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LEUTE - ORTE - DINGE
Eine virtuelle Ausstellung von
Herzlich willkommen bei den Provenienzforscher:innen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz!
Jedes Objekt hat seine eigene Geschichte, die ihren Anfang nimmt, lange bevor es auf oft verschlungenen Pfaden in eine Bibliothek oder in ein Museum gelangt. Die früheren Besitzer:innen, Ortswechsel und unterschiedlichen Sammlungskontexte können viele Spuren hinterlassen – nicht zuletzt auf den Objekten selbst. Doch oft finden die erzählenswerten Ereignisse, die sich um eine Provenienz ranken, kaum Beachtung und geraten über die Jahre in Vergessenheit.
Diese vergangenen, versteckten und manchmal auch bewusst verborgenen Etappen in der Biografie von Büchern, Kunstwerken und Alltagsgegenständen, ihre Geschichte und Geschichten wieder ans Licht zu holen und neben den Dingen auch die mit ihnen verbundenen Orte und Leute sichtbar zu machen, ist Aufgabe und Ziel der Provenienzforschung an Museen, in Bibliotheken und Archiven. Schicht für Schicht arbeiten sich die Provenienzforscher:innen durch die Zeiten, bewegen sich auf Haupt- und Nebenwegen, landen in Sackgassen und entdecken dabei viele spannende, immer wieder grausame und oft berührende Episoden.
Der Kosmos der unter dem Dach der Stiftung Preußischer Kulturbesitz versammelten Objekte und damit die Vielfalt der mit ihnen verwobenen Geschichten ist weltweit einzigartig.
Mit dieser virtuellen Ausstellung laden wir Sie ein, mit uns die Wege und Schicksale der Objekte zu entdecken, die mit ihnen verflochtenen Personen und Orte zu beleuchten und uns beim Interpretieren oft unscheinbarer Spuren über die Schulter zu sehen.
Begleiten Sie die Berliner Provenienzforscher:innen in den Staatlichen Museen und in der Staatsbibliothek bei ihrer Arbeit!
Informationen über die verwendeten Medien
Central Collecting Point
Aus der Sammlung von
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Rechteinformation
Zentralarchiv
Informationen über die verwendeten Medien
Brief von Douwe Remmerssen an Paul Ortwin Rave
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Rechteinformation
Staatliche Museen zu Berlin – Zentralarchiv
Beschreibung
Angaben zum Objekt
Identifikator
I/NG 874, Bl. 13
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Zeit
31. März 1939
Wer war Douwe Remmerssen?
1939 erwarb die Nationalgalerie für die Sammlung der Zeichnungen eine Zeichnung von Jakob Philipp Hackert. Ihr Verkäufer war ein Rechtsanwalt namens Douwe Remmerssen aus Riga – ein Mann, der als NS-Funktionär und Verfolgter zwei Seiten faschistischer Willkür kannte.
Anfang 1939 erhielt Paul Ortwin Rave, der Direktor der Nationalgalerie, Besuch von einem Herrn aus Riga, der gerade in Berlin weilte. Er stellte sich als Douwe Remmerssen vor und bot ihm eine Zeichnung von Jakob Philipp Hackert, einem Maler des deutschen Klassizismus, zum Kauf an. Er habe sie aus "gräflich Manteuffelschem Besitz“ in Estland erworben. Rave wollte die Zeichnung haben, obwohl dies für ihn bedeutete, einige bürokratische Hürden beim Zoll überwinden zu müssen. So gelangte die Landschaft mit Felsgrotte (Das Ohr des Dionysos) bei Syrakus in die Sammlung der Zeichnungen, die damals zur Nationalgalerie gehörte.
Informationen über die verwendeten Medien
Landschaft mit Felsgrotte (Das Ohr des Dionysos) bei Syrakus
Aus der Sammlung von
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Rechteinformation
©bpk-Bildagentur/ Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin – Stiftung Preußischer Kulturbesitz/ Foto: Reinhard Saczewski
Angaben zum Objekt
Abmessung/Umfang
51,2 x 40,4 cm
Material/Technik
Sepiazeichnung
Identifikator
F III 2743, SZ Hackert 229
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Beteiligte Personen und Organisationen
Jakob Philipp Hackert
Zeit
1777
Paul Ortwin Rave war seit 1937 Direktor der Nationalgalerie. Somit oblag auch die Sammlung der Zeichnungen seiner Obhut: Dieser Bestand von Ölskizzen, Aquarellen und Zeichnungen des überwiegend 19. und frühen 20. Jahrhunderts war mit einer Überweisung aus dem ehemaligen Königlichen Kupferstichkabinett 1878 als gesonderte Abteilung der Nationalgalerie begründet worden. Erst seit 1992 gehört diese Sammlung wieder zum Kupferstichkabinett. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurden für die Sammlung der Zeichnungen rund 1.300 Werke erworben.
Informationen über die verwendeten Medien
Paul Ortwin Rave
Aus der Sammlung von
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Rechteinformation
Staatliche Museen zu Berlin – Zentralarchiv
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Zeit
Juni 1949
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Steinbrücke im Schweizer Hochgebirge
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Rechteinformation
Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin – Stiftung Preußischer Kulturbesitz/ Foto: Dietmar Katz
Angaben zum Objekt
Abmessung/Umfang
41,1 x 52,6 cm
Material/Technik
Sepiazeichnung
Identifikator
F III 2804, SZ Hackert 231
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Beteiligte Personen und Organisationen
Jakob Philipp Hackert
Zeit
1778
Ein paar Wochen nach der Erwerbung der Landschaft mit Felsgrotte schrieb Remmerssen Rave einen Brief aus seiner Heimatstadt Riga: Er habe noch ein weiteres Hackert-Blatt, das er ihm anbieten könne. Obwohl Rave diese Zeichnung sogar noch besser als die erste fand, lehnte er bedauernd ab. Die Zollabwicklung sei ihm beim letzten Mal etwas zu kompliziert gewesen. Ende des Jahres 1939 allerdings konnte Rave die Steinbrücke im Schweizer Hochgebirge doch noch als Neuerwerbung ins Inventarbuch eintragen lassen: Remmerssen war mitsamt der Zeichnung nach Berlin umgezogen. Seine Kontakt-Adresse lautete nun: "Berlin, Auswärtiges Amt“.
Remmerssen erblickte am 27. Oktober 1904 in Moskau das Licht der Welt. Seine deutsch-baltischen Eltern ließen ihn evangelisch taufen. Als Jugendlicher zog er mit ihnen nach Riga. Nachdem er an verschiedenen europäischen Universitäten Jura studiert hatte, eröffnete er in Riga seine eigene Anwaltskanzlei. 1939 spielte er mit dem Gedanken, nach Deutschland überzusiedeln. Er reiste mehrmals nach Berlin, um die Lage zu sondieren. Schließlich war es beschlossene Sache: Im November 1939 packte er seine Sachen und zog in die deutsche Hauptstadt um.
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Passfoto Douwe Remmerssen
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Rechteinformation
©Politisches Archiv des Auswärtigen Amts, Berlin
Beschreibung
aus der Personalakte des Douwe Remmerssen
Angaben zum Objekt
Identifikator
R 55685, Personalakte Douwe Remmerssen
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Zeit
um 1939
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Berlin, Auswärtiges Amt
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Rechteinformation
Bundesarchiv/ Foto: o. Ang.
Beschreibung
Angaben zum Objekt
Identifikator
Bild 146-1983-028-08
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Zeit
um 1935
Weitere Informationen
Karriere im Nationalsozialismus
Als "Baltenaussiedler“ erhielt Remmerssen schnell und unkompliziert die deutsche Staatsbürgerschaft. Er beantragte umgehend die Aufnahme in die NSDAP. Eine Zulassung für eine eigene Kanzlei erhielt er als baltischer Rechtsanwalt allerdings nicht. Er hätte zwar mit einer Umschulung Richter werden dürfen, fand aber beim Auswärtigen Amt wegen seiner beeindruckenden Fremdsprachenkenntnisse eine besser bezahlte Stelle als Dolmetscher.
Seit jeher Kosmopolit, machte Remmerssen ab 1940 im Auftrag des Auswärtigen Amts viele Dienstreisen. Zuerst begleitete er eine Abordnung des Reichspostministeriums nach Moskau. Von September 1940 bis Januar 1941 war er als Übersetzer einer deutsch-sowjetischen Regierungsdelegation wieder in seiner alten Heimat Riga. 1941 wurde er zum "Sonderkommando Künsberg“ berufen – eine Brigade, die im Reichsauftrag Beutezüge in den Ostgebieten durchführte. 1943 übernahm er die Leitung der Dolmetscher-Abteilung der Waffen-SS und arbeitete 1944 beim "Hauptamt Volksdeutsche Mittelstelle“ im deutschen Konsulat in Marseille.
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Blick über den Wassergraben und den elektrischen Zaun auf die Baracken des KZ Dachau
Nach der Befreiung durch die 7. US-Armee
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Rechteinformation
©bpk-Bildagentur
Angaben zum Objekt
Identifikator
Bild-Nr.:30023507
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Zeit
Aufnahmedatum: 29./30.04.1945
Ort
Dachau Bayern
Remmerssens Leben nahm im Sommer 1944 eine drastische Wendung. Man zeigte ihn wegen "homosexueller Betätigung“ und "wehrkraftzersetzenden Äußerungen“ an. Er wurde postwendend aus der Partei entlassen. Die Gestapo verhaftete ihn in Marseille, brachte ihn nach Paris und verurteilte ihn dort zu zehn Jahren Zuchthaus. Die Haft trat er im SS-Straflager Dachau an.
Sie fand mit dem Zusammenbruch des nationalsozialistischen Regimes ihr Ende.
In den Spruchkammerverfahren zur "Entnazifizierung“ Deutschlands wurde er als "Mitläufer“ eingestuft. Er sollte einen "Sühnebetrag“ von 300 Mark in einen Wiedergutmachungsfond entrichten. Gegen dieses Urteil legte er mit Hinweis auf seine Haft in Dachau Widerspruch ein. Das Verfahren wurde neu aufgerollt und 1951 eingestellt.
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Pierre Merrick – Nachfahre des amerikanischen Ethnologen Francis La Flesche
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Rechteinformation
Ethnologisches Museum, Staatliche Museen zu Berlin – Stiftung Preußischer Kulturbesitz/ Foto: Christoph Mack
Francis La Flesche
Das Berliner Museum für Völkerkunde beauftragte 1894 den indigenen Ethnologen Francis La Flesche, eine Sammlung zusammenzustellen, die seine eigene Kultur, die der nordamerikanischen Umóⁿhoⁿ, am besten repräsentiert.
Vier Jahre später schickte La Flesche 60 Objekte, mitsamt einer umfangreichen Dokumentation in Form eines Kataloges, nach Berlin.
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Francis La Flesche – Porträt
Portrait of Francis La Flesche n.d
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Rechteinformation
©National Anthropological Archives, Smithsonian Institution
Beschreibung
Photo Lot 24 SPC Plains Omaha BAE 4558 La Flesche & Family 00688500, National Anthropological Archives, Smithsonian Institution
Angaben zum Objekt
Identifikator
Photograph 4504
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Zeit
undatiert
Weitere Informationen
Francis La Flesche (1857-1932) gilt heute als erster indigener Ethnologe Nordamerikas. Aufgewachsen auf der Omaha-Reservation, besuchte La Flesche, dem Wunsch seines Vaters folgend, die presbyterianische Internatsschule. Nachdem er in Washington D. C. sein Jurastudium erfolgreich abgeschlossen hatte, unterstützte Francis La Flesche den Ponca Chief Standing Bear bei seinem Kampf zur Anerkennung von Bürgerrechten für alle Native Americans in den USA. Diese Erfahrung prägte seine spätere Arbeit als Wissenschaftler und politischer Aktivist. In den 1880er-Jahren lernte Francis La Flesche die Ethnologin Alice Fletcher kennen, die ihn dazu ermutigte, Ethnologie zu studieren. Gemeinsam verfassten sie das Buch "The Omaha Tribe”, das heute noch als ethnologisches Standardwerk zu den Umóⁿhoⁿ gilt.
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Katalog von Francis La Flesche
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Ethnologisches Museum, Staatliche Museen zu Berlin – Stiftung Preußischer Kulturbesitz
Francis La Flesche ist bis heute nicht unumstritten. Durch seine Rolle als Ethnologe und Insider in der Community hatte er Zugang zu vielen kulturell sensiblen Bereichen und Daten, die er der Wissenschaft und den Museen zugänglich machte. Tat er das Richtige, weil er Objekte für spätere Generationen in Sicherheit brachte, oder verriet er seine Gemeinschaft, indem er die Objekte zu seinem eigenen Vorteil an ein Museum übergab?
Mon-´shon-pa-gdhon (Federkopfschmuck) der Umóⁿhoⁿ
Der Federkopfschmuck, der für La Flesche von besonderer Bedeutung gewesen sein muss, wird gleich als erstes Objekt seines Kataloges erwähnt:
Alle hier enthaltenen, zur möglichst ausführlichen Veranschaulichung des Lebens und der Bräuche des Omaha-Indianerstamms zusammengetragenen Gegenstände wurden entweder direkt bei den Indianern erworben oder von ihnen nach uralten Bräuchen hergestellt. Die Adlerfederhaube wurde von mehreren alten Indianerkriegern auf zeremonielle Weise gefertigt. Auf jeder Feder wurden Kriegsehrungen aufgezählt und während der Herstellung sang man die rituellen Lieder.
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Der Federkopfschmuck der Umóⁿhoⁿ im Depot des Ethnologischen Museums
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Ethnologisches Museum, Staatliche Museen zu Berlin – Stiftung Preußischer Kulturbesitz/ Foto: Christoph Mack
Beschreibung
Kopfschmuck
Angaben zum Objekt
Abmessung/Umfang
Objektmaß: ca. 33 x 60 x 146 cm Objektmaß: L: 8,5-38 B: 1,2-4 T: 1 (7 lose Teile) Gewicht: < 2 kg
Material/Technik
Adlerfeder, Fell, Haare, Wolle, Leder, Textil, Glasperlen, Filz (?), Schnur
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Beteiligte Personen und Organisationen
Francis La Flesche, Sammler Omaha (Ethnie)
Weitere Informationen
Nachdem Francis La Flesche die Sammlung im 19. Jahrhundert nach Berlin geschickt hatte, erzählt Pierre Merrick, was es bedeutet, als erster Umoⁿhoⁿ nach mehr als hundert Jahren die Objekte wieder zu berühren:
Der Mann, der diesen Kopfschmuck getragen hat, muss ein besonderer Mann gewesen sein, einer den wir heute in unserer Gemeinschaft nicht mehr haben. Aufgrund der Taten, die er getan haben muss, um als Chief und Führer anerkannt zu werden, muss er vieles geopfert haben, um das zu erreichen. Viele der Objekte, wie der Federkopfschmuck, der einem Chief gehört haben muss, existieren heute nicht mehr in unserer Gemeinschaft. Der einzige Ort auf der Welt, wo man sie finden kann, ist hier in Berlin.
Informationen über die verwendeten Medien
Pierre Merrick – Nachfahre des amerikanischen Ethnologen Francis La Flesche
Aus der Sammlung von
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Rechteinformation
Ethnologisches Museum, Staatliche Museen zu Berlin – Stiftung Preußischer Kulturbesitz/ Foto: Christoph Mack
Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Umóⁿhoⁿ
Die Erfahrungen von Rassismus, Gewalt und Landverlust prägen die Umóⁿhoⁿ Community bis heute. In diesem Kontext ist die Berliner Sammlung von besonderer Bedeutung, denn sie zeugt vom Widerstand gegen die Kolonialisierung. Sie bietet den Menschen die Möglichkeit, sich mit ihren Vorfahren und Lebensweisen wieder zu verbinden und mit Stolz auf ihre eigene Geschichte zu blicken.
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Vertretende der Umóⁿhoⁿ in den Depoträumlichkeiten des Ethnologischen Museums der Staatlichen Museen zu Berlin in Dahlem
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Rechteinformation
Stiftung Humboldt Forum
Beschreibung
Im Vordergrund: Objekte der Sammlung La Flesche
Die Zusammenarbeit zwischen dem Ethnologischen Museum, der Stiftung Humboldt Forum und dem Nebraska Indian Community College zeigt, wie zukunftsorientiert Provenienzforschung an ethnologischen Sammlungen sein kann und wie Sammlungen nutzbar gemacht werden können, um so kollaborativ an den Objekten und den Themen, die sie umkreisen, zu forschen.
Ilja Labischinski arbeitet als Provenienzforscher des Zentralarchivs der Staatlichen Museen zu Berlin an den Sammlungen des Ethnologischen Museums und ist Kurator der Ausstellung "Francis La Flesche", die 2021 im Humboldt Forum eröffnen wird.
Informationen über die verwendeten Medien
Achille Le Roy, Le droit au bonheur. Droit au repos, Paris: Librairie socialiste internationale, 1908
Aus der Sammlung von
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Rechteinformation
Digitalisat: Staatsbibliothek zu Berlin
Bruno Kaiser und die Sozialistica aus dem Institut für Sozialforschung
In der DDR baute der Literaturwissenschaftler, Marxist und Bibliothekar Bruno Kaiser (1911–1982) beim Zentralkomitee der SED die zentrale wissenschaftliche Spezialbibliothek für die Geschichte des Sozialismus und der Arbeiterbewegung auf. Dabei rückten auch Sozialistica-Bestände von unter dem NS-Regime beschlagnahmten Bibliotheken plötzlich ins Zentrum des Interesses.
Persönlich wie beruflich begleiteten Bruno Kaiser der Drang und die Leidenschaft, Bücher zu sammeln. Bereits in seiner Jugend begann er mit dem Aufbau einer Privatbibliothek. Da er sich im antifaschistischen Widerstand engagiert und illegale Flugblätter verbreitet hatte, außerdem jüdischer Herkunft war, emigrierte er nach Verhaftung, Folter und Internierung unter dem NS-Regime in die Schweiz. Er beschäftigte sich wissenschaftlich mit dem Sozialismus und wurde später in der DDR für seine Marx-Engels-Forschung anerkannt.
Bruno Kaiser kehrte im Jahr 1947 nach Deutschland zurück. Als Abteilungsdirektor in der Öffentlichen Wissenschaftlichen Bibliothek, der Nachfolgeinstitution der Preußischen Staatsbibliothek in Ostberlin, betreute er die unbearbeiteten Bestände.
Im Jahr 1949 übernahm er den Aufbau und die Leitung der neuen wissenschaftlichen Spezialbibliothek, die auf Beschluss der SED-Parteiführung beim Berliner Institut für Marxismus-Leninismus gegründet wurde. Um die neue Bibliothek schnell aus dem Nichts aufzubauen, wurde auf die unbearbeiteten Bestände in den Kellern der ehemaligen Preußischen Staatsbibliothek zurückgegriffen – darunter auch ein Teil der Bibliothek des Instituts für Sozialforschung Frankfurt am Main und damit NS-Raubgut.
Bewertung von Sozialistica unter neuen Vorzeichen in der DDR
Große wissenschaftliche Spezialbibliotheken wie die des Instituts für Sozialforschung in Frankfurt am Main aber auch Gebrauchsbibliotheken von politisch verfolgten Parteien, Gewerkschaften und Arbeiterorganisationen fielen unter dem NS-Regime der Beschlagnahme zum Opfer. Für die Sozialistica interessierten sich auch verschiedene NS-Institutionen, welche die Bestände für die nachrichtendienstliche "Gegnerforschung“ heranzogen. Die Sammlungen wurden daher häufig zerschlagen und umverteilt.
In der DDR wurden Sozialistica schließlich unter neuen Vorzeichen bewertet. Das wissenschaftliche Studium von Sozialismus und Arbeiterbewegung wurde politisch gefördert. Die Sozialistica-Bestände von beschlagnahmten und zerschlagenen Bibliotheken dienten dem Aufbau neuer Bibliotheken, sodass zwar andere Verteilungsmechanismen als noch unter dem NS-Regime griffen, die Sammlungszusammenhänge aber auch nach 1945 zerrissen blieben.
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Platon Michajlovič Keržencev, Čemu učit Lenin (= Was uns Lenin lehrt), Leningrad u.a.: Gosizdat, 1925
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Digitalisat: Staatsbibliothek zu Berlin
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Stempel der Bibliothek des Instituts für Sozialforschung in Frankfurt am Main
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Rechteinformation
Digitalisat: Staatsbibliothek zu Berlin
Weitere Informationen
Das Institut für Sozialforschung wurde 1923 in Frankfurt am Main gegründet und widmete sich der Theorie und Geschichte des Sozialismus, Marxismus und der Arbeiterbewegung. Es wurde eine Bibliothek für Sozialismus und Kommunismus aufgebaut, deren Bestand bis 1933 auf bis zu 40.000 Bände anwuchs. Unter dem NS-Regime wurde das Institut wegen "staatsfeindlicher Tendenzen“ im Jahr 1933 aufgelöst und die Bibliothek beschlagnahmt.
Während das Institut die Arbeit im Ausland fortsetzte, wurde die Bibliothek zerschlagen. Etwa 20.000 Bände an "staatsfeindlicher und zersetzender“ Literatur wurden an die Preußische Staatsbibliothek als zentrale Empfänger- und Verteilerinstitution von in Preußen beschlagnahmter Literatur abgegeben. Der "unbedenkliche“ Restbestand wurde von Frankfurter Instituts- und Seminarbibliotheken übernommen.
In der Preußischen Staatsbibliothek begann man zwar mit der Einarbeitung der erworbenen Bücher und tauschte Dubletten mit dem Reichssicherheitshauptamt, doch der größte Teil lagerte während des Zweiten Weltkriegs unbearbeitet in den Kellern der Staatsbibliothek.
Informationen über die verwendeten Medien
N. Bervi-Flerovskij, Zapiski revoljucionera-mečtatelja (= Aufzeichnungen eines revolutionären Schwärmers), Moskau: Molodaja Gvardija, 1929
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Rechteinformation
Digitalisat: Staatsbibliothek zu Berlin
Beschreibung
Wichtige Indizien bei der Identifizierung von Bänden aus dem Institut für Sozialforschung im Bestand der Staatsbibliothek zu Berlin sind Stempel und handschriftliche Zugangsnummer des Instituts. Zudem wurde von der Preußischen Staatsbibliothek 1937 eine Zugangsnummer vergeben, bestehend aus dem Kürzel „IfS“ und einer laufenden Nummer, die auf der Rückseite des Titelblatts notiert wurde.
Nach 1945 wurde der von der Preußische Staatsbibliothek übernommene Bestand des Instituts für Sozialforschung weiter auseinandergerissen. Kriegsbedingt verlagerte Bände wurden vernichtet oder in polnische und sowjetische Institutionen abtransportiert. Mit dem Reichssicherheitshauptamt getauschte Bücher gelangten in die durch die Bergungsstelle für wissenschaftliche Bibliotheken und später die Zentralstelle für wissenschaftliche Altbestände eingeleiteten Umverteilungsprozesse. Ein Großteil an Bänden wurde der neuen SED-Bibliothek übergeben. In der Staatsbibliothek selbst verblieb nur ein Bruchteil an vor und nach 1945 eingearbeiteten Bänden.
Der Verbleib der Bibliothek des Instituts für Sozialforschung ist bis heute nicht vollständig aufgeklärt. In welchem Umfang Bände des Instituts für Sozialforschung aus der Preußischen Staatsbibliothek in die neue Bibliothek des Instituts für Marxismus-Leninismus gelangten und sich daher heute in der Bibliothek der Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR (SAPMO) im Bundesarchiv befinden, muss noch eingehender erforscht werden. Auch die Rolle von Bruno Kaiser bei der Umverteilung bedarf noch weiterer Untersuchungen.
Die Staatsbibliothek zu Berlin als Nachfolgeinstitution der Preußischen Staatsbibliothek ist den im Bestand verbliebenen Bänden aus dem Institut für Sozialforschung im Rahmen des Forschungsprojektes "Transparenz schaffen: Recherche, Erschließung und überregionaler Nachweis von NS-Raubgut im Druckschriftenbestand der Staatsbibliothek zu Berlin“ nachgegangen.
Unter erschwerten Bedingungen – das Akzessionsjournal ist leider nicht mehr erhalten – wurden besonders verdächtige Zugänge geprüft. Dabei konnten 536 Bände aus der 1933 beschlagnahmten Bibliothek des Instituts für Sozialforschung identifiziert und im August 2018 an das 1951 nach Frankfurt zurückgekehrte Institut restituiert werden.
Die Autorin Friederike Willasch ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der Abteilung Historische Drucke in der Staatsbibliothek zu Berlin.
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Okadina – Puppe der Königin Olugondo von Ondonga
Aus der Sammlung von
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Rechteinformation
Ethnologisches Museum, Staatliche Museen zu Berlin – Stiftung Preußischer Kulturbesitz/ Foto: Claudia Obrocki
Angaben zum Objekt
Identifikator
Inventarnummer: III D 3656
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Zeit
1909
Weitere Informationen
Königin Olugondo von Ondonga
Das Geschenk einer Königin
Königin Olugondo war die Hauptfrau von König Kambonde (II.) kaMpingana, der den Thron von Ondonga 1884 bestiegen hatte. Anders als die Herrscher in den benachbarten Ovambo-Königreichen, unterstützte er die finnischen Missionare, die seit 1870 versuchten, die Bevölkerung zum Christentum zu bekehren. Daher kannte Königin Olugondo Anna Rautanen seit ihren Kindheitstagen, die sie als Tochter des Missionars Martin Rautanen im Königreich verbracht hatte.
Als Kind besaß Anna eine europäische Puppe. Als sie nach einem Schulaufenthalt in Finnland nach Ondonga zurückkehrte, hatte sie sie dort zurückgelassen, denn in Europa spielten erwachsene Frauen nicht mehr mit Puppen. Im Königreich Ondonga waren sie jedoch viel mehr als nur Spielzeug. Sie waren ein wichtiger Bestandteil für das Erwachsenwerden einer Frau. Mädchen bekamen Puppen von ihren Eltern geschenkt. Bei der Verlobung gab der Bräutigam der Puppe seiner zukünftigen Frau einen Namen, den das erste Kind des Paars bekommen sollte. Im Jahr 1900 stand nun die Hochzeit von Anna mit dem deutschen Missionar Hermann Tönjes bevor, und Anna sollte ohne eine "Okana“, also ein "Kind“, so der Oshidonga-Name für solche Puppen, heiraten?
Die Königin Olungondo fertigte für sie eine Puppe nach neuester Mode an (oder ließ sie anfertigen) und gab ihr ihren Namen. Somit waren sie und die Puppe "Okadina“ Namensschwestern. Die Königin Olugondo und Anna hatten so eine Beziehung geknüpft, die über Annas Heirat und Wegzug aus dem Königreich Bestand haben sollte.
Informationen über die verwendeten Medien
Häuptling Kambonde II von Ondonga
Rechts Hauptfrau Olugondo. Links sein Sohn
Aus der Sammlung von
Verlag von Martin Warneck
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Rechteinformation
Tönjes, Hermann
Beschreibung
Aus: Tönjes, Hermann. Ovamboland: Land. Leute. Mission. Berlin: Verlag von Martin Warneck, 1911, S. 143
Okadina – Ausdruck königlicher Mode
Die Puppe Okadina war aber nicht nur das Zeichen einer langjährigen Frauenfreundschaft. Sie war auch Ausdruck des Modebewusstseins und Prestiges des Königshofs von Ondonga. Hertha Bukassa, Kulturreferentin im Ministerium für Bildung, Kunst und Kultur der Republik Namibia und Gastwissenschaftlerin am Ethnologischen Museum Berlin, erläutert die Bedeutung der einzelnen Modeelemente:
Onjeva war und ist ein Schmuckstück aus Straußeneierschalen, das junge Mädchen um die Hüften tragen; Oshilanda, eine hochgeschätzte dunkelblaue Glasperle, schmückt ihren Oberkörper; eine Reihe von großen, aus Europa importierten Knöpfen dienen als Ersatz für das kostbare und seltene Omba, einen Schmuck aus Elfenbein oder Muschel.
Königin Olugondo verarbeitete also nur die kostbarsten Materialien, um ihrer Wertschätzung für Anna Ausdruck zu verleihen.
Informationen über die verwendeten Medien
Okadina – Puppe der Königin Olugondo von Ondonga
Aus der Sammlung von
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Rechteinformation
Ethnologisches Museum, Staatliche Museen zu Berlin – Stiftung Preußischer Kulturbesitz/ Foto: Claudia Obrocki
Angaben zum Objekt
Identifikator
Inventarnummer: III D 3656
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Beteiligte Personen und Organisationen
Hermann Tönjes (Sammler)
Zeit
1909
Weitere Informationen
Informationen über die verwendeten Medien
Pressekonferenz 18.September 2019, Foyer der Museen Dahlem
Zukunftsweisende Kooperation des Berliner Ethnologischen Museums mit Museums Association of Namibia gestartet
Aus der Sammlung von
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Rechteinformation
SPK/ photothek.net/ Foto: Florian Gärtner
Beschreibung
Im Rahmen einer Partnerschaft zwischen der Museums Association of Namibia (MAN) und dem Ethnologischen Museum Berlin waren seit Frühjahr 2019 mehrere Forscher aus Namibia in Berlin zu Gast. Gemeinsam mit den Wissenschaftlern des Ethnologischen Museums untersuchten sie die mehr als 1400 Objekte aus kolonialen Kontexten in Namibia in der Sammlung des Museums im Hinblick auf ihre Geschichte, Bedeutung und ihre künstlerischen Potenziale und reaktivierten das Wissen darüber.
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Beteiligte Personen und Organisationen
Golda Ha-Eiros, Kuratorin für Liberation Heritage under the Office of Vice-President: Veterans Affairs , Hertha Bukassa, Kulturreferentin im Kulturministerium der Republik Namibia , Jonathan Fine, Kurator für die Sammlungen aus Westafrika, Kamerun, Gabun und Namibia am Ethnologischen Museum der Staatlichen Museen zu Berlin , Lars-Christian Koch, Direktor für die Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin im Humboldt Forum
Okadina kann als Archiv namibischer Mode angesehen werden. Die Kleidung wird, mit einigen Änderungen, noch heute von Frauen im Königreich Ondonga getragen und verbindet die Vergangenheit mit der Gegenwart.
Zitat: Nehoa Hilma Kautondokwa
Museum Development Manager der Museums Association of Namibia und Gastwissenschaftlerin am Ethnologischen Museum in Berlin.
Informationen über die verwendeten Medien
Nehoa Hilma Kautondokwa, Cynthia Schimming und Julia Binter mit Okadina im Depot des Ethnologischen Museum Berlin
Aus der Sammlung von
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Rechteinformation
©Filmstill aus Tracing Namibian-German/ Foto: Moritz Fehr
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Zeit
2019
Ort
Berlin
Die vielschichtigen Bedeutungen von Okadina konnten nur dank der Zusammenarbeit mit Forscherinnen aus Namibia rekonstruiert werden, die im Rahmen eines Kooperationsprojekts zwischen dem Ethnologischen Museum Berlin und der Museums Association of Namibia 2019 in Berlin zu Gast waren. Die Zusammenarbeit hat gezeigt, dass Okadina weit mehr als nur eine Puppe war, die Annas Ehemann, Hermann Tönjes, dem Königlichen Museum für Völkerkunde (heute Ethnologisches Museum zu Berlin) 1909 verkaufte. Sie erzählt von der Freundschaft zweier Frauen, ihrem Erwachsenwerden und den Moden ihrer Zeit.
Julia Binter arbeitet als Provenienzforscherin des Zentralarchivs der Staatlichen Museen zu Berlin an den Sammlungen des Ethnologischen Museums, wo sie derzeit das Kooperationsprojekt zu den Sammlungen aus Namibia betreut.
Informationen über die verwendeten Medien
Alfred Flechtheim
aus dem Album "Ausstellung Hugo Erfurth - Bildnisse aus dem XX. Jahrhundert, Konstanz 1949"
Aus der Sammlung von
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Angaben zum Objekt
Identifikator
P1991.5030
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Beteiligte Personen und Organisationen
Fotograf: Hugo Erfurth
Zeit
1928
Weitere Informationen
Alfred Flechtheim und Paul Klees Lebkuchen-Bild
Der leidenschaftliche Kunsthändler der Moderne und Inhaber populärer Galerien in Düsseldorf und Berlin gerät früh ins Visier der Nationalsozialisten. Neben seinem Engagement für Künstler wie Picasso, Grosz oder Kandinsky ist der Grund seine jüdische Herkunft. 1934 zwingt ihn die Verfolgung in die Emigration. Über Paris erreicht er London. Verarmt und getrennt von seiner Frau in Berlin, dazu ohne legalen Aufenthaltsstatus stirbt Alfred Flechtheim dort 1937 mit 59 Jahren an den Folgen eines Unfalls.
Informationen über die verwendeten Medien
Paul Klee - Lebkuchen-Bild, Rückseite
Aus der Sammlung von
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Rechteinformation
©Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin – Stiftung Preußischer Kulturbesitz/ Foto: Andres Kilger
Beschreibung
Paul Klees Lebkuchen-Bild
Die Kunstwerke, die Alfred Flechtheim handelte und besaß, führen bis heute sein tragisches Schicksal vor Augen und halten die Erinnerung an den einflussreichen Galeristen wach. Der Provenienzforschung kommt hierbei eine besondere Aufgabe zu: Um verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut aufzufinden, ist sie verpflichtet, die genauen Umstände zu klären, unter denen diese Kunstwerke, die durch Flechtheims Hände gingen, ihre Besitzer wechselten.
Eines dieser Werke ist Paul Klees Lebkuchen-Bild von 1925 aus dem Bestand des Museum Berggruen, wie ein Aufkleber seiner Galerie auf der Gemälderückseite belegt.
Ein internationaler Ausstellungsgast
Vor 1945 kommt das Lebkuchen-Bild viel herum. Das verdankt Klee vor allem Flechtheims Engagement, denn er vertritt den Künstler als Händler.
Auf der Großen Kunstausstellung in Düsseldorf präsentiert er 1925 Klees Bild zum ersten Mal der Öffentlichkeit. 1926 folgen Ausstellungen in Dresden, Wiesbaden und Zürich, im Jahr darauf wieder in Düsseldorf, dieses Mal in seiner eigenen Galerie, sowie in Mannheim und Paris. Weitere Stationen sind Berlin, Brüssel und Antwerpen. Die Rückseite der kleinen Ölcollage dokumentiert zudem Präsentationen 1930 im Museum of Modern Art in New York und nach 1945 in Mailand und Bern.
Informationen über die verwendeten Medien
Paul Klee – Lebkuchen-Bild
Aus der Sammlung von
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Rechteinformation
©Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin – Stiftung Preußischer Kulturbesitz/ Foto: Andres Kilger
Beschreibung
Informationen über die verwendeten Medien
Katalog zur Paul Klee-Ausstellung im MoMA
Aus der Sammlung von
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Rechteinformation
Kunstbibliothek, Staatliche Museen zu Berlin – Stiftung Preußischer Kulturbesitz
Beschreibung
Im Frühjahr 1930 dann der vorläufige Höhepunkt: Das New Yorker Museum of Modern Art zeigt das Lebkuchen-Bild als eine von 63 Arbeiten Klees auf dessen erster Schau in einem amerikanischen Museum. Es ist Flechtheim, der es in Zusammenarbeit mit seinem amerikanischen Kollegen J.B. Neumann nach New York vermittelt. Obwohl der Verkauf nicht gelingt, ist es der Ritterschlag für das Bild. Im Katalog ist es als Cookie Picture unter Nr. 7 aufgeführt.
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Zeit
1930
Weitere Informationen
Klees Kommissionär
Auf die Frage, ob das Werk eine problematische Herkunft hat, gibt ein Dokument im Zentralarchiv der Staatlichen Museen zu Berlin eine eindeutige Antwort: Auch die Berliner Nationalgalerie stellt das Bild aus. 1933, im Jahr der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten, geht es am 20. September direkt an Paul Klee zurück. Wohl auch, um einer Beschlagnahmung der nun geächteten Kunst vorzubeugen. Der Kurator Alfred Hentzen bittet in dem Schreiben darum, das Bild neben drei weiteren Leihgaben zurückzuschicken, was der Depotverwalter Bähr mit einer Notiz am unteren Rand des Schriftstücks bestätigt. Flechtheim besitzt das Bild bis dato in Kommission und versucht, es im Auftrag des Künstlers zu veräußern. Der Eigentümer ist Klee.
Klee ist zu diesem Zeitpunkt bereits aus seiner Professur an der Düsseldorfer Kunstakademie entlassen und zieht mit seiner Frau in die Schweiz. Das Lebkuchen-Bild begleitet sie und bleibt bis nach dem Krieg im Familienbesitz. Seine schwindelerregende Ausstellungsgeschichte mit 15 Präsentationen in acht Jahren, maßgeblich von Flechtheim ins Werk gesetzt, ist vorerst vorbei. Dass er das Leihgeschäft an die Nationalgalerie zwar einfädelt, aber nicht mehr abschließen kann, verdeutlicht das abrupte und bittere Ende seines Wirkens, das ohne die Provenienzforschung als solche heute womöglich vergessen wäre.
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Akte
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Rechteinformation
©Staatliche Museen zu Berlin – Zentralarchiv
Beschreibung
Text der Akte: Herr Inspektor Bähr Bitte die vier Bilder an Paul Klee „Bild mit dem Hahn und dem Grenadier“ 1919 „Der Narr“ 1927 „Lebkuchenbild“ 1925 „Buchstabenbild“ 1924 An Prof. Paul Klee, Düsseldorf, Heinrichstr. 36 zu senden 20.9.33 Hentzen 3/10.33 Die obenbezeichneten Gemälde sind heute an den Besitzer zurück gesandt. Bähr
Angaben zum Objekt
Identifikator
SMB-ZA, I/ NG 859, Bl. 597
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Paul Klee, Dreimal Drei Kreuze
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Rechteinformation
©Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin – Stiftung Preußischer Kulturbesitz/ Foto: Andres Kilger
Angaben zum Objekt
Abmessung/Umfang
24,2 × 23,5 cm
Material/Technik
Aquarell und Tuschfeder auf Papier, mit Papierstreifen eingefasst, auf Leinwand
Identifikator
Inv.-Nr. NG MB 132/2000
Bekannte und unbekannte Provenienzen
Nicht immer gelingt es, wie im Falle des Lebkuchen-Bildes, geschlossene Provenienzketten von Kunstwerken zu recherchieren. Oft bleiben Lücken, weil sich die Eigentümer nicht ermitteln lassen.
Ein Beispiel dafür ist Paul Klees Gemälde Dreimal Drei Kreuze aus dem Museum Berggruen, das ebenfalls eine Flechtheim-Provenienz aufweist, deren Umstände aber auch nach umfangreichen Recherchen ungeklärt bleiben.
Da ein Anfangsverdacht nicht ausgeräumt werden konnte, wurde das Werk in der Lost Art-Datenbank gemeldet.
Die Provenienzketten beider Werke
Lebkuchen-Bild: 1925 bis 1940 Paul Klee, Düsseldorf, Bern | spätestens 1927 bis 1932 Galerie Alfred Flechtheim, Düsseldorf, Berlin (in Kommission) | 1930 J. B. Neumann, New York (in Kommission) | 1940 bis 1946 Lily Klee, Bern | 1946 bis 1947 Klee-Gesellschaft, Bern | 1947 Karl Nierendorf, Berlin, New York | bis 1954 Carlo Frua de Angeli, Mailand | 1954 bis 1957 Galerie Feilchenfeldt, Zürich | seit 1957 Werner Josten, New York | Eugene Victor Thaw & Co., New York | 1989 David Carritt Ltd., London | Acquavella Galleries, New York | Stephen Mazoh & Co., Rhinebeck | 1988 bis 1990 Heinz Berggruen, Paris | 1990 bis 1998 BIGI Co., LTD., Tokio | 1998 bis 2000 Heinz Berggruen
Drei mal drei Kreuze: 1925 bis 1929 Paul Klee, Weimar und Dessau | 1927 Galerie Alfred Flechtheim, Düsseldorf (in Kommission) | 1927 bis 1928 Rudolf Probst/Galerie Neue Kunst Fides, Dresden | 1928 bis 1929 Galerie Alfred Flechtheim, Berlin (in Kommission) | 1929 bis o. J. Alfred Flechtheim, Berlin | bis 1935 Dr. Bernatti | 1935 bis o. J. The Mayor Gallery, London | spätestens seit 1941 Leicester Galleries, London | mindestens seit 1946 The London Gallery, London | mindestens seit 1951 bis 1955 Curt Valentin Gallery, New York | 1955 bis 1965 G. David Thompson, Pittsburgh | 1965 bis 1966 G. David Thompson, Pittsburgh | Harry Torczyner, New York | bis 1998 Marcelle Torczyner, New York | 1998 bis 2000 Heinz Bergguen
Beide Kunstwerke gehören seit dem Jahr 2000 zum Bestand der Nationalgalerie im Museum Berggruen.
Die ehemalige Sammlung Heinz Berggruens wurde 2014 bis 2018 im Rahmen eines Projektes von Sven Haase und Doris Kachel auf ihre Provenienzen untersucht und die Ergebnisse in der Ausstellung Biografien der Bilder. Provenienzen im Museum Berggruen Picasso – Klee – Braque – Matisse präsentiert.
Der Autor Sven Haase ist Provenienzforscher für Bildende Kunst am Zentralarchiv der Staatlichen Museen zu Berlin.
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Mangi Marealle
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Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek/ Deutsche Fotothek/ Foto: Hans Meyer
Beschreibung
Mangi Marealle im Expeditionslager von Hans Meyer, 1887
Angaben zum Objekt
Identifikator
Fotothek / Aufn.-Nr.: df_b_0004488, Sammlung Hans Meyer
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Zeit
1887
Weitere Informationen
mangi Marealle von Marangu
Auf dem Foto aus dem Jahr 1887 sehen wir einen jungen Mann auf einem Liegestuhl. Er schaut ernst und kritisch in die Kamera und verharrt in würdevoller Distanz. Sein Name ist Melyari oder Marealle, der "Unermüdliche“. Marealle ist seit circa 1880 Herrscher (mangi) von Marangu, das sich während der deutschen Kolonialherrschaft zu einem der mächtigsten Reiche im Kilimanjaro-Gebiet (im heutigen Tansania) entwickeln wird. Besonders auffallend auf der Fotografie ist der im linken Ohr getragene Schmuck. Dieser oder ein ähnlicher wurde im Jahr 1897 als "Holzring“ unter der Nummer III E 4815 im Hauptkatalog des Königlichen Museums für Völkerkunde Berlin eingetragen.
Inventarisiert und etikettiert: Das "koloniale Archiv" und seine Leerstellen
Wie genau der im Hauptkatalog als "Holzring“ inventarisierte Ohrschmuck in den Besitz des wohlhabenden Leipziger Verlegers, Geographs, Historikers, Forschungsreisenden und späteren Kolonialpolitikers Hans Meyer (1858-1929) kam, lässt sich anhand der bisher gesichteten Quellen nicht nachweisen. Welche Bedeutung und Funktion hatte dieses Objekt für Marealle und inwiefern stand es mit seiner Position als mangi in Verbindung? Ohne Antworten auf diese Fragen lässt sich auch nicht klären, ob das Objekt überhaupt als veräußerlich galt. Die Tatsache, dass Marealle den Schmuck übergab, könnte darauf hindeuten, wie wichtig er die Beziehung zu Meyer bewertete - gerade auch vor dem Hintergrund der machtpolitischen Konkurrenz in der Region.
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Arbeitsfoto zu III E 4815
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Staatliche Museen zu Berlin – Ethnologisches Museum
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Rechteinformation
Staatliche Museen zu Berlin – Ethnologisches Museum/ Foto: Anna-Isabel Frank
Angaben zum Objekt
Identifikator
III E 4815
Weitere Informationen
Im historischen Hauptkatalog des Ethnologischen Museums Berlin ist Hans Meyer als Schenker vermerkt. Marealle wird in der Objektbeschreibung als Vorbesitzer des Ohrschmucks genannt. Bei den mehr als 8.000 Objekten aus dem festländischen Tansania, die während der deutschen und auch britischen Kolonialherrschaft angeeignet wurden, werden Namen selten erwähnt. Die meisten Vorbesitzer:innen, Nutzer:innen und Produzent:innen der Objekte bleiben anonym. Deutsche bzw. europäische "Sammler“ erwähnten meist nur ostafrikanische Würdenträger und setzten sie in Beziehung zu den Objekten. Einige dieser Objekte hatten Trophäencharakter für die Kolonisierenden. Frauen in politischen Machtpositionen sind in den kolonialen Archiven generell selten, sie bleiben meist namenlos oder werden gänzlich verschwiegen.
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Eintrag „Holzring“ (III E 4815)
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Rechteinformation
Ethnologisches Museum, Staatliche Museen zu Berlin – Stiftung Preußischer Kulturbesitz
Beschreibung
Eintrag im historischen Hauptkatalog des Ethnologischen Museums Berlin: "Mit kleinen Kupferspiralen verzierter Holzring, von Häuptling Mareale von Marangu ehemals im linken Ohrläppchen getragen. 8,9 cm Durchmesser: Dschagga"
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Verlagseinband zu Hans Meyers "Zum Schneedom des Kilimandscharo", 1888
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Rechteinformation
Staatsbibliothek zu Berlin
Beschreibung
Hans Meyer verfasste über seine erste Reise in die Kilimanjaro-Region einen Reisebericht mit 40 Fotografien. Meyer war einer der ersten, der die Fotografie systematisch und gleichwertig zusammen mit den üblichen Mitteln, wie Vermessung, Skizzen und schriftlichen Aufzeichnungen zur Dokumentation seiner Reisen und Forschungsergebnisse einsetzte. Das Portrait Marealles im Liegestuhl ist Bestandteil dieses Buchs, das Meyer für den frisch gekrönten Kaiser Wilhelm II. mit einer Widmung versehen ließ.
Weitere Informationen
Marealle - eine Annäherung
Wer war Marealle? Diese Frage kann beim jetzigen Stand der Recherchen nur bruchstückhaft und aus einer sehr eurozentrischen Perspektive beantwortet werden. Ausgangspunkt bilden zunächst die "kolonialen Archive", die Erwerbungsakten des Ethnologischen Museums, Reisebeschreibungen, wie die von Meyer 1888 veröffentlichte, sowie historische Fachliteratur. Als Marealle ca. 1880 als Herrscher von Marangu eingesetzt wurde, war er noch mittellos und Marangu als politische Einheit ohne Bedeutung. Durch eine geschickte Heiratspolitik festigte er seine Position unter den stark miteinander konkurrierenden Herrschern des relativ dicht besiedelten Kilimanjaro-Gebiets. Das gelang ihm zunehmend dadurch, dass er arabische und Swahili-Händler sowie europäische und amerikanische Reisende in Marangu willkommen hieß und Beziehungen zu diesen aufbaute.
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"Zusammenkunft in Marangu“
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Rechteinformation
Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek/ Deutsche Fotothek/ Foto: Hans Meyer
Beschreibung
Auf den Stühlen (von rechts nach links) Hauptmann Kurt Johannes, Stationschef von Moshi und mangi Marealle sowie weitere Personen. Um sie herum Angehörige der sogenannten Deutschen Schutztruppe, im Hintergrund eine Menschenmenge.
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Zeit
vermutl. 1898
Ort
Marangu
Weitere Informationen
Marealle nutzte ab den frühen 1890er Jahren seine Kontakte zu Vertretern des kolonialen Staates, um diese im Sinne seiner machtpolitischen Agenda zu instrumentalisieren. Er diskreditierte seine Rivalen gegenüber den deutschen Kolonisierenden und festigte damit zunehmend seine Position in der kolonialen Herrschaftsstruktur. So avancierte er schließlich in den 1890er Jahren zum mächtigsten mangi des östlichen Kilimanjaro-Gebietes: Er kontrollierte 27 der 44 Kleinstaaten der am Kilimanjaro lebenden Chagga und erhielt den Namen Kilamia, "der Eroberer“. Doch auch seine Position war zerbrechlich, da er vom Wohlwollen der jeweiligen deutschen Stationschefs in Moshi abhängig war. Kriegszüge gegen vermeintlich nicht kooperierende mangi sowie Exekutionen durch die Deutschen waren integraler Bestandteil kolonialer Herrschaftspraktiken. Marealle dankte schließlich im Jahre 1912 ab.
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Liste der Geschenke für mangi Marealle
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Staatsbibliothek zu Berlin
Beschreibung
aus: Hans Meyer: Zum Schneedom des Kilimandscharo, 1888
Weitere Informationen
Der Ohrschmuck gelangte höchstwahrscheinlich während seines ersten Aufenthalts am Kilimanjaro im Jahr 1887 in Meyers Besitz. Er verweilte mit seiner circa hundert Personen umfassenden Karawane mehrere Wochen bei Marealles Residenz in Manrangu. Meyer war auf die Unterstützung Marealles bei der Erforschung des Kilimanjaro angewiesen. Er übergab Marealle Geschenke, darunter in dem Gebiet gängige Tauschwaren: Stoffe, Perlen und Draht sowie Waffen und Munition, Messer, Schnupftabak, Mundharmonikas und Champagner. Er erhielt im Gegenzug die Erlaubnis, den Kilimanjaro zu besteigen sowie Nahrungsmittel zur Versorgung der Expeditionsteilnehmer. Laut Meyer schenkte ihm Marealle drei Speere, ein Ohrschmuck wird in den bisher gesichteten Quellen nicht erwähnt.
Freundschaft? Beziehung "auf Augenhöhe"?
Auch 1889, bei seinem zweiten Besuch in Marangu betonte Meyer seine freundschaftliche und persönliche Beziehung zu Marealle. Er tat dies jedoch in einer überheblich-wohlwollenden, kolonialideologisch abwertenden Art und Weise. Meyer sah sich als Repräsentant des Deutschen Reichs und wurde wohl auch als solcher wahrgenommen. Auf seiner ersten Reise begleiteten ihn Vertreter der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft (DOAG). Es ging darum, territoriale Ansprüche auf das Gebiet zu erheben. Ein dubioser, sogenannter Schutzvertrag der DOAG mit dem mangi Rindi von Moshi diente als Grundlage. Als Meyer das Kilimanjaro-Gebiet bereiste und in den Besitz des Ohrschmucks gelangte, war die deutsche Präsenz noch flüchtig und die 1887 errichtete Station der DOAG nur sporadisch besetzt. Meyer, sogenannte Forschungsreisende, europäische Missionare und Händler sowie Vertreter der DOAG waren in der zweiten Hälfe der 1880er Jahre vom Wohlwollen und der Unterstützung der mangi abhängig.
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Expeditionsteilnehmer und Angehörige der Maasai vor einem Stationsgebäude der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft (DOAG) in Moshi
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Rechteinformation
Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek/ Deutsche Fotothek/ Foto: Hans Meyer
Beschreibung
Hans Meyer (zweiter von rechts) lehnt am Treppengeländer
Angaben zum Objekt
Identifikator
Aufn.-Nr.: df_b_0004397, Sammlung Hans Meyer
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Zeit
1887
Weitere Informationen
Kristin Weber-Sinn arbeitet als Provenienzforscherin des Zentralarchivs der Staatlichen Museen zu Berlin an den Sammlungen des Ethnologischen Museums.
Unter anderem forscht sie mit Kolleg:innen des National Museum of Tanzania und der University of Dar es Salaam zu ausgewählten Objektbeständen aus Tanzania, die sich im Ethnologischen Museum Berlin und im National Museum and House of Culture in Dar es Salaam befinden (gefördert von der Gerda Henkel Stiftung, in Kooperation mit der Humboldt-Universität zu Berlin).
Die bisherigen Perspektiven und Ergebnisse der Provenienzforschung, basierend auf den "kolonialen Archiven", sollen durch die kooperative Forschung nicht nur erweitert, sondern kritisch hinterfragt werden.
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Grundriss Carinhall
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Rechteinformation
©Deutsches Historisches Museum/ Foto: S. Ahlers
Beschreibung
Grundrisszeichnung für die dritte Erweiterung des Waldhofes mit Kunstmuseum, am 12 Januar 1945 von Göring zu seinem 52. Geburtstag präsentiert.
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Zeit
1945
Ein Jagdhaus in der Schorfheide
Noch vor Kriegsende ließ Hermann Göring (1893-1946) seinen Kunstpalast Carinhall sprengen. Herrenlose Kunstgegenstände blieben vor Ort zurück.
In der Antikensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin werden einige Kunstwerke aus Carinhall aufbewahrt, die in den Besitz der Bundesrepublik Deutschland übergegangen und dem Museum als Dauerleihgaben zur Verfügung gestellt worden sind.
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Römischer Löwensarkophag
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Rechteinformation
Antikensammlung, Staatliche Museen zu Berlin – Stiftung Preußischer Kulturbesitz/ Foto: G. Geng
Beschreibung
Der Löwensarkophag SL 3.2-2 (Lei 43) ist geriefelt, in der Mitte befindet sich ein mandelförmiges Feld, eine sogenannte Mandorla. Der Wannenrand ist mit einem Eierstabfries dekoriert.
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Zeit
250-300 n.Chr.
Im Neuen Museum kann man einen beeindruckenden Marmorsarkophag bewundern, der an beiden Seiten einen schreitenden, zurückgewandten Löwen zeigt.
Das Stück stammt aus der Sammlung des Nazi-Funktionärs Hermann Göring in Carinhall und ist eine Dauerleihgabe der Bundesrepublik Deutschland in der Antikensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin.
Carinhall
In Carinhall, am idyllischen Großen Döllnsee in der Schorfheide gelegen, ließ Göring 1933 ein Jagdhaus errichten, das nach umfangreichen Erweiterungsbauten in den Jahren 1936-1937 zum repräsentativen Wohnsitz Görings wurde. Dort waren auch seine zahlreichen Kunstwerke untergebracht, die er spätestens seit den frühen 1930er Jahren gesammelt hatte. Bekanntlich profitierte Göring bei der Zusammenstellung seiner Sammlung unter anderem von Beschlagnahmungen in den von deutschen Truppen besetzten Gebieten. Unter seinen Kunstwerken befanden sich auch Objekte aus jüdischem Besitz.
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Carinhall, Innenhof mit Bronzehirsch
Carinhall Uckermark Brandenburg Deutschland
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Rechteinformation
©bpk-Bildagentur
Angaben zum Objekt
Identifikator
Bild-Nr. 10010068
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Zeit
1937
Löwen und Kunst
Der Löwensarkophag wurde 1942 vom Kunsthändler Andreas Hofer (seit 1941 "Direktor der Kunstsammlung des Reichsmarschalls“) bei dem italienischen Kunsthändler Ugo Jandolo in Rom gekauft.
In einem Brief an Göring vom 14. Oktober 1942 berichtet Hofer:
Jandolo, Rom. Nach langwierigen Verhandlungen erwarb ich den prachtvollen roemischen Sarkophag mit den beiden grossen Loewen in Halbrelief (…) Der Besitzer des Sarkophages hatte inzwischen von dem Haendler, der den Sarkophag in Kommission hatte, erfahren, dass das Stueck fuer Sie bestimmt war & wollte ploetzlich nicht mehr verkaufen! Natuerlich, sollte das dem Gauner nur als Vorwand dienen, mich zu veranlassen, einen weit hoeheren Preis zu bieten. Nach tagelangen Verhandlungen erwarb ich beide Objekte zum urspruenglichen Preis von L. 100.000.- fuer den Sarkophag (...), plus 10% vereinbarte Vermittlungsgebuehr. Der Sarkophag ist weitaus schoener & wichtiger als der von Ihnen im Fruehjahr von Brasini erworbene, dazu bis auf unwichtige Kleinigkeit fehlerfrei erhalten, er wird Ihnen eine grosse Freude bereiten.
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Brief an Göring
Andreas Hofer an Hermann Göring
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Rechteinformation
Fold3 - Historical military records
Beschreibung
Records of the American Commission for the Protection and Salvage of Artistic and Historical Monuments in War Areas (The Roberts Commission), 1943-1946. Subject Files, compiled 1944 - 1946, documenting the period 1940 - 1946. Contini - Bonacossi - Goering. National Archives Catalog id 1537311, NARA M1944, roll 0088, page 43, retrieved Febuary 26, 2021
Weitere Informationen
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Hermann Göring mit seiner zweiten Frau Emmy und seinem jungen Löwen in Carinhall
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Rechteinformation
©bpk-Bildagentur, Foto: Heinrich Hoffmann
Beschreibung
Anläßlich des Besuchs von Charles Lindbergh
Angaben zum Objekt
Identifikator
Bild-Nr. 30041622
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Zeit
Aufnahmedatum: 28.07.1936
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Ruine von Carinhall in der Schorfheide
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Rechteinformation
©bpk-Bildagentur/ Herbert Hensky
Angaben zum Objekt
Identifikator
Inventar-Nr.: Hy 245/342-6A 10010552
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Zeit
Aufnahmedatum: 16.05.1948
Ort
Carinhall
Weitere Informationen
Das Ende von Görings Jagdschloss
Das Anwesen wurde im April 1945 auf Görings Befehl gesprengt, um die Eroberung durch die sowjetischen Truppen zu verhindern. Obwohl bereits seit Februar Vorbereitungen getroffen worden waren, um die wertvollsten Kunstwerke nach Burg Veldenstein zu transportieren, wo Göring einen Bunker für die Sicherung seiner Sammlung hatte bauen lassen, verblieben noch zahlreiche Objekte in Carinhall. Aus der Zeit der Einnahme Carinhalls durch die Rote Armee sind keine offiziellen Unterlagen bekannt.
Und wie sah Karinhall aus, als die Zentralstelle nach Abzug der Russen im Juni 1946 mit der Bergung begann? Ein Trümmerhaufen.So berichtet Kurt Reutti, Leiter des Bergungsamtes vom Magistrat von Groß-Berlin ("Zentralstelle zur Erfassung und Pflege von Kunstwerken“).
Und trotzdem waren noch zahlreiche Kunstwerke vorhanden:
z.T. im Freien liegend, z.T. in den gesprengten Bunkern und Bunkergängen(…)
Unter diesen Kunstwerken befand sich auch der Löwensarkophag – er war in Carinhall geblieben.
Der Sarkophag auf der Museumsinsel
Der Sarkophag wurde nach dem Krieg in Carinhall geborgen und an die Berliner Antikensammlung überwiesen. Das Foto zeigt ihn bei der Reinigung durch Mitarbeiterinnen nach dem Transport auf die Museumsinsel. Die Aufnahme lässt sich in die Zeit direkt nach der Überweisung aus der "Zentralstelle“ datieren.
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Löwensarkophag auf der Museumsinsel
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Rechteinformation
Staatliche Museen zu Berlin – Zentralarchiv
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Zeit
um 1947
Die Erforschung der Provenienz archäologischer Objekte erfolgt unter mehreren Gesichtspunkten: Auch wenn sie im Zeitraum von 1933 bis 1945 nicht verfolgungsbedingt entzogen wurden, muss überprüft werden, ob sie zum Fremdbesitz gehören oder illegal ausgegraben bzw. gehandelt wurden.
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Übersichtskarte über die Reise des Captain J. A. Jacobsen an der Nordwestküste Amerika's
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Rechteinformation
©Verlag Max Spohr, Leipzig
Angaben zum Objekt
Abmessung/Umfang
8°, 413 S.
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Beteiligte Personen und Organisationen
L. von der Vecht
Zeit
1881-1883
Ort
Leipzig
Weitere Informationen
Chenega Island: Bereist im Auftrag des Königlichen Museums für Völkerkunde
Im Auftrag des damaligen Königlichen Museums für Völkerkunde bereiste der norwegische Seefahrer Johan Adrian Jacobsen zwischen 1881 und 1883 die amerikanische Nordwestküste und Alaska. Auf den Inseln Chenega und Nuchek erwarb er größere Sammlungen ethnologischer Objekte, auf Chenega Island fast 200, darunter auch einen auffälligen Hut.
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Jagdhut der Chugach
Aus der Sammlung von
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Ethnologisches Museum, Staatliche Museen zu Berlin – Stiftung Preußischer Kulturbesitz/ Foto: Martin Franken
Angaben zum Objekt
Identifikator
IV A 6174
Jagdhut der Chugach
Bei dem aus Fichte geflochtenen Hut handelt es sich vermutlich um eine Kopfbedeckung für die Jagd. Das herausragende Design erinnert eher an die Motive der amerikanischen Nordwestküste. Er ist mit zahlreichen bunten Perlen dekoriert. Auffallend sind die langen Schnurrhaare eines Seelöwen. Die rote und schwarze Farbe auf dem Hut ist bereits leicht verblasst und lässt nur noch erahnen, wie farbenfroh er einmal gewesen sein muss. Einen solchen Hut trugen die Männer auf See während der Jagd. Einerseits schützte er sie vor Regen und Wasser und andererseits diente er dem Jäger als Tarnung.
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Chugach Alaska
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Rechteinformation
Diego Delso
Weitere Informationen
Chugach, Alaska - Eine Region im Zentrum europäischer Interessen
Mitte des 18. Jahrhunderts siedelten sich russische Pelzhändler in der Region an und kolonisierten das südliche Alaska. Die Siedler entführten einheimische Frauen und Kinder, die Männer mussten Zwangsarbeit leisten und Krankheiten verbreiteten sich so schnell, dass viele Menschen starben. Am Anfang des 20. Jahrhunderts dezimierte eine Pockenepidemie die Bevölkerung drastisch und ein Erdbeben mit darauffolgendem Tsunami zerstörte einen Großteil der Gebäude vieler Ortschaften. 1989 ereignete sich der folgenschwere Unfall des Öltankers Exxon Valdez, der die gesamte Küste verseuchte.
Die politische Situation der indigenen Bevölkerung Alaskas änderte sich im Jahr 1971, als die US-Regierung den Alaska Native Claims Settlement Act (ANCSA) erließ, in dessen Folge auch die Chugach Alaska Corporation gegründet wurde, die nun selbstbestimmt über ihr Land und dessen Ressourcen verfügen kann. Seitdem setzt sie sich auch für die Bewahrung ihres kulturellen Erbes ein.
Von Alaska nach Berlin
Ende des 19. Jahrhunderts verbrachten Forscher und Reisende Tausende von Objekten aus dem südlichen Alaska in europäische und amerikanische Museen.
Johan Adrian Jacobsen allein sandte über 3.000 Objekte aus Alaska nach Berlin, darunter zahlreiche menschliche Überreste aus Gräbern.
Seine Sicht auf die indigenen Bewohner zeigt, mit welcher Überheblichkeit die Europäer glaubten, dass sich diese Kulturen einer westlichen Zivilisation anpassen würden.
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Museum für Völkerkunde – Blick in den Saal der nordwestamerikanischen Sammlungen
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Ethnologisches Museum, Staatliche Museen zu Berlin – Stiftung Preußischer Kulturbesitz
Rückkehr nach Berlin
Im November 1883 kehrte Jacobsen nach Berlin zurück. Dort entpackte und katalogisierte er seine Sammlungen, die bereits im Museum eingetroffen waren. Nebenbei bereitete er mithilfe eines Journalisten seine Tagebücher für die Veröffentlichung vor, die 1884 unter dem Titel "Capitain Jacobsen’s Reise an der Nordwestküste Amerikas 1881–1883: zum Zwecke ethnologischer Sammlungen und Erkundigungen nebst Beschreibung persönlicher Erlebnisse“ erschienen.
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Johan Adrian Jacobsen
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©Ethnologisches Museum – Staatliche Museen zu Berlin
Jacobsens Reisebericht
In seinem Reisebericht erwähnt Jacobsen zu den Objekten von Chenega Island lediglich:
Am Abend kehrten wir nach dem Dorfe zurück, in dem ich alle ethnographischen Gegenstände kaufte, die zu haben waren. […] Die ethnographischen Gegenstände, welche ich hier kaufte, bestanden aus Steinäxten, hölzernen Tellern mit eingelegter Perlenarbeit, grossen Steinlampen, Perlenarbeiten, Jacken aus Adlerhäuten u.a.m.
Der Hut wird also im Reisebericht gar nicht erwähnt, gehört aber vermutlich zu denjenigen Objekten, die Jacobsen auf Chenega Island erwarb. Solche Hüte waren wertvolle Familienerbstücke. Warum wurde dieses auffallende und wichtige Objekt nicht weiter genannt?
Wie bei vielen anderen Gegenständen in den Sammlungen des Ethnologischen Museums sind und bleiben die genauen Erwerbungsumstände des Jagdhutes aus dem südlichen Alaska unbekannt.
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„Capitain Jacobsen’s Reise an der Nordwestküste Amerikas 1881–1883: zum Zwecke ethnologischer Sammlungen und Erkundigungen nebst Beschreibung persönlicher Erlebnisse“
Aus der Sammlung von
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©Verlag Max Spohr
Angaben zum Objekt
Identifikator
Ut 5478
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Besuch einer Delegation der Chugach im November 2019
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©Ethnologisches Museum, Staatliche Museen zu Berlin – Stiftung Preußischer Kulturbesitz/ Foto: Timo Weißberg
„Was ist mit unseren Vorfahren passiert?“
Im Herbst 2015 reiste eine Delegation der Kulturorganisation Chugachmiut nach Berlin mit dem Ziel, eine Kooperation für eine virtuelle Sammlung aller Chugach-Objekte weltweit aufzubauen. Im Depot des Ethnologischen Museums kam es dabei zu einem emotionalen Moment, als John Johnson, Vizepräsident der Chugach Alaska Corporation, aus dem Reisebericht von Johan Adrian Jacobsen vorlas. Darin beschreibt Jacobsen, wie er die menschlichen Überreste aus Gräbern entnimmt, darunter eine Frau und ein Kind, deren Knochen in Jacobsens Händen zerfallen.
Was ist mit unseren Vorfahren passiert?
will John Johnson heute wissen.
Rückgabe und Zukunft
2018 gab die Stiftung Preußischer Kulturbesitz neun Objekte, die Jacobsen aus Gräbern entwendet hatte, an die Chugach Alaska Corporation zurück. Der Verbleib der menschlichen Überreste konnte nicht geklärt werden und wird im Rahmen der Provenienzforschung kooperativ erforscht.
Die weiteren über 200 Objekte aus der Region verblieben in den Sammlungen des Ethnologischen Museums und sind nun Teil gemeinsamer Forschung. Dazu besuchte 2019 erneut eine Delegation von Vertretern der Chugach das Ethnologische Museum.
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Prof. Dr. Hermann Parzinger, Präsident der SPK, übergibt von Jacobsen entwendete Grabbeigaben an John Johnson, Vice-President der Alaska Chugach Corporation
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©Stiftung Preußischer Kulturbesitz/ photothek.net/ Foto: Felix Zahn
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Zeit
Mai 2018
Ort
Berlin
Als Provenienzforscher am Zentralarchiv der Staatlichen Museen zu Berlin arbeitet Ilja Labischinski gemeinsam mit Kolleg:innen des Ethnologischen Museums und Vertreter:innen der Chugach an Projekten zur Provenienz, Vermittlung und Ausstellung der Objekte und des damit verbundenen Wissens.
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Mosse Palais Berlin Site Plan
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Rechteinformation
©HDS Architecture
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Beteiligte Personen und Organisationen
Hans Strauch
Palais Mosse - Leipziger Platz 15 / Voßstraße 22
In einem Garten in der Voßstraße wird unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkrieges ein beeindruckender Löwe aus Kalkstein sichergestellt.
Wenig später taucht er auf der Museumsinsel auf. Aber wem gehörte er?
Großer liegender Panther, Marmor. Sichergestellt aus einem Garten in der Voßstraße.
Kurt Reutti, Mitarbeiter des Berliner Magistrats in einem internen Bericht
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Liegender Löwe
Historische Aufnahme
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Alte Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin – Stiftung Preußischer Kulturbesitz
Beschreibung
Der "Liegende Löwe" entstand als Auftragsarbeit des führenden Berliner Zeitungsverlegers Rudolf Mosse für die Eingangshalle seines Palais am Leipziger Platz.
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Beteiligte Personen und Organisationen
August Gaul
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Blick aus dem Hof des Palais von Rudolf Mosse Voßstraße 22
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©Kunstbibliothek, Staatliche Museen zu Berlin – Stiftung Preußischer Kulturbesitz/ Foto: Willy Römer
Beschreibung
Die Aufnahme zeigt im Hintergrund die Trümmer der Neuen Reichskanzlei, 1945
Panther oder Löwe?
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Rudolf Mosse, um 1910
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©bpk-Bildagentur
Angaben zum Objekt
Identifikator
Bild-Nr.: 10002695
In einem repräsentativen Palais auf einem Grundstück zwischen Leipziger Platz und Voßstraße wohnte der deutsch-jüdische Verleger Rudolf Mosse (1843-1920). Er eröffnete 1867 mit geliehenem Startkapital in der Friedrichstraße 60 die "Rudolf Mosse Zeitungs-Annoncen-Expedition“ und setzte damit eine kühne Idee um: Als einer der ersten Verleger pachtete er ganze Seiten in Zeitungen, die er dann an Werbekunden für Anzeigen verkaufte. Damit traf Mosse den Nerv der Zeit, denn der sich rasant entwickelnde Pressemarkt mit steigenden Auflagen erhöhte auch die Herstellungskosten. Der Verkauf von Platz für Werbeanzeigen war also ein willkommenes Mittel zur Erhöhung der Einnahmen der Zeitungen.
Bereits fünf Jahre später hatte das Unternehmen über 250 Niederlassungen im In- und Ausland und warb selbstbewusst mit "Inseraten-Annahme für sämmtl. existirende Zeitungen der Welt“. Ab 1871 erschien in Mosses Verlag die auflagenstarke Tageszeitung "Berliner Tageblatt“, die sich bis 1933 zur größten liberalen Tageszeitung in Deutschland entwickelte und zu den am meisten gelesenen deutschen Blättern im Ausland zählte.
Stadtresidenz am Leipziger Platz
Sein umfangreiches Privatvermögen nutzte Mosse auch als Förderer und Mäzen, er stiftete große Summen für jüdische Organisationen sowie für Ferienkolonien, Arbeiterlandheime und mittellose Kranke, gründete u.a. ein Erziehungsheim für Waisenkinder und eine Pensionskasse für seine Angestellten. Auch die Berliner Museen wurden großzügig von ihm unterstützt, 1891 stellte er 30.000 Mark zum Ankauf ägyptischer Altertümer zur Verfügung. Ein Jahr später kamen weit über 600 Objekte als "Schenkung Rudolf Mosse“ in das Ägyptische Museum.
In den 1880er Jahren ließ sich Mosse die neue Stadtresidenz am Leipziger Platz bauen und stattete sie mit Kunstwerken und einer Bibliothek aus. Die überlieferten Kataloge zeigen eine erlesene Sammlung und auch unseren Löwen. Mosse galt als großer Liebhaber von Skulpturen und hatte August Gaul 1902 den Auftrag erteilt, einen Löwen in Stein für sein neues Palais zu schaffen.
Nach seinem Tod 1920 wurde sein Palais zu einer öffentlich zugänglichen Galerie, der Verlag wurde von seinem Schwiegersohn Hans Lachmann-Mosse weitergeführt.
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Palais von Rudolf Mosse, in der Voßstraße 22
(1934 – 1945 Sitz der Akademie für Deutsches Recht)
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©bpk-Bildagentur/ Foto: Atelier Bieber/Nather
Angaben zum Objekt
Identifikator
40001368
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Zeit
1935
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Emigration und Enteignung 1933
Die Machtübernahme der Nationalsozialisten im Januar 1933 machte schließlich das wirtschaftliche Überleben des bereits angeschlagenen jüdischen Verlagshauses und der führenden liberalen Zeitung Deutschlands gänzlich unmöglich. Den Erben Rudolf Mosses, seiner Adoptivtochter Felicia Lachmann-Mosse mit ihrem Mann und ihren drei Kindern, gelang im März 1933 die Emigration in die Schweiz. Ihr gesamtes privates Vermögen, die Immobilien und die Kunstsammlung wurden beschlagnahmt, der Verlagskonzern arisiert. 1934 wurde die Kunstsammlung im Auktionshaus Rudolph Lepke in Berlin versteigert. Aus dieser Auktion gelangten weitere Objekte in die Staatlichen Museen zu Berlin, allerdings auf sehr verschiedenen Wegen und bis in die 1970er Jahre. Kein Objekt wurde von den Museen direkt auf der Auktion erworben.
Auch das Palais am Leipziger Platz eigneten sich die Nazis an, hier zog die NS-Akademie für Deutsches Recht unter ihrem Präsidenten Hans Frank ein, dem späteren Generalgouverneur von Polen. Der Löwe wurde nicht auf der Auktion der Mosse’schen Kunstsammlung 1934 angeboten, er blieb bis zum Ende des Krieges vor Ort, als ihn schließlich Kurt Reutti im Garten des Grundstücks an der Voßstraße entdeckte und bergen ließ.
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Sowjetische Besatzungssoldaten posieren am Löwen
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©bpk-Bildagentur/ Foto: Friedrich Seidenstücker
Angaben zum Objekt
Identifikator
Inventar-Nr.: Se 1-0516 30012303
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Beteiligte Personen und Organisationen
August Gaul
Zeit
1945
Ort
Berlin
Ein neuer Ort für den Löwen
Das Wissen um die Geschichte des Löwen bildete den Ausgangspunkt für die weitere Suche nach Werken aus der Sammlung Mosse in den Häusern der Staatlichen Museen zu Berlin. Es kamen neun Werke in vier verschiedenen Museen zum Vorschein. Fast jedes Objekt hat eine eigene spannende Geschichte, von seiner Entstehung über seinen Platz in der Kunstsammlung von Rudolf Mosse bis hin zur Erwerbung durch das Museum. Alle neun wurden 2015/2016 an die Erben der Familie Mosse restituiert. Drei bedeutende Werke wurden zurückgekauft und befinden sich noch heute auf der Museumsinsel: Ein römischer Sarkophag mit Erotendarstellungen aus der Antikensammlung ist im Neuen Museum ausgestellt. Die Marmor-Skulptur Susanna von Reinhold Begas ist in der Alten Nationalgalerie zu sehen. Der Löwe von August Gaul thront seit Sommer 2019 herrschaftlich im oberen Foyer der James-Simon-Galerie auf der Museumsinsel und begrüßt hier die Besucher, wie einst im Palais von Rudolf Mosse.
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Liegender Löwe im Foyer der James-Simon-Galerie
Aus der Sammlung von
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©Alte Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin – Stiftung Preußischer Kulturbesitz / Foto: Dirk von Becker
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Beteiligte Personen und Organisationen
August Gaul
Die Recherchen zum "Löwen“ wurden von Petra Winter im Rahmen des Provenienzforschungsprojekts zur "Galerie des 20. Jahrhunderts“ begonnen und 2012 bis 2014 auf weitere Werke aus der Sammlung Mosse in den Staatlichen Museen zu Berlin ausgedehnt.
Die proaktive Recherche und das Auffinden von NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kunstwerken in den Museen ist seit vielen Jahren erklärtes Ziel der Staatlichen Museen zu Berlin.
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Goethes Gartenhaus und Exlibris Erich Schmidt (Collage)
Aus der Sammlung von
Staatsbibliothek zu Berlin, Wikimedia Commons
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Wikicommons und Staatsbibliothek/ Bildbearbeitung: Doris Antonides-Heidelmeyer
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Zeit
um 1900
Ort
Weimar
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Wie wurde Goethes Gartenhaus zu Raubgut?
In der Staatsbibliothek waren bei der Provenienzerschließung immer wieder Bände mit einem Exlibris erfasst worden, das Goethes Gartenhaus zeigt. Die weiteren Forschungen führten auf die Spur eines prominenten Berliner Raubgut-Falles.
Das Exlibris
In einer Neorokoko-Kartusche die unverkennbare Ansicht des Gartenhauses am Rande des Parks an der Ilm, darüber, um jeden Zweifel zu beseitigen, noch die Büste des großen Dichters – eindeutiger kann man die Verbindung zu Goethe und der Weimarer Klassik nicht bildlich evozieren. Der Wallfahrtsort für alle Literaturliebhaber diente – so die unten angebrachte Schriftplakette – zur Kennzeichnung der "Bibliothek von Erich Schmidt“. Die Signatur "G. Otto 96.“ verrät, dass diese Kleingraphik zu den zahlreichen Exlibrisentwürfen des zunächst im väterlichen Geschäft Unter den Linden ausgebildeten Graphikers George Eugène Otto zählt, die er seit 1889 als Schüler Emil Doeplers in Berlin anfertigte.
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Exlibris Erich Schmidt
Goethes Gartenhaus
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Rechteinformation
Staatsbibliothek zu Berlin
Dank dieses prägnanten Exlibris lässt sich der darauf genannte "Erich Schmidt“ sofort als der bekannte Lessing- und Goethe-Forscher dieses ansonsten durch seine Häufigkeit schwer individualisierbaren Namens erkennen.
Nach dem Schulabschluss in Schulpforta studierte der Professorensohn Erich Schmidt in Graz, Jena und Straßburg klassische Philologie, promovierte aber 1874 bei Wilhelm Scherer in neuerer deutscher Literaturgeschichte. Ein Jahr später habilitierte er in Würzburg und trat 1877 Scherers Nachfolge in Straßburg an. 1880 ging Schmidt als Professor nach Wien und wurde 1885 Direktor des neugegründeten Goethe-Archivs in Weimar. 1887 folgte er wiederum Scherer als Professor für neuere deutsche Literaturgeschichte an der Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin nach, wurde Gründungsdirektor des Germanistischen Seminars und war 1909 bis 1910 Rektor der Universität. Von 1906 bis zu seinem Tod war er Präsident der Goethe-Gesellschaft in Weimar, bereits 1895 wurde er als ordentliches Mitglied in die Preußische Akademie der Wissenschaften aufgenommen.
Schmidt war in den literarischen Salons Wiens und Berlins zu Hause und als Hochschullehrer und Wissenschaftsorganisator breit vernetzt.
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Erich Schmidt
Literaturwissenschaftler 1853-1913
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George Grantham Bain Collection
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Die Gelehrtenbibliothek Erich Schmidts
"Die Bibliothek eines grossen und gelehrten Mannes ist mehrenteils ein charakteristischer Beitrag zur Denkweise und Biographie desselben.“
(aus dem oft zitierten Vorwort zum Versteigerungskatalog der Bibliothek Johann Gottfried Herders von 1804)
Erich Schmidt besaß mit rund 10.000 Bänden eine umfangreiche germanistische Bibliothek, die auch viele bibliophile Stücke wie Erstausgaben und Widmungsexemplare umfasste. Besonderer Schwerpunkt seiner Sammlung waren Werke von und über Goethe, aber auch Lessing und Kleist. Gleichzeitig erhielt Schmidt als Förderer moderner Literatur von der nachklassischen Zeit bis zum Naturalismus zahlreiche Widmungs- und Rezensionsexemplare zeitgenössischer Autoren. Neben dem Exlibris und einem Stempel aus seiner Wiener Zeit hinterließ Erich Schmidt häufig handschriftliche Annotationen und seinen Namenszug in den Büchern, so dass sich meist gut erkennbare Provenienzspuren finden lassen.
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Sammelband „Maler Müller“
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Staatsbibliothek zu Berlin
Beschreibung
Sammelband mit zwei Werken des als „Maler Müller“ bekannten Goethe-Zeitgenossen, darunter der 1778 erschienene Faust. Auf dem Vorsatz ein handschriftliches Inhaltsverzeichnis des Erlanger Sprachwissenschaftlers Rudolf von Raumer, der den Band nach eigenem Bekunden 1867 erwarb. Unter Raumers Eintrag der Namenszug „Dr. E. Schmidt“, der diesen Sammelband offenbar 1877 beim Verkauf der Bibliothek des verstorbenen Professor Raumer durch Eduard Besold's Antiquarium in Erlangen (Katalog 42, der Sammelband unter der Nummer 2710) erwarb und ihn anschließend mit seinem Gartenhaus-Exlibris versah.
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Voßstr. 22, Mosse Palais
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©Christoph Neubauer
Beschreibung
Ausschnitt aus der DVD „Die Voßstraße“
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Die Bibliothek Erich Schmidt im Palais Mosse
Nach dem Tod von Erich Schmidt am 29. April 1913 kaufte der Berliner Verleger Rudolf Mosse, vor einer geplanten Auktion, die komplette Bibliothek des Sammlers von dem Berliner Antiquar Martin Breslauer an und rettete sie so vor der Zerschlagung. Separiert wurde jedoch die Autographen-Sammlung Schmidts: Diese wurde 1914 tatsächlich von Breslauer einzeln angeboten und verkauft.
Rudolf Mosse ließ die Bibliothek im Erdgeschoß des für ihn im neobarocken Stil errichteten und prunkvoll ausgestatteten Palais am Leipziger Platz 15 / Voßstraße 22 aufstellen und machte sie ab März 1914 an vier Tagen der Woche für jeweils zwei Stunden unter Aufsicht öffentlich zugänglich. Als Bibliothekar engagierte er Hans von Müller. Ob das vierbändige, maschinenschriftliche und alphabetisch geordnete "Verzeichnis der Büchersammlung Rudolf Mosse <früher Univ.-Prof. Erich Schmidt>" aus dieser Zeit stammt oder erst beim späteren Verkauf der Sammlung entstand, ist noch ungeklärt.
Überraschenderweise bleibt die von Rudolf Mosse in seinem siebzigsten Lebensjahr erworbene und damit vor der Zerschlagung gerettete Bibliothek Erich Schmidt bis heute fast der einzige für den gelernten Buchhändler und international agierenden Verleger nachweisbare Buchbesitz.
Eine Ausnahme gibt es, die persönlicher nicht sein könnte: Das als Geschenk für Rudolf Mosse anlässlich seines 70. Geburtstages am 8. Mai 1913 zusammengetragene Gratulationsalbum versammelte 302 Beiträge, von denen heute noch 263 erhalten sind.
Die parallel von der Redaktion des Albums herausgegebene Druckausgabe enthält die Texte sowie Hinweise auf die Illustrationen und vermittelt so einen Eindruck auch der heute im Original fehlenden Gratulationen und vom ursprünglichen Einband.
Zum Digitalisat des Mosse-Albums
Zum Digitalisat der Druckausgabe
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Gratulationsblatt von Emilie Mosse
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Staatsbibliothek zu Berlin
Beschreibung
Die handschriftlichen Geburtstagsgratulationen der Prominenz aus Presse, Politik, Kunst, Theater, Wissenschaft und Religion, aber auch von Rudolf Mosses Mitarbeitern und Familie wurden mit zahlreichen Originalfotografien, Zeichnungen, Aquarellen und sogar eigenhändigen Kompositionen ausgeschmückt. Nachdem die Gratulantinnen und Gratulanten vom Reichstagsabgeordneten Dr. Bruno Ablass bis zum Maler Heinrich Zille und dem Journalisten Fedor von Zobeltitz die Bögen gestaltet hatten, wurden je zwei zur Vorder- und Rückseite eines Blattes zusammengebracht, die Blätter dann mit Goldschnitt versehen und in zwei eigens für das Album entworfenen Klemmmappen in vermutlich grob alphabetischer Ordnung zusammengefasst.
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Gezeichnete Gratulation des Karikaturisten Hermann Wilke aus dem Mosse-Album
Das von dem Braunschweiger Karikaturisten Hermann Wilke (1876-1950) gestaltete Gratulationsblatt kombiniert geschickt eine Zeichnung mit dem eigenen Porträtfoto. Der ständige Mitarbeiter der satirischen Wochenzeitschrift Ulk, damals eine auflagensteigernde Gratisbeilage für mehrere Zeitungen aus dem Mosse-Verlag, widmet seinem Arbeitgeber einen von den Mosse-Zeitungsprodukten geprägten "Blick in seine Vaterstadt“: Vom unten vor dem Haus platzierten älteren Ehepaar, sie in den illustrierten Welt-Spiegel und er ins Berliner Tageblatt vertieft, über den gutsituierten dicklichen Leser der Volks-Zeitung im ersten Stock bis zu dem über den Ulk lachenden Jüngling unterm Dach.
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Gezeichnete Gratulation des Karikaturisten Hermann Wilke aus dem Mosse-Album
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Staatsbibliothek zu Berlin
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Beteiligte Personen und Organisationen
Hermann Wilke
Weitere Informationen
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Widmung Paul Lindau an Frau Mosse
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Staatsbibliothek zu Berlin
Beschreibung
Paul Lindau, Im Fieber, Novelle, Breslau 1890
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Identifikator
SBB-PK Berlin 33 MA 12016
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Als zweite Ausnahme im Sinne persönlicher Provenienzspuren konnte ein weihnachtliches Buchgeschenk an Mosses Ehefrau Emilie identifiziert werden: Am 23. Dezember 1889 widmete der Journalist, Dramaturg und Schriftsteller Paul Lindau "Seiner liebenswürdigen Freundin Frau Rudolf Mosse in freundschaftlicher Verehrung“ seine frisch erschienene Novelle Im Fieber.
Von Rudolf Mosse selbst hinterlassene Spuren – seien es handschriftliche Notizen, wenigstens ein Namenszug oder ein Erwerbungsdatum, gar ein von ihm beauftragtes Exlibris – konnten in keinem der bisher untersuchten Bände entdeckt werden. Fassbar wird Mosse in Bezug auf Bücher als Geschäftsmann und Mäzen, nicht als Leser.
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Gratulationsblatt von Raffael Schuster-Woldan
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Staatsbibliothek zu Berlin/ Bildbearbeitung: Doris Antonides-Heidelmeyer
Beschreibung
Das Mosse-Album wurde beim Verkauf der Bibliothek offenbar vom Antiquariat Agnes Straub erworben, das die Mappen auflöste und bis 1945 mehrfach Blätter oder demontierte Vorder- bzw. Rückseiten einzeln als Autographen anbot und verkaufte, so dass heute 39 Beiträge fehlen. Über den in den Akten der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften dokumentierten Verkauf der Restbestände aus dem Antiquariat Straub gelangten 1952/1953 "242 Fotos aus Sammlung Rudolf Mosse (Autographen)" an die Öffentliche Wissenschaftliche Bibliothek (eine Vorgängerinstitution der heutigen Staatsbibliothek) und wurden 1966 schließlich in der Handschriftenabteilung unter der Signatur Alb. amic. 141 akzessioniert. Dank des unverkauft gebliebenen Blattes mit einer Rötelzeichnung von Raffael Schuster-Woldan und der in der unteren rechten Ecke erkennbaren Bleistiftnotiz "112/393“ mit dem Preis 30.- [RM] lässt sich das Antiquariat Agnes Straub als Verkäufer einzelner Blätter des Albums festmachen. Die durch die Provenienzerschließung vielfach dokumentierten Spuren des Antiquariats erlauben eine eindeutige Zuweisung und die Auflösung der unscheinbaren Notiz als Hinweis auf die Angebotsnummer 393 im Straub-Katalog Nr. 112 (ca. 1940).
Weitere Informationen
Enteignung und Verkauf durch das NS-Regime
Für die Nationalsozialisten war die Familie Mosse ein Symbol der verhassten "jüdischen Presse“. Sie wurde unmittelbar nach der Machtübernahme wegen ihres jüdischen Glaubens und auch wegen ihrer politischen Haltung verfolgt. Rudolf Mosses Adoptivtochter und Erbin Felicia und ihr Mann Hans Lachmann-Mosse emigrierten noch in der ersten Jahreshälfte 1933 über die Schweiz und Frankreich in die Vereinigten Staaten.
Der Mosse-Konzern wurde in ein Vergleichsverfahren getrieben. Den Lachmann-Mosse-Besitz "verwaltete“ und "verwertete“ sodann die Mosse-Treuhandverwaltungs-GmbH, die Immobilien übertrug der NS-Staat eigenen Institutionen wie Hans Franks Akademie für Deutsches Recht, der wertvolle Kunstbesitz wurde 1934 versteigert.
Nach der Einziehung des Privateigentums der Familie Mosse begann 1934 über mehrere Antiquariatsbuchhandlungen auch der Verkauf der Bibliothek aus dem Mosse-Palais, wobei die Provenienz Erich Schmidt in den Vordergrund gestellt wurde. Involviert war bereits zu Beginn die Buchhandlung von Sophie Szczepanski in Berlin-Charlottenburg, von der die Staatsbibliothek damals kaufte. Ebenfalls noch 1934 erschien ein Katalog des Berliner Wertheim-Antiquariats "gemeinsam mit Antiquar Friedrich Korn“, anschließend Katalogangebote von den Berliner Antiquariaten Agnes Straub und Der Bücherwurm.
Weiterverteilung in der DDR:
Die Rolle der Zentralstelle für wissenschaftliche Altbestände
Aus den erhaltenen Akten der Zentralstelle für wissenschaftliche Altbestände (ZwA) geht hervor, dass 1974 von der ZwA 1.000 Bände aus der Bibliothek Erich Schmidt, die auf ungeklärtem Weg als Versteigerungsrest an die Christian Weise Bibliothek Zittau gelangt waren, übernommen und weiterverteilt wurden. Auf diesem Wege und zu diesem späten Zeitpunkt wurden einige weitere Bände aus der Provenienz Schmidt-Mosse in den Bestand der Staatsbibliothek übernommen.
Zum Verzeichnis des Aktenbestandes "Zentralstelle für wissenschaftliche Altbestände" (ZwA)
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Dokumente der Zentralstelle für wissenschaftliche Altbestände (ZwA)
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Staatsbibliothek zu Berlin/ Foto: Michaela Scheibe/ Bildbearbeitung: Doris Antonides-Heidelmeyer
Nach jahrelangen Forschungen konnte das Provenienzforschungsteam der Staatsbibliothek 44 Bände aus der Bibliothek Erich Schmidt, das Widmungsexemplar Paul Lindaus für Emilie Mosse und schließlich – durch die Zusammenarbeit mit der „Mosse Research Intiative" (MARI) – das Mosse-Album als enteigneten Besitz der Familie Mosse identifizieren und die Wege der Bücher weitgehend rekonstruieren. Insbesondere die Provenienzforscherin Hannah Neumann hat wesentlich zur Klärung dieses Falles und zur richtigen Einordnung der Provenienz Erich Schmidt beigetragen.
Das Gartenhaus-Exlibris Erich Schmidts ist inzwischen auch in anderen Bibliotheken zum Erkennungszeichen für der Familie Mosse geraubte Bücher geworden.
Am 8. Juli 2020 wurden die als NS-Raubgut identifizierten Bände und die beiden Kassetten mit den erhaltenen Blättern des Mosse-Albums von der Stiftung Preußischer Kulturbesitz an die Erben der Familie Mosse übergeben.
Michaela Scheibe, Provenienzforscherin und stellvertretende kommissarische Leiterin der Abteilung Historische Drucke der Staatsbibliothek zu Berlin, ist auch Vorsitzende der dbv-Kommission Provenienzforschung und Provenienzerschließung und ausgewiesene Expertin im Bereich NS-Raubgut an Bibliotheken.
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Plan De Constantinople et Du Bosphore
Historische Karte Konstantinopel
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Staatsbibliothek zu Berlin
Beschreibung
Aus der Sammlung Jean Baptist Nothomb, einem belgischen Gesandten am Preußischen Hof. Die Karte wurde 1788 wahrscheinlich in Wien gedruckt, ihre Entstehungszeit entspräche also dem Aufenthalt von Heinrich Friedrich von Diez in Istanbul. Sie zeigt die Umgebung von Istanbul vom Marmara Meer über den Bosporus bis zur Mündung ins Schwarze Meer.
Angaben zum Objekt
Identifikator
SBB Kart. Q 5525
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Zeit
zwischen 1793 und 1802
Königlich Preußische Gesandtschaft in Konstantinopel
Zu den herausragenden Schätzen islamischer Kunst gehören die fünf sogenannten Diez'schen Klebealben.
Zusammen mit über 17.000 Bänden, Handschriften und einer umfangreichen Münzsammlung bilden sie das Vermächtnis des Diplomaten Heinrich Friedrich von Diez, der das Sammeln während seines Aufenthaltes an der Hohen Pforte in Konstantinopel in den Jahren von 1784 bis 1791 begonnen hat.
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Zwei osmanische Männer an einem Tisch
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Rechteinformation
Staatsbibliothek zu Berlin
Beschreibung
aus: Diez-Album
Angaben zum Objekt
Identifikator
A fol. 73, S. 11, Nr.1
Weitere Informationen
Muraqqa’ - Die Diez’schen Klebealben
Klebealben haben in zahlreichen orientalischen Kulturen eine lange Tradition. Sie dienten in höfischen Kreisen der ästhetischen Erbauung, wurden aber auch als Musterbücher für die Übertragung auf andere Materialien wie Textilien in den Werkstätten verwendet. Das dem Arabischen entlehnte Wort Muraqqa’ wurde im Zusammenhang mit Flickenkleidung oder Patchwork verwendet. Wie ein Patchwork sich aus verschiedenen Stoffteilen und Mustern zusammensetzt, so bestehen die einzelnen Albenblätter aus Bildern unterschiedlicher Herkunft und Formate, deren Anordnung zumeist keinen inhaltlichen oder stilistischen Bezug erkennen lässt. Die von den osmanischen Sultanen zusammengestellten Alben besitzen ihrerseits eine eigene, sehr verwickelte Geschichte und gehen zum Teil auch auf noch ältere Alben zurück.
Außerhalb dieser seltenen Klebealben haben sich derartige Materialien in der Regel nicht erhalten können.
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Heinrich Friedrich von Diez
unbekannter Künstler
Aus der Sammlung von
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Rechteinformation
©Staatsbibliothek zu Berlin/ Foto: Carola Seifert
Beschreibung
Das Originalgemälde eines unbekannten Künstlers kam wahrscheinlich um 1817 mit dem Nachlass von Heinrich Friedrich von Diez in die Staatsbibliothek zu Berlin (damals Königliche Bibliothek).
Diplomat und Privatgelehrter
Heinrich Friedrich von Diez war ein höchst ungewöhnlicher, universal gebildeter und in zahlreichen orientalischen Sprachen versierter Diplomat des preußischen Hofes, der durch seine Veröffentlichungen zur orientalischen Literatur und Geschichte maßgeblichen Einfluss auf die zeitgenössische Gelehrtenwelt besaß.
1784 bewarb er sich erfolgreich um das Amt des Gesandten in Konstantinopel. Friedrich II. selbst schickte Diez als Preußischen Geschäftsträger nach Konstantinopel an die Hohe Pforte, den Sultanspalast in Istanbul.
1791 schied Diez aus dem diplomatischen Dienst aus und wirkte zunächst in Kolberg und dann in Berlin als Privatgelehrter. Hier widmete er sich vor allem dem Ausbau seiner umfangreichen Universalbibliothek.
Der Aufenthalt in Konstantinopel und seine Affinität zum Orient prägten Diez zeitlebens. In seinem Haus in Berlin-Stralau besaß der von seinen Zeitgenossen als verschroben beschriebene Junggeselle ein chinesisches, ein persisches und ein türkisches Zimmer. Außerdem kleidete er sich nach orientalischer Art.
Lückenhafte Biografien der Klebealben
Fünf Klebealben bilden einen der Höhepunkte der Diez’schen Bibliothek, sie geben Aufschluss über die Geschichte der persisch-zentralasiatischen Malerei. Die Miniaturen sind zum großen Teil im 14. und 15. Jahrhundert im Gebiet des heutigen Irans und Afghanistans entstanden.
Ungeklärt ist, aus welchen Quellen die über 450 in Herkunft, Größe, Ausführung und Qualität recht unterschiedlichen Bildwerke in den Alben stammen und unter welchen Umständen sie dort Eingang fanden. Dass Diez die Alben in Konstantinopel als komplette Ensembles erworben und nur neu gebunden hat, wurde mittlerweile widerlegt. Diez hat die Alben höchstwahrscheinlich selbst nach seinem Geschmack zusammengestellt.
Zahlreiche Bücher erstand er auf dem Basar, er besaß aber auch Zuträger, die ihm Bücher, Handschriften und Kunstwerke direkt aus dem Serail, dem Palast der osmanischen Herrscher, vermittelten. 1789 erwarb er unter anderem auch die Alben des Harempersonals.
Die Diez’schen Klebealben gerieten trotz ihrer Einzigartigkeit gegenüber seiner überwältigenden Bibliothek in Vergessenheit und wurden erst 1956 wiederentdeckt.
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Engelserscheinung
Aus der Sammlung von
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Rechteinformation
Staatsbibliothek zu Berlin
Beschreibung
Einzelblatt aus dem Diez-Album A 71 – Iran, erstes Viertel des 14. Jahrhunderts
Angaben zum Objekt
Identifikator
Diez-Album, A fol.71, S.34
Weitere Informationen
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Buchschnitte einiger Bände aus der Bibliothek Diez
Aus der Sammlung von
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Rechteinformation
Staatsbibliothek zu Berlin/ Foto: Thomas Rose
Die Diez'sche Sammlung in der Königlichen Bibliothek zu Berlin
Heinrich Friedrich von Diez bestimmte in seinem Testament, dass seine "Büchersammlung, die Handschriften und morgenländischen Gemälde" an die damalige Königliche Bibliothek übergeben werden sollten. Diez verfügte eine separate Aufstellung seiner Bücher als geschlossene Sammlung in der von ihm festgelegten Ordnung.
Zusammen mit der einzigartigen Büchersammlung gelangten im Jahre 1817 die Klebealben mit orientalischen "Gemälden“ in die Berliner Königliche Bibliothek. Sie sind allesamt digitalisiert und unter den Signaturen Diez A Fol. 70-74 in der Orientabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin zu finden.
Die von Diez eigenhändig geschriebenen Kataloge spiegeln seine persönlichen Interessen und die Ordnungsprinzipien wider, nach denen er sammelte.
Den Begriff "Orient" weitete er über die geographischen Grenzen aus, indem er nicht nur ganz Asien mit China und Japan, sondern auch Afrika mit Ägypten einschloss. Außerdem zählte er die Teile Europas dazu, die zum türkisch-osmanischen Reich gehörten.
In den Vorreden zu diesen Katalogen begründet Diez seine Gedankengänge:
Ausschlaggebend sei der "orientalische Geist", der sich grundlegend vom abendländischen unterscheide. Er zeichne sich durch eine weitaus größere Beständigkeit der Kultur und Lebensweise, der Wissenschaften, Künste und Philosophie aus. Über Generationen hinweg seien die Menschen im Orient in ihrem Denken und Handeln sowie in Wissenschaft und Künsten ihren Traditionen treu und in ihren Auffassungen konstant geblieben. Der Orient ist für Diez "eine Menschheit, die seit Jahrtausenden sich im Äußeren wie im Innern immer gleich geblieben, so daß ihr Neuestes nichts anderes ist als ihr Ältestes".
zum Digitalisat des Verzeichnisses
Informationen über die verwendeten Medien
Verzeichnis der morgenländischen und abendländischen Handschriften
Spiegel des Verzeichnisses
Aus der Sammlung von
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Rechteinformation
Staatsbibliothek zu Berlin
Angaben zum Objekt
Identifikator
Ms. Cat. A 478b
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Beteiligte Personen und Organisationen
Heinrich Friedrich von Diez
Zeit
1790
Weitere Informationen
Gelehrten- und Bibliophilenbibliotheken, wie die Bibliotheca Dieziana, bleiben in der Staatsbibliothek als geschlossene Provenienz erhalten. Sie gehören zu den großen Kostbarkeiten der Bibliothek und werden unter besonderen konservatorischen Bedingungen aufbewahrt.
Anschauen, anfassen und lesen kann man diese Bände im Rara-Lesesaal der Staatsbibliothek Unter den Linden.
Die Projektkoordinatorin Doris Antonides-Heidelmeyer hat in Zusammenarbeit mit den Provenienzforscher:innen der Staatsbibliothek zu Berlin diesen Beitrag inhaltlich und visuell aufbereitet.
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Plan de Paris par Arrondissement
Aus der Sammlung von
A. Leconte, Editeur
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Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Zeit
Mai 1942
Ort
Paris
Paris - Square de l'Avenue Foch
Arthur Rubinstein emigriert mit seiner Familie im Herbst 1939 von Frankreich aus in die USA – kurz vor dem Einmarsch der deutschen Truppen in Paris im Juni 1940.
Noch im selben Jahr konfisziert der "Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg“ den Pariser Besitz des weltberühmten jüdischen Pianisten und bringt seine Privatbibliothek in das Reichssicherheitshauptamt in Berlin.
1954 kehrt Rubinstein in das Haus am illustren Square de l'Avenue Foch zurück. Von seiner zersplitterten Bibliothek sind bis zu dem Zeitpunkt nur 137 Bücher wieder aufgetaucht.
Arthur Rubinstein, Joseph Hecht und der Elefant
Die Geschichte der Hausbibliothek des polnischen Pianisten Arthur Rubinstein (1887-1982) beginnt in seiner Wahlheimat Paris. Hier lebt er seit 1904. Nach dem Ersten Weltkrieg kommt auch der Künstler und Grafiker Joseph Hecht (1891-1951) hierher. Hecht wird, wie Rubinstein, im polnischen Łódź in eine Familie von jüdischen Textilindustriellen hineingeboren. Dass dieser Umstand sie zusammenbringt, ist sehr wahrscheinlich.
Bücher aus Rubinsteins Bibliothek weisen ein von Joseph Hecht gestaltetes Exlibris auf, das sich seit den frühen 1930er Jahren nachweisen lässt. Der Druck zeigt einen mit wenigen, sicheren Strichen gezeichneten Elefanten und den Namenszug Arthur Rubinstein in Blockbuchstaben. Eine handschriftliche Signatur, die den jeweiligen Anfangsbuchstaben des Autors und eine laufende Nummer umfasst, ergänzt das Exlibris.
Eigen ist es Hechts Arbeiten, dass er einzelne Tiermotive aus seinen Druckplatten ausschneidet und sie für neue Kompositionen nutzt.
Der Elefant ist so womöglich kein direkter Kommentar zur Person Rubinsteins. Hecht verbindet den Dickhäuter eher mit Paris und stellt ihn in verschiedenen Situationen fast identisch dar. Seine häufigen Besuche im Pariser Zoo nutzte Hecht für die künstlerische Weiterentwicklung seiner charakteristischen Tierstudien.
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Joseph Hecht's Elefanten – Exlibris und weitere Radierungen
Exlibris und Radierungen des Künstlers Joseph Hecht
Aus der Sammlung von
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Rechteinformation
Staatsbibliothek zu Berlin, Bildbearbeitung: Doris Antonides-Heidelmeyer
Beschreibung
Radierungen aus Ausstellungskatalog der Galerie Dolan/Maxwell, Philadelphia
Weitere Informationen
Vom Square de l’Avenue Foch nach Udmurtien
Das Elefanten-Exlibris ist ein wichtiger Wegweiser zu der mittlerweile vollkommen zersplitterten Bibliothek Arthur Rubinsteins.
4.000 Bände und zahlreiche Musikalien umfasst die Sammlung in seinem Haus am Square de l’Avenue Foch, bevor sie von den deutschen Besatzern konfisziert wird. Über die Jahrzehnte können dank einer aus dem Gedächtnis angefertigten Titelliste einige Bücher und Noten identifiziert und restituiert werden.
Manches Buch wird ins Reichssicherheitshauptamt nach Berlin abtransportiert, von wo es später als "herrenloses Bibliotheksgut“ in die Öffentliche Wissenschaftliche Bibliothek aufgenommen wird.
Andere Exemplare gelangen nach Kriegsende durch sowjetische Trophäenbrigaden in die Sowjetunion, darunter offenbar auch in die von Margarita Ivanovna Rudomino geleitete Allrussische Bibliothek für ausländische Literatur.
Im Zuge von Umverteilungsaktionen, organisiert durch die Rudomino-Bibliothek, werden zwischen 1945 und 1961 fremdsprachige Bücher auch an die Udmurtische Sowjetrepublik abgegeben. Nach einer 2010 publizierten wissenschaftlichen Aufarbeitung der Bestände der Nationalbibliothek Ischewsk weist deren Katalog einen Gedichtband von Jean Cocteau (1889-1963) aus, der das Exlibris Rubinsteins enthält. Ist Poésie von 1925 eines der Bücher, die Rubinstein besonders am Herzen lagen und die er auf die Liste seiner geraubten Bücher setzte?
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Akten der Ardelia Hall Collection
aus den Akten der amerikanischen Militärregierung: Brief und Teil der Liste der Bücher, die Rubinstein im Juni 1946 als geraubt meldete
Aus der Sammlung von
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Fold3
Beschreibung
https://www.fold3.com/image/231957157 https://www.fold3.com/image/231957164 https://www.fold3.com/image/231972650
abgerufen am 12. November 2020
Angaben zum Objekt
Identifikator
231957157, Record Group: 260, Publication Number: M1947, Roll 0044, page 2 231957164, Record Group: 260, Publication Number: M1947, Roll 0044, page 3 231972650 Record Group: RG 260, Publication Number: M1942, Roll 0013, page 10
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Collage Cocteau / Rubinstein
Aus der Sammlung von
Wikicommons, Instituto Cervantes
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Rechteinformation
Foto Rubinstein: Carl von Vechten, Foto Cocteau: Agence de presse Meurisse, Collage: Doris Antonides-Heidelmeyer
Beschreibung
Mehrere Abbildungen in einer Collage: Portrait Jean Cocteau (1923) rechts oben, Portrait Arthur Rubinstein (1937) links unten, Brief Cocteau 1960, Plattencover Le Bœuf sur le Toit, Cocteaus Band Poésie mit Rubinsteins Exlibris und Stempel aus der Nationalbibliothek der Republik Udmurtien in Ischewsk. Der französischer Dichter, Schriftsteller, Dramatiker, Maler, Zeichner, Okkultist, Designer, Kritiker und Filmemacher Jean Cocteau (1889-1963) ist mit Sicherheit eine der ganz großen, schillernden Persönlichkeiten des letzten Jahrhunderts. Der Band Poesie aus Rubinsteins Sammlung ist auf Umwegen in der Nationalbibliothek in Ischewsk gelandet. Hier stuft der Online-Katalog das Buch, erschienen 1925 bei Gallimard, als „wertvollen Bestand" ein - der Wert, den es für den Pianisten hatte, war höchstwahrscheinlich vor allem ein emotionaler. Die uns bekannten Fakten und die Briefe Cocteaus aus den 1960er Jahren geben Einblick in eine langwährende Künstlerfreundschaft, die bis zu Cocteaus Tod andauerte.
Neben Jean Cocteau, dem französischen Dichter, Schriftsteller, Maler und Filmemacher, trifft Rubinstein während der wilden 1920er Jahre viele einflussreiche und schillernde Persönlichkeiten in der legendären Pariser Bar La Gaya, wo man Jazz spielt und sich von afrobrasilianischen Klängen inspirieren lässt. Auch Rubinstein hat ein ausgeprägtes Faible für südamerikanische Kultur.
Auf einer Konzertreise trifft er 1918 in Rio de Janeiro den französischen Komponisten Darius Milhaud. Zurück in Paris, manifestieren sich die Erinnerungen an Brasilien in den Kompositionen Milhauds und in dem neuen Namen für ihre populäre Lieblingsbar: Le Bœuf sur le Toit.
Nicht selten hört man hier Milhaud mit Rubinstein und Georges Auriac zu sechs Händen spielen. Unter anderem lassen sie auch das Stück um den Ochsen auf dem Dach hören, das Rhythmen eines brasilianischen Volkslieds aufgreift und von Cocteau zu einem Ballett umgearbeitet wird.
Bei ihrem Aufenthalt in Rio machen Milhaud und Rubinstein auch Bekanntschaft mit Heitor Villa-Lobos, einem in Europa damals noch unbekannten brasilianischen Komponisten. Seine ersten großen Erfolge in Paris, wohin sie ihn einladen, hat er vor allem der intensiven Förderung dieser beiden zu verdanken.
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Rio de Janeiro 1918
Aus der Sammlung von
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Renaissance Literary Agency
Beschreibung
Arthur Rubinstein und Darius Milhaud, Rio de Janeiro, 1918
aus: "My many Years", Autobiographie Arthur Rubinstein
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Rudepoêma 1921 – 1926
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Juilliard School
Beschreibung
„Mein aufrichtiger und großartiger Freund, ich weiß nicht, ob ich Deine Seele mit diesem Rudepoême ganz erfassen konnte, aber ich schwöre es von ganzem Herzen, dass ich den Eindruck habe, Dein Temperament, so wie ich es empfinde, mechanisch, wie durch eine intime Momentaufnahme, in die Notenlinien eingraviert zu haben. Wenn dies also erfolgreich ist, wirst Du immer der wahre Autor dieses Werkes sein. Dein Villa-Lobos" (Übersetzung: Doris Antonides-Heidelmeyer)
Weitere Informationen
Heitor Villa-Lobos, Rudepoêma 1921-1926
Der Komponist Villa-Lobos bleibt dem generösen und treuen Förderer Arthur Rubinstein keinen Dank schuldig: Er widmet ihm eines der einflussreichsten Klavierstücke des 20. Jahrhunderts, das wohl am schwierigsten zu spielende Solo-Klavierstück aller Zeiten: Rudepoêma.
"Rude“ steht im Brasilianischen für "wild“ oder "roh“. Rudepoêma ist zugleich "Rubinsteins Poem“ wie auch ein "Wildes Poem“.
Die Partitur mit einer Widmung auf der ersten Seite befand sich unter den Musikalien, die Rubinstein 1939 am Square de l’Avenue Foch zurücklassen musste. Es wurde, ebenso wie seine Bücher, 1940 konfisziert.
Einzig handschriftliche Widmungen – bei Noten kommt das Elefanten-Exlibris nicht zum Einsatz – machen es möglich, die in Paris entzogenen Musikalien der Sammlung des Pianisten zuzuordnen. Das Rudepoêma und weitere fünf Partituren von Villa-Lobos liegen für lange Zeit in einem Stapel von insgesamt 71 Notenblättern, die 1958/59 aus Moskau in die Staatsbibliothek nach Berlin-Ost kommen.
Bis zu ihrer Restitution an Rubinsteins Kinder im Jahre 2006 befanden sich diese Notenblätter unerforscht unter den Beständen der Musikabteilung.
Die 2006 erfolgte Restitution der 71 Musikalien durch die Staatsbibliothek zu Berlin an die Erben Rubinsteins war der Auftakt zu umfangreicheren Provenienzforschungsaktivitäten an der Staatsbibliothek zu Berlin. So konnten 2020 gemeinsam mit der Universitätsbibliothek Leipzig sechs weitere Bücher und zwei Partituren mit persönlicher Widmung an die Kinder Rubinsteins restituiert werden.
Dank einer 2007 erfolgten Schenkung des ersten Restitutionspakets durch Rubinsteins Kinder an die Juilliard School in New York sind die 71 Musikalien der Öffentlichkeit, teilweise auch schon digital, zugänglich: Arthur Rubinstein Music Collection
Die Abteilung Historische Drucke dokumentiert Provenienzmerkmale, wie die hier vorgestellten Exlibris und Widmungen, aber auch Forschungsergebnisse im ProvenienzWiki – Plattform für Provenienzforschung und Provenienzerschließung.
Vernetzung und Transparenz befördern die Erforschung der Bestände von Bibliotheken maßgeblich.
Die Projektkoordinatorin für Provenienzforschung an der SPK, Doris Antonides-Heidelmeyer, hat in Zusammenarbeit mit der Provenienzforscherin der Staatsbibliothek zu Berlin, Regine Dehnel, den Beitrag „Paris – Square de l’Avenue Foch“ zu dem auffälligen Exlibris Arthur Rubinsteins, den Künstlerfreundschaften des Pianisten und dem ihm gewidmeten Musikstück Rudepoêma inhaltlich und visuell aufbereitet.
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Dresdner Bank
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Rechteinformation
Bundesarchiv, Foto: o. Ang.
Beschreibung
Hauptverwaltungsgebäude der Dresdner Bank in der Berliner Behrenstraße
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Identifikator
Bild 183-H28533
Weitere Informationen
Dresdner Bank - Zentrale Berlin
Im August 1935 unterzeichneten die Dresdner Bank und der Preußische Staat einen Vertrag, der den Verkauf von rund 4.400 Kunstwerken zum Inhalt hatte. Der Kaufpreis betrug imposante 7,5 Millionen Reichsmark. Diese Bestände hatten sich über Jahre durch Kreditgeschäfte – etwa in Gestalt von Sicherungsübereignungen – in der Berliner Zentrale der Dresdner Bank und in den deutschlandweiten Filialen angesammelt.
Das größte Kunstgeschäft der NS-Zeit
Die Staatlichen Museen zu Berlin waren von Anfang an in die fast zwei Jahre dauernden Verkaufsverhandlungen der Dresdner Bank mit den zuständigen Ministerien eingebunden, da sie als direkt dem Staat unterstellte Institution die Kunstwerke verwahren sollten. Außerdem gab es am Museum das nötige Fachwissen, das ein Bankbeamter nicht zwangsläufig besaß. Kunstexperten aus verschiedenen Bereichen waren gefragt, denn diese staatliche Überweisung an die Museen umfasste ein großes Spektrum von Skulptur über Malerei und Graphik bis hin zu Möbeln, Orientteppichen und persischen Keramiken. Eigentlich hatten die Museen nur Interesse an den Spitzenwerken, doch wollte die Bank aus wirtschaftlichen Gründen einen Verkauf en bloc. Letztlich kam die Bank dem Staat im Preis entgegen, dafür übernahmen die Museen den gesamten Bestand, durften dann aber das, was sie als zweit- und drittklassig erachteten, weiterverkaufen.
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Kaufvertrag zwischen der Dresdner Bank und dem Preußischen Staat
Aus der Sammlung von
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Geheimes Staatsarchiv – Preußischer Kulturbesitz
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Identifikator
I. HA Rep. 151, HB, Nr. 1234, Bl. 122
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Zeit
15. August 1935
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Sarah führt Abraham Hagar zu
Mattheus Stom: Biblische Darstellung / Sarah führt Abraham Hagar zu (1642–1650)
Aus der Sammlung von
Kaiser Friedrich Museumsverein, als Dauerleihgabe in der Gemäldegalerie, Staatliche Museen zu Berlin
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Rechteinformation
©Gemäldegalerie, Staatliche Museen zu Berlin – Stiftung Preußischer Kulturbesitz/ Foto: Jörg P. Anders
Beschreibung
Mattheus Stom (1600–nach 1641): Biblische Darstellung / Sarah führt Abraham Hagar zu (1642–1650); 2019 Restitution an die Erben Heinrich Ueberalls, ehem. Gemäldegalerie Kat.Nr. 2146
Angaben zum Objekt
Abmessung/Umfang
112,5 x 168 cm
Material/Technik
Öl auf Leinwand
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Beteiligte Personen und Organisationen
Mattheus Stom
Zeit
1642/nach 1645
Weitere Informationen
Sarah führt Abraham Hagar zu
Unter den Gemälden, die aus diesem Dresdner Bank-Bestand in die Gemäldegalerie übernommen wurden, befand sich ein Bild des um 1600 in Amersfoort geborenen Malers Mattheus Stom, eines wichtigen Vertreters der niederländischen Caravaggisten. Diese Strömung der Barockmalerei orientierte sich am Vorbild des italienischen Künstlers Caravaggio. Sein Stil zeichnete sich vor allem durch effektvolle Lichtinszenierungen und eine besonders ausdrucksvolle Gebärdensprache aus.
"Überall, Berlin"
Die Übergabe dieses Gemäldes von der Dresdner Bank an die Staatlichen Museen zu Berlin wurde auf Liste 17 dokumentiert. An sechster Stelle steht "Matt. Stomer / Biblische Darstellung“, mit einem Schätzpreis von 5.000 Reichsmark. Zusammen mit den neun anderen Positionen auf diesem Blatt stammte es aus dem Vorbesitz des jüdischen Kunsthändlers Heinrich Ueberall. Er hatte die Kunstwerke als Sicherheiten für einen Kredit eingesetzt, den er vor 1932 bei der Dresdner Bank aufgenommen hatte. Die Herkunft aus seiner Sammlung war den Museen durch die im Vorfeld geführten Schriftwechsel mit den Vertragspartnern bekannt. So schrieb ein Museumsmitarbeiter, wohl beim Auspacken der Werke, in Bleistift über die Liste: "Überall, Berlin“. Die meisten anderen Notizen auf dem Dokument betreffen die museumsinterne Verteilung der Kunstwerke auf die einzelnen Sammlungen der Staatlichen Museen.
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Kunstwerke aus dem Bestand der Dresdner Bank
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Rechteinformation
©Staatliche Museen zu Berlin – Zentralarchiv
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Identifikator
Liste 17, SMB-ZA, I/KGM 2, Bl. 108.
Der Kunsthändler Heinrich Ueberall
Heinrich Ueberall wurde am 20. Dezember 1869 in Jaroslawl, Galizien, geboren. 1899 zog er mit seiner Frau Rebeka und seinen zwei Kindern nach Berlin und eröffnete dort einen Kunst- und Antiquitätenhandel. Das Geschäft wurde schnell zu einer der führenden Berliner Kunstfirmen. Als die Nationalsozialisten 1933 die Macht übernahmen, geriet er als jüdischer Geschäftsmann zunehmend unter Druck. Zwischen 1936 und 1938 musste er zwangsweise sein Geschäft aufgeben. 1939 beantragte er erfolgreich ein britisches Einreisevisum für sich und seine Frau. Der Kriegsausbruch verhinderte aber die Reise. So wurde Ueberall im September 1939 ins KZ Sachsenhausen deportiert. Dort starb er noch im selben Monat. Seine Witwe nahm sich 1942, nachdem sie einen Deportationsbescheid erhalten hatte, das Leben. Die Tochter war mit ihrer Familie bereits 1938 in die USA emigriert, der Sohn 1939 nach London.
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Anzeige der Kunsthandlung Heinrich Ueberall in der „Weltkunst“
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©Universitätsbibliothek Heidelberg
Beschreibung
Jg. VIII, Nr. 29, 22. Juli 1934, S. 3.
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Zeit
22. Juli 1934
Weitere Informationen
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Briefkopf der Dresdner Bank
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©Geheimes Staatsarchiv – Preußischer Kulturbesitz
Angaben zum Objekt
Identifikator
I. HA, Rep. 151 HB, Nr. 1234
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Zeit
1935
Ort
Berlin
Schulden bei der Dresdner Bank
Heinrich Ueberall hatte vor 1932 bei einer Berliner Geschäftsstelle der Dresdner Bank, der "Depka 50“, einen Kredit über rund 43.000 Reichsmark aufgenommen. Wahrscheinlich versuchte er, damit einen finanziellen Engpass zu überbrücken, der in der Weltwirtschaftskrise entstanden war. 1934 übernahm die Berliner Zentrale der Dresdner Bank das Kredit-Engagement, denn die Geschäftsstelle durfte nur einfache Geschäftsvorgänge abwickeln. Die Verwertung der mit Kunstwerken gesicherten Kredite war aber alles andere als eine leichte Aufgabe. Damit wurde zentral die Abteilung "Industrie-Büro“ beauftragt. Ueberall war es zwar gelungen, seine Schulden ein wenig zu reduzieren, doch konnte er seine hinterlegten Sicherheiten nicht vollständig wieder auslösen, denn sein Geschäft lief 1935 bereits schlecht. Er hatte wichtige Kunden verloren, die ihn als jüdischen Kunsthändler nicht duldeten. Es gibt keine Hinweise darauf, dass andere Umstände als seine Verfolgung durch das NS-Regime dazu führten, dass er sich finanziell nicht mehr sanieren und den Verkauf seiner Kunst an den Staat verhindern konnte.
Restitution und Rückerwerb
2019 konnte Stoms Gemälde „Sarah führt Abraham Hagar zu“ neben zwei weiteren Bildern aus der Gemäldegalerie und zwei Skulpturen aus der Alten Nationalgalerie an die Erben von Heinrich Ueberall restituiert werden. Ursprünglich waren mit dem Dresdner Bank-Bestand noch drei zusätzliche Gemälde, eine Boule-Pendule-Uhr und sieben Golddosen aus Ueberalls Eigentum übernommen worden. Diese Werke aber gelten als Kriegsverlust oder wurden in einer Auktion bei Julius Böhler in München 1937 weiterverkauft, waren also schon seit Jahrzehnten nicht mehr im Besitz der Museen. Das Gemälde von Mattheus Stom kehrte 2020 dank des Kaiser Friedrich Museumsvereins und mit Unterstützung der Friede Springer Stiftung in die Gemäldegalerie zurück. Nach der Restitution konnte es wiedererworben werden.
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nach Canova: Venus (um 1845/64)
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Ehemals Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie, 2019 an die Erben von Heinrich Ueberall restituiert
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Staatliche Museen zu Berlin – Nationalgalerie
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Identifikator
Inv.-Nr. B II 76
Seit 2018 untersucht Hanna Strzoda am Zentralarchiv, ob es sich bei den 1935 von der Dresdner Bank übernommenen Kunstbeständen um NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut handelt.
Unter den Kreditnehmern, deren sicherheitsübereignete Kunstwerke durch den Verkauf an den Staat verwertet wurden, waren neben Heinrich Ueberall weitere jüdische Geschäftsleute. Da die einzelnen Kreditgeschäfte in ihrer Ausgestaltung sehr unterschiedlich waren, wird jeder Fall einzeln geprüft, um bei einem festgestellten Entzugskontext zusammen mit den Erben gerechte und faire Lösungen im Sinne der Washingtoner Prinzipien zu finden.
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Kopie von Provenienzforschung am ZA
Aus der Sammlung von
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©SPK / photothek.net /Florian Gaertner
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Exlibris Hedwig Hesse
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Staatsbibliothek zu Berlin
Beschreibung
Das Exlibris, von Adolf Behrmann gestaltet, zeigt einen Nachthimmel mit Sternen, davor eine erloschene Kerze und drei Bücher, wovon eines aufgeschlagen ist, darin Messer und Gabel, die oben von einer Eule zusammengehalten werden.
Angaben zum Objekt
Abmessung/Umfang
Blatt 142x90mm, Motiv 121x70mm
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Beteiligte Personen und Organisationen
Adolf Behrmann
Zeit
Mai 1918
Ort
Berlin
Weitere Informationen
Mit Messer und Gabel – Bücherlesen einmal anders
Ein ungewöhnliches Exlibris als eindeutige Spur. Die mit überdimensionalem Besteck Bücher verspeisende Eule weist den Weg zu den Resten einer geraubten Privatbibliothek aus jüdischem Besitz. Ohne dieses auffällige und vom Künstler signierte und datierte Kennzeichen wären Hedwig Hesses Bücher wohl unentdeckt geblieben.
Adolf Behrmanns Kleingraphik für Hedwig Hesses "Bücherei“
Die Eule als Symbol für Weisheit, oft mit einem aufgeschlagenen Buch, ist als Exlibrismotiv verbreitet. Messer und Gabel zum Verspeisen der Wissenskost jedoch kann als individuelle und ungewöhnliche Umsetzung des Sujets gelten, und nicht zuletzt spricht das ungleiche Größenverhältnis zwischen Eule und Besteck für den Humor der Auftraggeberin.
Der Produktgestalter und Gebrauchsgraphiker Adolf Behrmann, der 1903 bis 1933 in der Eisenacher Straße in Berlin-Schöneberg zu Hause war, schuf dieses Blatt für die mit ihrem Mann in Charlottenburg wohnhafte Hedwig Hesse im Mai 1918. Eine persönliche Bekanntschaft des Künstlers mit dem Ehepaar darf aufgrund des beruflichen Umfelds von Max Hesse als Inhaber eines Industriedruckbetriebes vermutet werden.
Das Exlibris scheint darüber hinaus für eine umfangreiche und wohlorganisierte Büchersammlung gedacht zu sein: Es existiert in einer kleineren und einer größeren Variante zur Verwendung für variierende Buchformate. Und es enthält bereits ein vorgedrucktes „Nr…“, als hätte die Besitzerin der Bücher hier am unteren Rand eine handschriftliche Nummerierung eintragen wollen. Soweit wir wissen, blieb diese Möglichkeit allerdings ungenutzt.
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Exlibris Hedwig Hesse
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Staatsbibliothek zu Berlin
Beschreibung
Das Exlibris, von Adolf Behrmann gestaltet, zeigt einen Nachthimmel mit Sternen, davor eine erloschene Kerze und drei Bücher, wovon eines aufgeschlagen ist, darin Messer und Gabel, die oben von einer Eule zusammengehalten werden.
Angaben zum Objekt
Abmessung/Umfang
Blatt 142x90mm, Motiv 121x70mm
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Beteiligte Personen und Organisationen
Adolf Behrmann
Zeit
Mai 1918
Ort
Berlin
Weitere Informationen
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Hedwig Hesse
Hedwig Bachur kam am 8. Mai 1880 als Tochter von Siegfried Bachur und seiner Frau Fanny, geborene Levy, in Berlin zur Welt. Sie heiratete am 1. April 1905 Max Guido Hesse, Besitzer eines Verlages für Industriedruck. Max Hesse wurde am 30. Juli 1880 in Leipzig geboren. Das Paar hatte drei Kinder: Peter, Susi und Walter. Die Familie lebte in der Helmstedter Straße 5 in Berlin. Als Juden wurden die Hesses in Deutschland verfolgt. Die Kinder konnten rechtzeitig nach Südafrika bzw. in die USA emigrieren. Hedwig und Max Hesse wurden am 19. Januar 1942 zusammen nach Riga deportiert und dort ermordet.
Engelhornʹs allgemeine Roman-Bibliothek – schwere Kost für die Recherche
Private Buchsammlungen aus bürgerlichen Haushalten enthalten meist keine seltenen Drucke oder gar bibliophile Kostbarkeiten. Vielmehr finden sich hier populäre Werke der Unterhaltungsliteratur wie die Bände mit dem Exlibris Hedwig Hesses: In der Staatsbibliothek drei Bände aus der Reihe der "allgemeinen Roman-Bibliothek“ des Stuttgarter Verlags Engelhorn, in der Universitätsbibliothek Rostock die Novelle Das Skelet im Hause. Daneben besaß Hedwig Hesse natürlich auch Klassiker der deutschen Literatur wie Goethes Werke, von denen mehrere Bände in der Berliner Zentral- und Landesbibliothek anhand des Exlibris identifiziert werden konnten.
Solche populären und eben auch in deutsch-jüdischen Haushalten weit verbreiteten Werke, in hohen Auflagen erschienen, machen es den Provenienzforscher:innen ohne eindeutige Spuren ihrer früheren Besitzer:innen fast unmöglich, die Wege geraubter Bücher nachzuvollziehen. Im Fall der "Bücherei“ Hedwig Hesses sind jedoch die als Massenware gedruckten Bücher durch ihr unverwechselbares Exlibris zu Unikaten geworden und konnten so leicht identifiziert werden.
Link zum Digitalisat der Staatsbibliothek zu Berlin
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Mr. Barnes von New York: Roman in zwei Bänden Autor: Gunter, Archibald Clavering
Engelhornʹs allgemeine Romanbibliothek
Aus der Sammlung von
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Rechteinformation
Digitale Sammlungen der Staatsbibliothek zu Berlin
Angaben zum Objekt
Abmessung/Umfang
159 Seiten
Identifikator
Signatur: Yt 664-6,5/6<a>
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Zeit
Erscheinungsjahr: 1889
Ort
Verlag: Engelhorn, Ort: Stuttgart
Hedwig Hesses Bücher gelangten im Zuge der Verfolgungs-, Enteignungs- und Verwertungspolitik der Nationalsozialisten aus ihrer Wohnung in Charlottenburg über Zwischenstationen in die Hände verschiedener Bibliotheken oder anderer neuer Besitzer. Sie stehen exemplarisch für einen Weg, den in Berlin zahlreiche Bücher von Jüdinnen und Juden nahmen: 1943 kaufte die Berliner Stadtbibliothek ca. 40.000 Bücher aus der Städtischen Pfandleihanstalt an, die aus den Wohnungen deportierter Jüdinnen und Juden stammten. Hinzu kam 1951 die Erwerbung von über 1.000 Büchern aus der "Verwaltungsstelle Sondervermögen" in der Abteilung Finanzen des Berliner Magistrats, ebenfalls teilweise beschlagnahmter jüdischer Besitz.
Von der Stadtbibliothek wurden später etliche Bände wieder an andere Bibliotheken abgegeben. Auf diese Weise gelangten die wenigen heute bekannten Bücher Hedwig Hesses schließlich bis nach Rostock und Dresden.
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Stempel Berliner Stadtbibliothek
Aus der Sammlung von
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Rechteinformation
Staatsbibliothek zu Berlin
Weitere Informationen
Die Zentral- und Landesbibliothek Berlin identifizierte in ihrem Bestand 42 Bücher aus dem Besitz Hedwig Hesses und restituierte sie an die Erben. 2017 folgte ein Band aus der Universitätsbibliothek Rostock und 2018 konnten die Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden und die Berliner Staatsbibliothek zusammen vier weitere Bände an die Familie übergeben.
Noch heute können Bücher mit Hedwig Hesses markantem Eulen-Exlibris im Antiquariatsbuchhandel auftauchen oder in weiteren Bibliotheksbeständen gefunden werden – es werden jedoch immer nur zerstreute Reste ihrer "Bücherei“ bleiben.
Michaela Scheibe, Provenienzforscherin und stellvertretende kommissarische Leiterin der Abteilung Historische Drucke der Staatsbibliothek zu Berlin, ist auch Vorsitzende der dbv-Kommission Provenienzforschung und Provenienzerschließung und ausgewiesene Expertin im Bereich NS-Raubgut an Bibliotheken.
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"Eisenwalzwerk" (Moderne Cyklopen)
Aus der Sammlung von
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Rechteinformation
©Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin – Stiftung Preußischer Kulturbesitz/ Foto: Andres Kilger
Angaben zum Objekt
Abmessung/Umfang
158 x 254 cm
Material/Technik
Öl auf Leinwand
Identifikator
A I 201
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Beteiligte Personen und Organisationen
Adolph Menzel
Zeit
1872–1875
Ein Tausch 1:222 mit dem Deutschen Reich
Die Nationalgalerie nahm im März 1942 eine Überweisung vom Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda in Empfang: Eine Studie zum Eisenwalzwerk von Adolph Menzel. Das Ministerium hatte sie zuvor beim Berliner Kunsthändler Ferdinand Möller gegen 222 Graphiken der "entarteten Kunst“ eingetauscht. Ein solches Tauschgeschäft im Verhältnis 1:222 war nur im Zuge der repressiven Kunstpolitik der 1930er Jahre und der ideologischen Abwertung der Moderne möglich.
In der NS-Zeit erwarb die Nationalgalerie für die Sammlung der Zeichnungen eine Studie von Adolph Menzel zum berühmten Eisenwalzwerk. Dieses Gemälde besaß das Museum schon seit Jahrzehnten, als 1942 die Bleistiftzeichnung hinzukam. Zur Herkunft der Zeichnung steht im Inventar:
Vom Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda für beschlagnahmte Gegenstände der "entarteten Kunst" eingetauscht und der National-Galerie überwiesen.Das Reichsministerium hatte die Menzel-Studie beim Berliner Kunsthändler Ferdinand Möller eingetauscht. Jener erhielt dafür 222 moderne Graphiken, die aus der Beschlagnahme-Aktion "Entartete Kunst“ stammten: 1937 war eine Kommission unter der Leitung von Adolf Ziegler, dem Präsidenten der Reichskammer der bildenden Künste, durch rund 100 Museen gezogen und hatte über 20.000 Kunstwerke der Moderne konfisziert. Da sie nicht der reaktionären Kunstauffassung der Nationalsozialisten entsprachen, wurden die Werke kurzerhand zu "Verfallserscheinungen“ degradiert.
Informationen über die verwendeten Medien
Arbeiter mit Stange in mehreren Studien. Studie zum "Eisenwalzwerk“
Aus der Sammlung von
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Rechteinformation
©Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin – Stiftung Preußischer Kulturbesitz/ Foto: Dietmar Katz
Angaben zum Objekt
Abmessung/Umfang
40 x 26,2 cm
Material/Technik
Bleistift
Identifikator
F III 2951, SZ Menzel Nr. 1792
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Beteiligte Personen und Organisationen
Adolph Menzel
Zeit
1872-1875
Informationen über die verwendeten Medien
Vertrag zwischen Ferdinand Möller und dem Deutschen Reich
Aus der Sammlung von
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Rechteinformation
Berlinische Galerie, Künstler:innen-Archive
Beschreibung
Abschrift des Vertrages zwischen Ferdinand Möller und dem Deutschen Reich, vertreten durch den Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, bezüglich des Tausches von Kunstwerken
Angaben zum Objekt
Identifikator
BG-GFM-F, I, 7 - 9
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Zeit
2. Januar 1940
Weitere Informationen
Informationen über die verwendeten Medien
Depot Schloss Niederschönhausen
Aus der Sammlung von
Staatliche Museen zu Berlin – Zentralarchiv, V / Sammlung zur "entarteten Kunst“
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Rechteinformation
Staatliche Museen zu Berlin – Zentralarchiv
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Ort
Berlin, 1937
Der Tauschvertrag zwischen Ferdinand Möller und dem Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda vom 2. Januar 1940 belegt, dass die 222 Kunstwerke der diffamierten Moderne "aus den Beständen in Schloss Niederschönhausen“ in den Kunsthandel übernommen worden waren. In dem im Berliner Bezirk Pankow gelegenen Schloss bunkerte die Reichskammer der bildenden Künste die 1937 beschlagnahmte Kunst, bis sich Verwertungsmöglichkeiten auftaten. Ein Foto aus dem Depot Schloss Niederschönhausen zeigt am rechten Rand den Graphikschrank, in dem die gegen das Menzel-Blatt getauschten Graphiken gelagert haben dürften.
Ferdinand Möller (1882–1956) war seit 1918 als Kunsthändler in Berlin ansässig. Als Galerist vertrat er bis in die NS-Zeit hinein genau jene Avantgarde, die später als "entartet“ galt. Vor allem die Expressionisten und die Bauhaus-Künstler zählten zu seinen Favoriten. Er war also absoluter Spezialist für zeitgenössische Kunst. Dies qualifizierte ihn auch aus Sicht der Nationalsozialisten für die Verwertung der ungewollten Moderne: Er war einer von vier Kunsthändlern, die mit offizieller Ermächtigung "entartete Kunst“ verkaufen durften – allerdings nur ins Ausland, denn die "Verfallskunst“ sollte aus dem Deutschen Reich verschwinden. Die anderen drei "Verwerter“ waren Hildebrand Gurlitt aus Hamburg, Bernhard A. Böhmer aus Güstrow und Karl Buchholz aus Berlin.
Informationen über die verwendeten Medien
Ohne Titel (Portrait Ferdinand Möller)
Aus der Sammlung von
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Rechteinformation
Berlinische Galerie, Künstler:innen-Archive
Angaben zum Objekt
Identifikator
Künstler*innen-Archive, BG-KA-N/F.Möller-F1014
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Beteiligte Personen und Organisationen
Heinrich Götz
Zeit
1917
Informationen über die verwendeten Medien
Wareneingangsbuch, Galerie Ferdinand Möller
Geschäftsbuch der Galerie Ferdinand Möller
Aus der Sammlung von
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Rechteinformation
Berlinische Galerie, Künstler:innen-Archive
Angaben zum Objekt
Identifikator
Künstler:innen-Archive, BG-KA-N/F.Möller-81-B9
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Zeit
1935-1939
Unendlich viel ließe sich über das Thema "entartete Kunst“, über die "Verwerter“ und über den Kunsthandel in der NS-Zeit erzählen, doch steht hier die Provenienz der Menzel-Studie im Fokus. Woher hatte Ferdinand Möller dieses Blatt, für das er im Tausch 222 moderne Graphiken erhielt? In seinen Geschäftsbüchern, die im Ferdinand-Möller-Archiv in der Berlinischen Galerie erhalten sind, notierte der Kunsthändler tatsächlich seine Quelle: Er kaufte die Zeichnung bei seinem Kunsthändlerkollegen Otto Feindt (1892-1944), dem Inhaber der Berliner Kunsthandlung Victor Rheins. Möller erfasste das Werk am 2. Juni 1939 mit der laufenden Nummer 2038 in seinem Waren-Eingangsbuch. "V. Rheins, Berlin“, ist hier zu entziffern, pragmatisch abgekürzt der Bildtitel "Menzel, Walzwerk“, erworben zu einem Preis von 1.500 Reichsmark.
Der Kunsthändler Otto Feindt besaß die Menzel-Zeichnung nur zwei Monate. Er hatte sie im April 1939 im Auktionshaus C. G. Boerner in Leipzig ersteigert. "Deutsche Handzeichnungen der Romantikerzeit. Deutsche Graphik des frühen XIX. Jahrhunderts. Alte Zeichnungen verschiedener Schulen", so titelte der Katalog zur Auktion am 28. April 1939. Unter Los -Nummer 173 kam ein "Studienblatt mit Bewegungsstudien für die Männer an dem Ofen auf dem Bilde Das Eisenwalzwerk in der Nationalgalerie in Berlin“ unter den Hammer. Eine Verwechslung ist ausgeschlossen, denn die heute im Kupferstichkabinett befindliche Zeichnung ist im Katalog abgebildet.
Informationen über die verwendeten Medien
Deutsche Handzeichnungen der Romantikerzeit. Deutsche Graphik des frühen XIX. Jahrhunderts. Alte Zeichnungen verschiedener Schulen.
Auktionskatalog C. G. Boerner Leipzig, Tafel 17
Aus der Sammlung von
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Rechteinformation
©Universitätsbibliothek Heidelberg
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Zeit
28. April 1939
Weitere Informationen
Die Menzel-Zeichnung mit der Los-Nummer 173 ist in der "Besitz-Aufstellung“ des Auktionskatalogs dem "Besitz B (107)“ zugeordnet. Solche Einlieferungsverzeichnisse wurden mit Einführung des "Gesetzes über das Versteigerergewerbe“ im Oktober 1934 obligatorisch. Die von C. G. Boerner gewählte Codierungssystematik – andere Häuser verwendeten etwa Initialen mit Ortsangabe – verrät nicht das Geringste über die Identität des Vorbesitzers. Im Archiv der Kunsthandlung C. G. Boerner fand man eine verwunderliche Notiz: Der Einlieferer war C. G. Boerner selbst. Das Menzel-Blatt kam also aus dem eigenen Lagerbestand in die Auktion. Das Auktionshaus hielt Werke oft über Jahre auf Lager, um sie späteren Versteigerungen einzugliedern und so qualitative oder quantitative Lücken zu schließen. Unterlagen zur Herkunft dieses Bestands existieren nicht.
Informationen über die verwendeten Medien
Deutsche Handzeichnungen der Romantikerzeit. Deutsche Graphik des frühen XIX. Jahrhunderts. Alte Zeichnungen verschiedener Schulen.
Auktionskatalog C. G. Boerner Leipzig
Aus der Sammlung von
Wie darf ich das Objekt nutzen
Rechteinformation
Universitätsbibliothek Heidelberg
Beschreibung
Einlieferungsverzeichnis
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Zeit
28. April 1939
Weitere Informationen
Ziel des Projekts war die Auffindung von NS-verfolgungsbedingt entzogenem Kulturgut in diesem Bestand. Die Menzel-Studie erwies sich als Gegenstand eines wahrhaft bizarren Tauschgeschäfts mit dem Berliner Kunsthändler Ferdinand Möller. Insgesamt ging die Zeichnung innerhalb eines Jahres durch die Hände dreier Kunsthändler. Die Recherche gab zwar einen spannenden Einblick in das Kunsthandelsnetzwerk in der NS-Zeit, ließ aber mangels Überlieferung die Kernfrage offen: Wer war Eigentümer des Kunstwerks zwischen 1933 und 1939?
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Merkzeichen von Alfred Kantorowicz
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©Staatsbibliothek zu Berlin
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Merkzeichen von Alfred Kantorowicz in einer Ausgabe von Rousseaus Bekenntnissen
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Identifikator
Signatur: Pb 3962-5
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Beteiligte Personen und Organisationen
Jean-Jacques Rousseau, Jean-Jacques Rousseau’s Bekenntnisse, hrsg. von Otto Fischer, München: Mörike, 1912.
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Notizen mit System – Die Berliner Bibliothek von Alfred Kantorowicz
Arbeits- und Lesespuren mit Wiedererkennungswert
Alfred Kantorowicz war ein eifriger Leser und hinterließ ausdrucksstarke Spuren in seinen Büchern. Auf dem Vorsatz oder anderen leeren Seiten notierte Kantorowicz handschriftlich mit Bleistift Seitenzahlen und fügte gelegentlich noch einige Stichworte hinzu. Auf den entsprechenden Seiten markierte er die für ihn interessanten Passagen mit Unterstreichungen oder Merkzeichen am Seitenrand.
Dabei setzte er sich auch mit den Werken deutscher Schriftsteller auseinander, die ihm persönlich bekannt waren und mit denen er nicht selten das Exil-Schicksal unter dem NS-Regime geteilt hatte. Wenig überzeugend fand er zum Beispiel Willi Bredels Werk Die Enkel. Den dritten Band der Geschichte einer Hamburger Arbeiterfamilie im Kampf gegen den Faschismus bezeichnete er auf dem Vorsatz seines Exemplars als "schlampig u. primitiv gestaltet“ und gab auch Seitenzahlen zur Untermauerung seiner Meinung an.
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Alfred Kantorowicz‘ Notizen und Merkzeichen zu Willi Bredels „Die Enkel“
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©Staatsbibliothek zu Berlin
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Willi Bredel, Die Enkel, Berlin: Aufbau Verlag, 1953, (Verwandte und Bekannte, 3).
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Identifikator
Signatur: 50 MA 53083-3
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Alfred Kantorowicz‘ Notizen und Merkzeichen zu Willi Bredels „Die Enkel“
Willi Bredel, Die Enkel, Berlin: Aufbau Verlag, 1953, (Verwandte und Bekannte, 3).
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©Staatsbibliothek zu Berlin
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Identifikator
Signatur: 50 MA 53083-3
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Alfred Kantorowicz
Alfred Kantorowicz (1899-1979) war Literaturwissenschaftler, Schriftsteller, Kommunist sowie jüdischer Herkunft. Er studierte Jura und Germanistik, arbeitete anschließend als Journalist in Berlin. Anfang der 1930er Jahre engagierte er sich politisch für die KPD. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten emigrierte er nach Paris, setzte sich dort für deutsche Schriftsteller im Exil ein und schloss sich während des Spanischen Bürgerkriegs den Internationalen Brigaden an. Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs gelang ihm nur knapp die Ausreise in die USA.
Im Jahr 1946 kehrte er nach Deutschland zurück und setzte sein politisches Engagement in Ostberlin fort. Er gründete einen eigenen Verlag und gab die Zeitschrift Ost und West heraus. Als Verleger trat er für die Vermittlung zwischen den kapitalistischen und sozialistisch-kommunistischen Lagern ein, musste seine Tätigkeit jedoch bald aufgeben. Nach Gründung der DDR übernahm er eine Literaturprofessur an der Humboldt-Universität, doch hatte er Schwierigkeiten, sich in das politische System unter dem SED-Regime zu integrieren. Seine politischen Hoffnungen erfüllten sich nicht, sodass er sich 1957 zur Flucht in die BRD entschloss, wo er in München und ab 1962 in Hamburg lebte.
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Alfred Kantorowicz
Deutscher Schriftsteller und Literaturwissenschaftler, 12.08.1899 - 27.03.1979
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©bpk-Bildagentur/ Fred Stein
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Identifikator
10006207
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Zeit
um 1937
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Ernst Toller, Die Wandlung. Das Ringen eines Menschen, Potsdam: Kiepenheuer, 1919
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Staatsbibliothek zu Berlin
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Alfred Kantorowicz setzte sich auch mit dem Drama Die Wandlung von Ernst Toller auseinander, das von einem jungen Soldaten in einem fiktiven Krieg handelt. Ernst Toller verarbeitete in dem Schauspiel die eigenen Erfahrungen aus dem Ersten Weltkrieg.
Womöglich sind die Merkzeichen im Sommer 1952 bei Alfred Kantorowicz‘ Vorbereitungen für eine Vorlesung an der Humboldt-Universität zu den Umwälzungen im deutschen Gegenwartsdrama nach dem Ersten Weltkrieg entstanden.
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Alfred Kantorowicz, Die Verbündeten, Berlin: Aufbau-Bühnen-Vertrieb, 1950
Als unverkäufliches Manuskript vervielfältigt.
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©Staatsbibliothek zu Berlin/ Foto: Hagen Immel
Beschreibung
Aus der Berliner Bibliothek: Korrekturexemplar von Kantorowicz‘ Schauspiel "Die Verbündeten“, das nach einmaliger Aufführung 1951 vom Kultursekretariat der SED abgesetzt wurde.
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Identifikator
Signatur: 50 MA 53244 : R
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Bei seiner Flucht in die BRD ließ Alfred Kantorowicz in seiner Wohnung in Ostberlin seine Bibliothek mit 4.000 Bänden zurück. Auf Veranlassung des Staatssekretariats für Hochschulwesen und unter Beteiligung des Ministeriums des Innern der DDR wurde sie beschlagnahmt und im Jahr 1958 an die Deutsche Staatsbibliothek übergeben, wo die Gelehrtenbibliothek zunächst unbearbeitet blieb.
Im Westen begann Alfred Kantorowicz nach 1957 mit dem Aufbau einer neuen Bibliothek.
In der Staatsbibliothek war die Berliner Bibliothek von Alfred Kantorowicz bis 2010 unbearbeitet geblieben, als schließlich die Klärung der Eigentumsverhältnisse erfolgte. In diesem Zuge wurde eine Zusammenführung der Berliner Bibliothek mit dem Nachlass und der Bibliothek, die Alfred Kantorowicz 1969 der Staats- und Universitätsbibliothek (SUB) Hamburg vermacht hatte, geprüft. Nachdem die SUB Hamburg eine Übernahme der Berliner Bibliothek aus Kapazitätsgründen ablehnte, wurde die Sammlung in der Abteilung Historische Drucke der Staatsbibliothek zu Berlin durch Michaela Scheibe und Jörg Kramer mit all ihren Provenienzspuren erschlossen und erforscht.
Die Autorin Friederike Willasch ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der Abteilung Historische Drucke in der Staatsbibliothek zu Berlin.
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Messbuch von 1651
Aus der Sammlung von
Original im Museum Nowgorod Digitalisat zugänglich über die digitalen Sammlungen der Staatsbibliothek zu Berlin
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Digitale Sammlungen der Staatsbibliothek zu Berlin
"Erzählung über das heilige Buch, genannt Messbuch"
Nicht alle Bücher kehren nach dem Krieg nach Nowgorod zurück. Einzelne Exemplare gelangen nach Deutschland – unter anderem in die Staatsbibliothek.
Služebnik - Messbuch
Der geprägte Ledereinband des Messbuchs ist mit symbolischen Tierdarstellungen geschmückt. In den vier Ecken sieht man unter anderem einen Löwen und ein Einhorn. Das Zentrum des Bucheinbandes stellt einen Pelikan dar, der über der Silhouette einer Stadt sein Junges füttert. In der christlichen Ikonographie wird dieser Vogel als Allegorie für Jesus Christus verwendet: Mit dem Blut, das aus seiner aufgerissenen Brust strömt, nährt er seine Jungen. Diese Gestaltung ist für den Moskauer Druckhof im 17. Jahrhundert typisch.
Das in Moskau gedruckte Messbuch ist vollständig erhalten. Durch zahlreiche dekorative Holzschnitte sowie die Schrift- und Seitengestaltung in Rot- und Schwarzdruck ist es nicht nur vom künstlerischen Gesichtspunkt interessant, auch das Digitalisat, das vor der Rückgabe an das Museum in Nowgorod erstellt wurde, bildet einen wichtigen Forschungsgegenstand.
zum Digitalisat des Messbuchs
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Messbuch von 1651
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Original im Museum Nowgorod Digitalisat zugänglich über die digitalen Sammlungen der Staatsbibliothek zu Berlin
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Digitale Sammlungen der Staatsbibliothek zu Berlin
Ohne Titel
Einen Titel bzw. Titelseiten, wie wir sie aus westeuropäischen Büchern der Zeit kennen, gab es in den Moskauer Drucken des 17. Jahrhunderts nicht. Das Messbuch beginnt ganz typisch mit einer ausführlichen Einführung, die das Erscheinungsjahr nennt und die Gründe für das Drucken des Messbuches erläutert.
Es ist eine Erzählung über das heilige Buch, genannt Messbuch, wie es auf Befehl des Zaren und Großfürsten Alexej Michajlovič (1629-1676) von ganz Russland, mit Segnung des hochheiligen Patriarchen Iosif (Joseph) von Moskau und ganz Russland sowie des ganzen heiligen Konzils gedruckt wurde. Aus dem ersten Satz dieser Einleitung leitet man den Titel des Buches ab. Skazanie o svjatěj knizě sej, glagoleměj služebnikě
Aus dem Kirchenslawisch ins Deutsche übersetzt, bedeutet dies:
Erzählung über das heilige Buch, genannt Messbuch
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Erste Seite des Messbuchs
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Original im Museum Nowgorod Digitalisat zugänglich über die digitalen Sammlungen der Staatsbibliothek zu Berlin
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Staatsbibliothek zu Berlin
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Zeit
1651
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Eintrag im Buchvorsatz Služebnik
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Staatsbibliothek zu Berlin
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In dem Messbuch (Služebnik) findet sich ein handschriftlicher Eintrag, der es der Bibliothek des Klosters "Antonius des Römers" in Nowgorod zuordnet.
Anhand der Notiz из нова города антониева монастыря римлянина wurde die Provenienz des Služebnik festgestellt. Sie besagt in etwa:
"Aus dem Antoniuskloster der neuen Stadt (=Nowgorod)“.
Das Werk selbst stellt eine Vorstufe zum Služebnik der nikonianischen Reformen von 1655 dar. Im Zuge der Reformen des Patriarchen Nikon übersetzte man das Služebnik neu aus dem Griechischen. Das Messbuch von 1651 war dagegen nur noch sehr sporadisch und behutsam an einigen ausgewählten Stellen korrigiert worden.
Wie diese prächtige Ausgabe nach Nowgorod ins Antoniuskloster kam, lässt sich höchstwahrscheinlich nicht mehr klären.
Eigentum der Bibliothek des Nowgoroder Museums
Nowgorod wurde von 1941 bis 1944 von deutschen Truppen besetzt. Unter den Kulturgütern, die die Deutschen abtransportierten, waren über 30.000 Bücher.
Wohin die Bände kamen, ist nur zum Teil bekannt. Der Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg plante in Riga eine "Ostbibliothek“ aufzubauen, vermutlich sollte das Messbuch dort integriert werden. Wie es schließlich in die Deutsche Staatsbibliothek nach Berlin (Ost) gelangte, lässt sich heute nicht rekonstruieren. Während der systematischen Prüfungen verdächtiger Bestände, die die Staatsbibliothek zu Berlin seit einigen Jahren vornimmt, wurde das Messbuch durch diesen Vorkriegsstempel als Nowgoroder Eigentum identifiziert.
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Vorkriegsstempel der Wissenschaftlichen Bibliothek des Nowgoroder Museums
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Museum Nowgorod
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Beschreibung
Der Stempel stammt aus einem vollständig erhaltenen Messbuch der russisch-orthodoxen Kirche aus dem 17. Jahrhundert, das der Wissenschaftlichen Bibliothek des Nowgoroder Museums (Naučnaja Biblioteka, Novgorodskij Muzej) gehörte.
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Riga, Dienststelle Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg (ERR), Bücherlager
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Bundesarchiv, Foto: k.A.
Beschreibung
Bücherlager im Keller der Dienststelle
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Identifikator
Bild 146-1977-031-03
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Zeit
November 1943
Weitere Informationen
November 1943
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Mariä-Geburt-Kirche, Antoniuskloster, Nowgorod
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Sterndmitri
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Zeit
Oktober 2014
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Die Bibliothek des Antoniusklosters
Seit dem 19. Jahrhundert fanden die kirchenslawischen Messbücher aus dem 17. Jahrhundert in der orthodoxen Praxis keine Anwendung mehr. Umso erstaunlicher ist es, dass das Buch, obwohl es nur für die orthodoxen Altgläubigen (Raskolniki) einen religiösen Wert hatte, im Antoniuskloster aufbewahrt wurde. Die Ausgabe von 1651 hatte vermutlich einen eher symbolischen Wert innerhalb der Bibliothek.
Aus der bedeutenden Bibliothek dieses Klosters, eines der ältesten im nordwestlichen Russland, sind heute nur 15 Bücher erhalten geblieben.
Das Messbuch wurde 2015 an das Museum in Nowgorod restituiert. Diese Rückgabe hat ein wichtiges Zeichen gesetzt. Im Rahmen des Deutsch-Russischen Bibliotheksdialogs konnte 2018 ein weiteres Buch an das Museum in Nowgorod restituiert werden.
Prof. Dr. Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz:
...Die Rückgabe unterstreicht den vertrauensvollen und partnerschaftlichen Umgang in den deutsch-russischen Kulturbeziehungen. Wenn auch die großen politischen Fragestellungen der kriegsbedingt verlagerten Kulturgüter weiterhin einer Lösung harren, so entwickeln sich die deutsch-russischen Fachkontakte kontinuierlich weiter und sind so intensiv wie selten zuvor...Die Projektkoordinatorin für Provenienzforschung an der SPK, Doris Antonides-Heidelmeyer, hat in Zusammenarbeit mit der Provenienzforscherin der Staatsbibliothek, Regine Dehnel, diesen Beitrag zu der Biografie des "Služebnik - Messbuchs" inhaltlich und visuell aufbereitet.
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Rudolph Lepke's Kunst-Auctions-Haus: Kunstgewerbe des 16. bis 19. Jahrhunderts: Möbel, Meissner, Sèvres und engl. Porzellan, Silber, Miniaturen und Dosen, Teppiche, ostasiatische Kunst ; 15. u. 16. November 1934 (Katalog Nr. 2082)
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Staatliche Museen zu Berlin – Kunstbibliothek
Beschreibung
Auktionskatalog 1934
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Lot 721 - Flacher Schwarzlack-Toilettekasten
Im November 1934 erwarb Leopold Reidemeister (1900-1987), damaliger Kustos der Ostasiatischen Kunstsammlung, bei einer Versteigerung in Rudolph Lepke’s Kunst-Auctions-Haus in der Potsdamer Straße in Berlin für 69,44 Reichsmark einen kleinen chinesischen Lackkasten.
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Chinesischer Lackkasten
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Museum für asiatische Kunst, Staatliche Museen zu Berlin – Stiftung Preußischer Kulturbesitz
Die Objektkarte des Lackkasten
Auf der Objektkarte des Museums für Ostasiatische Kunst ist der Lackkasten anschaulich beschrieben:
Rechteckiger Kasten, Holz, die Kanten mit Metallschienen eingefasst, an den Seiten Flechtwerk mit Svastikamuster, außen schwarz, innen rot lackiert, auf dem Deckel Binnenseelandschaft mit Segelschiffen, Brücke mit Reiter und Lastenträger, rechts drei Gospieler in Lackmalerei von Grün, Rot, Weiß und Gold. Auf dem Boden Inschrift in Rotlack.
Der Handel mit Ostasiatika
Der Lackkasten stammte aus dem Lagerbestand der seit den 1880er Jahren etablierten Berliner Ostasiatika-Handlung R. Wagner, die zu den führenden Deutschlands gehörte. Die Firma war seit 1912 im Besitz von Walter Elkan (1868-1963), der als Jude ab 1933 von den Nationalsozialisten verfolgt wurde.
Mit dem Lackkasten wurden im November 1934 rund 150 Objekte aus dem Bestand seiner Kunsthandlung durch Rudolph Lepke's Kunst-Auctions-Haus versteigert.
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Briefkopf der R. Wagner Kunst- und Verlags-Handlung
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Staatliche Museen zu Berlin – Zentralarchiv
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Identifikator
SMB-ZA, IV-NL Bode 5705_1918.01.10
Katalog Nr. 2082
Der Auktionskatalog für den 15. und 16. November 1934 weist im Rahmen der Versteigerung von Kunstgewerbe des 16. bis 19. Jahrhunderts: Möbel, Meissner, Sèvres und engl. Porzellan, Silber, Miniaturen und Dosen, Teppiche, ostasiatische Kunst den Lackkasten mit dem Lot 721 aus.
Digitalisat des Auktionskatalogs
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Katalog Auktionshaus Lepke, Lot 721
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Kunstbibliothek, Staatliche Museen zu Berlin – Stiftung Preußischer Kulturbesitz
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Rechnung Auktionshaus Lepke
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Staatlich Museen zu Berlin – Zentralarchiv
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Identifikator
SMB-ZA, I/MfV, OAK 006, Aktenvorgang 1260/34, Blatt 239, recto.
Rechnung des "Rudolph Lepke’s Kunst-Auctions-Haus" für den Erwerb des Lackkastens durch das Museum für Ostasiatische Kunst.
(SMB-ZA, I/MfV, OAK 006, Aktenvorgang 1260/34, Blatt 239, recto)
Raubkunst – Beutekunst
Der chinesische Lackkasten zählt seit 1945 zu den Kriegsverlusten. Es ist möglich, dass er als Beutegut nach 1945 in die Sowjetunion gelangte.
Unter Beutekunst versteht man kriegsbedingt verbrachte Kulturgüter, in dem hier geschilderten Fall die Objekte, die von russischen Armeeangehörigen nach Kriegsende 1945 in die Sowjetunion mitgenommen wurden. Seit 1945 gelten 90% der ehemaligen Ostasiatischen Kunstsammlung als Kriegsverlust. Der größte Teil davon, rund 5.400 Objekte, wurde als Beutekunst von der Roten Armee in die Sowjetunion mitgenommen.
Christine Howald arbeitet als Provenienzforscherin des Zentralarchivs der Staatlichen Museen zu Berlin an den Sammlungen des Museums für Asiatische Kunst und an den Asiatischen Sammlungen des Ethnologischen Museums. Sie konnte herausfinden, dass sich der Kasten ab 1934 in der Sammlung der damaligen Ostasiatischen Kunstsammlung befand.
Aktuell forschen auch die Erben Walter Elkans nach dem Verbleib des Lackkastens über Lost Art beim Deutschen Zentrum für Kulturgutverluste.
Suchmeldung: Flacher Schwarzlack-Toilettekasten - Einzelobjekt
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Die Lebensgeschichte des Denkens
Die Lebensgeschichte des Denkens : ein gemeinverständlicher Überblick über die Entwickelung der Weltanschauungen des Abendlandes / Gleich, Sigismund von 1896-1953
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©Staatsbibliothek zu Berlin/ Foto: Thomas Rose
Beschreibung
"Der Edle hat Angst um andere, der Gemeine um sich selber." (Spruch aus dem Werk von Paul Ernst, deutscher Schriftsteller und Denker 1866–1933) "Herrn Dr. Leo Baeck mit besten Wünschen für 1940 Hans-Hasso von Veltheim-Ostrau" „Meinem lieben Freunde Hans-Hasso von Veltheim-Ostrau in Dankbarkeit zugeeignet.“ (gedruckte Widmung Sigismund von Gleichs)
Aus dem Vorwort des Buches: "Darum muß es möglich gemacht werden, daß möglichst weite Volkskreise die Lebensgeschichte des Denkens und ihre schönsten Erkenntnisfrüchte kennen und genießen lernen. Der vorliegende gemeinverständliche Überblick dient dazu. Er kann von jedem Menschen verstanden werden, der den Willen zum Denken entwickelt. Philosophische Vorbildung wird nicht vorausgesetzt, sondern soll im echten Sinne durch dieses Werk vermittelt werden."
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Identifikator
Nk 1634/10
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Die Lebensgeschichte des Denkens
Der deutsche Rabbiner Leo Baeck (1873-1956) besaß eine umfangreiche Privatbibliothek, die sich bis zu seiner Deportation in seiner Wohnung in Berlin-Schöneberg befand. Über den Verbleib der vielen tausend Bücher aus der konfiszierten Bibliothek konnte bis heute nur wenig in Erfahrung gebracht werden.
Die Lebensgeschichte des Denkens ist einer der seltenen Zufallsfunde aus Baecks Besitz. Wie das Buch seinen Weg in die Bestände der Staatsbibliothek zu Berlin fand, konnte dank einer eindeutigen Widmung und verschiedener Stempel rekonstruiert werden.
Leo Baeck und Hans-Hasso von Veltheim-Ostrau
Es handelt sich bei dieser Widmung um das Zeugnis einer Freundschaft zwischen zwei Bibliophilen und Gelehrten, die viele Jahre währte.
Kennengelernt hatten sich der Schriftsteller, Antiquar, Kosmopolit und Kunsthändler Hans-Hasso von Veltheim-Ostrau (1885-1956) und Leo Baeck 1921 in Darmstadt bei Hermann Graf Keyserlings "Schule der Weisheit“. Veltheim war interessiert an Fragestellungen, die über das Selbstverständnis einzelner Religionen hinausgingen und eine spirituelle Sensibilisierung mit sich brachten. Mit Leo Baeck unterhielt er ab da einen religionsphilosophischen Gedankenaustausch. Ein reger Briefwechsel, der nahezu lückenlos erhalten ist, zeugt von dieser tiefen Freundschaft, die über die NS-Zeit und den Zweiten Weltkrieg bis zu Veltheims Tod im Jahr 1956 andauerte.
Baeck und Veltheim trafen sich regelmäßig in München und Berlin. Nach Schloss Ostrau, das Veltheim saniert und in eine Stätte west-östlicher Begegnung verwandelt hatte, kam Baeck wahrscheinlich aber nur ein einziges Mal im Jahr 1932.
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Collage: Hans-Hasso von Veltheim-Ostrau / Leo Baeck lesend
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©Familienarchiv von Veltheim mit freundlicher Genehmigung, Collage: Doris Antonides-Heidelmeyer/ Staatsbibliothek zu Berlin
Beschreibung
Leo Baeck: Leo Baeck Institute – New York | Berlin
Hans-Hasso von Veltheim-Ostrau: Archivmaterial der Familie von Veltheim im Landesarchiv Sachsen-Anhalt (LHASA) in Wernigerode
Widmung: Staatsbibliothek zu Berlin
Angaben zum Objekt
Identifikator
Leo Baeck: F 1721L - Leo Baeck Collection (AR 66)
Anhand des Buchgeschenkes lässt sich die Rolle des fürsorglichen Veltheim-Ostrau innerhalb eines Gelehrten-Netzwerkes, mit Raum für diverse Weltanschauungen, skizzieren. In der Vorkriegszeit, mit ihren für Leo Baeck beängstigenden Vorzeichen, verfolgte er die Entwicklungen um das Schloss Ostrau und seinen Freund Veltheim mit großem Interesse. Auf die Einladung seines Freundes zu einer Veranstaltung am 18. September 1931 äußerte Leo Baeck:
Manches wäre besser, wenn es noch einige Ostraus im Lande gäbe.Veranstaltungen, wie Vorträge, Dichterlesungen und Konzerte fanden ab 1929, noch während der Renovierung des Schlosses, bis in die Kriegszeit hinein statt. Veltheim lud zahlreiche deutsche und ausländische Gäste auf sein Anwesen ein: Philosophen, Dichter, Naturwissenschaftler, Psychologen, Musiker, bildende Künstler und Forscher auf vielen Gebieten. Am 3. März 1934 sprach hier der Anthroposoph Sigismund von Gleich (1896-1953). Im Gästebuch Ostraus hinterließ er am 6. März diese Einschätzung:
Jeder Besuch auf Ostrau läßt mich klarer und mit Staunen das weitgespannte wesentliche Schicksalsnetz erkennen, in das ich mich hier miteinverwoben wissen darf; ich kann – allerdings noch unsicher tastend – mögliche Konstellationen unserer Zukunft erahnen.Während der NS-Zeit kümmerte sich Veltheim um Baeck, nach dem Krieg kehrte sich diese Situation um. In einem Brief an Baeck schreibt Veltheim am 30. April 1946:
Bitte ersehen Sie, verehrungswürdiger Lehrer und Freund, daß ich Sie und Ihr beispielgebendes Leben im Ertragen der Schicksal(s)schläge mir zum Vorbild nahm, und dass ich mich bemühe, im ganz kleinen mir noch belassenen Rahmen der Möglichkeiten, Ihrem grossen, umfassenden jetzigen Werke der Versöhnung und Liebe nachzueifern.
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Schloss Ostrau – Blick auf den Seitenflügel
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Concord
Beteiligte, Orts- und Zeitangaben
Zeit
Juli 2012
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Lebensgeschichte des Denkens – Exemplargeschichte
Das Buchgeschenk an Leo Baeck kam von Hans-Hasso von Veltheim-Ostrau, dem der Autor Sigismund von Gleich das Manuskript 1939 widmete.
Das Zugangsbuch der Preußischen Staatsbibliothek (PSB) verzeichnet den Eingang des Buches am 14. September 1943, acht Monate nach Baecks Deportation, als "Geschenk" der Gestapo. Daher wird es als "donum“ (D) inventarisiert.
Nach Kriegsende, als die Staatsgrenzen zwischen Deutschland und Polen neu festgelegt werden, gelangt das vor 1945 nach Schlesien ausgelagerte Buch mit vielen anderen nach Warschau in die Universitätsbibliothek. In Berlin (Ost) wird es als Kriegsverlust vermerkt. 1965 aber wird es im Rahmen der Aktion "Rückführung von Beständen aus Polen"(RüBePol) an die Deutsche Staatsbibliothek zurückgeführt.
Dort wurde das Buch im Zuge der systematischen Überprüfung von raubgutverdächtigen Beständen anhand der Widmung eindeutig als Besitz von Leo Baeck identifiziert.
Die Restitution an Leo Baecks Erben ist in Vorbereitung.
Link zum Katalog der Staatsbibliothek (StaBiKat)
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Akzessionsjournal der Preußischen Staatsbibliothek, Dona Deutsch 1942-1947, Zugangsnr. D 1943.378
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Staatsbibliothek zu Berlin
Beschreibung
D 1943 (Dona 1943): "Gestapo Berlin durch Orient. Abt". Offensichtlich galten die Zugänge aus Baecks Bibliothek als Judaica und wurden in der Orientalischen Abteilung geführt. Zugangsnummer: 378 am 14.9.1943, Gleich, Lebensgeschichte des Denkens, Stuttgart 1939
Leo Baecks Bibliothek
Mit dem Aufbau einer Bibliothek begann Leo Baeck 1897 mit seiner ersten Anstellung als Rabbiner in der schlesischen Kleinstadt Oppeln. Nach 40-jähriger Sammeltätigkeit umfasste sie circa 4.000 Bände.
Am 27. Januar 1943 wurde Leo Baeck nach Theresienstadt deportiert. Vier Wochen später wurde seine Privatbibliothek von der Gestapo in Säcke gepackt und abtransportiert.
Nach seiner Befreiung aus dem Konzentrationslager, das er als prominenter Gefangener mit besonderen Rechten überlebt hatte, versuchte Baeck seine Bibliothek wiederzufinden. Hierzu verfasste er aus dem Gedächtnis mehrere Listen mit den wertvolleren und ihm wichtigen Büchern.
37 seiner Bücher wurden in den Beständen des von den westalliierten Streitkräften eingerichteten "Offenbach Archival Depot“ (OAD) identifiziert und im Mai 1951 Baecks Rechtsanwalt ausgehändigt. Im OAD wurden vor allem von den Nationalsozialisten zuvor geraubte Archivalien und Bücher gesammelt und für eine Restitution vorbereitet.
Der Rest von Baecks Büchern ging sehr unterschiedliche Wege, der Großteil gilt bis heute als verschollen.
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Autogramm: Baeck
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Staatsbibliothek zu Berlin
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Grafik nach Bettina Farack
in Masterarbeit: Die Bibliothek von Leo Baeck: Raub und Rekonstruktion
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©Bettina Farack
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Typ
Masterarbeit
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Zeit
2018
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Bücher aus der Bibliothek von Leo Baeck
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Staatsbibliothek zu Berlin
Beschreibung
An Leo Baeck restituierte Bücher
Zersplitterung der Bibliothek Leo Baecks
1944 wurden Bestände der Preußischen Staatsbibliothek zum Schutz vor Kriegsschäden auch nach Hessen ausgelagert. Von hier gelangten in den siebziger Jahren viele Bücher, nach drei Jahrzehnten in Marburg, in die Staatsbibliothek nach Berlin (West). Auch in diesem, zu großen Teilen unbearbeiteten Altbestand entdeckte man Anfang der 2000er Jahre Bücher der Bibliothek Leo Baeck.
Die eindeutigen Provenienzmerkmale in Baecks Exemplar der Lebensgeschichte des Denkens von Sigismund von Gleich weisen aber auf den Weg über den Osten hin, den ebenfalls viele Bücher gegangen sind.
Insgesamt kamen nach und nach 23 Bücher zum Vorschein. 2006 wurden in einer ersten Restitution 17 Bände, bei denen es sich mit Sicherheit um Bücher aus der zersplitterten Bibliothek Baecks gehandelt hat, an seine Enkelin in New York zurückgegeben.
Versuche, weitere Bände über die Rekonstruktion des Katalogs seiner Bibliothek zu finden, dokumentieren vor allem, was verloren ging. Für lediglich 27 Titel kann heute angegeben werden, wo sie sich befinden bzw. welche Wege sie nahmen.
Es ist nicht auszuschließen, dass weitere Bücher Leo Baecks in die Bestände der Staatsbibliothek integriert wurden, möglicherweise fehlen nur Provenienzmerkmale, um sie korrekt zuordnen zu können.
Schlossbibliothek Ostrau
Baecks Freund Veltheim verlor seine Schlossbibliothek, in der bis zum Jahr 1945 ca. 20.000 Bände aufgestellt waren, erst nach Kriegsende. Er floh am 12. Oktober 1945 über die innerdeutsche Grenze aus der sowjetischen Besatzungszone, nachdem ihm kurz zuvor seine restlose Enteignung als Großgrundbesitzer mitgeteilt worden war. Direkt nach Veltheims Flucht kam es zu Plünderungen und Vandalismus. Augenzeugen berichteten, dass Bücher aus der Bibliothek auf der Müllkippe entsorgt wurden. Es ist davon auszugehen, dass in der Folgezeit viele Kulturgüter, die in Ostrau eingelagert waren, zusammen mit Objekten aus Veltheims Besitz in die Sowjetunion verbracht wurden.
1949 wurden die im Schloss noch verbliebenen Bücher, Archivalien, Möbel und Kunstgegenstände im Rahmen der in Sachsen-Anhalt zentral organisierten "Kulturgutsicherstellung“ abtransportiert. Veltheims Bücher wurden, wie die Zugänge aus anderen Schlössern und Gutshäusern Sachsen-Anhalts, in den Bestand der Universitätsbibliothek Halle integriert. Mehrere tausend Bände der Bibliothek von Hans-Hassos von Veltheim-Ostrau wurden so "gerettet" und befinden sich heute als Depositum in der Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt (ULB). Sie sind zusammen mit den handschriftlichen Materialien Veltheims in den Historischen Sammlungen aufgestellt.
Einige von der ULB Halle abgegebenen Bände kamen über die Zentralstelle für wissenschaftliche Altbestände in die Staatsbibliothek zu Berlin.
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Hans-Hasso Veltheim-Ostrau in der Schlossbibliothek
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©Familienarchiv von Veltheim mit freundlicher Genehmigung
Die Projektkoordinatorin für Provenienzforschung an der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Doris Antonides-Heidelmeyer, hat in Zusammenarbeit mit Heike Pudler, Referatsleiterin der Abteilung Historische Drucke der Staatsbibliothek zu Berlin, diesen Artikel zu dem Buch "Die Lebensgeschichte des Denkens“ und zu dem Schicksal der Privatbibliotheken von Leo Baeck sowie von Hans-Hasso von Veltheim-Ostrau inhaltlich und visuell aufbereitet.
Informationen über die verwendeten Medien
Schlossbibliothek Drottningholm, Bibliothek Luise Ulrike von Preußen, Königin von Schweden (1720-1782)
Aus der Sammlung von
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Holger Ellgaard
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Was lasen hochadlige Damen – und was lasen sie nicht?
Über die Lesegewohnheiten seiner Besitzerin kann ein einzelnes Buch viel erzählen. Mehr noch erzählen ganze Sammlungen, die aber selbst mit dem Status einer Fürstinnenbibliothek nur selten erhalten blieben. Spuren der Büchersammlerinnen aus dem Umkreis des preußischen Hofes finden die Provenienzforscher:innen der Staatsbibliothek immer wieder. Im Jahr 2017 waren nicht zuletzt hochrangige preußische Provenienzen Anlass für die Erwerbung der "Prinzessinnenbibliothek“, der erhalten gebliebenen Privatbibliothek der Prinzessin Sofia Albertina von Schweden (1753-1829), einer Nichte Friedrichs des Großen.
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Buchrücken aus der "Prinzessinnenbibliothek"
Aus der Sammlung von
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Staatsbibliothek zu Berlin
Beschreibung
Über die Einbände lassen sich die verschiedenen Besitzerinnen der Bücher aus der "Prinzessinnenbibliothek“ rasch erkennen. Vorder- und Hinterdeckel tragen unterschiedliche goldgeprägte Supralibros, manchmal vorn Luise Ulrikes (1720-1782) Allianzwappen und hinten das Monogramm ihrer Tochter. Außerdem haben einige Buchrücken die Initialen S.A. für Sofia Albertina.
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Eigenhändige Notiz Luise Ulrikes über ein Buchgeschenk an ihre Tochter
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Staatsbibliothek zu Berlin
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Nur zweimal bezeugen handschriftliche Vermerke Buchgeschenke Luise Ulrikes an ihre Tochter, beide Male handelt es sich um mehrbändige historische Abhandlungen zur französischen Geschichte, die Sofia Albertina als junges Mädchen erhielt. Hier vermerkt Luise Ulrike im ersten von zwei Bänden der "Histoire de la Reunion de la Bretagne a la France“ von 1764: "Ce Livre cest trouvé double dans ma Bibliotheque et donné a ma Fille“ (Dieses Buch hat sich doppelt in meiner Bibliothek befunden und wurde meiner Tochter geschenkt).
Prinzessinnen und Königinnen
Sofia Albertina baute ihre Bibliothek durch eigene Erwerbungen auf, integrierte aber auch Bücher ihrer Großmutter, der aus dem Haus Hannover stammenden preußischen Königin Sophie Dorothea, und ihrer Mutter, der Schwester Friedrichs des Großen und schwedischen Königin Luise Ulrike. So entstand ein über drei Generationen gewachsenes Zeugnis des Leseverhaltens von Frauen aus dem europäischen Hochadel des 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts.
Luise Ulrike heiratete 1744 den schwedischen Kronprinzen Adolf Friedrich, der 1751 zum schwedischen König gewählt wurde. Die geistvolle und kunstsinnige Luise Ulrike unterhielt als schwedische Königin in ihrem Schloss in Drottningholm einen glänzenden Hof, der deutlich französischem Vorbild folgte. Auch das Verhältnis zu ihrem Bruder Friedrich war eng, wie der Briefwechsel zeigt. Während die offiziellen Sammlungen auf Schloss Drottningholm nach dem Tod Adolf Friedrichs 1777 von seinem Nachfolger Gustaf III. eingezogen wurden und sich deshalb heute in staatlichem Besitz befinden, konnte Luise Ulrike über ihre private Büchersammlung offenbar weiterhin selbst bestimmen.
Sofia Albertina – die letzte des Hauses Wasa
Luise Ulrikes einzige Tochter, die schwedische Prinzessin Sofia Albertina wurde – nachdem verschiedene Eheprojekte gescheitert waren – 1767 zur Koadjutorin des evangelischen Reichsstifts Quedlinburg gewählt und trat zwanzig Jahre später die Nachfolge ihrer 1787 verstorbenen Tante, der jüngsten Schwester Friedrichs des Großen Anna Amalie, als Äbtissin an. Neben sozialen Projekten initiierte sie in ihrem neuen Amt ein kleines Hoftheater, das erste Quedlinburger Theater überhaupt. Bereits ab 1790 hielt sich Sofia Albertina wieder hauptsächlich in Schweden auf, 1803 kehrte sie nach der Aufhebung des Stifts durch den Reichsdeputationshauptschluss endgültig dorthin zurück. Zu der neuen schwedischen Königsdynastie Bernadotte, die seit 1810 per Adoption zur Nachfolge ausersehen war, pflegte sie als "letzte des Hauses Wasa“ ein freundschaftliches Verhältnis.
Prinzessin Sofia Albertina von Schweden starb am 17. März 1829 unverheiratet und kinderlos. In ihrem Testament hatte sie ihre Oberhofmeisterin Gräfin Lolotte Stenbock – vermutlich die natürliche Tochter König Adolf Friedrichs und damit ihre Halbschwester – und deren einzigen Sohn Magnus Stenbock als Universalerben eingesetzt. Ihre Bibliothek wurde, wie im Testament festgelegt, als Ganzes in der männlichen Linie der Stenbocks vererbt, bis zum Tod des letzten männlichen Nachkommen im Jahre 1988.
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Sofia Albertina von Schweden
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Nationalmuseum Stockholm
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Das Porträt wird dem schwedischen Maler Jakob Björck (1727 oder 1728-1793) zugeschrieben.
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Oft und nie Gelesenes
Sofia Albertina investierte erhebliche Summen in Neuerwerbungen für ihre Bibliothek. So erhielt sie mehrmals jährlich Büchersendungen im Wert von 400 bis 600 Reichstalern aus Paris. Auch während ihres Aufenthaltes in Quedlinburg sind Buchankäufe belegt, ebenso während ihrer Italienreise 1792/1793. Die 4.500 Bände der Sammlung spiegeln das Spektrum weiblicher Bildung im europäischen Hochadel: Fast nur französischsprachige Drucke des 17. bis 19. Jahrhunderts, vor allem Belletristik, aber auch die Werke Friedrichs des Großen, historische Abhandlungen, Adelskalender, Biografien, Reiseliteratur und Tafelwerke, Grafikmappen, schließlich einzelne Handschriften.
Einiges blieb ungelesen: Neben druckfrisch und kaum aufgeschlagen wirkenden Bänden gibt es Bücher mit nicht aufgeschnittenen Lagen, die folglich gar nicht gelesen sein können. Bei einigen Bänden mag die Besitzerin nicht mehr dazu gekommen sein, aber auch etliche Jahre vor ihrem Tode erschienene Geschichtswerke, wie die Ausführungen des Militärschriftstellers Mathieu Dumas über die napoleonischen Kriege, sind darunter.
Daneben gibt es in der "Prinzessinnenbibliothek“ Bücher, die die adligen Damen offensichtlich gern gelesen haben: Neben Klassikern der Literatur von Goethe, Schiller und Shakespeare stehen Briefsammlungen und Memoiren, bevorzugt galanter Natur, sowie viele Abenteuerromane bis hin zu Robinson Crusoe, ja sogar der Lederstrumpf – alles gern in französischer Übersetzung.
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Les amans (Die Liebenden), Textstelle aus dem Melodram "Le Brigand De Venise" von Matthew G. Lewis
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Französische Übersetzung der englischen Prosa-Adaption des Dramas "Abällino, der große Bandit" von Heinrich Zschokke (1794), die Matthew G. Lewis 1805 unter dem Titel "Rugantino or the Bravo of Venice" publizierte.
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Modetafel aus "Journal des Dames et des Modes“, Paris 1801-1822
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Staatsbibliothek zu Berlin
Fashion Victim – schon damals?
Sofia Albertina hatte mindestens drei Mode- bzw. Frauenzeitschriften abonniert, zwei davon aus Paris. Über die in handkolorierten Tafeln präsentierte neueste Mode hinaus waren darin Theaterbesprechungen, Literaturtipps und Gesangsbeilagen zu finden. Das ebenfalls in ihrer Bibliothek vorhandene deutsche Journal für Fabrik, Manufaktur, Handlung, Kunst und Mode wirkt dagegen deutlich nüchterner: Handels- und Zollmodalitäten, Warenkunde, Preise und Neuheiten, darunter aber viele Stoffe mit genauer Beschreibung der Webverfahren, Muster und eingeklebten Stoffproben.
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Widmung an den Kaiser und Exlibris der Kaiserin im Reisebericht "Zum Schneedom des Kilimandscharo" von Hans Meyer, 1888
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Staatsbibliothek zu Berlin/ Fotos: Thomas Rose/ Bildbearbeitung: Doris Antonides-Heidelmeyer
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Hans Meyers Kilimandscharo-Buch von 1888 – ein weitergereichtes Widmungsexemplar?
Im Bestand der Staatsbibliothek entdeckte Einzelexemplare mit Provenienzspuren deutscher Kaiserinnen aus dem späten 19. Jahrhundert erzählen weitere interessante Geschichten.
Hans Meyer (1858-1929), Geograf und Spross der Leipziger Verlegerfamilie, die für Meyers Konversations-Lexikon bekannt ist, unternahm zahlreiche Forschungsreisen rund um die Welt. Über seine zweite Afrikareise publizierte Hans Meyer unter dem Titel „Zum Schneedom des Kilimandscharo“ einen für die breite Masse aufgemachten Bericht, illustriert mit Fotografien und Karten, ausgestattet mit auffälligem Verlagseinband. Der Kilimandscharo gehörte von 1885 bis 1918 zur Kolonie Deutsch-Ostafrika des Deutschen Kaiserreiches. Über solche Werke kam die weit entfernte Kolonie in die öffentlichen Leihbibliotheken und in die deutschen Wohn- und Klassenzimmer.
Ein in der Staatsbibliothek aufbewahrtes Exemplar des Kilimandscharo-Buches von 1888 besitzt ein nur hier nachgewiesenes gedrucktes Widmungsblatt, mit dem der Autor dieses Werk dem frischgekrönten deutschen Kaiser Wilhelm II. zugeeignet hat. Das darin befindliche Exlibris weist ebendieses Buch als Teil der Bibliothek seiner Frau aus, der Kaiserin Auguste Viktoria. Seit 1893 verwendete sie auf ihrem Exlibris das Motiv eines wappentragenden Engels, geschaffen von Georg Otto. Ob der eigentliche Widmungsempfänger, Kaiser Wilhelm II., das Buch bereits besaß und weitergab, es aus Versehen in die Bibliothek seiner Frau geriet oder Auguste Viktoria dieses Werk unbedingt haben wollte, muss Spekulation bleiben.
Eine Spende von "Kaiserin Friedrich“ für den Armenpflege-Basar
Über die Pflege eigener Privatbibliotheken hinaus waren die hochadligen Damen in Preußen durchaus auch als Autorinnen und – man denke nur an Anna Amalie, die Vorgängerin Sofia Albertinas als Quedlinburger Äbtissin – Komponistinnen tätig.
Kaiserin Victoria, die Schwiegermutter Auguste Viktorias und Tochter der englischen Königin, schrieb 1888, frisch verwitwet, eine Einleitung zu der im "Dreikaiserjahr“ gleich mehrfach aufgelegten, von dem englischen Diplomaten Rennell Rodd verfassten Biographie ihres nach nur 99 Tagen als Kaiser verstorbenen Mannes. Die deutsche Ausgabe erschien unter dem Titel "Friedrich III. als Kronprinz und Kaiser“.
Im Bestand der Staatsbibliothek findet sich ein Exemplar der 6. Auflage, das eine handschriftliche Widmung Victorias, der "Kaiserin Friedrich“ trägt. Daraus geht hervor, dass die Kaiserin dieses Exemplar 1890 für den Verkauf auf dem Basar zugunsten der Stettiner Armenpflege spendete und signierte. Die wohltätige Gabe kam zu diesem Zeitpunkt vielleicht schon aus dem fernen Taunus, wo Victoria seit 1889 auf "Schloss Friedrichshof" in Kronberg lebte. Ihren Witwensitz schmückte sie unter anderem mit ihrer umfangreichen Privatbibliothek – heute Teil eines noblen Schlossrestaurants.
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Handschriftliche Widmung der "Kaiserin Friedrich"
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Staatsbibliothek zu Berlin/ Foto: Thomas Rose
Beschreibung
Widmung auf dem Vorsatz: „Zum Besten des Bazaar's für die Centrale Armenpflege in Stettin von Victoria Kaiserin u. Königin Friedrich. 1890“ in: "Friedrich III. als Kronprinz und Kaiser: ein Lebensbild" von Rennell Rodd. Mit einer Einleitung von Ihrer Majestät der Kaiserin Friedrich.
Angaben zum Objekt
Identifikator
SBB PK, Signatur: 809288 : R
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Die herausragende Erwerbung der "Prinzessinnenbibliothek“ durch die Staatsbibliothek und die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg gelang im Oktober 2016 durch die Unterstützung zahlreicher Förderer. Inzwischen sind die rund 4.500 Bände der Sammlung durch die Abteilung Historische Drucke vollständig erschlossen – einschließlich aller Spuren der Besitzerinnen.
Bereits im Beitrag zu dem mangi Marealle von Marangu findet das Buch "Zum Schneedom des Kilimandscharo“ in dieser virtuellen Ausstellung Erwähnung. Dort diente es als Quelle insbesondere für die Fotografien, die Auskunft über die Herkunft des Ohrpflocks in den Sammlungen des Ethnologischen Museums zu Berlin geben können.
Die Geschichte des eigentlich für Wilhelm II. gedachten Widmungsexemplars, das in Auguste Viktorias Privatbibliothek gelangte, gab den Anlass für den Beitrag von Michaela Scheibe und Doris Antonides-Heidelmeyer.
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Die Autorinnen und Autoren
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Collage Doris Antonides-Heidelmeyer
Die Autor:innen der Texte
Doris Antonides-Heidelmeyer, Projektkoordinatorin für Provenienzforschung an der SPK "Königlich Preußische Gesandtschaft in Konstantinopel"
- zusammen mit Dr. Regine Dehnel, Provenienzforscherin in der Staatsbibliothek zu Berlin , Abteilung Historische Drucke "Erzählung über das heilige Buch, genannt Messbuch" , "Paris - Square de l'Avenue Foch"
- zusammen mit Heike Pudler, Referatsleiterin Restitution in der Staatsbibliothek zu Berlin, Abteilung Historische Drucke "Die Lebensgeschichte des Denkens"
- zusammen mit Michaela Scheibe, stellvertretende kommissarische Leitung der Abteilung Historische Drucke, Staatsbibliothek zu Berlin "Was lasen hochadlige Damen – und was lasen sie nicht?"
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Dr. Julia Binter, Provenienzforscherin am Zentralarchiv der Staatlichen Museen zu Berlin – Ethnologisches Museum
"Königin Olugondo von Ondonga"
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Dr. Sven Haase, Provenienzforscher für Bildende Kunst am Zentralarchiv der Staatlichen Museen zu Berlin
"Alfred Flechtheim und Paul Klees Lebkuchen-Bild"
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Dr. Christine Howald, Provenienzforscherin für das Museum für Asiatische Kunst und die Asiatischen Sammlungen des Ethnologischen Museums und stellvertretende Direktorin des Zentralarchivs der Staatlichen Museen zu Berlin
"Lot 721 - Flacher Schwarzlack-Toilettekasten"
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Ilja Labischinski , Provenienzforscher am Zentralarchivs der Staatlichen Museen zu Berlin - Ethnologisches Museum
"Francis la Flesche" und "Chenega Island: Bereist im Auftrag des Königlichen Museums für Völkerkunde"
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Dr. Laura Puritani, Provenienzforscherin am Zentralarchiv der Staatlichen Museen zu Berlin – Archäologie
"Ein Jagdhaus in der Schorfheide"
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Michaela Scheibe, stellvertretende kommissarische Leitung der Abteilung Historische Drucke, Staatsbibliothek zu Berlin
"Wie wurde Goethes Gartenhaus zu Raubgut?" , "Mit Messer und Gabel – Bücherlesen einmal anders" und "Was lasen hochadlige Damen – und was lasen sie nicht?"
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Dr. Hanna Strzoda, Provenienzforscherin für Bildende Kunst am Zentralarchiv der Staatlichen Museen zu Berlin
"Wer war Douwe Remmersen?", "Ein Tausch 1:222 mit dem deutschen Reich" und "Dresdner Bank - Zentrale Berlin"
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Kristin Weber-Sinn, Provenienzforscherin am Zentralarchiv der Staatlichen Museen zu Berlin - Ethnologisches Museum
"Mangi Marella von Marangu"
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Dr. Friederike Willasch, Wissenschaftliche Referentin in der Abteilung Historische Drucke, Staatsbibliothek zu Berlin
"Bruno Kaiser und die Sozialistica aus dem Institut für Sozialforschung" und "Notizen mit System - Die Berliner Bibliothek von Alfred Kantorowicz"
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Dr. Petra Winter, Direktorin des Zentralarchivs und Leiterin der Provenienzforschung der Staatlichen Museen zu Berlin
"Palais Mosse - Leipziger Platz 15 / Voßstraße 22"
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LEUTE
Wer war Douwe Remmerssen?
Biografien der Objekte: Wer war Douwe Remmerssen?
Warum dauert das denn so lange? Dossier Provenienzforschung SPK
DZK: Im Gespräch mit dem Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin
Hanna Strzoda: Geschichten hinter den Werken – Provenienzforschung in der „Sammlung der Zeichnungen" am Kupferstichkabinett, in: Jahrbuch Preußischer Kulturbesitz 2014. Bd. L. Berlin 2015, S. 124-151.
Francis La Flesche
Überraschende Erinnerungen: Die Omaha in Berlin - SPK Dossier
Biografien der Objekte: Ein Federschmuck und viele Fragen - SMB Blog
Bruno Kaiser und die Sozialistica aus dem Institut für Sozialforschung
Restitution an das Institut für Sozialforschung
Ein Blick hinter die Kulissen: Provenienzforschung an der Staatsbibliothek
Michaela Scheibe, Friederike Willasch, Sozialistica in der Preußischen Staatsbibliothek – eine Spurensuche, in: Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie 5 (2019), S. 214-224.
Königin Olugondo von Ondonga
„Okadina“ – Von Frauenfreundschaften und königlichen GeschenkenKolonialismus, Kunst und Kultur – Namibia-Kooperationsprojekt am Ethnologischen Museum
Alfred Flechtheim und Paul Klees Lebkuchen-Bild
Biografien der Objekte: Alfred Flechtheim und Paul Klees Lebkuchen-Bild
Marealle von Marangu
Der Ohrschmuck des mangi Marealle
ORTE
Über allen Wipfeln keine Ruh, in: SPK Magazin "zurückgegeben"
Biografien der Objekte. Görings römischer Löwensarkophag, in: SMB Blog
Dokumentation des Fremdbesitzes: Antikensammlung -Antiken aus Carinhall aus dem Eigentum der Bundesrepublik Deutschland
Chenega Island: Bereist im Auftrag des Königlichen Museums für Völkerkunde
SMB Blog, Biografien der Objekte: Der Hut der Chugach
Palais Mosse - Leipziger Platz 15 / Voßstraße 22
SMB Blog, Biografien der Objekte: Der Löwe aus der Voßstraße
Wie wurde Goethes Gartenhaus zu Raubgut?
Album Amicorum Rudolf Mosse – 70. Geburtstag (MARI)
Artikel über Rudolf Mosse im ProvenienzWiki
Königlich Preußische Gesandtschaft in Konstantinopel
Julia Gonnella und Christoph Rauch, MEISTERWERKE AUS DEM SERAIL Die Diez’schen Klebealben aus der Sammlung orientalischer Handschriften der Staatsbibliothek zu Berlin S. 11-17
Meliné Pehlivanian und Thoralf Hanstein, TURCICA Die historischen und modernen türkischen Bestände der Staatsbibliothek zu Berlin S. 63-67
Julia Gonnella und Christoph Rauch, Pergamonmuseum Meisterwerke aus dem Serail - Die Klebealben des Heinrich Friedrich von Diez
Katrin Böhme, „Ich hatte dabei wesentlich meine Bequemlichkeit zur Absicht“: Die Bibliothek Diez, ihre Kataloge und ihre Systematik, in: Christoph Rauch, Gideon Stiening (Hrsg.), Heinrich Friedrich von Diez (1751–1817). Freidenker - Diplomat – Orientkenner, Berlin 2020, S. 309-333
Paris - Square de l'Avenue Foch
Ein Blick hinter die Kulissen: Provenienzforschung an der Staatsbibliothek
Artikel über Artur Rubinstein im ProvenienzWiki
Dresdner Bank - Zentrale Berlin
Das größte Kunstgeschäft der NS-Zeit
SPK restituiert fünf Werke aus der Sammlung Ueberall
Rückerwerb eines restituierten Werks von Matteus Stom durch den Kaiser Friedrich Museumsverein für die Gemäldegalerie
Matteus Stom, Sarah führt Abraham Hagar zu
Erwerbungen von der Dresdner Bank 1935
DINGE
Mit Messer und Gabel – Bücherlesen einmal anders
Blogbeitrag SBB -Gabel, Messer und eine Eule sind Zeugen
Ein Blick hinter die Kulissen: Provenienzforschung an der Staatsbibliothek
Ein Tausch 1:222 mit dem Deutschen Reich
Informationssystem zu Auktions-Einlieferungen
Biografien der Objekte: Irrwitziger Tausch mit dem Deutschen Reich
Nachlass Galerie - Ferdinand Möller, Berlinische Galerie
Warum dauert das denn so lange? Dossier Provenienzforschung SPK
DZK: Im Gespräch mit dem Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin
Hanna Strzoda: Geschichten hinter den Werken – Provenienzforschung in der „Sammlung der Zeichnungen" am Kupferstichkabinett, in: Jahrbuch Preußischer Kulturbesitz 2014. Bd. L. Berlin 2015, S. 124-151.
Artikel über Alfred Kantorowicz im ProvenienzWiki
Alfred Kantorowicz, Deutsches Tagebuch. 2 Teile, München 1959.
"Erzählung über das heilige Buch, genannt Messbuch"
Mehr als Worte: Staatsbibliothek restituiert wertvolles Messbuch dank Deutsch-Russischem Bibliotheksdialog
7. Deutsch-Russischer Bibliotheksdialog: Restitution von sechs Büchern des Museums Nowgorod
Moskauer Druckhof: Die Wiege der russischen Buchdruckerei am Kreml
Lot 721 - Flacher Schwarzlack-Toilettekasten
Museum für asiatische Kunst - Ostasiatische Kunstsammlung
Deutsch-Russischer Museumsdialog-Kulturelles Gedächtnis
Verlust + Rückgabe, Deutsch-Russischer Museumsdialog (hier: Seite 14)
Die Lebensgeschichte des Denkens
Artikel über Hans-Hasso von Veltheim-Ostrau im ProvenienzWiki
Was lasen hochadlige Damen – und was lasen sie nicht?
Prinzessinnen-Bibliothek erworben
Artikel über die Biblitohek Sofia Albertina im ProvenienzWiki
Kaiser Wilhelm am Kilimandscharo
Die königliche Hausbibliothek im Berliner Stadtschloss
Silke Trojahn, Andreas Wittenberg: "Die Prinzessinnen-Bibliothek". Die Bücher der Sofia Albertina von Schweden. Insel Verlag, Berlin 2019. 143 S.
Unterstützer:innen
Für die Unterstützung bei der Realisierung dieser virtuellen Ausstellung danken wir:
Bettina Farack (Leo Baeck-Institut Jerusalem, Grafik zu den Wegen von Leo Baecks Büchern)
Roslin Goldberg (Nutzungserlaubnis für das Hesse-Familienfoto)
Jane Gottlieb (Juillard School New York - Widmung Heitor Villa-Lobos)
Manfred Krause (Fotograf, Nutzungserlaubnis für Porträt Bruno Kaiser)
Atelier Christoph Neubauer (Animation Mosse-Palais)
John Palatini (Informationen zu Hans-Hasso von Veltheim-Ostrau)
Armin Schulte (Beratung)
Hans Strauch (Zeichnung Leiziger PLatz)
Lidia Westermann (Deutsche Digitale Bibliothek, Technischer Support)
... und insbesondere den Kolleg:innen der Fachabteilungen der Staatsbibilothek zu Berlin für ihre beratende Unterstützung.
Eine virtuelle Ausstellung von
Team
Doris Antonides-Heidelmeyer
Julia Binter
Regine Dehnel
Sven Haase
Christine Howald
Ilja Labischinski
Heike Pudler
Laura Puritani
Michaela Scheibe
Hanna Strzoda
Kristin Weber-Sinn
Friederike Willasch
Petra Winter
Impressum
Stiftung Preußischer Kulturbesitz
- Abteilung Historische Drucke der Staatsbibliothek zu Berlin
- Zentralarchiv der Staatlichen Museen zu Berlin
Stiftung Preußischer Kulturbesitz
Von-der-Heydt-Str. 16-18
10785 Berlin
Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz wird gesetzlich vertreten durch ihren Präsidenten, Herrn Prof. Dr. Dr. hc. mult. Hermann Parzinger.
Tel.: +49 (0)30 266 412889
Fax: +49 (0)30 266 412821
info [at] hv.spk-berlin.de
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10785 Berlin
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E-Mail: geschaeftsstelle@deutsche-digitale-bibliothek.de
FIZ Karlsruhe - Leibniz Institut für Informationsinfrastruktur GmbH
Hermann-von-Helmholtz-Platz 1
76344 Eggenstein-Leopoldshafen
Die Deutsche Digitale Bibliothek verlinkt die virtuelle Ausstellung auf ihrer Internetseite https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/content/virtuelle-ausstellungen.
Die kuratierende Einrichtung bestimmt über Thema und Inhalt der Einstellung. Die DDB nimmt nur im Ausnahmefällen Einfluss darauf, s. Nutzungsbedingungen.