Das gelobte Land der Moderne
Deutsche Reisefotografien zwischen Aleppo und Alexandria
Eine virtuelle Ausstellung von
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Ras el-Mekabber (bei Jerusalem), Gustaf Dalman auf Exkursion, 12. April 1925
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Beschreibung
Auf seiner letzten Reise durch die Kulturlandschaft Palästina ließ sich der Theologe Gustaf Dalman (1855–1941) auf dem Ras el-Mekabber bei Jerusalem noch einmal fotografieren: mit Schirm, Feldstecher, Notizbuch und dem Ausblick auf das große Ganze.
Einleitung
Gustaf Dalman hielt nicht viel von Knipsern. Wenn der deutsche Palästinakundler ab 1899 zwischen Aleppo und Alexandria unterwegs war, ließ er sich Zeit. Er beobachtete, griff zum Notizbuch und zur Kamera: sachlich, stilvoll, immer auf Augenhöhe mit seinem Gegenüber, sei es nun ein Mensch oder ein Klappspaten. Bis zu seinem Tod im Jahr 1941 sammelte Dalman in Greifswald rund 20.000 eigene und fremde Fotografien einer Kulturlandschaft auf dem Sprung zur Moderne.
Dieser europaweit einmalige Bestand wird in der Ausstellung "Das gelobte Land der Moderne" erstmals verglichen mit den Aufnahmen deutscher Reisender nach 1948, nach der Gründung des Staates Israel. Manche suchten hier mit der Kamera das Altertümliche, andere die Zeichen einer neuen Zeit. Quer durch die Jahrzehnte fügen sich die Fotografien heute zur vielschichtigen Topografie einer Region, die drei Weltreligionen und ungezählten Kulturgläubigen als heilig gilt.
Interview zur Ausstellung
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Interview zur Ausstellung "Das gelobte Land der Moderne"
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Beschreibung
Karin Berkemann, Kustodin der Greifswalder Dalman-Sammlung und Kuratorin der Ausstellung "Das gelobte Land der Moderne". Darin beschreibt sie u. a. eines ihrer Lieblingsbilder, die "Israelische Zahnpastatube" von Martina Strehlen.
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Gerhard Günzel: am Toten Meer, 1929
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Valentin Schwöbel: Jaffa, Abholung der Passagiere, um 1905
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Rechteinformation
Gustaf-Dalman-Institut Greifswald
Beschreibung
Der deutsche Theologe und Palästinageograf Valentin Schwöbel (1863–1921) dokumentiert mehrere Reisen durch die Kulturlandschaft Palästina mit der Kamera. In Jaffa erstellt er um 1905 gleich eine zehnteilige Bildserie zum Anlanden des Dampfers. Mit wachem Auge für die technisch-organisatorischen Abläufe fotografiert er, wohl von einem jener kleinen Boote aus, die Abholung der Passagiere durch die Hotels (z. B. das "Hotel du Parc" in Jaffa) und Reisegesellschaften (z. B. das "H.A.P.A.G. Reisebuerau"). Damit fängt Schwöbel zugleich die Aufbruchsstimmung im Zwischenraum von Reise und Ankunft ein.
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"Serdan": Alexandria, Reisebus am Kran, 6. Juni 1959
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In der Diasammlung einer ledigen, ebenso reise- wie fotobegeisterten Sekretärin aus dem Saarland (hier aus Datenschutzgründen unter dem WDR-Digit-Alias "Serdan" geführt) ist eben jener Moment eingefangen, als der "Mercedes-Benz O 321 H" am 6. Juni 1959 in Alexandria am Kran hängt. An seiner Seite trägt der Reisebus den Schriftzug der Agentur "Dr. Tigges-Fahrten". Das komplizierte Manöver wird an Bord wie an Land neugierig beobachtet, ein Passagier hat ebenfalls die Kamera gezückt.
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Georg Goldstein: Triest, Abfahrt nach Palästina, 1934
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Georg Goldstein (1898–1980) – Düsseldorfer, Jude, Arzt und "Sportfotograf" – wird Mitte der 1930er Jahre vom NS-Regime seiner beruflichen Grundlage und Bürgerrechte beraubt. So betritt er neues Terrain und reist 1934, zunächst als Tourist, ins britisch verwaltete Palästina. In bauhauswürdiger Draufsicht fängt er jenen unbestimmten Moment der Überfahrt ein, wenn das leichte Zögern des Protagonisten noch dem Zurücklassen oder schon dem Neubeginn gelten kann. In einer angedeuteten Diagonale wird das Hochformat vertikal in zwei Teile getrennt: das Schiff mit Personal und Passagieren links, das Festland rechts. Gerade bereitet man sich in Triest auf das Ablegen vor. Noch ist im Spalt kein Wasser zu sehen, noch liegt das Reiseziel in der Schwebe. Bereits 1936 wird Goldstein nach Palästina emigrieren, um ab 1953 wieder in West-Deutschland zu leben und zu arbeiten.
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Willi Zörhoch: Israel, Gangway, 1981
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Mit der Kamera hält der Verlagslektor Willi Zörhoch (1927–2014) den Moment kurz vor dem Heimflug fest, als seine Frau mit dem Koffer auf der Gangway stoppt und in die Kamera lächelt. Vor ihr stehen weitere Passagiere in der Schlange. Von dieser Reise sind 144 Kleinbilddias in einem rot-braunen Plastik-Magazinkoffer enthalten, darin einige handschriftliche Notizen zu historischen Hintergrundinformationen. Zörhoch hält, wie seine Enkelin rückblickend berichtet, zu seinen zahlreichen Auslandsaufenthalten gerne Lichtbildvorträge in der Volkshochschule. Die Motive reichen von Sehenswürdigkeiten über Schnappschüsse des lokalen Lebens bis zu ganz privaten Badeszenen.
Weitere Informationen
Durch den Magen
Mitte des 20. Jahrhunderts nähert man sich der Kulturlandschaft Palästina meist noch mit dem Dampfschiff. Auf Zwischenstation in Athen, Venedig, oder Zypern tauchen die Reisenden schon in die antike mediterrane Welt ein. In den 1960er Jahren treten dann die Airlines mit ihren futuristischen Flughäfen gezielt in die mondäne Tradition der Schifffahrt ein. Im El-Al-Flugzeug wird die fremde Kultur oft zum ersten Mal in Essen und Schrift greifbar: z. B. im Prospekt "Flying Kosher", den eine Israel-Reisende 1969 später in ihr Fotoalbum klebt.
In den 1970er und 1980er Jahren, als das Fliegen zur Routine wird, entscheiden sich einige Gruppen bewusst gegen den Massentourismus. Mit Zug und Schiff will man sich, vielleicht einer Pilgerreise vergleichbar, dem fernen Ziel langsam annähern. Wieder andere bringen mit dem eigenen VW-Käfer oder Bus auch ein Stückchen Heimat in die Kulturlandschaft Palästina.
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"Flying Kosher", Prospekt der israelischen Fluglinie El-Al, 1960er Jahre
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Ende der 1960er Jahre präsentiert sich die israelische Fluglinie El-Al einer westeuropäischen und US-amerikanischen Zielgruppe. Mit modernen grafischen Prospekten und Plakaten wirbt sie um zahlungskräftige Touristen.
Fremdkochen
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Rezepteheft von Karin Dalman, 1920er/1930er Jahre
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In ihrem Französischheft aus Schulzeiten sammelt Karin Dalman (1872–1940), geborene von Treskow, in den 1920er und 1930er Jahren Zeitungsausschnitte: Haushaltstipps, Anekdoten und vor allem Rezepte.
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Karin und Gustaf Dalman, Sommer 1902
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Bevor der Palästinakunder Gustaf Dalman (1855–1941) als Gründungsdirektor des deutschen Palästina-Instituts nach Jerusalem aufbricht, heiratet er 1902 Karoline Sophie (Karin) von Treskow (1872–1940). Eine private Aufnahme zeigt das Ehepaars auf einer Garten- oder Parkbank. Hier ist einer der seltenen Momente eingefangen, in denen Dalman auf einer Fotografie lächelt (wenn auch vorwiegend mit den Augen). Er wendet sich fast zärtlich seiner links von ihm sitzenden Gattin zu, die ihrerseits mädchenhaft scheu nach rechts aus dem Bild herausblickt.
Tafeln in Jerusalem
Kleine Winke für die Hausfrau
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Rezepteheft von Karin Dalman, 1920er/1930er Jahre
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In ihrem Französischheft aus Schulzeiten sammelt Karin Dalman (1872–1940), geborene von Treskow, in den 1920er und 1930er Jahren Zeitungsausschnitte: Haushaltstipps, Anekdoten und vor allem Rezepte.
Schwedengrütze
In Karin Dalmans Heft sprechen viele Einträge – von "Weizenflockenbraten" bis "Nußtorte ohne Ei und ohne Fett" – von der Lebensmittelknappheit der Wirtschaftskrise und Kriegsjahre. Etwas kulinarischer fällt ein Rezept aus, das auf die schwedischen Wurzeln der Familie verweist: "Schwedengrütze. 1 1/4 kg Himbeeren und Johannisbeeren kochen und den Saft auspressen, nach Geschmack süssen, mit 1 Liter [Wasser] auffüllen, aufkochen lassen und 250 g Sago [pflanzliche Stärke] darin ausquellen. Die Grütze lässt man in einer Glasschale erkalten und reicht sie gut gekühlt mit kalter Vanillemilch."
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Rezepteheft von Karin Dalman, 1920er/1930er Jahre
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In ihrem Französischheft aus Schulzeiten sammelt Karin Dalman (1872–1940), geborene von Treskow, in den 1920er und 1930er Jahren Zeitungsausschnitte: Haushaltstipps, Anekdoten und vor allem Rezepte.
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Frankfurt am Main, David Zeifert (Zweiter von links) mit Reisegefährten vor dem Kaiserdom, 1958
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privat
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Die jüdischen Wurzeln von David Zeifert (*1936) reichen zurück bis nach Danzig, wo seine Eltern eine Schuhmacherei betrieben. Vorgewarnt durch nationalsozialistische Kunden, sind sie 1935 nach Palästina ausgewandert. Ihr Sohn kommt in Tel Aviv zur Welt, inmitten der Aufbauphase des sich gründenden Staates Israel. Mit 14 Jahren verlässt David die wohlgeordnete Stadt samt Elternhaus, zieht zu seinem Onkel in einen Kibbuz im Gaza-Streifen und absolviert dort den Militärdienst (er wird 1956 als Fallschirmspringer in der Suezkrise eingesetzt). Nun will er "aus dem Käfig ausbrechen", wie er es rückblickend beschreibt: Er verdient ein Jahr lang etwas Geld in den King Solomon’s Mines (Timna) und geht dann auf Europareise. In Frankfurt begegnet er der Hessin Doris, verliebt sich, heiratet und bleibt.
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Familie Zeifert (wohl): See Genezareth, David Zeifert mit Kindern auf "Heimaturlaub", wohl 1980
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privat
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Familie Zeifert aus dem südhessischen Neu-Isenburg fährt ab 1964 alle vier Jahre nach Israel, um dort Freunde und Verwandte zu besuchen. Von diesen Reisen haben sich rund 100 Aufnahmen (vorwiegend Kleinbilddias) erhalten. Dorothea Zeifert (*1940) hat in den 2010er Jahren bereits nach persönlicher Relevanz aussortiert. Übrig bleiben die Motive mit Familienanteil (Kinder und Hunde). Eine dieser Fotografien zeigt David Zeifert mit Sohn David (*1970) und Tochter Ruth (*1972) wohl 1980 auf „Heimaturlaub“, in diesem Fall am See Genezareth. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass unter Palmen, an den Caravans der Feriensiedlung im Kibbuz, sehr deutsch anmutende Geranien blühen. Und vergleicht man dieses Foto mit der Aufnahme von David Zeifert vor dem Frankfurter Dom aus dem Jahr 1958, drängt sich der Eindruck auf: Seiner Vorliebe für karierte Hemden ist er bis heute treu geblieben.
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Bernhard Schuler: Freiburg im Breisgau, Abfahrt am Hauptbahnhof, 25. August 1976
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privat
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Es ist die Ruhe vor der großen Fahrt, die auf diesem Foto am Freiburger Hauptbahnhof spürbar wird. Gemeinsam will man ein Studienjahr in Jerusalem verbringen. Während die übrige Gruppe direkt von Deutschland aus nach Israel fliegt, haben sich einige studentische Teilnehmer 1976 bewusst für den langsamen Land- und Seeweg entschieden. Der katholische Theologe Bernhard Schuler (*1953) fängt in einer kleinen Dia-Serie die Aufbruchstimmung am Bahnsteig ein: musizierende und dösende Freunde, irgendwo zwischen Kirchentag und Interrail.
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Gisela Grundmann-Wienert (wohl): Jaffa, Friedhelm Grundmann macht Pause, 4. März 1985
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privat
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Aus dem wenig mediterran gestimmten Hamburg ist das Ehepaar Grundmann am 3. März 1985 nach Israel geflogen. Am folgenden Reisetag startet man mit der Gruppe "bei herrlichem Sonnenschein und frischer Luft" nach Jaffa. Dort dokumentiert (vermutlich) Gisela Grundmann-Wienert (1924–2019) eine kurze Sonnenpause ihres Gatten (1925–2015). Gerade hat er einen auf den Platz herausgerückten Stuhl entdeckt (oder diesen selbst hervorgeholt) und reckt sich nun in lockerer Sitzhaltung, mit angewinkeltem Bein und geschlossenen Augen nach links der Wärme entgegen. Die scharfen Schlagschatten von Laterne (rechts), Friedhelm Grundmann (Mitte) und Passanten (links) lassen ahnen, dass die Sonne ihre volle Kraft entfaltet. Im Hintergrund weisen Palmen, luftig gekleidete Zaungäste und eine ockerfarbene Hauswand endgültig gen Süden. Insgesamt scheint die Perspektive leicht verrutscht, als würde sich für einen Augenblick alles um einen Fixpunkt drehen: die Person im Bildmittelpunkt.
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Heinz Dürr: Palästina-Reliefkarten von Robert Koeppel, wohl späte 1920er Jahre
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Bereits vor dem Ersten Weltkrieg erweist sich der Palästinakundler Gustaf Dalman als talentierter Kartograf. Von Greifswald aus arbeitet er in den 1920er Jahren auch mit dem Jesuitenpater Robert Koeppel bei der Erstellung von Reliefkarten zusammen.
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Eberhard Nestle: Gerasa, sog. Artemistempel, 14. April 1909
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Rechteinformation
Gustaf-Dalman-Institut Greifswald
Beschreibung
Der süddeutsche Theologe Eberhard Nestle (1851–1913) zeigt bei seinen Fotografien eine Vorliebe für Ruinen. Eine von ihnen steht in Gerasa: Durch einen kleinen Säulenwald wird der Blick des Betrachters über das Trümmerfeld und eine anschließende Ortschaft hinweg bis zu den dahinterliegenden Hügeln gelenkt. Die Basen sind von Wiese umgeben, die Stümpfe präsentieren sich versehrt und an einigen Stellen leicht aus der Achse geschoben. Die Kapitelle ragen funktionslos in den Himmel. Für das antike Auge wäre dieses Bild schwer erträglich, denn hier ist die korinthische (Säulen-)Ordnung empfindlich gestört. Für den bildungsbürgerlichen Besucher hingegen, der schon auf dem Seeweg über Athen oder Zypern in die Welt der Tempel eingetaucht ist, sieht genau so Geschichte aus. Der inszenierte und konservierte Verfall gehört zum humanistischen Programm.
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Gil Hüttenmeister: Jerusalem, National- und Universitätsbibliothek, 1960
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privat
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Auf einem Farbdia des damals angehenden Judaisten Gil Hüttenmeister (*1938) bricht das Grün äußerst lebendig durch: als leicht aus der Achse geknickter Säulenkaktus, der von senkrechten Rillen gezeichnet ist. Sie erinnern, ebenso wie die Schalungspuren der ihn umgebenden Beton-Stützen, an die Kanneluren korinthischer Säulen. Die modernen Rundstützen des Farbdias von 1960 tragen in Jerusalem das Sockelgeschoss der Israelischen National- und Universitätsbibliothek, die gerade fertiggestellt wird. Noch ist die Fläche nicht vollständig begrünt, noch sind die Hügel nur spärlich mit Neubauten bedeckt. In diesem Umfeld spielt die Bücherei auf dem Campus (Givat Ram) der Hebräischen Universität – ähnlich wie das gegenüberliegende Ensemble von Knesset und Israel-Museum – durchaus mit klassischen Motiven. Denn so sehr die Moderne grundsätzlich das Ende aller Stile ausruft, so geschickt bedient sie sich in Jerusalem architekturhistorischer Zitate, um der jordanisch verwalteten Altstadt einen wirkmächtigen Tempel der Bildung entgegenzusetzen.
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Philisterebene, Pflügen, April 1911
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Gustaf-Dalman-Institut Greifswald
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In der "Philisterebene" wird frontal eines der Lieblingsmotive des Palästinakundlers Gustaf Dalman (1855–1941) festgehalten: das Pflügen, hier mit Esel und Kamel. Agrarische Techniken nehmen in seiner Arbeit einen breiten Raum ein. Er studiert den Aufbau von Pflügen, zeichnet Skizzen und fotografiert unterschiedliche Varianten. Dalman scheint die bedeutungsüberladene Bilderwelt des Heiligen Landes durch betont nüchterne Forschungsarbeit fast exorzieren zu wollen. Denn hier lauert hinter jedem Foto der Aussaat gleich der biblische Sämann – ähnlich ergeht es Familienszenen in Betlehem oder Fischern auf dem See Genezareth. Doch gerade bei landwirtschaftlichen Themen überschneiden sich jüdische und christliche Motive und Deutungsmuster.
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Gil Hüttenmeister: Matzuva, Pflügen, 1958
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privat
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Ein Kleinbilddia des damals angehenden Judaisten Gil Hüttenmeister (*1938) zeigt 1958 ein modernes Landwirtschaftsfahrzeug beim Pflügen im Kibbuz Matzuva. Hatten die Forscher in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vor allem traditionelle Pflugtechniken fotografiert, scheint in diesem Bild von 1958 die Zukunft auf: der Aufbau eines neuen Landes.
Drei Paar Füße
Ob Pilger, Bildungsreisende oder Badegast, alle Besucher des Heiligen Lands bringen Fotos mit nach Hause. Manche dokumentieren die historischen Stätten, anderen suchen die Zeichen einer neuen Zeit. Auf vielen Bildern treffen sich alte und neue Welt. Der Illustrator Miroslav Šašek benennt diesen Kontrast in seinem Kinderbuch "This is Israel" 1962 treffend: "Bibles and Boeings, Camels and Cadillacs".
Jeder Reisende sucht in diesem Spannungsfeld auch bildhaft ein Stück Heimat. Im Ramesseum von West-Theben beispielsweise fotografiert die Judaistin Martina Strehlen 1986 ihre Füße – zwischen zwei antiken Fußpaaren. Aus einem ungewohnten Blickwinkel stellt sie ein Stück Nähe her, verortet sich für einen Moment im Alten Ägypten.
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Paul Hommel (wohl)/Hentschel-Verlag: Jordan, Fischerhütte bei der Taufstelle, um 1930
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Um 1930 entsteht – möglicherweise bereits als Farbaufnahme durch den deutschen Fotografen Paul Hommel (1880–1957) – ein Motiv, das Bruno Hentschel in sein Verlagsprogramm aufnimmt: Hinter einem Zaun, vor einer aufgeständerten Fischerhütte am Jordan (durch die Beschriftung als Ort der Taufe Jesu ausgewiesen), parken fünf Automobile. Die biblische Tradition der Taufstelle wird über die Jahrzehnte für verschiedene Plätze beansprucht – eine Vielfalt, die nicht allein durch die wenig exakte neutestamentliche Überlieferung zu erklären ist. Ebenso spielt politisch-religiöse Konkurrenz eine Rolle, denn mit neuen Koalitionen oder Grenzziehungen haben sich die Taufstellen oft multipliziert.
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"Neuwa", Bat Yam, Rathaus, 1966/67
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Das Farbdia einer westdeutschen Touristin (hier aus Datenschutzgründen unter dem WDR-Digit-Alias "Neuwa" geführt) von 1966/67 zeigt das damals gerade fertiggestellte Rathaus von Bat Yam (Alfred Neumann/Zvi Hecker/Eldar Sharon, 1963). Davor parken zeittypische Kraftfahrzeuge, darunter auch der VW-Käfer unserer Urlauberin. Der brutalistische Betonbau gilt in den späten 1960er Jahren als Fanal für den Aufbau des Staates Israel (nicht umsonst erinnern die Luftschächte an den Davidstern). Heute wird das Rathaus besonders von Kulturfreunden geschätzt, die sich für den Architekturstil des Beton-Brutalismus begeistern.
Auf einen Kaffee beim Scheich
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Kaffeekanne, wohl frühes 20. Jahrhundert
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Im Greifswalder Dalman-Institut haben sich zwei Kaffeekannen erhalten. Ursprünglich gehört zur Sammlung des Palästinakundlers Gustaf Dalman (1855–1941) eine vollständige Ausstattung zur Kaffeezubereitung: vom Mörser über den Röstlöffel bis zur Kanne.
Eine gute Vorstellung
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Jerusalem, Palästina-Institut, Ejjub mörsert Kaffee, vor 1911
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Für seine Fotografien setzte der Palästinakundler Gustaf Dalman (1855–1941) gerne Menschen aus seinem engeren Umfeld in Szene. Hier rückt er seinen Diener Ejjub in den Fokus: An der geöffneten Tür vorbei, vor dem Modell eines Zeltes, blickt Dalman mit der Kamera auf eine Vorführung, wie Kaffee bei den Beduinen gereicht wird.
Brief und Siegel
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Umschlag mit Fotoabzügen zum Thema "Essen", erstes Drittel des 20. Jahrhunderts
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Im Greifswalder Dalman-Institut haben sich teils noch die originalen Behältnisse der Sammlung erhalten: Von der Käsepackung über den adressierten Umschlag bis zum Feldpostpaket bieten sie heute einen kleinen Einblick in das Alltagsleben des sammelnden Forschers.
Strohhalm und Erfrischungstuch
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Erinnerungsstücke eines El-Al-Flugs, 1980
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Das Ehepaar Anne-Lies (1922–2003) und Ernst (1910–1990) Damm aus Bad Vilbel reist im September 1980 nach Israel – mit der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, organisiert von der Agentur "Biblische Reisen". In ihren Unterlagen finden sich allerlei Informationsmaterial und Souvenirs, darunter auch die Relikte ihres El-Al-Flugs.
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Georg Goldstein: Tel Aviv, Herzl Street, 1940er Jahre
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Beschreibung
Seit seinen ersten Touristenaufnahmen von 1934/35 ist der der jüdische Arzt Georg Goldstein (1898–1980) nach Palästina ausgewandert, hat sich als Arzt niedergelassen und geheiratet. Bis zur Rückkehr nach Westdeutschland im Jahr 1953 bewahrt er sich einen kritisch-distanzierten Blick auf seine vorübergehende Wahlheimat. In dieser ausgewählten Tel-Aviv-Fotografie der 1940er Jahre ist alles auf Beschleunigung ausgerichtet: die als dynamische Diagonale gen Horizont strebende Herzl Street, die dem Verlauf folgenden Strommasten, die lagernden Häuserfronten im Stil des Neuen Bauens, die vorbeieilenden Passanten und nicht zuletzt das zum Überholen ansetzende Automobil, dessen schnittige Konturen verwischen. Einziger Störfaktor und zugleich unbestrittener Bildmittelpunkt ist die Rückansicht des Kamels mit seinem arabischen Reiter. Gemeinsam und gelassen nehmen sie von der Verkehrsstraße Besitz.
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Gil Hüttenmeister: Gizeh, Cheops-Pyramide, Juli 1987
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privat
Beschreibung
Im Juli 1987 hält der Judaist Gil Hüttenmeister (*1938) sein mobiles Zuhause vor der Cheops-Pyramide von Gizeh fest. Wo üblicherweise die Touristengruppe auf Kamelen abgelichtet wird, dokumentiert er sehr viel modernere Gefährte. Im Mittelgrund stehen zwei Ägypter bei ihrem sandfarbenen Pickup, der sich nahtlos in seine Umgebung einfügt. Im Vordergrund beraten sich mehrere Touristen vor einem leuchtorangenen VW-Bus. Dieser Bulli bringt die Familie Hüttenmeister mehrfach zuverlässig von Tübingen über den Landweg und via Fähre bis in die Kulturlandschaft Palästina (und zurück). Vor der Pyramide macht er sich etwas fremd aus, so zumindest könnte es das Kamel mit seinem Reiter sehen, das von links skeptisch auf den Eindringling blickt. Doch der VW-Camper bietet einen erprobten und vertrauten Wohn- und Schlafraum für bis zu fünf Personen (bei Bedarf plus Hund).
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Erik Aurelius sen. (wohl): Tibne, Lewis H. Larsson mit der Kamera, 9. Mai 1910
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Beschreibung
In Jerusalem spezialisiert sich die christliche Gemeinschaft "American Colony" auf touristische und wissenschaftliche Fotografie: Hier hantiert Lewis H. Larsson 1910 in Tibne mit Kamera, Tuch und Stativ – sein Modell wartet schon vor ihm im Gebüsch.
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Gustaf Dalman: Ramallah, Klatschreigen der Frauen, wohl 1910
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Beschreibung
Der Palästinakundler Gustaf Dalman (1855–1941) fürchtet, dass touristische oder künstlerische Fotografen die Wirklichkeit verfälschen. Deshalb greift er ab 1899 immer wieder selbst zur Kamera, um das Alltagsleben der Kulturlandschaft Palästina möglichst authentisch einzufangen – so z. B. einen muslimischen Hochzeits-Klatschreigen, wie er ihn Dalman wohl 1910 in Ramallah eingefangen hat. Vor einer fast bildfüllenden Trockenmauer wendet sich die Runde der feiernden Frauen frontal dem Betrachter zu.
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Hentschel-Verlag: Ramallah, Klatschreigen, erstes Drittel des 20. Jahrhunderts – nach einem Foto von Gustaf Dalman
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Beschreibung
Über drei Jahrzehnte hat der Palästinakundler Gustaf Dalman in – häufig ethnologischen – Bildfragen einen wichtigen Partner, den Leipziger Verleger und Fotografen (Ernst) Bruno Hentschel (1866–1943/44). Für seine Dia-Editionen versieht Hentschel häufig Motive aus dem Dalman-Kreis mit seinem Verlagslabel. Viele der Schwarz-Weiß-Motive lässt er dafür per Hand kolorieren.
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Hildegard Schneider: Kairo, Ägypter vor der Stadtsilhouette, um 1970
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Hildegard Schneider (1928–2019), eine weitgereiste Lehrerin aus Neuzelle bei Brandenburg, besucht "auf besonderen Antrag" um 1970 Kairo. Auf einem Balkon oder einer Dachterrasse wohl des Semiramis-Hotels (heute ersetzt durch den Intercontinental-Neubau) steht im ausgewählten Farb-Kleinbilddia ein Ägypter Modell – umzingelt von Grünpflanzen, gehüllt in die Kunstfaser-Interpretation eines traditionellen Gewands. Hinter ihm geht der Blick des Betrachters über den Nil hinweg auf die Skyline mit dem modernen Hotel Borg (heute Novotel), bekrönt vom Fernsehturm mit seinen Anklängen an orientalische Architekturmotive. Fast deckungsgleich mit dem Bauwerk schaut hinter dem Rücken des Ägypters ein Säulenkaktus hervor.
Deckel drauf
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Trockenplatten-Karton der Leipziger Firma Hoh & Hahne, erstes Drittel des 20. Jahrhunderts
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Im Bildarchiv der Theologischen Fakultät an der Universität Leipzig werden Glasplattendias des frühen 20. Jahrhunderts teils noch in ihren Originalkartons verwahrt. Deren Deckel trägt häufig die Werbebilder der jeweiligen Firmen oder Fotogeschäfte.
Zerbrechlich
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Ras el-Mekabber, Gustaf Dalman, 12. April 1925
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Auf seiner letzten Reise durch die Kulturlandschaft Palästina lässt sich der Theologe Gustaf Dalman (1855–1941) auf dem Ras el-Mekabber bei Jerusalem noch einmal fotografieren: mit Schirm, Feldstecher, Notizbuch und dem Ausblick auf das große Ganze.
In Ordnung
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Kodak-Negative-Album, erstes Drittel des 20. Jahrhunderts
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Der Mannheimer Pfarrer und Palästinageograf Valentin Schwöbel (1863–1921) nutzt früh und gerne Filmmaterial für zahlreichen Fotografien. Nach seinem Tod gelangt der Nachlass in die Sammlung seines ehemaligen Mentors, an das Greifswalder Dalman-Institut.
"Du hast den Farbfilm vergessen ..."
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Karton für Agfa-Diapositiv-Platten, um 1955
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Im Frühjahr 1955 kann der Alttestamentler Alfred Jepsen (1900–1979), der nach Kriegsende in Greifswald lehrt und das dortige Dalman-Institut leitet, nach Jordanien zu den biblischen Stätten reisen. Rund 80 seiner Aufnahmen haben sich in Greifswald als Glasplattendias erhalten.
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Fotoalbum Magdalene Eisenberg: Szene in Palästina, wohl um 1930
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Beschreibung
Die gebürtige Hessin Magdalene Eisenberg (1902–1931) lebt ab 1927 in Jerusalem, wo sie in den Töpferwerkstätten des Syrischen Waisenhauses arbeitet und 1931 an Typhus verstirbt. Posthum werden die Aufnahmen der Jahre 1927 bis 1931 in ihrem Fotoalbum ergänzt um Erinnerungsbilder und Ansichten der Grabstätte auf dem Zionsfriedhof. Viele der Album-Motive drehen sich um Ausflüge in die Umgebung, wenn sie von Eltern und Bruder besucht wurde. In der hier ausgewählten, wohl um 1930 entstandenen Fotografie hantiert Magdalene Eisenberg im rechten Vordergrund mit einer Kamera auf einem Stativ. Sie zielt auf ihren Vater Christian Eisenberg, der im linken Mittelgrund mit Arabern verhandelt. Zwischen beiden Gruppen vermitteln zwei Personen: ein arabisch gekleideter Mann links von Magdalene Eisenberg, ein beobachtendes Kind rechts von ihr. Im Hintergrund bleibt die Hügellandschaft unbestimmt, nur ein Strommast verweist auf die bereits eingezogene Moderne.
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Rihab, Fotoarbeiten mit Ute (Wagner-)Lux und Martin Noth, Mitte der 1960er Jahre
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Aus der Mitte der 1960er Jahre findet sich im Berliner Nachlass des Theologen Martin Noth (1902–1968) das Motiv einer fotografierenden Kollegin: In einer Ausgrabung in Rihab will seine damalige Assistentin, die Archäologin Ute (Wagner-)Lux (*1931), das dortige Mosaik aufnehmen. Dabei wird sie, auf einer Leiter an eine Hauswand gelehnt, von Martin Noth und einem weiteren Mitwirkenden gestützt. Fotografieren inszeniert sich hier selbst als ernsthafte, manchmal waghalsige Tätigkeit. Eine durchaus männliche Sichtweise, bei der Forscher abenteuerlustig voranschreiten und mitarbeitende Frauen gestützt werden müssen. Ob Wissenschaftler oder Tourist, hier geht es auch um ein Stück Eroberung.
Aus der Bewegung
Mit dem Tourismus kommt auch die Fotografie in die Kulturlandschaft Palästina. Ende des 19. Jahrhunderts entwickelt sich rasch eine professionelle Infrastruktur. Auf kunstvoll arrangierten Bildern kann sich jeder den Orient nach Hause holen. Anfangs müssen die Motive noch auf empfindliche Glasplatten gebannt werden. Später können Knipser auf flexibles Filmmaterial zurückgreifen.
Schon vor dem Ersten Weltkrieg lässt sich mit der Kleinbildkamera der eine besondere Moment einfangen. Immer mehr Amateure begeistern sich für die Technik – Fotografie wird günstiger, lebendiger, persönlicher. Auf Exkursionen nutzt man die neuen Möglichkeiten für Motive aus der Bewegung heraus: über den Sattelknauf und zwei Pferdeohren hinweg.
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Lorenz Bertheau (wohl): Tiberias, April 1908
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Über zwei aufmerksam aufgerichtete Pferdeohren hinweg blickt man auf die Stadt Tiberias. Fast meint man, selbst im Sattel zu sitzen. Da sich die Hügelkette im Mittelgrund leicht nach rechts absenkt, versucht der Betrachter unwillkürlich, im imaginären Sattel auszubalancieren und damit das Bild wieder zurechtzurücken.
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Alfred Jepsen: Gizeh, Chephren-Pyramide, Frühjahr 1955
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privat/Gustaf-Dalman-Institut Greifswald
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Fast zwangsläufig geraten fotografierende Reisende mit vor die Linse. Man nimmt eben dieselben Sehenswürdigkeiten ins Visier – so wohl auch bei einem Bild der Chephren-Pyramide von Gizeh durch den Greifswalder Theologen Alfred Jepsen (1900–1979) im Frühjahr 1955, das sich in seinem privaten Nachlass erhalten hat. Eine gebeugte Rückenansicht, wie hier im Bild, deutet oft auf das Hantieren mit der Kamera. Inzwischen gehören Frauen bereits fest zur fotografischen Zielgruppe und mischen sich selbstverständlich unter die touristische Infrastruktur. Nicht umsonst kreuzt auch ein pittoresk ausstaffiertes Kamel das Ägypten-Bild. Diesen Moment dokumentiert Jepsen mit großer Lässigkeit und verzichtet dafür gerne auf Tiefenschärfe und Pyramidenspitze. Eine visuelle Direktheit, die ganz der Intensität seiner Reise-Eindrücke entspricht.
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"Neuwa": Jerusalem, Schrein des Buchs und Knesset, 1966/67
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Auf einer Israel-Fahrt von 1966/67 dokumentiert eine Westdeutsche (hier aus Datenschutzgründen unter dem WDR-Digit-Alias "Neuwa" geführt) einen anderen Besucher vor dem sog. Schrein des Buches. Nahe der Knesset birgt der 1960 fertiggestellte Sonderbau des Israel-Museums in Jerusalem historische Schriftrollen. Im rechten, halbverschatteten Vordergrund zielt der Mann mit seiner Kamera auf die sonnenbestrahlte Architektur im Bildmittelpunkt – und hinter ihm unternimmt unsere Reisende dasselbe. Gekonnt gibt sie dem Motiv dabei Richtung (im Zickzack über die vordere linke Brüstung bis hin zum rechten Rand des Wasserbeckens) und Tiefe (bis zum Parlamentsgebäude im rechten Hintergrund).
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Benno Butter: Kairo, im Umfeld der sog. Hängenden Kirche, 1984
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privat
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1984 besucht der Dessauer Maler Benno Butter (1914–1985) bereits zum zweiten Mal Ägypten. Mit dem Skizzenblock durchstreift er Kairo. Eine Zeichnung aus dieser Zeit zeigt eine belebte Straßen-, vielleicht Hinterhofszene. Im Hintergrund staffeln sich städtische Bauten bis auf fünf Stockwerke: im rechten Bilddrittel ein modernes Wohnhaus, daneben und davor eher ältere Architekturen. Nur die Gewandung der Personen, vielleicht noch die kümmerliche Palme im rechten Vordergrund deuten auf den afrikanisch-morgenländischen Ort hin. Von der üblichen Orientromantik bleibt hier nur ein Häufchen Unrat mit Fischgräte und Konservendose. Im Mittelgrund, links hinter der dunklen Mittelfigur versteckt sich eine Dreiergruppe: ein Hund (mehr ein Comic-Coyote) und ein westeuropäisch anmutendes Pärchen, den Blick und die Hände zum altehrwürdigen Gebäude erhoben. Diese drei sind am spärlichsten ausgearbeitet, als gehörten sie nicht hierher. Damit distanziert sich Butter von Reisenden, die vor lauter Sightseeing das gegenwärtige Ägypten übersehen – und nobilitiert selbst mit Freude am profanen Detail einen weniger touristengerechten Winkel im Umfeld der sog. Hängenden Kirche zum bildwürdigen Motiv.
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Benno Butter: El-Fajum, Straßenszene, 1984
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privat
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Von der zweiten Ägypten-Reise des Dessauer Malers Benno Butter (1914–1985) haben sich einige Fotografien erhalten. Darunter findet sich eine Straßenszene aus El-Fajum, die in vielen Details an eine zeitgleiche Kairo-Zeichnung erinnert: die zentrale dunkle Silhouette einer (einen Korb auf dem Kopf balancierenden) Ägypterin, das Kommen und Gehen in der Kulisse einer bröckelnden Moderne. Es muss offenbleiben, ob diese Fotografie 1984 als eine der Vorlagen für die Kairo-Zeichnung dient oder ob sie lediglich ein allgegenwärtiges Motiv zu verdichten hilft. In jedem Fall ist die Kamera für Butter ein wesentlicher Bestandteil seiner Reisebeobachtungen, die er dann mit dem Gestus des Künstlers aufs Papier bringt.
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Gruppenfoto mit Alfred Jepsen (ganz rechts) während der Überfahrt, Frühjahr 1955
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Im Frühjahr 1955 reist der Greifswalder Professor Alfred Jepsen nach Jordanien. Auf dem Schiff lässt er sich mit der Gruppe fotografieren: 23 Personen, darunter zwei Diakonissen, posieren sichtlich vergnügt in überwiegend geschlechtsneutralen Mänteln und Kopfbedeckungen.
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Hugo Greßmann: Zelt des Hotels Fast, 21. April 1907
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Der Theologe Hugo Greßmann (1877–1927) lichtet während einer Exkursion mit dem Palästinakundler Gustaf Dalman am 21. April 1907 vier seiner Reisekollegen vor ihrem mobilen Zuhause ab. Alle vier sind (noch oder schon) für die Reise gerüstet. Im Hintergrund sind eine Hügelkette und links angeschnitten ein weiteres Zelt zu erkennen. Über ihnen weht die deutsche Reichsflagge, auf Dalman-Exkursionen ein übliches Motiv. Die deutsche Heimat ist unterwegs mit dabei – sogar auf doppelte Weise. Schon für seine ersten Exkursionen hat sich Dalman (von der Organisation bis zur Menüfolge) teils einer professionellen touristischen Infrastruktur bedient. In diesem Fall wird das Zelt vom Jerusalemer Hotel Fast gestellt, das damals unter deutscher Leitung steht und in jenem Jahr auch Stipendiaten beherbergt.
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Hans-Peter Linde: Beirut, Badepause der Musiker des Gewandhausorchesters, Sommer 1969
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privat
Beschreibung
Von der Libanon-Reise des Leipziger Gewandhausorchesters im Sommer 1969 unter der Leitung von Kurt Masur (1927–2015) bringt der Cellist Hans-Peter Linde (*1937), ein begeisterter Hobbyfotograf, eine Reihe von Farb-Kleinbilddias mit nach Hause. Für Linde startet mit dem Flug die erste größere Fernreise nach dem Mauerbau (1961) – und auch für das Gewandhausorchester stellt diese Einladung in den Nahen Osten eine seltene Gelegenheit dar. Neben Proben und Konzerten sind für die Gruppe, staatlicherseits immer aufmerksam beobachtet, verschiedene Ausflüge möglich. Nur selten kann sich eine Kleingruppe absetzen und die Umgebung auf eigene Faust erkunden. Das ausgewählte Farb-Dia zeigt einen unbeschwerten Moment am Strand von Beirut, in der Nähe der Blauen Grotte: 27 Männer, vier davon vollständig, 23 leichter bekleidet, mit dabei ein Strohhut und eine Kamera, sowie als Beifang im Hintergrund ein Kind, eine unbestimmbare Person und drei Palmen. Für das Gruppenfoto posierte man sichtlich vergnügt an einer Mauer, vor einem modernen aufgeständerten Rundbau.
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Eberhard Nestle: Gerasa, Theater, Bernhard Duhm mit Esel, 15. April 1909
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Der Theologe Eberhard Nestle (1851–1913) dokumentiert in Gerasa nicht allein Ruinen, sondern auch die intensive Begegnung des Reisegefährten Bernhard Duhm mit einem jungen Esel. Im Hintergrund sind antike Sitzstufen zu erahnen, im Vordergrund hockt Duhm im Anzug auf dem Boden. Sein Hut liegt neben ihm im Gras, sein Blick ruht auf dem Fohlen vor ihm, das er sanft festhält. Es ist schwer auszumachen, ob Nestle hier mit der Unterstützung seines Kollegen ein korrektes Tierfoto erstellen will oder ob er Duhm augenzwinkernd beim Eselkuscheln überrascht.
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Günter Haufe: wohl bei Gerasa, Esel, Sommer/Herbst 1979
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Rechteinformation
privat/Gustaf-Dalman-Institut Greifswald
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Der Greifswalder Theologe Günter Haufe (1931–2011) ist 1979 als Forschungsreisender in der Kulturlandschaft Palästina unterwegs. Eines seiner Aufnahmen zeigt im linken Vordergrund die Rückenansicht eines Mitreisenden. Man folgt seiner leichten Rechtsdrehung, bis sich der Weg fast mittig am Horizont verliert. Hinter dem Felshang schaut von rechts ein Esel hervor, Kopf und Ohren neugierig nach vorne gereckt. Es bleibt in der Schwebe, wer wen zuerst bemerkt hat, wer auf wen zugeht, wartet oder möglicherweise gleich vor dem Anderen zurückweicht. Mit seiner Gruppe wagt Haufe aus Jordanien 1979 auch einen Abstecher zu den biblischen Stätten im israelischen Gebiet – ein für DDR-Bürger zu dieser Zeit unerwünschtes Reiseziel. Wieder zu Hause wird er dafür offiziell nach Berlin einbestellt, gerügt und seiner bislang recht großzügig gefassten Reisefreiheit beraubt.
Vier gewinnt
Bei einer Reise in die Kulturlandschaft Palästina sind die Erwartungen ebenso hoch wie die Befürchtungen: Wie steht es mit der Sicherheit? Wird man finden, was man erhofft? Diese Atmosphäre verbindet eine Gruppe oft zur intensiven Gemeinschaft. Vor Ort treffen die Besucher auf die verschiedensten religiösen und ethnischen Gruppen. In den 1980er Jahren präsentiert Israel diese spannungsreiche Vielfalt gerne als friedliches Miteinander – so auch im farbenfrohen "Heiliges Land Quartett" für Touristen.
Wieder daheim, nutzt man die Reisebilder, um Erinnerungen und Netzwerke zu formen und zu pflegen. Fotografien werden in Alben geklebt, an Dia-Abenden vorgeführt und nicht selten veröffentlicht. Spätestens in der Zusammenschau eigener Motive mit Kaufbildern und den Aufnahmen von Mitreisenden, im Vorführen und Erzählen in der Gruppe, gerät Reisefotografie dann endgültig zum Gemeinschaftsprodukt.
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Heiliges Land Quartett, um 1980
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Als das Ehepaar Damm 1980 nach Israel fährt, bringt es ein "Heiliges Land Quartett" mit nach Hause. Mit Fotoecken wird es feinsäuberlich im Album aufbewahrt.
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Konrad Kob: Netofa, Begegnung mit Taamire-Beduinen, 1965
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Bereits 1965 zeigt die Aufnahme einer Fachexkursion des Greifswalder Pfarrers Konrad Kob (1897–1985) einen lachenden Mitreisenden zwischen vier Taamire-Beduinen. Das Dia gehört zu einer kleinen Bildreihe, die Forschungsreisende und Beduinen in unterschiedlichen Konstellationen in Netofa vor dem Dschebel Furedis (Herodion) dokumentiert. In der ausgewählten Aufnahme zeigen zwei der ansonsten traditionell gekleideten Beduinen auch Hemd und Jackett, während der deutsche Forscher kurz Anzughose, Hemd, Krawatte und Sonnenbrille mit dem traditionellen, rot-weiß-gemusterten Kopftuch (Kufiya) kombiniert. Als "Palästinensertuch" wird es sich in diesen Jahren zum politisch-modischen Attribut revolutionär gesinnter Kreise auch in Westeuropa entwickeln.
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Konrad Wolf: Iran (wohl bei Ramsar), Regina Wolf verschleiert im Hotel, Frühjahr 1968
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privat
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Schon in den frühen 1960er Jahren ist die Bernerin Regina Wolf(-Schweizer) weltweit unterwegs: erst gemeinsam mit ihrem Mann, dem Architekten Konrad Wolf, später begleitet von Sohn und/oder Mutter, zumeist aber als Individualtouristin, als Teilnehmerin von organisierten Kulturreisen oder universitären Exkursionen. Auf der Iran-Irak-Reise im Frühjahr 1968 zeigt sie eine großformatige Schwarz-Weiß-Aufnahme ihres Mannes, des Architekten Konrad Wolf, im landestypischen Gewand. Vollverschleiert hockt sie in Bettelhaltung vor weißem Hintergrund auf gefliestem Boden. Die attraktive Regina Wolf, die schon als Model gearbeitet und sich auf derselben Reise abends gerne modisch gekleidet hat, weiß genau um ihre Wirkung. Was hier auf dem Balkon oder der Dachterrasse des Hotels (vermutlich in oder nahe der nordiranischen Stadt Ramsar) vor einen neutralen Hintergrund gebracht wird, zeigen andere Reisebilder der Familie Wolf aus den 1960er und 1970er Jahren aus der Kulturlandschaft Palästina noch gesteigert: die verschleierte Regina Wolf inmitten der lokalen Bevölkerung, von der sie so dank Kleidung, Sprachgewandtheit, dunklem Haar und brauner Augenfarbe kaum zu unterscheiden ist.
In fremden Schuhen
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Lederschuh, erstes Drittel des 20. Jahrhunderts
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Aus seiner umfangreichen ethnologischen Sammlung kann der Palästinakundler Gustaf Dalman (1855–1941) nur ausgewählte Objekte von Jerusalem mit nach Greifswald bringen – darunter auch ein Paar Lederschuhe.
Kleine Sandalenkunde
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Bilddokumentation zu Sandalen in Gustaf Dalmans Publikation "Arbeit und Sitte", 1937
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Auf seiner letzten Palästina-Reise wird der Palästinakundler Gustaf Dalman (1855–1941) von seinem Sohn, dem Archäologen Knut Olof (1904–1932), begleitet und bei seinen Forschungen unterstützt. Von Letzterem stammt auch das Foto des Sandalenpaares. Die Zeichnung der verschiedenen Sandalentypen wiederum fertigt Gustaf Dalman selbst.
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Jerusalem, Aussätzigenasyl, Gustaf Dalman und Ali, 1900
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Der Palästinakundler Gustaf Dalman (1855–1941) nutzt dieses Kostümporträt aus dem Jahr 1900 auch später gerne für fachliche Vorträge. Doch einen Abzug dieser Aufnahme widmet er seiner späteren Frau, die er während der Reise von 1899/1900 in Aleppo kennengelernt hat: "Der Jerusalempilger wartet auf die Reisegefährtin."
Kostümbild
Kaiserlich
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Bei Schilo, Gustaf Dalman zu Pferde, 28. April 1906
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Der Palästinakundler Gustaf Dalman (1855–1941) lässt sich hier 1906 während einer Exkursion ablichten: Er ist gerade vier Jahre Direktor des Palästina-Instituts, als wohl ein Stipendiat auf der "Nordreise" am 28. April 1906 zur Kamera greift. Reisender und Pferd sind im westlichen Stil für die Tour gerüstet. Der Palästinakundler höchst selbst hält die Zügel fest im Griff. Der Hintergrund zeigt eine historische Stätte, durch die Bildunterschrift ausgewiesen als Selun (Schilo).
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Gil Hüttenmeister: Jerusalem, Mädchen mit roten Schuhen, 1958
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privat
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1958 porträtiert der Judaist Gil Hüttenmeister (*1938) in Jerusalem ein dunkelhaariges Mädchen. Klare, kubische Formen bestimmen das im Anschnitt gezeigte Haus. Als wäre es für ein Gemälde arrangiert, ergänzen sich eine hellgraue und eine zurückspringende weiße Architekturoberfläche, das Hellblau von Himmel und Kleidung mit dem tiefen Rot der Lackschuhe und der Nelken auf Balkon oder Brüstung. Hüttenmeister zeigt hier die Tochter deutsch-jüdischer Auswanderer aus Velbert, der Heimatstadt seines Vaters. Per Zufall trifft er eben jene Familie 1958 in Jerusalem. Damit eröffnet das Dia 1958 einen Blick in die Zukunft, in die neue Generation von Israelis westeuropäischer Herkunft.
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Familienalbum Christof Pies: Kibbuz Tzeelim/Negeb, Esther Pies (blaue Shorts) spielen mit Jara Kislew-Forst im Sandreifen, 1984
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privat
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Auf einer privat überlieferten Farbfotografie von Christof Pies begegnen sich zwei Kinder in einem zum Sandkasten umfunktionierten Traktorreifen. Die Umgebung verweist auf eine Wohnsiedlung, mehr verraten die abgebildeten Bauten und Pflanzen, das Fahr- und das Dreirad kaum. Während eines Besuchs im Kibbuz Tzeelim im Negeb spielen 1984 Esther PIes (und ihre Schwester Judith) mit der Israelin Jara Kislew-Forst in einem jener Reifen, "die Jaras Vater für den Weltmarkt herstellte", wie sich der Vater von Esther und Judith rückblickend erinnert. In den 1980er Jahren reist der Realschullehrer PIes nach Israel, darüber hinaus nach Betlehem und in den Sinai. Damals steht für ihn der Kontakt zu Holocaust-Überlebenden und deren Nachkommen im Vordergrund, so auch im Kibbuz Tzeelim. 30 Jahre nach der Kinder-Begegnung mit Jara Kislew-Forst, so bringt Christof Pies es auf den Punkt, nennt Esther Pies "ihre Tochter nach ihrer Sandreifenkameradin".
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Gustaf Dalman: Jerusalem, Aussätzigenasyl, Gemüse vom Markt, 12. Juli 1925
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1925 fotografiert Gustaf Dalman das "Gemüse vom Markt" so vor dem aufgerichteten Korb, als sei es herausgekullert und habe sich dabei wie zufällig nach Größe und Sorten pyramidal angeordnet.
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Knut Olof Dalman: Jerusalem, Aussätzigenasyl, Feigenzweig, 1. Juni 1925
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1925 arbeitet der Palästinakundler Gustaf Dalman zusammen mit dem Archäologen Knut Olof (1904–1932). In diesen Monaten fällt es schwer, die Aufnahmen von Vater und Sohn auseinanderzuhalten. Gelegentlich setzt Knut Olof Dalman jedoch zarte eigene Akzente, wenn er beispielsweise den (obwohl erkennbar knittrigen) Stoffhintergrund bildfüllend ausdehnt und den Feigenzweig davor adrett drapiert. Er stilisiert das botanische Lehrstück zum ästhetischen Stillleben, zum kunstvollen Schattenriss. Für seine Generation liegt in der Reduktion ein großes Stück Schönheit.
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Martina Strehlen: Zahnpastatube, April 1986
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privat
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Die damals angehende Judaistin Martina Strehlen (*1963), die 1985/86 ein Jahr in Jerusalem studiert, ist im April 1986 von einer Zahnpastatube fasziniert. Vor dem neutralen Hintergrund einer hölzernen Tischplatte erhebt sie ihr Motiv mit der Kamera fast zur Größe eines Pop-Art-Kunstobjekts. An diesem Alltagsgegenstand reizt sie, wie sie rückblickend erklärt, der Aufdruck: koscher für Pessach, d. h. während des jüdischen Frühlingsfestes im Gebrauch religiös unbedenklich. Erst mit diesem Wissen wird man von der Fotografie direkt in die biblische Geschichte katapultiert. Zurück zu den historischen Schriften, die zwar dasselbe Alphabet wie diese Tube nutzen, aber eben nichts über die Zahnpflege von Moses und Zippora berichten. Die ironische Reibung solcher Momente habe sich für sie, so Strehlen, nach wenigen Wochen in Israel aufgelöst. Doch im Foto konserviert sie diesen Zeitsprung 1986 auch für spätere Betrachter (mit einem Plus an visuellem Humor).
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Hellmut Münzner: Israel, Soldatinnen, wohl Mitte/Ende der 1950er Jahre
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Der gebürtige Dresdener Hellmut Münzner (1906–1991) arbeitet nach Kriegsende (nach Umwegen) schließlich als Studienrat in Duisburg. In den 1950er und 1960er Jahren bereist er mehrfach den Nahen Osten. Gemeinsam mit seiner Ehefrau ist er in Gruppen unterwegs, setzt sich aber immer wieder zum Fotografieren ab. Mitte/Ende der 1950er Jahre porträtiert er während seines Israel-Urlaubs in vier Schwarz-Weiß-Aufnahmen zwei Soldatinnen (scheinbar im Freizeitmodus) vor einem wohl eher weltlichen Kontrollposten. Das Motiv Militär erscheint hier mit einem leichten Schmunzeln – und für bundesdeutsche Augen mit einer guten Portion Erstaunen.
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Käthe Naumann: Stoppschild bei En-Gedi, September 1969
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Die Frankfurter Touristin Käthe Naumann erfährt auf dem Weg zum Toten Meer 1969 eine Begrenzung der besonderen Art. In der Nähe des Kibbuz En-Gedi fotografiert sie einen offenen Schlagbaum – begleitet von Palmen, einer Überlandleitung und einer Gebirgskette – an einer Weggabelung in der Wüste. Während sich das Stoppschild (eine erhobene Hand auf rotem Grund) auch ohne Sprachkenntnisse erschließt, bleibt der Sinn dieses Verbots irgendwo im Nirgendwo rätselhaft. Viele Israel-Reisende dieser Jahre erweisen sich als exzellent vorbereitet. Ihre Alben enthalten oft mehr Informationsmaterial, Zeitungsausschnitte und Artikelserien als eigene Fotografien. Dennoch, oder vielleicht gerade deswegen wird bildlich (vor allem in den 1960er Jahren) immer wieder das unsichere Tasten nach verborgenen Grenzen sichtbar.
Forscher und Sammler
In der Fremde sind selbst alltägliche Dinge spannend. Oft reicht schon eine fremdartige Beschriftung oder eine exotische Farbgebung, um ein Objekt interessant zu machen. Das ein oder andere Stück nimmt man mit nach Hause – und sei es nur als Foto. Hier dient es als Beleg für ein kleines Abenteuer, als Gesprächsanlass für die Urlaubsanekdote.
Manche Erinnerungsstücke bleiben ganz privat, andere werden mit Etikett und Inventarnummer zum Teil der Forschung. Vom Wasser aus dem Toten Meer bis zu (wie hier) den verschiedenen Mahlgraden von Getreide – der Palästinakundler Gustaf Dalman will mit seiner Greifswalder Sammlung ab 1920 ein möglichst umfassendes Bild der Kulturlandschaft Palästina zusammensetzen.
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Foto Kempe (wohl): Getreide-Mahlgrade, wohl um 1933
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Nach dem Ersten Weltkrieg greift der Palästinakundler Gustaf Dalman (1855–1941) nicht mehr (oder nur noch selten) selbst zur Kamera, um Stücke seiner volks- und naturkundlichen Sammlung abzulichten. Viele der erhaltenen Aufnahmen werden offenkundig von Profis erstellt, z. B. vom Greifswalder Studio "Foto Kempe".
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Diasammlung Otto Fabritius: Israel, Warten auf den Bus, September/Oktober 1966
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privat
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Nach seiner Israel-Fahrt von 1966 stellt sich der spätere Studienrat Otto Fabritius (*1939) eine Diasammlung zusammen – aus Kaufbildern und den Aufnahmen von Mitreisenden. Eines dieser Motive beschriftet er mit "modern – orthodox": Entlang einer Absperrung, neben einer diagonal nach rechts oben auslaufenden Fahrspur, warten zwölf Personen auf den Bus. Jeder schaut in eine andere Richtung, jeder bleibt für sich. Ein Mann mit Sonnenbrille lehnt sich ans Geländer, wo er Jacke und Koffer abgelegt hat. Zu seiner Seite liest ein orthodoxer Jude in einem Buch (vermutlich gelehrt-frommen Inhalts), wohl um nicht in Verdacht oder Versuchung zu geraten, auf die luftig-modisch gekleidete Frau neben ihm zu blicken. Den Reigen beschließt ein Soldat, vielleicht bewachend, vielleicht ebenfalls wartend.
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Rückflug von Greifswalder Theologiestudierenden über Bukarest, 18./19. Oktober 1992
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1992 brechen Greifswalder Theologiestudierende zum ersten Mal seit dem Ende der DDR offiziell nach Israel auf. Neben Momentaufnahmen von übermüdeten Kommilitonen im Flughafen-Wartebereich ist eine fotografierende Studentin fasziniert vom Blick aus dem Kabinenfenster.
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Dia-Sammlung Otto Fabritius: Bror Chail, Otto Fabritius (ganz rechts) im Kibbuz, September/Oktober 1966
Aus der Sammlung von
privat
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Im September/Oktober 1966 verbringt der angehende Gymnasallehrer Otto Fabritius (*1939) einige Wochen mit einer Studierendengruppe der Freien Universität Berlin im Kibbuz Bror Chail. Er fotografiert nicht selbst, stellt sich aber aus den Aufnahmen seiner Mitreisenden und Reproduktionen nach professionellen Vorlagen eine kleine Diaschau zusammen. Nicht allein die gemeinsame landwirtschaftliche Arbeit, sondern auch die Kleidung verbindet die Gruppe 1966 untereinander und mit den Kibbuzniks: Bei kurzen Hosen zu Top oder Shirt liegt die einzige Extravaganz in der Farbwahl.
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Münster in Westfalen, Otto Fabritius mit „Kibbuz-Mütze“ im heimischen Garten, Frühjahr 2009
Aus der Sammlung von
privat
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Beschreibung
Studienrat i. R. Otto Fabritius (*1939) erinnert sich lebendig an die Wochen, die er 1966 im Kibbuz Bror Chail verbrachte. Noch lange nutzt er seine "Kibbuz-Mütze", wie er sie nennt, bei der Gartenarbeit im Reihenhäuschen im heimischen Münster – so auch auf einer Fotografie im Frühjahr 2009. Da sich die Kappe nach gut 50 Jahren langsam in ihre Einzelteile auflöst, dient sie aktuell als Vorlage für eine originalgetreue Kopie, die ihm seine Tochter näht.
"Verrücktenmütze"
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"Kibbuz-Mütze" von Otto Fabritius, um 1966
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Studienrat i. R. Otto Fabritius (*1939) bringt 1966, von seinem Aufenthalt im Kibbuz, eine Mütze mit. Noch Jahre später nutzt er sie als Sonnenschutz bei der Gartenarbeit im Reihenhäuschen im heimischen Münster. Da sich die Kappe nach gut 50 Jahren langsam in ihre Einzelteile auflöst, dient sie aktuell als Vorlage für eine originalgetreue Kopie, die ihm seine Tochter näht.
Anzug und Fes
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Gustaf Dalman: El-Hosn, Lehrer mit Sohn, 1899/1900
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Im Dörfchen El-Hosn im Gebirge Adschlun fertigt der Palästinakundler Gustaf Dalman (1855–1941) 1899/1900 verschiedene Porträts, darunter wiederholt die Mitglieder einer Lehrerfamilie. Auf einem dieser Motive ordnet Dalman den Mann und den Jungen, vermutlich Vater und Sohn zu einer Dreieckskomposition frontal vor der Kamera. Der Vater trägt einen dunklen Anzug mit heller Weste, dunklem Halstuch und Uhrenkette. Der Sohn ist – wenn auch in helleren Farben und etwas weniger formell – sehr ähnlich gekleidet. Den Hintergrund bildet eine rohbelassene Natursteinmauer. Trotz des fast symmetrischen Bildaufbaus hält die Komposition eine unmerkliche Spannung: Die Dreiecksform der Figurengruppe wiederholt sich links hinter dem Vater in hölzernen bzw. geflochtenen Gerätschaften, die von runden und viereckigen Durchbrechungen gegliedert werden. Ihr Schattenwurf setzt sich fort in den Schatten des Dachüberstands in der rechten oberen Bildecke. Die hellste Fläche der Schwarz-Weiß-Fotografie rechts neben dem Jungen findet ihre Entsprechung links oberhalb der Gerätschaften. Die Mauer öffnet sich in der linken Bildhälfte zu einer Nische, vielleicht für einen Hauseingang. So liegt der Vater vor allem mit seinem Gesicht genau vor der dunkelsten Zone der Fotografie.
Silhouette
In Jerusalem fotografiert der Hamburger Architekt Friedhelm Grundmann (1925–2015) die Rückenansicht eines Chassiden im jüdisch-orthodoxen Viertel Mea Schearim. Später veröffentlicht die Aufnahme in der Fachzeitschrift "kunst und kirche", wo sie stellvertretend für "das" Judentum steht. Mit den Jahrzehnten haben sich einige Kopfbedeckungen derart erfolgreich als Erkennungsmerkmal durchgesetzt, dass oft schon die Silhouette ausreicht: Schtreimel oder Fedora für den orthodoxen Juden, Kufiya für die palästinensische Bevölkerung, Kova Tembel für den Neu-Israeli.
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Friedhelm Grundmann: Jerusalem, Mea Schearim, chassidischer Jude, 1985/86
Aus der Sammlung von
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Beschreibung
Der Hamburger Architekt Friedhelm Grundmann (1925–2015) zeigt die Rückenansicht eines Chassiden, während er eine Gasse im jüdisch-orthodoxen Viertel Mea Schearim hinabsteigt. Sein Weg wird gekreuzt von einer Straße und einer niedrigen Absperrung. Der Blick geht darüber hinweg zum Häusergewirr im typischen Sandsteinton.
Nicht ohne meinen Tropenhelm
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Album Familie Rück: Jerusalem, Syrisches Waisenhaus (wohl), Heinrich Rück mit Orangen aus Bir Salem, "Ein 15 cm langer Zweig hat 9, der andere 11 Orangen", 1925
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In Jerusalem besucht das Tübinger Ehepaar Rück seine Tochter Agnes, die ab 1923 mit Hermann Schneller verheiratet ist.
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Gustaf Dalman: Jaffa, Sommer 1906
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Als der Palästinakundler Gustaf Dalman (1855–1941) im Sommer 1906 am Strand vor Jaffa zur Kamera greift und gezielt die Altstadt-Silhouette in den Blick nimmt, gibt es bereits einzelne jüdische Siedlungen im künftigen Gebiet von Tel Aviv. Drei Jahre später wird die erste hebräische Stadt an jenem Strand gegründet.
Am Ende aller Bilder
Reiselektüre
Mehr Bilder und Hintergrundinformationen zum Projekt "Das gelobte Land der Moderne" finden sich im Begleitbuch:
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Dia-Sammlung "Ritast": Flug nach Israel, 1980
Aus der Sammlung von
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Eine junge Frau strahlt in die Kamera: Noch ist alles Vorfreude, als "Ritast" (hier aus Datenschutzgründen unter ihrem WDR-Digit-Alias geführt) im September 1980 nach Israel aufbricht. In den Händen hält sie die "Fliegenden Blätter", die Kundenzeitschrift der Fluggesellschaft Condor. Auf dem Luftweg zwischen Frankfurt und Tel Aviv stimmt sie sich damit auf das exotische Reiseziel ein. Gemeinsam mit ihrem Bruder wird sie die historischen Stätten in Nazareth und Jerusalem besichtigen, die modernen Metropolen Haifa und Tel Aviv besuchen und im Roten Meer baden – eine zeittypische Mischung aus Kultur und Erholung. In den 1980er Jahren ist der junge Staat Israel angekommen im Hier und Jetzt des internationalen Tourismus.
Weitere Informationen
Eine virtuelle Ausstellung von
Bildnachweis der Zwischentitel-Bilder
- Gerhard Günzel: am Toten Meer, 1929 (Bild: Deutsches Evangelisches Institut für Altertumswissenschaft des Heiligen Landes, Jerusalem)
- Heinz Dürr: Palästina-Reliefkarten von Robert Koeppel, wohl späte 1920er Jahre (Bild: Gustaf-Dalman-Institut, Greifswald)
- Erik Aurelius sen. (wohl): Tibne, Lewis H. Larsson mit der Kamera, 9. Mai 1910 (Bild: Gustaf-Dalman-Institut, Greifswald)
- Gruppenfoto mit Alfred Jepsen (ganz rechts) während der Überfahrt, Frühjahr 1955 (Bild: Nachlass Jepsen / Gustaf-Dalman-Institut, Greifswald)
- Gustaf Dalman: Jerusalem, Aussätzigenasyl, Gemüse vom Markt, 12. Juli 1925 (Bild: Gustaf-Dalman-Institut, Greifswald)
- Alle übrigen Bildnachweise werden jeweils am Bild geführt (Klick auf das "i").
Quellen der Zitate (in der Reihenfolge ihres Erscheinens)
- Salomon-Ludwig-Steinheim-Institut Essen, Nachlass Goldstein, 1/F00062 A/90, rückseitige Beschriftung des Abzugs.
- Privater Nachlass Friedhelm Grundmann/Gisela Grundmann-Wienert, Album Israel 1985, getippter Reisebericht (von Friedhelm Grundmann), Eintrag zum 17. März 1985 (dieser Eintrag handschriftlich).
- Greßmann, Hugo, Durch das Ostjordanland, in: Palästinajahrbuch 4, 1908, S. 104–131, hierin: S. 110.
- Trietsch, Davis, Bilder aus Palästina, Berlin o. J. [wohl um 1916], 2. Auflage, S. 10.
- Dalman, Gustaf, Jahresbericht des Instituts für das Arbeitsjahr 1908/09, in: Palästinajahrbuch 5, 1909, S. 3–26, hierin: S. 5.
- Privater Nachlass Alfred Jepsen/Gustaf-Dalman-Institut Greifswald, Postkarte aus Rāmallāh an seine Frau nach Deutschland, 11. April 1955 (Poststempel).
- Privater Nachlass Günter Haufe, Tagebuch, summarischer Eintrag zur gesamten Reise.
- Gustaf-Dalman-Institut, Greifswald, als Fotohülle zweitverwendeter Umschlag.
- Privater Nachlass Elisabeth Bäcker, Israel-Album I, 1981, „Meine Vorbereitungen“.
- Wöhler, Karlheinz, Aufhebung von Raum und Zeit. Realitätsverlust, Wirklichkeitskonstruktion und Inkorporation von Reisebildern, in: Köck, Christoph (Hg.), Reisebilder. Produktion und Reproduktion touristischer Wahrnehmung, Münster in Westfalen u. a. 2001, S. 79–88, hierin: S. 82.
Team
Dr. Karin Berkemann
Impressum
Gustaf-Dalman-Institut Greifswald
Theologische Fakultät, Universität Greifswald, Am Rubenowplatz 2-3, 17489 Greifswald
Dr. Karin Berkemann
+49 3834 4202517
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