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Frauen und Technik!

Mustersammlungen zur Technischen Fotografie aus den Ausbildungen

Eine virtuelle Ausstellung von

Die Sammlung

Im Bestand des Archivs befinden sich Mustersammlungen, die als Anschauungsmaterial in den Ausbildungen der Schulen im Lette-Verein verwendet wurden. Die Sammlungen Borowka und Körner umfassen Objekte, welche die Entwicklung fotografischer Techniken und Verfahren im Laufe des 20. Jahrhunderts illustrieren. Die Sammlung Körner beinhaltet zudem eine Reihe mikrofotografischer histologischer Abbildungen. Beide Sammlungen entstanden im Lette-Verein. Die Sammlung Hennigsdorf entstand in der Ingenieurschule Hennigsdorf und befindet sich heute im Lette Verein Berlin. Sie beinhaltet Gefügebilder sowie metallographische Darstellungen. In der Ingenieurschule Hennigsdorf und im Lette-Verein wurde während der deutschen Teilung in Metallographie augebildet.
Die Ingenieurschule arbeitete mit dem ebenfalls in Hennigsdorf ansässigen Institut für Eisenforschung zusammen, wo Hermann Schumann wirkte. Er war Autor des in vielen Auflagen erschienenen Fachbuchs Metallographie. In den ersten Auflagen sind die Hennigsdorfer Technischen Assistentinnen genannt, die das Bildmaterial erstellt hatten.⁶ Einige waren Absolventinnen des Lette-Vereins. Durch die Sammlungen erhalten wir einen Einblick in die Geschichte der Ausbildungen.

Fotografie-Ausbildung im 20. Jh.

In der Photographischen Lehranstalt bestand die fachfotografische Ausbildung aus Bildnis- und technischer Fotografie (ab 1911), d. h. Porträt-, Landschafts-, Architektur-, Sach- und Interieurfotografie, sowie Labortechniken, Chemie, Optik, Zeichnen, Urheberrecht und fotomechanischen Verfahren bzw. Reproduktionsretusche (ab 1894).
Im Laufe der folgenden Jahre gliederten sich die Lehrgänge so auf:
Lehrgang 1 Fachfotografie, Lehrgang 2 Wissenschaftlich-technische Hilfsarbeit mit medizinischer Ausrichtung, sowie Lehrgang 3 Metallographie und Materialprüfung konnten wahlweise ergänzt werden durch Lehrgang 4 Kinematographie (ab 1914), Lehrgang 5 Moulagen (ab 1928), Lehrgang 6 Angewandte Fotografie, Fotomontage, Reportage, Reklame (ab 1927), Lehrgang 7 für Freund:innen der Fotografie.
Nach der Trennung von der Handwerkskammer 1994 wurde die Ausbildung staatlich geprüfter Fotodesigner:innen nicht nur um ein Jahr verlängert, sondern auch durch Fächer in digitalen Techniken, kreativem Ausdruck und kritischer Medienreflexion optimiert.

Metallographie

Im Jahr 1906 konnte die erste ausgebildete Metallographin in der Baildonhütte in Kattowitz ihre Arbeit beginnen. Ein ganz neuer Beruf war erfunden. 20 Jahre später gab es bereits 150 im Lette-Verein ausgebildete Metallographinnen.  
Ende des 19. Jahrhunderts wurde das erste Metallmikroskop entwickelt, wodurch die mikroskopische Untersuchung der metallischen Werkstoffe – hauptsächlich Eisen- und Kupfer-Legierungen – möglich wurde. Berliner Wissenschaftler leisteten wesentliche Beiträge zum Verstehen der Strukturen und Eigenschaften der Werkstoffe. Die Metallographie beschäftigt sich mit der Sichtbarmachung, Erfassung und Quantifizierung der Struktur unterschiedlicher metallischer und nichtmetallischer Werkstoffe. In der Ausbildung werden theoretische Grundlagen, Präparationstechniken und Dokumentationsverfahren unterrichtet. Die Lerninhalte werden der technischen Entwicklung immer weiter angepasst. Die heute überwiegend digitalen Untersuchungsmethoden dokumentieren die Strukturen der Werkstoffe. Die Absolvent:innen finden als gefragte Fachkräfte in Forschungsinstituten und vielen Wirtschaftsbereichen attraktive Arbeitsstellen.

Die fotografische Technik löste im 19. Jahrhundert die Entwicklung neuer bildgebender Verfahren aus. Frauen waren daran aktiv beteiligt. Mit den Techniken entwickelten sich Berufe, die lange Zeit überwiegend von Frauen ausgeübt wurden. Mit den heutigen Möglichkeiten digitaler Retusche erscheint die Bildbearbeitung einfacher. Dabei handelt es sich auch hier um „Pinsel“, „Maske“ und ähnliches Instrumentarium, obgleich virtuell. Gründlichkeit und Behutsamkeit sind genauso wichtig wie in der analogen Bildbearbeitung. Ob mit digital gesteuerter Quantensensorik in der Medizintechnik und in der Werkstoffanalyse oder durch Einsatz Künstlicher Intelligenz in der Bildbearbeitung – auch in Zukunft sind Frauen in diesen Berufsfeldern zu Hause. 

Quellen


  1. Rechenschafts-Bericht des unter dem Protektorat Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin stehenden Lette Vereins zur Förderung höherer Bildung und Erwerbsfähigkeit des weiblichen Geschlechts 1868/69. Berlin 1870
  2. Obschernitzki, Doris: Der Frau Ihre Arbeit!. Berlin 1986
  3. Marie Kundt: Die Photographische Lehranstalt des Lette-Vereins, 1912 in: Reden und Aufsätze 1900-1914. Typoskript, Lette Verein Archiv LV_A_228_02  
  4. Kundt, Marie: Die technische Assistentin an medizinischen Instituten. Stuttgart 1928 
  5. Kopske, Wilhelm: Die photographische Retouche in ihrem ganzen Umfange. Berlin 1890/91 ; Schultz-HenckeDankmar: Anleitung zur photographischen Retusche und zum Übermalen von Photographien. Berlin 1913     
  6. Schumann, Hermann: Metallographie. Leipzig 1958
  7. Forum: Mitteilungen des Lette-Vereins. Berlin 1995 Heft 1
  8. Goldt, Max: Daß sich Träume an- und abstellen lassen. In: Wenn man einen weißen Anzug anhat. Reinbek bei Hamburg 2003
  9. Durchleuchtete Körper, eingeleitet und erläutert von Karl Döhmann und herausgegeben von Emil Schaeffer. Zürich, Leipzig 1931 
  10. Nelly Rau-Häring in einer E-Mail an Katharina Hausel vom 30. Mai 2023
  11. László Moholy-Nagy (Ausstellungskatalog). Kassel, 1991

Titelbild: Collage von Luis Jonas May, basierend auf
  1. Kakaobohne aus dem Buch: Durchleuchtete Körper 1931 (CC PDM)
  2. Histologischer Schnitt einer Sebozyte,  Lette Verein Berlin 2023 (CC BY 4.0)
  3. Retuschiertes Porträt Nelly Rau-Häring , Renate Borowka 1967 (CC BY-NC 4.0)
  4. Metallographisches Gefügebild einer Walzbronze, Abteilung Metallographie des Lette Verein Berlin 2023 (CC BY-NC-SA 4.0)
Die Collage ist lizensiert unter CC BY-NC-SA, welche die nichtkommerzielle Nutzung und Weitergabe unter denselben Bedingungen erlaubt, solange die Urheber:innen genannt werden.