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Spotlight on the Object

LEUTE - ORTE - DINGE

Staatliche Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
Herzlich willkommen bei den Provenienzforscher:innen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz!

Jedes Objekt hat seine eigene Geschichte, die ihren Anfang nimmt, lange bevor es auf oft verschlungenen Pfaden in eine Bibliothek oder in ein Museum gelangt. Die früheren Besitzer:innen, Ortswechsel und unterschiedlichen Sammlungskontexte können viele Spuren hinterlassen – nicht zuletzt auf den Objekten selbst. Doch oft finden die erzählenswerten Ereignisse, die sich um eine Provenienz ranken, kaum Beachtung und geraten über die Jahre in Vergessenheit.

Diese vergangenen, versteckten und manchmal auch bewusst verborgenen Etappen in der Biografie von Büchern, Kunstwerken und Alltagsgegenständen, ihre Geschichte und Geschichten wieder ans Licht zu holen und neben den Dingen auch die mit ihnen verbundenen Orte und Leute sichtbar zu machen, ist Aufgabe und Ziel der Provenienzforschung an Museen, in Bibliotheken und Archiven. Schicht für Schicht arbeiten sich die Provenienzforscher:innen durch die Zeiten, bewegen sich auf Haupt- und Nebenwegen, landen in Sackgassen und entdecken dabei viele spannende, immer wieder grausame und oft berührende Episoden.

Der Kosmos der unter dem Dach der Stiftung Preußischer Kulturbesitz versammelten Objekte und damit die Vielfalt der mit ihnen verwobenen Geschichten ist weltweit einzigartig.
Mit dieser virtuellen Ausstellung laden wir Sie ein, mit uns die Wege und Schicksale der Objekte zu entdecken, die mit ihnen verflochtenen Personen und Orte zu beleuchten und uns beim Interpretieren oft unscheinbarer Spuren über die Schulter zu sehen.

Begleiten Sie die Berliner Provenienzforscher:innen in den Staatlichen Museen und in der Staatsbibliothek bei ihrer Arbeit!

 



01

LEUTE



Brief von Douwe Remmerssen an Paul Ortwin Rave

31. März 1939

Aus der Sammlung von

Staatliche Museen zu Berlin – Zentralarchiv

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Quelle

Staatliche Museen zu Berlin – Zentralarchiv

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Kurzbeschreibung

Wer war Douwe Remmerssen?

1939 erwarb die Nationalgalerie für die Sammlung der Zeichnungen eine Zeichnung von Jakob Philipp Hackert. Ihr Verkäufer war ein Rechtsanwalt namens Douwe Remmerssen aus Riga – ein Mann, der als NS-Funktionär und Verfolgter zwei Seiten faschistischer Willkür kannte.



Landschaft mit Felsgrotte (Das Ohr des Dionysos) bei Syrakus

Jakob Philipp Hackert, 1777

Aus der Sammlung von

Staatliche Museen zu Berlin – Kupferstichkabinett

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©bpk-Bildagentur/ Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin – Stiftung Preußischer Kulturbesitz/ Foto: Reinhard Saczewski

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Jakob Philipp Hackert, Landschaft mit Felsgrotte, 1777


Eine Zeichnung aus dem Baltikum für Berlin
 
Anfang 1939 erhielt Paul Ortwin Rave, der Direktor der Nationalgalerie, Besuch von einem Herrn aus Riga, der gerade in Berlin weilte. Er stellte sich als Douwe Remmerssen vor und bot ihm eine Zeichnung von Jakob Philipp Hackert, einem Maler des deutschen Klassizismus, zum Kauf an. Er habe sie aus "gräflich Manteuffelschem Besitz“ in Estland erworben. Rave wollte die Zeichnung haben, obwohl dies für ihn bedeutete, einige bürokratische Hürden beim Zoll überwinden zu müssen. So gelangte die Landschaft mit Felsgrotte (Das Ohr des Dionysos) bei Syrakus in die Sammlung der Zeichnungen, die damals zur Nationalgalerie gehörte.



Paul Ortwin Rave

Juni 1949

Aus der Sammlung von

Staatliche Museen zu Berlin – Zentralarchiv, Fotosammlung

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Quelle

Staatliche Museen zu Berlin – Zentralarchiv

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Paul Ortwin Rave, 1949


Die Sammlung der Zeichnungen unter Paul Ortwin Rave
 
Paul Ortwin Rave war seit 1937 Direktor der Nationalgalerie. Somit oblag auch die Sammlung der Zeichnungen seiner Obhut: Dieser Bestand von Ölskizzen, Aquarellen und Zeichnungen des überwiegend 19. und frühen 20. Jahrhunderts war mit einer Überweisung aus dem ehemaligen Königlichen Kupferstichkabinett 1878 als gesonderte Abteilung der Nationalgalerie begründet worden. Erst seit 1992 gehört diese Sammlung wieder zum Kupferstichkabinett. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurden für die Sammlung der Zeichnungen rund 1.300 Werke erworben.


Steinbrücke im Schweizer Hochgebirge

Jakob Philipp Hackert, 1778

Aus der Sammlung von

Staatliche Museen zu Berlin – Kupferstichkabinett

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Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin – Stiftung Preußischer Kulturbesitz/ Foto: Dietmar Katz

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Jakob Philipp Hackert, Steinbrücke im Schweizer Hochgebirge, 1778
Ein zweites Angebot
 
Ein paar Wochen nach der Erwerbung der Landschaft mit Felsgrotte schrieb Remmerssen Rave einen Brief aus seiner Heimatstadt Riga: Er habe noch ein weiteres Hackert-Blatt, das er ihm anbieten könne. Obwohl Rave diese Zeichnung sogar noch besser als die erste fand, lehnte er bedauernd ab. Die Zollabwicklung sei ihm beim letzten Mal etwas zu kompliziert gewesen. Ende des Jahres 1939 allerdings konnte Rave die Steinbrücke im Schweizer Hochgebirge doch noch als Neuerwerbung ins Inventarbuch eintragen lassen: Remmerssen war mitsamt der Zeichnung nach Berlin umgezogen. Seine Kontakt-Adresse lautete nun: "Berlin, Auswärtiges Amt“.




Passfoto Douwe Remmerssen

um 1939

Aus der Sammlung von

Politisches Archiv des Auswärtigen Amts, Berlin

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Quelle

©Politisches Archiv des Auswärtigen Amts, Berlin

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Kurzbeschreibung
aus der Personalakte des Douwe Remmerssen
Douwe Remmerssen, um 1939


Douwe Remmerssen
 
Remmerssen erblickte am 27. Oktober 1904 in Moskau das Licht der Welt. Seine deutsch-baltischen Eltern ließen ihn evangelisch taufen. Als Jugendlicher zog er mit ihnen nach Riga. Nachdem er an verschiedenen europäischen Universitäten Jura studiert hatte, eröffnete er in Riga seine eigene Anwaltskanzlei. 1939 spielte er mit dem Gedanken, nach Deutschland überzusiedeln. Er reiste mehrmals nach Berlin, um die Lage zu sondieren. Schließlich war es beschlossene Sache: Im November 1939 packte er seine Sachen und zog in die deutsche Hauptstadt um.


Berlin, Auswärtiges Amt

um 1935

Aus der Sammlung von

Bundesarchiv

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Quelle

Bundesarchiv/ Foto: o. Ang.

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Auswärtiges Amt, Berlin, um 1935

Karriere im Nationalsozialismus
 
Als "Baltenaussiedler“ erhielt Remmerssen schnell und unkompliziert die deutsche Staatsbürgerschaft. Er beantragte umgehend die Aufnahme in die NSDAP. Eine Zulassung für eine eigene Kanzlei erhielt er als baltischer Rechtsanwalt allerdings nicht. Er hätte zwar mit einer Umschulung Richter werden dürfen, fand aber beim Auswärtigen Amt wegen seiner beeindruckenden Fremdsprachenkenntnisse eine besser bezahlte Stelle als Dolmetscher.
Seit jeher Kosmopolit, machte Remmerssen ab 1940 im Auftrag des Auswärtigen Amts viele Dienstreisen. Zuerst begleitete er eine Abordnung des Reichspostministeriums nach Moskau. Von September 1940 bis Januar 1941 war er als Übersetzer einer deutsch-sowjetischen Regierungsdelegation wieder in seiner alten Heimat Riga. 1941 wurde er zum "Sonderkommando Künsberg“ berufen – eine Brigade, die im Reichsauftrag Beutezüge in den Ostgebieten durchführte. 1943 übernahm er die Leitung der Dolmetscher-Abteilung der Waffen-SS und arbeitete 1944 beim "Hauptamt Volksdeutsche Mittelstelle“ im deutschen Konsulat in Marseille.





Blick über den Wassergraben und den elektrischen Zaun auf die Baracken des KZ Dachau

Aufnahmedatum: 29./30.04.1945, Dachau Bayern

Aus der Sammlung von

bpk-Bildagentur

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Quelle

©bpk-Bildagentur

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Das KZ Dachau nach der Befreiung durch die 7. US-Armee, 1945
Die Kehrtwende
Remmerssens Leben nahm im Sommer 1944 eine drastische Wendung. Man zeigte ihn wegen "homosexueller Betätigung“ und "wehrkraftzersetzenden Äußerungen“ an. Er wurde postwendend aus der Partei entlassen. Die Gestapo verhaftete ihn in Marseille, brachte ihn nach Paris und verurteilte ihn dort zu zehn Jahren Zuchthaus. Die Haft trat er im SS-Straflager Dachau an.

Sie fand mit dem Zusammenbruch des nationalsozialistischen Regimes ihr Ende.

In den Spruchkammerverfahren zur "Entnazifizierung“ Deutschlands wurde er als "Mitläufer“ eingestuft. Er sollte einen "Sühnebetrag“ von 300 Mark in einen Wiedergutmachungsfond entrichten. Gegen dieses Urteil legte er mit Hinweis auf seine Haft in Dachau Widerspruch ein. Das Verfahren wurde neu aufgerollt und 1951 eingestellt.



Die Kunstwerke wurden im Projekt "Die Erwerbungen der ‚Sammlung der Zeichnungen‘ (ehem. Nationalgalerie) im Zeitraum 1933 bis 1945“ von Hanna Strzoda am Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin untersucht.
Die Erwerbung dieser beiden Hackert-Zeichnungen warf anfänglich eine Menge Fragen auf: Wieso zog Remmerssen nach Berlin und was machte er am Auswärtigen Amt? War diese Behörde nicht auch in den nationalsozialistischen Kunstraub verwickelt und handelte Remmerssen bei diesem Verkauf etwa qua Amt? Die Recherche entkräftete am Ende diese Sorge. Remmerssen zog als Deutsch-Balte freiwillig nach Berlin, lange vor der deutschen Besatzung Lettlands. Erst geraume Zeit nach dem Verkauf der Zeichnungen wurde er als gutbezahlter Mitarbeiter deutscher Behörden zum Beteiligten am nationalsozialistischen Kunstraub, weitere Jahre später selbst zum Verfolgten. Er trennte sich also 1939 kaum aus existenzieller Not von den Kunstwerken, die er selbst aus altem estländischen Adelsbesitz erworben hatte.




Pierre Merrick – Nachfahre des amerikanischen Ethnologen Francis La Flesche

Aus der Sammlung von

Staatliche Museen zu Berlin – Ethnologisches Museum

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Quelle

Ethnologisches Museum, Staatliche Museen zu Berlin – Stiftung Preußischer Kulturbesitz/ Foto: Christoph Mack

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Francis La Flesche

Das Berliner Museum für Völkerkunde beauftragte 1894 den indigenen Ethnologen Francis La Flesche, eine Sammlung zusammenzustellen, die seine eigene Kultur, die der nordamerikanischen Umóⁿhoⁿ, am besten repräsentiert.
Vier Jahre später schickte La Flesche 60 Objekte, mitsamt einer umfangreichen Dokumentation in Form eines Kataloges, nach Berlin.



Francis La Flesche – Porträt

undatiert

Aus der Sammlung von

National Anthropological Archives, Smithsonian Institution – National Museum of Natural History

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Quelle

©National Anthropological Archives, Smithsonian Institution

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Kurzbeschreibung
Photo Lot 24 SPC Plains Omaha BAE 4558 La Flesche & Family 00688500, National Anthropological Archives, Smithsonian Institution
Francis La Flesche, undatiertes Porträt
Francis La Flesche - ein Leben zwischen zwei Welten

Francis La Flesche (1857-1932) gilt heute als erster indigener Ethnologe Nordamerikas. Aufgewachsen auf der Omaha-Reservation, besuchte La Flesche, dem Wunsch seines Vaters folgend, die presbyterianische Internatsschule. Nachdem er in Washington D. C. sein Jurastudium erfolgreich abgeschlossen hatte, unterstützte Francis La Flesche den Ponca Chief Standing Bear bei seinem Kampf zur Anerkennung von Bürgerrechten für alle Native Americans in den USA. Diese Erfahrung prägte seine spätere Arbeit als Wissenschaftler und politischer Aktivist. In den 1880er-Jahren lernte Francis La Flesche die Ethnologin Alice Fletcher kennen, die ihn dazu ermutigte, Ethnologie zu studieren. Gemeinsam verfassten sie das Buch "The Omaha Tribe”, das heute noch als ethnologisches Standardwerk zu den Umóⁿhoⁿ gilt.




Katalog von Francis La Flesche

Aus der Sammlung von

Staatliche Museen zu Berlin – Ethnologisches Museum

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Quelle

Ethnologisches Museum, Staatliche Museen zu Berlin – Stiftung Preußischer Kulturbesitz

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Francis La Flesche ist bis heute nicht unumstritten. Durch seine Rolle als Ethnologe und Insider in der Community hatte er Zugang zu vielen kulturell sensiblen Bereichen und Daten, die er der Wissenschaft und den Museen zugänglich machte. Tat er das Richtige, weil er Objekte für spätere Generationen in Sicherheit brachte, oder verriet er seine Gemeinschaft, indem er die Objekte zu seinem eigenen Vorteil an ein Museum übergab?



Der Federkopfschmuck der Umóⁿhoⁿ im Depot des Ethnologischen Museums

Francis La Flesche, Sammler
Omaha (Ethnie)

Aus der Sammlung von

Staatliche Museen zu Berlin – Ethnologisches Museum

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Quelle

Ethnologisches Museum, Staatliche Museen zu Berlin – Stiftung Preußischer Kulturbesitz/ Foto: Christoph Mack

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Kurzbeschreibung
Kopfschmuck
Der Federkopfschmuck der Umóⁿhoⁿ Im Depot des Ethnologischen Museums


Mon-´shon-pa-gdhon (Federkopfschmuck) der Umóⁿhoⁿ

Der Federkopfschmuck, der für La Flesche von besonderer Bedeutung gewesen sein muss, wird gleich als erstes Objekt seines Kataloges erwähnt:

Alle hier enthaltenen, zur möglichst ausführlichen Veranschaulichung des Lebens und der Bräuche des Omaha-Indianerstamms zusammengetragenen Gegenstände wurden entweder direkt bei den Indianern erworben oder von ihnen nach uralten Bräuchen hergestellt. Die Adlerfederhaube wurde von mehreren alten Indianerkriegern auf zeremonielle Weise gefertigt. Auf jeder Feder wurden Kriegsehrungen aufgezählt und während der Herstellung sang man die rituellen Lieder.


Pierre Merrick – Nachfahre des amerikanischen Ethnologen Francis La Flesche

Aus der Sammlung von

Staatliche Museen zu Berlin – Ethnologisches Museum

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Quelle

Ethnologisches Museum, Staatliche Museen zu Berlin – Stiftung Preußischer Kulturbesitz/ Foto: Christoph Mack

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Pierre Merrick, Nachfahre des amerikanischen Ethnologen Francis La Flesche, in Berlin, 2018


Nachdem Francis La Flesche die Sammlung im 19. Jahrhundert nach Berlin geschickt hatte, erzählt Pierre Merrick, was es bedeutet, als erster Umoⁿhoⁿ nach mehr als hundert Jahren die Objekte wieder zu berühren:

Der Mann, der diesen Kopfschmuck getragen hat, muss ein besonderer Mann gewesen sein, einer den wir heute in unserer Gemeinschaft nicht mehr haben. Aufgrund der Taten, die er getan haben muss, um als Chief und Führer anerkannt zu werden, muss er vieles geopfert haben, um das zu erreichen. Viele der Objekte, wie der Federkopfschmuck, der einem Chief gehört haben muss, existieren heute nicht mehr in unserer Gemeinschaft. Der einzige Ort auf der Welt, wo man sie finden kann, ist hier in Berlin.


Vertretende der Umóⁿhoⁿ in den Depoträumlichkeiten des Ethnologischen Museums der Staatlichen Museen zu Berlin in Dahlem

Aus der Sammlung von

Staatliche Museen zu Berlin – Ethnologisches Museum

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Quelle

Stiftung Humboldt Forum

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Kurzbeschreibung
Im Vordergrund: Objekte der Sammlung La Flesche

Vertretende der Umóⁿhoⁿ in den Depoträumlichkeiten des Ethnologischen Museums der Staatlichen Museen zu Berlin in Dahlem


Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Umóⁿhoⁿ

Die Erfahrungen von Rassismus, Gewalt und Landverlust prägen die Umóⁿhoⁿ Community bis heute. In diesem Kontext ist die Berliner Sammlung von besonderer Bedeutung, denn sie zeugt vom Widerstand gegen die Kolonialisierung. Sie bietet den Menschen die Möglichkeit, sich mit ihren Vorfahren und Lebensweisen wieder zu verbinden und mit Stolz auf ihre eigene Geschichte zu blicken. 


Die Zusammenarbeit zwischen dem Ethnologischen Museum, der Stiftung Humboldt Forum und dem Nebraska Indian Community College zeigt, wie zukunftsorientiert Provenienzforschung an ethnologischen Sammlungen sein kann und wie Sammlungen nutzbar gemacht werden können, um so kollaborativ an den Objekten und den Themen, die sie umkreisen, zu forschen.

Ilja Labischinski arbeitet als Provenienzforscher des Zentralarchivs der Staatlichen Museen zu Berlin an den Sammlungen des Ethnologischen Museums und ist Kurator der Ausstellung "Francis La Flesche", die 2021 im Humboldt Forum eröffnen wird.





Achille Le Roy, Le droit au bonheur. Droit au repos, Paris: Librairie socialiste internationale, 1908

Aus der Sammlung von

Institut für Sozialforschung

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Quelle

Digitalisat: Staatsbibliothek zu Berlin

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Bruno Kaiser und die Sozialistica aus dem Institut für Sozialforschung

In der DDR baute der Literaturwissenschaftler, Marxist und Bibliothekar Bruno Kaiser (1911–1982) beim Zentralkomitee der SED die zentrale wissenschaftliche Spezialbibliothek für die Geschichte des Sozialismus und der Arbeiterbewegung auf. Dabei rückten auch Sozialistica-Bestände von unter dem NS-Regime beschlagnahmten Bibliotheken plötzlich ins Zentrum des Interesses.



Bruno Kaiser

1980

Aus der Sammlung von

Manfred Krause, Fotograf

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Quelle

©Foto: Manfred Krause

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Bruno Kaiser, 1980
Bruno Kaiser - Literaturwissenschaftler, Marxist, Bibliothekar und Bibliophiler

Persönlich wie beruflich begleiteten Bruno Kaiser der Drang und die Leidenschaft, Bücher zu sammeln. Bereits in seiner Jugend begann er mit dem Aufbau einer Privatbibliothek. Da er sich im antifaschistischen Widerstand engagiert und illegale Flugblätter verbreitet hatte, außerdem jüdischer Herkunft war, emigrierte er nach Verhaftung, Folter und Internierung unter dem NS-Regime in die Schweiz. Er beschäftigte sich wissenschaftlich mit dem Sozialismus und wurde später in der DDR für seine Marx-Engels-Forschung anerkannt.
Bruno Kaiser kehrte im Jahr 1947 nach Deutschland zurück. Als Abteilungsdirektor in der Öffentlichen Wissenschaftlichen Bibliothek, der Nachfolgeinstitution der Preußischen Staatsbibliothek in Ostberlin, betreute er die unbearbeiteten Bestände.

Im Jahr 1949 übernahm er den Aufbau und die Leitung der neuen wissenschaftlichen Spezialbibliothek, die auf Beschluss der SED-Parteiführung beim Berliner Institut für Marxismus-Leninismus gegründet wurde. Um die neue Bibliothek schnell aus dem Nichts aufzubauen, wurde auf die unbearbeiteten Bestände in den Kellern der ehemaligen Preußischen Staatsbibliothek zurückgegriffen – darunter auch ein Teil der Bibliothek des Instituts für Sozialforschung Frankfurt am Main und damit NS-Raubgut.




Platon Michajlovič Keržencev, Čemu učit Lenin (= Was uns Lenin lehrt), Leningrad u.a.: Gosizdat, 1925

Aus der Sammlung von

Institut für Sozialforschung

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Quelle

Digitalisat: Staatsbibliothek zu Berlin

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Russische Druckschrift aus dem Jahr 1925 aus dem beschlagnahmten Bestand des Instituts für Sozialforschung in Frankfurt am Main


Bewertung von Sozialistica unter neuen Vorzeichen in der DDR

Große wissenschaftliche Spezialbibliotheken wie die des Instituts für Sozialforschung in Frankfurt am Main aber auch Gebrauchsbibliotheken von politisch verfolgten Parteien, Gewerkschaften und Arbeiterorganisationen fielen unter dem NS-Regime der Beschlagnahme zum Opfer. Für die Sozialistica interessierten sich auch verschiedene NS-Institutionen, welche die Bestände für die nachrichtendienstliche "Gegnerforschung“ heranzogen. Die Sammlungen wurden daher häufig zerschlagen und umverteilt.

In der DDR wurden Sozialistica schließlich unter neuen Vorzeichen bewertet. Das wissenschaftliche Studium von Sozialismus und Arbeiterbewegung wurde politisch gefördert. Die Sozialistica-Bestände von beschlagnahmten und zerschlagenen Bibliotheken dienten dem Aufbau neuer Bibliotheken, sodass zwar andere Verteilungsmechanismen als noch unter dem NS-Regime griffen, die Sammlungszusammenhänge aber auch nach 1945 zerrissen blieben.



Stempel der Bibliothek des Instituts für Sozialforschung in Frankfurt am Main

Aus der Sammlung von

Staatsbibliothek zu Berlin

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Quelle

Digitalisat: Staatsbibliothek zu Berlin

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Stempel der Bibliothek des Instituts für Sozialforschung in Frankfurt am Main
Beschlagnahme und Zerschlagung der Bibliothek des Instituts für Sozialforschung in Frankfurt am Main im Jahr 1933

Das Institut für Sozialforschung wurde 1923 in Frankfurt am Main gegründet und widmete sich der Theorie und Geschichte des Sozialismus, Marxismus und der Arbeiterbewegung. Es wurde eine Bibliothek für Sozialismus und Kommunismus aufgebaut, deren Bestand bis 1933 auf bis zu 40.000 Bände anwuchs. Unter dem NS-Regime wurde das Institut wegen "staatsfeindlicher Tendenzen“ im Jahr 1933 aufgelöst und die Bibliothek beschlagnahmt.

Während das Institut die Arbeit im Ausland fortsetzte, wurde die Bibliothek zerschlagen. Etwa 20.000 Bände an "staatsfeindlicher und zersetzender“ Literatur wurden an die Preußische Staatsbibliothek als zentrale Empfänger- und Verteilerinstitution von in Preußen beschlagnahmter Literatur abgegeben. Der "unbedenkliche“ Restbestand wurde von Frankfurter Instituts- und Seminarbibliotheken übernommen.

In der Preußischen Staatsbibliothek begann man zwar mit der Einarbeitung der erworbenen Bücher und tauschte Dubletten mit dem Reichssicherheitshauptamt, doch der größte Teil lagerte während des Zweiten Weltkriegs unbearbeitet in den Kellern der Staatsbibliothek.





N. Bervi-Flerovskij, Zapiski revoljucionera-mečtatelja (= Aufzeichnungen eines revolutionären Schwärmers), Moskau: Molodaja Gvardija, 1929

Aus der Sammlung von

Institut für Sozialforschung

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Digitalisat: Staatsbibliothek zu Berlin

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Kurzbeschreibung
Wichtige Indizien bei der Identifizierung von Bänden aus dem Institut für Sozialforschung im Bestand der Staatsbibliothek zu Berlin sind Stempel und handschriftliche Zugangsnummer des Instituts. Zudem wurde von der Preußischen Staatsbibliothek 1937 eine Zugangsnummer vergeben, bestehend aus dem Kürzel „IfS“ und einer laufenden Nummer, die auf der Rückseite des Titelblatts notiert wurde.

Nach 1945 wurde der von der Preußische Staatsbibliothek übernommene Bestand des Instituts für Sozialforschung weiter auseinandergerissen. Kriegsbedingt verlagerte Bände wurden vernichtet oder in polnische und sowjetische Institutionen abtransportiert. Mit dem Reichssicherheitshauptamt getauschte Bücher gelangten in die durch die Bergungsstelle für wissenschaftliche Bibliotheken und später die Zentralstelle für wissenschaftliche Altbestände eingeleiteten Umverteilungsprozesse. Ein Großteil an Bänden wurde der neuen SED-Bibliothek übergeben. In der Staatsbibliothek selbst verblieb nur ein Bruchteil an vor und nach 1945 eingearbeiteten Bänden.

Der Verbleib der Bibliothek des Instituts für Sozialforschung ist bis heute nicht vollständig aufgeklärt. In welchem Umfang Bände des Instituts für Sozialforschung aus der Preußischen Staatsbibliothek in die neue Bibliothek des Instituts für Marxismus-Leninismus gelangten und sich daher heute in der Bibliothek der Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR (SAPMO) im Bundesarchiv befinden, muss noch eingehender erforscht werden.  Auch die Rolle von Bruno Kaiser bei der Umverteilung bedarf noch weiterer Untersuchungen.

Die Staatsbibliothek zu Berlin als Nachfolgeinstitution der Preußischen Staatsbibliothek ist den im Bestand verbliebenen Bänden aus dem Institut für Sozialforschung im Rahmen des Forschungsprojektes "Transparenz schaffen: Recherche, Erschließung und überregionaler Nachweis von NS-Raubgut im Druckschriftenbestand der Staatsbibliothek zu Berlin“ nachgegangen.
Unter erschwerten Bedingungen – das Akzessionsjournal ist leider nicht mehr erhalten – wurden besonders verdächtige Zugänge geprüft. Dabei konnten 536 Bände aus der 1933 beschlagnahmten Bibliothek des Instituts für Sozialforschung identifiziert und im August 2018 an das 1951 nach Frankfurt zurückgekehrte Institut restituiert werden.

Die Autorin Friederike Willasch ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der Abteilung Historische Drucke in der Staatsbibliothek zu Berlin.





Okadina – Puppe der Königin Olugondo von Ondonga

1909

Aus der Sammlung von

Staatliche Museen zu Berlin – Ethnologisches Museum

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Quelle

Ethnologisches Museum, Staatliche Museen zu Berlin – Stiftung Preußischer Kulturbesitz/ Foto: Claudia Obrocki

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Königin Olugondo von Ondonga

Welche Kontakte konnten Frauen während der Kolonialzeit knüpfen? Königin Olugondo von Ondonga, ein Königreich im Norden des heutigen Namibia, und Anna Rautanen, Tochter eines finnischen Missionars, verband eine außergewöhnliche Freundschaft. Eine kunstvoll gefertigte Puppe in der Sammlung des Ethnologischen Museums Berlin gibt zum ersten Mal Einblick in ihre Beziehung.


Häuptling Kambonde II von Ondonga

Aus der Sammlung von

Verlag von Martin Warneck

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Tönjes, Hermann

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Kurzbeschreibung
Aus: Tönjes, Hermann. Ovamboland: Land. Leute. Mission. Berlin: Verlag von Martin Warneck, 1911, S. 143
Häuptling Kambonde II von Ondonga mit seiner Hauptfrau Olugondo, um 1900


Das Geschenk einer Königin

Königin Olugondo war die Hauptfrau von König Kambonde (II.) kaMpingana, der den Thron von Ondonga 1884 bestiegen hatte. Anders als die Herrscher in den benachbarten Ovambo-Königreichen, unterstützte er die finnischen Missionare, die seit 1870 versuchten, die Bevölkerung zum Christentum zu bekehren. Daher kannte Königin Olugondo Anna Rautanen seit ihren Kindheitstagen, die sie als Tochter des Missionars Martin Rautanen im Königreich verbracht hatte.

Als Kind besaß Anna eine europäische Puppe. Als sie nach einem Schulaufenthalt in Finnland nach Ondonga zurückkehrte, hatte sie sie dort zurückgelassen, denn in Europa spielten erwachsene Frauen nicht mehr mit Puppen. Im Königreich Ondonga waren sie jedoch viel mehr als nur Spielzeug. Sie waren ein wichtiger Bestandteil für das Erwachsenwerden einer Frau. Mädchen bekamen Puppen von ihren Eltern geschenkt. Bei der Verlobung gab der Bräutigam der Puppe seiner zukünftigen Frau einen Namen, den das erste Kind des Paars bekommen sollte. Im Jahr 1900 stand nun die Hochzeit von Anna mit dem deutschen Missionar Hermann Tönjes bevor, und Anna sollte ohne eine "Okana“, also ein "Kind“, so der Oshidonga-Name für solche Puppen, heiraten?
Die Königin Olungondo fertigte für sie eine Puppe nach neuester Mode an (oder ließ sie anfertigen) und gab ihr ihren Namen. Somit waren sie und die Puppe "Okadina“ Namensschwestern. Die Königin Olugondo und Anna hatten so eine Beziehung geknüpft, die über Annas Heirat und Wegzug aus dem Königreich Bestand haben sollte.



Okadina – Puppe der Königin Olugondo von Ondonga

Hermann Tönjes (Sammler), 1909

Aus der Sammlung von

Staatliche Museen zu Berlin – Ethnologisches Museum

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Quelle

Ethnologisches Museum, Staatliche Museen zu Berlin – Stiftung Preußischer Kulturbesitz/ Foto: Claudia Obrocki

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Okadina – Puppe der Königin Olugondo von Ondonga


Okadina – Ausdruck königlicher Mode

Die Puppe Okadina war aber nicht nur das Zeichen einer langjährigen Frauenfreundschaft. Sie war auch Ausdruck des Modebewusstseins und Prestiges des Königshofs von Ondonga. Hertha Bukassa, Kulturreferentin im Ministerium für Bildung, Kunst und Kultur der Republik Namibia und Gastwissenschaftlerin am Ethnologischen Museum Berlin, erläutert die Bedeutung der einzelnen Modeelemente:

Onjeva war und ist ein Schmuckstück aus Straußeneierschalen, das junge Mädchen um die Hüften tragen; Oshilanda, eine hochgeschätzte dunkelblaue Glasperle, schmückt ihren Oberkörper; eine Reihe von großen, aus Europa importierten Knöpfen dienen als Ersatz für das kostbare und seltene Omba, einen Schmuck aus Elfenbein oder Muschel.

Königin Olugondo verarbeitete also nur die kostbarsten Materialien, um ihrer Wertschätzung für Anna Ausdruck zu verleihen.



Pressekonferenz 18.September 2019, Foyer der Museen Dahlem

• Golda Ha-Eiros, Kuratorin für Liberation Heritage under the Office of Vice-President: Veterans Affairs
• Hertha Bukassa, Kulturreferentin im Kulturministerium der Republik Namibia
• Jonathan Fine, Kurator für die Sammlungen aus Westafrika, Kamerun, Gabun und Namibia am Ethnologischen Museum der Staatlichen Museen zu Berlin
• Lars-Christian Koch, Direktor für die Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin im Humboldt Forum

Aus der Sammlung von

Staatliche Museen zu Berlin – Ethnologisches Museum

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Quelle

SPK/ photothek.net/ Foto: Florian Gärtner

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Kurzbeschreibung
Im Rahmen einer Partnerschaft zwischen der Museums Association of Namibia (MAN) und dem Ethnologischen Museum Berlin waren seit Frühjahr 2019 mehrere Forscher aus Namibia in Berlin zu Gast. Gemeinsam mit den Wissenschaftlern des Ethnologischen Museums untersuchten sie die mehr als 1400 Objekte aus kolonialen Kontexten in Namibia in der Sammlung des Museums im Hinblick auf ihre Geschichte, Bedeutung und ihre künstlerischen Potenziale und reaktivierten das Wissen darüber.
Pressekonferenz 18.September 2019, Foyer der Museen Dahlem
Pressekonferenz 18. September 2019, Foyer der Museen Dahlem, im Vordergrund: Hertha Bukassa und Golda Ha-Eiros
Okadina kann als Archiv namibischer Mode angesehen werden. Die Kleidung wird, mit einigen Änderungen, noch heute von Frauen im Königreich Ondonga getragen und verbindet die Vergangenheit mit der Gegenwart.

Zitat: Nehoa Hilma Kautondokwa
Museum Development Manager der Museums Association of Namibia und Gastwissenschaftlerin am Ethnologischen Museum in Berlin. 





Nehoa Hilma Kautondokwa, Cynthia Schimming und Julia Binter mit Okadina im Depot des Ethnologischen Museum Berlin

2019, Berlin

Aus der Sammlung von

Staatliche Museen zu Berlin – Ethnologisches Museum

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Quelle

©Filmstill aus Tracing Namibian-German/ Foto: Moritz Fehr

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Nehoa Hilma Kautondokwa, Cynthia Schimming und Julia Binter mit Okadina im Depot des Ethnologischen Museum in Berlin

Die vielschichtigen Bedeutungen von Okadina konnten nur dank der Zusammenarbeit mit Forscherinnen aus Namibia rekonstruiert werden, die im Rahmen eines Kooperationsprojekts zwischen dem Ethnologischen Museum Berlin und der Museums Association of Namibia 2019 in Berlin zu Gast waren. Die Zusammenarbeit hat gezeigt, dass Okadina weit mehr als nur eine Puppe war, die Annas Ehemann, Hermann Tönjes, dem Königlichen Museum für Völkerkunde (heute Ethnologisches Museum zu Berlin) 1909 verkaufte. Sie erzählt von der Freundschaft zweier Frauen, ihrem Erwachsenwerden und den Moden ihrer Zeit.

Julia Binter arbeitet als Provenienzforscherin des Zentralarchivs der Staatlichen Museen zu Berlin an den Sammlungen des Ethnologischen Museums, wo sie derzeit das Kooperationsprojekt zu den Sammlungen aus Namibia betreut.





Alfred Flechtheim

Fotograf: Hugo Erfurth, 1928

Aus der Sammlung von

Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg

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Alfred Flechtheim und Paul Klees Lebkuchen-Bild

Der leidenschaftliche Kunsthändler der Moderne und Inhaber populärer Galerien in Düsseldorf und Berlin gerät früh ins Visier der Nationalsozialisten. Neben seinem Engagement für Künstler wie Picasso, Grosz oder Kandinsky ist der Grund seine jüdische Herkunft. 1934 zwingt ihn die Verfolgung in die Emigration. Über Paris erreicht er London. Verarmt und getrennt von seiner Frau in Berlin, dazu ohne legalen Aufenthaltsstatus stirbt Alfred Flechtheim dort 1937 mit 59 Jahren an den Folgen eines Unfalls.



Paul Klee - Lebkuchen-Bild, Rückseite

Aus der Sammlung von

Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie – Museum Berggruen

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Quelle

©Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin – Stiftung Preußischer Kulturbesitz/ Foto: Andres Kilger

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Paul Klees Lebkuchen-Bild

Die Kunstwerke, die Alfred Flechtheim handelte und besaß, führen bis heute sein tragisches Schicksal vor Augen und halten die Erinnerung an den einflussreichen Galeristen wach. Der Provenienzforschung kommt hierbei eine besondere Aufgabe zu: Um verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut aufzufinden, ist sie verpflichtet, die genauen Umstände zu klären, unter denen diese Kunstwerke, die durch Flechtheims Hände gingen, ihre Besitzer wechselten.
Eines dieser Werke ist Paul Klees Lebkuchen-Bild von 1925 aus dem Bestand des Museum Berggruen, wie ein Aufkleber seiner Galerie auf der Gemälderückseite belegt.



Paul Klee – Lebkuchen-Bild

Aus der Sammlung von

Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie – Museum Berggruen

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Quelle

©Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin – Stiftung Preußischer Kulturbesitz/ Foto: Andres Kilger

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Paul Klees Lebkuchen-Bild, 1925


Ein internationaler Ausstellungsgast

Vor 1945 kommt das Lebkuchen-Bild viel herum. Das verdankt Klee vor allem Flechtheims Engagement, denn er vertritt den Künstler als Händler.
Auf der Großen Kunstausstellung in Düsseldorf präsentiert er 1925 Klees Bild zum ersten Mal der Öffentlichkeit. 1926 folgen Ausstellungen in Dresden, Wiesbaden und Zürich, im Jahr darauf wieder in Düsseldorf, dieses Mal in seiner eigenen Galerie, sowie in Mannheim und Paris. Weitere Stationen sind Berlin, Brüssel und Antwerpen. Die Rückseite der kleinen Ölcollage dokumentiert zudem Präsentationen 1930 im Museum of Modern Art in New York und nach 1945 in Mailand und Bern.



Katalog zur Paul Klee-Ausstellung im MoMA

1930

Aus der Sammlung von

Staatliche Museen zu Berlin – Kunstbibliothek

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Quelle

Kunstbibliothek, Staatliche Museen zu Berlin – Stiftung Preußischer Kulturbesitz

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Kurzbeschreibung
Im Frühjahr 1930 dann der vorläufige Höhepunkt: Das New Yorker Museum of Modern Art zeigt das Lebkuchen-Bild als eine von 63 Arbeiten Klees auf dessen erster Schau in einem amerikanischen Museum. Es ist Flechtheim, der es in Zusammenarbeit mit seinem amerikanischen Kollegen J.B. Neumann nach New York vermittelt. Obwohl der Verkauf nicht gelingt, ist es der Ritterschlag für das Bild. Im Katalog ist es als Cookie Picture unter Nr. 7 aufgeführt.
Der Ritterschlag: Klees erste Schau in einem amerikanischen Museum, vermittelt durch Flechtheim und seinen Partner J.B. Neumann. Katalog des MoMA 1930


Akte

Aus der Sammlung von

Staatliche Museen zu Berlin – Zentralarchiv

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Quelle

©Staatliche Museen zu Berlin – Zentralarchiv

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Kurzbeschreibung
Text der Akte:
Herr Inspektor Bähr
Bitte die vier Bilder an Paul Klee
„Bild mit dem Hahn und dem Grenadier“ 1919
„Der Narr“ 1927
„Lebkuchenbild“ 1925
„Buchstabenbild“ 1924
An Prof. Paul Klee, Düsseldorf, Heinrichstr. 36
zu senden
20.9.33
Hentzen

3/10.33 Die obenbezeichneten Gemälde
sind heute an den Besitzer
zurück gesandt.
Bähr
Die Akte des Zentralarchivs dokumentiert die Rückgabe des Werkes an Paul Klee 1933.


Klees Kommissionär

Auf die Frage, ob das Werk eine problematische Herkunft hat, gibt ein Dokument im Zentralarchiv der Staatlichen Museen zu Berlin eine eindeutige Antwort: Auch die Berliner Nationalgalerie stellt das Bild aus. 1933, im Jahr der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten, geht es am 20. September direkt an Paul Klee zurück. Wohl auch, um einer Beschlagnahmung der nun geächteten Kunst vorzubeugen. Der Kurator Alfred Hentzen bittet in dem Schreiben darum, das Bild neben drei weiteren Leihgaben zurückzuschicken, was der Depotverwalter Bähr mit einer Notiz am unteren Rand des Schriftstücks bestätigt. Flechtheim besitzt das Bild bis dato in Kommission und versucht, es im Auftrag des Künstlers zu veräußern. Der Eigentümer ist Klee.

Klee ist zu diesem Zeitpunkt bereits aus seiner Professur an der Düsseldorfer Kunstakademie entlassen und zieht mit seiner Frau in die Schweiz. Das Lebkuchen-Bild begleitet sie und bleibt bis nach dem Krieg im Familienbesitz. Seine schwindelerregende Ausstellungsgeschichte mit 15 Präsentationen in acht Jahren, maßgeblich von Flechtheim ins Werk gesetzt, ist vorerst vorbei. Dass er das Leihgeschäft an die Nationalgalerie zwar einfädelt, aber nicht mehr abschließen kann, verdeutlicht das abrupte und bittere Ende seines Wirkens, das ohne die Provenienzforschung als solche heute womöglich vergessen wäre.



Paul Klee, Dreimal Drei Kreuze

Aus der Sammlung von

Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie – Museum Berggruen

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Quelle

©Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin – Stiftung Preußischer Kulturbesitz/ Foto: Andres Kilger

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Bekannte und unbekannte Provenienzen

Nicht immer gelingt es, wie im Falle des Lebkuchen-Bildes, geschlossene Provenienzketten von Kunstwerken zu recherchieren. Oft bleiben Lücken, weil sich die Eigentümer nicht ermitteln lassen.
Ein Beispiel dafür ist Paul Klees Gemälde Dreimal Drei Kreuze aus dem Museum Berggruen, das ebenfalls eine Flechtheim-Provenienz aufweist, deren Umstände aber auch nach umfangreichen Recherchen ungeklärt bleiben.
Da ein Anfangsverdacht nicht ausgeräumt werden konnte, wurde das Werk in der Lost Art-Datenbank gemeldet.

Die Provenienzketten beider Werke

Lebkuchen-Bild: 1925 bis 1940 Paul Klee, Düsseldorf, Bern | spätestens 1927 bis 1932 Galerie Alfred Flechtheim, Düsseldorf, Berlin (in Kommission) | 1930 J. B. Neumann, New York (in Kommission) | 1940 bis 1946 Lily Klee, Bern | 1946 bis 1947 Klee-Gesellschaft, Bern | 1947 Karl Nierendorf, Berlin, New York | bis 1954 Carlo Frua de Angeli, Mailand | 1954 bis 1957 Galerie Feilchenfeldt, Zürich | seit 1957 Werner Josten, New York | Eugene Victor Thaw & Co., New York | 1989 David Carritt Ltd., London | Acquavella Galleries, New York | Stephen Mazoh & Co., Rhinebeck | 1988 bis 1990 Heinz Berggruen, Paris | 1990 bis 1998 BIGI Co., LTD., Tokio | 1998 bis 2000 Heinz Berggruen


Drei mal drei Kreuze: 1925 bis 1929 Paul Klee, Weimar und Dessau | 1927 Galerie Alfred Flechtheim, Düsseldorf (in Kommission) | 1927 bis 1928 Rudolf Probst/Galerie Neue Kunst Fides, Dresden | 1928 bis 1929 Galerie Alfred Flechtheim, Berlin (in Kommission) | 1929 bis o. J. Alfred Flechtheim, Berlin | bis 1935 Dr. Bernatti | 1935 bis o. J. The Mayor Gallery, London | spätestens seit 1941 Leicester Galleries, London | mindestens seit 1946 The London Gallery, London | mindestens seit 1951 bis 1955 Curt Valentin Gallery, New York | 1955 bis 1965 G. David Thompson, Pittsburgh | 1965 bis 1966 G. David Thompson, Pittsburgh | Harry Torczyner, New York | bis 1998 Marcelle Torczyner, New York | 1998 bis 2000 Heinz Bergguen



Beide Kunstwerke gehören seit dem Jahr 2000 zum Bestand der Nationalgalerie im Museum Berggruen.
Die ehemalige Sammlung Heinz Berggruens wurde 2014 bis 2018 im Rahmen eines Projektes von Sven Haase und Doris Kachel auf ihre Provenienzen untersucht und die Ergebnisse in der Ausstellung  Biografien der Bilder. Provenienzen im Museum Berggruen Picasso – Klee – Braque – Matisse  präsentiert. 
Der Autor Sven Haase ist Provenienzforscher für Bildende Kunst am Zentralarchiv der Staatlichen Museen zu Berlin.





Mangi Marealle

1887

Aus der Sammlung von

Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek/ Deutsche Fotothek

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Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek/ Deutsche Fotothek/ Foto: Hans Meyer

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Kurzbeschreibung
Mangi Marealle im Expeditionslager von Hans Meyer, 1887

mangi Marealle von Marangu

Auf dem Foto aus dem Jahr 1887 sehen wir einen jungen Mann auf einem Liegestuhl. Er schaut ernst und kritisch in die Kamera und verharrt in würdevoller Distanz. Sein Name ist Melyari oder Marealle, der "Unermüdliche“. Marealle ist seit circa 1880 Herrscher (mangi) von Marangu, das sich während der deutschen Kolonialherrschaft zu einem der mächtigsten Reiche im Kilimanjaro-Gebiet (im heutigen Tansania) entwickeln wird. Besonders auffallend auf der Fotografie ist der im linken Ohr getragene Schmuck. Dieser oder ein ähnlicher wurde im Jahr 1897 als "Holzring“ unter der Nummer III E 4815 im Hauptkatalog des Königlichen Museums für Völkerkunde Berlin eingetragen. 



Arbeitsfoto zu III E 4815

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Staatliche Museen zu Berlin – Ethnologisches Museum

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Staatliche Museen zu Berlin – Ethnologisches Museum/ Foto: Anna-Isabel Frank

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Arbeitsfoto des Ohrschmucks des ‚mangi‘ Marealle aus Holz und Kupfer, Höhe 1cm/Durchmesser 8,2cm


Inventarisiert und etikettiert: Das "koloniale Archiv" und seine Leerstellen

Wie genau der im Hauptkatalog als "Holzring“ inventarisierte Ohrschmuck in den Besitz des wohlhabenden Leipziger Verlegers, Geographs, Historikers, Forschungsreisenden und späteren Kolonialpolitikers Hans Meyer (1858-1929) kam, lässt sich anhand der bisher gesichteten Quellen nicht nachweisen. Welche Bedeutung und Funktion hatte dieses Objekt für Marealle und inwiefern stand es mit seiner Position als mangi  in Verbindung? Ohne Antworten auf diese Fragen lässt sich auch nicht klären, ob das Objekt überhaupt als veräußerlich galt. Die Tatsache, dass Marealle den Schmuck übergab, könnte darauf hindeuten, wie wichtig er die Beziehung zu Meyer bewertete - gerade auch vor dem Hintergrund der machtpolitischen Konkurrenz in der Region.



Eintrag „Holzring“ (III E 4815)

Aus der Sammlung von

Staatliche Museen zu Berlin – Ethnologisches Museum

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Ethnologisches Museum, Staatliche Museen zu Berlin – Stiftung Preußischer Kulturbesitz

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Kurzbeschreibung
Eintrag im historischen Hauptkatalog des Ethnologischen Museums Berlin:
"Mit kleinen Kupferspiralen verzierter Holzring, von Häuptling Mareale von Marangu ehemals im linken Ohrläppchen getragen. 8,9 cm Durchmesser: Dschagga"
Eintrag "Holzring“ (III E 4815) im historischen Hauptkatalog des Ethnologischen Museums Berlin


Sichtbarkeit und Anonymität

Im historischen Hauptkatalog des Ethnologischen Museums Berlin ist Hans Meyer als Schenker vermerkt. Marealle wird in der Objektbeschreibung als Vorbesitzer des Ohrschmucks genannt. Bei den mehr als 8.000 Objekten aus dem festländischen Tansania, die während der deutschen und auch britischen Kolonialherrschaft angeeignet wurden, werden Namen selten erwähnt. Die meisten Vorbesitzer:innen, Nutzer:innen und Produzent:innen der Objekte bleiben anonym. Deutsche bzw. europäische "Sammler“ erwähnten meist nur ostafrikanische Würdenträger und setzten sie in Beziehung zu den Objekten. Einige dieser Objekte hatten Trophäencharakter für die Kolonisierenden. Frauen in politischen Machtpositionen sind in den kolonialen Archiven generell selten, sie bleiben meist namenlos oder werden gänzlich verschwiegen.



Verlagseinband zu Hans Meyers "Zum Schneedom des Kilimandscharo", 1888

Aus der Sammlung von

Staatsbibliothek zu Berlin

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Staatsbibliothek zu Berlin

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Kurzbeschreibung
Hans Meyer verfasste über seine erste Reise in die Kilimanjaro-Region einen Reisebericht mit 40 Fotografien. Meyer war einer der ersten, der die Fotografie systematisch und gleichwertig zusammen mit den üblichen Mitteln, wie Vermessung, Skizzen und schriftlichen Aufzeichnungen zur Dokumentation seiner Reisen und Forschungsergebnisse einsetzte. Das Portrait Marealles im Liegestuhl ist Bestandteil dieses Buchs, das Meyer für den frisch gekrönten Kaiser Wilhelm II. mit einer Widmung versehen ließ.
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Verlagseinband von Hans Meyers Zum Schneedom des Kilimandscharo, 1888

Marealle - eine Annäherung

Wer war Marealle? Diese Frage kann beim jetzigen Stand der Recherchen nur bruchstückhaft und aus einer sehr eurozentrischen Perspektive beantwortet werden. Ausgangspunkt bilden zunächst die "kolonialen Archive", die Erwerbungsakten des Ethnologischen Museums, Reisebeschreibungen, wie die von Meyer 1888 veröffentlichte, sowie historische Fachliteratur. Als Marealle ca. 1880 als Herrscher von Marangu eingesetzt wurde, war er noch mittellos und Marangu als politische Einheit ohne Bedeutung. Durch eine geschickte Heiratspolitik festigte er seine Position unter den stark miteinander konkurrierenden Herrschern des relativ dicht besiedelten Kilimanjaro-Gebiets. Das gelang ihm zunehmend dadurch, dass er arabische und Swahili-Händler sowie europäische und amerikanische Reisende in Marangu willkommen hieß und Beziehungen zu diesen aufbaute.





"Zusammenkunft in Marangu“

vermutl. 1898, Marangu

Aus der Sammlung von

Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek / Deutsche Fotothek

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Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek/ Deutsche Fotothek/ Foto: Hans Meyer

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Kurzbeschreibung
Auf den Stühlen (von rechts nach links) Hauptmann Kurt Johannes, Stationschef von Moshi und mangi Marealle sowie weitere Personen. Um sie herum Angehörige der sogenannten Deutschen Schutztruppe, im Hintergrund eine Menschenmenge.
"Zusammenkunft in Marangu“, mangi Marealle u.a. mit Kurt Johannes, Stationschef von Moshi, 1898
Marealle und die kolonialen (Macht-)Beziehungen am Kilimanjaro

Marealle nutzte ab den frühen 1890er Jahren seine Kontakte zu Vertretern des kolonialen Staates, um diese im Sinne seiner machtpolitischen Agenda zu instrumentalisieren. Er diskreditierte seine Rivalen gegenüber den deutschen Kolonisierenden und festigte damit zunehmend seine Position in der kolonialen Herrschaftsstruktur. So avancierte er schließlich in den 1890er Jahren zum mächtigsten mangi des östlichen Kilimanjaro-Gebietes: Er kontrollierte 27 der 44 Kleinstaaten der am Kilimanjaro lebenden Chagga und erhielt den Namen Kilamia, "der Eroberer“. Doch auch seine Position war zerbrechlich, da er vom Wohlwollen der jeweiligen deutschen Stationschefs in Moshi abhängig war. Kriegszüge gegen vermeintlich nicht kooperierende mangi sowie Exekutionen durch die Deutschen waren integraler Bestandteil kolonialer Herrschaftspraktiken. Marealle dankte schließlich im Jahre 1912 ab.





Liste der Geschenke für mangi Marealle

Aus der Sammlung von

Staatsbibliothek zu Berlin

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Quelle

Staatsbibliothek zu Berlin

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Kurzbeschreibung
aus: Hans Meyer: Zum Schneedom des Kilimandscharo, 1888
Geraubt, gekauft, getauscht. Geschenkt, erworben, gesammelt...? 


Der Ohrschmuck gelangte höchstwahrscheinlich während seines ersten Aufenthalts am Kilimanjaro im Jahr 1887 in Meyers Besitz. Er verweilte mit seiner circa hundert Personen umfassenden Karawane mehrere Wochen bei Marealles Residenz in Manrangu. Meyer war auf die Unterstützung Marealles bei der Erforschung des Kilimanjaro angewiesen. Er übergab Marealle Geschenke, darunter in dem Gebiet gängige Tauschwaren: Stoffe, Perlen und Draht sowie Waffen und Munition, Messer, Schnupftabak, Mundharmonikas und Champagner. Er erhielt im Gegenzug die Erlaubnis, den Kilimanjaro zu besteigen sowie Nahrungsmittel zur Versorgung der Expeditionsteilnehmer. Laut Meyer schenkte ihm Marealle drei Speere, ein Ohrschmuck wird in den bisher gesichteten Quellen nicht erwähnt.



Expeditionsteilnehmer und Angehörige der Maasai vor einem Stationsgebäude der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft (DOAG) in Moshi

1887

Aus der Sammlung von

Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek / Deutsche Fotothek

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Quelle

Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek/ Deutsche Fotothek/ Foto: Hans Meyer

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Kurzbeschreibung
Hans Meyer (zweiter von rechts) lehnt am Treppengeländer
Expeditionsteilnehmer, Angehörige der Maasai u. Hans Meyer vor einem Stationsgebäude der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft (DOAG) in Moshi, 1887


Freundschaft? Beziehung "auf Augenhöhe"?

Auch 1889, bei seinem zweiten Besuch in Marangu betonte Meyer seine freundschaftliche und persönliche Beziehung zu Marealle. Er tat dies jedoch in einer überheblich-wohlwollenden, kolonialideologisch abwertenden Art und Weise. Meyer sah sich als Repräsentant des Deutschen Reichs und wurde wohl auch als solcher wahrgenommen. Auf seiner ersten Reise begleiteten ihn Vertreter der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft (DOAG). Es ging darum, territoriale Ansprüche auf das Gebiet zu erheben. Ein dubioser, sogenannter Schutzvertrag der DOAG mit dem mangi Rindi von Moshi diente als Grundlage. Als Meyer das Kilimanjaro-Gebiet bereiste und in den Besitz des Ohrschmucks gelangte, war die deutsche Präsenz noch flüchtig und die 1887 errichtete Station der DOAG nur sporadisch besetzt. Meyer, sogenannte Forschungsreisende, europäische Missionare und Händler sowie Vertreter der DOAG waren in der zweiten Hälfe der 1880er Jahre vom Wohlwollen und der Unterstützung der mangi abhängig.

Kristin Weber-Sinn arbeitet als Provenienzforscherin des Zentralarchivs der Staatlichen Museen zu Berlin an den Sammlungen des Ethnologischen Museums. 

Unter anderem forscht sie mit Kolleg:innen des National Museum of Tanzania und der University of Dar es Salaam zu ausgewählten Objektbeständen aus Tanzania, die sich im Ethnologischen Museum Berlin und im National Museum and House of Culture in Dar es Salaam befinden (gefördert von der Gerda Henkel Stiftung, in Kooperation mit der Humboldt-Universität zu Berlin).
Die bisherigen Perspektiven und Ergebnisse der Provenienzforschung, basierend auf den "kolonialen Archiven", sollen durch die kooperative Forschung nicht nur erweitert, sondern kritisch hinterfragt werden.



02

ORTE



Grundriss Carinhall

1945

Aus der Sammlung von

Deutsches Historisches Museum

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©Deutsches Historisches Museum/ Foto: S. Ahlers

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Kurzbeschreibung
Grundrisszeichnung für die dritte Erweiterung des Waldhofes mit Kunstmuseum, am 12 Januar 1945 von Göring zu seinem 52. Geburtstag präsentiert.

Ein Jagdhaus in der Schorfheide

Wo liegt Carinhall? Welche Kunstwerke waren dort untergebracht?
Noch vor Kriegsende ließ Hermann Göring (1893-1946) seinen Kunstpalast Carinhall sprengen. Herrenlose Kunstgegenstände blieben vor Ort zurück.
In der Antikensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin werden einige Kunstwerke aus Carinhall aufbewahrt, die in den Besitz der Bundesrepublik Deutschland übergegangen und dem Museum als Dauerleihgaben zur Verfügung gestellt worden sind.


Römischer Löwensarkophag

250-300 n.Chr.

Aus der Sammlung von

Staatliche Museen zu Berlin – Antikensammlung

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Quelle

Antikensammlung, Staatliche Museen zu Berlin – Stiftung Preußischer Kulturbesitz/ Foto: G. Geng

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Kurzbeschreibung
Der Löwensarkophag SL 3.2-2 (Lei 43) ist geriefelt, in der Mitte befindet sich ein mandelförmiges Feld, eine sogenannte Mandorla. Der Wannenrand ist mit einem Eierstabfries dekoriert.

Im Neuen Museum kann man einen beeindruckenden Marmorsarkophag bewundern, der an beiden Seiten einen schreitenden, zurückgewandten Löwen zeigt.
Das Stück stammt aus der Sammlung des Nazi-Funktionärs Hermann Göring  in Carinhall und ist eine Dauerleihgabe der Bundesrepublik Deutschland in der Antikensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin.



Carinhall, Innenhof mit Bronzehirsch

1937

Aus der Sammlung von

bpk-Bildagentur

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Quelle

©bpk-Bildagentur

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Carinhall, Innenhof mit Bronzehirsch, 1937


Carinhall

In Carinhall, am idyllischen Großen Döllnsee in der Schorfheide gelegen, ließ Göring 1933 ein Jagdhaus errichten, das nach umfangreichen Erweiterungsbauten in den Jahren 1936-1937 zum repräsentativen Wohnsitz Görings wurde. Dort waren auch seine zahlreichen Kunstwerke untergebracht, die er spätestens seit den frühen 1930er Jahren gesammelt hatte. Bekanntlich profitierte Göring bei der Zusammenstellung seiner Sammlung unter anderem von Beschlagnahmungen in den von deutschen Truppen besetzten Gebieten. Unter seinen Kunstwerken befanden sich auch Objekte aus jüdischem Besitz.



Brief an Göring

Aus der Sammlung von

Fold3 - Historical military records

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Quelle

Records of the American Commission for the Protection and Salvage of Artistic and Historical Monuments in War Areas (The Roberts Commission), 1943-1946. Subject Files, compiled 1944 - 1946, documenting the period 1940 - 1946. Contini - Bonacossi - Goering. National Archives Catalog id 1537311, NARA M1944, roll 0088, page 43, retrieved Febuary 26, 2021

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Brief von Andreas Hofer, "Direktor der Kunstsammlung des Reichsmarschalls“ vom 14. Oktober 1942


Löwen und Kunst

Der Löwensarkophag wurde 1942 vom Kunsthändler Andreas Hofer (seit 1941 "Direktor der Kunstsammlung des Reichsmarschalls“) bei dem italienischen Kunsthändler Ugo Jandolo in Rom gekauft.
In einem Brief an Göring vom 14. Oktober 1942 berichtet Hofer:

Jandolo, Rom. Nach langwierigen Verhandlungen erwarb ich den prachtvollen roemischen Sarkophag mit den beiden grossen Loewen in Halbrelief (…) Der Besitzer des Sarkophages hatte inzwischen von dem Haendler, der den Sarkophag in Kommission hatte, erfahren, dass das Stueck fuer Sie bestimmt war & wollte ploetzlich nicht mehr verkaufen! Natuerlich, sollte das dem Gauner nur als Vorwand dienen, mich zu veranlassen, einen weit hoeheren Preis zu bieten. Nach tagelangen Verhandlungen erwarb ich beide Objekte zum urspruenglichen Preis von L. 100.000.- fuer den Sarkophag (...), plus 10% vereinbarte Vermittlungsgebuehr. Der Sarkophag ist weitaus schoener & wichtiger als der von Ihnen im Fruehjahr von Brasini erworbene, dazu bis auf unwichtige Kleinigkeit fehlerfrei erhalten, er wird Ihnen eine grosse Freude bereiten.


Hermann Göring mit seiner zweiten Frau Emmy und seinem jungen Löwen in Carinhall

Aufnahmedatum: 28.07.1936

Aus der Sammlung von

bpk-Bildagentur

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Quelle

©bpk-Bildagentur, Foto: Heinrich Hoffmann

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Kurzbeschreibung
Anläßlich des Besuchs von Charles Lindbergh
Göring hatte bekanntlich eine Leidenschaft für Löwen. Der Löwensarkophag wurde an prominenter Stelle in einer Halle in Carinhall ausgestellt.


Ruine von Carinhall in der Schorfheide

Aufnahmedatum: 16.05.1948, Carinhall

Aus der Sammlung von

bpk-Bildagentur

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Quelle

©bpk-Bildagentur/ Herbert Hensky

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Ruine von Carinhall in der Schorfheide, 1948

Das Ende von Görings Jagdschloss

Das Anwesen wurde im April 1945 auf Görings Befehl gesprengt, um die Eroberung durch die sowjetischen Truppen zu verhindern. Obwohl bereits seit Februar Vorbereitungen getroffen worden waren, um die wertvollsten Kunstwerke nach Burg Veldenstein zu transportieren, wo Göring einen Bunker für die Sicherung seiner Sammlung hatte bauen lassen, verblieben noch zahlreiche Objekte in Carinhall. Aus der Zeit der Einnahme Carinhalls durch die Rote Armee sind keine offiziellen Unterlagen bekannt.

Und wie sah Karinhall aus, als die Zentralstelle nach Abzug der Russen im Juni 1946 mit der Bergung begann? Ein Trümmerhaufen.
So berichtet Kurt Reutti, Leiter des Bergungsamtes vom Magistrat von Groß-Berlin ("Zentralstelle zur Erfassung und Pflege von Kunstwerken“).
Und trotzdem waren noch zahlreiche Kunstwerke vorhanden:

z.T. im Freien liegend, z.T. in den gesprengten Bunkern und Bunkergängen(…)

Unter diesen Kunstwerken befand sich auch der Löwensarkophag – er war in Carinhall geblieben.





Löwensarkophag auf der Museumsinsel

um 1947

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Staatliche Museen zu Berlin – Zentralarchiv

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Staatliche Museen zu Berlin – Zentralarchiv

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"Löwensarkophag" auf der Museumsinsel, um 1947


Der Sarkophag auf der Museumsinsel

Der Sarkophag wurde nach dem Krieg in Carinhall geborgen und an die Berliner Antikensammlung überwiesen. Das Foto zeigt ihn bei der Reinigung durch Mitarbeiterinnen nach dem Transport auf die Museumsinsel. Die Aufnahme lässt sich in die Zeit direkt nach der Überweisung aus der "Zentralstelle“ datieren.

Der Löwensarkophag wurde - wie andere Objekte aus dem Eigentum der Bundesrepublik Deutschland - im Rahmen eines Forschungsprojekts der Antikensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin zwischen 2013 und 2016 von Laura Puritani untersucht.

Die Erforschung der Provenienz archäologischer Objekte erfolgt unter mehreren Gesichtspunkten: Auch wenn sie im Zeitraum von 1933 bis 1945 nicht verfolgungsbedingt entzogen wurden, muss überprüft werden, ob sie zum Fremdbesitz gehören oder illegal ausgegraben bzw. gehandelt wurden.




Übersichtskarte über die Reise des Captain J. A. Jacobsen an der Nordwestküste Amerika's

L. von der Vecht, 1881-1883, Leipzig

Aus der Sammlung von

Staatsbibliothek zu Berlin

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©Verlag Max Spohr, Leipzig

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Chenega Island: Bereist im Auftrag des Königlichen Museums für Völkerkunde

Im Auftrag des damaligen Königlichen Museums für Völkerkunde bereiste der norwegische Seefahrer Johan Adrian Jacobsen zwischen 1881 und 1883 die amerikanische Nordwestküste und Alaska. Auf den Inseln Chenega und Nuchek erwarb er größere Sammlungen ethnologischer Objekte, auf Chenega Island fast 200, darunter auch einen auffälligen Hut.



Jagdhut der Chugach

Aus der Sammlung von

Staatliche Museen zu Berlin – Ethnologisches Museum

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Ethnologisches Museum, Staatliche Museen zu Berlin – Stiftung Preußischer Kulturbesitz/ Foto: Martin Franken

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Jagdhut IV A 6174

Jagdhut der Chugach

Bei dem aus Fichte geflochtenen Hut handelt es sich vermutlich um eine Kopfbedeckung für die Jagd. Das herausragende Design erinnert eher an die Motive der amerikanischen Nordwestküste. Er ist mit zahlreichen bunten Perlen dekoriert. Auffallend sind die langen Schnurrhaare eines Seelöwen. Die rote und schwarze Farbe auf dem Hut ist bereits leicht verblasst und lässt nur noch erahnen, wie farbenfroh er einmal gewesen sein muss. Einen solchen Hut trugen die Männer auf See während der Jagd. Einerseits schützte er sie vor Regen und Wasser und andererseits diente er dem Jäger als Tarnung.





Chugach Alaska

Aus der Sammlung von

Wikimedia Commons

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Quelle

Diego Delso

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Chugach, Alaska - Eine Region im Zentrum europäischer Interessen

Mitte des 18. Jahrhunderts siedelten sich russische Pelzhändler in der Region an und kolonisierten das südliche Alaska. Die Siedler entführten einheimische Frauen und Kinder, die Männer mussten Zwangsarbeit leisten und Krankheiten verbreiteten sich so schnell, dass viele Menschen starben. Am Anfang des 20. Jahrhunderts dezimierte eine Pockenepidemie die Bevölkerung drastisch und ein Erdbeben mit darauffolgendem Tsunami zerstörte einen Großteil der Gebäude vieler Ortschaften. 1989 ereignete sich der folgenschwere Unfall des Öltankers Exxon Valdez, der die gesamte Küste verseuchte.
Die politische Situation der indigenen Bevölkerung Alaskas änderte sich im Jahr 1971, als die US-Regierung den Alaska Native Claims Settlement Act (ANCSA) erließ, in dessen Folge auch die Chugach Alaska Corporation gegründet wurde, die nun selbstbestimmt über ihr Land und dessen Ressourcen verfügen kann. Seitdem setzt sie sich auch für die Bewahrung ihres kulturellen Erbes ein.



Museum für Völkerkunde – Blick in den Saal der nordwestamerikanischen Sammlungen

Aus der Sammlung von

Staatliche Museen zu Berlin – Ethnologisches Museum

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Ethnologisches Museum, Staatliche Museen zu Berlin – Stiftung Preußischer Kulturbesitz

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Museum für Völkerkunde – Blick in den Saal der nordwestamerikanischen Sammlungen, ca. 1926


Von Alaska nach Berlin

Ende des 19. Jahrhunderts verbrachten Forscher und Reisende Tausende von Objekten aus dem südlichen Alaska in europäische und amerikanische Museen.
Johan Adrian Jacobsen allein sandte über 3.000 Objekte aus Alaska nach Berlin, darunter zahlreiche menschliche Überreste aus Gräbern.
Seine Sicht auf die indigenen Bewohner zeigt, mit welcher Überheblichkeit die Europäer glaubten, dass sich diese Kulturen einer westlichen Zivilisation anpassen würden.




Johan Adrian Jacobsen

Aus der Sammlung von

Staatliche Museen zu Berlin – Ethnologisches Museum

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Quelle

©Ethnologisches Museum, Staatliche Museen zu Berlin – Stiftung Preußischer Kulturbesitz

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Johan Adrian Jacobsen, undatiertes Foto


Rückkehr nach Berlin

Im November 1883 kehrte Jacobsen nach Berlin zurück. Dort entpackte und katalogisierte er seine Sammlungen, die bereits im Museum eingetroffen waren. Nebenbei bereitete er mithilfe eines Journalisten seine Tagebücher für die Veröffentlichung vor, die 1884 unter dem Titel "Capitain Jacobsen’s Reise an der Nordwestküste Amerikas 1881–1883: zum Zwecke ethnologischer Sammlungen und Erkundigungen nebst Beschreibung persönlicher Erlebnisse“ erschienen.



„Capitain Jacobsen’s Reise an der Nordwestküste Amerikas 1881–1883: zum Zwecke ethnologischer Sammlungen und Erkundigungen nebst Beschreibung persönlicher Erlebnisse“

Aus der Sammlung von

Staatsbibliothek zu Berlin

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©Verlag Max Spohr

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Jacobsens Reisebericht

In seinem Reisebericht erwähnt Jacobsen zu den Objekten von Chenega Island lediglich:

Am Abend kehrten wir nach dem Dorfe zurück, in dem ich alle ethnographischen Gegenstände kaufte, die zu haben waren. […] Die ethnographischen Gegenstände, welche ich hier kaufte, bestanden aus Steinäxten, hölzernen Tellern mit eingelegter Perlenarbeit, grossen Steinlampen, Perlenarbeiten, Jacken aus Adlerhäuten u.a.m.

Der Hut wird also im Reisebericht gar nicht erwähnt, gehört aber vermutlich zu denjenigen Objekten, die Jacobsen auf Chenega Island erwarb. Solche Hüte waren wertvolle Familienerbstücke. Warum wurde dieses auffallende und wichtige Objekt nicht weiter genannt?
Wie bei vielen anderen Gegenständen in den Sammlungen des Ethnologischen Museums sind und bleiben die genauen Erwerbungsumstände des Jagdhutes aus dem südlichen Alaska unbekannt.



Besuch einer Delegation der Chugach im November 2019

Aus der Sammlung von

Staatliche Museen zu Berlin – Ethnologisches Museum

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©Ethnologisches Museum, Staatliche Museen zu Berlin – Stiftung Preußischer Kulturbesitz/ Foto: Timo Weißberg

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Kooperation: Besuch einer Delegation der Chugach im November 2019

„Was ist mit unseren Vorfahren passiert?“

Im Herbst 2015 reiste eine Delegation der Kulturorganisation Chugachmiut nach Berlin mit dem Ziel, eine Kooperation für eine virtuelle Sammlung aller Chugach-Objekte weltweit aufzubauen. Im Depot des Ethnologischen Museums kam es dabei zu einem emotionalen Moment, als John Johnson, Vizepräsident der Chugach Alaska Corporation, aus dem Reisebericht von Johan Adrian Jacobsen vorlas. Darin beschreibt Jacobsen, wie er die menschlichen Überreste aus Gräbern entnimmt, darunter eine Frau und ein Kind, deren Knochen in Jacobsens Händen zerfallen.

Was ist mit unseren Vorfahren passiert?
will John Johnson heute wissen.




Prof. Dr. Hermann Parzinger, Präsident der SPK, übergibt von Jacobsen entwendete Grabbeigaben an John Johnson, Vice-President der Alaska Chugach Corporation

Mai 2018, Berlin

Aus der Sammlung von

Staatliche Museen zu Berlin – Ethnologisches Museum

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©Stiftung Preußischer Kulturbesitz/ photothek.net/ Foto: Felix Zahn

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Prof. Dr. Hermann Parzinger (SPK) übergibt von Johan Jacobsen entwendete Grabbeigaben an John Johnson (Alaska Chugach Corporation), Mai 2018


Rückgabe und Zukunft

2018 gab die Stiftung Preußischer Kulturbesitz neun Objekte, die Jacobsen aus Gräbern entwendet hatte, an die Chugach Alaska Corporation zurück. Der Verbleib der menschlichen Überreste konnte nicht geklärt werden und wird im Rahmen der Provenienzforschung kooperativ erforscht.

Die weiteren über 200 Objekte aus der Region verblieben in den Sammlungen des Ethnologischen Museums und sind nun Teil gemeinsamer Forschung. Dazu besuchte 2019 erneut eine Delegation von Vertretern der Chugach das Ethnologische Museum.

Als Provenienzforscher am Zentralarchiv der Staatlichen Museen zu Berlin arbeitet Ilja Labischinski gemeinsam mit Kolleg:innen des Ethnologischen Museums und Vertreter:innen der Chugach an Projekten zur Provenienz, Vermittlung und Ausstellung der Objekte und des damit verbundenen Wissens.





Mosse Palais Berlin Site Plan

Hans Strauch

Aus der Sammlung von

HDS Architecture

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©HDS Architecture

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Palais Mosse - Leipziger Platz 15 / Voßstraße 22

In einem Garten in der Voßstraße wird unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkrieges ein beeindruckender Löwe aus Kalkstein sichergestellt.
Wenig später taucht er auf der Museumsinsel auf. Aber wem gehörte er?



Liegender Löwe

August Gaul

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Staatliche Museen zu Berlin – Alte Nationalgalerie

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Alte Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin – Stiftung Preußischer Kulturbesitz

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Kurzbeschreibung
Der "Liegende Löwe" entstand als Auftragsarbeit des führenden Berliner Zeitungsverlegers Rudolf Mosse für die Eingangshalle seines Palais am Leipziger Platz.
August Gaul, Liegender Löwe, 1903


Großer liegender Panther, Marmor. Sichergestellt aus einem Garten in der Voßstraße.

Kurt Reutti, Mitarbeiter des Berliner Magistrats in einem internen Bericht



Blick aus dem Hof des Palais von Rudolf Mosse Voßstraße 22

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Staatliche Museen zu Berlin – Kunstbibliothek

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©Kunstbibliothek, Staatliche Museen zu Berlin – Stiftung Preußischer Kulturbesitz/ Foto: Willy Römer

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Kurzbeschreibung
Die Aufnahme zeigt im Hintergrund die Trümmer der Neuen Reichskanzlei, 1945

Panther oder Löwe?

1949 war die Skulptur auf die Museumsinsel gelangt, übergeben von einem Mitarbeiter des Berliner Magistrats, der sich mit vollem Einsatz um Kunstwerke kümmerte, die im zerstörten Berlin auf Straßen, Plätzen, in Parks und Gärten schutzlos herumlagen: Kurt Reutti. Er hatte den Fund eines Panthers aus Marmor in einem internen Bericht erwähnt. Zwar war es kein Panther, sondern ein Löwe, und die Tierfigur auch nicht aus Marmor, sondern aus Kalkstein, aber die Angabe "Voßstraße" versprach eine Spur zum früheren Besitzer.


Rudolf Mosse, um 1910

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bpk-Bildagentur

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©bpk-Bildagentur

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Rudolf Mosse, um 1910
Der Mann, der die Werbung in die Zeitungen brachte

In einem repräsentativen Palais auf einem Grundstück zwischen Leipziger Platz und Voßstraße wohnte der deutsch-jüdische Verleger Rudolf Mosse (1843-1920). Er eröffnete 1867 mit geliehenem Startkapital in der Friedrichstraße 60 die "Rudolf Mosse Zeitungs-Annoncen-Expedition“ und setzte damit eine kühne Idee um: Als einer der ersten Verleger pachtete er ganze Seiten in Zeitungen, die er dann an Werbekunden für Anzeigen verkaufte. Damit traf Mosse den Nerv der Zeit, denn der sich rasant entwickelnde Pressemarkt mit steigenden Auflagen erhöhte auch die Herstellungskosten. Der Verkauf von Platz für Werbeanzeigen war also ein willkommenes Mittel zur Erhöhung der Einnahmen der Zeitungen.
Bereits fünf Jahre später hatte das Unternehmen über 250 Niederlassungen im In- und Ausland und warb selbstbewusst mit "Inseraten-Annahme für sämmtl. existirende Zeitungen der Welt“. Ab 1871 erschien in Mosses Verlag die auflagenstarke Tageszeitung "Berliner Tageblatt“, die sich bis 1933 zur größten liberalen Tageszeitung in Deutschland entwickelte und zu den am meisten gelesenen deutschen Blättern im Ausland zählte.




Palais von Rudolf Mosse, in der Voßstraße 22

1935

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bpk-Bildagentur

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©bpk-Bildagentur/ Foto: Atelier Bieber/Nather

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Palais von Rudolf Mosse in der Voßstraße 22, 1935


Stadtresidenz am Leipziger Platz

Sein umfangreiches Privatvermögen nutzte Mosse auch als Förderer und Mäzen, er stiftete große Summen für jüdische Organisationen sowie für Ferienkolonien, Arbeiterlandheime und mittellose Kranke, gründete u.a. ein Erziehungsheim für Waisenkinder und eine Pensionskasse für seine Angestellten. Auch die Berliner Museen wurden großzügig von ihm unterstützt, 1891 stellte er 30.000 Mark zum Ankauf ägyptischer Altertümer zur Verfügung. Ein Jahr später kamen weit über 600 Objekte als "Schenkung Rudolf Mosse“ in das Ägyptische Museum.
In den 1880er Jahren ließ sich Mosse die neue Stadtresidenz am Leipziger Platz bauen und stattete sie mit Kunstwerken und einer Bibliothek aus. Die überlieferten Kataloge zeigen eine erlesene Sammlung und auch unseren Löwen. Mosse galt als großer Liebhaber von Skulpturen und hatte August Gaul 1902 den Auftrag erteilt, einen Löwen in Stein für sein neues Palais zu schaffen.
Nach seinem Tod 1920 wurde sein Palais zu einer öffentlich zugänglichen Galerie, der Verlag wurde von seinem Schwiegersohn Hans Lachmann-Mosse weitergeführt.



Sowjetische Besatzungssoldaten posieren am Löwen

August Gaul, 1945, Berlin

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bpk-Bildagentur

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©bpk-Bildagentur/ Foto: Friedrich Seidenstücker

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Sowjetische Besatzungssoldaten posieren am Löwen, 1945


Emigration und Enteignung 1933

Die Machtübernahme der Nationalsozialisten im Januar 1933 machte schließlich das wirtschaftliche Überleben des bereits angeschlagenen jüdischen Verlagshauses und der führenden liberalen Zeitung Deutschlands gänzlich unmöglich. Den Erben Rudolf Mosses, seiner Adoptivtochter Felicia Lachmann-Mosse mit ihrem Mann und ihren drei Kindern, gelang im März 1933 die Emigration in die Schweiz. Ihr gesamtes privates Vermögen, die Immobilien und die Kunstsammlung wurden beschlagnahmt, der Verlagskonzern arisiert. 1934 wurde die Kunstsammlung im Auktionshaus Rudolph Lepke in Berlin versteigert. Aus dieser Auktion gelangten weitere Objekte in die Staatlichen Museen zu Berlin, allerdings auf sehr verschiedenen Wegen und bis in die 1970er Jahre. Kein Objekt wurde von den Museen direkt auf der Auktion erworben.
Auch das Palais am Leipziger Platz eigneten sich die Nazis an, hier zog die NS-Akademie für Deutsches Recht unter ihrem Präsidenten Hans Frank ein, dem späteren Generalgouverneur von Polen. Der Löwe wurde nicht auf der Auktion der Mosse’schen Kunstsammlung 1934 angeboten, er blieb bis zum Ende des Krieges vor Ort, als ihn schließlich Kurt Reutti im Garten des Grundstücks an der Voßstraße entdeckte und bergen ließ.



Liegender Löwe im Foyer der James-Simon-Galerie

August Gaul

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Staatliche Museen zu Berlin – Alte Nationalgalerie

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©Alte Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin – Stiftung Preußischer Kulturbesitz / Foto: Dirk von Becker

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Liegender Löwe im Foyer der James-Simon-Galerie, 2019


Ein neuer Ort für den Löwen

Das Wissen um die Geschichte des Löwen bildete den Ausgangspunkt für die weitere Suche nach Werken aus der Sammlung Mosse in den Häusern der Staatlichen Museen zu Berlin. Es kamen neun Werke in vier verschiedenen Museen zum Vorschein. Fast jedes Objekt hat eine eigene spannende Geschichte, von seiner Entstehung über seinen Platz in der Kunstsammlung von Rudolf Mosse bis hin zur Erwerbung durch das Museum. Alle neun wurden 2015/2016 an die Erben der Familie Mosse restituiert. Drei bedeutende Werke wurden zurückgekauft und befinden sich noch heute auf der Museumsinsel: Ein römischer Sarkophag mit Erotendarstellungen aus der Antikensammlung ist im Neuen Museum ausgestellt. Die Marmor-Skulptur Susanna von Reinhold Begas ist in der Alten Nationalgalerie zu sehen. Der Löwe von August Gaul thront seit Sommer 2019 herrschaftlich im oberen Foyer der James-Simon-Galerie auf der Museumsinsel und begrüßt hier die Besucher, wie einst im Palais von Rudolf Mosse.

Die Recherchen zum "Löwen“ wurden von Petra Winter im Rahmen des Provenienzforschungsprojekts zur "Galerie des 20. Jahrhunderts“ begonnen und 2012 bis 2014 auf weitere Werke aus der Sammlung Mosse in den Staatlichen Museen zu Berlin ausgedehnt.

Die proaktive Recherche und das Auffinden von NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kunstwerken in den Museen ist seit vielen Jahren erklärtes Ziel der Staatlichen Museen zu Berlin.





Goethes Gartenhaus und Exlibris Erich Schmidt (Collage)

um 1900, Weimar

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Staatsbibliothek zu Berlin, Wikimedia Commons

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Wikicommons und Staatsbibliothek/ Bildbearbeitung: Doris Antonides-Heidelmeyer

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Wie wurde Goethes Gartenhaus zu Raubgut?

In der Staatsbibliothek waren bei der Provenienzerschließung immer wieder Bände mit einem Exlibris erfasst worden, das Goethes Gartenhaus zeigt. Die weiteren Forschungen führten auf die Spur eines prominenten Berliner Raubgut-Falles.



Exlibris Erich Schmidt

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Staatsbibliothek zu Berlin

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Staatsbibliothek zu Berlin

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GIF EXLIBRIS NEU.gif


Das Exlibris

In einer Neorokoko-Kartusche die unverkennbare Ansicht des Gartenhauses am Rande des Parks an der Ilm, darüber, um jeden Zweifel zu beseitigen, noch die Büste des großen Dichters – eindeutiger kann man die Verbindung zu Goethe und der Weimarer Klassik nicht bildlich evozieren. Der Wallfahrtsort für alle Literaturliebhaber diente – so die unten angebrachte Schriftplakette – zur Kennzeichnung der "Bibliothek von Erich Schmidt“. Die Signatur "G. Otto 96.“ verrät, dass diese Kleingraphik zu den zahlreichen Exlibrisentwürfen des zunächst im väterlichen Geschäft Unter den Linden ausgebildeten Graphikers George Eugène Otto zählt, die er seit 1889 als Schüler Emil Doeplers in Berlin anfertigte.



Erich Schmidt

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Library of Congress

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George Grantham Bain Collection

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Erich Schmidt, um 1900


Der Exlibriseigner Erich Schmidt (1853-1913)

Dank dieses prägnanten Exlibris lässt sich der darauf genannte "Erich Schmidt“ sofort als der bekannte Lessing- und Goethe-Forscher dieses ansonsten durch seine Häufigkeit schwer individualisierbaren Namens erkennen.
Nach dem Schulabschluss in Schulpforta studierte der Professorensohn Erich Schmidt in Graz, Jena und Straßburg klassische Philologie, promovierte aber 1874 bei Wilhelm Scherer in neuerer deutscher Literaturgeschichte. Ein Jahr später habilitierte er in Würzburg und trat 1877 Scherers Nachfolge in Straßburg an. 1880 ging Schmidt als Professor nach Wien und wurde 1885 Direktor des neugegründeten Goethe-Archivs in Weimar. 1887 folgte er wiederum Scherer als Professor für neuere deutsche Literaturgeschichte an der Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin nach, wurde Gründungsdirektor des Germanistischen Seminars und war 1909 bis 1910 Rektor der Universität. Von 1906 bis zu seinem Tod war er Präsident der Goethe-Gesellschaft in Weimar, bereits 1895 wurde er als ordentliches Mitglied in die Preußische Akademie der Wissenschaften aufgenommen.
Schmidt war in den literarischen Salons Wiens und Berlins zu Hause und als Hochschullehrer und Wissenschaftsorganisator breit vernetzt.



Sammelband „Maler Müller“

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Staatsbibliothek zu Berlin

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Staatsbibliothek zu Berlin

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Kurzbeschreibung
Sammelband mit zwei Werken des als „Maler Müller“ bekannten Goethe-Zeitgenossen, darunter der 1778 erschienene Faust. Auf dem Vorsatz ein handschriftliches Inhaltsverzeichnis des Erlanger Sprachwissenschaftlers Rudolf von Raumer, der den Band nach eigenem Bekunden 1867 erwarb. Unter Raumers Eintrag der Namenszug „Dr. E. Schmidt“, der diesen Sammelband offenbar 1877 beim Verkauf der Bibliothek des verstorbenen Professor Raumer durch Eduard Besold's Antiquarium in Erlangen (Katalog 42, der Sammelband unter der Nummer 2710) erwarb und ihn anschließend mit seinem Gartenhaus-Exlibris versah.
Vorsatz mit handschriftlichem Inhaltsverzeichnis und auf 1867 datiertem Besitzvermerk des Erlanger Sprachwissenschaftlers Rudolf v. Raumer


Die Gelehrtenbibliothek Erich Schmidts

 "Die Bibliothek eines grossen und gelehrten Mannes ist mehrenteils ein charakteristischer Beitrag zur Denkweise und Biographie desselben.“ 

(aus dem oft zitierten Vorwort zum Versteigerungskatalog der Bibliothek Johann Gottfried Herders von 1804)

Erich Schmidt besaß mit rund 10.000 Bänden eine umfangreiche germanistische Bibliothek, die auch viele bibliophile Stücke wie Erstausgaben und Widmungsexemplare umfasste. Besonderer Schwerpunkt seiner Sammlung waren Werke von und über Goethe, aber auch Lessing und Kleist. Gleichzeitig erhielt Schmidt als Förderer moderner Literatur von der nachklassischen Zeit bis zum Naturalismus zahlreiche Widmungs- und Rezensionsexemplare zeitgenössischer Autoren. Neben dem Exlibris und einem Stempel aus seiner Wiener Zeit hinterließ Erich Schmidt häufig handschriftliche Annotationen und seinen Namenszug in den Büchern, so dass sich meist gut erkennbare Provenienzspuren finden lassen.

Zum Digitalisat des Sammelbandes



Voßstr. 22, Mosse Palais

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Christoph Neubauer

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©Christoph Neubauer

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Kurzbeschreibung
Ausschnitt aus der DVD „Die Voßstraße“
Palais Mosse, Ansicht vom Eingang Voßstraße 22
Die Bibliothek Erich Schmidt im Palais Mosse

Nach dem Tod von Erich Schmidt am 29. April 1913 kaufte der Berliner Verleger Rudolf Mosse, vor einer geplanten Auktion, die komplette Bibliothek des Sammlers von dem Berliner Antiquar Martin Breslauer an und rettete sie so vor der Zerschlagung. Separiert wurde jedoch die Autographen-Sammlung Schmidts: Diese wurde 1914 tatsächlich von Breslauer einzeln angeboten und verkauft.

Rudolf Mosse ließ die Bibliothek im Erdgeschoß des für ihn im neobarocken Stil errichteten und prunkvoll ausgestatteten Palais am Leipziger Platz 15 / Voßstraße 22 aufstellen und machte sie ab März 1914 an vier Tagen der Woche für jeweils zwei Stunden unter Aufsicht öffentlich zugänglich. Als Bibliothekar engagierte er Hans von Müller. Ob das vierbändige, maschinenschriftliche und alphabetisch geordnete "Verzeichnis der Büchersammlung Rudolf Mosse <früher Univ.-Prof. Erich Schmidt>" aus dieser Zeit stammt oder erst beim späteren Verkauf der Sammlung entstand, ist noch ungeklärt.





Gratulationsblatt von Emilie Mosse

Aus der Sammlung von

Staatsbibliothek zu Berlin

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Staatsbibliothek zu Berlin

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Kurzbeschreibung
Die handschriftlichen Geburtstagsgratulationen der Prominenz aus Presse, Politik, Kunst, Theater, Wissenschaft und Religion, aber auch von Rudolf Mosses Mitarbeitern und Familie wurden mit zahlreichen Originalfotografien, Zeichnungen, Aquarellen und sogar eigenhändigen Kompositionen ausgeschmückt. Nachdem die Gratulantinnen und Gratulanten vom Reichstagsabgeordneten Dr. Bruno Ablass bis zum Maler Heinrich Zille und dem Journalisten Fedor von Zobeltitz die Bögen gestaltet hatten, wurden je zwei zur Vorder- und Rückseite eines Blattes zusammengebracht, die Blätter dann mit Goldschnitt versehen und in zwei eigens für das Album entworfenen Klemmmappen in vermutlich grob alphabetischer Ordnung zusammengefasst. 
Gratualationblatt von Emilie Mosse


Rudolf Mosse – ein Mann der Tat und nicht des Buches?

Überraschenderweise bleibt die von Rudolf Mosse in seinem siebzigsten Lebensjahr erworbene und damit vor der Zerschlagung gerettete Bibliothek Erich Schmidt bis heute fast der einzige für den gelernten Buchhändler und international agierenden Verleger nachweisbare Buchbesitz.
Eine Ausnahme gibt es, die persönlicher nicht sein könnte: Das als Geschenk für Rudolf Mosse anlässlich seines 70. Geburtstages am 8. Mai 1913 zusammengetragene Gratulationsalbum versammelte 302 Beiträge, von denen heute noch 263 erhalten sind.

Die parallel von der Redaktion des Albums herausgegebene Druckausgabe enthält die Texte sowie Hinweise auf die Illustrationen und vermittelt so einen Eindruck auch der heute im Original fehlenden Gratulationen und vom ursprünglichen Einband.

Zum Digitalisat des Mosse-Albums
Zum Digitalisat der Druckausgabe



Gezeichnete Gratulation des Karikaturisten Hermann Wilke aus dem Mosse-Album

Hermann Wilke

Aus der Sammlung von

Staatsbibliothek zu Berlin

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Staatsbibliothek zu Berlin

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Gratulationsblatt Hermann Wilke


Gezeichnete Gratulation des Karikaturisten Hermann Wilke aus dem Mosse-Album

Das von dem Braunschweiger Karikaturisten Hermann Wilke (1876-1950) gestaltete Gratulationsblatt kombiniert geschickt eine Zeichnung mit dem eigenen Porträtfoto. Der ständige Mitarbeiter der satirischen Wochenzeitschrift Ulk, damals eine auflagensteigernde Gratisbeilage für mehrere Zeitungen aus dem Mosse-Verlag, widmet seinem Arbeitgeber einen von den Mosse-Zeitungsprodukten geprägten "Blick in seine Vaterstadt“: Vom unten vor dem Haus platzierten älteren Ehepaar, sie in den illustrierten Welt-Spiegel und er ins Berliner Tageblatt vertieft, über den gutsituierten dicklichen Leser der Volks-Zeitung im ersten Stock bis zu dem über den Ulk lachenden Jüngling unterm Dach.



Widmung Paul Lindau an Frau Mosse

Aus der Sammlung von

Staatsbibliothek zu Berlin

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Staatsbibliothek zu Berlin

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Kurzbeschreibung
Paul Lindau, Im Fieber, Novelle, Breslau 1890

Als zweite Ausnahme im Sinne persönlicher Provenienzspuren konnte ein weihnachtliches Buchgeschenk an Mosses Ehefrau Emilie identifiziert werden: Am 23. Dezember 1889 widmete der Journalist, Dramaturg und Schriftsteller Paul Lindau "Seiner liebenswürdigen Freundin Frau Rudolf Mosse in freundschaftlicher Verehrung“ seine frisch erschienene Novelle Im Fieber.

Von Rudolf Mosse selbst hinterlassene Spuren – seien es handschriftliche Notizen, wenigstens ein Namenszug oder ein Erwerbungsdatum, gar ein von ihm beauftragtes Exlibris – konnten in keinem der bisher untersuchten Bände entdeckt werden. Fassbar wird Mosse in Bezug auf Bücher als Geschäftsmann und Mäzen, nicht als Leser.



Gratulationsblatt von Raffael Schuster-Woldan

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Staatsbibliothek zu Berlin

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Staatsbibliothek zu Berlin/ Bildbearbeitung: Doris Antonides-Heidelmeyer

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Kurzbeschreibung
Das Mosse-Album wurde beim Verkauf der Bibliothek offenbar vom Antiquariat Agnes Straub erworben, das die Mappen auflöste und bis 1945 mehrfach Blätter oder demontierte Vorder- bzw. Rückseiten einzeln als Autographen anbot und verkaufte, so dass heute 39 Beiträge fehlen.
Über den in den Akten der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften dokumentierten Verkauf der Restbestände aus dem Antiquariat Straub gelangten 1952/1953 "242 Fotos aus Sammlung Rudolf Mosse (Autographen)" an die Öffentliche Wissenschaftliche Bibliothek (eine Vorgängerinstitution der heutigen Staatsbibliothek) und wurden 1966 schließlich in der Handschriftenabteilung unter der Signatur Alb. amic. 141 akzessioniert.
Dank des unverkauft gebliebenen Blattes mit einer Rötelzeichnung von Raffael Schuster-Woldan und der in der unteren rechten Ecke erkennbaren Bleistiftnotiz "112/393“ mit dem Preis 30.- [RM] lässt sich das Antiquariat Agnes Straub als Verkäufer einzelner Blätter des Albums festmachen. Die durch die Provenienzerschließung vielfach dokumentierten Spuren des Antiquariats erlauben eine eindeutige Zuweisung und die Auflösung der unscheinbaren Notiz als Hinweis auf die Angebotsnummer 393 im Straub-Katalog Nr. 112 (ca. 1940).
Gratulationsblatt mit Rötelzeichnung von Raffael Schuster-Woldan, in der unteren rechten Ecke Bleistiftnotiz des Antiquariats Agnes Straub

Enteignung und Verkauf durch das NS-Regime
Für die Nationalsozialisten war die Familie Mosse ein Symbol der verhassten "jüdischen Presse“. Sie wurde unmittelbar nach der Machtübernahme wegen ihres jüdischen Glaubens und auch wegen ihrer politischen Haltung verfolgt. Rudolf Mosses Adoptivtochter und Erbin Felicia und ihr Mann Hans Lachmann-Mosse emigrierten noch in der ersten Jahreshälfte 1933 über die Schweiz und Frankreich in die Vereinigten Staaten.
Der Mosse-Konzern wurde in ein Vergleichsverfahren getrieben. Den Lachmann-Mosse-Besitz "verwaltete“ und "verwertete“ sodann die Mosse-Treuhandverwaltungs-GmbH, die Immobilien übertrug der NS-Staat eigenen Institutionen wie Hans Franks Akademie für Deutsches Recht, der wertvolle Kunstbesitz wurde 1934 versteigert.

Nach der Einziehung des Privateigentums der Familie Mosse begann 1934 über mehrere Antiquariatsbuchhandlungen auch der Verkauf der Bibliothek aus dem Mosse-Palais, wobei die Provenienz Erich Schmidt in den Vordergrund gestellt wurde. Involviert war bereits zu Beginn die Buchhandlung von Sophie Szczepanski in Berlin-Charlottenburg, von der die Staatsbibliothek damals kaufte. Ebenfalls noch 1934 erschien ein Katalog des Berliner Wertheim-Antiquariats "gemeinsam mit Antiquar Friedrich Korn“, anschließend Katalogangebote von den Berliner Antiquariaten Agnes Straub und Der Bücherwurm.





Dokumente der Zentralstelle für wissenschaftliche Altbestände (ZwA)

Aus der Sammlung von

Staatsbibliothek zu Berlin

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Staatsbibliothek zu Berlin/ Foto: Michaela Scheibe/ Bildbearbeitung: Doris Antonides-Heidelmeyer

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Akten der Zentralstelle für wissenschaftliche Altbestände zur Übernahme der Bestände der Christian Weise Bibliothek Zittau


Weiterverteilung in der DDR:
Die Rolle der Zentralstelle für wissenschaftliche Altbestände

Aus den erhaltenen Akten der Zentralstelle für wissenschaftliche Altbestände (ZwA) geht hervor, dass 1974 von der ZwA 1.000 Bände aus der Bibliothek Erich Schmidt, die auf ungeklärtem Weg als Versteigerungsrest an die Christian Weise Bibliothek Zittau gelangt waren, übernommen und weiterverteilt wurden. Auf diesem Wege und zu diesem späten Zeitpunkt wurden einige weitere Bände aus der Provenienz Schmidt-Mosse in den Bestand der Staatsbibliothek übernommen.

Zum Verzeichnis des Aktenbestandes "Zentralstelle für wissenschaftliche Altbestände" (ZwA)

Nach jahrelangen Forschungen konnte das Provenienzforschungsteam der Staatsbibliothek 44 Bände aus der Bibliothek Erich Schmidt, das Widmungsexemplar Paul Lindaus für Emilie Mosse und schließlich – durch die Zusammenarbeit mit der „Mosse Research Intiative" (MARI) – das Mosse-Album als enteigneten Besitz der Familie Mosse identifizieren und die Wege der Bücher weitgehend rekonstruieren. Insbesondere die Provenienzforscherin Hannah Neumann hat wesentlich zur Klärung dieses Falles und zur richtigen Einordnung der Provenienz Erich Schmidt beigetragen.
Das Gartenhaus-Exlibris Erich Schmidts ist inzwischen auch in anderen Bibliotheken zum Erkennungszeichen für der Familie Mosse geraubte Bücher geworden.

Am 8. Juli 2020 wurden die als NS-Raubgut identifizierten Bände und die beiden Kassetten mit den erhaltenen Blättern des Mosse-Albums von der Stiftung Preußischer Kulturbesitz an die Erben der Familie Mosse übergeben.

Michaela Scheibe, Provenienzforscherin und stellvertretende kommissarische Leiterin der Abteilung Historische Drucke der Staatsbibliothek zu Berlin, ist auch Vorsitzende der dbv-Kommission Provenienzforschung und Provenienzerschließung und ausgewiesene Expertin im Bereich NS-Raubgut an Bibliotheken.





Plan De Constantinople et Du Bosphore

zwischen 1793 und 1802

Aus der Sammlung von

Staatsbibliothek zu Berlin

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Staatsbibliothek zu Berlin

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Kurzbeschreibung
Aus der Sammlung Jean Baptist Nothomb, einem belgischen Gesandten am Preußischen Hof. Die Karte wurde 1788 wahrscheinlich in Wien gedruckt, ihre Entstehungszeit entspräche also dem Aufenthalt von Heinrich Friedrich von Diez in Istanbul. Sie zeigt die Umgebung von Istanbul vom Marmara Meer über den Bosporus bis zur Mündung ins Schwarze Meer.

Königlich Preußische Gesandtschaft in Konstantinopel

Zu den herausragenden Schätzen islamischer Kunst gehören die fünf sogenannten Diez'schen Klebealben.
Zusammen mit über 17.000 Bänden, Handschriften und einer umfangreichen Münzsammlung bilden sie das Vermächtnis des Diplomaten Heinrich Friedrich von Diez, der das Sammeln während seines Aufenthaltes an der Hohen Pforte in Konstantinopel in den Jahren von 1784 bis 1791 begonnen hat.



Zwei osmanische Männer an einem Tisch

Aus der Sammlung von

Staatsbibliothek zu Berlin

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Staatsbibliothek zu Berlin

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Kurzbeschreibung
aus: Diez-Album

Muraqqa’ - Die Diez’schen Klebealben

Klebealben haben in zahlreichen orientalischen Kulturen eine lange Tradition. Sie dienten in höfischen Kreisen der ästhetischen Erbauung, wurden aber auch als Musterbücher für die Übertragung auf andere Materialien wie Textilien in den Werkstätten verwendet. Das dem Arabischen entlehnte Wort Muraqqa’ wurde im Zusammenhang mit Flickenkleidung oder Patchwork verwendet. Wie ein Patchwork sich aus verschiedenen Stoffteilen und Mustern zusammensetzt, so bestehen die einzelnen Albenblätter aus Bildern unterschiedlicher Herkunft und Formate, deren Anordnung zumeist keinen inhaltlichen oder stilistischen Bezug erkennen lässt. Die von den osmanischen Sultanen zusammengestellten Alben besitzen ihrerseits eine eigene, sehr verwickelte Geschichte und gehen zum Teil auch auf noch ältere Alben zurück.
Außerhalb dieser seltenen Klebealben haben sich derartige Materialien in der Regel nicht erhalten können.



Heinrich Friedrich von Diez

Aus der Sammlung von

Staatsbibliothek zu Berlin

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Quelle

©Staatsbibliothek zu Berlin/ Foto: Carola Seifert

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Kurzbeschreibung
Das Originalgemälde eines unbekannten Künstlers kam wahrscheinlich um 1817 mit dem Nachlass von Heinrich Friedrich von Diez in die Staatsbibliothek zu Berlin (damals Königliche Bibliothek).
Heinrich Friedrich von Diez (1751-1817)

Diplomat und Privatgelehrter

Heinrich Friedrich von Diez war ein höchst ungewöhnlicher, universal gebildeter und in zahlreichen orientalischen Sprachen versierter Diplomat des preußischen Hofes, der durch seine Veröffentlichungen zur orientalischen Literatur und Geschichte maßgeblichen Einfluss auf die zeitgenössische Gelehrtenwelt besaß.
1784 bewarb er sich erfolgreich um das Amt des Gesandten in Konstantinopel. Friedrich II. selbst schickte Diez als Preußischen Geschäftsträger nach Konstantinopel an die Hohe Pforte, den Sultanspalast in Istanbul.
1791 schied Diez aus dem diplomatischen Dienst aus und wirkte zunächst in Kolberg und dann in Berlin als Privatgelehrter. Hier widmete er sich vor allem dem Ausbau seiner umfangreichen Universalbibliothek.
Der Aufenthalt in Konstantinopel und seine Affinität zum Orient prägten Diez zeitlebens. In seinem Haus in Berlin-Stralau besaß der von seinen Zeitgenossen als verschroben beschriebene Junggeselle ein chinesisches, ein persisches und ein türkisches Zimmer. Außerdem kleidete er sich nach orientalischer Art.





Engelserscheinung

Aus der Sammlung von

Staatsbibliothek zu Berlin

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Staatsbibliothek zu Berlin

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Kurzbeschreibung
Einzelblatt aus dem Diez-Album A 71 – Iran, erstes Viertel des 14. Jahrhunderts
Engelserscheinung – Iran, erstes Viertel des 14. Jahrhundert


Lückenhafte Biografien der Klebealben

Fünf Klebealben bilden einen der Höhepunkte der Diez’schen Bibliothek, sie geben Aufschluss über die Geschichte der persisch-zentralasiatischen Malerei. Die Miniaturen sind zum großen Teil im 14. und 15. Jahrhundert im Gebiet des heutigen Irans und Afghanistans entstanden.
Ungeklärt ist, aus welchen Quellen die über 450 in Herkunft, Größe, Ausführung und Qualität recht unterschiedlichen Bildwerke in den Alben stammen und unter welchen Umständen sie dort Eingang fanden. Dass Diez die Alben in Konstantinopel als komplette Ensembles erworben und nur neu gebunden hat, wurde mittlerweile widerlegt. Diez hat die Alben höchstwahrscheinlich selbst nach seinem Geschmack zusammengestellt.
Zahlreiche Bücher erstand er auf dem Basar, er besaß aber auch Zuträger, die ihm Bücher, Handschriften und Kunstwerke direkt aus dem Serail, dem Palast der osmanischen Herrscher, vermittelten. 1789 erwarb er unter anderem auch die Alben des Harempersonals.
Die Diez’schen Klebealben gerieten trotz ihrer Einzigartigkeit gegenüber seiner überwältigenden Bibliothek in Vergessenheit und wurden erst 1956 wiederentdeckt.

Link zum Digitalisat des Diez-Album A fol. 71



Buchschnitte einiger Bände aus der Bibliothek Diez

Aus der Sammlung von

Staatsbibliothek zu Berlin

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Staatsbibliothek zu Berlin/ Foto: Thomas Rose

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Diez bewahrte seine Bücher, wie zu seiner Zeit im arabischen Raum üblich, liegend auf. Die Beschriftung erleichterte das Auffinden.

Die Diez'sche Sammlung in der Königlichen Bibliothek zu Berlin

Heinrich Friedrich von Diez bestimmte in seinem Testament, dass seine "Büchersammlung, die Handschriften und morgenländischen Gemälde" an die damalige Königliche Bibliothek übergeben werden sollten. Diez verfügte eine separate Aufstellung seiner Bücher als geschlossene Sammlung in der von ihm festgelegten Ordnung.

Zusammen mit der einzigartigen Büchersammlung gelangten im Jahre 1817 die Klebealben mit orientalischen "Gemälden“ in die Berliner Königliche Bibliothek. Sie sind allesamt digitalisiert und unter den Signaturen Diez A Fol. 70-74 in der Orientabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin zu finden.





Verzeichnis der morgenländischen und abendländischen Handschriften

Heinrich Friedrich von Diez, 1790

Aus der Sammlung von

Staatsbibliothek zu Berlin

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Staatsbibliothek zu Berlin

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Heinrich Friedrich von Diez fertigte zu seinen Lebzeiten selbst mehrere Kataloge an. Die sachlichen Großgruppen sind als Ordnungswort vermerkt.


"Verzeichnis der morgenländischen und abendländischen Handschriften in meiner Bibliothek"

Die von Diez eigenhändig geschriebenen Kataloge spiegeln seine persönlichen Interessen und die Ordnungsprinzipien wider, nach denen er sammelte.
Den Begriff "Orient" weitete er über die geographischen Grenzen aus, indem er nicht nur ganz Asien mit China und Japan, sondern auch Afrika mit Ägypten einschloss. Außerdem zählte er die Teile Europas dazu, die zum türkisch-osmanischen Reich gehörten.
In den Vorreden zu diesen Katalogen begründet Diez seine Gedankengänge:
Ausschlaggebend sei der "orientalische Geist", der sich grundlegend vom abendländischen unterscheide. Er zeichne sich durch eine weitaus größere Beständigkeit der Kultur und Lebensweise, der Wissenschaften, Künste und Philosophie aus. Über Generationen hinweg seien die Menschen im Orient in ihrem Denken und Handeln sowie in Wissenschaft und Künsten ihren Traditionen treu und in ihren Auffassungen konstant geblieben. Der Orient ist für Diez  "eine Menschheit, die seit Jahrtausenden sich im Äußeren wie im Innern immer gleich geblieben, so daß ihr Neuestes nichts anderes ist als ihr Ältestes".

zum Digitalisat des Verzeichnisses

Gelehrten- und Bibliophilenbibliotheken, wie die Bibliotheca Dieziana, bleiben in der Staatsbibliothek als geschlossene Provenienz erhalten. Sie gehören zu den großen Kostbarkeiten der Bibliothek und werden unter besonderen konservatorischen Bedingungen aufbewahrt.
Anschauen, anfassen und lesen kann man diese Bände im Rara-Lesesaal der Staatsbibliothek Unter den Linden.

Die Projektkoordinatorin Doris Antonides-Heidelmeyer hat in Zusammenarbeit mit den Provenienzforscher:innen der Staatsbibliothek zu Berlin diesen Beitrag inhaltlich und visuell aufbereitet. 

 





Plan de Paris par Arrondissement

Mai 1942, Paris

Aus der Sammlung von

A. Leconte, Editeur

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Paris - Square de l'Avenue Foch

Arthur Rubinstein emigriert mit seiner Familie im Herbst 1939 von Frankreich aus in die USA – kurz vor dem Einmarsch der deutschen Truppen in Paris im Juni 1940.
Noch im selben Jahr konfisziert der "Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg“ den Pariser Besitz des weltberühmten jüdischen Pianisten und bringt seine Privatbibliothek in das Reichssicherheitshauptamt in Berlin.
1954 kehrt Rubinstein in das Haus am illustren Square de l'Avenue Foch zurück. Von seiner zersplitterten Bibliothek sind bis zu dem Zeitpunkt nur 137 Bücher wieder aufgetaucht.



Joseph Hecht's Elefanten – Exlibris und weitere Radierungen

Aus der Sammlung von

Staatsbibliothek zu Berlin

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Quelle

Staatsbibliothek zu Berlin, Bildbearbeitung: Doris Antonides-Heidelmeyer

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Kurzbeschreibung
Radierungen aus Ausstellungskatalog der Galerie Dolan/Maxwell, Philadelphia
Exlibris der Bibliothek Arthur Rubinstein mit handschriftlichen Signaturen und weitere "Elefanten-Radierungen" von Joseph Hecht


Arthur Rubinstein, Joseph Hecht und der Elefant

Die Geschichte der Hausbibliothek des polnischen Pianisten Arthur Rubinstein (1887-1982) beginnt in seiner Wahlheimat Paris. Hier lebt er seit 1904. Nach dem Ersten Weltkrieg kommt auch der Künstler und Grafiker Joseph Hecht (1891-1951) hierher. Hecht wird, wie Rubinstein, im polnischen Łódź in eine Familie von jüdischen Textilindustriellen hineingeboren. Dass dieser Umstand sie zusammenbringt, ist sehr wahrscheinlich.
Bücher aus Rubinsteins Bibliothek weisen ein von Joseph Hecht gestaltetes Exlibris auf, das sich seit den frühen 1930er Jahren nachweisen lässt. Der Druck zeigt einen mit wenigen, sicheren Strichen gezeichneten Elefanten und den Namenszug Arthur Rubinstein in Blockbuchstaben. Eine handschriftliche Signatur, die den jeweiligen Anfangsbuchstaben des Autors und eine laufende Nummer umfasst, ergänzt das Exlibris. 
Eigen ist es Hechts Arbeiten, dass er einzelne Tiermotive aus seinen Druckplatten ausschneidet und sie für neue Kompositionen nutzt.
Der Elefant ist so womöglich kein direkter Kommentar zur Person Rubinsteins. Hecht verbindet den Dickhäuter eher mit Paris und stellt ihn in verschiedenen Situationen fast identisch dar. Seine häufigen Besuche im Pariser Zoo nutzte Hecht für die künstlerische Weiterentwicklung seiner charakteristischen Tierstudien.



Akten der Ardelia Hall Collection

Aus der Sammlung von

Fold3 - Historical military records, Ardelia Hall Collection

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Fold3

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Kurzbeschreibung
Akten der amerikanischen Militärregierung: Brief und Teil der Liste der Bücher, die Rubinstein im Juni 1946 als geraubt meldete


Vom Square de l’Avenue Foch nach Udmurtien

Das Elefanten-Exlibris ist ein wichtiger Wegweiser zu der mittlerweile vollkommen zersplitterten Bibliothek Arthur Rubinsteins.
4.000 Bände und zahlreiche Musikalien umfasst die Sammlung in seinem Haus am Square de l’Avenue Foch, bevor sie von den deutschen Besatzern konfisziert wird. Über die Jahrzehnte können dank einer aus dem Gedächtnis angefertigten Titelliste einige Bücher und Noten identifiziert und restituiert werden.
Manches Buch wird ins Reichssicherheitshauptamt nach Berlin abtransportiert, von wo es später als "herrenloses Bibliotheksgut“ in die Öffentliche Wissenschaftliche Bibliothek aufgenommen wird.
Andere Exemplare gelangen nach Kriegsende durch sowjetische Trophäenbrigaden in die Sowjetunion, darunter offenbar auch in die von Margarita Ivanovna Rudomino geleitete Allrussische Bibliothek für ausländische Literatur.
Im Zuge von Umverteilungsaktionen, organisiert durch die Rudomino-Bibliothek, werden zwischen 1945 und 1961 fremdsprachige Bücher auch an die Udmurtische Sowjetrepublik abgegeben. Nach einer 2010 publizierten wissenschaftlichen Aufarbeitung der Bestände der Nationalbibliothek Ischewsk weist deren Katalog einen Gedichtband von Jean Cocteau (1889-1963) aus, der das Exlibris Rubinsteins enthält. Ist Poésie von 1925 eines der Bücher, die Rubinstein besonders am Herzen lagen und die er auf die Liste seiner geraubten Bücher setzte?



Collage Cocteau / Rubinstein

Aus der Sammlung von

Wikicommons, Instituto Cervantes

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Foto Rubinstein: Carl von Vechten, Foto Cocteau: Agence de presse Meurisse, Collage: Doris Antonides-Heidelmeyer

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Kurzbeschreibung
Mehrere Abbildungen in einer Collage: Portrait Jean Cocteau (1923) rechts oben, Portrait Arthur Rubinstein (1937) links unten, Brief Cocteau 1960, Plattencover Le Bœuf sur le Toit, Cocteaus Band Poésie mit Rubinsteins Exlibris und Stempel aus der Nationalbibliothek der Republik Udmurtien in Ischewsk.
Der französischer Dichter, Schriftsteller, Dramatiker, Maler, Zeichner, Okkultist, Designer, Kritiker und Filmemacher Jean Cocteau (1889-1963) ist mit Sicherheit eine der ganz großen, schillernden Persönlichkeiten des letzten Jahrhunderts. Der Band Poesie aus Rubinsteins Sammlung ist auf Umwegen in der Nationalbibliothek in Ischewsk gelandet. Hier stuft der Online-Katalog das Buch, erschienen 1925 bei Gallimard, als „wertvollen Bestand" ein - der Wert, den es für den Pianisten hatte, war höchstwahrscheinlich vor allem ein emotionaler. Die uns bekannten Fakten und die Briefe Cocteaus aus den 1960er Jahren geben Einblick in eine langwährende Künstlerfreundschaft, die bis zu Cocteaus Tod andauerte.
Rubinstein u. Cocteau unterhielten eine langjährige Freundschaft. Zwischen 1921 u. 1930 trafen sie sich regelmäßig im Musikkabarett Bœuf sur le Toit


Rio de Janeiro 1918

Aus der Sammlung von

Arthur Rubinstein Estate / Renaissance Literary Agency

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Renaissance Literary Agency

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Kurzbeschreibung
Arthur Rubinstein und Darius Milhaud, Rio de Janeiro, 1918
Arthur Rubinstein (links) und Darius Milhaud (2. von links) 1918 in Rio de Janeiro


Le Bœuf sur le Toit


Neben Jean Cocteau, dem französischen Dichter, Schriftsteller, Maler und Filmemacher, trifft Rubinstein während der wilden 1920er Jahre viele einflussreiche und schillernde Persönlichkeiten in der legendären Pariser Bar La Gaya, wo man Jazz spielt und sich von afrobrasilianischen Klängen inspirieren lässt. Auch Rubinstein hat ein ausgeprägtes Faible für südamerikanische Kultur.
Auf einer Konzertreise trifft er 1918 in Rio de Janeiro den französischen Komponisten Darius Milhaud. Zurück in Paris, manifestieren sich die Erinnerungen an Brasilien in den Kompositionen Milhauds und in dem neuen Namen für ihre populäre Lieblingsbar: Le Bœuf sur le Toit.
Nicht selten hört man hier Milhaud mit Rubinstein und Georges Auriac zu sechs Händen spielen. Unter anderem lassen sie auch das Stück um den Ochsen auf dem Dach hören, das Rhythmen eines brasilianischen Volkslieds aufgreift und von Cocteau zu einem Ballett umgearbeitet wird.
Bei ihrem Aufenthalt in Rio machen Milhaud und Rubinstein auch Bekanntschaft mit Heitor Villa-Lobos, einem in Europa damals noch unbekannten brasilianischen Komponisten. Seine ersten großen Erfolge in Paris, wohin sie ihn einladen, hat er vor allem der intensiven Förderung dieser beiden zu verdanken.



Rudepoêma 1921 – 1926

Aus der Sammlung von

Juilliard School, New York

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Juilliard School

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Kurzbeschreibung
„Mein aufrichtiger und großartiger Freund, ich weiß nicht, ob ich Deine Seele mit diesem Rudepoême ganz erfassen konnte, aber ich schwöre es von ganzem Herzen, dass ich den Eindruck habe, Dein Temperament, so wie ich es empfinde, mechanisch, wie durch eine intime Momentaufnahme, in die Notenlinien eingraviert zu haben. Wenn dies also erfolgreich ist, wirst Du immer der wahre Autor dieses Werkes sein. Dein Villa-Lobos" (Übersetzung: Doris Antonides-Heidelmeyer)
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Rudepoêma 2021 - für die Forschung im Archiv der Juilliard School, New York zugänglich

Heitor Villa-Lobos, Rudepoêma  1921-1926

Der Komponist Villa-Lobos bleibt dem generösen und treuen Förderer Arthur Rubinstein keinen Dank schuldig: Er widmet ihm eines der einflussreichsten Klavierstücke des 20. Jahrhunderts, das wohl am schwierigsten zu spielende Solo-Klavierstück aller Zeiten: Rudepoêma.
"Rude“ steht im Brasilianischen für "wild“ oder "roh“. Rudepoêma ist zugleich "Rubinsteins Poem“ wie auch ein "Wildes Poem“.
Die Partitur mit einer Widmung auf der ersten Seite befand sich unter den Musikalien, die Rubinstein 1939 am Square de l’Avenue Foch zurücklassen musste. Es wurde, ebenso wie seine Bücher, 1940 konfisziert.
Einzig handschriftliche Widmungen – bei Noten kommt das Elefanten-Exlibris nicht zum Einsatz – machen es möglich, die in Paris entzogenen Musikalien der Sammlung des Pianisten zuzuordnen. Das Rudepoêma und weitere fünf Partituren von Villa-Lobos liegen für lange Zeit in einem Stapel von insgesamt 71 Notenblättern, die 1958/59 aus Moskau in die Staatsbibliothek nach Berlin-Ost kommen.
Bis zu ihrer Restitution an Rubinsteins Kinder im Jahre 2006 befanden sich diese Notenblätter unerforscht unter den Beständen der Musikabteilung.



Die 2006 erfolgte Restitution der 71 Musikalien durch die Staatsbibliothek zu Berlin an die Erben Rubinsteins war der Auftakt zu umfangreicheren Provenienzforschungsaktivitäten an der Staatsbibliothek zu Berlin. So konnten 2020 gemeinsam mit der Universitätsbibliothek Leipzig sechs weitere Bücher und zwei Partituren mit persönlicher Widmung an die Kinder Rubinsteins restituiert werden.
Dank einer 2007 erfolgten Schenkung des ersten Restitutionspakets durch Rubinsteins Kinder an die Juilliard School in New York sind die 71 Musikalien der Öffentlichkeit, teilweise auch schon digital, zugänglich: Arthur Rubinstein Music Collection
Die Abteilung Historische Drucke dokumentiert Provenienzmerkmale, wie die hier vorgestellten Exlibris und Widmungen, aber auch Forschungsergebnisse im ProvenienzWiki – Plattform für Provenienzforschung und Provenienzerschließung.
Vernetzung und Transparenz befördern die Erforschung der Bestände von Bibliotheken maßgeblich.

Die Projektkoordinatorin für Provenienzforschung an der SPK, Doris Antonides-Heidelmeyer, hat in Zusammenarbeit mit der Provenienzforscherin der Staatsbibliothek zu Berlin, Regine Dehnel, den Beitrag „Paris – Square de l’Avenue Foch“ zu dem auffälligen Exlibris Arthur Rubinsteins, den Künstlerfreundschaften des Pianisten und dem ihm gewidmeten Musikstück Rudepoêma inhaltlich und visuell aufbereitet.

 





Dresdner Bank

Aus der Sammlung von

Bundesarchiv Berlin

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Bundesarchiv, Foto: o. Ang.

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Kurzbeschreibung
Hauptverwaltungsgebäude der Dresdner Bank in der Berliner Behrenstraße

Dresdner Bank - Zentrale Berlin

Im August 1935 unterzeichneten die Dresdner Bank und der Preußische Staat einen Vertrag, der den Verkauf von rund 4.400 Kunstwerken zum Inhalt hatte. Der Kaufpreis betrug imposante 7,5 Millionen Reichsmark. Diese Bestände hatten sich über Jahre durch Kreditgeschäfte – etwa in Gestalt von Sicherungsübereignungen – in der Berliner Zentrale der Dresdner Bank und in den deutschlandweiten Filialen angesammelt.



Kaufvertrag zwischen der Dresdner Bank und dem Preußischen Staat

15. August 1935

Aus der Sammlung von

Geheimes Staatsarchiv – Preußischer Kulturbesitz

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Geheimes Staatsarchiv – Preußischer Kulturbesitz

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Kaufvertrag zwischen der Dresdner Bank und dem Preußischen Staat


Das größte Kunstgeschäft der NS-Zeit

Die Staatlichen Museen zu Berlin waren von Anfang an in die fast zwei Jahre dauernden Verkaufsverhandlungen der Dresdner Bank mit den zuständigen Ministerien eingebunden, da sie als direkt dem Staat unterstellte Institution die Kunstwerke verwahren sollten. Außerdem gab es am Museum das nötige Fachwissen, das ein Bankbeamter nicht zwangsläufig besaß. Kunstexperten aus verschiedenen Bereichen waren gefragt, denn diese staatliche Überweisung an die Museen umfasste ein großes Spektrum von Skulptur über Malerei und Graphik bis hin zu Möbeln, Orientteppichen und persischen Keramiken. Eigentlich hatten die Museen nur Interesse an den Spitzenwerken, doch wollte die Bank aus wirtschaftlichen Gründen einen Verkauf en bloc. Letztlich kam die Bank dem Staat im Preis entgegen, dafür übernahmen die Museen den gesamten Bestand, durften dann aber das, was sie als zweit- und drittklassig erachteten, weiterverkaufen.



Sarah führt Abraham Hagar zu

Mattheus Stom, 1642/nach 1645

Aus der Sammlung von

Kaiser Friedrich Museumsverein, als Dauerleihgabe in der Gemäldegalerie, Staatliche Museen zu Berlin

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©Gemäldegalerie, Staatliche Museen zu Berlin – Stiftung Preußischer Kulturbesitz/ Foto: Jörg P. Anders

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Kurzbeschreibung
Mattheus Stom (1600–nach 1641): Biblische Darstellung / Sarah führt Abraham Hagar zu (1642–1650); 2019 Restitution an die Erben Heinrich Ueberalls, ehem. Gemäldegalerie Kat.Nr. 2146
Mattheus Stom: Sarah führt Abraham Hagar zu, 1642 – 1650

Sarah führt Abraham Hagar zu

Unter den Gemälden, die aus diesem Dresdner Bank-Bestand in die Gemäldegalerie übernommen wurden, befand sich ein Bild des um 1600 in Amersfoort geborenen Malers Mattheus Stom, eines wichtigen Vertreters der niederländischen Caravaggisten. Diese Strömung der Barockmalerei orientierte sich am Vorbild des italienischen Künstlers Caravaggio. Sein Stil zeichnete sich vor allem durch effektvolle Lichtinszenierungen und eine besonders ausdrucksvolle Gebärdensprache aus.





Kunstwerke aus dem Bestand der Dresdner Bank

Aus der Sammlung von

Staatliche Museen zu Berlin – Zentralarchiv

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©Staatliche Museen zu Berlin – Zentralarchiv

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Liste 17 dokumentiert die Übergabe der Kunstwerke aus der Sammlung Ueberall an die Museen


"Überall, Berlin"

Die Übergabe dieses Gemäldes von der Dresdner Bank an die Staatlichen Museen zu Berlin wurde auf Liste 17 dokumentiert. An sechster Stelle steht "Matt. Stomer / Biblische Darstellung“, mit einem Schätzpreis von 5.000 Reichsmark. Zusammen mit den neun anderen Positionen auf diesem Blatt stammte es aus dem Vorbesitz des jüdischen Kunsthändlers Heinrich Ueberall. Er hatte die Kunstwerke als Sicherheiten für einen Kredit eingesetzt, den er vor 1932 bei der Dresdner Bank aufgenommen hatte. Die Herkunft aus seiner Sammlung war den Museen durch die im Vorfeld geführten Schriftwechsel mit den Vertragspartnern bekannt. So schrieb ein Museumsmitarbeiter, wohl beim Auspacken der Werke, in Bleistift über die Liste: "Überall, Berlin“. Die meisten anderen Notizen auf dem Dokument betreffen die museumsinterne Verteilung der Kunstwerke auf die einzelnen Sammlungen der Staatlichen Museen.



Anzeige der Kunsthandlung Heinrich Ueberall in der „Weltkunst“

22. Juli 1934

Aus der Sammlung von

Universitätsbibliothek Heidelberg

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©Universitätsbibliothek Heidelberg

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Kurzbeschreibung
Jg. VIII, Nr. 29, 22. Juli 1934, S. 3.
Anzeige der Kunsthandlung Heinrich Ueberall in der "Weltkunst“


Der Kunsthändler Heinrich Ueberall 

Heinrich Ueberall wurde am 20. Dezember 1869 in Jaroslawl, Galizien, geboren. 1899 zog er mit seiner Frau Rebeka und seinen zwei Kindern nach Berlin und eröffnete dort einen Kunst- und Antiquitätenhandel. Das Geschäft wurde schnell zu einer der führenden Berliner Kunstfirmen. Als die Nationalsozialisten 1933 die Macht übernahmen, geriet er als jüdischer Geschäftsmann zunehmend unter Druck. Zwischen 1936 und 1938 musste er zwangsweise sein Geschäft aufgeben. 1939 beantragte er erfolgreich ein britisches Einreisevisum für sich und seine Frau. Der Kriegsausbruch verhinderte aber die Reise. So wurde Ueberall im September 1939 ins KZ Sachsenhausen deportiert. Dort starb er noch im selben Monat. Seine Witwe nahm sich 1942, nachdem sie einen Deportationsbescheid erhalten hatte, das Leben. Die Tochter war mit ihrer Familie bereits 1938 in die USA emigriert, der Sohn 1939 nach London.



Briefkopf der Dresdner Bank

1935, Berlin

Aus der Sammlung von

Geheimes Staatsarchiv – Preußischer Kulturbesitz

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©Geheimes Staatsarchiv – Preußischer Kulturbesitz

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Schulden bei der Dresdner Bank

Heinrich Ueberall hatte vor 1932 bei einer Berliner Geschäftsstelle der Dresdner Bank, der "Depka 50“, einen Kredit über rund 43.000 Reichsmark aufgenommen. Wahrscheinlich versuchte er, damit einen finanziellen Engpass zu überbrücken, der in der Weltwirtschaftskrise entstanden war. 1934 übernahm die Berliner Zentrale der Dresdner Bank das Kredit-Engagement, denn die Geschäftsstelle durfte nur einfache Geschäftsvorgänge abwickeln. Die Verwertung der mit Kunstwerken gesicherten Kredite war aber alles andere als eine leichte Aufgabe. Damit wurde zentral die Abteilung "Industrie-Büro“ beauftragt. Ueberall war es zwar gelungen, seine Schulden ein wenig zu reduzieren, doch konnte er seine hinterlegten Sicherheiten nicht vollständig wieder auslösen, denn sein Geschäft lief 1935 bereits schlecht. Er hatte wichtige Kunden verloren, die ihn als jüdischen Kunsthändler nicht duldeten. Es gibt keine Hinweise darauf, dass andere Umstände als seine Verfolgung durch das NS-Regime dazu führten, dass er sich finanziell nicht mehr sanieren und den Verkauf seiner Kunst an den Staat verhindern konnte.



nach Canova: Venus (um 1845/64)

Aus der Sammlung von

Ehemals Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie, 2019 an die Erben von Heinrich Ueberall restituiert

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Staatliche Museen zu Berlin – Nationalgalerie

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nach Canova: Venus, um 1845/64


Restitution und Rückerwerb

2019 konnte Stoms Gemälde „Sarah führt Abraham Hagar zu“ neben zwei weiteren Bildern aus der Gemäldegalerie und zwei Skulpturen aus der Alten Nationalgalerie an die Erben von Heinrich Ueberall restituiert werden. Ursprünglich waren mit dem Dresdner Bank-Bestand noch drei zusätzliche Gemälde, eine Boule-Pendule-Uhr und sieben Golddosen aus Ueberalls Eigentum übernommen worden. Diese Werke aber gelten als Kriegsverlust oder wurden in einer Auktion bei Julius Böhler in München 1937 weiterverkauft, waren also schon seit Jahrzehnten nicht mehr im Besitz der Museen. Das Gemälde von Mattheus Stom kehrte 2020 dank des Kaiser Friedrich Museumsvereins und mit Unterstützung der Friede Springer Stiftung in die Gemäldegalerie zurück. Nach der Restitution konnte es wiedererworben werden.

Seit 2018 untersucht Hanna Strzoda am Zentralarchiv, ob es sich bei den 1935 von der Dresdner Bank übernommenen Kunstbeständen um NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut handelt.

Unter den Kreditnehmern, deren sicherheitsübereignete Kunstwerke durch den Verkauf an den Staat verwertet wurden, waren neben Heinrich Ueberall weitere jüdische Geschäftsleute. Da die einzelnen Kreditgeschäfte in ihrer Ausgestaltung sehr unterschiedlich waren, wird jeder Fall einzeln geprüft, um bei einem festgestellten Entzugskontext zusammen mit den Erben gerechte und faire Lösungen im Sinne der Washingtoner Prinzipien zu finden.



03

DINGE



Exlibris Hedwig Hesse

Adolf Behrmann, Mai 1918, Berlin

Aus der Sammlung von

Staatsbibliothek zu Berlin

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Staatsbibliothek zu Berlin

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Kurzbeschreibung
Das Exlibris, von Adolf Behrmann gestaltet, zeigt einen Nachthimmel mit Sternen, davor eine erloschene Kerze und drei Bücher, wovon eines aufgeschlagen ist, darin Messer und Gabel, die oben von einer Eule zusammengehalten werden.

Mit Messer und Gabel – Bücherlesen einmal anders

Ein ungewöhnliches Exlibris als eindeutige Spur. Die mit überdimensionalem Besteck Bücher verspeisende Eule weist den Weg zu den Resten einer geraubten Privatbibliothek aus jüdischem Besitz. Ohne dieses auffällige und vom Künstler signierte und datierte Kennzeichen wären Hedwig Hesses Bücher wohl unentdeckt geblieben.