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Schatzkammer des Wissens

Die Universitätsbibliothek Erlangen-Nürnberg im Wandel der Zeit

Eine virtuelle Ausstellung von

Eine Bibliothek muss ein Generalinventar sein,
eine Stütze für das Gedächtnis, ein gedrucktes Archiv, eine Kurzform der schönsten Einfälle der größten Menschen, ein Auszug der noch so kleinsten Winkel aller Wissenschaften, Künste und praktischen Tätigkeiten, in der sogar die tüchtigsten Menschen in jedem Berufe die Möglichkeiten haben werden, noch etwas zu finden um sich zu vervollkommnen, weil ein einzelner Mensch nicht alles wissen kann und weil die Bücher die Erfahrungen von mehreren Menschen zusammenführen.

Gottfried Wilhelm Leibniz

Vom Ideal zur Realität

Eine Bibliothek nach den Idealen von Gottfried Wilhelm Leibniz zusammenzustellen ist kein leichtes Unterfangen. Es setzt langanhaltende Sammelleidenschaft, viel Geld und die eine oder andere glückliche Fügung voraus, damit eine überschaubare Büchersammlung zu so einer umfassenden Universalbibliothek heranwachsen kann, wie es die Universitätsbibliothek Erlangen-Nürnberg heute ist. Von der altehrwürdigen Klosterhandschrift bis hin zum farbenfrohen Kinderbuch des 21. Jahrhunderts - anhand verschiedener Highlights aus den Beständen präsentiert diese Ausstellung die Geschichte der Bibliothek über zweieinhalb Jahrhunderte. Jedes der Ausstellungsstücke liegt dabei auch als vollständiges Digitalisat vor.

01
Die fürstlichen Anfänge

Der Gründer, Markgraf Friedrich III. von Brandenburg-Bayreuth

Markgraf Friedrich von Bayreuth (1711-1763) erhob 1742  das 1664 gegründete Gymnasium Christian-Ernestinum in Bayreuth zur Akademie. Das Privileg von Kaiser Karl VII. ermöglichte die Erhebung der Akademie zur Universität, die dann 1743 den Lehrbetrieb aufnahm - jedoch in Erlangen. Markgraf Friedrich III. vermachte der Landesuniversität nicht nur reichen Landbesitz, die Gebäude der Erlanger Ritterakademie, sondern auch die Markgräfliche Hausbibliothek in Bayreuth. Im Jahre 1748 ließ Friedrich den nach Bayreuth verlagerten Teilbestand der Klosterbibliothek Heilsbronn nach Erlangen bringen.

Friedrich selbst war ein hervorragend gebildeter Mann. Nach dem Besuch der Universität Genf, wo er Kameralistik, Staatsrecht und Geschichte studiert hatte, brach Friedrich zu einer Bildungsreise unter anderem nach Paris, Marly und Versailles sowie in die wichtigsten Städte der nördlichen und der österreichischen Niederlande auf.

Markgraf Friedrich III. von Brandenburg-Bayreuth
(Ölbild, um 1760, FAU Kunstinventar 330)
Ein bebilderter Reiseführer durch die Mongolei und Indien - 2 GGR.A 110

Die Markgräfliche Hausbibliothek in Bayreuth

Markgraf Christian von Brandenburg-Bayreuth (1581-1655) legte den Grundstock zur Markgräflichen Haus- beziehungsweise Hofbibliothek. Der älteste vorhandene Katalog datiert aus dem Jahre 1679 und umfasst wohl den Bestand, den Markgraf Christian und vielleicht auch sein früh verstorbener Sohn Erdmann August (1615-1651) angelegt hatten. Weitere Werke, die unter der Bezeichnung "Ex nova Biblioteca“ aufgeführt werden, wurden vermutlich von seinem Nachfolger, seinem Enkel Markgraf Christian Ernst (1644-1712), erworben. In den Jahren 1701 und 1706 erweiterte Markgraf Christian Ernst seine Bibliothek.

Nach dem Tod Karl Augusts, Markgraf zu Brandenburg, (1663-1731), wurde seine Privatbibliothek in die Markgräfliche Hausbibliothek eingegliedert. Auch die folgenden Markgrafen vermehrten ihre Hausbibliothek kontinuierlich. Man kann von einem Gesamtbestand von circa 3.000 physischen Bänden der Markgräflichen Bibliothek, einer großen Anzahl von Gelegenheitsschriften, Disputationen und Landkarten, 92 Inkunabeln und 104 lateinischen, griechischen und deutschen Handschriften ausgehen.

[Link zum Gesamtbestand im Bibliothekskatalog]

02
Gelehrtenbibliotheken

Zur Tradition der Gelehrtenbibliotheken

Viele Gelehrtenbibliotheken bereichern den Bestand und machen die wissenschaftlichen Interessen ihrer ehemaligen Besitzer sichtbar. Begründet hat diese Tradition dabei Daniel de Superville, der erste Kanzler der Universität. Bereits im Gründungsjahr überließ er seine Sammlung der bis dahin noch sehr kleinen Bibliothek und bis weit ins 20. Jahrhundert hinein sollten es ihm viele Gelehrte gleichtun. Schenkungen stellten dabei anfangs nahezu den einzigen Weg dar, den Bestand zu vergrößern. Einen regelmäßigen Etat für die Erwerbung gab es nicht.

Geschenk des ersten Kanzlers - Bibliothek Superville

Daniel de Superville (1696-1773) studierte Medizin in Leiden und Utrecht und wurde von König Friedrich Wilhelm I. von Preußen zunächst nach Stettin, dann als Leibarzt nach Berlin berufen. 1738 wurde er an den Hof nach Bayreuth empfohlen. In Bayreuth war er Leibarzt von Markgräfin Wilhelmine und führte als Kanzler von 1743–1748 die neugegründete Universität Erlangen. Seine Privatbibliothek umfasste mehrere tausend Bände medizinisch-naturwissenschaftlicher Werke samt einer großen Zahl von Hochschulschriften aus diesen Fächern. Ab 1749 war er am Hof in Braunschweig als Arzt tätig. Nach 1761 zog er zurück in die Niederlande.

Ein mathematisches Werk aus seiner Bibliothek, das sich mit dem Bau von Festungen befasst - 2 MTH-I 86
Die Säugthiere in Abbildungen nach der Natur - 4 ZOOL-II 37 a[3

Pflanzen, Tiere, Mineralien - Bibliothek Schreber

Johann Christian David von Schrebers (1739-1810) Bibliothek umfasste etwa 4.000 Bände überwiegend aus den Fächern Botanik, Zoologie und Mineralogie. Besonders die zoologischen Werke mit wunderschönen Kupferstichen sind oft ein Highlight.

Schreber studierte in Halle Medizin, Naturwissenschaften und Theologie, wo er 1758 die Lehrerlaubnis erhielt. Schreber promovierte 1760 bei Carl von Linné zum Doktor der Medizin. 1770 wurde er als Professor für Arzneikunde, besonders für Botanik an die Universität Erlangen berufen. Seit 1773 leitete er den Botanischen Garten der Universität. Neben eigenen wissenschaftlichen Werken, zum Beispiel "Die Säugthiere in Abbildungen nach der Natur mit Beschreibungen" übersetzte er Linnés Werke ins Deutsche und verhalf damit der Linné-Systematik zum Durchbruch. Wie anerkannt Schreber als Wissenschaftler seiner Zeit war, macht auch die Wahl zum Präsidenten der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina 1791 deutlich. Er leitete die Leopoldina bis zu seinem Tod 1810.

 

03
Klosterbibliothek Heilsbronn

Die klösterliche Sammlung und ihr Weg nach Erlangen

Das 1132 gegründete Zisterzienserkloster Heilsbronn entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einem der bedeutendsten Klöster in Franken, einem der wichtigsten Zentren zisterziensischer Mystik.
Der Bestand der Klosterbibliothek umfasst 594 mittelalterliche Handschriften, 674 Inkunabeln und circa 1.300 Druckwerke des 16. und 17. Jahrhunderts.

[Link zum Gesamtbestand im Bibliothekskatalog]
[Die digitalisierten mittelalterlichen Handschriften aus Heilsbronn]

Nach der Auflösung des Klosters im Jahre 1578 wurden die Bestände der Klosterbibliothek durch das 1581 gegründete Heilsbronner Gymnasium, die sogenannte Fürstenschule, noch bis 1736 genutzt und anschließend zwischen den Markgraftümern Brandenburg-Ansbach und Brandenburg-Bayreuth aufgeteilt. 1748 übergab Markgraf Friedrich von Bayreuth den Bayreuther Teil der Bibliothek seiner Landesuniversität Erlangen. Markgraf Karl Alexander von Ansbach ließ 1770 schließlich auch die Ansbacher Hälfte des Heilsbronner Bücherschatzes nach Erlangen transportieren.
Sammlung der Psalmen, um 1220 in Bamberg entstanden und 1472 als Teil einer Stiftung in die Klosterbibliothek gelangt - MS 116

04
Schlossbibliothek Ansbach

05
Universitätsbibliothek Altdorf

Die Freie Reichsstadt Nürnberg gründete 1575 in Altdorf bei Nürnberg eine hohe Schule, die 1578 zur Akademie und 1623 zur Volluniversität erhoben wurde. Die Blütezeit der Universität, auch Altorfina oder Academia Norica genannt, lag im 17. Jahrhundert und erstreckte sich bis ins erste Viertel des 18. Jahrhunderts, danach setzte allmählich ihr Niedergang ein. Als mit der Übernahme Nürnbergs im Jahre 1806 auch die Reichsstädtische Universität Altdorf an das Königreich Bayern fiel, wurde die inzwischen völlig bedeutungslose Altorfina am 24. September 1809 von König Maximilian I. Joseph aufgelöst und der Bestand der Universitätsbibliothek 1818 der Universität Erlangen zugewiesen.

[Link zum Gesamtbestand im Bibliothekskatalog]

Die Übernahme der Universitätsbibliothek Altdorf bedeutete für Erlangen nahezu eine Verdoppelung des Bestandes. Die Friderico-Alexandrina erhielt an die 47.000 Bücher, Inkunabeln und Handschriften. Professoren und Nürnberger Bürger vermachten ihre Bibliotheken ihrer Universität Altdorf, zum Beispiel der Apotheker und Autor Johann Leonhard Stöberlein, der berühmte Orientalist Johann Christoph Wagenseil und der Nürnberger Stadtarzt und Naturwissenschaftler Christoph Jacob Trew.

06
Einzigartige Sammlungen

07
Bibliothek im Wandel der Zeit

Die Bibliothek als Ort des Austauschs

Heute verfügt die Universitätsbibliothek Erlangen-Nürnberg über einen Gesamtbestand von mehr als 5 Millionen Medien. Dazu gehören gedruckte und elektronische Zeitschriften und Zeitungen, über eine halbe Million Titel aus dem Altbestand sowie eine der größten Sammlungen an Dissertationen in Deutschland. Die Bibliothek hütet längst nicht mehr nur die Schätze der Vergangenheit, sie präsentiert sie mit Digitalisierungsprojekten weltweit. Für Universitätsangehörige und Interessierte aus der Region entwickelt sie neue Angebote, bietet Lernplätze an vielen Standorten und fördert mit einem breit aufgestellten Schulungsangebot zielgruppenorientiert eigenverantwortliche Informationskompetenz.