Direkt zum Inhalt

Schicksalhafte Seiten

Bücher verfolgter Jurist:innen in der SLUB Dresden

Sind Sie …

... regelmäßige Besucherin oder Besucher einer Bibliothek? Leihen Sie sich Bücher aus und lesen Sie zuhause? 
Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass sehr viele Bücher Stempel, handschriftliche Namenszüge, Signaturen, Notizen oder ähnliches enthalten?

01
Provenienzforschung und NS-Raubgut

Lücken: Frauen

Die Rechtswissenschaften sind ein beliebtes Studienfach, heute vor allem für Frauen. Der Frauenanteil bei den Studienanfängerinnen und -anfängern liegt bei etwas über 60 Prozent. Das war aber nicht immer so. Es ist daher keine Absicht, dass auf den kommenden Seiten nur Männer vorgestellt werden. Unter den in der Zweigbibliothek Rechtswissenschaften der SLUB Dresden gefundenen Provenienzmerkmalen gibt es keins, dass auf eine Frau hinweist.
Erst seit 1922 dürfen Frauen ein Richteramt bekleiden. Jura durften sie vorher zwar studieren, auch promovieren, aber anschließend kein Referendariat absolvieren oder juristische Staatsprüfungen ablegen, die die Zulassung zu einem Richteramt bedeutet hätte.
Baden war das erste Land, in dem Frauen zum Studium der Rechtswissenschaften zugelassen wurden: das war 1900. Es folgen Bayern 1903, Württemberg 1904, Sachsen 1906, Thüringen 1907, Hessen und Preußen 1908 und Mecklenburg 1909.

Natürlich gab es Anfang des 20. Jahrhunderts Widerstand gegen das Ansinnen, die Geschlechter beruflich gleichzustellen, denn Frauen seien weder physisch noch psychisch geeignet, juristische Berufe auszuüben. Frauen in einer Richterrobe würden zu einem Autoritätsverlust der Gerichte führen.
Die 1892 in Weiden in der Oberpfalz geborene Maria Otto war die erste Frau, die als Rechtsanwältin zugelassen wurde. Das war 1922. Bis zu ihrem Tod 1977 übte sie diesen Beruf aus. Der Deutsche Anwaltverein verleiht seit 2010 den Maria-Otto-Preis an Rechtsanwältinnen, die sich in Beruf, Justiz, Politik und Gesellschaft besonders ausgezeichnet haben, bzw. an diejenigen, die sich in besonderem Maße um die Belange von Anwältinnen verdient gemacht haben. Er ehrt damit die juristische Pionierin Maria Otto.

02
Schicksalhafte Seiten

Menschen und ihre Bücher

In dieser Ausstellung geht es um Menschen und ihre Bücher. Wem haben die in der Zweigbibliothek Rechtswissenschaften der SLUB versammelten Bücher gehört? Was lässt sich über diese Personen und Institutionen erzählen? Welche Schicksale offenbaren sich, wenn man auf bibliothekarische Alltäglichkeiten wie Stempel oder Namenszüge aufmerksam wird?

Wir stellen Menschen vor, deren Spuren sich in Büchern in der SLUB Dresden erhalten haben. Sie haben sich vor Jahrzehnten mit ihren Namen darin festgehalten. Ihre Bücher sind auf unterschiedlichen Wegen in den Bestand der SLUB Dresden gelangt – manche als NS-Raubgut, manche nicht.
Diese Menschen waren in erster Linie Söhne, Ehemänner, Familienväter – und sie waren Juristen, die als Anwälte, Richter oder Beamte mit Schwerpunkten im Straf-, Urheber-, Arbeits-, Forst- und Handelsrecht tätig waren.

03
Berufe für Jurist:innen

Anwälte

Richter

Beamte

Hochschullehrer

04
Juristische Fachgebiete

Strafrecht

Urheberrecht

Arbeitsrecht

Forstrecht

Handelsrecht

05
Bibliotheken mit juristischer Literatur

06
Anfang und Ende

Startpunkt

Grundlage dieser virtuellen Präsentation war eine gleichnamige Ausstellung der SLUB Dresden in der Zweigbibliothek Bergstraße, ehemals Zweigbibliothek Rechtswissenschaft. Sie war von September 2023 bis Oktober 2025 am Standort der Zweigbibliothek zu sehen.

Als Intervention in den Regalen sollten die Besucher:innen der Bibliothek auf die Geschichte der Bücher und ihrer ehemaligen Eigentümer:innen aufmerksam gemacht werden. Die Ausstellungsinhalte waren mobil: auf Karteikarten in Kästen, die aus ihren Boxen herausgenommen und zu den Leseplätzen mitgenommen werden konnten. Ein Audioguide bot die Möglichkeit, sie auch hörend zu besuchen.

Ergänzt wurden die insgesamt 16 Fallboxen um kontextualisierende Informationen zur Provenienzforschung an der SLUB und zu NS-Raubgut. Eine abschließende Tafel zeigte auf einem historischen Stadtplan von Dresden, welche zumeist als jüdisch verfolgten Jurist:innen bis etwa 1942 in Dresden gewirkt hatten. Aufgrund der Komplexität der Darstellung wurde diese Karte nicht in eine virtuelle Form überführt.

Die folgenden Fotografien geben einen Eindruck von der Präsenzausstellung und mögen vielleicht auch als Anregung dienen.