die sogenannte „Kreiten-Affäre“, bei der Höfers Verstrickungen mit dem nationalsozialistischen Regime diskutiert wurden, erregte Ende der 1980er Jahre die bundesrepublikanische Öffentlichkeit.



5.5 Margret Boveri (1900–1975)

Margret Boveri wollte eigentlich für den Völkerbund arbeiten. Sie war viel gereist, interessierte sich für Außenpolitik, hatte über ein außenpolitisches Thema promoviert. Da der Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund 1933 ihre Zukunftspläne zunichtemachte, schrieb sie ab 1934 über ihre ausgedehnten Studienreisen im Berliner Tageblatt und in der Frankfurter Zeitung. Diese beiden ehemals liberalen Blätter boten bis zu ihrem jeweiligen Verbot 1937 und 1943 geringfügige journalistische Freiräume. 1940 erhielt Boveri den Posten der Auslandskorrespondentin der Frankfurter Zeitung in New York und reiste über Sibirien und Japan in die USA. Nach Kriegseintritt der Vereinigten Staaten kehrte sie nach Deutschland zurück und verfasste antiamerikanische Artikel für Das Reich. Die vormals kosmopolitisch gesinnte Boveri vertrat nun deutlich nationalistischere und konservativere Anschauungen. Sie war zwar keine Nationalsozialistin, arrangierte sich jedoch mit dem Regime, um als Journalistin arbeiten zu können. Nach Kriegsende blieb sie eine konservative Publizistin, die sich aber immerhin, anders als viele ihrer Kollegen, mit ihrer journalistischen Arbeit während des Nationalsozialismus auseinandersetzte. Sie gab zu, in Gewissenskonflikten eigene Überzeugungen verraten zu haben. Im Nachhinein rechtfertigte sie ihre Haltung folgendermaßen: „Ich bin nicht bereit, etwas zu schreiben, was ich für unwahr oder falsch halte, aber ich muß mich darein fügen, nicht alles schreiben zu können, was ich für wahr und schreibenswert halte.“





Margret Boveri

Fotograf: Bauer, Fotografie, Aufnahmedatum: 1930er Jahre

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bpk-Bildagentur

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bpk/ Staatsbibliothek zu Berlin/ Bauer

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Margret Boveri in den 1930er Jahren

Margret Boveri nahm eine Sonderrolle unter den Publizist*innen des „Dritten Reichs“ ein, denn viele bekannte und erfolgreiche Schriftleiterinnen gab es nicht. Sie waren zumeist für Frauenseiten der Zeitungen zuständig, allenfalls für Lokalnachrichten. Eine Frau, die allein oder mit anderen Frauen Weltreisen unternahm und sich zur Außenpolitik äußerte, war eine Ausnahme. Erst als immer mehr Schriftleiter zum Kriegseinsatz befohlen wurden, eröffneten sich vorübergehend mehr berufliche Möglichkeiten für Frauen in den Zeitungsredaktionen.



06

Exilpresse

Die nationalsozialistische Gewaltherrschaft zwang insgesamt circa 500.000 Menschen ins Exil. Einige flohen Hals über Kopf nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten, andere entschieden sich erst Jahre später zu einer „geordneten“ Ausreise. Die jeweiligen Einzelschicksale, die Fluchtgründe, die Routen und Verkehrsmittel sowie die Zielländer variierten. In jedem Land galten andere Aufenthaltsbestimmungen. Die Geflüchteten mussten bürokratische Hürden und Sprachbarrieren überwinden und mit kultureller Fremdheit umgehen. Auch Armut, soziale Isolation, zerrissene Familien, Sorge um zurückgebliebene Angehörige und Freunde und die Bedrohung durch die im Krieg zunächst erfolgreich vorrückenden deutschen Truppen belasteten vielen Exilant*innen massiv.

Viele geflüchtete Schriftsteller*innen und Journalist*innen bekämpften die Nationalsozialisten aus dem Exil heraus mit Zeitungsartikeln. Rund um die Welt erschienen über 400 Presseerzeugnisse von Exilant*innen, meist unter extrem schwierigen journalistischen und verlegerischen Bedingungen. Den Exiljournalist*innen fehlten der Zugang zu Informationsquellen, finanzielle Mittel und der Austausch mit einer breiten Leser*innenschaft. Viele Zeitungen erschienen in kleinen Auflagen mit wenigen Seiten und nur für kurze Zeit. Einige Publikationen wurden unter Lebensgefahr nach Deutschland geschmuggelt. Sie wurden mit Tarnumschlägen versehen, sodass sie bei Grenzkontrollen oder bei Verteilaktionen nicht sofort auffielen. Die große Mehrheit der deutschen Bevölkerung erreichten diese Druckschriften jedoch nicht.





Erlebnisbericht aus dem KZ Oranienburg, 1934

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Kurzbeschreibung
Erlebnisbericht aus dem Konzentrationslager Oranienburg, verfasst von Gerhart Seger in Prag nach seiner Flucht 1934. Das Geleitwort zur Publikation stammte von Heinrich Mann. Solche Schilderungen der unerträglichen Haftbedingungen in deutschen Gefängnissen und Konzentrationslagern lieferten wichtige Argumente im Kampf gegen die Nationalsozialisten.
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Gerhart Segers Erlebnisbericht über die Haftbedingungen im KZ Oranienburg, verfasst 1934 im Prager Exil

Gerhart Seger war Journalist und Reichstagsabgeordneter der SPD. Die Nationalsozialisten verhafteten den überzeugten Pazifisten im März 1933 und brachten ihn im Juni 1933 in das Konzentrationslager Oranienburg. Gerhart Seger gelang die Flucht aus dem Lager. Im Prager Exil verfasste er ein Buch über die furchtbaren Haftbedingungen im KZ. Sein Erfahrungsbericht "Oranienburg" erschien mit einem Geleitwort von Heinrich Mann in hoher Auflage und erregte international Aufsehen. Im Januar 1934 inhaftierten die Nationalsozialisten Frau und Tochter Gerhart Segers, um ihn zu einer Rückkehr nach Deutschland zu zwingen. Erst nach massiven internationalen Protesten kamen beide frei und die Familie emigrierte gemeinsam in die USA. Seger arbeitete dort u.a. für die Emigrantenzeitung Neue Volkszeitung und hielt zahlreiche Vorträge über die Zustände im nationalsozialistischen Deutschland.



6.1 Neuer Vorwärts (Karlsbad; Paris 1933–1940)

Nach dem Verbot des Vorwärts, des traditionsreichen Parteiblatts der deutschen Sozialdemokratie, wurde der Neue Vorwärts ab Juni 1933 das Sprachrohr der Sopade, der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands im Exil. Der wachsende Druck der Nationalsozialisten auf die tschechoslowakische Regierung zwang die Redaktion 1938 nach Paris umzuziehen, wo die Zeitung bis zum Einmarsch der deutschen Wehrmacht im Mai 1940 erschien.

Der Neue Vorwärts wollte „Organ des Kampfes, der Information, der Organisation und der theoretischen Klärung“ der Sopade sein, wie Karl Kautsky formulierte. Die Zeitung sollte helfen, die exilierten Genoss*innen im Ausland zusammenzuhalten, sie wollte über die politische Lage in Deutschland aufklären und den verbliebenen Sozialdemokrat*innen in Deutschland Hoffnung geben und sie zu Widerstand ermutigen. Aber auch theoretische und strategische Erörterungen zur zukünftigen Entwicklungen der Sozialdemokratie nahmen viel Platz in der Zeitung ein.

Vor allem in den ersten Jahren wurde versucht, über Kuriere möglichst viele Exemplare nach Deutschland zu schmuggeln. Illegal arbeitende Korrespondenten lieferten Informationen über politische und soziale Zustände im Deutschen Reich. Verhaftungen und Verfolgungen von Sozialisten erschwerten dies zunehmend.





Titelseite Neuer Vorwärts, 18.6.1933

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Deutsches Exilarchiv

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Kurzbeschreibung
„Zerbrecht die Ketten!“ war die Aufforderung des Leitartikels der ersten Ausgabe des Neuen Vorwärts vom 18. Juni 1933.
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Titelseite der ersten Ausgabe des Neuen Vorwärts vom 18. Juni 1933

Die erste Ausgabe des Neuen Vorwärts erschien im Exil am 18. Juni 1933. Im Aufruf „Zerbrecht die Ketten!“ zeigte sich die Zeitung kämpferisch, prangerte Verbrechen und Rechtsbrüche der Nationalsozialisten an, forderte die Enteignung der Großkapitalisten, rechnete mit den Kommunisten ab, forderte Frieden und europäische Einigung und versprach: „Die Geschlagenen von heute werden die Sieger von morgen sein!“





Friedrich Stampfer, 1925

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Kurzbeschreibung
Friedrich Stampfer, SPD-Politiker und langjähriger Chefredakteur des Vorwärts und des Neuen Vorwärts, 1925 gezeichnet von Emil Stumpp
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Zeichnung Friedrich Stampfers, angefertigt vom bekannten Pressezeichner Emil Stumpp, 1925


Friedrich Stampfer war seit 1916 Chefredakteur der sozialdemokratischen Tageszeitung Vorwärts sowie Parteifunktionär der SPD. Am Ende der Weimarer Republik engagierte er sich für eine Einheitsfront von Sozialdemokraten und Kommunisten gegen die NSDAP. Nach dem Reichstagsbrand flüchtete er mit seiner Familie ins Exil in die Tschechoslowakei, wo er Chefredakteur der Wochenzeitung Neuer Vorwärts wurde. Weitere Stationen des Exils waren Frankreich und die USA.



Titelseite Neuer Vorwärts, 4.12.1938

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Deutsches Exilarchiv

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Kurzbeschreibung
Der Neue Vorwärts vom 4. Dezember 1938 berichtete über die sogenannte „Polenaktion“, die Ausweisung von mindestens 17.000 polnischen Jüdinnen und Juden aus Deutschland.
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Titelseite des Neuen Vorwärts vom 4. Dezember 1938

Neben der Diskussion über die richtige Strategie im Kampf gegen die Nationalsozialisten berichtete der Neue Vorwärts auch über die Verfolgung der Jüdinnen und Juden durch die Nationalsozialisten. Am 4. Dezember 1938 veröffentlichte er unter der Überschrift „Vor der physischen Ausrottung der Juden in Deutschland“ Berichte von Augenzeug*innen über die sogenannte „Polenaktion“, die Ausweisung von mindestens 17.000 polnischer Jüdinnen und Juden aus Deutschland im Oktober 1938.



6.2 Pariser Tageblatt; Pariser Tageszeitung (Paris 1933-1936 bzw. 1936-1949)

Das Pariser Tageblatt erschien täglich und mit einer Auflage von bis zu 14.000 Exemplaren. Es richtete sich an linksliberale und demokratisch gesinnte bürgerliche Emigrant*innen in Frankreich und in anderen Ländern, in die die Zeitung per Post verschickt wurde.

Das Pariser Tageblatt versuchte, unter schwierigen journalistischen und verlegerischen Bedingungen, alle Rubriken abzudecken, die eine „vollständige“ Tageszeitung ausmachten: Es informierte über das Weltgeschehen, veröffentlichte politische Kommentare, brachte Wirtschaftsnachrichten und eine internationale Presseschau. Außerdem gab es Pariser Lokalnachrichten und Veranstaltungshinweise, Film-, Musik- und Theaterkritiken, Fortsetzungsromane und einen Sportteil.

Mitte 1936 provozierte die Redaktion um Georg Bernhard und Kurt Caro einen Eklat, indem sie ihrem Herausgeber Wladimir Poljakoff unterstellten, mit den Nationalsozialisten kollaborieren zu wollen. Obwohl sich diese Anschuldigungen als haltlos erwiesen, überlebte das Pariser Tageblatt nicht. Stattdessen gründeten fast alle ehemaligen Tageblatt-Journalisten eine neue Zeitung, die Pariser Tageszeitung.

Die Pariser Tageszeitung war ähnlich aufgebaut wie das Pariser Tageblatt. Inhaltlich beteiligte sie sich stärker an der Mitte der 1930er Jahre unter Emigrant*innen geführten Debatte über die Gründung einer parteiübergreifenden Volksfront aller linksgerichteten Exilanten gegen Hitler-Deutschland. Während das Pariser Tageblatt den parteiübergreifenden Zusammenschluss nur sehr zurückhaltend beobachtet hatte, unterstützte die neue Pariser Tageszeitung diesbezügliche Bestrebungen.

In beiden Zeitungen schrieben wichtige Schriftsteller und Journalisten, die aus Deutschland geflohen waren: Alfred Kerr lieferte Film- und Theaterkritiken, Joseph Roth und Heinrich Mann verfassten Artikel, Klaus Manns „Mephisto“ erschien erstmals als Fortsetzungsroman in der Pariser Tageszeitung. Im Feuilleton schrieben unter anderem Egon Erwin Kisch, Lion Feuchtwanger und Oskar Maria Graf.





Titelseite Pariser Tageblatt, 12.12.1933

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Deutsches Exilarchiv

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Deutsches Exilarchiv

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Kurzbeschreibung
Auf der Titelseite der ersten Nummer des Pariser Tageblatts vom 12.12.1933 erschien ein programmatischer Artikel des Chefredakteurs Georg Bernhard.
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Titelseite der ersten Nummer des Pariser Tageblatts vom 12. Dezember 1933

In der ersten Nummer des Pariser Tageblatts vom 12.12.1933 erschien auf der Titelseite ein programmatischer Artikel des Chefredakteurs Georg Bernhard, in dem er schrieb: „Dieses Blatt will [...] eine Zeitung für alle Deutschen sein, die außerhalb der Kommandogewalt des dritten Reiches leben und auf das Recht nicht verzichten wollen, das zu denken, was ihnen beliebt.“ Um auch die französische Öffentlichkeit über die Zustände im Deutschen Reich zu informieren, erschienen auch Artikel in französischer Sprache.





Georg Bernhard, nach 1925

Aus der Sammlung von

Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg

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Kurzbeschreibung
Georg Bernhard war langjähriger Chefredakteur der Vossischen Zeitung sowie nach seiner Flucht ins Exil Chefredakteur des Pariser Tageblatts und anschließend der Pariser Tageszeitung.
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Georg Bernhard nach 1925


Georg Bernhard war langjähriger Chefredakteur der Vossischen Zeitung und Reichstagsabgeordneter der Deutschen Demokratischen Partei. 1933 floh er über Kopenhagen nach Paris und blieb bis 1938 Chefredakteur des Pariser Tageblatts und anschließend der Pariser Tageszeitung. Er engagierte sich für die Schaffung einer antifaschistischen Volksfront gegen Hitler-Deutschland und nahm als Vertreter deutscher Emigrant*innen 1936 an der Flüchtlingskonferenz des Völkerbundes teil. Nach dem Einmarsch deutscher Truppen in Frankreich 1940 gelang ihm die Flucht in die USA.



Titelseite Pariser Tageszeitung, 11.4.1937

Aus der Sammlung von

Deutsches Exilarchiv

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Kurzbeschreibung
In der Pariser Tageszeitung vom 11. April 1937 ging man in mehreren Artikeln auf die Diskussionen zur Bildung einer Volksfront gegen die Nationalsozialisten ein.
Pariser Tageszeitung 11.4.1937.jpg
Titelseite der Pariser Tageszeitung vom 11.4.1937

Intensiv wurde die Debatte um die Bildung einer gemeinsamen Front aller antifaschistischen Kräfte geführt und über den diesbezüglichen Kongress in Paris am 10. April 1937 berichtet, u.a. mit einem Leitartikel Georg Bernhards und einem Grußtelegramm Thomas Manns. Der Abdruck des Wortlauts der gesamten Rede Heinrich Manns auf dem Kongress wurde für die folgende Nummer angekündigt.





Anzeigen Pariser Tageszeitung, 11.4.1937

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Deutsches Exilarchiv

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Deutsches Exilarchiv

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Kurzbeschreibung
Die vielen Anzeigen in der Pariser Tageszeitung vom 11. April 1937 (S. 5 und 6) zeigen, dass sich die Zeitung weitgehend durch Annoncen finanzierte.
Anzeigen Pariser Tageszeitung 11.4.1937.jpg
Anzeigen auf Seite 5 und 6 der Pariser Tageszeitung vom 11.4.1937


Finanziert wurde die Zeitung in erheblichem Maß durch Anzeigen. Es warben u.a. Pariser Hotels und Restaurants, es gab Anzeigen für Überfahrten nach Südamerika und Palästina, außerdem Stellen- und Wohnungsanzeigen, Heiratsgesuche und Inserate deutschsprachiger Ärzte.

6.3 Der Gegen-Angriff (Prag, Paris, Basel 1933–1936)

Die antifaschistische Wochenzeitung Der Gegen-Angriff verstand sich als kämpferische Antwort auf Joseph Goebbels Hetz- und Propagandablatt Der Angriff. Die Zeitung rief auf zum Widerstand gegen die Nationalsozialisten, sie blies zum Gegenangriff, wollte laut sein, um gehört zu werden. In der ersten Nummer hieß es: „Genug des leisen Flüstertons! [...] Es ist Zeit laut zu brüllen [...] auszustoßen den Schrei des geknechteten, gefolterten, geschundenen Deutschland.“

Der Gegen-Angriff erschien zunächst in mehreren Ausgaben in Prag, Paris und in der Schweiz sowie in einer Dünndruckausgabe zum illegalen Vertrieb in Deutschland. Ein Mitwirkender war der aus Berlin geflüchtete Verleger Willi Münzenberg. Der Gegen-Angriff war zwar kein offizielles Parteiorgan, erhielt jedoch Finanzhilfen der Kommunistischen Internationale. Entsprechend prosowjetisch war die Berichterstattung und die Diskussionen folgten Themen und Vorgaben der exilierten Kommunistischen Partei.

Hauptanliegen der Zeitung war es, über den nationalsozialistischen Terror aufzuklären, über die soziale und politische Lage in Deutschland zu berichten und zur Solidarität mit dem Widerstand gegen die Nationalsozialisten aufzurufen. Der Gegen-Angriff rief Unterstützungskampagnen für inhaftierter Nazigegner*innnen ins Leben, er druckte Berichte von Menschen, die die Konzentrationslager überlebt hatten, und veröffentlichte die Namen ermordeter Antifaschist*innen. Er wies auf wirtschaftliche und soziale Missstände im Deutschen Reich hin und publizierte Originaldokumente, um die nationalsozialistische Propaganda zu entlarven.





Titelseite Der Gegen-Angriff, April 1933

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Deutsches Exilarchiv

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Deutsches Exilarchiv

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Kurzbeschreibung
In der ersten Ausgabe des Gegen-Angriffs im April 1933 verfasste der Chefredakteur Bruno Frei unter dem Pseudonym Karl Franz den Leitartikel. Wichtig war u.a. die Berichterstattung über die Vorbereitungen zum Reichstagsbrandprozess.
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Titelseite der ersten Ausgabe des Gegen-Angriffs, April 1933

Der Leitartikel der ersten Ausgabe des Gegen-Angriffs vom Ende April 1933 stammte vom Journalisten Bruno Frei, der häufig unter dem Namen Karl Franz schrieb und faktisch Chefredakteur des Gegen-Angriffs war. Ausführlich berichtete die Zeitung über den Reichstagsbrandprozess – in dieser Ausgabe mit einem Beitrag von Egon Erwin Kisch – und unterstützte die angeklagten Kommunisten durch die Veröffentlichung von Geheimdokumenten der Nationalsozialisten sowie Sachverständigengutachten etc.





Willi Münzenberg und Babette Gross

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Bundesarchiv

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Digitales Bildarchiv des Bundesarchivs

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Kurzbeschreibung
Willi Münzenberg und seine Lebensgefährtin Babette Gross arbeiteten beide vom Pariser Exil aus gegen die Nationalsozialisten. Babette Gross gelang nach der Besetzung Frankreichs die Flucht nach Mexiko.
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Willi Münzenberg und seine Lebensgefährtin Babette Gross


Willi Münzenberg war ein wichtiger Verleger kommunistischer Zeitungen und Bücher sowie Filmproduzent im Berlin der Weimarer Republik. Er floh nach dem Reichstagsbrand ins französische Exil und bekämpfte die Nationalsozialisten mit verschiedenen Zeitungs- und Buchprojekten, insbesondere mit dem „Braunbuch über Reichstagsbrand und Hitler-Terror“. Er war 1935 maßgeblich an den Bemühungen zur Schaffung einer parteiübergreifenden antifaschistischen Volksfront beteiligt. 1938 brach Münzenberg mit der KPD-Führung in Moskau, wurde aus der Partei ausgeschlossen und kritisierte vehement den deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt („Hitler-Stalin-Pakt“). Nach Einmarsch der deutschen Wehrmacht floh er aus einem französischen Internierungslager und kam im Juni 1940 unter ungeklärten Umständen ums Leben.



Titelseite Der Gegen-Angriff, 24.1.1935

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Deutsches Historisches Museum

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Deutsches Historisches Museum

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Kurzbeschreibung
Titelseite der in Prag, Paris und Basel erscheinenden kommunistischen Exilzeitung Der Gegen-Angriff vom 24.1.1935
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Titelseite des Gegen-Angriffs vom 24. Januar 1935

Eine Titelseite der Exilzeitung Der Gegen-Angriff  vom 24. Januar 1935. Ein wichtiges Anliegen der Zeitung war es, vor der Aufrüstungspolitik und den Kriegsvorbereitungen der Nationalsozialisten zu warnen. 1936 wurde die Zeitung eingestellt.



6.4 Aufbau – Reconstruction (New York 1934–2004)

War der Aufbau zunächst ein vereinsinternes Mitteilungsblatt des „German-Jewish-Clubs“ in New York, entwickelte sich die Zeitung zur wichtigsten Informationsquelle und kulturellen Diskussionsplattform für jüdische und auch nicht-jüdische deutschsprachige Emigrant*innen in den USA. Die zunächst monatlich und später wöchentlich erscheinende Zeitung steigerte ihre Auflage auf über 30.000 im Jahr 1944, die Hefte hatten einen Umfang von ca. 30 Seiten.

Dem Aufbau ging es um die Eingliederung der jüdischen Geflüchteten in die amerikanische Gesellschaft. Von den Leser*innen wurde das Bekenntnis zur Verfassung der Vereinigten Staaten und zum „American Way of Life“ erwartet. Der German-Jewish-Club und seine Zeitung förderten den schnellen und (vor allem in den Kriegsjahren) möglichst akzentfreien Erwerb der englischen Sprache sowie den Aufbau einer beruflichen Existenz und sozialer Beziehungen in der neuen Heimat. Hierfür leistete die Zeitung praktische Hilfestellungen: Rechtsberatung, Unterstützung für Behördengänge, Inserate für Sprachkurse, lebenspraktische Alltagstipps sowie Arbeitsvermittlung spielten eine wichtige Rolle.

Wichtig waren außerdem das Festhalten an der jüdischen Identität und der Erhalt einer Verbindung zur deutschen Sprache und Kultur. Berichte über die Situation der Jüdinnen und Juden in Deutschland spielten ebenso eine große Rolle wie die Flüchtlingspolitik anderer Exilländer. Über die Lage in Palästina wurde informiert, die amerikanische Kriegspolitik wurde diskutiert und die Frage, wie mit Deutschland nach Ende des Krieges umzugehen sei, von verschiedenen Standpunkten aus erörtert.





Titelblatt Aufbau, 1.12.1935

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Deutsches Exilarchiv

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Kurzbeschreibung
Auf der ersten Seite der Zeitschrift Aufbau wurde im Dezember 1935 über die bevorstehende Olympiade in Berlin diskutiert.
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Leitartikel des Aufbaus vom 1. Dezember 1935

Im Leitartikel der Dezemberausgabe 1935 des Aufbaus wurde diskutiert, ob die USA an den im folgenden Jahr anstehenden Olympischen Spielen in Berlin teilnehmen sollten.





Manfred George

Fotografie, um 1940, New York

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bpk-Bildagentur

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bpk/ Fotograf unbekannt

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Kurzbeschreibung
Manfred George im US-amerikanischen Exil, um 1940. Er verlegte von 1939 bis 1969 die Exilzeitung Aufbau.
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Manfred George in New York, um 1940


Manfred George war Chefredakteur des Aufbaus von 1939 bis zu seinem Tod 1965. George stammte aus Berlin, arbeitete vor 1933 für diverse Zeitungen des Ullstein- und des Mosse-Verlags, schrieb u.a. Film- und Theaterkritiken und war Feuilletonchef des Ullstein-Blatts Tempo. 1933 emigrierte er zunächst nach Prag und arbeitete für Exilzeitungen, u.a. für die Jüdische Revue. Er berichtete außerdem aus dem Spanischen Bürgerkrieg. Nach Einmarsch der Deutschen in die Tschechoslowakei floh er über Ungarn, Jugoslawien, Italien, die Schweiz und Frankreich in die USA.



Titelblatt Aufbau, 31.7.1942

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Deutsches Exilarchiv

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Kurzbeschreibung
Auf der Titelseite der Zeitschrift Aufbau – Reconstruction vom 31.7.1942 befanden sich Berichte über Deportationen von Jüdinnen und Juden, über das Warschauer Ghetto und die verzweifelte Lage der Flüchtlinge in Europa.
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Erste Seite des Aufbaus vom 31. Juli 1942

Auf der Titelseite veröffentlichte die Zeitung Aufbau – Reconstruction am 31. Juli 1942 Berichte über Deportationen von Jüdinnen und Juden, von Gewalttaten der Gestapo im Warschauer Ghetto und über die verzweifelte Lage der Geflüchteten in Europa. Außerdem enthält die Ausgabe Beiträge zur Debatte über die Zukunft Deutschlands angesichts der Verbrechen der Nationalsozialisten, u.a. auf Seite 6 von Hannah Arendt.



07

Presse in der Nachkriegszeit

Bei Ende der Kampfhandlungen verboten die alliierten Siegermächte sämtliche deutsche Zeitungen, die ohnehin in den letzten Kriegsmonaten nur noch unregelmäßig und mit wenigen Seiten erschienen waren. Ziele der alliierten Pressepolitik waren die vollständige Zerschlagung des nationalsozialistischen Propagandaapparats, ein Neuanfang des deutschen Pressewesens und eine Umerziehung der Bevölkerung. In den ersten Monaten nach Kriegsende versorgten von den jeweiligen alliierten Militärbehörden herausgegebene sogenannte Heeresgruppenzeitungen die Menschen mit den wichtigsten Informationen. Nach und nach genehmigten die Besatzungsmächte sogenannte Lizenzzeitungen, die unter ihrer Kontrolle und Zensur von unbelasteten deutschen Verlegern herausgegeben wurden. Die Alliierten installierten neue Presseagenturen, der NSDAP-eigene Presstrust rund um den Franz-Eher-Verlag wurde zerschlagen und Nazigegner*innen und Remigrant*innen kamen in Schlüsselpositionen der neuen Zeitungsredaktionen.

In der neu gegründeten Bundesrepublik endete 1949 die Lizenzpflicht im Zeitungsgewerbe. Verleger, die vor 1945 Zeitungen herausgegeben hatten, durften nun wieder verlegerisch aktiv werden. Auch viele Journalist*innen, die keine hohen Ränge in der NSDAP oder SS bekleidet hatten, konnten nach einem Entnazifizierungsverfahren wieder in ihrem Beruf arbeiten. In der DDR unterlag die Presse weiterhin einer Lizenzpflicht und einer politischen Kontrolle. Es dominierten die Presseorgane der SED, der Blockparteien und der Massenorganisationen.





Zeitungsstand Berlin, um 1947

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Deutsches Historisches Museum

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Kurzbeschreibung
An einem Zeitungsstand in Berlin wurden Nachkriegszeitungen verkauft, um 1947
Zeitungsstand um 1947.jpg
Ein Zeitungsstand im Berlin der Nachkriegszeit

Die nebenstehende Abbildung zeigt einen Zeitungskiosk in Berlin, der Zeitungen aus den verschiedenen Sektoren verkaufte: Der Tagesspiegel erhielt seine Lizenz im September 1945 von der amerikanischen Verwaltung, Der Kurier war ein von der französischen Besatzungsmacht lizenziertes Abendblatt und die Tägliche Rundschau wurde direkt von der sowjetischen Militäradministration herausgegeben. Die Wochenzeitung Sie trug den Untertitel für Frauenrecht und Menschenrecht und erschien mit einer amerikanischen Lizenz seit Dezember 1945 als erste Frauenzeitung der Nachkriegszeit. Neben Nachrichten waren veröffentlichte Anzeigen, Tauschangebote und Suchlisten für die Organisation des Alltags der Menschen von großer Bedeutung. Nach der Lektüre verwendete man das Zeitungspapier als Toilettenpapier, zum Zigarettendrehen oder als Verpackungsmaterial.





Hitlerjunge als Zeitungsverkäufer, 1942

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Deutsches Historisches Museum

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Kurzbeschreibung
Ein Hitlerjunge in Uniform verkaufte 1942 den Hamburger Anzeiger.
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Ein Hitlerjunge verkaufte 1942 als "Kriegseinsatz" den Hamburger Anzeiger.
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Diese Ausstellung wurde am 28.10.2021 veröffentlicht.



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