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Das antike Olympia in München

1972-2022

Eine virtuelle Ausstellung von

Über die Ausstellung

Das Museum für Abgüsse besitzt rund 100 zum Teil einzigartige Reproduktionen aus der Sonderausstellung „100 Jahre deutsche Ausgrabung in Olympia“, die vom Nationalen Olympischen Komitee 1972 anlässlich der Olympischen Spiele in München im Deutschen Museum gezeigt wurden. Das 50-jährige Jubiläum der Sportwettkämpfe nehmen wir 2022 zum Anlass, erneut einen Blick auf das antike Olympia zu werfen.

Diese digitale Ausstellung gliedert sich in 3 Themenblöcke:
1. Die Olympischen Spiele in der Antike: In welchen Disziplinen traten die Athleten an? Wie sahen Sieger aus? 
2. Das Zeus-Heiligtum in Olympia: Was ist vom Kult noch übrig? Was wurde den Göttern  geschenkt? Wie sah der Zeus-Tempel aus?
3. Das antike Olympia in München: Was wurde in der Olympia-Ausstellung 1972 gezeigt? Was gibt es heute, im Jahr 2022, Neues zum antiken Olympia im Münchner Abgussmuseum? 

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Die Olympischen Spiele ...

... in der Antike

Die Olympischen Spiele waren die bedeutendsten Sportwettkämpfe des Altertums. Sie fanden alle vier Jahre im Zeus-Heiligtum von Olympia auf der Peloponnes statt.
Im Mythos tauchen sowohl Herakles als auch der lokale Held Pelops als Begründer der Wettkämpfe auf. Die historischen Spiele sollen 776 v. Chr. gegründet worden sein – das Datum ist aber wohl fiktiv.
Der Ablauf der fünf Tage dauernden Spiele war geprägt von religiösen Ritualen und Opfern. Zu Beginn fand eine große Prozession statt. Auf die Knabenwettkämpfe folgten Wagenrennen und Reiten, sowie der Fünfkampf. Schließlich kamen nach dem feierlichen Opfer eines Stieres für Zeus die Laufdisziplinen und die Schwerathletik an die Reihe. Man schloss mit Siegerehrungen und Prozessionen.
Die Spiele waren eine Großveranstaltung von nicht zu unterschätzender kultureller und politischer Bedeutung. Hier versammelte sich die gesamte griechische Welt.
Ihr Ende fanden die Spiele und der Kult des Zeus im 5. Jahrhundert n. Chr., als heidnische Bräuche aller Art verboten wurden.

Lage von Olympia auf der Peloponnes / Griechenland

Leichtathletik

Der älteste Sportwettbewerb in Olympia war der Lauf über die Distanz von einem stadion, etwa 192 Meter. Vermutlich liefen die Athleten ursprünglich zum Altar des Zeus.
Als um 650 v. Chr. das erste Stadion ­– benannt nach der Länge der Laufbahn – gebaut wurde, waren die Wettkämpfe bereits etabliert. Gelaufen wurde nun auch über die doppelte Distanz sowie über eine Langstrecke mit etwa 3800 Meter. Später kam noch der Hoplitenlauf hinzu, bei dem die Teilnehmer in voller Rüstung antraten.
Der Diskus- und der Speerwurf wurden in Olympia nur im Rahmen des Fünfkampfes praktiziert, zu dem neben einem Stadionlauf und Ringen auch der Weitsprung gehörte. Beim Weitsprung sprangen die Athleten unter Flötenklängen mit Gewichten in den Händen bis zu fünfmal hintereinander und erreichten so Weiten von mehr als 16 Meter.

Stadion von Olympia (ursprünglich im 5. Jh. v. Chr. angelegt, heute rekonstruiert)

Schwerathletik

Zu den antiken Olympischen Disziplinen der Schwerathletik gehörten der Ringkampf, der Faustkampf und der Allkampf. Anders als heute gab es keine Unterteilung in Gewichtsklassen. Wer gegen wen anzutreten hatte, entschied das Los.
Beim Ringkampf kämpfte man im Stehen und mit bloßen Händen. Wer dreimal zu Boden ging, hatte verloren. Der Faustkampf ist ein Vorläufer des heutigen Boxens. Lederriemen um die Hände sorgten für brutalere Schläge. Beim Allkampf schließlich, dem sogenannten Pankration, war alles erlaubt: von Schlägen, Tritten und Würfen bis hin zu Würgegriffen. Nur Beißen und Bohren war verboten. Diese Mischung aus Faust- und Ringkampf fand mit bloßen Händen im Stand und im Bodenkampf statt.
Gelegentlich endeten diese Wettbewerbe mit dem Tod. Denn in Olympia ging es immer, besonders aber in der Schwerathletik, um Alles oder Nichts.

Palästra in Olympia (3. Jh. v. Chr.)

Wagen- und Pferderennen

Im Gegensatz zu den anderen Disziplinen standen bei den hippischen Agonen (Wettkämpfe mit Pferden) nicht die Athleten selbst im Fokus, sondern die Besitzer der Pferde und Gespanne. Das teuerste und zugleich spektakulärste Rennen war jenes mit einem Viergespann über zwölf Runden im Hippodrom. Es war ein für die Aristokratie prädestinierter Sport. Mitglieder reicher Familien ließen häufig Sklaven die Rennen austragen, wurden selbst jedoch zu Siegern erklärt und erhielten den entsprechenden Ruhm. Die Wagenlenker fuhren in leicht gebauten, schnellen Wagen und waren im Gegensatz zu den anderen Athleten mit leichten Gewändern (Tuniken) bekleidet.  

Wagenlenker aus Delphi, 480–470 v. Chr.

Siegreiche Athleten

Die Idee, sich im fairen Wettstreit, dem Agon, miteinander zu messen, war ein Grundprinzip der griechischen Kultur. Die körperliche Ertüchtigung war ein wichtiger Teil der Erziehung und erfolgreiche Athleten erlangten große Berühmtheit. Der Preis für einen Sieg bei den Olympischen Spielen war bescheiden, dafür umso ruhmvoller: ein Kranz aus Olivenbaumzweigen und eine Stirnbinde.
In ihren Heimatstädten zahlte sich der Sieg dann aus: Die Athleten bekamen Speisungen auf öffentliche Kosten, Steuererleichterungen und weitere Privilegien. Am Wettkampfort und in der Heimat wurden für die Sportler Statuen errichtet, die über alle Zeiten an ihre Erfolge erinnern sollten. Die Skulpturen zeigen die Athleten bei der Körperpflege, bei der sportlichen Aktivität selbst oder als Sieger.

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Das Zeus-Heiligtum ...

... in Olympia

Die Kultstätte von Olympia bestand rund 1.500 Jahre vom 11. Jahrhundert v. Chr. bis ins 5. Jahrhundert n. Chr.

In der Mitte des heiligen Bezirks erhob sich ab dem 5. Jahrhundert v. Chr. der mächtige Zeustempel. In der Nähe lag der Aschealtar, auf dem man Opfer für den Gott verbrannte. Um dieses Zentrum herum standen Weihgaben für Zeus, wie Skulpturen, Geräte oder Gebäude, die sogenannten Schatzhäuser. Man verehrte hier auch andere Gottheiten und Heroen. Hera, die Ehefrau des Zeus, und Pelops, der Olympia gegründet haben soll, besaßen eigene Kultstätten.

Das Stadion und die Pferderennbahn lagen im Osten des Heiligtums. Für das Training konnten die Athleten das Gymnasion mit der Palästra im Nordwesten nutzen. Sportlern und Besuchern der Olympischen Spiele standen ab der Kaiserzeit mehrere Badeanlagen und Gästehäuser zur Verfügung.

Links der Zeustempel, rechts das Heraion, im Hintergrund das Stadion

Weihgaben

Olympia gehörte zu den großen Heiligtümern, die Besucher aus unterschiedlichen Städten und Regionen der gesamten griechischen Welt anzogen. Hier wurde Zeus Olympios verehrt, der Göttervater und höchste Gott, aber auch verschiedene andere Gottheiten und mythische Helden.
Die Griechen brachten den Göttern Opfergaben und Weihgeschenke, um ihre Unterstützung zu gewinnen oder ihnen zu danken. Geweiht wurde alles mit einem Wert für den Besitzer, angefangen vom Angelhaken über Waffen aus einer Kriegsbeute bis hin zu Statuetten und großformatigen Statuen.
Weihgaben richteten sich aber auch immer an die anderen Besucher des Heiligtums. Privatpersonen, Könige und Städte konnten so mit wertvollen und kunstvollen Gaben an die Götter ihren Reichtum und ihre Macht demonstrativ zur Schau stellen.

Ausschnitt des Modells des Zeus-Heiligtums aus Münster, das den Zeustempel mit davor aufgestellten Weihgaben zeigt

Der Zeustempel

Der Zeustempel wurde in nur 20 Jahren gebaut und 456 v. Chr. fertiggestellt. Den Kernbau umgab eine Ringhalle aus dorischen Säulen. In den Giebelfeldern standen aufwändige Statuengruppen: auf der Vorderseite das mythische Wagenrennen zwischen Oinomaos und Pelops und auf der Rückseite der Kampf zwischen Menschen und Kentauren, sagenhaften Pferdemenschen. Die Dachränder waren mit pflanzlichen Ornamenten und 100 Wasserspeiern in Form von Löwenköpfen verziert.
Den Kernbau schmückten auf den Schmalseiten Relieffelder, die die Taten des griechischen Helden Herakles zeigten. Für das Innere schuf der berühmte Bildhauer Phidias 430 v. Chr. die über zwölf Meter hohe Gold-Elfenbein-Statue des Zeus. Sie zählt zu den Sieben Weltwundern des Altertums.

Heutige Ruine des Zeustempels

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50 Jahre Olympia ...

... in München

Bei den Olympischen Sommerspielen 1972 in München traten in 28 Disziplinen Athlet:innen aus 121 Ländern in 195 Wettkämpfen gegeneinander an. Am 28. August feierte man mit Bigband-Musik die Eröffnung der Spiele, die 16 Tage später endeten.
Diese sogenannten heiteren Spiele begleitete ein reiches kulturelles Rahmenprogramm mit Konzerten, Theatervorführungen und Ausstellungen. Die Antike und vielfältige Antiken-Anklänge fanden sich überall – von der Spielstraße im Olympia-Dorf bis zur Neueröffnung der Glyptothek. Im Bibliotheksbau des Deutschen Museums zeigte 1972 das Nationale Olympische Komitee die Sonderausstellung „100 Jahre deutsche Ausgrabung in Olympia“ mit zahlreichen Gipsabgüssen sowie originalen griechischen Antiken.

Gedenkmünze der Stadt München anlässlich der Olympischen Spiele 1972

Zur Ausstellung 1972

Die Sonderausstellung „100 Jahre deutsche Ausgrabung in Olympia“ konzipierte der Archäologe Berthold Fellmann, dem dafür ein Budget von 425.000 DM zur Verfügung stand. 
Ziel war es, auf die deutschen Forschungen aufmerksam zu machen, die maßgeblich zum Verständnis der Olympischen Spiele in der Antike und des Zeus-Heiligtums beigetragen haben. 
Ein Highlight war die Rekonstruktion des Westgiebels des Zeustempels: Erstmals wurde das Figurenensemble des Kentaurenkampfes in einem architektonischen Giebelrahmen und in Originalgröße rekonstruiert.
Die rund 100 Abgüsse, die damals eigens hergestellt wurden, kamen später allesamt in das Museum für Abgüsse,  was dem Wiederaufbau der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Sammlung einen bedeutenden Schub gab.

Blick in die Ausstellung im Deutschen Museum 1972

Olympia in ganz München

Die heiteren Spiele in München gelten als Erfolgsgeschichte und veränderten die Stadt nachhaltig, die sich weltoffen und modern zeigte. Heute noch zeugen davon der Olympiapark mit dem Olympischen Dorf und ein erweitertes Netz des öffentlichen Nahverkehrs. Antiken, die mit den Olympischen Spielen verbunden sind, verteilen sich über die ganze Stadt: Neben bedeutenden Objekten in Museen, wie dem Abgussmuseum oder der Glyptothek, erinnern auch Highlights in ganz München an die Olympischen Spiele von 1972.

Blick auf die Wettkampfstätten und Anlagen des Olympiaparks in München

2022: Neues für Olympia im Abgussmuseum

50 Jahre nach den Olympischen Spielen 1972 erinnern im Jahr 2022 zahlreiche Ausstellungen und Veranstaltungen in München an dieses große Ereignis. Auch das Museum für Abgüsse zeigt eine Sonderausstellung über das antike Olympia, die unter anderem an die Sonderausstellung von 1972 im Deutschen Museum mit ihren rund 100 Reproduktionen erinnert. Darüber hinaus wurde dies zum Anlass genommen, neue Stücke zu erwerben und vorzustellen.  

Blick in die Ausstellung "Das antike Olympia in München. 1972-2022" im Museum für Abgüsse