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Beethoven gegen den Hunger, Bruckner gegen die Kälte

Wie Benno Reifenberg und Marguerite Vogt im Hirnforschungsinstitut Neustadt im Kriegswinter 1944/45 vierhändig Klavier spielten

Ein weltweit renommiertes Institut zur Hirnforschung und Genetik in Berlin ist den Nazis im Weg. Cécile und Oskar Vogt, beide Medizinprofessoren und Leiter des Instituts, weichen aus ins abgelegene Neustadt im Hochschwarzwald. Dort forschen sie weiter, allen Kriegswirren zum Trotz.

Eine weltweit renommierte Zeitung wird von den Nazis dichtgemacht. Ihr leitender Redakteur Benno Reifenberg darf nicht mehr schreiben. Er sucht sich eine neue Tätigkeit an abgelegenem Ort – und gerät durch Zufälle an das kleine Hirnforschungsinstitut in Neustadt.

Es entwickelt sich ein einzigartiges intellektuelles Biotop. Naturforschung begegnet Kulturjournalismus, vereint im Widerstand gegen Hitler. Gemeinsame Laborarbeit, gemeinsame Streifzüge durch die Natur, abends gemeinsames Musizieren – das setzen die Bewohner des Instituts der immer dramatischeren Kriegslage entgegen. Später werden sie sagen, es war ein "Zauberberg".

Das Institut für Hirnforschung Neustadt (Hochschwarzwald) in den 1940er Jahren.

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Vertreibung der Hirnforschung in den Schwarzwald

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Vertreibung des Journalismus in den Schwarzwald

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Ein berühmter Publizist muss ins Volontariat

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Publizisten und Widerständler im Hirnforschungsinstitut

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Pilze – Bomber – Beethoven

Pilze – Bomber – Beethoven

Im Herbst 1944 erreicht der Bombenkrieg den Schwarzwald. Bahnlinien sind unterbrochen. Die Stromversorgung in Neustadt ist labil. Die Vogts bangen, wie lange die Arbeit im Institut noch fortgeführt werden kann. Maryla Reifenberg und ihre Mutter geben die Wohnung in Colmar auf und ziehen zu Benno in die winzige Wohnung in der Schillerstraße.

Mildes Regenwetter beschert dem Schwarzwald eine veritable Pilzesaison. Unverdrossen spielen Marguerite Vogt und Benno Reifenberg allabendlich vierhändig Klavier. Sie halten die großen musikalischen Werke des Abendlands der Sinnlosigkeit des Kriegs entgegen. Impressionen aus Reifenbergs Tagebuch.

Frankfurt nach dem 22. März 1944. Reifenberg ist an diesem Tag in der Stadt, um eine Fotoserie über die historische Altstadt zu evakuieren.

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Kälte – Klavier – Kriegsende

Beethoven gegen den Hunger, Bruckner gegen die Kälte

Das Jahr 1945 ist angebrochen, der Krieg ist da. Täglich geben die Neustädter Sirenen Alarm. Ein Laden nach dem anderen macht zu. Ununterbrochen grollt ferner Kanonendonner von den Kämpfen im Rheintal und auf der Baar durchs Gutachtal. Starke Kälte wechselt mit heftigen Schneefällen ab.

Der Forschungsbetrieb im Institut kommt zum Erliegen. Doch für die Geschichte der Genetik beschäftigen sich Reifenberg und Marguerite Vogt täglich mit Albert Blakeslee, Wilhelm Johannsen, Carl Correns, dem persönlich anwesenden Friedrich Oehlkers und anderen modernen Genetikern. Und jeden Abend: Klavier vierhändig im eiskalten Musikzimmer.

Auch im Hirnforschungsinstitut fällt wegen Strom- und Brennstoffmangel ab Januar 1945 oft die Heizung aus.

Der Krieg geht zu Ende

Anfang April 1945 überschreitet die 1. Armee der Franzosen auf breiter Linie den Rhein. Die Amerikaner stehen im Raum Stuttgart. Die Franzosen stoßen über Freudenstadt in die Baar und am Hochrhein zum Bodensee vor. Das Donnern der Artillerie bei schönstem Frühlingswetter ist tägliche Klangkulisse in Neustadt.

Beim Einmarsch der Franzosen wird das Hirnforschungsinstitut am Dennenberg zum militärischen Aufmarschgebiet.

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Abschied vom Zauberberg